w • .-. A 1 1Pgo- — Bulletin. Tome V. Nr. 3 — 8; Tome VI. Nr. 1—5; Tome VII. Nr. 1—2. St. Petersbourg, 1863 & 1864; 4°- Annalen der Chemie und Pharmacie von Wo hier, Liebig und Kopp. N. R. Band LVI., Heft 1 & 2. Leipzig und Heidelberg, 1864; 8o- Apotheker- Verein, allgem. österreichischer: Österreichische Zeit- schrift für Pharmacie. Jahrg. 1862. Wien; 8°- — Zeitschrift. 2. Jahrg. Nr. 24. Wien. 1864; 8°- — Bericht über die General-Versammlungen 1861, 1862, 1863, & 1864. W T ien, 1862 — 186i; So- Astronomische Nachrichten. Nr. 1505 — 1507. Altona, 1864; 4«- Bibliotheque Universelle et Revue Suisse: Archives des sciences physiques et naturelles. N. P. Tome XXI. Nr. 82—83. Gene*ve, Lausanne, Neuchatel, 1864; So- Bureau de ia recheiche geologique de la Suede: Carte geologique de Ia Suede accompagnee de renseigements. Livraisons 6 — 13. Folio & 8«- Comptes rendus des seances de l'Academie des Sciences. Tome LIX. Nr. 23—25. Paris, 1864; 4»- Cosmos. XIII e Annee, 25 e Volume, 24 e — 26 e . Livraisons. Paris, 1864; 8o- Gesellschaft, physikalisch- medicinische: Würzburger medici- uisclie Zeitschrift. V. Bd., 2 & 3. Heft; Würzburger natur- wissenschaftliche Zeitschrift. IV. Bd., 2. & 3. Heft; V. Bd., 1. & 2. Heft. Würzburg, 1863 & 1864; 8<>- — physikalisch-ökonomische, zu Königsberg: Schriften. V. Jahrg. 1864. I. Abtheilung. Königsberg, 1864; 4o- Gewerbe-Verein, nieder-österr. : Wochenschrift. XXVI. Jahrg. Nr. 1. Wien, 1865; 8°- Gr u nert, Job. Aug., Archiv der Mathematik und Physik. XLII. Theil. 3 & 4. Heft. Greifswald. 1864; 8»- Helmholtz, H., Die Lehre von den Tonempfindungen als physiolo- gische Grundlage für die Theorie der Musik. (Zweite Ausgabe.) Braunschweig, 1865; 8°- Institut, k. k. militärisch-geographisches, in Wien: General- karte vom südwestlichen Deutschland. (12 Blätter). Wien, 1865; Folio. lnstituto historico, geogräphico e ethnogräphico do Brasil. Revista trimensal. Tomo XXVI; Tomo XXVII, Parte 1\ Rio de Janeiro, 1863 & 1864; 8<>- Jahresbericht über die Fortschritte der Chemie von Heinrich Will. Für 1863. II. Heft. Giessen, 1864; So- Land- und forstwirtschaftliche Zeitung. XIV. Jahrg. 1864. Nr. 36. XV. Jahrg. 1865, Nr. 1. Wien; 4<>. Mittheilungen des k. k. Artillerie-Comite. Jahrg. 1864. IX. Bd., 3. Heft. Wüen; 8<>- — aus J. Perthes' geographischer Anstalt. Jahrg. 1864, X&XI. Heft. Gotha; 4°- . Mondes. 2 e Annee, Tome VI, 16 e — 18 e Livraisons. Paris, Tournai, Leipzig, 1854; 8°- Moniteur scientifique. 192° Livraison. Tome VI e , Annee 1864. • Paris; 4 0> Murchison, Sir Roderik J. , On the relative Powers of Glaciers and floating Icebergs in modifying the Surface of the Earth. (From the Address of the President of the Royal Geograph. Society. May 23, 1864.) London, 1864; 8<" Museum Francisco-Carolinum: 24. Bericht. Linz, 1864; 8<>- Observatoire physique central de Russie: Annales. Annees, 1860 & 1861. St. Petersbourg, 1863 & 1864; 4<>. — Corre- spondance meteorologique. Annees 1861 & 1862. St. Peters- bourg, 1863 & 1864; 4°* — Compte-rendu annuel. Annees, 1861—1863. St. Petersbourg, 1862—1864; 4<>- Reader. Nr. 103—105, Vol. IV. London, 1864; Folio. San na Solaro, J. M., Memoire sur le premier bassin de Dinotherium decouvert dans le departement de la Haute-Garonne. Toulouse, 1864; 8o- Society, the Royal, of London : Proceedings. Vol. XIII. Nr. 65—67. London, 1864; 8°- — theAsiatic, of Bengal : Journal Nr. 2, 1864. Calcutta; 8°- Society, the Royal Geographieal: Journal. Vol. XXXIII. 1863. London; 8<>- — Proceedings. Vol. VIII, Nr. 5. London 1864; 8«- — the Chemical: Journal. Ser. 2, Vol. II. July, August. September 1864. London; So- Strauch, G. W., Praktische Anwendungen iür die Integration der totalen und partialen Differentialgleichungen. I. Band. Braun- schweig, 1865; 8° Verein, siebenbürgischer, für Beförderung der nationalen Literatur und Cultur des romanischen Volkes: Jahrbuch. 1862. Hermann- stadt; 8». Wiener medizin. Wochenschrift. XIV. Jahrg. Nr. 51 — 53; XV. Jahrg. Nr. 1. Wien, 1864 & 1865; 4<>- Wochen-Blatt der k. k. steierm. Landwirtbschafts-Gesellschaft. XIV. Jahrg. Nr. 4. Gratz, 1864; 4<>- Zeitschrift für Chemie und Pharmacie von 'Erlenmeyer. VII. Jahrg. Nr. 20—22. Heidelberg, 1864: 8«- Boue. Bibliographie der künstlichen Mineralienerzeugung. 7 Bibliographie der künstlichen Mineralienerzeugung. Methodisch-chronologisch zusammengestellt von dem w. M. Dr. Ami Bon L (Vorgelegt in der Sitzung am 20. October 1864.) „Non fingendum aut excogitandum, sed experiendum quid natura faciat aut ferat", schrieb einst ßaco n und er hatte ganz recht, indem er auf die reichsten echt philosophischen Quellen des Wissens für die Geogenie und Geologie hinwies. Chemie und Physik sind für jene Lehren, was Mathematik für Astronomie ewig bleibt; beide Classen von Wissenschaften können zu einer Fülle von Resultaten führen. Der Fachgelehrte allein muss unter diesen diejenigen zu wählen verstehen, welche sich in der Natur wieder finden, indem er zugleich zu erkennen gibt, warum eine Anzahl anderer dieser letz- teren Kategorie fremd bleibt und ewig fremd bleiben wird. Dieser Gedanke führte mich zur Bearbeitung der hier beige- legten Bibliographie der künstlichen Erzeugung von Mineralien, zu dessen Aufzählung ich erstlich das Allgemeine von dem Detail absonderte und dann chronologisch meine Citate ordnete, um eine förmliche Geschichte jenes höchst interessanten Theiles der Geologie zu bekommen. Geognosten so wie Chemikern und Physikern dachte ich damit einen Dienst zu leisten. Doch wohl bemerkt, habe ich mich auf die reelle Erzeugung von Mineralien fast beschränken müssen, indem ich nur einige Beobachtungen der Art dazu gefügt habe, welche die Natur selbst auf das deutlichste in Berg- werken oder sonst anderswo bewerkstelligt. Alle theoretischen An- sichten über die Bildung der Mineralien, selbst die durch die Chemie bestätigten, blieben ausser meiner Lese. Die künstliche Erzeugung von Mineralien ist fast nur ein Pro- duet der wissenschaftlichen Thätigkeit unseres Jahrhunderts. Unter 791 Werken, Abhandlungen oder Notizen gehören nur SS dem ver- flossenen, indem die ältesten Schriften der Art nur bis 1721 und 1729 zurückgehen, und noch dazu die meisten nur während den ö B o u e. zwei letzten Deeennien des vorigen Jahrhundert herausgegeben wurden, namentlich vom Jahre 1780 bis 1789 29 und von 1790 bis 1799 10, indem von 1740 bis 1749 nur 2, von 1750 bis 1759 nur 3, von 1760 bis 1769 nur 2 und von 1770 bis 1779 nur 7 erschienen. Dazu kommt noch die Bemerkung, dass diese Versuche theilweise nur gelangen und meistenteils nur auf dem trockenen Weg zu Stande kamen, die anderen waren fast alle misslungen. Anfangs unseres Jahrhunderts wendeten Gelehrte schon mehr Auf- merksamkeit diesem Gegenstande, oder besser gesagt, die Fort- schritte der neueren Chemie erlaubten schon solche Untersuchungen in einer gründlichen Form. Die Zahl der Abhandlungen wuchs von Decennium zu Decennium. Wenn es in dem ersten Decennium 21 gegeben hatte, so zählte man deren 41 im zweiten, aber besonders nach dem allgemeinen Frieden Europas im Jahre 1815 wuchs so- gleich diese Zahl für das dritte Decennium auf 109. In den Jahren 1830 bis 1839 kamen 114 heraus, in den Jahren 1840 bis 1849 179, in den Jahren 1850 bis 1859 265 und seit 1860 zähle ich deren schon 67. Was die Werke über die künstliche Erzeugung der Mineralien betrifft, so gab es bis jetzt fast gar keine, welche den Gegenstand auf allen Seiten beleuchtete, wenn nicht Bischofs chemisch- physikalische Geologie als Ausnahme gelten sollte. Doch für beson- dere Arten der Erzeugung, wie vorzüglich für diejenige auf dem trockenen oder feurigen Wege, kennt man bis jetzt einige wenige, unter welchen die von Hausmann, Koch, Leonhard, Gurlt und Manross den ersten Rang einnehmen, indem unter den Abhandlungen besonders die Mitscherlich's, Gaudin's, Ebel- men's, Sainte-CIaireDevil le's, Fournet's u. s.w. ausgezeichnet sind. Unter den anderen Erzeugungsmelhoden sind nur mehr oder weniger ausgedehnte Denkschriften vorhanden, unter welchen für die Verfahrungsweise auf dem nassen Wege man vorzüglich die von Fuchs, K n hl mann, G. Bischof, Becquerel, H. Rose, B. Damour, Senarmont, Daubree und Delesse hervor- heben kann. Über elektrochemische Erzeugung hat bekanntlich Becquerel das Vorzüglichste geliefert, Ritter war der erste auf dieser Bahn, ihm folgten John Davy, Crosse, Fox, Schoenbein, Pail- lette, Hunt u. s. w. Bibliographie der künstlichen Mineral ienerzeugung'. 9 Meine Bibliographie fängt mit einer* allgemeinen Aufzahlung der Werke und Abhandlungen über künstliche Erzeugung der Pro- ducte des Mineralreiches in der Zahl von 57 an. Dann kommen an die Reihe: 1. die besondere Erzeugung auf nassem Wege 38 Citate, namentlich die eigentlichen 15 Citate, die mittelst Hitze und Druck, 16 Citate; unter letzteren 7 für Bildungen im Dampf- kessel. In diesem Fache begegnen wir natürlich mehreren Namen unserer berühmtesten Chemiker, wie Berzelius, Wohle r, Bunsen u. s. w. ; 2. die besondere elektrochemische Erzeugung, mit 33 Nummern, unter welchen 13 dem Herrn Becquerel allein gehören; 3. die besondere Erzeugung auf trockenem Wege mit 117 Citate, namentlich für eigentlich solche Erzeugung mittelst Sublimation u. s. w. 45, durch Feuerbrünste 5, langwierige Hitze 7, Abkühlung 7, Entglasung 15, Krystalle im Glase 9, Hitze sammt Druck 9, prismatische Sandsteine 12, andere Veränderungen 3, Druck, Ziehung, Percussion, Vibration, Oscillation, Berührung 6. In dieser Aufzählung prangen für den Anfang dieses Jahrhunderts die Namen Sir James Hall, Watt, d'Artigues, de Dree, Fleu- riau de Bellevue, später die von Per kins, Cagniard de la Tour, Sorby u. s. w., welche so wichtige Thatsachen besonders für die Bildung feuriger Gesteine lieferten. Weiter folgen die Referate über alles, was die Krystall- bildung betrifft, in der Zahl von 68, namentlich Für das langsame Krystallisiren 2, Krystallisation durch Austrocknung 2, Formen- her vorbringung 24, Erzeugung grosser Krystalle 4, Erzeugung der Veränderungen in den Winkeln der Krystalle 3, Hervorbringung von Formenveränderungen 3, verschiedene Formen für dieselben chemi- schen Verbindungen 7, Erzeugung secundärer Flächen in Krystallen 9, treppenförmige Krystalle 1, Hemitropien 2, Isomorphismus 2, Episomorpliie 1, Pseudoinorphosen 2. In jenem Theile glänzen die Namen Mitscher lieh, Rose (Gust), Fra nkenheim , Hausmann, Rammeisberg, Noeg- gerath, Carnall, Scheerer, K. v. Hauer, Marbach, Reich; neben denen von Leblanc, Lavalle, Bertliier, Nikles, Gaudin, Payen, Kuh! mann, Pa stein* und D uro eher. Die 10 B o u e. Untersuchungen auf diesem Felde erstrecken sich schon zurück bis in das vorige Jahrhundert. Den Eigentümlichkeiten der Krystalle und Mineralien sind 22 Citate gewidmet, namentlich für Efflorescenz 4, für Verwitterung 2, für colorirte Ringe 3, für blaue Färbung 3, für Irisation 5, für Asterismus 1, für Löcher in Krystallen und Drüsen 3, für schaal- förmige und oolithisehe Bildung 2. Endlich folgt die alphabetische Aufzählung von unge- fähr 260 künstlich erzeugten Mineralien, mit den kurz- möglichsten Andeutungen über die Erzeugung derselben, wohl aber nur !ür Fachmänner verständlich. Dieses Capitel enthält 456 bis 500 Citate, obgleich die Zahl der eigentlichen Abhandlungen kleiner ist, da in einer manchmal über mehrere Mineralien gesprochen wird. Eine eigene Abtheilung für die Analysen der künstlich erzeugten Mineralien enthält 109 Referate, welche noch zahl- reicher hätten werden können, wenn man die Schlackenanalysen dazu genommen hätte. Das Ende dieser Arbeit bildet die künstliche Erzeugung der Gebirgsarten mit 100 Referate, namentlich für F-elsarteu 58 Citate, für Erzlager und Gänge 6, für Verwitterung der Felsarten 2, für Gebirgsartenstructur 5 Referate, für Gerolle und Felsen- schrammen 4 Citate, für thierische Petriiicirung durch Kalk und Kieselerde 4 Citate, für diejenigen der Pflanzen 3 Referate und für die Bildung der Braun- und Schwarzkohle 14 Citate sammt dem Torfe und die Erdharze mit 3 Citaten. In diesem Theile finden wir besonders die Namen von D a u b r e e, Hausmann, H. Rose, Du roch er, Dechen, Sainte-Claire, Deville; für Erzgänge die Becquerel's und Cotta's; für Petri- ficirung die Ehrenberg's; für Pflanzenpetrificiruug die Goep- pert's und Morris und für die Braun- und Schwarzkohlenerzeu- gung die von Goeppert, Fournet, Macculloch u. s. w. Wenn man sich die Frage stellt, welche Menschenrace in diesem Fache am meisten geleistet hat, so muss man den Franzosen und ganz besonders der Pariser Schule die Palme lassen. Nicht nur haben sie manches Mineral wieder erzeugt, sondern auch diese Erzeugung auf den drei verschiedenen Hauptwegen versucht. Nach ihnen kommen unstreitig, nicht sowohl die Germanen als besonders die Deutschen, welche vorzüglich viele Beobachtungen auf dem Bibliographie der künstlichen Mineralienerzeugnng. 1 1 trockenen und selbst nassen Wege wegen ihren zahlreichen Hütten- und Hochöfen machen konnten. Norddeutsche waren in dieser Hin- sicht fleissiger als Süddeutsche, besonders als Bayern und Öster- reicher. Die Anerkennung einer Zurücksetzung der Deutschen gegen die Franzosen in diesem Fache kann diesen Stamm nur in der Achtung der wissenschaftlichen Welt erheben, denn da die Deutschen die Franzmänner in anderen Fächern anerkannter Weise überragen, wie z. B. in der Meteorologie, vorzüglich die Berliner Schule, in der Physiologie u. s. w. In Allem die ersten sein wollen, das ist eine eitle Schwäche, welche man wohl anderen Bacen überlassen kann. Unter den anderen Germauen wurde nur Einzelnes geliefert; die Schweden, so wie die deutschen Schweizer uud auch die Belgier, Anglo- sachsen blieben in diesem Fache gegen Deutsche und Franzosen zurück, obgleich sie in einzelnen Abtheilungen besonders für Resul- tate im trockenen Wege und über diejenigen der Hitze sammt Druck, manche schätzbare Erfahrung der Wissenschaft erworben haben. Die Nordam'erikan er, die Italiener und Spanier sind die Racen, welche am wenigsten in diesem Fache productiv waren. \ Z B o u e. Bibliographie der künstlich, erzeugten Mineralien im Allgemeinen. Artein experientia feci Exemplo monstrante viam. Manilius. Diss. physica I de natura artificiosa in producendis et formandis lapidibus quam preside Ern. Godofr. Christ. Schroedero in almo Leucorea die Oct. 1759 placidae eruditor. disquisitione subjecit M. Christ. Gottl. Git- lingius Wittemberg 1759 auch 1761 4<>. — Hamb. Mag. 1761, Bd. 25, Th. 5, S. 479—502. Beckmann (Joh.), Ermahnungen an die Akademien, um Versuche längerer Dauer über die Wirkung der Luft, des Wassers, der unterirdischen Dünste, der vulcanischen Hitze und der Thermalwässer auf verschiedene Mineral- gattungen anstellen zu lassen. Seine physikalische Bibliothek. 1777, Bd. 8. S. 85. Achard, Versuch zur Darstellung von Späth und Quarzkrystallen. — Bozier's Obs. s. la Phys. 1780. Bd. 15, S. 407—432. (Siehe Buchholz weiter unten). Grignon, Einige durch Feuer gewonnene Krystallisationen (Eisen, Messing u. s. w.) Mem. de phys. sur l'art de fabriquer le fer u. s. w. d. 1775, S. 475. Saussure (Horace de), L'action de la nature est dans les memes circonstances la meme que celle de l'art et comment pourroit-on supposer le contraire? Les loix generales du monde physique n'agissent-elles pas dans nos labora- taires de la meme maniere que dans les Souterrains des montagnes. Voyage dans les Alpes 1780. §. 730. Lena (Innoc. della), Disingano delli errori presi e publicati da un Anonimo sul foglio d'intelligenza della Gazetta generale di letteratura che vi stampo in Berlino e che ha eorso in molte altre citta d'Alemagna. Dresden 1795. 8. (40 S.) Allg. Lit. Zeit. 1793. N. 318, S. 431. (Gegen der Behauptung der Steine, Marmor u. s. w. Erzeugung). Leonardo da Vinci, Dobbiamo cominciare dall' esperienza e per mezzo di questa scoprirne le ragione. Queste e il methodo da osservarsi nella ricerca de fenomeni della natura. Essai s. les ouvres physico-math. de L. da Vinci durch Venturi 1797, S. 31 und Mein, storiche su la vita di L. d. V. v. Amoretti. Mailand 1804. S. 143. Pissis, Über Incrustationen der Rauchfiinge in Antimon-Schmelzöfen. Gehlen's N. allg. J. d. Chem. 1807. Bd. 3, H. 3, S. 328. Leblanc, Cristallotechnie, künstl. Kryslallerzeugung (Alaun, geschwefeltes Kupfer und Eisen). De la Metherie's .1. d. Phys. 1802. Bd. 54, S. 50; Bd. 55, S. 300—314. - Bull. soc. Philomat. P. A. IX. S. II. Bibliographie der künstlichen Mineralienerzeugung'. 1 »> Muthuon (J.), Decouverte de la nianiere dont se forment les crist. pierreux metalliq. non salins et de donner lieu a leur formation au moyen d'un appa- reil artificiel. Lyon 1815. 8. Isis 1818. Hft. 7, S. 1156. Hausmann (J. F. L.), Nützlichkeit der metallurgischen Beobachtungen für die geogenetischen Studien. Götting. gel. Anz. 10. Febr. 1816 Nr. SO, Sehweigger's N. Jahrb. für Chemie und Physik. 1817. Bd. 19, S. 221-228. — Leonhard's Taschenb. für Mineralogie. 1817. Bd. 11, Th. 2, S. 539 bis 565. — Bibl. univ. Geneve. Bd. 17, S. 134—141. — Interessant. Prisma- tisch gewordener, durch Eisen gefärbter, verglasster, geschmolzener Sandstein in Hochöfen, Kalkstein mit seinem kohlensaurem Gehalt u. s. w. — Specimen crystallographiae metallurgiae. Gotting. k. Ges. d. Wissensch. 17. Mai 1817. — Götting. gel. Anz. 1817. Nr. 101 und 102. — Comment. Soc. Goetting. f. 1816-1818. Bd. 4, S. 59—88. — Separat 1819 und auch 1820 in 4. Leonh. Taschenb. für Min. 1818, Bd. 12, Th. 2, S. 506-517. — Schweigg. Jahrb. für Chcm. und Phys. 1819, Bd. 25, S. 201-211. — Moll's Jahrb. d. B. u. H. 1821, Bd. 4, S. 307—315. - Edir.b. phil. J. 1821, Bd. 5, S. 155-164, 344—351. (Metallisch Krystall. von Eisen, Kupfer, Messing, arsenikh. Nickel, geschwefelt. Kupfer, Blei, Antimon, Zink- und Kupferoxyde, Arseniate, Graphit u. s. w.) Mitscherlich (E.), Künstliche Erzeugung der Mineralien nach ihrer Zusammen- setzung. Abh. d. k. Ak. d. Wiss. zu Berlin f. 1822—1823. Phys. Cl. 1825, Bd. 9, (N. F. Bd. 7), S. 24—41 (3 Th. seiner Abh. üb. d. Form, Verhalten u. ehem. Proport. d. Krystalle). — Gilb. Ann. Phys. 1823, Bd. 73. — Ann. de Chimie. P. 1823, Bd. 24, S. 355—376. — Ann. d. Mines 1824, Bd. 9, S. 176— 181. — Berzelius, Jahresber. deutsch. Üb. 1825, Bd. 4, S. 140. — Zeitschr. f. Min. 1826, Bd. 1, S. 74. — Ann. of Philos. 1824, Bd. 8, S. 467. — Edinb. J. of sc. 1824, Bd. 1, S. 375; 1825, Bd. 2, S. 129. — Boston, J. of Philos. 1825, Bd. 2, S. 393. — Giorn. di fisica Pav. 1824, 2. Dec. Bd. 7, bim. 2. Th. 1. - Antologia Florence, 1824, Bd. 15, Th. 2, S. 188. Höchst interessant. 40 Proben, Glimmer, Eisen Silicate, Bi- und Trisilicate u. s. w. Wirkung d. ehemalig. Druckes durch das Meer, der Gazarten u. s. w. Koch (Friede.) , Beitrage zur Kenntniss krystallinischer Hüttenproducte. Göt- tinnen 1823, 8°, 2 Taf. Ann. d. Min. 1824, Bd. 9, S. 393. — Ferussac's Bull. univ. 1824, Bd. 1, S. 129. - Edinb. phil. J. 1824, Bd. 11 , S. 250 bis 255. (Schwarz. Eisenoxyd, Eisenoxydul, Zinkoxyd, Galnu-i, Chlornatron, kieselige Emaillen). Hollunder, Künstl. Min. in Eisen- und Zinkhütten Oberschlesiens und Polens (metallisch. Titaneisen u. s. w.) — Kastner's Arch. f. ges. Naturk. 1827, Bd. 12, S. 385—392. Hunefeld und Picht, Bügen's metallische Denkmäler der Vorzeit, vorzugsweise chemisch bearbeitet. Leipzig, 1827. Bredsdorf (J. H.), Slagelse Mineralgeskie Bidrag. Kopenhag. 1832, 8°. Miller (W. H.), Krystalle in Schlacken (dem Olivin nahe), Trans, phil. Soc. Cambridge 1830, Bd. 3, Th. 3, S. 417. 14 B o u e. Draper (John WV), Chem. Untersuch, d. Medaill. u. Münzen, Americ. J. of Sc. 1835, Bd. 29, S. 157—160. - Bibl. univ. Geneve 1836, N. R. Bd. 1, S. 370—374. Hausmann (J. F. L.) , Commentat. de usu experientiar. metallurgicar. ad dis- quisitiones geologicas adjuvandas. Gotting. gel. Anz. 1836 (37 S.) , 1837, N. 6—9, S. 50—87, — Commentat. Soc. reg. sc. Gotting. f. 1832—1837, Bd. 8, S. 137—170, separat 1838, 4. — Leonh. N. Jahrb. f. Min. 1837, S. 574—594. — Bull. Soc. geol. Tr. 1836, Bd. 8, S. 181 — 185. — Edinb. n. phil. 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Min. 1818, Bd. 12, S. 250— 264; 1821, Th. 1, S 270 bis 285. — Isis 1818, S. 408. - Giornal di fisica, Pavia 1818, 2. Decad. Bd. 1, Bim. 4, Th. 2, art. 2. — Giornale arcadico di Roma 1819, Bd. 1, fasc. 1, art. 5; fasc. 2, art. 11 ; fasc. 3, art. 9. - Quart J. of Sc. C. 1819, Bd. 6, S. 117—131. Mitscherlich (E.), K. Vetesk. Sv. Acad. Handl. 1821, Th. 1, S. 4— ff9. - J. de Phys. 1821, Bd. 92, S. 70—72. - Ann. de Chim. et Phys. 1820, Bd. 14, S. 172; 1821, Bd. 19, S. 145; 1822, Bd. 19, S. 350, 378 u. 415; 1823, Bd. 24, S. 264, 355. — Abh. k. Ak. Wiss. Berl. f. 1820-1821, 1822, S. 24 bis 41; f. 1822-1823, 1825, S. 25. — Zeitsch. f. Min. 1825, Bd. 2, S. 519. • — Quart J. of Sc. L. 1823, Bd. 14, S. 198 u. 415. — Giornale di fisica Pavia 1822, Dec. 2, Bd. 5, S. 315-319. — Antologia Fl. 1824 Bd. 15, Th. 3, S. 168. - Ann. de Chim. et Phys. 1828, Bd. 38, S. 54. — Pogg. Ann. Phys. 1828, Bd. 12, S. 137 — 146. — Ferussacs Bull. 1829, Bd. 16, S. 220 — 222. - Ann. d. Min. 1S29, 2. R., Bd. 5, S. 147 — 152. - Pogg. Ann. Phys. 1836, Bd. 39, S. 401. - LInstitut 1836, N. 170. - Ann d, Mines. 1837, 2. R. Bd. 12, S. 235. - Bibl. univ. Geneve 1836, Bd. 73. S. 384. — Ann. de Chim. et Phys. 1840, Bd. 73, S. 384. - Ann. d. Min. 1841, 3. R., Bd. 19, S. 403 — 417. — Ann. d. Chem. u. Pharmac 1841, Bd. 38, S. 173 — 185. Noch andere theoretisch oder ohne chemische Ex- perimente gemacht zu haben. Langsame Krystallisirung als gegenseitige Wirkung des Dichten und Flüssigen. Lavalle, Bull. Soc. geol. Fr. 1851, Bd. 8, S. 610 — 613. — L'Institut 1852, S. 41—42 unter der gewöhnlichen Temperatur. — C. R. Ac. d. Sc. P. 1853, Bd. 36, S. 493—495. — L'Institut 1853, S. 90. — N. Jahrb. f. Min. 1853, S. 470—473. Mace (E.), L'Institut 1853, S. 156. - Erdm. J. f. prakt. Chem. 1853, Bd. 54- N. F. Bd. 8, S. 367. Kuhlmann, Krystallisation amorpher Körper durch langdauernde Austrocknung. 1856. (Siehe Erz. a. d. nassem Wege.) De Launay, Krystallisation amorpher Körper durch Zusammenziehung. Mem. 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AI Ig- Zeit. 1847 Juli, N. 199, S. 1590. - Breslauer Jahresber. 1847. (Vide supra.) Kaidinger, Dasselbe mit Addenda. Mitth. d. Fr. d. Naturwiss. in Wien 1847, Bd. 3, S. 116-118. Hohle und Bitumen. Hatchett (Ch.), Versuche. Lond. phil. Trans. 1805 u. 1806, Th. 2, S. 109-146. — Phil. Mag. 1805, Bd. 23, S. 123—182; Bd. 27, S. 64—76 u. 99. - Gehlen's J. f. Chem. u. Phys. 1806, Bd. 1, S. 545-613. Unter Druck und mit Hitze. Macculloch (Dr. John), Lond. geol. Soc. 1812 1. Mai. — Trans, geol. Soc. L. 1814, Bd. 2, S. 1—28. — Gilbert's Ann. Phys. 1813, Bd. 43, S. 336-339. ^ Bibl. brit. Geneve 1812, Bd. 51, S. 184—189. Hutton (W.), Kohle unter dein Mikroskope. Proceed. geol. Soc. Lond. 1833, Bd. 1, S. 415-417. - Phil. Mag. 1833, Bd. 2, S. 302. — N. Jahrb. f. Min. 1833, S. 622. - N. Archiv f. Min. 1837, Bd. 7, S. 234-236. Beudant, Pflanzen unter »rosser Hitze (180—200 C.) und einem ziemlich geringen Druck. Riviere's, Ann. Sc. geol. 1842, S. 420 adnol. und seine Mineralogie 1844, S. 210. Goeppert, Karsten's N. Archiv f. Min. 1844, Bd. 18, S. 529—531. - N. Jahrb. f. Min. 1844, S. 836; 1847, S. 109; 1848, S. 726-729. - Übers. Arbeit Schles. Ges. f. vat. Cult. 1847, S. 46—53. -- Brit. Assoc. 1846. — L'lnstitut 1846, S. 377. - Bibl. univ. Geneve 1846, Bd. 3, S. 283—284. — Americ. J. of Sc. 1847, Bd. 3, S. 118. — Erdm. J. f. prakt. Chem. 1847, Bd. 42, S. 56. — Quart. J. geol. Soc. L. 1850, Bd. 6, Ausz. S. 33 bis 34. - Natuurk. Verh. v. d. Holland. Meatsch. de Wet. te Haarlem, 2. F. 1848, Bd. 4, S. I— XVIII u. S. 1—300, 23 Taf. (Auch Düsseldorf.) — C. R. Ac. P. 1849. — Pogg. Ann. Phys. 1852, Bd. 86, S. 482-484. — Übers. Arbeit Schles. Ges. f. vaterl. Cult. f. 1852; 1853, S. 39-40. — Berg- u. Hüttenm. Zeit. 1852, S. 852-854. Senarmont, C. R. Ac. d. Sc. P. 1849. Ulustrated Invenlor 1821 N. 13-21, S. 282. Fournet, Holz im verschlossenen Cylinde'r wie Cagniard Latour. Bull. geol. Soc. Fr. 1849; N. S. Bd. 6, S. 459. Barouilhet, C. R. Ac. d. Sc. P. 1858, Bd. 46, S. 376. - Geologist 1858, Bd. 1, S. 202—203, 243. Retinasphalt. Hatchett (Ch.), Lond. phil. Trans. 1804, Th. 2, S. 385. - J. d. Min. 1806, Bd. 20, S. 327—346 u. Bd. 21, S. 147—148. - Bibl! Brit. Geneve 1806, Bd. 31, S. 201. — Moll's N. Jahrb. .1. Berg- u. Hüttenk. 1809, Bd. 1, S. 462. - Nuova Scelta d'opusculi. Mailand 1804, Bd. 2, S. 57—62. S'ossilrs llar/>. Tecorelin, Phyllorelin, Xyloretin und Boloretin ähnlich. Terpentinöl in einer isomcrischeh' Verbindung in den dänischen^ ehemals mit Tannen bedeckten Torfmooren. Forchhammer, Vesrh.d. Vers. Skandinav. Bibliographie der künstlichen Mineralienerzeugung'. 73 Naturforsch. 1840. — Ann. d. Ohem. u. Pharm. 1842, Bd. 41, 'S. 39 bis 48. — L'Institut 1842, S. 217. — Ann. d. Min. 1842, 4. F. Bd. 2, S. 413 bis 415. — Quesneville! Bev. Scientif. 1840, Bd. 8, S. 332. — N. Jahrb. f. Min. 1843, S. 216—218. Bitumen . Naphta. Wilson (G.) , Erica oder Moossaameu haben im Torf- moore Bitumen erzeugt, aus welchen man Kerzen macht. Geologist 181)8, Bd. 1, S. 209. Hugienet (Isid.), Asphaltes und Naphtes. 2. Aufl. P. 1852, 8. Veisehiedene Arten Torfs. Zahlreiche Bibliographie. Grisebach, GöUing. Studien. 1845, Bd. 1, Th. 1. — N. Jahrb. f. Min. 1846, S. 744-746 u. s. w. A D D E N D A. Völlner (Christ.), Versch. fundamental. Krystallformen eines selben Salzes durth Verschiedenheiten in der Solution veranstalt. Kastner's Arch. f. Naturl. 1825, Bd. 6, S. 364. 374, Fer. Bull. 1826, Bd. 9, S. 392. Sainte-Clfiire Deville. Über Debray's Ab. über Isodimorphismus der Arsenik- u. Arfimonsäure, Erzeug, d. prismatisch. Arseniksäure. C. B. Ac. d. Sc. P. 18?4, Bd. 59, S. 98—101. Fournet («.), Spheroidische Glaskugel, mit einendige strahlförmige Structur a. e. Mittelpunkt ausgehend zu St. Berain, Ann. Sc. phys. et nat. Soe. d'agrit. de Lyon 1841. Sainte-Clairt Deville (Ch.), ßarytearbonat erzeugt durch Barytwasser an der Luft abgesetzt. C. B. Ac. Sc. P. 1864. Bd. 59, S. 101 adnotat. 74 Reichard t. Aecidium Anisotomes, ein neuer Brandpilz. Beschrieben von Dr. H. W. Reich ar dt, Privatdocenten für Botanik an der Wiener Universität. (Mit i Tafel.) Vor Kurzem gelangte an das kaiserl. botanische Museum eine Sammlung von Pflanzen aus Neu -Seeland, welche Herr Dr. Julius Haast im Jahre 1863 auf einer Reise nach den südlichen i?lpen an der Westküste dieser Insel gesammelt hat. Sie enthält eine Menge der interessantesten Formen, *on denen viele noch unbeschrieben sind. Professor Hook er in Lmdon hat sich die Bearbeitung der Phanerogamen reservirt und vir dürfen nächstens interessanten Berichten über diesen Gegenstand entgegen- sehen. Auf einer der Umbelliferen dieser Sendung, auf Anisotome geniculata Hook. fil. *) (Peucedanum geniculatum Font. 2 ), Bow- lesiagetüculata Sprengel) 3 ), fand sich ein sehr interessanter Brand- pilz, welchen mein hochverehrter Lehrer, Herr Directn* und Pro- fessor Dr. Eduard Fen zl, so freundlich war, mir zur näteren Unter- suchung zu überlassen. Es zeigte sich, dass dieser Pilz n die Reihe jener Gebilde gehört, welche man bisher unter der Grttung Aeci- dium zusammenfasste, dass er ferner noch unbeschriebai ist. Aus der Classe der Brandpilze sind aus Deutschland alein mehrere hundert Arten bekannt; ihre Repräsentanten erscheinen über die ganze Erde verbreitet; die Inseln der Südsee, namentlih Neu-See- land, beherbergen eine sehr reiche Flora von Algen, Flehten. Moo- sen und Farnen. Man ist daher berechtigt, auch aus dt* Classe der Brandpilze aus Neu-Seeland eine sehr reiche Ausbeutecu erwarten. Geht man die betreffende Literatur durch, so zeigt srh, dass die i) Flora Novae Zeelandiae I, p. 90, T. 20. : ) Flora iusularum auslralium p. 22, Nr. 136. 3 ) Species Umbellifcratum p. 14. Aecidium Anisolomes, ein neuer Brandpilz 75 Menge des bekannten Materiales eine verschwindend geringe ist; denn Berkeley führt in seiner Bearbeitung der Pilze für die von Pr. Ho oker herausgegebenen Werke, nämlich die Flora antarctica, die Flora Novae Zeelandiae und die Flora Tasmanien, nicht viel mehr als ein Dutzend Arten auf. von welchen auf das Genus Aeci- dium fünf entfallen. Bei dieser geringen Zahl von Formen, welche aus jenen Gegenden beschrieben wurden, muss eine jede, wenn auch noch so geringe Erweiterung unserer Kenntnisse in dieser Bichtung erwünscht erscheinen. Ich habe mich daher entschlossen, die Beschreibung der vor- liegenden neuen Art zu veröffentlichen, obwohl mir die Gründe keineswegs unbekannt sind, welche gegen das isolirte Publiciren von neuen Species sprechen, obwohl es namentlicli bei den Brandpilzen gegenwärtig ganz besonders gewagt erscheint, mit der Beschreibung einer neuen Art hervorzutreten. Denn bei dem schwankenden Zu- stande, in welchem sich unsere Kenntnisse von diesen Gewächsen gegenwärtig befinden, ist es nach den neueren morphologischen Untersuchungen mehr als wahrscheinlich, dass viele Formen, welche man bisher für selbstständige Gebilde hielt, nur Entwickelungsstadien eines und desselben Pilzes darstellen und man setzt sich bei der Auf- stellung einer neuen Species immer der Gefahr' aus, anstatt eines selbstständigen Organismus nur ein bestimmtes Glied aus dem ganzen Entwickelungscyklus zu beschreiben. Weil jedoch dieser genetische Zusammenhang erst einzelnen der hei uns einheimischen Arten beobachtet wurde, weil er bei den aussereuropäischen Formen noch gänzlich uibekannt ist, weil sich endlich, wie später ausführlicher auseinandergesetzt werden soll, namentlich die neuseeländischen Brandpilze in dieser Bichtung eigentümlich zu verhalten scheinen; i,o glaube ich, dass es vor der Hand bei den exotischen Arten, wo das Materiale so spärlich zufliesst, noch die Aufgabe der Mycologen sein muss, sämmtliche bekannt werdende 1 neue Formen zu beschrei- ben, auch wenn es nicht möglich war, ihren genetischen Zusam- menhang zu beobachten. Ein solcher Aufsatz hat dann immer noch den Werth, auf eine noch unbeschriebene Form aufmerksam gemacht zuhaben; neileicht gelingt es späteren Forschern, welchen Gelegen- heit geboten ist, Beobachtungen in der Natur zu machen, auch bei dem vorliegenden Pilze die vollständige Entwicklungsgeschichte zu beobachten, 76 Reichard t. Aecidiam Anisotomes n. sp. Peridiola in caulibus, pedunculis fructibusque (nunquam in foliisj subseriatium disposita, rarius irregulariter conferta, pal- lide flavescentia , tnbidosa vel subinfundibuliformia, e cellulis polyedris pachydermis constrncta , margine irregidariter crenu- lato, integro vel in lobos breves obtusos producta; stylosporae concutenatae , parvae, y i00 — 1 / 120 lin. magnae , subglobosae, pallide aurantiacae , laeves; spermogonia et sporne nondum ob- servatae. Habitat in caulibus, pedunculis et fructibus Anisotomes geni- culatae Hook. fil. ad lacum Wandka Novae Zeelandiae , ubi legit cl. Dr. Julius Haast mense Junio anni 1863. Das Mycelium dieser Art findet sich in den Intercellularräumen zwischen den einzelnen Zellen des Rindenparenchymes im Stengel, in den Dolden- und Blüthenstielen , so wie in den Früchten. Es bewirkt in diesen Theilen verschiedene Verkrümmungen und Diffor- mitäten. In den Blättern konnte ich es trotz vielfachen Suchens nicht auffinden. Die einzelnen Myceliumszellen sind schlauchförmig lang gestreckt, hin und her gebogen, ihr Querdurchmesser beträgt beiläufig y 20 o Lin. An jenen Stellen, wo sich die Becherchen zeigen, bildet es ein mehr oder weniger mächtiges Stroma i Fig. 4, st.) aus welchem sich die Peridiolen erheben, indem sie die ober ihnen liegenden Schichten des Rindengewebes, so wie die Epidermis durchreissen. Auf diese Weise entsteht der ein jedes Becherchen ringförmig umgebende Wulst (Fig. Aio). Die Peridiolen stehen meist in unregehnässigen Reihen (Fig. 1), seltener finden sie seh gehäuft; sie sind blass röthlich, röhrig, an ihrem oberen Ende s.ch trichter- förmig erweiternd (Fig. 2, 3) */ 3 — 1/ 3 Lin. lang, >/ s — ] / 6 Lin. breit, haben einen unregelmässig gekerbten , entweder ungetieilten oder in kurze, stumpfe Lappen ausgezogenen Rand. Sie werden von polyedrischen, namentlich im oberen Theile des Beche-chens dick- wandigen Zellen gebildet, deren Verdickungsschichten eigenthümlich radiär gestreift erscheinen ') (Fig. 5, 6). Die Styksporen sind 1) Dadurch erinnern sie lebhaft an ßoestelia, deren Hau namentlich De Bary in seiner schönen Abhandlung-: Untersuchungen über die Brandpilze, näher geschil- dert hat, p. 73, Tab. Vllf, Fig. ö. Aecidium Anisotomes, ein neuer Brandpilz 77 klein, kaum y 100 — '/ 120 Lin. messend, unregelmässig, kugelig oder manchmal durch wechselseitigen Druck etwas polyedrisch, blass orangegelb; ihre Membran ist glatt, sie führen als Inhalt reichlich Protoplasma, der Zellkern erscheint deutlich (Fig. 7, 8). Die perl- schnurähnlichen Ketten, zu welchen sie angeordnet erscheinen, werden meist aus 10 — 20 über einander liegenden Zellen gebildet und halten innig zusammen, so dass man sie leicht beobachten kann. DieSpermogonien undSpermatien, so wie die wahren Sporen wurden noch nicht beobachtet. Die eben beschriebene Art unterscheidet sich von allen ver- wandten durch ihr eigenthümliches Vorkommen auf den Axen der verschiedenen Ordnungen, so wie auf den Früchten von Anisotome geniculata Hook. fil. Unter den wenigen bis jetzt bekannt gewor- denen antarctischen Species hat sie in Bezug auf die Form der Becherchen nur mit einer einzigen, dem Aecidium magellanicum Berk. *) Ähnlichkeit; dieses lebt aber auf den Blättern von Berbe- ris ilicifolia Forst, und hat ein viel kürzeres Peridiolum, dessen freier Band in viel längere und spitzere Lappen getheilt erscheint ; ferner sind bei ihm, so viel sich aus der Abbildung entnehmen lässt, die Zellen der Hüllen nicht dickwandig, auch haben die Stylosporen andere Dimensionen. Von den Aecidien der alten Welt leben, so viel mir bekannt, folgende auf Umbelliferen und könnten mit Ae. Anisotomes verwech- selt werden : Ae. Falcariae D. C. 2 ), Ae. Bunii D. C. 3 ), Ae. Fera- lae Roussel *) und Ae. Foenicnli Cast. 5 ). Sie unterscheiden sich aber sämmtlich durch eine ganz andere Gestaltung des bei ihren viel kürzeren, nie röhrigen Peridiolums, so wie durch andere Dimen- sionen der Stylosporen. Die vorliegende Art hat vielmehr durch die lange, röhrige Form der Becherchen, so wie durch die Zusammen- setzung desselben aus namentlich im oberen Theile der Hüllchen eigentümlich verdickten Zellen eine innige Verwandtschaft mit jenen Formen, aus welchen Rebentisch 6 ) seine Gattung Roestelia bildete. i) Flora antarctica II. p. 450, Tab. 163, 2. a ) Flore de France VI, p. 91. 3) Ibid. p. 96. 4 ) Exped. scientifique en Algerie, Botan. I, p. 305. 5) Catal. Plant. Mars. p. 215. 6 ) Flora neomarch. p. 350. 7 ö Reichard t Das Aecidium Anisotomes, so wie auch Ae. magellanicum Berk. stehen nach meiner Ansieht als vermittelnde Zwischenglieder zwischen den wahren Aecidien und den Roestilien; sie rechtfertigen es, wenn man diese beiden Gattungen wieder vereint, wie es in neuerer Zeit mehrfach angestrebt wurde 1 ). Zum Schlüsse möchte ich mir noch einige allgemeine Bemer- kungen über die aus Neu-Seeland und den antarctischen Inseln bekannt gewordenen Arten von Brandpilzen erlauben. Nach den vor- trefflichen neueren, morphologischen Arbeiten über diese Pilze, unter welchen namentlich jene von Tulasne 3 ) und De Bary 3 ) hervor- zuheben sind, zeichnen sich die Uredineen dadurch aus, dass bei ihnen aus dem Mycelium in einer bestimmten Aufeinanderfolge Zellen zur Entwickelung gelangen, welche sich aus dem Verbände mit der Mutterpflanze lösen und sie wieder zu erzeugen vermögen. Nebst den Spermogonien und Spermatien, welche wahrscheinlich mit dem Vorgange der Befruchtung im innigsten Zusammenhange stehen, kommen namentlich die Slylosporen und die eigentlichen Sporen in Betracht, besonders seit es De Bary gelungen ist, bei einer Uro- myces-Art aus den wahren Sporen durch Cultur auf der geeigneten Nährpflanze einen Brandpilz zu erziehen, der Stylosporen trug, von denen man schon früher vermuthet hatte, dass sie zum Entwickelungs- kreise der obgenannten Species gehörten. Man kann nach diesen Beobachtungen als entschieden annehmen , dass eine jede Uredinee im Verlaufe ihrer vollen Entwickelung nebst den Spermogonien auch noch Stylosporen und wahre Sporen erzeugt, welche in einem noch nicht genauer bekannten Verhältnisse zu einander stehen, welche auf derselben Pflanze aus demselben Mycelium in einer bestimmten Succession sich bilden. Das Genus Aecidium, wie es die älteren Botaniker begreny-en, besteht nun nach den neueren Untersuchungen aus Formen, welche als Stylosporen tragende Gebilde anzusehen sind. Zu einem jeden Aecidium soll dem entsprechend eine zweite Form gehören, welche die wahren Sporen trägt, welche mit dem betreffenden Aecidium i) Vergl. namentlich De Bary I. c. : ) Premiere et seconde memoire sur les Ustilaginees et Uredinees. Ann. d. sc. nat. Botan. III. Ser. VII (1847), p. 12, IV. Ser. II, 1854, p. 2. ! ) Untersuchungen über die Brandpilze, Berlin 1853, ferner: Untersuchungen über die Entwickelung einiger Schmarotzerpilze. Rej>enshurger Flora 1863, p. 161 u. w. Aeeidium Aniaotomes, ein neuer ßrandpilt. 71) dieselbe Pflanze bewohnt, aus demselben Mycelium entspringt, welche bisher eine Art aus den Gattungen Urumyces. Puceinia u. s. w. repräsentirte. Diese beiden Formen würden erst gemeinsam den Brandpilz in seinen Entwiekelungsstadien vollständig repräsen- tiren. Vergleicht man nun die wenigen aus Neu-Seeland und den antarc- tischen Inseln bekannt gewordenen Arten von Uredineen, namentlich der Aecidien in dieser Richtung, so stellt sich das sehr merkwürdige Verhältniss heraus, dass in keinem einzigen Falle eine und dieselbe Pflanze von zwei Brandpilzen bewohnt erscheint, von welcher der eine die Form mit den Stylosporen, der andere jene mit den wahren Sporen repräsentiren könnte. Entweder wurde die zweite comple- mentäre Entwicklungsstufe nur übersehen, oder sie existirt über- haupt im Bereiche der dortigen Flora nicht. Wenn das Letztere wirklich der Fall sein sollte, so würde diese Thatsache ein eanz neues Licht auf die so complicirten Verhältnisse der Fortpflanzung bei den Uredineen werfen und wäre von allgemeinem wissenschaft- lichem Interesse. An getrockneten Pflanzen kann diese Frage nicht entschieden werden; man muss die Studien an lebenden Pflanzen machen. Möchten botanische Keisende, oder die tüchtigen Pflanzen- kundigen Neu -Seelands diesem Gegenstande ihre Aufmerksamkeit zuwenden. Interessante Resultate würden ihre Bemühungen gewiss reichlich lohnen. oü Reichard t. Aecidium Anisotomet, ein neuer Brandpilz. Erklärung der Abbildungen. Fig. 1. Ein Blüthenstielchen von Anisotome geniculata Hook. fil. besetzt mit den Becherchen von Aecidium Anisotomes; lOmal vergrössert. „ 2 und 3. Zwei Peridiolen dieses Pilzes; 36mal vergrössert. „ 4. Ein Becherchen der Länge nach durchgeschnitten. e. Die Epidermis. r. Das Binderparenchym. o. Ein Ölgang. io. Der durch die emporgehobene Epidermis und Binde gebildete Wulst. st. Das Stroma. p. Das Peridiolum. sp. Die zu Ketten vereinigten Stylosporen. Die Vergrössung ist HOmal. Fig. 5. Eine Partie der Wand des Peridiolums 230mal vergrössert. „ 6. Eine Zelle von eben daher 400mal vergrössert. „ 7. Drei Sporenketten 230mal vergrössert. „ 8. Einige isolirte Sporen 400mal vergrössert. Reichardfr. AccieLram Änisotomes. Fia. *. Fig. 3. Autor (Lei Ft 9 . 6. Fig. ■- k. Hof.u. S1 SitziingsVd.k. AUi.d.W. m.-itli . natura l'l. LI. M .1 UUh.1865. 81 II. SITZUNG VOM 12. JÄNNER 1865. Der Secretär legt vor die eben erschienene zweite Abtheilung des II. Bandes des zoologischen Theiies des Novara-Reisewerkes, enthaltend die „Lepidopteren", bearbeitet von den Herren Dr. Cajetan Felder und Rudolf Felder. Herr Dr. W. Tomsa überreicht eine Abhandlung: „Über den peripherischen Verlauf des Axenfadens in der Haut des Penis". An Druckschriften wurden vorgelegt: Academie Royale de Belgique: Bulletin. 33 e Anne'e, 2 e Serie, Tome 18, No. 9 & 10. Bruxelles, 1864; 8°- — des Sciences et Lettres de Montpellier: Memoires de la Sec- tion des Sciences. Tomes IV — V. Annees 1858 — 1863. Memoires de la Section des Lettres, Annee 1858; Tome III. Anne'es 1859 — 1863. Memoires de la Section de Medecine Tome III. Annees 1858 — 1862; Tome IV, l r Fase. Annee 1863. Montpellier; 4»' Akademie der Wissenschaften, Königl. Preuss., zu Berlin : Monats- bericht. September, October, November 1864. Berlin, 1864; 8°- — Königl. Schwedische: Handlingar. N. F. IV. Bd., 2. Hft. 1862. Stockholm; 4°- — Öfversigt. XX. Ärgängen. 1863. Stockholm, 1864; 8°* — Meteorologiska Jakttagelser i Sverige. IV. Bd. 1862. Stockholm, 1864; Quer 4°- — Mitglieder-Verzeichnis«, Maj 1864. 8o- Apotheker-Verein, allgem. österr.: Zeitschrift. 3. Jahrg. Nr. 1. Wien, 1865; 8<>- Astronomische Nachrichten. Nr. 1508—1509. Altona, 1865; 4«- Comptes rendus des seances de TAcademie des Sciences. TomeLIX. Nr. 26. Paris, 1864,- 4«- Cosmos. 2 e Serie. XIV e Annee, l r Volume, l re Livraison. Paris, 1865; 8<>- Gesellschaft, Wetterauische, für die gesammte Naturkunde zu Hanau: Jahresberichte 1861—1863. Hanau, 1864; 8«- Sitzb. d. vnathem.-naturw. Cl. LI. Bd. 1. Abth. 6 82 Gewerbe-Verein, nieder.-österr. : Wochenschrift. XXVI. Jahrg. Nr. 2. Wien, 1865; 8«- Hörnes, Moria, Die fossilen Mollusken des Tertiär-Beckens von Wien. II. Bd. Nr. 5, 6. Bivalven. (Abhandlungen der k. k. geolog. Reichsanstalt IV. 5, 6.) 4°- Jahrbuch, Neues, für Pharmacie und verwandte Fächer von F. Vorwerk. Bd. XII, Heft 6. Speyer, 1864; So- Kiel, Universität: Schriften aus dem Jahre 1863. Bd. X. Kiel, 1864; 4«- Kn ob lieh, A., Die Zinkographie in ihrer erweiterten praktischen Anwendung. (Als Manuscript gedruckt.) Wien, 1865; So- Land- und forstwirtschaftliche Zeitung. XV. Jahrg. Nr. 2. Wien, 1865; 4o- Leseverein, Akademischer, an der k. k. Universität in Wien : Dritter Jahresbericht. 1863—1864. Wien; 8»- Lotos. Zeitschrift für Naturwissenschaften. XIV. Jahrg. November, December 1864. Prag; So- Museum of Geology zu Calcutfa : Memoirs of the Geological Survey of India. Palaeontologia Indica. Vol. III. Parts 2—5. 4o- Museum- Verein, siebenbürgischer, zu Klausenburg: Jahrbücher, 3. Bd., 1. Hft. Klausenburg, 1864; 4«- Observatory, The Royal. Edinburgh: Astronomical Observations. Vol. XII. For 1855—59. Edinburgh, 1863; 4<>- Reader. Nr. 106. Vol. V. London, 1865; Folio. Reichs forst-Verein, Osten-.: österr. Monatsschrift für Forst- wesen. XV. Bd. Jahrg. 1865. Jänner-Heft. Wien, 1865; So- Reise der österreichischen Fregatte Novara um die Erde. Zoolo- gischer Theil. II. Band , 2. Abtheilung. Lepidoptera. Von Dr. Cajetan Felder und Budolf Felder. Wien, 1865; 4«« S o c i e t e Imperiale de Medecine de Constantinople : Gazette medieale d'orient. VIII 6 Anne'e, No. 7. Constantinople, 1864; 4o- Wiener medizin. Wochenschrift. XV. Jahrgang. Nr. 2 — 3. Wien, 1865; 4o Wochen-Blatt der k. k. steierm. Landwirthschafts-Gesellsehaft. XIV. Jahrg. Nr. 5. Gratz, 1865; 4<>- Über den peripherischen Verlauf desAxenfadens in der Haut der glans Penis. ö3 Über den peripherischen Verlauf und Endigimg des Axen- fadens in der Haut der glans Penis. Von Dr. W. Toms a in Wien. (Mit i Tafel.) Die folgende Arbeit hat sich die Erforschung der Nerven- endigungen in der menschlichen Eichelhaut zur Aufgabe gestellt. Die Ergebnisse dieser Untersuchung wurden an vielen Objecten festge- stellt und mittelst eines Verfahrens gewonnen, das sich für die Darstellung der Nervenendorgane von grossem Nutzen erweisen dürfte. Zubereitung der Präparate. Ludwig hat für die Zerklüftung der Niere ein Verfahren bekannt gegeben , das in Betreff der Isolirung des Drüsengewebes von der Bindesubstanz ganz Vorzügliches leistet. Diese Methode habe ich mit unwesentlichen Modificationen auf die Erforschung der mensch- lichen Haut und ihrer Organe angewendet und dabei in Erfahrung gebracht, dass sie das Nervenrohr eben so isolirt wie den Drüsen- gang, ohne dabei seinen wesentlichen anatomischen Charakter zu ver- nichten. Im Gegentheil lässt das Verfahren im ganzen Verlauf des Nervenrohres den Axenfaden mit grosser Klarheit auftreten. Während Ludwig's Verfahren darin besteht, dass er kleine Stücke der frischen Niere 6 — 8 Stunden lang in 90 Pct. Alkohol kocht, dem man i / z — 3 / 4 Volum Pct. gereinigter, stark rauchender Salzsäure zugesetzt hat, habe ich durch Versuche für die männ- liche Eichel den Salzsäuregehalt der Mischung auf 1 Vol. Pct. und die Kochdauer auf 24— 48 Stunden festgestellt. Es würde überhaupt beim weiteren Verfolgen dieses Verfahrens in der Anwendung auf die verschiedenen Organe und Gewebe vorerst der Säuregehalt und die Kochzeit für jeden besonderen Fall auszumitteln sein. Die Eichel habe ich meistens in zwei Hälften geschnitten, sie daher in grösseren Stücken der Einwirkung der Säuremischung aus- 84 Tomsa. gesetzt. Letzteres aus dem Grunde, um grössere Flächen von Ner- venenden im Zusammenhange zu erhalten. Im Übrigen habe ich an dem Verfahren von Ludwig nichts geändert. Ich wiederhole in den folgenden Sätzen seine Angaben nur desshalb, weil nicht Jedem Ludwig's Abhandlung: „Zur Anatomie der Niere" zur Hand sein dürfte. Um die Zusammensetzung der Flüssigkeit während des Kochens constant zu erhalten , nimmt man das letztere in einem Kolben vor, der mit einem durchbohrten Korke verschlossen ist. In der Durch- bohrung steckt eine lange, eng ausgezogene Glasröhre, welche als Kühlapparat die abdestillirte Flüssigkeit neuerdings in den Kolben zurückfliessen lässt. Der letztere steht in einem Wasserbade, dessen Wärme so geregelt wird , dass der Alkohol nur äusserst schwache Blasen aufwirft. Hat man das Kochen beendet, so entleert man den Inhalt des Kolbens in eine flache Schale, giesst den Alkohol ab und wäscht die Gewebestücke durch wiederholtes Aufgiessen von Wasser aus, bis der alkoholische Geruch vollkommen verschwunden ist. Es unterliegt keinem Zweifel, dass schon durch das Kochen in Alkohol von dem angegebenen Säuregehalte gewisse Gewebsbestand- theile in Lösung übergehen; die mehr minder vollständige Befreiung der auf Elementarorganismen zurückzuführenden Gewebsbesfand- theile von der umgebenden collagenen oder elastischen Kittsubstanz gelingt erst durch das Aussüssen der gekochten Objecte. Besonders gilt dieser Satz von den Präparaten, die nur kürzere Zeit gekocht worden sind. Hier ist ein längeres Einwirken des Wassers unter gleichzeitigem öfteren Erneuern desselben von unvermeidlicher Not- wendigkeit. Untersucht man nämlich das Präparat nach 10 — 12sfün- digem Kochen und 2 — 3stündigem Wässern, so überzeugt man sich sogleich von der Untauglichkeit des Objects zur Definition der Ner- venenden. Die Nervenästelung wird nämlich noch überall von mäch- tigen Lagen reicher Geflechte aus Binde- und elastischer Substanz gedeckt. Ein ferneres mehrstündiges Auswässern klärt das Bild allmählig auf. Das collagene Gewebe quillt bei weiterer Maceration immer mehr auf, um sich schliesslich aufzulösen. Das elastische Ge- webe wird mürbe und zerbröckelt. In dem Maasse, als es in das destillirte Wasser übergeht, treten die Nervenäste, Elementarorganis- men, und sogenannte Membrana e propriae der Gefässe und Drüsen- Über den peripherischen Verlauf des Axenfadens in der Haut der glans Penis. 85 schlauche hervor. Eine übermässige Maceration greift endlich auch, und zwar zuerst die Membranae propriae und dann erst das Zellen- protoplasma an. Übermässiges Kochen und Maceriren lässt die Prä- parate in einen molekularen Detritus zerfallen. Eine Verwechslung derBindegewebsfibrille oder der elastischen Faser mit Nervenröhren ist bei unserem Verfahren schon aus dem Grunde ausgeschlossen, weil ein Präparat-, worin erstgenannte Ge- websformen noch vorkommen, zum Nervenstudium gar nicht in Ver- wendung kommt. Ich muss liier gleich anrathen, die Eichel in frischem Zustande zu verwenden. Objecte, welche schon vorher in Weingeist gelegen haben, eignen sich weniger für dieses Verfahren. Die vorhergegan- gene Gerinnung scheint das Gewebe so verändert zu haben, dass durch die folgende Macerirung keine vollendete Quellung und Lösung des collagenen und elastischen Gewebes erzielt werden kann. Mäch- tige, schollige Formen verhindern an derartigen Objecten das freie Hervortreten der Nerven. Zulässig sind Alkoholpräparate nur in jenen Fällen, wo man besondere Örtlichkeiten in feineren Schnitten untersuchen will. Beim Penis habe ich jedoch dieses Verfahren überflüssig gefunden. Bei der Benützung von in Alkohol gehärteten Objecten wird man jedoch, wie schon Ludwig angibt, das Gewebe vorher auf einige Stunden wieder in Wasser aufquellen lassen müssen, weil es nur dann von der sauren Mischung angegriffen wird. Von grossem Vortheil ist bei der Untersuchung der ausschliess- liche Gebrauch injicirter Präparate. Für unser Verfahren eignen sich Injectionen mit Leim und löslichem Berlinerblau ganz vorzüglich. Die Injection dient nicht blos zur besseren Orientirung, sie ist uns auch ein sicheres Merkmal für den Grad der Einwirkung der Säure- mischung und der Macerationsdauer. Zu starke Concentration der Säuremischung und übermässig andauerndes Kochen zerstört sowohl die Gefässhaut als auch den Farbstoff; übermässiges Auswässern greift schliesslich auch die Media und Intima an, indem sich zuerst die Muskeln aufwickeln und endlich die Intima zerbricht. So lange letztere dem einen oder andern Eingriffe Widerstand geleistet hat, erhielt sich der blaue Leim intact. Nach Entfernung der collagenen Kittsubstanz bietet die fernere Untersuchung noch manche Schwierigkeiten. Es ist der gewöhn- 86 Torasa. liehe Fall, dass sich die Eichelhaut während des Wässerns in zwei Schichten theilt. Der Papillartheil haftet nämlich als Belag der los- gelösten Epidermis an und die mächtigere Reticularlamelle bleibt allein als Hülle für die Eichel zurück. Es ist nothwendig, dieses Umstandes zu erwähnen, weil durch Ausserachtlassung dieser Spaltung und Nichtberücksichtigung des Papillarantheiles bei der Untersuchung höchstens einzelne Endknäuel zur Anschauung gelangen, und man über die eigentlich freie Endigungsweise der Penishautnerven spärliche und weniger instruetive Präparate erhalten würde. Zur Zertheilung der Reticularschichte und zur Ablösung der Papillarlamelle von der Epidermisschale habe ich mit Vortheil die gewöhnlichen Reclinationsnadeln benützt. Man kann dieses Instrument eben so gut zum Spalten als Abheben gebrauchen. Die frei schwim- menden Präparate werden alsdann unter Wasser mit dem Object- träger aufgefischt, mitStaarnadeln unter dem Wasserspiegel zurecht- gelegt und in destillirtem Wasser untersucht. Verschiedene Färbungen vertragen derlei Präparate ebenfalls recht gut, es müssen jedoch die Färbemittel sehr verdünnt gebraucht werden, wenn man eine zur Undeutlichkeit führende Schrumpfung und störende Niederschläge vermeiden will. Bei der Untersuchung der Nerven in der Eichelhaut haben wir es bei unserem Verfahren meist nur mit Axen cyli n der n zu thun. Dies beweisen in unserer Säuremischung zur Probe gekochte Nervenstämme. Bei der darauf folgenden Quellung in Wasser löst sich die gemeinschaftliche Nervenscheide zum grossen Theil auf. Sehr kurz dauerndes Aussüssen macht diese Hülle schon so mürbe und hinfällig, dass sie, mit ihrem Nerveninhalte auf das Objectglas gebracht, beim Heben aus dem Glastroge, so wie sie ausserhalb des Wasserspiegels geräth, augenblicklich in eine Menge faltiger Fetzen einreisst. Noch rascher verschwindet die Nervenprimitivscheide. Der Inhalt des Nervenstammes setzt sich ausschliesslich aus den Axen- bändern zusammen, die entweder ganz nackt daliegen, oder von einem zierlichen Netzwerke geronnenen Markes umgeben sind. Letzteres behält eine gewisse typische Formung und schwankt nur in der Quantität, in welcher es das Achsenband umstrickt. Man über- sieht in dieser Beziehung an einem Nervenstamme alle möglichen Übergänge von dickwulstigem Gerinselgitter bis zur moleculären Über den peripherischen Verlauf des Axenfadens in der Haut der glans Penis. Ol Bestäubung des Cylinders. Diese Markgerinnung mag nun aber einen grossen oder kleinen Querschnitt einnehmen, überall haftet sie dem Axencylinder fest an, und streift man eine Strecke derselben von dem Axenfaden gewaltsam herunter, so bietet der Axencylinder nicht selten einen ästigen, knorrigen Anblick dar. Dieses Verhalten könnte leicht zu der Verwechslung führen, das Gerinnungsproduct als einen directen Bestandteil des Axenfadens anzusprechen. Der Axenfaden ist nur an den Nerven der Peripherie, im Thei- lungs- und Verästelungsbezirke durch spindelförmige, eingelagerte Körper varicös; die Nervenstämme enthalten gleichmässig ge- streckte, bandförmige Achsenfäden. Ausnahmen hievon ereignen sich nur in höchst seltenen Fällen. Nervenendigungen in der Eichelhaut. Die Haut, welche das Corpus caverosum der Eichel überkleidet, ist ein äusserst nervenreiches Gebilde. Die meisten Stellen der Eichelhaut sind so mit Nerven durchflochten, dass selbst nach voll- ständiger Entfernung des collagenen und elastischen Grundes ein engmaschiges Nervengerüste von vielen über einander gebreiteten Lagen zurückbleibt, worin die Untersuchung des Einzelbefundes grossen Schwierigkeiten begegnet. Ein Gewirr feinerer Nervenver- ästelungen ist bunt durcheinander geworfen mit gröberen Nerven- stämmen. Die eingehende Betrachtung dieser Verhältnisse und Verfol- gung der Nervenbahnen gegen die Oberfläche lässt die Nerven schliesslich auf eine zweifache Art ihr Ende finden. Entweder schliessen sie in eigentümlich geformten und gelagerten kolbigen Knäueln ab, oder sie begrenzen ihre peripherische Bahn in einer netzförmigen Verzweigung. Nervenknäuel. Die gröberen Nervenstämme und Zweige sind beinahe aus- nahmslos die Träger der Nervenknäuel. Die Axenbänder , welche zu ihrer Bildung zusammentreten, sind meist nackt, manchmal er- scheint ihre Oberfläche durch anhaftende Markscheidengerinsel noch fein bestäubt. Die Zahl der Axenfaden, welche den Stiel formen, ist eine sehr schwankende, wie uns schon die oberflächliche ßetrach- 88 T o ra s a. tung unserer treu nach der Natur gezeichneten Abbildungen beweist. Wie die Zahl der in den Nervenknäuel eintretenden Axen- cylinder, schwankt auch die Knäuelanzahl im Verhältnisse zum Querschnitte des diese Gebilde tragenden Nenvenstammes. Während mancher Nerv sich quastenförmig in 3 bis 4 Knäuel auf- löst, gehen dafür andere Nerven von gleichem Querschnitte ganz leer aus. Auf die äussere Form war es unmöglich irgend eine andere bestimmte Gesetzmässigkeit in Anwendung zu bringen, als etwa die, aus den Lagerungsverhältnissen abzuleitende. Die Topographie übt da einen bestimmenden Einfluss auf die Gruppirung der den Knäuel zusammensetzenden Elemente aus. Je nachdem sich nun die aus dem Stiele allmählich entfaltenden Lappen und Drusen radiär zur Eichel über einander summiren, entstehen längliche, keulen- oder kolben- förmige Complexe; erfolgt dagegen die Gruppirung des Inhaltes in der Ebene der Eicheloberfläche neben einander, so erhalten diese Terminalkörper eine mehr flache, hutförmige Gestalt. Bei oberflächlicher Lagerung dicht unter dem Epithel gestalten sich die Nervenkolben mehr verbreitert, die tiefere Lage lässt meist längliche Formen erkennen. Die häufigen Pigimentirungen ihrer Kuppen, welche oft in die pigmentirte Malpighische Schicht hineinragen (siehe Fig. I), deuten auf die mehr oberflächliche Lage- rung der Nervenknäuel. Die Bestandteile, aus denen sich die Nervenknäuel der Eichel zusammensetzen, sind sehr zahlreiche Verästelungen und Spal- tungen der in den Kolben eingehenden Axencylinder und Ein- schaltungen von kernartigen, körnigen und zelligen Gebilden in den Verlauf und die Astfolge der Axenbänder. Da der wesentliche Vorzug unseres Präparationsverfahrens in der Entfernung der collagenen und elastischen Hautbestandtheile beruht, so müssen wir bei gehöriger Behandlung der Präparate von der Nervenscheide und den etwaigen Knäuelhüllen absehen. Von besonderer Wichtigkeit wäre nun die Kenntniss der Spal- tungsverhältnisse des Axen faden s oder der marklosen Endfaser und ihres Verhaltens zu den Einlagerungen von gan- gliösen Körnern. Die Massenhaftigkeit , die Übereinander- schichtung des Eingelagerten stellt jedoch der Einzelnntersuchung Über den peripherischen Verlauf des Axenfadens in der Haut der ylans Penis. 89 bedeutende Schwierigkeiten in den Weg, und wollen wir uns Hilfe schaffen durch Compression oder Zerstückelung der Nervenknäuel, so haben wir doch keinen Ausweg für die Analyse gebahnt. Jede auf dasObject ausgeübte Gewalt presst denNervenknäuel entweder völlig zusammen und drückt ihn flach, oder zerbröckelt ihn in formlose Scherben. Auf jeden Fall richtet man durch den Gebrauch von Gewalt eine grosse Verwüstung in den zarten Verästelungen der Nervenfasern an, welche körnig zerfallen und dadurch noch zu einer grösseren Undeutlichkeit des ganzen Gebildes beitragen. Es ist daher eine unabweisliche Notwendigkeit bei der Ge- winnung der Präparate, mit möglichster Schonung zu Werke zu gehen und sich vorläufig mit der allgemeinen Betrachtung der Nerven- knäuel im Ganzen zu begnügen. Oft wirkt schon ein etwas dickeres Deckgläschen störend auf die Betrachtung. Die Frage nach dem Wesen der körnigen Einlagerun- gen in das Geäste der zarten Nervenfasern kann vorläufig nur dahin erledigt werden, dass sie Anhäufungen einer feinkörnig zusammen- geballten Masse darstellen, welche mit den Nervenästchen in Ver- bindung steht, und öfter einen helleren grossen Kern mit einem schmalen Saume umgibt. Die Kerne sind jedoch nicht eine allge- meine Erscheinung. Ich wähle daher zur Bezeichnung dieser Ein- lagerungen den in der Formenlehre der Nervenendigungen schon vielseitig benützten Ausdruck „gangliöse Körner", und dieses aus dem Grunde, weil sich die Nervenfaser theils in dieselbe direct fortsetzt und darin scheinbar endigt, theils und dieses in der Regel, weil die Körner in das Nervennetzwerk bi- und multipolar eingeschal- tet sind. Es hat seine grosse Schwierigkeit, einmal das „Nervenende" innerhalb des Nervenknäuels zu definiren, und andererseits sich einen bestimmten Ausspruch über die individuelle Abgeschlossenheit des Kolbens von der Umgebung, über seine einheitliche Bedeutung zu erlauben. So, wie diese Knäuel nach unserer Methode zubereitet, vor das prüfende Auge treten, bieten sie Anhaltspunkte für entgegen- gesetzte Deutungen dar. Ihre Formung, die Verpackung ihres dicht gedrängten Inhaltes, der Eintritt gröberer Nervenfasern in die Kol- ben spricht für ihre Selbstständigkeit und begrenzte Abgeschlossen- heit; eine entgegengesetzte Auffassung begünstigen die terminal 90 Tomsa. auf feinen Endfibrillen aufsitzenden, sowohl vom Stiele als auch vom Kolben sich abzweigenden Körner. Da jedoch auf das letztere Verhalten auch die Zubereitung der Präparate einen grossen Ein- fluss üben dürfte, so wird es nicht so schwer in's Gewicht fallen. Dem Knäuel könnte immerhin eine gewisse Selbstständigkeit, wenn auch nur rücksichtlich der Quantität seiner Endorgane gewahrt bleiben. Bemerkenswert ist ferner auch die Eigentümlichkeit, welche besonders bei elliptischen und keulenförmigen Knäueln oft wieder- kehrt, dass die einmal im Stiele eingeleitete Verästelung wieder aufhört, die Astfolge abnimmt, ja neuerdings zu mehreren einfachen Nervenfibrilien zusammentritt, um nach einem kurzen, gestreckteren Lauf in wiederholten Theilungen auseinander zu fallen und Körner aufzunehmen. Ich habe ferner nicht mit hinreichender Schärfe sichten können, ob die Nervenverästelungen und gangliösen Körner auch immer discret neben einander bestehen, ob nicht vielmehr die körnigen Gebilde in einander verschmelzen. Die auf dicken Nerven- stämmen aufsitzenden, rundlich platten oder drusigen Nervenknollen lassen letztere Annahme zu. Die endgiltige Entscheidung möge ver- vollkommten Methoden und vielseitigerer Prüfung überlassen werden. Aus dem eben Angeführten ist es begreiflich, dass es mit der definitiven Angabe der Nervenenden innerhalb dieser Ner- venmassen seine grosse Unsicherheit haben werde. Die Frage, ob terminales Netzwerk oder terminal gangliöse Körner, muss auf diesem Orte vorläufig unentschieden bleiben. Es kann sogar die Möglichkeit einer Nervenkittsubstanz, welche sich noch zwischen die in unserm Präparate fehlende Bindegewebshülle und die Nerven- elemente einschaltet, nicht von Vornehinein abgelehnt werden, zumal jeder Kolben stellenweise feinkörnige Massen erkennen lässt. Wollte man diese feinkörnige Kittsubstanz ignoriren, so müsste jedesmal ihr Ursprung in zerfallenen gangliösen Körnern und zertrümmerten Nervenfibrillen erst nachgewiesen werden. Bei der Betrachtung der sogenannten freien Nervenenden in der Eichelhaut, werden wir diese Frage noch zu berühren Gelegen- heit haben. Vergleichen wir die, nach unserer Präparationsmethode gewon- nenen kolbigen Nervengebilde mit den von Krause in der Eichel Über den peripherischen Verlauf des Axenfadens in der Haut der glans Penis. 91 beschriebenen Endkolben, so ist es sowohl der Innenkol- ben, als auch die darin verlaufende, einfache Terminalfaser mit ihrem knopfförmigen Ende, welche in unseren Objecten eine andere Deutung erfahren. Krause lässt den Innenkolben aus fein granulirter, mattglän- zender Substanz bestehen, die er dem Bindegewebe zwar zurechnet, aber dieselbe als eine besondere, vermöge ihrer eigenthümlichen Form mit einem besonderen Namen zu belegende Modification des- selben betrachtet wissen will. Kerne hat Krause in der Masse des Innenkolbens mit Bestimmtheit nicht wahrnehmen können. Unsere Präparate weisen im Gegensatze zu dieser Annahme nach, dass der Endkolben zunächst aus einer grossen Menge theils selbstständiger, theils auch zu Drusen verschmolzener körnigen Gebilde, gangliösen Körnern bestehe, welche mit den Nerven- fibrillen in ununterbrochenem Zusammenhange stehen. Diese dürfen vermöge ihrer Persitsenz, nachdem sämmtliche Bindesubstanz aus dem Präparate entfernt worden war, dem Bindegewebe keineswegs zugerechnet werden. Nach Krause sollen in der Mitte des Innenkolbens eine oder mehrere blasse Terminal fasern verlaufen, welche als unmittel- bare, blasse, mitunter auch abgeplattete Fortsetzungen der doppelt contouri/ten Nervenfibrille erscheinen. Die Lage der Terminalfaser zur Begrenzung des Innenkolbens ist nach Krause so geartet, dass letzterer rings um dieselbe herum annähernd dieselbe Dicke bewahrt, indem die Faser schon in einiger Entfernung vor der Begrenzung des ganzen Endkolbens knopfförmig endigt. Öfters sei auch das Ende nicht deutlich zu erkennen und zuweilen sei es nicht rundlich kolbenförmig, sondern unregelmässig gezackt, obwohl sehr hlass, ganz wie das Ende der Terminalfaser im Vater'schen Körperchen, was jedoch nur für eine zufällige Veränderung der normalen, kolben- förmigen Verdickung zu halten sei. Krause bildet Taf. I, Fig. 16 einen Endkolben mit zwei Terminalfasern aus der Schleimhaut der Chitoris des Schweines an der Übergangsstelle in die Scheiden- schleimhaut ab. Die doppelt contourirte Nervenfibrille theilt sich bei ihrem Eintritt in den Endkolben in zwei schmälere Äste, die noch doppeltcontourirt durch den dünneren, cylindrischen, einem Stiele eines Vater'schen Körperchens ähnlichen Anfangstheil des Endkolbens und dann als zwei geschlängelte, einfach contourirte Terminalfasern 92 Tomsa. durch den Innenkolben verlaufen, um mit unbestimmter Begrenzung aufzuhören. An unseren Präparaten vermissen wir den gestreckten Verlauf der Terminalfasern in einer grösseren Ausdehnung. Das, was in unserem Präparate in den Knäuelstiel als Nervenfaser eintritt, ist, wie die Untersuchung des gekochten Nerven gelehrt hat , ein dem Axencylinder gleichvverthiges Gebilde. Dieses verbleibt aber nicht in seiner Einfachheit, sondern theilt sich immer zahlreicher, und verliert sich in einem dichten Netzwerk von Axencylindern mit Einlagerungen von gangliösen Körnern. Knopfförmige Enden im Sinne Krause's kommen nur an den Grenzen unserer Knäuel zur An- schauung, doch können dies blosse Artefacte sein, Bruchstücke von Nervenfibrillen, deren peripheres Ende knapp an dem einen Pole des Kornes abgebrochen ist. Es bleibt nur noch zu erwähnen übrig, dass manche unserer Kolben mit anderen Nervengebilden mittels Anastomosen in Ver- bindung treten. Solche Verbindungszweige (Fig. I, III) sind entweder als accessorische Stiele zu betrachten, indem sie zu demselben Nerven- stamme, der den Kolben trägt, verlaufen, oder es sind Nerven- stämmchen , die dann entweder frei enden oder sich anderen beliebigen Nervenstämmen hinzugesellen. Anderweitige Nervenendigungen in der Eichelhaut. Es ist hier nicht der Ort, die gesammte Literatur über soge- nannte „freie" Nervenendigungen in der Haut und den sensiblen Schleimhäuten zu recapituliren. Wir verweisen in dieser Beziehung auf die histologischen Handbücher und auf Krause's terminale Körperchen, worin dieser Gegenstand ausführlich behandelt wird. Über den speciellen Ort unserer Untersuchungen, die Eichelhaut, waren uns, mit Ausnahme der schon citirten Angaben über die End- kolben, keine einschlägigen Arbeiten zur Hand. Bei Krause *) lesen wir folgende Bemerkung: „Dicht unter- halb der Papillen zeigt sich in der Chitoris des Schweines ein äusserst reichhaltiges Geflecht von Anastomosen kleinerer Nerven- stämmchen und einzelner Fibrillen, letztere treten auch öfters in die Papillen selbst ein, ohne dass es möglich wäre, i) Seite 24 1. c. Über den peripherischen Verlauf des Axenfadens in der Haut der glans Penis. 9o über die Endigungs weise an diesem Orte in's Klare zu kommen." Unser Verfahren hat uns ebenfalls nebst den Nervenknäueln noch eine andere Art von Nervenendigungen in der Eichelhaut kennen gelehrt. Verfolgt man Nerventheilungen bis zur Peripherie, so endet der Nervenfaden, nachdem er vorher in seinem Verlaufe öfter durch spindlige Kerne unterbrochen worden, in ein ähnliches gang- liöses Korn, wie solche in den Nervenknäueln reichlich enthalten sind. Diese terminalen Körner sind jedoch nicht immer so einfach wie die Kolbenkörner, oder sind es vielleicht dessbalb nicht, weil sie wegen ihrer weniger dichten Gruppirung besser zur Anschauung gelangen. Nach unseren Präparaten sitzen sie entweder einzeln terminal den Nervenfäden auf, oder kurzgestielt zu zwei, drei auf den Thei- lungsstäben der Terminalfaser. An besonders gut erhaltenen Objecten (Fig. V) zeigen sie auch rundliche, mit Varicositäten besetzte Fort- sätze, die endlich wieder in zahlreiche, äusserst zarteFädchen sich spalten. Oft erscheinen sie auch feinkörnig besetzt und durch eine ähnlich beschaffene Masse an einander gekittet. Kurz es wiederholt sich gewissermassen der Befund in den Nervenknäueln, nur mit dem Unterschiede, dass, was im Nervenknäuel in einen kleinen Raum verpackt erscheint, an anderen Orten der Eichelhaut auf grössere Oberflächen zerstreut ist. Ein Unterschied liegt aber bei der sogenannten freien Endi- gungsweise darin, dass wir im Nervenkolben nur zahlreiche Thei- lungen der eintretenden Nervenfasern mit Einlagerungen von gang- liösen Körnern mit Bestimmtheit betrachten können; während bei den freien Endigungen nebst den beiden ersten Formen noch öfter varicöse Fortsätze der Ganglien und sogar äusserst feine Spaltun- gen der letzteren beobachtet werden. Erwähnung verdienen noch ferner jene Bilder von Nerven- enden, die man aus der äussersten Schleimhautzone der männlichen Eichel erhält. Der Epithelbelag löst sich meistens bei der Mace- ration der gekochten Objecte in Aq. dest. von der übrigen Haut in grösseren Stücken ab, wobei die äusserste Schichte der Haut mit den oberflächlichsten Capillarschlingen dem Oberhautlappen lose anhängt und mitfolgt. Diese zarte Hautlamelle muss nun sorgfältig 94 Tomsa, stückweise von dem Epithel abgehoben werden. Selbstverständlich geschieht diesesin einem mit destillirtem Wasser gefüllten Glastroge. Man übersieht dann an solchen in der Fläche ausgebreiteten Objec- ten die oberflächlichsten kurzen Capillarschlingen und das sie um- spinnende Nervengeflecht. Es braucht wohl keinen besonderen Hin- weis, dass man die Hautpapillen nicht mehr als solche erblickt, dass ihr collagenes Gewebe vorher entweder gänzlich gelöst oder als eine, dem Glaskörper ähnliche, durchsichtige Gallerte noch stellen- weise zwischen dem Gefäss und Nervengerippe flottirt. An dieser Stelle lassen sich nun die feinsten Nervenfibrillen zu einem kör- nigen Netzwerk verfolgen. Der Axencylinder spaltet sich anfangs sehr zahlreich, die Theilstücke werden jedoch rasch körnig und das anfänglich noch deutlichere Netzwerk verwischt (Fig. VII). Öfter hän- gen solche körnige, genetzte Nervenplaques mittelst gleich beschaffe- ner Brücken unter einander zusammen. Ob diese körnigen Nervenlager eine besondere Art von Nervenperipherie vorstellen, oder ob sie das leere Lager bilden, aus dem die gangliösen Gebilde während der Präparation verloren gingen, bleibt unentschieden. Eben so zweifel- haft bleibt das etwaige Verhältniss zu dem Epithel. Schlussbeinerkungen. Fassen wir die gewonnenen Resultate unter einem einheitlichen Gesichtspunkte zusammen, so verläuft die feinste Nervenfaser nach Verlust der Markscheide und Aufnahme von spindeligen Kernen in den Faserverlauf unter fortwährender Theilung zu einem gangliösen Endorgane, welches sowohl in terminalen Nervenknäueln, als auch in den oberflächlichen terminalen Nervennetzen seinen Sitz hat. Das fernere Verhalten im Nervenknäuel ist durch die grössere Masse und dichte Aufeinanderlagerung seines Gefüges der zerglie- dernden Beobachtung weniger zugänglich , als es die Endorgane in den freien Nervennetzen sind. An mehreren Stellen erscheint Con- fluenz der Ganglien. Die terminalen Nervennetze sind ebenfalls mit Ganglien besetzt, welche entweder in die Astfolge der Netzbildung oder ihre Knoten- punkte eingeschaltet sind; oder in anderen Objecten oft zahlreich gruppirte den Nervcnfibrillen endständig anhaftende Anschwellungen mit Ausläufern bilden. Über den peripherischen Verlauf des Axenfadens in der Haut der glans Penis. 95 Es bleibt unentschieden, ob die Fortsätze der Endorgane mit ihren feinen Verästelungen neuerdings in irgend einen Zusammen- hang treten, oder ob den frei stehenden Körnern die Bedeutung von Endganglien zukomme. Die Möglichkeit ist vorhanden, dass jene Schlussbögen des Nervennetzwerkes, welche die freien, terminalen Ganglien verban- den, abhanden gerathen, in Folge unserer Bereitungsart zu Grunde gegangen seien. Wenn das Letztere erwiesen wäre, dann hätten wir er allenthalben nur mit Nervennetzen zu thun, zwischen deren Flechtwerk gangliöse Endorgane eingeschaltet sind. Ob also schliesslich aus dem Netzwerke freie Enden in freien Ganglien ausmünden, mögen weitere Untersuchungen lehren. An der Annahme von terminalen Ganglien in der Eichelhaut vermag diese Ungewissheit nichts zu ändern. Von der alleinigen Berücksichtigung der Form ausgehend, führt uns die Zusammenstellung der Nervenknäuel und der sogenannten freien Endigungsweise der Nerven in der Eichelhaut des Penis auf die Vermuthung, beiden Nervenendigungen keine andere, als die der quantitativen Verschiedenheit zugestehen zu sollen. Dieses um- somehr, als die Nervenknäuel Verbindungen mit anderen Nerven- stämmen eingehen und andererseits der Knäuelstiel, vor seiner Auf- knäuelung öfter einzelne Nervenfasern abzweigt, welche in die flächenhaft ausgebreiteten Nervennetze eintreten. Es erhält dem- nach die Eichel des männlichen Gliedes allerwärts innerhalb des Hautgerüstes eine aus Nervenfibrillen genetzte Kappe, welche ab- wechselnd, je nach der Örtlichkeit, dichter gewebt und mächtiger, oder weitmaschig gestaltet ist. Die Nervenknäuel wären als gestielte Fortsätze dieser Nervenhaut aufzufassen und den zotten-oder papillen- artigen Erhebungen der Hautoberfläche an die Seite zu stellen. So wie jene die Hautoberfläche in einem geringen Räume vervielfäl- tigen, vermehren diese den relativen Nervenreichthum am Orte ihres Sitzes durch Einschaltung einer grösseren Zahl von gangliösen Endorganen in denselben. In neuerer Zeit ist bei der Betrachtung der Nervenendigung auch die Frage in Anregung gebracht worden, ob die terminalen Nervenfibrillen nicht mit den Bindegewebskörperchen in Verbindung zu bringen wären. In der Eichelhaut ist es mir nie gelungen, weder die Nervenfasern noch die gangliösen Körner oder ihre Fort- 96 Tomsa. sätze mit den überaus zahlreichen Bindegewebskörperchen in einer unzweifelhaften Verbindung zu sehen. Unser Präparationsverfahren isolirt die Bindegewebskörperchen ganz vortrefflich. Sie bilden meist Zellengruppen, deren Zellen sehr dünn und platt von Körper in eine Anzahl von sperrig verästigten Fortsätzen ausgreifen und damit zusammenhängen. Durch Druck auf das Deckgläschen oder Schütteln des Präparates mit destillirtem Wasser werden sie leicht isolirt. Niemals sieht man sie dann mit Nervenfasern in Verbindung. Zertrümmert man hingegen die termi- nalen Nervennetze, so erhält man eine grosse Menge Bruchstücke von Nervenfibrillen, denen noch zahlreiche körnige Gebilde an- hängen. Aus dem Mitgetheilten geht ferner hervor, tlass die Nerven- kolben in der Glans penis nicht jene Construction besitzen, wie sie Krause unter der Benennung von Nerven-Endkolben verstan- den und besehrieben hat. Da mir noch zu wenig allgemeine Erfah- rungen über die an anderen Orten von Krause gesehenen Endkol- ben zu Gebote stehen, so wird es wohl gerathen sein, die eben beschriebenen Gebilde im Penis als „Nerven knäuel" schlechtweg zu bezeichnen, welche zu den Endkolben Krause's in gar keiner Beziehung stehen. Zum Schlüsse möchte noch die Bemerkung am Platze sein, dass mir während der ganzen Untersuchung keine einzige schlauchförmige oder Knäueldrüse an der männlichen Eichel zu Gesichte kam. Die Glans penis des Menschen entbehrt jeder Drüsen form; erst im Präputium finden sich den glandulae cernminosae ähnliche Knäuel- drüsen vor. Tonisa. Peripherischer Verlauf des Axenfadens inier Haut des Penis - C Heitzjuann Sitwmgsh der k.Akai. «1 W math uaturw. Cl.LOi.IAbth. 1865. . Über den peripherischen Verlauf des Axeufadens in der Baut der ylans Penis. 97 Erklärung der Abbildungen. Fig. 1. Ein Nervcnkniiuel, welcher aus der äussersten Schichte der mensch- lichen Eichelhaul vollständig isoliit erhalten wurde. Er wird von einem grösseren Nervenstamme getragen, ist kurz, breit und flachgedrückt. Seine Kuppe ragt in das Malpighische Stratum hinein und erscheint reichlich pigmentirt. Nach Innen zu gegen das Nervengeflecht der Haut zweigen sich Verbindungsäste ab, deren einer frei (wohl abgerissen) endet, der zweite zum eigenen Nervenstiele, der dritte zu einem Seiten- zweige des Nervenastes sich ablöst. Bei a eine Andeutung zur Bildung eines zweiten Knäuels. Am Nervenstamme machen sich bei b zahlreiche Umbiegungen der Nervenfäden bemerkbar. Im Nervenstamme fehlen die Kerneinlagerungen in dem Verlaufe der Nervenfibrillen, sie treten erst bei c in der peripherischen Astbildung auf. „ 2. Ein Nervenknäuel, der tieferen Schichte der Eichelhaut entnommen. Seine Form ist länglich keulförmig, langgestielt, geknickt. Vier Nerven- fäden vereinigen sich zum Stiele, welcher durch gangliöse Einlagerun- gen immer mehr an Querschnitt zunimmt. Der absteigende Schenkel der Knickung vereinfacht sich neuerdings deutlich in vier Nervenfäden, welche schliesslich durch Theilungen und Aufnahme von gangliösen Gebilden znr Kolbenbildung schreiten. Von den Seitenrändern fasern sich Nervenfäden mit endständigen Körnern ab. „ 3. Neivenknäuel und freie Nervenendigungen aus einem gemeinschaftlichen Nervenstamme hervurtretend. Der Nervenstamm wurde wegen Raum- ersparniss nicht gezeichnet. Die Nervenfibrillen a durchsetzen eine gangliöse Anhäufung, treten dann frei hervor, tragen bei b neuerdings mehrere Körner und enden schliesslich in ganglientragende Veräste- lungen, welche sich in Folge der Bedeckung des Präparates mit dem Deckgläschen um die Kuppe des Nervenkolbens herumschlingen. Die Nervenäste c streben mit ihren Theilungen zu benachbarten Nervenver- zweigungen hin. „ 4. Terminale Nervennetze aus der Eichelhaut in Flächenansicht. In dem Netzwerke sind die gangliösen Körner theils eingeschaltet, theils sitzen sie bei a endständig auf. „ 5. Endständige Ganglien aus den peripherischen Nervennetzen. Nervenfaser a zeigt bei b in den Bruchstücken von Nervenästen einen Knoten- punkt des Nei vennetzes; c spindeliger Kern der feinsten Nervenfasern, d endständige gangliöse Körner, an welche sich noch mehrere andere mit varicösen Fortsätzen versehene Ganglien anschliessen. Mehrere derartige Fortsätze laufen an ihren Enden in sehr feine Veräste- lungen aus. Sitzb. d. inathttin.-nulurw. Cl. LI. Bd. I. Abth. 7 VÖ Tomsa. Peripherischer Verlauf des Axenfadens im Penis. Fig. 6. Nervenstämmchen und feine Endfasern von einem über die Dauer ge- kochten und in Wasser macerirten Präparate. Die Endganglien sind meist abgefallen und die Nervenfasern zerbrochen; a, b und c deuten Stellen an, wo die gangliösen Körner dichter gruppirt standen, d ein in Zerfall begriffenes Bindegewebskörperchen. 7. Nervenveriistelung aus der subepithelialen Schichte der Eichelhaut. Die feinsten Nervenfasern lösen sich bei a, b, c in eine theils fein verästigte, theils körnig-krümmelige Masse auf, welche unmittelbar an das Epithel grenzt. Die Masse d enthält noch einige gangliöse Körner. Sämmtliche Bilder sind bei 380facher Vergrösserung gezeichnet. 99 III. SITZUNG VOM 19. JÄNNER 1805. Eingesendet wurden folgende Abhandlungen: Von Herrn Heinrich Schramm, Lehrer an der Landes-Ober- realschule zu Wiener-Neustadt „Discussion der höheren Gleichungen von beliebigem Grade". Von Herrn A. J. Koch: „Kritische Bemerkungen über die bis- herigen Tonlehren und Andeutungen zu Reformen". Vorträge wurden gehalten: Von dem w. M., Herrn Bergrath Franz Ritter v. Hauer „über die Gliederung der oberen Trias der Lombardischen Alpen". - Von Herrn Dr. A. Schrauf, Universitäts-Docenten und Custos- Adjuncten am k. k. Hof-Mineraliencabinete: „Beitrag zu den Berech- nungsmethoden der Zwillingskrystalle". Von Herrn Fr. Unf erdinger, Lehrer an der Ober-Realschule am Bauernmarkt, über „die Auflösung des sphärischen Dreieckes durch seine drei Höhen." Von Herrn Dr. Edmund Weiss, Adjuncten der k. k. Wiener Sternwarte, „Bahnberechnung des Planeten (ßß\ Maja". An Druckschriften wurden vorgelegt: Accademia, Regia, di Scienze, Lettere ed Arti in Modena: Me- morie. Tomo IV. 1862; Tomo V. 1863. Modena; 4°- — Ellero, Pietro, Della emenda penale. (Gekrönte Preisschrift 1862.) 8°- — Galassini, Girolamo, Ufficio e importanza del giornalismo etc. (Gekrönte Preisschrift 1862.) 8°- — Sala, Erio, Mezzi piü atti a procurare il meglioramento dei Carcerati etc. (Acces- sit 1862.) 8°- — Siccardi, Ferdinando, Dell' indigenza e delle cause che la producono. (Accessit. 1861.) 8°- — Tre ves de'Bonfili, Giuseppe, Iuterno alle case di lavoro. (Gekrönte Preisschrift. 1861.) 8"- 100 Chiolich-Löwensberg, Hermann von, Anleitung zum Wasserbau. 11. Abteilung. Stuttgart, 1864; 4°- Cosmos. 2 e Serie: XIV\ Annee, I er Volume, 2 e Livraison. Paris, 1865; 8°- Gewerbe-Verein, nieder-österr. : Wochenschrift. XXVI. Jahrg. Nr. 3. Wien, 1865; So- ll eeg er, E., Album microscopisch-photographischer Darstellungen aus dem Gebiete der Zoologie. III. & IV. Lieferung. Wien, 1862 & 1863; So- Ist i tut o, Reale, Lombardo di Scienze eLettere: Rendiconti. Classe di Lettere e Scienze morali e politiche: Vol. I, Fase. 5 — 7. Milano, 1864; 8°- — Classe di Scienze matematiche e naturali: Vol. I, Fase. 6 — 8. — Temi sui quali e aperto concorso. 1864. — Solenne adunanza del 7 Agosto 1864. 4°- — Magrini, Luigi, Sulla importanza dei cimelj scientifici e dei monoscritti di Allessandro Volta. 8°- — I. R. Veneto, di Scienze, Lettere ed Arti: Memorie. Vol. XI. Parte 3. Venezia, 1864; 4°- — Atti. Tomo IX. Serie 3 a , Disp. 8 a_ 10% 186 3_ 6 4 ; Tomo X , Serie 3% Disp. l a . Venezia, 1864—65; 8°- Mittheilungen des k. k. Genie-Comite. Jahrg. 1864. IX. Band, 12. Heft; Jahrgang 1865. 1. Heft. Wien, 1865; 8o- Moniteur scientifique. 193 e Livraison. Tome VH C . Annee, 1865. Paris; 4°- Pictet, F. J. et G. Campiche, Description des fossiles du terrain cretace des environs de Sainte-Croix. II. Partie. (Materiaux pour la paleontologie Suisse. 3 e Serie.) Geneve, 1861 — 1864; 4°- — et A. Jaccard, Description des reptiles et poissons de l'etage Virgulien du Jura Neuchatelois. (Ibidem) Geneve, 1860; 4°- Reader. Nr. 107. Vol. V. London, 1865; Folio. Seh rauf, Albrecht, Atlas der Krystallformen des Mineralreiches. I. Lieferung. Wien, 1865; 4°- — Katalog der Bibliothek des k. k. Hof-Hineraliencabinets in Wien. (2. Auflage.) Wien, 1864; 8°- Societe Imperiale de Medecine de Constantinople: Gazette medicale d'orient. VIII Annee, Nr. 8. Constantinople, 1864; 4«- — — des Sciences naturelles de Chorbourg: Memoires. Tome IX. Paris & Cherbourg, 1863; 8«- 101 Society, The Asiatic, of Bengal: Journal. Nr. III. 1864. Calcutta, 1864; 8o- Verein, Naturforschender, zu Riga: Correspondenzblatt. XIV. Jahr- gang. Riga, 1864; 8°- — naturw., für Sachsen und Thüringen in Halle: Zeitschrift für die gesammten Naturwissenschaften. Jahrg. 1863. XXII. Band; Jahrg. 1864. XXIII. Band. Berlin, 1863 & 1864; 8<>- Wiener medizin. Wochenschrift. XV. Jahrg. Nr. 3 — 5. Wien, 186S; 4o- Zeitschrift des öslerr. Ingenieur- Vereines. XVI. Jahrg. 10. Heft. Wien, 1864; 4»- 102 v. Zepharovieh. Über Bournonit, Malachit und Korynit von Oha in Kärnten. Von V. Ritter v. Zepharovich. (Vorgelegt in der Sitzung am 5. Jänner 1865.) In jüngster Zeit ist „Wölchit" von einem zweiten Fundorte in Kärnten bekannt geworden. Der nächst Friesach im Mettnitzthale gelegene Siderit-Bergbau Olsa lieferte vor einigen Jahren ein Mineral, welches dem in Kärnten wohlgekannten Wölchit von Wölch imLavant- thale in vieler Beziehung ähnlich, mit dem gleichen Namen belegt wurde. Noch während meines Aufenthaltes in Graz erhielt ich durch Herrn Custos J. L. Canaval solche Exemplare aus dem Klagen- furter Museum zugesendet; ein willkommenes Materiale, welches nun nach näherer Prüfung für die an dem alten Vorkommen aus der Wölch bereits erwiesene Identität von Wölchit und Bournonit einen weiteren Beleg liefert. Eine neuere reichhaltige Sendung verdanke ich Herrn Bergverwalter Hermann Tunner in Olsa, der mir auch bei meinem Besuche der interessanten Localität mit freundlichster Bereitwilligkeit die auf die Lagerungsverhältnisse bezüglichen Daten mittheilte. Auf dem Wölchit, hochgradig zersetztem Bournonit, haben sich stellenweise die Carbonate, Cerussit, Azurit und Malachit, in wohlgebildeten Krystallen — von welchen die letzteren besonders bemerkenswerth — entwickelt. Gleichfalls in der Olsa, aber auf einer anderen Lagerstätte als der Bournonit, erscheint in ungemein reichlicher Menge ein den Nickelkiesen angehöriges Mineral, für welches ich den Namen Korynit, von den eigenthümlichen kolbigen Aggregatformen desselben entlehnte. Bournonit. Mit Drusen ansehnlicher Krystalle auf beiden Breitseiten bedeckte plattenförmige Massen dieses Minerales brachen vor unge- fähr 8 Jahren zum ersten Male auf dem tiefsten der Erzlager von Olsa ein. Dieses nur 3 — 4 Fuss mächtige „ Vorlager" von in Limonit verändertem Siderit enthält, nahezu in der Mitte seiner Über Bournonit, Malachit und Korynit von Olsa in Kärnten. 103 Mächtigkeit, anscheinend conform eingelagert, den Bournonit in einer 2 — 8 Zoll starken Platte, welche unter dem Gehängeschutt am Fusse des Burgerberges ausstreicht. Die Hauptmasse desselben besteht aus lichtgrauem, wohlgeschichtetem Kalkstein, der von einem grüngrauen Glimmerschiefer unterteuft wird. Im Hangenden des Vor- lagers folgen im Kalkstein, das KreinigSiderit-Lager, 9Fuss mächtig, dann das Amanda-Lager mit einer Mächtigkeit von 3 — 18 Fuss, in den höheren Begionen aus „Braunerz", in den tieferen aus unverän- dertem Siderit, „Weisserz" bestehend und endlich nahe dem Berg- rücken noch ein drittes Lager. Die Erzlager streichen im Mittel nach Stunde 9 und verflachen nordöstlich wie die Kalkschichten; Amanda fällt unter 35 — 40 Grad, das oberste Lager unter 55 Grad ein. Die Kalkschichten zwischen den letztgenannten Erzlagern enthalten eine 15 — 20 Klafter mächtige Einlagerung von dunklem granatenführendem Glimmerschiefer. In den Erzlagern erscheinen eingesprengt, wie dies auch an anderen alpinen Sideritlocalitäten bekannt ist, Pyrit und Chalko- pyrit; ferner enthalten dieselben körnigen Calcit in grösseren Partien und Quarz; von letzterem beobachtete ich in krystallinisch-körnigem Siderit eingewachsene radiale Gruppen langer, dünner Bergkry- stalle. Quarz ist auch in den Kalksteinlagern der Nachbarschaft allenthalben in der Umgebung von Friesach, wie Professor Peters berichtete 1 )» verbreitet. Auch Pyrit fehlt nicht in denselben und ist in der Nähe der Erzlager reichlicher anzutreffen. Andererseits verdienen die Bestege von gelblichgrauem Letten und feinem Quarzsand, welche die Olsaer Hauptlager begleiten, eine Eigenthümlichkeit derselben, erwähnt zu werden. Als unmittelbares Liegend und Hangend des Siderit zeigt sich gewöhnlich der Letten, welcher durch eine Lage Sand vom Kalkstein geschieden wird; oft fehlt aber eine der beiden Lagen oder auch beide gleichzeitig, während stellenweise das Erzlager selbst durch einen sandigen Letten vertreten erscheint. Im letzten Falle bildet das Liegende ein grobstängliger Calcit. Die Sandlage enthält hin und wieder ein Stück- chen Kalkstein , keine Geschiebe. Die Mächtigkeit der Bestege ist sehr verschieden; die grösste mit 7 Fuss Letten wurde auf Amanda- Unterbau beobachtet. In dem ersten über Olsa vorliegenden Berichte i) Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt VI, 185.">, 519. 1 U 4- v. Zepharovich. von J. Senitza 1 ) wird auch dieses die Erze begleitenden Lettens gedacht; gegen die dort mitgetheilte Ansicht, dass derselbe wahr- scheinlich durch völlige Zersetzung einzelner Schiefermittel entstan- den sei, dürfte sich ein Widerspruch wohl nicht erheben; das Vor- kommen des Quarzsandes würde die nothwendige Ergänzung der Zersetzungsproducte liefern. Der Umstand, dass diese ehemaligen Schiefermittel die Olsaer Hauptlager einschliessen, bei dem Bournonit-führenden „Vorlager" aber fehlen und die geringe Mächtigkeit des letzteren — also jeden- falls eine gewisse Besonderheit — leiten wohl ungezwungen auf eine Analogie dieser Braunerzbildung mit der Bournonit-führenden in der Wölch, wo die Verhältnisse viel auffallender für einen von der Hauptlagermasse verschiedenen Bildungsvorgang zu sprechen scheinen. Nach den Mittheilungen, welche ich dem Herrn Berginspector E. Heyrowsky in Wiesenau während meines flüchtigen Aufent- haltes im Lavantthale verdanke, werden im westlichen Beviere des Bergbaues zu Wölch die linsenförmigen Braunerzlager und der sie einschliessende — im Gneiss eingelagerte — Kalkstein, von Klüften, zwischen Stunde 10 — 14 streichend, und einige Linien bis 2 Zoll — meist 6 — 12 Linien — mächtig, durchsetzt, deren Aus- füllung vorherrschend ebenfalls aus Braunerz besteht, welche aber in Nestern oder in Schnüren Wölchit, Fahlerz und Antimonit enthalten. Die Schichten des Gneissglimmerschiefers und des Kalksteines streichen nach Stunde 6 — 7. Die Braunerzklüfte entziehen sich sobald sie aus dem Kalk in die Erzlinsen treten, der Erfüllung mit gleichartiger Masse wegen, der unmittelbaren Beobachtung, sind aber kenntlich durch Glaskopfgeoden und durch Wölchit-Nester, welche in der Kluftrichtung liegen, ausserhalb derselben aber, in den Lagern zerstreut, nicht anzutreffen sind. Übereinstimmend hiermit, berichtete mir Herr Ullepitsch in Klagenfurt, früher in St. Gertraud stationirt, dass man mit dem Barbara-Stollen in der Wölch, wenige Klafter vom Mundloch, bevor derselbe noch das Erz- lager erreichte, im GneissglimmerschietW* eine Querkluft angefahren hatte, welche in dem sie erfüllenden Liinonit, Nester von Wölchit enthielt; auf dem Erzlager selbst brachen diese nicht ein. ') P. Tunner's Jaln-Imch I, 1841, Graz 1842. Über Bournonit. Malachit und Korynit von Olsa in Kärnten. lUD Noch klarer zeigt seh das Verhältniss zwischen den Erzlagern und durchsetzenden Klüften in dem aufwärts imLavantthale gelegenen Berghaue am Lohn er Erz berge nächst St. Leonhard. Die dem Kalke eiiigelntjerten Erzlinsen enthalten hier frischen Siderit „Weiss- erz", die Kluftausfüllungen bestehen aber aus Braunerz. Ein solcher Braunerz- Gang wurde in seinem Zuge durch drei parallel hinter ein- ander gelagerte Weisserz-Linsen verfolgt. Im Gneisse ausserhalb der Kalklager — an welche stets das Erzvorkommen gehunden ist — schliessen sich diese Klüfte, die auch hier nach ihrer mittleren Streiehungsrichtung „Zwölfer" genannt werden, sind jedoch durch eine Absonderung des Gneisses parallel der Kluftrichtung ange- deutet. Da man beobachtet hat, dass solche Klüfte stets eine Erzlinse durchsetzen, folgt man ihnen, um neue Lagerstätten aufzufinden. Das übereinstimmende Einhalten einer Hauptrichtung dieser Zwölferklüfte nebst ihrer ansehnlichen Ausdehnung, einerseits im Streichen, andererseits nach dem Verflachen, dürften denselben wohl eine grössere Bedeutung als die untergeordneter gangartiger Abzweigungen der Haupterzlagerstätten zuerkennen lassen. Im Streichen verqueren nämlich diese Klüfte die ganze Mächtigkeit der Kalklager bis in die angrenzenden krystallinischen Schiefer, und eine bedeutendere Ausdehnung nach dem Verflachen, nach aufwärts bis gegen die Gebirgsoberfläche hin, wird durch die Umänderung des Siderit der Klüfte in Braunerz nachgewiesen. Demnach möchten wir auch die Kluftminerale als Gangbildungen betrachten, in den Spalträumen wahrscheinlich durch aufsteigende Quellen abgesetzt. Diese konnten ausser den Bestandteilen des Siderit, jene des Bour- nonit, Antimonit (Wölch, Loben) und andere mitführen, die wir nur in diesen Kluftausfüllungen finden. In den Sideritlagern selbst kommen metallische Minerale anderer Art, den Kiesen angehörig, stets unregelmässig eingesprengt vor. Übereinstimmend mit Wölch, sehen wir in dem Bournonit und dem Siderit des „Vorlagers" in der Olsa ebenfalls Absätze auf einer im Kalkstein — hier aber in der Richtung des Streichens der Erzlager — eröffneten Spalte, und finden diese Annahme unterstützt durch das bereits erwähnte Vorkommen des Bournonit als ein halbfuss dickes Blatt in der Mitte des geringmächtigen Braunerzes. Demnach wäre der Kärntner Bournonit, wie jener anderer zahlreicher Loca- li täten, ein Gangmineral und wäre auch eine weitere Analogie durch lUb v. Zepharovich. die Begleiter desselben, Siderit, Baryt, Antimonit und Chalkopyrit hergestellt. Noch ein dritter Wölchit-Fundort in Kärnten, Maria -Wait- s c h a c h ist zu nennen. Von diesem sah ich in der Sammlung des Berg- verwalters F. Seeland in der Lolling ein Exemplar unzweifelhaften Wölchites mit dicker gelber Ockerkruste bedeckt und im Klagen- furter Museum sammtartigen Malachit in zelligen Hohlräumen von Limonit, in welchem Wölchit und Chalkopyrit eingesprengt sind. Prof. Peters hatte mich schon früher auf den Wölchit von Wait- schach aufmerksam gemacht. Nach dessen Berichte (a. a, 0. S. 166 und 520) setzen die Friesacher Kalklager über Waitschach, wo ein Limonitlager abgebaut wird, bis Hüttenberg-Lölling fort *)• In Olsa hat man das Bournonit-Blatt beiläufig auf 10 Klafter verfolgt, weiter einwärts ist das Verhalten nicht bekannt. Mit dem Bournonit, — der ungemein häufig Chalkopyrit eingesprengt und beigemengt enthält — und zunächst demselben im Braunerz, er- scheint körnig-blätteriger Baryt; auf den eigentlichen Olsaer Erz- lagern wurde derselbe nicht beobachtet. Im Formentypus sind die Wölchitkrystalle von Olsa , wie Haidinger in der ersten Notiz über den neuen Fundort erwähnte 2 ), mehr als jene aus der Wölch, dem des eigentlichen Bournonit ge- nähert. Die kurz- und dicksäuligen, oft nahezu kubischen, selten tafeligen Gestalten, erreichen bis 39 Millim. Höhe und 27 Millim. Breite und sind vorwaltend durch oP, ooPob und ooPöö begrenzt; untergeordnet erscheinen ooP, dann yoJPööundPöö undP. Die letz- teren Angaben beruhen auf sehr aproximativen Messungen mit dem Anlegegoniometer, die bei der weit vorgeschrittenen Zersetzung, in welcher diese Krystalle vorliegen, nur selten möglich, wenig Sicherheit in die Combinationsbestimmung bringen, um so geringere als die WinkeldifTerenzen der Kanten zwischen den Hauptflächen des Bournonit ohnehin keine bedeutenden sind. Gewöhnlich sind Kanten und Ecken völlig zugerundet, entsprechend dem ockrigen Zustande der Flächen und der Krystallmasse tief einwärts. 1 ) Über die vorerwähnten Berghaue gehen ausser der citirten Abhandlung, Nachrichten Lipoid cbend. S. 198, Wieland in Ilaidinger's Ber. V, 2'2!i und Senitza Tunner's .Jahrb. I, 100 ff; auch Karl v. Hauer's Eisenerzvorkommen in Österreich 186:5, S. 54 und 62. z ) Jahrb. d. k k. geolog. Reichsanstalt XIV, 18t>4, Verhandl. 5. Über Bournonit, Malachit und Korynit von Olsa in Kärnten. 107 Die an den hochsäuligen Formen des Welcher Bournonit so häufigen cannelirten*Und tief eingeschnittenen Seitenflächen, welche an das Rädelerz erinnern, finden sich an den Olsa-Krystallen nicht; diese zeigen aher öfter einfachere Ahgliederungen, erscheinen auch als „rechtwinkelige Kreuzkrystalle". welche nach Fr. Hessen- berg's ungezwungener Erklärung, nicht als Zwillingsbildung auf- zufassen sind *). Ich beobachtete solche in den Drusen an beiden Bieitflächen der Bournonitplattcn und häufiger noch an den kleineren Krystallen, welche Hohlräume von geringer Ausdehnung in der derhen Masse auskleiden und die treffliche Erhaltung ihrer Form einer Decke dicht aneinander gedrängter Cerussit-Kryställehen verdanken. Einzelne grosse Krystalle sind zerborsten und die Klüfte mit röthlichem Baryt erfüllt. Dieser zeigt sich auch auf einigen Kry- stallen, in lamellaren Aggregaten und erscheint an anderen Stücken reichlicher mit grösseren Bournonitpartien verwachsen, als blättrig- körnige Gangart. An diese Zone würde sich dann beiderseits das Braunerz anschliessen. Die in den Mineraliensammlungen verbreiteten Bournonit- exemplare aus der Wölch sind wie die von Olsa in stark zersetz- tem Zustande; die Krystalle sind meist eingewachsen in derbem, zunächst auch ockerigem Limonit, der in Höhlungen als Glaskopf mit Wad-Überzug erscheint. Aber in der Wölch ist das Vorkommen noch interessanter, da es aus verschiedenen Tiefen, verschiedene Veränderungsstufen der Gangminerale liefert. An das eben erwähnte würde sich das Vorkommen verwitterter Bournonitsäulen anschlies- sen, die gewöhnlich liegend aufgewachsen sind auf Limonit, der aber durch deutliche Rhomboeder noch seine Abstammung von Siderit nachweist. Endlich vollkommen frischer Bournonit in mit Rhomboedern ausgekleideten Drusenräumen unveränderten Siderites. Von diesem letzleren Vorkommen dürften nur wenige Exemplare vorhanden sein; eines in dem k. k. Mineraliencabinet zu Wien (Hdslg. I. Nr. 4865 a) und einige in der Sammlung Fr. v. Rosthorn's in Klagenfurt. Zu dem Wiener-Stücke bemerkte L. Hohenegger, dass er bei einer von ihm im Jahre 1838 eingelei- teten Schürfung auch das „prismatische Kupferfahlerz, Mohs" ausser einigen derben Vorkommen nur zwei Krystalle erbeutete. !) Mineralogische Notizen V, 39. 1 O v. Zepliarovich. An dem Wiener-Exemplare sieht man gelblich grauen, krystal- linisch-körnigen Siderit, worin derber, stark glänzender Bournonit, von stahlgrauer Farbe eingesprengt ist. In einen mit Rhomboedern besetzten Drusenraum des Siderites ragt von der derben Masse ausgehend, eine 14 Millimeter lange cannelirte Bournonitsäule, durch oP geschlossen hinein. Kleine Fragmente hievon ergaben durch sorgfältige Bestimmung das specifische Gewicht = 5.832. Eine dünne Quarzrinde hat sich zwischen den Sideritrhomboedern und dem Bournonitkrystall abgelagert, und zeigt losgetrennt die tiefen Längsrinnen des letzteren. Auch an verwitterten Säulen sind solche krystallinische Quarzansätze stellenweise zu bemerken. Ganz ähnlich ist ein an 25 Millim. hoher Krystall, ebenfalls in einer Sideiitdruse, den ich, nebst anderen ausgezeichneten Wölchiten, in der Mineraliensammlung v. Rosthorn's aufgestellt sah. Zwei Exemplare dieser Sammlung, einen losen Krystall im Durchmesser etwa 18 Millim. und ein derbes, vollkommen frisches, in Siderit eingewachsenes Mineral, beide von Wölch, hatte Kenn- gott schon vor längerer Zeit, vollkommen mit Bournonit im Aus- sehen, Krystalltypus, Härte, sp. Gewicht (5*828), Strich und in den Löthrohr-Reactionen übereinstimmend gefunden t). Den Krystall beschrieb Kenngott als eine Vielingsgruppe nach ooP ver- bundener Individuen der Combination 0P.00P60 .ooP.ooPöö, mit einer untergeordneten Pyramide mP, und zwei Brachydmnen. Aus den Angaben oP: mPoo= 146t/ 5 ; und ooPoo: m'Pc<2 = 141° würden die Zeichen 3 / 4 P6o und 7 / 5 Pdo folgen, mit einer Differenz der gemessenen und berechneten 2 ) Winkel von 25' und 28'. — Am Bournonit ist aber die makrodiagonale Zone weit flächenreicher als die brachydiagonale. In der Übersicht der bisher beobachteten Bournonitformen verzeichnet Hessenberg 3 ) fünf Brachydomen und zwölf Makrodomen und unter den letzteren auch die von Haus- mann gefundenen 3 / 4 Pöä und 7 / 5 Pöö. Es ist daher nicht unwahr- scheinlich, dass die oben erwähnte Bestimmung auf einer Verwechs- lung von ooPob und coPöö beruhe. Die Differenz der Kanten- rechnung und Messung würde bei der Annahme von Makrodomen i) Mineral. Not. 14. Folge, 8°. (Sitzber. .1. Wr. Akad 1834, XIII, 46?.) 2 J Aus dem Parainetei-verhällnisse ü:i :e = 1 : 9379 : 0.8968, Dana. 3 ) Miner. Not,. V. 34. Über liournonit, Malachit und Korynif von Ul.sa in Kärnten. 109 wohl mehr, etwas über 2 Grad betragen; doch auch diese ist hei „annähernden Messungen mit dem Contactgoniometer" noch zulassig. Auch an dem Olsa-Bournonit kommen, nach meiner Beobachtung, nur Makrodoinen vor. An dem derben Stücke der Bosthornschen Sammlung fand ich schon früher an einem Krystallfragmente, mit dem Reflexionsgoniometer, die Neigung von ooP gegen ooPöö und oqPoq vollkommen mit den Bournonit-Winkelu stimmend *)• Dem — nach einer Discussion der damaligen Schrotte r'schen Analyse 2 ) des Wölchit — von Kenngott ausgesprochenen Wunsche einer wiederholten chemischen Untersuchung, ist inzwischen Ram- melt-berg 3 ) nachgekommen. Die chemischen und physischen Eigenschaften des Wölchit lassen nun, wie diess unlängst von Zir- kel 4 ) und von Naumann 5 ) hervorgehoben wurde, die Identität des Wölchit und des Bournonit als entschieden betrachten. Der „Wöl- chit" ist eben nur ein mehr weniger zersetzter Bournonit, und nur in diesem Sinne, zur Bezeichnung eines jedenfalls bemerkenswerthen Vorkommens, wird der von Haidinger, dem ersten Fundorte ent- lehnte Name fortan noch zu verwertben sein. Würde eines von den frischen Exemplaren der R osthor n'scheu Sammlung der Analyse unterzogen werden, so wäre gewiss eine noch grössere chemische Übereinstimmung mit den unzweifelhaften Bournoniten zu erwarten. Die ockerige Veränderung ist auch bei dem Olsa-Bournonit so tief einwärts vorgedrungen, dass nur die mittleren Partien der dicksten Plattenstücke, anscheinend unzersetzte Masse enthalten. Schwärzlich-bleigrau, metallglänzend und nach einer Bichtung ziem- lich deutlich spaltbar, ergab dieselbe das specifische Gewicht —5-637, als Mittel von acht Wägungen mit den Grenzen 5*585 bis 5-700. Bei grösster Sorgfalt war es nicht möglich für diese Bestimmung, so wie für die chemische Zerlegung ein von Zersetzungsproducten ganz freies Materiale zu gewinnen, da die Masse selbst in den kleinsten Stückchen noch von ockerigen Stellen durchdrungen ist. 1 ) Kenngott, Miner. Not. a. a. O. 2 ) Der auffallende Arsenikgehalt derselben dürfte sieh durch dem Wölchit beigemengtes Fahlerz erklären lassen; solches kommt in der Wölch in Krystallen und derb vor. (Vrgl. mein mineral. Lex. f. Österreich, S. 445.) 3) .Mineralchemie, 1860, 80. 4 ) Monographie des Bournonit. Sitzungsber. d. Wr. Akad. 1862. XI. V, 465. 5) Mineralogie. 1864, 450. 110 v. Zepharovich. Die Analyse durch Herrn Dr. M. Buchner in Graz vorge- nommen, ergab folgende Resultate : Schwefel 18-54 Antimon . . .• 20-95 Blei 41-67 Kupfer 11-61 Eisen 0-94 Kohlensäure w m ■ 4 ' 86 98-27. Mehrere dieser Angaben beruhen auf wiederholten, nur wenig von einander abweichenden Bestimmungen. Arsenik wurde nicht gefunden. — Die Summe der Metalle und des Schwefels ist 93*71; in dem Abgange von 6-29 wurden 4-56 als Kohlensäure und Wasser bestimmt, während 1-73 auf den Sauerstoff, der mit den Metallen in Carbonaten verbunden war, entfallen würde. Berechnet man aus der gefundenen Menge Kohlensäure und Wasser den Sauerstoff für gleiche Theile von Cerussit und Malachit — unter den Zersetzungsproducten am reichlichsten vertreten — so erfordern diese 0-82 -J- • 82 = 1 - 640, welche sich mit der gefundenen Summe der Bestandtheile auf 99 '91 ergänzen. Wären diese Carbonate aber auf Kosten von fortgeführtem Schwefel in dem ursprünglichen Minerale an Ort und Stelle gebildet worden, so müsste die obige Bestimmung des Schwefels zu gering ausgefallen sein. Die gefundenen Metalle erfordern nach der Bour- nonit-Formel (Pb ä €ü)Sb in Summe 18-09 S; die Analyse ergab also noch einen Überschuss von 0-45 S; es konnte daher die Zer- setzung nicht in der oben angegebenen Weise erfolgt sein. Die obige Zerlegung, nach Abzug der gefundenen 4 # 56 CO 3 und HO, gibt in Procenten: Schwefel 19-78 Antimon 22-37 Blei 44-47 Kupfer 12-39 Eisen 100 100. Über Bournonil, Malachit und Korynit von Olsa in Kärnten. Zur Vergleichung folgen R a m m e 1 s b e r g's Analysen des Wölchit aus der Wölch, die berechnete Zusammensetzung des Bournonit («) *) und die durch die zuverlässig erscheinenden neueren Analysen gefundenen Minima und Maxima der einzelnen Bestandtheile (6) 2 ). 16-81 — 15-23 19-72 17-8 — 20-31 24 41 — 24-46 24-71 24-34 — 29-4 42-83 — 43-69 42-54 38-9 — 42-88 15-59 - 1615 1303 12-3 — 1516 0-36 — 0-58 — - 2-35 Wölch O) (6) Schwefel . . . 19.78 Antimon . . . . 22-37 Blei 44-47 Kupfer . . . . 12-39 Eisen 1-00 100 100 100-11 100. Den gegenwärtigen Zustand des Olsa-Minerales berücksichti- gend, ist die Übereinstimmung mit den vorliegenden Analysen wohl genügend, um dasselbe in Zusammenhalt mit den physischen Eigen- schaften, als Bournonit zu bestimmen. Der grössere Gehalt an Blei würde sich wohl ungezwungen durch zugeführten Cerussit erklären lassen, wodurch auch die gefundene Menge Schwefel nicht mehr auffallend erschiene; es würde dann die Veränderung der zerlegten Probe vorzugsweise auf einer Verminderung des Antimongehaltes beruhen. Die glanzlosen, abfärbenden, dicken Ocker-Schichten, welche Krystalle und derbe Stücke des Olsa-Bournonites bedecken und auf vielfach verzweigten engen Spalten tief in die Masse dringen, sind sehr mannigfaltig, vorwaltend braun, roth oder gelb gefärbt. Zu- weilen beobachtet man mehrere Lagen von verschiedener Farbe übereinander, so: graulichgrün, grünlichgelb, gelblichroth, roth- braun, braun und endlich graubraun an einem Krystalle. Die oberste Decke bilden oft dunkelbraune, flechtenartig ausgebreitete oder kleine pilzartige Ansätze von grünlichblauer Farbe. Stellenweise zeigen sich auch Cerussit- und Malachit-Krystälichen. Die qualitative Untersuchung dreier Ockerproben verdanke ich Herr F. Stolba in Prag. In der folgenden Übersicht sind die vor- herrschenden Bestandtheile mit + > die in Spuren nachgewiesenen, mit — bezeichnet. l ) Ka m m e I s h e rg a. a. 0. z ) Zirkel a. a. O. S. 434. 112 v. Z e p h a r o v i c h. Farbe des Ockers co= PbO CuO SbOS As05 Fe 2 0* MnOä HO + + + — — — + + + + — + 4 + + + — — + + + a) graulichgelb b) lichtbraun . c) dunkelbraun Im Kölbchen erhitzt geben die Proben Wasser und wird (ä) gelb wie Bleiglätte und (b) schwarz; (c) decrepitirt und ändert die Farbe nicht. — Zu den Bestandteilen des Bournonit sind daher hinzugetreten: Sauerstoff, Kohlensäure, Wasser und Spuren von Arsensäure, letztere ohne Zweifel von zersetztem Korynit im Han- gend- (Kreinig) Lager, herzuleiten 1 ). Die obersten, dunkelbraunen Ansätze enthalten überdies Mangansuperoxyd, wohl aus dem Braun- erz stammend. Gerussit, Malachit und Azurit. Während in den weiter ausgedehnten Drusenräumen der Bour- nonit- Zone die grossen Krystalle oberflächlich ockerig verändert erscheinen, zeigen sich die kleineren Hohlräume in der Masse, durch zwei Derivate des Bournonit, durch Cerussit und Malachit erfüllt oder mit deren Krystallen ausgekleidet. Die weit reichlichere Bildung von Cerussit — entsprechend dem mehr als dreifach grösseren Gehalte von Blei gegen Kupfer, in dein unzersetzten Bour- nonit — lässt drei aufeinander folgende Perioden erkennen. Der ältesten gehören grössere, weisse, missgestaltete Krystalle an, welche oft mit einer kupferfarbigen, leicht absprengbaren Binde bedeckt sind. Nach dieser folgte die jüngere Generation in tafelig oder prismatisch gestalteten Formen; letztere erscheinen häufig als feine schnee- i) Bei einer widerhollen Prüfung- des Bournonit von Olsa durch Herrn S toi ha erwies sich derselhe (übereinstimmend mit Dr. Büchner) vollkommen frei von Arsenik. Auch Silber ist darin nicht enthalten; — nach K. v. Hauer (a. a. O.) sind die Eisenkiese der Erzlagerstätte von Olsa silberhaltig und findet man zuweilen in den Ofenhrfichen daselhst reines Silber. Bergverwaller II. Tunner (heilte mir mit, dass sich zeitweise Kiigelchen von Blei auf den Eisenflussen und in den Klüften der Gestellsteine zeigen; — wohl nur dann, wenn Bournonit den Erzen beigemengt war. Über Bouriionit, Malachit und Korynit von Olsa in Kärnten. 1 I ii weisse Nadeln oder seidenglänzende, zart längs-geriefte Säulchen. Theils früher, theils später als dieser Cerussit mittleren Alters erschien der Malachit; seine Krysfalle umschliessen Cerussitnadeln, oder werden von solchen durchsetzt; andere Malachite haben wieder augenscheinlich Cerussitkrystalle in ihrer Elitwickelung gehindert; stellenweise mögen beide Minerale auch gleichzeitig abgesetzt wor- den sein. — Ihnen folgten endlich in einigen Drusenräumen die jüngsten Cerussite, in höchstens fünf Millim. hohen wohlgebildeteu Zwillingskreuzen dünntafeliger Individuen, der Form oo.Po6. P., mit untergeordneten ooP und 2 Poa. In anderen ebenfalls wenig ausgedehnten Hohlräumen wurden kleine Bournonitkrystalle, ober- flüchlich mit lebhaft demantglänzenden Cerussit-Kryställchen dicht besetzt; auch erscheint das gleiche Mineral als Ausfüllung von Spalten und kleineren Höhlungen in der vorwaltend stark veränderten Bournonitmasse. — Die Mal achit-Krystalle sind durch ansehnliche Dimensionen und vorzügliche Ausbildung gleich bemerkenswerth. Den wenigen bisher bekannten Localiläten, welche krystallographisch bestimm- bare Malachite liefern, Rheinbreitenbach 1 ), Siegen 2 ), Joachims- thal 2 ), Rezbanya 1 ), Nischni-Tagilsk s), Wallaroo und Burra Buna in Süd-Australien 2 ) schliesst sich nun eine dritte österreichische, Olsa in Kärnten 4 ) würdig an. Einzelne prismatische Krystalle erreichen 7 Millim. Höhe und 2 Millim. Breite; bei diesen Dimensionen ist ihre Farbe ein sehr dunkles smaragdgrün bei geringer Pelucidität; kleinere sind lichter und durchsichtig. Es sind rhombische Prismen, geschlossen durch eine scheinbar rechtwinkelig angesetzte Endflächej bei näherer Betrachtung erscheint diese sehr uneben; sie ist stets fein gekörnt oder zart schuppig und gleichzeitig oft nach der Makrodiagonale gebrochen, ein- oder aufwärts gekrümmt. Unter dem Mikroskope erkennt man, dass die Unebenheit bewirkt wird durch unzählige Flächenelemente i) Hessenberg, Mineral. Notizen Nr. 3, 1860, 31 und Nr. 6, 1864, 9. 2 ) V. v. Lang, Phil. Mag. Ser. 4, Vol. 25, pag. 21, PI. VF. s ) A. Nordenskiöld, Acta soc. scient. Fennicae, IV, 1855, p. 607. — Eine Über- setzung dieser Abhandlung verdanke ich der Güte Fr. Hes senb erg's. *) Die erste Nachricht über diesen Fundort gab J. L. Canaval, Jahrb. d. naturh. Landesmuseums von Kärnten, 4. Heft, 1855 — 1859, p. 129. Sitzb. d. raathem.-naturw. Cl. LI. Bd. J. Abth. 8 114 v. Zepharovich. von meist triangulärer Begrenzung, welche — nach zwei entgegen- gesetzten Richtungen spiegelnd — zwischen anderen zahlreicheren von unregelmässigen Umrissen liegen, die alle in einer Ebene, in jener der Endfläche gleichzeitig erglänzen. Zunächst den Rändern der rhombischen Säule sind die 'triangulären Flächen in gleichem Sinne geneigt und ziemlich anschliessend aneinander gereiht, wäh- rend sie gegen die Mitte hin unregelmässiger begrenzt und vertheilt erscheinen. Trennt man ein Prisma mit ungebrochener Endfläche von seiner Unterlage, so zeigt sich aus der Beschaffenheit der hierbei entblössten Fläche der vollkommenen Spaltbarkeit quer gegen die Hauptaxe, dass der scheinbar einfache Krystall aus einer grossen Anzahl von Individuen besteht, welche vorwiegend unter einander parallel, andere in hemitroper Stellung umschliessen. Diese zweite Stellung der Individuen konnte an einem Exemplare an den scharfen Kanten, zwischen den Säulen- und der Spaltfläche, als eine ziemlich zusammenhängende , gegen Innen gesägt begrenzte, schmale Randeinfassung wahrgenommen werden; dabei mussten die Spaltflächen des Randes und der Mitte eine ausspringende Kante ergeben. Jene Säulen aber, mit einer nach der Makrodiagonale convexen oder concaven Endfläche sind ebenfalls Einigungen vieler Individuen, die aber nach der Ebene durch die scharfen Seitenkanten in zwei Hälften zerfallen, welche sich gegeneinander in hemitroper Stellung befinden; in jeder der beiden Hälften sind die Individuen in gleichem Sinne orientirt. Die queren Spaltflächen einer solchen von der Un- terlage losgetrennten Säule, treffen mit einspringender Kante unter dem gesetzmässigen Winkel zusammen. Auch die dünneren Prismen und die Nadeln, welche entweder einzeln oder in Büschel gestellt, oder innig zu radial-stängeligen und faserigen Aggregaten vereint sind, lassen, sobald ihre Dimensionen noch eine Untersuchung gestat- ten, stets Zvvillingsbildung erkennen und scheinen dieselben weit vorherrschend in der Weise aufgewachsen zu sein, dass am freien Ende der Individuen die ausspringende, am aufgewachsenen, die einspringende Kante der Spaltflächen erscheint ')• Ausnahms- weise erhielt ich aus einem Krystallbündel ein Säulenmittelstück, welches an beiden Enden die einspringenden Kanten der Spaltflächen i) b. fig. ü'.tG in Miller's mineralogy, i>. 592 Über ßournonit, .Malaolii t und Korynit von Olsa in Kärnten. 1! (c) zeigte. Ähnliches, — beiderseits die ausspringende Kante, hat v. Lang (a. a. 0.) an australischen Malachitkrystallen beobachtet c e>i und an einer Spaltlamelle nach 00P0© in polarisirtem Lichte eine Durchkreuzung zweier Individuen nach- gewiesen, welche für unseren Fall sieh wie in neben- stehender Skizze ergeben würde. Die Prismenflächen glänzen lebhaft, sind aber wie auch die Endflächen, in Folge der Einigung vieler Individuen uneben, längswellig gekrümmt. Die eben genannten Flächen ooP und oP (wenn man mit Mobs und Lang die quere Spaltfläche c mit — Poo und die nahezu rechtwinkeligzurHaupt- axe geneigte Fläche mit oP bezeichnet), begrenzen vorherrschend die Malachitkrystalle von Olsa. Sehr untergeordnet erscheint noch die in unzähligen kleinen triangulären Flächen einspiegelnde — ^oo. An einem Krystalle fand ich das Prisma durch — 7 / i Poo, welches nach annähern- der Messung gegen oo^oo unter 132 !/ a ° geneigt ist und noch nicht beobachtet wurde, geschlossen *)• Als Seltenheit beobachtet man auch kleine unbestimmbare Flächen, welche die Ecken zwischen oP und der scharfen Kante von ooP abstumpfen und einem Klinodoma angehören dürften. Ebenfalls nichtgenau zu ermitteln, wegen gleicher zartdrusiger Oberfläche, sind jene zwei Flächen, welche an einigen Säulen mit einspringender, der Makrodiagonale paralleler Kante, am freien Krystallende erscheinen; diese Kante fand ich annähernd 162« 20'. Eine Untersuchung der Lage der Spaltflächen an diesem Zwillinge war leider nicht gestattet — es bleibt daher unentschieden, ob in diesem Falle in den Individuen jeder der beiden hemitropen Theile, die Tendenz zur Ausgleichung der einspringenden Zwillingskante jene flachrinnartige Eintiefung des Endes bewirkte, oder ob — die früher angegebene vorherrschende Aufwachsung und Zusammen- setzung der Säulen annehmend — hier die von Lang beobachteten Flächen des jenseitigen Hemidoma % Poo vorliegen , für welches (a. a. 0.) die Zwillingskante V^o© {ooPoo} 11 Beobachtungen an 3 Krystallen. —Pc*:eoPoo = 118 15 30 1 „ „1 An Spaltflächen eines andern Säulchens wurde die aussprin- gende Zwillingskante —PcO \ooPoo\ -Poe == 123° 31' 40" als Mittel aus zehn Beobachtungen bestimmt. Obgleich diese Messungen nur als aproximative gelten können, da eine Reflexion des Fadenkreuzes nicht stattfand, stimmen sie doch — die erste und letzte ausgenommen — ziemlich gut mit den Werthen, welche Hessenberg's sorgfältige Beobachtungen (a. a. 0.) an schönen Krystallen von Rheinbreitenbach und von Rez- banya ergaben. Ausser in dünnstängeligen Aggregaten (das speeifische Gewicht eines solchen fand ich 4*033), zeigt sich der Malachit in den fein- sten Nadeln, welche büschelige, garbenähnliche oder halbkugelige Gestalten mit sammtartiger Oberfläche bilden; zuweilen erscheint er auch als dünner Überzug von Cerussitkryslallen. — Als grosse Seltenheit bemerkt man neben Cerussit und Malachit auch ein vereinzeltes Kryställchen von Azurit; sie schliessen wie manche Malachitkrystalle zuweilen Cerussitnadeln ein und erreichen höchstens 3 Millim. Breite bei 1 x / z Millim. Höhe. Um so bemerkenswerther ist ein von Olsa stammendes Stück, eine Druse grosser, in Malachit umgeänderter Azurit-Kry- stalle, welche mir Herr F. Seeland zur Bestimmung sandte. Bis 18 Millim. hohe und 7 Millim. breite säulige Formen — an Löllingit oder Säulenbaryt erinnernd — erwiesen sich als einem selteneren Typus der Azuritkrystalle angehörig 2 ). Es sind nach der Orthodia- gonale gestreckte Combinationen von oP . -Poe . —Poe . Ptx> . ecPeo *) In einer zweiten jüngeren MittheiluDg berechnet v. Lang aus verlässlieheren Messungen obigen Winkel mit 90°3' (Phil. Mag. Ser. 4, Vol. 28, pag. 55.) 2 ) Zippe hat ahnliche aus Tirol gezeichnet, Krystallgestalten der Kupferlasur, 1830, Fig. 52-54. Über Bournonit, Malachit und Korynit von Olsa in Kärnten. 117 nach Millers und Dan a's Grundform bezeichnet. Messungen mit dem Contactgoniometer gaben — fco : ec:P«c = i3G°S2'(2) gerechnet i37°13' * foo : co fco =133 52 (3) „ 134 56 fco : fco = 82 22 (8) „ 82 38. Diese Formen meist mit der scharfen Kante des Klinodoma auf- gewachsen, bestehen ganz aus feinfaserigem Malachit ohne Höhlungen im Innern; die Flächen sind eben, matt oder schimmernd durch die demantglänzenden Enden der Krystalloide und bedeckt mit einem dunkelbraunen Anfluge, der sich als Limonit erwies. Einzelne Pseudomorphosen tragen eine dünne, lichtgrüne sammtartige Malachitkruste; am Fusse anderer haben sich Malachit-Faserbüscheln angehäuft. Die Unterlage der Druse ist eine von Eisen- oxydhydrat reichlich durchdrungene thonige Masse, die vielfach von Malachitadern durchsetzt ist. Ausser den Bestandteilen des Malachit, Hessen sich in den Pseudomorphosen noch Spuren von kohlensaurem Bleioxyd nachweisen. oo /"oo Korynit. Im Hangenden der Bournonit-Lagerstätte folgt im Kalkstein das Kreiniglager, bei einer durchschnittlichen Mächtigkeit von 9 Fuss, wesentlich aus Siderit bestehend. Auf diesem Lager fand man im Siderit und Calcit ein dem Arsenikkies ähnliches Mineral in unge- mein reichlicher Menge eingesprengt. Haidinger hat bereits die Übereinstimmung dieses, „einer näheren Untersuchung werthen metallischen Minerales" mit Arsenikkies in einigen Eigenschaften erwähnt und hervorgehoben, dass es „aber doch durch eine gewisse schalige Zusammensetzung bei sehr ungewöhnlichen, nachahmenden nierenförmigen und nahe kolbenförmigen Gestalten, und das starke schwarze Anlaufen der Oberfläche, einen ganz fremdartigen Eindruck mache" *). Dies bezieht sich auf die, in frischem oder nur wenig l ) Jahrbuch der k. k. geolog. Reichsanstalt XIV, 1864, Sitzung am 19. April. 118 v. Zepharovich. gebräuntem Siderit eingewachsene Varietät, von welcher ich schon zu Anfang dieses Jahres durch Herrn Custos Canaval's Sendung Kenntniss erhielt. Schon damals hatte ich, nach jenen eigentüm- lichen kolbigen Formen, für das Mineral — sollte dies durch die weitere Untersuchung gerechtfertigt erscheinen — den Namen Korynit (von xopüvr}, Kolben, Keule) in Bereitschaft. Da die Resultate der chemischen Zerlegung es nun ebenfalls wünschen hissen, das den Nickelkiesen einzureihende Mineral durch einen besonderen Namen zu bezeichnen, möchte ich für dasselbe den genannten in Vorschlag bringen. Der Korynit krystallisirt wie die beiden ihm nahestehenden Nickelkiese im tesseralen Systeme; an dem mir vorliegenden Ma- teriale beobachtete ich nur Oktaeder bis 2 i / 2 Millim. Kantenlänge erreichend. Am Reflexionsgoniometer gibt die Messung der Kanten 70 21' als Mittel von acht Beobachtungen an fünf Individuen mit den Grenzen 69° 5' und 73 40', wegen Convexität der Flächen, die an den grösseren Krystallen ganz allgemein ist, und bauchig-ver- zerrte Formen veranlasst. Auch sind die Flächen häufig schuppig oder dreiseitig getäfelt. Selten sind die Oktaeder einzeln einge- wachsen; meist erscheinen sie mannigfach geeint, insbesondere nach einer tetragonalen Axe geradlinig an einander gereiht — wie an Fäden krystallisirte Alaunoktaeder — in kugeligen Gruppen u. a. Die Krystall-Aggregate und aus diesen hervorgehenden krystal- linisch-körnigeu Partien sind in weissem körnigem Calcit eingewach- sen so reichlich, dass an ansehnlichen Handstücken der Korynit oft weit überwiegt — während die nachahmenden Gestalten an frischen körnigen Siderit gebunden erscheinen. Dieses Verhältniss der bei- den Korynit- Varietäten zu verschiedener Matrix wird fast ausnahmslos eingehalten — selbst an einzelnen Exemplaren, an welchen Siderit und Calcit gleichzeitig auftreten — so dass man die Ausbildung der einen oder der anderen dem Einflüsse der umschliessenden Masse zuschreiben muss. Unter den nachahmenden Formen sind die kolbigen besonders bemerkenswerth. Von halbkugeligen Aggregaten mit kleintraubiger oder nierförmiger Oberfläche, erstrecken sich gegen ein Ende ge- wöhnlich verdickte Arme in den umgebenden, dicht anschliessenden Siderit — das Ganze gewissen Korallenstöcken nicht unähnlich. An einem Stücke zählte ich fünf schlanke, 52—78 Millim. lange Über Bournonit, Malachit und Korynit von Olsa in Kärnten. 119 Auszweigungen; andere sind bis 35 Millim. lang und 12 Millim. breit. Die klein nierförmige Oberfläche der einzelnen Äste ist zu- weilen schuppig, durch sehr krumme Oktaederflächen. Zunächst der Begrenzung ist dieTextur der Äste oft sehr fein krystallinisch-körnig, meist aber durchaus mehr oder weniger deutlich faserig, verbun- den noch mit einer zweiten gewöhnlich minder ausgesprochenen, schaligen Zusammensetzung. Die wenig gekrümmten Fasern sind stets schief und abwärts, beiläufig unter 35 , gegen eine etwas excentrische Axe gerichtet. Derart erinnern diese Aggregate durch Gestalt und Structur an die kolbigen und dickästigen Gebilde der Eisenblüthe. Ausser diesen finden sich auch eingewachsene knollige oder spliäroidische Gestalten, stets oberflächlich nierförmig oder traubig gegliedert und bei gedrängter Anhäufung in körnige Massen übergehend. Der Korynit ist ziemlich schwierig, mit etwas gekrümmten Flächen nachooOoo spaltbar. Bruch uneben; wenig spröde. Härte = 4-5 — 5. Specifi.sches Gewicht —5- 994, im Mittel von fünf sorgfältigen Wägungen mit den Grenzen 5 ■ 950 und 6 • 029. Farbe auf frischen starkglänzenden Flächen silbprweiss in's Stahlgraue geneigt; grau, gelb und blau anlaufend. Strich schwarz. Über die chemische Zusammensetzung des Korynit verdanke ich Herrn H. v. Payer, Assistenten am Prager Universitäts-Labo- ratorium, die folgende Mittheilung: „Das Mineral im Chlorgasstrom zerlegt, ergab als Bestandteile : Schwefel • . 17-19 Arsenik 37-83 Antimon 13-45 Nickel 28-86 Eisen 198 Kobalt — 99.31 Die Einwirkung des Chlorgases erfolgte erst bei ziemlich erhöhter Temperatur. Der Schwefel wurde als BaO.SO 3 bestimmt; Arsenik als 2(MgO.NH*0). AsO*-f aq, bei 105-110° C, bis kein Gewichtsverlust mehr stattfand, gewogen; Antimon als SbS 3 , nach- dem es bei höherer Temperatur im Kohlensäurestrom behandelt und dadurch vom Wasser und beigemengtem Schwefel befreit wurde. Nickel wurde als NiO und Eisen als Fe 2 3 bestimmt. Eine in 1 -3845 120 v. Zepharovich. Gramm quantitativ nicht genau anzugebende Menge Kobalt war vor- handen." Die Resultate dieser Analyse, weisen übereinstimmend mit den physischen Eigenschaften, den Korynit in die Reihe der Nickelkiese, zwischen den Arsen-Nickelkies (Gersdorffit) und den Antimon- Nickelkies (Ullmannit). Die Zusammensetzung lässt sich ausdrücken allgemein durch die Formel: specieller durch NiS» + Ni{£j 4(NiS2 + NiAs) + (NiS3+NiSb) Diese beiden Formeln haben jedoch nur einen annähernden Werth , denn es verhalten sich nach der Analyse S : As, Sb:Ni = 1-75:1 :i-70. während das Verhältniss 2:1:2 gefordert wird. Nach der zweiten Formel berechnet, ergibt sich die Zusam- mensetzung: Schwefel 1824 Arsenik 34-20 Antimon 13-91 Nickel 33-65 100-00 Eine ähnliche Verbindung, die dem Gehalte nach als Arsen- Antimon -Nickelkies zu bezeichnen wäre, scheint bisher noch nicht untersucht worden zu sein. Von Antimon-Arsen-Nickelkies theilt Rammeis- berg 1 ) drei Analysen mit, von den Localitäten a) Freusburg, b) Sayn-Altenkirchen und c) Harzgerode. Aus diesen würde folgen: Die allgemeine Formel NiS 3 -f-Ni \ und — eine richtige Bestimmung von As und Sb vorausgesetzt — die Mischungsverhältnisse von A=NiS*+NiSb und B=NiSH-NiAs für a) 54+2Z? b) 3A + B e)l2A + B Sb:As Ni = 1-74: 1:1-56 „ =1-96:1:1-70 „ =2-26:1:2.21. J ) Miiieralchemie S. 63. Über Bournonit, Malachit und Korymt von Olsa in Kärnten. 121 In diesen Fällen wird daher auch nur annähernd das durch die Formel geforderte Verhältniss der angegebenen Bestandteile von 2:1:2 erreicht und stimmen die berechneten Zahlen mit den gefun- denen nicht besser als beim Korynit, dessen Zusammensetzung in obiger Weise A + 4ß zu schreiben wäre. Dass dem Minerale ein anderes beigemengt sei, dürfte nach der Art des Vorkommens nicht wahrscheinlich sein. In einem Glasröhrchen erhitzt, gibt der Korynit zuerst Feuch- tigkeit ab, dann unter Entwicklung von schwefeliger Säure, reichlich ein krystallinisches weisses Sublimat. Im Glaskölbchen bildet sich letzteres zuerst, dann wenn die Probe glüht, in geringer Entfernung von derselben, ein Arsenspiegel, nach aussen begrenzt durch eine schmale gelbrothe und eine breite gelbe Zone, deren äussere Grenze zusammenfällt mit jener des ersten weissen Be- schlages. Vor dem Löthrohre auf Kohle erhitzt, zuweilen decrepitirend, sehr leicht an der Oberfläche schmelzbar unter starker Entwicke- lung von Bauch, der vorwaltend nach schwefeliger Säure riecht und die Kohle mit Antimonbeschlag bedeckt. Zuweilen setzt sich aus dem Bauche, um die, bei fortgesetzter Behandlung in der Be- ductionsflamme zu einer blanken Kugel geschmolzene Probe, eine Decke von Krystallnadeln ab. Das aussen schwarze Metallkorn ist innen weiss und glänzend; spröde, nicht magnetisch. Schmilzt man dieses Korn auf Kohle mit Borax, so erhält man nach dem von Plattner für die Prüfung von Speisen angegebenen Verfahren *) successive die Beactionen von Eisen, von Kobalt, und endlich von Nickel, unter Entwickelung von Arsengeruch. In Salpetersäure wird das Mineral beim Erwärmen heftig ange- griffen und gibt eine hellgrüne Lösung unter Abscheidung von Schwefel und Antimonoxyd. Auf der verwitterten Aussenseite der Korynitstufen zeigen sich erdige Überzüge von rothbrauner (Eisenoxydhydrat) und von lichtgelber Farbe; die letzteren sind nach Stolba Gemenge von wasserhaltigem arsensaurem Eisenoxyd und Nickeloxydul. Die Adern von Siderit und Calcit, welche den Korynit durchziehen, i) Löthrohrprobierkunst, 1847, S. 301. \ iL iL v. Zep ha ro rieh. Über. Bouruonit, Malachit und Korynit ron Olsa in Kärnten. erhalten durch beigemengten Nickelocker nicht selten eine apfel- grüne Farbe. — Nickelhaltige Minerale hat man bisher in Kärnten nicht nach- gewiesen, es ist daher ebenfalls erwähnenswerth, dass ich unlängst an einem Exemplare aus dem Wolfslager des Sideritbaues in der Lölling bei Hüttenberg, Chloanthit erkannte. Dieser erscheint in Krystallen 00O00.O und derb, eingewachsen in einem aus Siderit und Hornstein bestehenden Gemenge, dessen zahlreiche Hohlräume mit Skorodit-Krystäilchen besetzt sind. S1TZUNGSBEIUCIITE DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. MATHEMATISCH -NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE. LI. \U\ti ERSTE ABTHEILÜNG. 2. Enthält die Abhandlungen aus dem Gebiete der Mineralogie, Botanik, Zoologie, Anatomie, Geologie und Paläontologie. 123 IV. SITZUNG VOM 3. FEBRUAR 1865. Herr Dr. A. VogI dankt, mit Schreiben vom 16. Jänner, für die ihm bewilligte Subvention von 150 fl. Ö. W. Herr Prof. Dr. E. Mach in Gratz übersendet eine Abhandlung, betitelt: „Untersuchungen über den Zeitsinn des Ohres". Herr Prof. E. Brücke übergibt eine vorläufige Notiz, betitelt: „Zur Blutanalyse", von Herrn Th. Zawarykin, nebst einer Mit- theilung des c. M., Herrn Prof. J. Czermak in Prag, welche den Titel führt: „Nachweis der Erscheinung der sogenannten Pulsver- spätung beim Frosche und das Verfahren dieselbe wahrzunehmen". Herr Dr. G. Tscher mak überreicht eine Abhandlung: „Che- misch-mineralogische Studien II. Kupfersalze". Die betreffenden Untersuchungen wurden mit Unterstützung der Akademie ausgeführt. An Druckschriften wurden vorgelegt: Akademie der Wissenschaften, Königl. Bayer, zu München: Sitzungsberichte. 1864. II. Heft 2. München, 1864; 8°- Alvarenga, Pedro Francisco da Costa, Relatorio sobre a epidemia de Cholera-Morbus no Hospital de Sant'Anna etil 1856. Lisboa, 1858; 8°- — Naticias äcerca do Relatorio sobre a epidemia de Cholera-Morbus em 1856. Lisboa, 1858; 8°- — Parecer de alguns medicos estrangeiros e nacionaes äcerca do Anatomia pathologica e symptomatologia da febre amarella em Lisboa no anno de 1857. Lisboa, 1862; 8°- — Estado da qnestao äcerca do duplo sopro crural na insufficiencia das valvulas aorticas. Lisboa, 1863; 8°- — Noticia sobre a these e concurso na escola medico-cirurgica de Lisboa em 1862. Lisboa, 1863; 8°- — Como actuam as substancia branca e cinzenta da Medulla espinhal na transmissao das impressoes sensitivas e determi- nacoes de vontade? Lisboa, 1862; 8 0, 124 American Journal of Science and Arts. Vol. XXXVIII. Second Series. Nr. 144. New Haven, 1864; 8°- Astronomische Nachrichten. Nr. 1510 — 1511. Altona, 1865; 4°- Bulletin du Congres international d'ltortieulture ä Bruxelles, les 24, 25 & 26 Avril 1864. Gand, 1864; 8°- Commission hydrometrique de Lyon: Resume des observations recueillies en 1862 dans le bassin de la Saone et quelques autres regions. 1 9 e Annee. 8 0, Comptes rendus des seanoes de l'Academie des Sciences. Tome LX. Nros. 1—2. Paris, 1865; 4°- Cosmos. 2 e Serie, XI V e Annee, 1 er Volume, 3 e — 5 e Livraisons. Pa- ris, 1865; 8°- Entwurf eines Organisations-Statutes für das k. k. polytechnische Institut in Wien, sammt Motiven. Im Auftrage des hohen k. k. Staats-Ministeriums verfasst von dem Professoren -Collegium dieser Anstalt. Wien, 1864; 8°- Gesellschaft für Salzburger Landeskunde: Mittheilungen. IV. Vereinsjahr 1864. Salzburg; 8°- Gewerbe-Verein, nied.-österr. : Verhandlungen und Mitthei- lungen. Jahrg. 1864. 10. — 12. Heft. Wien, 1865; 8°- — Wochenschrift. XXVI. Jahrg. No. 4—5. Wien, 1865; 8°- Hebert, Ed., Reponse ä la note de M. Ch. d'Orbigny, intitulee : Sur Tage veritable des poudingues de Nemours et des sables coquillieis d'Ormoy. — Du terrain jurassique superieur sur les cötes de la Manche. — Note sur le travertin de Champigny et sur les couches enfre lesquelles il est compris. (Extraits du Bulletin de la Soc. geolog. de France, 2 e ser. f. 17.); 8 °- — Quelques remarques sur la mer jurassique et les theories ima- ginees pour rendre compte de ses deplacements. — Gise- ment de couches marines de Sinceny (Aisne). — Observatious sur les rivages de la mer jurassique ä Tepoque de la grande oolite dans le bassin mediterraneen, jurassique et parisien. (Extraits du meine Bulletin. 2 e ser. t. 18.) — Du terrain juras- sique de la Provence; sa division en etages; son independance des calcaires dolomitiques associes aux gypses. — Observations sur les systenips bruxellien et laekenien de Dumont et sur leur position dans la serie parisienne, faites ä l'occasion du memoire de M. Le Hon. — Sur Pargile ä silex, les sables Wo marins tertiaires et les calcai/es d'eau douce du nord-ou^st de la France. (Extr. du meme Bulletin, t. 19.) — Sur le non- syrtchronisme des etages campanien et dordonien de M. Co- quand avec la craie de Meudon et celle de Maestricht. Re- ponse ä M. Coquand. — Note sur la craie blanche et la craie marneuse dans le bassin de Paris et sur la division de ce der- nier etage en quartre assises. (Extr. du meme Bulletin, t. 20.) Observation sur les principaux elements du terrain quater- naire, sur les theories proposees pour en expliquer la form at Jon et sur Tage de l'argile ä silex. (Extr. du meme Bulletin t. 21.) 8 0, — Memoire sur les fossiles de Montreuil-Bellay (Maine-et-Loire.) (Extr. du 5 e Vol. du Bull, de la Soc. Liuu. de Normandie.) 8°- — Note sur les trigonies claveliees de rOxf'ord-CIay et du Coral-Rag. (Extr. du numero d'avrii 1861 du Journal de Conchyliologie.) 8 0, — Sur les formations d'eau douce du bassin de Paris et en particulier sur les calcaires lacustres ä Lophiodon de Provins et leur extension dans la Beauce. (Extr. de la seance du 21 Juillet 1862 de l'Acad. des Sciences.) 8 0- — Observations geologiques sur quelques points du departeinent de l'Yonne. (Extr. du Bulletin de la Soc. des sciences hist. et natur. de l'Yonne 1863.) 8°- Hoek, Recheiches astronomiques de l'Observatoire d' Utrecht. 2 e Livraison. La Haye, 1864; 4°- — et A. C. Oudemans, Sur les contractions dans les melange. de liquides. La Haye, 1864; 4 0, — Recherches sur la quantite d'ether contenue dans les liquides. La Haye, 1864; 4 0, Jahrbuch, Berliner Astronomisches, für 1867, herausgegeben unter der Redaction von Wolfers. Berlin, 1864; 8°* Land- und forstwirthschaftliche Zeitung. XV. Jahrg. No. 3 — 4. Wien, 1865; 4°- Mittheilungen aus J. Perthes' geographischer Anstalt. Jahr- gang 1864. XII. Heft nebst Ergänzungsheft No. 14. Gotha; 4°- Moniteur scientifique. 150" Livraison. TomeV e , Annee 1863 & 194. Livraison. Tome VII e , Annee 1865. Paris; 4°- Programm des k. k. Staats-Obergymnasiums zu Eger am Schlüsse des Schuljahres 1864. Eger; 8°- Reader. Nros. 108—109. Vol. V. London, 1865; Fol. 126 Reichsanstalt, Ic. k. geologische: Jahrbuch. 1864. XIV. Band. No. 3—4. Wien; kl.-4°- Societe Imperiale de Medecine de Constantinople: Gazette me- dicale d'orient. VIII e Annee, Nro. 9. Constantinople, 1864; 4°- Übersichten der Witterung in Österreich und einigen auswär- tigen Stationen im Jahre 1863. Wien, 1865 ; Quer-4°- W T iener medizin. Wochenschrift. XV. Jahrg. Nr. 6 — 9. Wien» 1865: 4°- Wochen-Blatt der k. k. steierm. Landsvirthschafts-Gesellschaft. XIV. Jahrg. Nr. 6. Gratz, 1865, 4°- Zeitschrift des allgemeinen österreichischen Apotheker-Vereins III. Jahrg. Nr. 2. Wien, 1865; 8°- — Für Chemie und Pharmacie von Erlenmeyer. VII. Jahrg. Heft 23. Heidelberg; 1864. 8°- Ts c li e rni a k. Chemisch-mineralogische Studien. | & 7 C/i e m i s c h - ;// ineralog is c h e S I u d ien. Von Dr. Gustav Tscher mak. II. Kupfersalze. Die folgende kurze Mittheilung enthält Beobachtungen, die ich an einigen Mineralien aus der Reihe der Kupfersalze angestellt habe. Es ist dies keine zusammenhängende Untersuchung, sondern eine Anreihung dessen, was ich an zufällig erhaltenem Materiale wahr- genommen. Herr Director Dr. Hörnes und HerrProfessor Dr. Schrotter, welche auch diese Arbeit wesentlich unterstützten, haben mich wie- der zu vielem Danke verpflichtet. Devillio. Vor Kurzem hat Herr Pisani die Untersuchung eines Minerales ausgeführt, das mit dem Langit in Cornwall vorkömmt. Dasselbe wurde als neueSpecies bestimmt undDevillin genannt 1 )' Das Mineral bildet schalige Überzüge und Krusten von parallelfasriger Textur, und zeigt im Bruche schwachen Seidenglanz, während die Ober- fläche matt und erdig erscheint; es ist so locker, dass es bei der leisesten Berührung abfärbt. Die Farbe ist blaulichweiss bis hellblau. Bei der Analyse erhielt Pisani die nachstehenden Zahlen für den Devillin und Langit Devillin Langit. Schwefelsäure . . . 23-65 1677 Kupferoxyd .... 5101 65-92 Kalkerde 7-90 0-83 Magnesia .... — 0.29 Eisenoxydul .... 2-77 — Wasser 16-60 1619 101-93 10000 *) Compt. rend. LIX. p. «13. Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. LI. Bd. I. Abth. 9 1 'ö Tsclierra d k. Für den Devillin gibt Pisani die Formel 3(CuO, CaO, FeO). S0 3 • 3HO, während er für den Langit 4CuO ■ S0 3 ■ 4HO schreibt. Herr Director Hörnes, der eine Probe des Devillin von Sämann in Paris erhielt, übergab mir die Stufe zur Untersuchung, weil es mir zweifelhaft erschien, ob das Mineral vollständig homogen sei. Schon mit freiem Auge bemerkt man auf dem Querbruche stellenweise einen Wechsel blauer und blauweisser Schichten. Die mikroskopische Untersuchung lässt auch die blauweissen Schichten als ein Aggregat weisser perlmutterglänzender Schuppen erkennen, welche schichtenweise mit Schuppen von blassblauer Farbe gemengt sind. Die Schuppen fügen sich so zusammen, dass feine Stängel gebildet werden, daher das faserige Ansehen für das unbewaffnete Auge. Es blieb mir kein Zweifel, dass die vorliegende Probe ein Gemenge sei, bestehend aus einem farblosen oder weissen, ferner aus einem blauen Mineral. Das erstere Mineral lässt sich wegen der eigenthümlichen Textur nicht durch blosses Ansehen erkennen, die Betrachtung der von Pisani gefundenen Zusammensetzung hin- gegen brachte mich auf die Vermuthung, dass es wohl Gyps sein möge. Ich machte nun den Versuch, das nicht allzufein gepulverte Mineral mit Wasser auszuziehen. Der Auszug wurde etwas einge- dampft. Es bildeten sich darin Kryställchen, welche an ihrer Form sogleich als Gyps zu erkennen waren und sich aus Schwefelsäure, Kalkerde, Wasser bestehend zeigten. Der Auszug enthielt ausser- dem noch eine geringe Menge Kupfer. Ich bestimmte darin die Kalk- erde, deren Menge auf die Quantität des angewandten Minerales bezogen 535 Pct. beträgt, woraus folgt, dass ich aus dem Minerale 16*4 Pct. Gyps ausgezogen hatte. Der ungelöste Anlheil des Minerales bestand nun fast ganz aus dem blauen Minerale, wie die mikroskopische Untersuchung zeigte. Von farblosen Körnchen war nur sehr wenig mehr zu sehen. Ich machte noch einen zweiten Auszug, der 1*5 Pct. Gyps ergab. Zusammen hatte ich demnach aus dem Gemenge 1 7-9 Pct. Gyps entfernt. Das ungelöste blaue Mineral enthielt nach meiner Unter- suchung: Schwefelsaure 162 Pct. Kupferoxyd (?8-t „ Kalkerde Ol» „ Kupfersalze. 1 CV was dem Langit entspricht. Man erkennt übrigens schon bei der Vergleichung des blauen Minerales im Gemenge mit dem Langit, d;js.s (iieselhen nicht verschieden seien. Der von mir untersuchte Divillin ist demnach ein Gemenge von 82 Pct. Langit und 18 Pct. Gyps. Ohne Zweifel hat Herr Pisani das mir vorliegende Mineralgemenge untersucht, denn die Beschreibung stimmt, und das von mir beschriebene Stück kam aus derselben Quelle. Ich möchte daher der früher angeführten Analyse Pisani's folgende Deutung geben: Devillin = Gyps -\- Langit Schwefelsäure .... 23-6 IM 12-5 Kupferoxyd 51-0 — 51-0 Kalkerde 7/9 7-9 - Eisenoxydui 2 8 — — 2-8 Wasser 16 6 51 10 6 5 Die Analyse hätte also ein Gemenge von 24 Pct. Gyps und 74 Pct. Langit zum Gegenstande gehabt. Der Eisengehalt ist viel- leicht als Brauneisenerz zu denken. Das Ansehen und die Textur des Gemenges scheint mir anzu- deuten, dass man es mit keiner ursprünglichen Bildung zu thim habe, und dass hier der umgekehrte Gang der Umwandlung stattge- funden habe, wie bei der Entstehung des sogenannten Schaum- kalkes. Es mag früher ein Gemenge von faserigem Arragonit oder faserigem Calcit mit einem "Kupfersalze vorhanden gewesen sein, woraus später das vorliegende Gemisch entstand. Darüber kann freilich nur die genauere Untersuchung der Lagerstätte Aufschluss geben. Olivenit. Ein gelbbrauner, eisenschüssiger Glimmerschiefer von Libethen in Ungarn (Hands. I, 1119) trägt Überzüge und traubige Aggregate von Wad, daneben halbzerstörte Krystalle von Eucbroit. Aus den Flächen der letzteren ragen allenthalben pistazgrüne Nadeln her- vor, so dass die Euchroite stellenweise wie borstig erscheinen. Diese Nadeln setzen in das Innere fort. Eine grosse Zahl gut aus- gebildeter, nadeiförmiger, pistazgrüuer Krystalle liegt indess auch mitten in den morschen Euchroitkrystallen. Die pistazgrünen Nadeln sind Olivenit, wie sich aus einer an- nähernden Winkelbestimrnung ergibt. 9* 130 Tschermak. ooP= 69« 30', am Oliveint 69« 10' Poo=92« „ „ 92o 30'. Leydolt, welcher dasselbe Vorkommen beschrieb *), fand bei der qualitativen Untersuchung der Nadeln auch die Bestandteile des Olivenites. Da die Olivenituadeln nur auf und in den Euchroitkrystallen vorkommen und den morschen Euchroit überall durchdringen, so können sie wohl nur aus der Substanz des Euchroit hervorgegangen sein. Es lässt sich nicht annehmen, die Olivenitnadeln seien älter als der sie umgebende Euchroit, sie seien als Einschlüsse desselben zu betrachten, denn alle die Nadeln besitzen aussen keine Stütz- punkte, deren sie bedurft hätten, wenn sie von den Euchroitkry- stallen vorhanden gewesen wären. Aber auch gleichzeitig mit den Euchroitkrystallen können sie nicht entstanden sein, sonst würden die Nadeln nicht ganz wirr und quer durch die umgebende Euchroit- masse hindurchsetzen; sie müssten in verschiedenen Schichten der Krystalle ihre Stützpunkte haben, von denen aus sie sich nicht nach einwärts erstrecken könnten. Die mikroskopische Untersuchung be- stätigt obigen Schluss. Die Euchroitkrystalle erscheinen voll un- regelmässiger Höhlungen, in denen hie und da gelbliche und auch blaue, krystallinische Aggregate, wahrscheinlich Zersetzungspro- ducte, sitzen und in welchen viele der Olivenitkrystalle fussen, die sich nicht der Euchroitsubstanz anschliessen, wie es dem freien Auge erscheint, sondern von derselben unbehindert aus den Höhlun- gen herausragen. Es ist demnach wohl nicht zu zweifeln, dass der beschriebene Olivenit aus Euchroit hervorgegangen sei und ich meine, dass auch jene Olivenitkrystalle an demselben Fundorte, welche nicht auf und in dem Euchroit vorkommen, auf dieselbe Weise entstanden seien, da sie genau dasselbe Ansehen haben wie jene. Der Vorgang dieser Umbildung erscheint sehr einfach, den wenn man die Zusammensetzung des Euchroit (CuO) 4 As0 5 (HO) 7 oder (€uO) 4 As 2 5 (H 2 0) 7 und des Olivenit (CuO) 4 As0 5 (HO) „ (€uO) 4 As 2 O s ILO ») Hai d Inger's Berichte, Bd. 4, p. 2S1. Kupfersalze. 1 o l vergleicht, so bemerkt man blos im Wassergehalte einen Unter- schied. Wofern man sich in jeder der beiden Verbindungen ein Hydrat und ein Aiseniat denkt, wie es gewöhnlich geschieht CuO HO (CuO) 3 As0 5 (HO) 6 oder €uH 2 3 €u 3 As 3 8 (H 3 0) 6 CuO HO (CuO) 3 As0 5 „ €uH 3 2 €u 3 As 3 8 so kann man sagen, dass bei dem Vorgange das Arseniat des Dop- pelsalzes wasserfrei geworden sei. Brochantit. Herr Dr. Karl v. Scherz er brachte bei seiner Rückkehr von der Novara-Reise mehrere Sandproben mit, die er in Peru und in Sidney gesammelt hatte, und übergab dieselben Herrn Karl v. Hauer. Eine dieser Proben, welche nach einem Schreiben des Herrn Dr. v. Scherzer zu urtheilen, in Sidney mitgenommen wurde, und die als Streusand gedient zu haben scheint, erhielt ich von Herrn v. Hauer im vorigen Jahre zur Untersuchung. Der Sand ist smaragdgrün, er besteht aus Splittern eines kry- stallisirten Minerals, wie man aus der Form der kleinen Trümmer und ans dem Glänze der Spaltflächen entnimmt. Einer der grösseren Splitter zeigte drei in einer Zone liegende Flachen, deren zwei vollkommen gleich erschienen und so gut spie- gelten, dass eine Messung vorgenommen werden konnte. Sie ergab für die durch jene beiden Flächen gebildete Kante 104° 17'. Die weniger glänzende Fläche liegt der kürzeren Diagonale des gemes- senen Prisma parallel und gibt die Richtung der Spaltbarkeit an. Dies verweist auf Brochantit, für welchen ooP= 104° 32' und die Richtung der Spaltbarkeit oo P ob. Auch in den übrigen Eigenschaften zeigt sich diese Überein- stimmung. Die Splitter sind stark glasglänzend durchsichtig, im durchfallenden Lichte lauchgrün, das Pulver derselben ist apfelgrün. Die Härte wurde zu 3-5, das Eigengewicht zu 3-89 bestimmt. Reim Durchsuchen des Sandes fand ich hie und da auch kleine schwärzlichgrüne Kryställchen, welche die Form und die Eigen- schaften des Atacamit zeigten. Die sichtbare, «ehr geringe Menge des Atacanit, so wie die erdigen Verunreinigungen wurden ausge- lesen und das nun völlig rein erscheinende Mineral analysirt. Ausser 1 o i T sehe r in ;i k. Kupfer, Schwefelsäure und Wasser wurde auch eine geringe Menge Chlor angezeigt, die Zahlenresultate sind: Chlor 0-7 Schwefelsäure 18*5 Kupferoxyd 69-2 Wasser 11-8 100-2 i). Das Wasser wurde aus dem Verluste bestimmt. Die Gegenwart des Chlor zeigt, dass noch eine kleine Menge Atacamit beigemengt sei. Nach der Analyse des Atacamit durch Field entsprechen dieser Chlormenge 4-8 Pct. Atacamit, und es wären demnach 0*7 Chlor, 33 Kupferoxyd und 0-8 Wasser bei meiner Analyse in Abzug zu bringen. Es ergibt sich darnach für die Zusammensetzung des reinen Brochantit: Schwefelsäure 19 - 4 Kupferoxyd . . ..... 691 Wasser 11-5. Da unter den bisherigen Analysen des Brochantit keine voll- kommene Übereinstimmung herrührt, so ist es von Interesse, das angeführte Resultat mit den übrigen bekannten zu vergleichen. Ich führe unter 1. die Untersuchung Forch hammer's, unter 2. jene Risse's an. Die Zinnsäure, welche Magnus anführt, ist offenbar nur durch einen unglücklichen Zufall in die untersuchte Probe gekommen. Nach Abzug derselben ist das Mittel durch die Zahlen unter 3. ausgedrückt. Wertheim, welcher ebenfalls den Brochantit vonRezbanya untersuchte, aber blos die Schwefelsäure (17*54Pct.) und das Kupferoxyd (65-59 Pct.) bestimmte, giht als Beimengung nochBleisulphat an, dessen Menge nicht bestimmt wurde. Wenn man die von Risse gefundene Schwefelsäuremenge annimmt, so ergibt sich für die Bestimmung Wert heim 's das Verhältniss unter 4. 1. 2. 3. 4. Schwefelsäure 18-88 19-0 184 19-0 Kupferoxyd 67-75 67'8 69-0 70-4 Wasser 1281 132 129 Die von mir erhaltenen Zahlen nähern sieh den eben ange- führten. Dagegen weichen alle diese von den zwei folgenden Analysen >) Angewendet O-69'J Grm. Substanz. Kupfersalze. loo ah. Rivot untersuchte einen krystallisirlen Brochantit von unbekann- tem Fundort (5) und Wibel *) bestimmte die Zusammensetzung eines künstlich erhaltenen Salzes (6), das derselbe Brochantit nennt 5. 6. Schwefelsäure 19-4 21-50 Kupferoxyd 62-9 6399 Wasser 147 1451 Kohlensäure 1*2 Dieser Mangel an Übereinstimmung zeigt, dass die normale Zusammensetzung des Brochantit noch nicht genau bekannt sei. Jedenfalls ist das früher angenommene Verhältniss 4CuO • S0 8 ■ 4HO nicht das richtige, denn es erfordert Schwefelsäure .... 1703 Kupferoxyd 67*63 Wasser 15-33 Atacamit. Das Zusammenvorkommen des Brochantit und Atacamit in dem eben besprochenen Falle veranlasste mich, den gewöhnlichen Ata- camitsand aus Chili auf die Gegenwart von Brochantit zu prüfen. In allen Sandproben, welche das Hof-Mineraliencabinet besitzt, fand ich eine merkliche Menge von Schwefelsäure und in einer im Besitze des Herrn Prof. Hieser befindlichen Quantität desselben fand sich eine kleine Druse von Brochantit. Anden im Atacamitsande vorkommenden Krystallen beobachtete ich die Formen ooP, Poo, ooPob, P, oP, 2P2. Die beiden letzteren Flächen waren, so viel mir bekannt, noch nicht beobachtet. • ) Wibel, «las gediegene Kupfer und das Rotlikupfereiz, p. 4!>. 134 V. SITZUNG VOM 9. FEBRUAR 1865. Herr Prof. F. Unger legt eine Abhandlung des Herrn Paul Reinsch in Erlangen vor, welehe den Titel führt: „De speciebus generibiisque nomiullis novis ex Algarum et Fung.orum classe." Herr Dr. A. Boue spricht über die Abwesenheit der Aerolithen in den geologischen Formationen, welche älter sind als die ältesten goldführenden Alluvialgebilde; ferner über die Möglichkeit der Exi- stenz des Polareises während der Kreidezeit; weiters über den Löss und sein Nichtvorkommen in älteren Gebilden, und endlich über die Ackererde und ihren wahrscheinlichen Ursprung. An Druckschriften wurden vorgelegt: Apotheker-Verein, allgem. österr. : Zeitschrift. 3. Jahrg. Nr. 3. Wien, 1865; 8°- Astronomische Nachrichten. Nr. 1512—1513. Altona, 1865; 4°- Comptes re-ndus des seances de TAcad^mie des Sciences. Tome LX, Nr. 3—4. Paris, 1865; 4<>- Gewerbe-Verein, n.-ö.: Wochenschrift. XXVI. Jahrg. Nr. 6. Wien, 1865; 8°- Gianelli, Giuseppe Luigi, La vaccinazione e le sue leggi in Italia. Milano, 1864; 4°- Haughton, Samuel, Experimental Researches on the Granites of Ireland. Parts III & IV. (From the Quarterly Journal of the Geol. Soc. for November 1862 & August 1864.) 8<>- — On the Tides of the Arctic Seas. Part I. 4°- — On the refiexion of Polari/.ed Light from Polished Surfaces, Transparent and Metallic. 4°" Hersehel, Sir John Fred. William, A general Catalogue of Nebulae and Clustres of Stars, arranged in Order of right Ascension and reduced to the Common Epoch 1860. 0. (From the Pliilos. Transactions. Part I. 1864.) London, 1864; 4<>- Lioy, Paolo. Di una stazione lacustre scoperta nel Lago de Fimon. (Dal Vol. VII degli Atti della Soc. ital. di sc. nal.) 8«>- — Sülle cause di una invasione di Ditteri della famiglia degli Empiti etc. (Ibidem). Milano, 1864; 8°' 135 Luvini, Intorno ad un nuovo metodo per osservare le stelle cadenti. (Estr. dal ßollettino dell'Aecad. delle sc. di Torino, 31 Dicem- bre 1864.) 8<>- Mayr, Gustav L., Diagnosen neuer Hemipteren. (Verhandlungen der k. k. zool.-botan. Ges. in Wien 1864.) 8°- Meret, L. E., De l'instinct et de l'intelligence des animaux. Paris, 1864; 8o- Müller, Ferdinand, Über die Vorherbestimmung der Stürme, ins- besondere über die Stürme vom 1. — 4. December 1863. St. Petersburg, 1864; 4«- Reader. No. HO, Vol. V. London, 1865; Folio. Schlagi ntweit-Sakünl ü nski, Hermann von, Meteorologische Resultate aus Indien und Hochasien. (Berichte d. physik.-mathem. Classe d. k. bayer. Akad. d. Wiss. 1864. II. 3.) 8<>- Villa, Antonio, Le Cantaridi. (Estr. dal giorn. I'IIlustrazione Ita- liana, Nr. 17, 1864.) 8°- — Le Zanzare. (Estr. dal giorn. T Adolescenza.) 8 0, — II Congresso dei Naturalisti Svizzeri in Samaden nell'Agosto 1863. Milano, 1864; 8°- — Intorno alle stelle filanti periodiche del 10 Agosto; lettera di Caterina Scar- pellin i. 8°- — G. B. Notizie solle torbe della Brianza. 8 0, Wiener medizinische Wochenschrift. XV. Jahrg. Nr. 10 — 11. Wien, 1863; 4°* Wochen -Blatt der k. k. steierm. Landwirthschafts- Gesell- schaft. XIV. Jahrg., Nr. 7. Gratz, 186Ö; 4o- Zantedeschi, Francesco, Leggi del Clima di Milano e origine della rugiada e della brina. (Estr. dai commentari dell'Ateneo di Brescia per gli anni 1862—63—64). Brescia, 1864; 8«- 13(3 VI. SITZUNG VOM 16. FEBRUAR 1865. Herr Prof. H. Hlasiwetz übersendet die Fortsetzung einer von ihm gemeinschaftlich mit Herrn L. v. Barth ausgeführten Arbeit: „Über einige Harze." Herr Director Dr. E. Fenzl überreicht eine vorläufige Notiz, betitelt: „Dtagnoses praeviae Pemptadis stirpiwn aethiopicarum novarum". Der Secretär legt eine Probe von Indium vor, die er von den Entdeckern, den Herren Professoren Th. Richter und F. Reich, erhalten hat. Er zeigt das Indium-Spectrum mit einem Apparate, der in der Werkstätte des k. k. polytechnischen Institutes verfertigt wurde und besonders zum Gebrauche für Chemiker empfehlens- werte ist. Herr Dr. Laube spricht über eine neue Encrinus-Art aus den Schichten von St. Cassian. An Druckschriften wurden vorgelegt: Akademie der Wissenschaften, Königl.Preuss., zu Berlin: Monats- bericht. December 1864. Berlin; So- Astronomische Nachrichten. Nr. 1514. Altona, 1865; 4°- Braghirolli, W., Indice di libri rari italiani compilato sulle opere dei piü valenti bibliografi. Mantova, 1863; 12°- Cosmos. 2 e Serie, XIV Anne'e, 1 er Voiume, 6 6 Livraison. Paris, 1865; 8»- Frauenfeld, Georg Riiter von, Verzeichniss der Namen dei fossi- len und lebenden Arten der Gattung Paludina Lam. etc. (Ver- handlungen der k. k. zool.-botan. Gesellsch. in Wien. 1864, Bd. XIV.) Wien, 1865; 8°- — Das Vorkommen des Parasi- tismus im Thier- und Pflanzenreiche. (Festschrift zur 50 jähri- gen Jubelfeier der naturlorschenden Gesellschaft in Emden.) Wien, 1864; 8»- 137 Gesellschaft, k. k. zoolog.-bolan., in Wien: Verhandlungen. Jahrg. 1864. XIV. Bd., 1. — 4. Heft. Wien, 1864; So- Gewerbe-Verein, nieder-öst. Wochenschrift. XXVI. Jahrg. Nr. 7. Wien, 1865; 8»' Jena, Universität: Akademische Gelegenheitsschriften aus dem zweiten Halbjahre 1864. 4° & 8°- Krön ig, A., Wie kritisirt man chemische Lehrbücher? Eine Anti- kritik. Berlin, 1865; S 0, — Deutsche Homonymen, nebst Be- merkungen über Sprachlaute, namentlich über die Aussprache des g und die Entstehung des seh. (Archiv f. n. Sprachen XXXVI.) 8°- Land- und forstwirtschaftliche Zeitung. XV. Jahrg. Nr. 5. Wien, 1865; 4°- Lioy, Paolo, Le abitazioni lacustri della etä della pietra nel Vicen- tino. Venezia, 1865; 8°- Monifeur scientitique. 195 e Livraison. Tome VIP, Armee 1865. Paris; 4°- Reader. Nr. 111, Vol. V. London, 1865; Folio. Wiener medizinische Wochenschrift. XV. Jahrg. Nr. 12 — 13. Wien, 1865; 4<" 138 F e ii z I. LHagnoses praeviue Pemptadis stirpium, aethiopicanun novarum. auctore Dr. Ed. Feozl. lamprodithyros Rasseggeri. (Commelinaceae *). Caulis simplex v. ramosus, hinc minutissime puberulus. Folia sessilia, lanceolato-linearia, utrinque utplurimum attenuata, supra marginibnsque omnino, subtus ad nervös solum scaberrima; vaginis ore piloso-ciliatis, caeterum scabrido-puberulis, sparsimque passim pilosulis. Thyrsus ovoideus densus, cincinis7 — 2-floris simplicissimis (7 — 3 lin. Ig.) patulis rectis v. sursum arcuatis compositus, rhaclii primaria secundariisque cum calyce minutissime puberulis. Flores ex apice pedicellorum, his longiorum, nutantes (2 — I*/ a lin. Ig.), sepalis ovalibus obtusis; petalis binis anticis calyce dimidio v. subduplo lon- gioribus, orbicularibus unguiculatis, coeruleis, impari postico sub- minore obovato naviculari. Stamina £> — 6; postica tria longiora fer- tilia, intermedii filamento glaberrimo, lateralium filamentis circa medium minutissime puberulis, cum antheris coerulescentibus; antica tria sterilia, cum antheris aurea, glaberrima, intermedio (quandoque deficiente) reliquis breviore. Capsula ovali-oblonga, vertice rotun- dato, nee emarginato, subinde sparsim puberula, abortu ovuli unius alteriusve saepe 3 — 1-sperma. Semina ovalia, ventre piano sulco exarata, rhaphe nigra, papilla embryotega marginali. Var. ol. simplex: Caulepalmari simplicissimo, foliis confertio- ribus, basi haud attenuatis, inflorescentia densius albido-pubernla. Hab. in Aethiopiae terra Nubanorum, in sylvis prope Scheibun (Russegger). Var. ß. ramosa: Caulibus ramosis adscendentibus, foliis remo- tis, basi attenuatis, longioribus 4 J / 3 — 3 poll., inflorescentia sparsius puberula. ') Chai-actcrem generis, » cl. Haaskarl propositi, vide in Peters /leise in Mozambique p, ,029; ej. in Flora 18(53. p. 088. magisque »uetum (generis iiiuuntiiiali v. Anei- lematis sectionis propriae) a. cl. Benthum in Hook. Niger Flora p. Ü46. Diagnoses praeviae. 139 Hab. in Aethiopiae terra Fassoglu (ßoriani). — Species L. rivulari (Aneilemati rivulari Rieh, tentam. fl. abyssin. p. 342) et lanceolato (Aneilem. lanceolato Benth. in Hook. Niger Fl. p. S46) proxima. Yallisneria aethiopica. (Hydrocharideae.) Folia nonnisi 2 — 1 / 2 pollicaria, linguaeformia, basimanifestissime attenuata, apice modo rotundata , modo obtusa v. acutiuscula, nunc jam supra basim, nunc saltem supra medium crebre denticulata, ob- soletissime multinervia, striolis fuscescentibus multipunetata, venulis transversis nullis. Flores masculi Fl. faemineorum spatha cuneato-linearis, laxiuscula (3 — 2 lin. lg.), ore obtusissimo bilobo. Perigonium spatba dimidio v. triente longius, lobis ovatis ob- tusissimis. Stigmata ovalia, apice acute bidentata. Hab. in Nilo albo ad insulam Mahabali, in territorio Aethiopum „Schiluk", ubi frequentissimam legit, mense Apiili 1837, cl. Dr. Kotschy. * Cadalvena gea. nov, *) (Ord. Zingiberaceae ; Sect. IL Zingibera.} Calyx tubulosus, hinc fissus, apice bidentatus. Corollae tubus elongatus filiformis, limbi, tubo longioris, laciniae lineari- oblongae, aequales, postica ereeta. Staminodia tria (petala auet. interiora) petaloidea, speciosa, binis posticis erectis, late ellip- ticis, acutis; antico (labello) majore late abcordato, adseendenti- deflexo, sinu lobisque acutis. Filamentum breve, canaliculatum, connectivo complanato , supra antheram aequilatam, linearem, bilocularem, basi apiceque muticam, in lacinulam canaliculatain, apice bidentatam produeto. Germen ovale inferum, solo apice biloculare, reliqua parte faretum, loculis obverse triangularibus, vertice depressis. Ovula in loculis solitaria, e basi anguli cen- tralis ereeta, anatropa, loculos implentia, rhaphe crassa. Stylus filiformis, inter antherae loculos transiens, parum ultra connec- l ) Genus dicaturn memoiiae peregrinatoris Ed. de Cadalvene, auetori soperis: L'Egyple et la Nuhie; Parisiis edit. anno 1836. 140 Fen/.l. tivum prodüctus ; stigmate capitato-turbinato , hilabiato- infundibulare; stylis rudimentariis fglandulis epigynis) nullis. Fructus Cadalvena spectabilis. Monocarpica (?) caule bypogaeo radicante, ascendentn, imbri- cato-squamato, liaud tuberifero (?). Folia epigaea quatuor, digitalia, subdisticba , horizontalia, bumif'usa, amplissime vaginantia , sessilia; lamina orbiculari, nunc apice omuino rotundata, nunc latiuscule apiculata, utrinque dense puberula; ligula obsoleta tenuissima. Flore s rhizocarpici, e foliorum sinu singillatim emergentes, pauci, capitati, bracteis vaginantibus inclusi, plus bipollicares, dilute flavi; germine, c alyce petalisque extus pubescenlibus. Staminodia petaloidea ultra pollicaria, glaberrima. Hab. in Aethiopiae terra Fassoglu (Boriani). — Genus Kaempferiae proximum, germine apice biioculari, biovulato, ac sty- lonim rudimentariorum defectu bene distinctum. Species unica nobis nota, habitu omnino Kaempferiae Roscoeanae Wall. (Bot. Reg. t. 1212), marginatae Carey (Roscoe Seit. t. 93) et lati- f'oliae Don. Adeniam speciosum. (Apocyneae.~) Truncus quadripedalis et altior, conicus, basi 3 — 2 pedes dia- metro crassus, apice parce ac distorte ramosus, ramis hornotinis elon- gatis, foliosis, cum reliquis partibus dense boloserieeis, quasi tomen- tosis. Folia subsessilia ac sessilia, obverse lanceolata, basi attenuata, apice rotundato v. retuso mucronata, 4 — 2 poll. longa ac 1 — */ a poll. lata. Inflorescentia termiualis, praecoci ramorum subjacentium paris incremento lateralis, sessilis, ima basi semel bifurcata, cincinoidea^ ramis utrisque erecto-patentibus, strictis, multifloris; pedicellis tarn bracteis quam calyeibus brevioribus. Corolla (2 1 /, poll.) speciosa, saturate rosea, tubi parte cylindrica calyce dimidio ac ultra longiore, limbi lobis suborbicularibus apiculatis. Folliculi (6 poll.) bolosericeo- incani. Semina comis fulvis duplo breviora, ferruginea, testa mem- branacea multistriata, striis dense papulosis. Hab. in Hedra monti Nubanorum nee non prope Fassoglu et Akkaro; tibi mense Maio 1837 floridum simulque fruetiferum legit Dr. Kotschy. I)i:>2rnosps praeviae. 141 Species Adenio Honghel DC. sane proxima, pube tarnen omnium partium copiosissima ac inflorescentia elonguta racemiformi abunde distincta. Niebuhria aethiopica. (Capparideae.) Frutex erectus, virgato-ramosus, calvescens. Folia tarn sub- ovato-elliptica, quam mere oblonga, acuta v. obtusa, miicrouata, supra secus nerviiin medianum puberula, caeterum glaberrima, majora (4 — 3 pollicaria) supra medium magis quam basi attenuata. Corymbi copiosi in paniculam foliatam amplam raram dispositi, ramis, pedi- cellis calycibusque dense puberulis. Flores louge pedicellati. Calycis laciniae ellipticae. Petala his dimidio v. triente breviora, suborbicu- laria, mucronata, breve uuguiculata. Stamina copiosa, calyce 2 — 2i/ 2 pl. longiora. Germen ellipsoideum, mox subglobosum, glaberrimum, 6 — 3-ovulatum. Bacca coriacea, subglobosa (5 — 4 lin. lg.), obtusis- simeappiculata, I — 4sperma, stipitepedicellumaequantev. superante (10—6 lin. Igo). Hab. in regno Sennar ad Tumad Kassan, ubi mense Jan 1838 floridam ac fructiferam legit Dr. Kotscby. MaSrvae oblongifoliae Rieh, quodamodo accedens, fruetu tarnen abunde distincta. 1 42 U o u e. Über den wahrscheinlichen Ursprung des menschlichen Ge- schlechtes, nach den jetzigen naturhistorischen Kenntnissen, so wie auch über den paläontologischen Menschen. Von dem w. M. Dr. Ami Boue. (Vorgelegt in der Sitzung am 9. December 1864.) Die Frage über den wahrscheinlichen Uranfang der lebenden Natur ist nicht nur für Pflanzen und Thiere, sondern auch für Men- schen eine oft besprochene, und selbst hohe päpstliche Würden- träger haben keinen Anstand genommen, alle Theile dieses Problems nach ihrer einzigen rationellen Meinung zu beurtheilen, demzufolge wird der Naturhistoriker wohl auch berechtigt sein, sein Urtheil darüber vernehmen zu lassen. Uns schien es immer, dass aus der Erziehung zurückgebliebene vorgefasste Systeme den Verstand selbst mancher grosser Gelehrte zu oft beherrscht haben. Niemand hat namentlich bis jetzt die Be- hauptung gewagt, dass Pflanzen- und Thiergattungen nur aus einem oder zwei Individuen entsprossen seien *)• Auf diese Weise wäre die Fortpflanzung für nur sehr wenige Gattungen unter den Pflanzen gesichert gewesen, für die meisten Thiergattungen aber wäre es eine reine Unmöglichkeit geworden. Ausserdem hätten die gras- oder pflanzenfressenden Thiere viele Gattungen der letzteren sogleich vertilgt, indem die Piaub- und fleischfressenden Thiere die Zahl der Thierspecies in der kürzesten Zeit sehr verkleinert hätten. In allen Fällen bei Erscheinung des Menschen mussten also von jeder Gat- tung der Pflanzen und Thiere viele Individuen schon vorhanden gewesen sein u. s. w. Ohne weiter diese leichtfasslichen Voraussetzungen zu ver- folgen, genügt es uns, dass, nach den gründlichen Erkenntnissen aller ') In meinen bibliographischen Sammlungen finde ich 25 Werke oder Abhandlungen über die Abstammung der Menschen aus vielen Paaren und 37 Werken oder Ab- handlungen, worin diese Abstammung nur von einem Paar kommen soll. Die Ver- gleichung der Verfasser dieser Schriften, so wie ihres gesellschaftlichen und nationalen Standes ist sehr lehrreich. Über den wahrscheinlichen Ursprung des menschlichen Geschlechtes. j 4«» jetzigen Naturforcher, die Verbreitung der Pflanzen und Thiere auf dem Erdballe aus gewissen Centralpunkten ungefähr strahlförrnig geschehen ist, wenn wenigstens die oro- und hydrographischen Verhältnisse es nicht anders bestimmten *). Pflanzen und Thiere, so wie später die Menschen wurden in Gattungen und besonders Spielarten nicht willkürlich getrennt, aber die Bodenplastik, ihre Natur und die klimatischen Einflüsse waren die Hauptmomente dieser Trennungen. Wie bekannt, wird die Erdoberfläche in bota- nischer, so wie in zoologischer Hinsicht in einer Anzahl von horizon- talen und Höhenzonen abgetheilt und diese letzteren enthalten Reiche und Provinzen, geographisch-geognostische Becken, so wie grosse Gauen für die verschiedenen Floren und Faunen. Die Verbreitung der lebenden Wesen, so wie der Pflanzen von einer Anzahl von Centralpunkten nach der Peripherie war scheinbar eine allmälige. Am Uranfang erschienen im gleichen Momente mehrere Indivi- duen derselben Pflanzen und Thiere, auf welchen oder in welchen noch nachher die Parasiten und Helminthen zum Leben kamen, möge man nun nur die Continentalmassen oder nur die Weltmeere berück- sichtigen. Nebenbei gesagt, hätte allein diese fast mathematische Gewiss- heit von der reinen naturhistorischen Progressionstheorie für die Entwickelung der Pflanzen und Thiere, während der geologischen Perioden, die nicht phantasiereichen Gelehrten abhalten sollen. Nach den innigen Berührungsmumenteu der niedrigsten Stufen der Pflanzen und Thiere kann man kaum behaupten, dass die eine Classe der andern vorangegangen sei. Wahrscheinlich scheint es, dass alle organische Typen uranfängliche Schöpfungen waren, welche dann durch Zeit und Umstände verschiedener Art nach und nach sich entpuppt und vervollständigt haben. Unbeantwortet lassen wir indessen die Frage, ob diese schöpferische Kraft auf dem ganzen i) Dieses im Continental-Europa angenommenes Axiom stösst nur noch auf Wider- willen im orthodoxen anglicanisehen England, wie Rieh. Owen's Instances of the power of Good as manifested in his animal ereation (London, 1864) es uns beweist, da diese Vorlesung in dem Vereine der Young Men's Christian Association aus dem Bande ihrer gewöhnlichen Leetüre ausgeschlossen und nicht ohne Widerstreben gedruckt wurde. Der berühmte Zoolog beweist darin sehr leicht, dass das Thier- reich unmöglich in 4000 Jahren aus einem einzigen asiatischen Centrum auf dem Erdballe sich hat vertheilen können. SiUb. d. mathem.-naturw. Cl. LL ßd. I. Abth. 10 144 ß o u e. Eidballe zur selben Zeit und gleichmässig anfing und fortwirkte oder ob da nicht in den verschiedenen Erdtheilen durch die Un- gleichheit der Temperatur und der meteorologischen Verhältnisse, sowie durch die verschiedene Zeit dieser Bildungen und Fortbildun- gen ziemlich grosse Differenzen in dieser doppelten Hinsicht her- vorgerufen wurden. Nach der Erdabkühlungstheorie müssten die Pole früher als die anderen Erdzonen für organische Wesen bewohn- bar geworden sein, da wenigere Sonnenhitze den ersteren zugetheilt wird und der Abkühlungsprocess daselbst darum etwas früher fühl- bar werden musste. Eine andere Bildungsart als die erwähnte gab es schwerlich, ausser die Annahme der Theorie der Urkeime, welche nur zu gewis- sen Zeiten und unter besonderen Umständen sich hätten entwickeln und verbessern können. Doch unter den vielen Schwierigkeiten dieser Hypothese wollen wir nur auf das daraus bestimmt entstehende junge Alter der in's Leben gerufenen Organismen aufmerksam machen. Wenn man die Pflanzen und gewisse niedrige Thiere als aus Keimen hervorgegangen noch sich vorstellen kann, so wird dieses für höhere Thiergattungen und besonders für die Menschen eine uns scheinbare Unmöglichkeit, da ihre Jungen ohne eine eigene Mutter- hilfe nicht lebensfähig bleiben. Darum kann man in jener Hypothese für das Erscheinen letzterer nur muthmassen, dass sie auf einer oder der andern Weise, das heisst aus dem schöpferischen Stoffe oder durch Umwandlung anderer Geschöpfe als ganz erwachsene plötz- lich oder langsam (nach mehreren Generationen) nach Umständen hervorgegangen sind, oder dass die neuen Thiererzeugnisse in ihrer Jugend die Pflege anderer schon erwachsener Thiergattungen ge- nossen, ungefähr so, wie die Henne Enteneier ansbrütet und junges Wassergeflügel erzieht, oder wie es mit den Täuschungen dieser Art bei manchen Säugethieren selbst noch zugeht. Die zwei grossen Hüllen unserer Erde, die Luft und das Was- ser, veranlassten in der Schöpfung des Organischen zwei Reihen von Typen im Pflanzen-, sowie im Thierreiche. Die Entwickelungs- gesetze, wenn auch gleiche, wurden durch die Verschiedenheit der Media bedeutend modificirt. Die vollständigste Entwicklung konnte nur in der Luft für beide Reiche stattfinden. Im Wasser schwang sie sich wohl von der untersten Thierstufe bis zum Säugethier und selbst bis zum grossen empor, indessen sie konnte unmöglich weder Über den wahrscheinlichen Ursprung' des menschlichen Geschlechtes. 1 4«) den Vögel- nach den quadrntnanen Typus erreichen und erzeugte nur daselbst spärliche Repräsentanten der anderen Abtheilungen der Erdsäugethiere. Die Übergangsbrücke vom Wasser- zum reinen Luftthiere bildeten nicht nur die geflügelten und gewöhnlichen Am- phibien, sondern auch eben sowohl die grasfressende Cetaceen , als die Flussnagethiere und Dickhäuter sammt den Wasserinsecten und Krustaceen. In gleicher Art brachten dieselben Entwickelungsgesetze es im Pflanzenreiche auf dem trockenen Boden bis zu dem schönsten, grössten und nützlichsten Phanerogamen und Dicotyledonen, indem im Meere sie fast nur bei den unteren Abtheilungen der Pflanzen nothvvendigerweise bleiben mussten , deren Glieder aber die untersten Thiere mit dem vegetabilischen Wesen verbinden. Phanerogame Wasserpflanzen im salzigen oder süssen Wasser er- scheinen wieder da fast als Mittelglieder wie die Amphibien im Thierreiche. Um Schöpfungen hervorzurufen, konnte die Natur nur die vor- handenen Weltkräfte und Stoffe brauchen. Einer der wichtigsten Factore der organischen Schöpfung und Entwickelung war gewiss das Licht (siehe Morren Ann. Sc. nat. 1835, N. F., Bd. 3 und 4 u. s. w.) und besonders die Hitze, möge man nun dieselbe Wärme, Electricität oder Magnetismus nennen. Das den verschiedenen Organismen nothwendige Lichtquantum ist höchst mannigfaltig und es gibt selbst Pflanzen und Thiere, welche für das menschliche Auge, scheinbar wenigstens, ohne demselben leben, indem die meisten anderen organischen Wesen durch die Entziehung des Lichtes mehr oder weniger leiden und sich oft wesentlich ver- ändern. Was die Wirkung der Hitze auf das Organische betrifft, so ist sie uns noch neuerdings durch Dareste in seinen durch die ungleiche Vertheilung der Hitze verursachten Anomalien in der Eierausbildung versinnlicht worden (G. R. Ac. d. Sc. P. 1864, Bd. S9, S. 693—696). In zweiter Reihe kommen der Feuchtigkeitsgrad und die Proportion der Gastheile der Luft, so wie die Erdausdünstungen zu verschiedenen geologischen Zeiten. Die Ahnung dieser bildenden Gewalten wurzelt so tief im menschlichen Geiste, dass so manche Mythe selbst die höchsten Wesen eines Volkes aus der Sonne, andere aus dem Weltmeere herkommen Hessen. 10* 146 B o u e. Daher stammt der so grosse Unterschied in Gattungen, Arten und ihrer Grösse zwischen der jetzigen Flora und Fauna und der- jenigen der geologischen Zeiten, und diese Differenz vergrössert sich, je weiter man in letztere zurückblickt. Grosse Hitze, gepaart mit einer sehr feuchten und kohlensaurenreichen Luft, ist nur den Pflanzen wohlthätig, indem im Thierreiche nur die untersten Stufen bis zu den Fischen und Amphibien in solcher Media sich gefallen können. Wenn aber dieses uns die wissenschaftliche Aufklärung über die paläozoischen gepanzerten Fische, über ihren Übergang in Amphibien, über die batrachoiden Formen mancher dieser letzteren Thiere, über ihre ungeheure Grösse in der Flötzzeit u. s. w. liefert, so bemerkt man ganz Ähnliches im Pflanzenreiche, da gewisse jetzt nur kleine Pflanzen enthaltenen Abtheilungen im ungeheuren Grössen- maassstabe in paläozoischen oder älteren Flötzzeiten erschienen. Die Moose z. B., diese in Feuchtigkeit wuchernde Pflänzchen, waren damals die grossen Stigmarien, welche den besten Theil des Materials der Bildung der älteren Steinkohlen lieferten. Annäherndes liess sich für die Lycopodiaceen, so wie für die Equisetaceen, seihst für die Farnkräuter und Algen beweisen. Später ersetzen Cycadeen in Uiiinasse oft unsere Coniferen und nur in neueren geologischen Zeiten entfaltete sich der ganze Reichthum der heutigen Dicotyledonen. Auf diese Weise konnten ganze Formationen fast nur aus kalkigen Algenresten bestehen (Leithagebirge u. s. w.) und letztere spielten wirklich eine fast eben so wichtige Rolle als die Polypenthiere, dessen Gehäuse ganze Gebirge aufbauten, indem die kieseligen Panzer der Infu- sorien allein wenigstens mächtige Lager in den Felsen bildeten. In d-T Wirklichkeit brauchen alle Keime der organischen Welt und ganz besonders diejenigen der Wirbelthiere ein grösseres oder geringeres Quantum Wärme und Feuchtigkeit zu ihrer gehö- rigen Entwicklung und späteres Leben, während im Gegentheil ein geringerer oder grösserer Kältegrad alle organische Wesen und Keime tödtet. Dieses Axiom der neuen Naturgeschichte kann als unwider- rufliche Antwort für diejenigen Geognosten dienen, welche der Annahme einer ehemaligen höheren Temperatur für die Hülle unse- rer Erde und in Folge dessen für den ganzen Erdball wider- Über den wahrscheinlichen Ursprung des menschlichen Geschlechtes. 147 sprechen *). Wäre letzterer immer in seinem jetzigen Hitzestadium gestanden, so würde auf demselben keine sichtbare organische Schöpfung und vorzüglich keine höhere höchst wahrscheinlich möglich gewesen sein. Dieses wird durch die, selbst zugegeben, noch etwas in suspenso stehende Controverse über die Generatio equivoca, den Gährungsprocess u. s. w. ausdemonstrirt. Wie aber diese heik- lichen Experimente unter der Äquatorialsonne, besonders aber in einer in sauer- und kohlenstoffreicher Luft, selbst möglichst unter gewissen noch unbekannten oder mächtigen elektromagnetischen Einflüssen ausfallen würden; ob die Identität einer künstlichen Hitze oder eines künstlichen Magnetismus mit der ehemaligen Son- nenhitze und dem damaligen Erdmagnetismus eine gänzlich unum- stössliche Thatsache ist, das sind für unser Thema höchst wichtige Fragen, welche, obgleich als entschieden schon beantwortet, durch zukünftiges weiteres Wissen ihre definitive Bestätigung oder Ergän- zung noch erfahren können. Neuere Sonnenbeobachtungen scheinen aber schon selbst für diesen zum organischen Leben in den Planeten absolut nothwendigen Gestirn Veränderungen in Licht und Hitze im Laufe der Jahrhunderte vermuthen zu lassen. Unter dieser Voraus- setzung würden nicht nur die Erdmagnetismus -Phänomene, son- dern auch das organische Leben, so wie selbst die Erzeugung des- selben unter sehr modificirte Gesetze treten können. Andererseits sind die bedeutenden Einflüsse wohl bekannt, welche Licht, Hitze, Elektricität und Magnetismus sammt verschie- denartigen Mengen von Sauer-, Wasser- und Kohlenstoff auf das chemische Leben und die Verbindungen der elementaren Stoffe eben sowohl in der organischen als in der unorganischen Welt aus- üben. Die bekannten Metamorphosen der organischen Wesen nicht nur bei den niedrigsten Thieren oder überhaupt bei den wirbel- losen, sondern auch in der ganzen Classe der Wirbelthiere deuten !) Leider tauchen in neuerer Zeit, besonders in Deutschland und vorzüglich aus der Münchner Schule die merkwürdigsten Neptunisten hervor, welche ohne persönliche gründliche Bekanntschaft mit Vulcauen gemacht zu haben, am Rhein, im Schwarz- wald, in Süd-Tirol, im böhmischen Mittelgebirge und selbst in Island alles, seit fast ein Jahrhundert anerkanntes, Vulcanische negiren und sich wahrhaftig durch ihre sogenannten gründlichen chemisch-geologischen Untersuchungen nur gründ- lich lächerlich machen. 1 48 B o u e. auf die mächtigen unausweichlichen Wirkungen des Sonnenlichtes und der Warme, so wie der Lufttheile. Jedem wird es einleuchten, dass Veränderungen in jenen mehr- fachen letzteren Richtungen eben sowohl, als besonders in den uns umgebenden und alles durchdringenden Imponderabilien, Modifi- cationen in ihren noch theilweise unbekannten Vibrationsgesetzen, der ganzen organischen Weltordnung eine andere Gestalt geben könnten und würden. Solche Veränderungen durch Experimente im Kleinen zu prüfen, wird wohl als physikalische Unmöglichkeit jetst gestempelt, ob aber in grösserer Bescheidenheit über unser heutiges Wissen wir die Lösung dieser Frage nicht lieber der Zukunft überlassen sollten, wollen wir unentschieden lassen. Eben so unschlüssig bleiben wir gegenüber des angenommenen Axioms stehen, dass die innige Natur der Imponderabilien ewig dieselbe war und bleiben wird. Wenn in Hinsicht auf den jetzigen Stand letzterer die künst- lichen Erzeugungen in höheren Organismen für uns eine gänzliche Unmöglichkeit bleiben, so scheint es doch für die untersten Stufen der mikroskopischen Welt, das Zellenleben insbesondere, noch nicht ganz festgestellt, ob der Mensch als Ebenbild Gottes angesprochen ohne frevelnde Anmassung, da die Lebenskraft und Anregung dazu die ganze Natur durchdringt, ein solches Stück einer Schöpfung oder eigentlich nur eine Erweckung zum Leben, nie zustehen könnte? Weil wir nicht in jenen Zeiten leben, wo solche Wesenher- vorbringungen ihre notwendigen Mittel und Nebenumstände fanden und unsere Zeit ausserdem bemessen ist, so geht es einmal über unsere Kräfte, theilweise wenigstens durch Hitze und eine sehr feuchte kohlensäurereiche Atmosphäre Würmerthiere in Kruster und letztere in Fischen mittelst eines besondern Entwicklungsganges umzuwandeln, oder selbst aus Batrachiereier andere nahe verwand- liche Amphihien zu erzeugen. In älteren geologischen Zeiten mögen aber solche Metamorphosen leicht geschehen sein. Noch viel schwieriger würde sich die physikalische Herstellung des Über- ganges von Amphibien zu Vögeln und Säugethieren oder endlich die Kluftausfüllung zwischen Affen und Menschen darstellen. Doch gelänge nur einmal den» Menschen die Herstellung des Zellenlebens» könnte man da nicht hoffen, wenigstens die niedrigsten Stufen des Pflanzen- und Thierlebens einst zu erreichen? (Siehe Fremy, Über den wahrscheinlichen Ursprung des menschlichen Geschlechtes. 149 Halborganisirte Körper C. R. Ac. d. Sc. P. 1864, Bd. 58, S. 1165 bis 1167 und Ernst Baudrimont's Pseudoorganisirte Körper in Thermen (dito Bd. 59, S. 52—54.) Einer der besten der zahlreichen Verfechter der entgegen- gesetzten Meinung, Herr Claparede aus Genf, gesteht doch offen, dass die freien Bewegungen der vegetabilischen Zoogoniden ihm unerklärlich bleiben (Mem. de Tlnstit. genevois 1861, Bd. 7, S. 18 und 19). Seine vorgeschützte wahrscheinliche Combination von gewissen physikalischen Gesetzen (dito S. 29) bleibt ihm ein Räthzel. Die Erzeugung einer lebenden Zelle beruht aber auf nichts anderes als dieses. (S. Pringheim's Untersuch, üb. Algen 1853 u. Berliner Monatsber. 1855.) Indem wir die Schwierigkeit des genauen Experimentirens in dieser Richtung zugeben, stellen sich wenigstens für unsere Thesis der Erzeugung des Lebenden mittelst der vorhandenen Media und Stoffe alle Experimente nach Anwendung von grosser Hitze oder in luftleeren Räumen oder selbst in nur künstlich erzeug- ten oder chemisch von organischen sogenannten gereinigten atmos- phärischen Luft als ganz unpraktisch oder illusorisch. Die mikros- kopischen Beweise von der Anwesenheit von Pflanzen- oder Thier- keime in der Luft (s. Lemaire C. R. Ac. d. Sc. P. 1864, Bd. 59, S. 317) bleibt man meistens schuldig, wenn man die gegnerischen Experimente leugnet. Ohne gewöhnliche und nicht chemisch ver- änderte Luft gibt es scheinbar keine Lebensmöglichkeit für das Organische oder Unorganische, aus welchem das erstere besteht. Wir meinen mit Herrn Ch evreul, dass die Unvollständigkeit unsere Sinne und Instrumente uns wenigstens bis jetzt kein Urtheil zu fällen erlauben (dito S. 160). Nach diesen dem grossen Publicum eben sowohl als manchem berühmten Gelehrten widerstrebenden theoretischen Ansichten wer- den wir doch unseren Gegnern die lächerliche Zumuthung nicht thun, lieber zu veralteten Schöpfungsgedanken oder gar zu excentri- schen Hypothesen, wie z. B. diejenige des Grafen Jos. Fortunato Zamboni, päpstlichen Kämmerers, zurückgreifen zu wollen. Nach letzterem wäre namentlich nicht nur alles Lebendes, Junges, Altes, Krankes undselbst Todtes in derorganischen Welt aus den unorgani- schen Erdstößen plötzlich gebildet worden, sondern alle paläontolo- gisch so verschiedene Herbarien und Mumien wären nur ein Naturspiel 150 B o u e. der Schöpfungskraft *)■ Diese Meinung hebt wohl alle sich aufthür- mende Schwierigkeiten dieses Räthsels durch einen Machtspruch auf, aber dem menschlichen Verstand solches Gewäsch anzupassen, dazu wird sich Niemand einverstehen. Zur Vernunftsbeschränkhet und Scholastik des Mittelalters können wir unmöglich zurückschreiten. Wenn man dagegen unsere Voraussetzungen über die Bildung der Pflanzen- und Thierwelt hilligt oder wenigstens nicht ganz unwahrscheinlich findet, so fragt sich, warum man dieselben geneti- schen Frincipien für das Erscheinen und die Ausbreitung des menschliehen Geschlechtes nicht vorschlagwürdig finden könnte, wie es schon manche berühmte Anthropologen und Zoologen gedacht haben. Die grösstenteils unfruchtbare Frage der einfachen oder zusammengesetzten Zahl des menschlichen Typus brauchen wir nicht zu berühren, denn für unsere Meinung finden Menschenvarie- täten eben so gut als Species ihre Anwendung. Die Erde würde für Menschen wie für Pflanzen und Thiere in Reichen und Provinzen mit Centralpunkten der Verbreitung abgetheilt uns erscheinen. Die Reiche würden möglichst selbst mehrere provinciale Centralpuncte besessen haben, so dass die grossen Abtheilungen allein durch die Farbe der Menschenhaut bestimmt sein würden. Andererseits würden wir muthmassen, dass ziemlich ähnliche Menschen in selbst entfernten Provinzen oder gar Reichen hätten gebildet werden können. Auf diese Weise würden wir allen den Schwierigkeiten aus dem Wege gehen, welche die Vertheilung gewisser, nicht sehr differencirter Menschenracen in zwei verschiedenen Ländern oder Reiche immer Ethnographen verursacht haben und zu allerlei sonder- bare sowohl anthropologischen als geologischen Ausflüchten Anlass gaben. Wir haben hier vorzüglich einige australische schwarze Racen im Auge. Ganz unannehmbar und nicht genügend verdaut erscheint uns die manchmal und in letzterer Zeit durch Tremaux (C. R. Ac. d. Sc. P. 1864, Bd. 58, S. 526 — 528, 611, 612. 752—755 und !) Rede, gehalten in der wissenschaftlichen Versammlung- am 10. Mai 1821 im Haupt- gymnasio der Weisheit zu Rom von der Notwendigkeit, die Leichtgläubigen vor den Kunstgriffen einiger neueren Geologen zu warnen, die unter dorn Schatten ihrer physischen Beobachtungen die mosaische Geschichte der Schöpfung und der siiiiillliilli zu leugnen sich erkühnen. A. d. Italien, Manuscripte übersetzt von J. R. v. F. Wien, 1823, 8°. Über den wahrscheinlichen Ursprung iles menschlichen Geschlechtes. 151 1097, 1098) verfuchtene Ansicht, dass die Mensehenracen, selbst die höchst verschiedenen, nach der Hautfarbe (wie der weisse und schwarze Mensch) durch Klima und geologische Bodenverhältnisse so weit sich verändern können, um einen wahren Übergang erkennen zu lassen. Diese Modificationsursachen sind wohl vorhanden, aber ihre Wirkungen sind nicht so bedeutend, wie man es sich einbildet, und sie beschränken sich besonders auf Racenspielarten, ohne je eine grosse Urrace in eine andere umpuppen zu können. So z. B. ist es wohl bekannt, dass viele eigentümliche Racen unserer Haus- thiere ihren Typus nur gewissen Boden- und klimatischen Ein- flüssen verdanken u. s. w. Die Sonnenstrahlen haben die Tendenz, die Haut jedes Menschen etwas zu schwärzen. Das Leben auf dem Meere verleiht den Schiffsleuten ein eigenes Äussere eben sowohl, wie das Lehen und das Wandern in Wüsten den Araber erzeugt u. s. w. Ausserdem hat das besondere traurige Schicksal der ge- mischten Nachkommenschaft zweier sehr verschiedener Racen schon hinlänglich gegen den Übergang der einen in die andere bewiesen. Verschlechterung und nicht Verbesserung der Menschen, nach und nach Absterben anstatt Vervielfältigung, das ist immer das Ende jener manchmal von schlecht berathenen Enthusiasten befürworteten Kreuzungen gewesen *). Im Allgemeinen ist der Mensch in Wirk- lichkeit keineswegs für alle Klimate und Erdregionen von der Natur bestimmt, wie Pflanzen und Thiere wurden seine Racen ursprünglich auf der Erde vertheilt. Kann er aber leichter als Thier und Pflanze die Naturgesetze trotzen, so wird er es nur auf Rechnung seiner Gesundheit und seiner Lebensdauer thun können (s. Boudin, Soc. anthropologiq. de Paris 1863). Die Krankheiten und das kurze Leben so vieler Reisenden in den Polarländern oder in heissen Klimaten, die Unmöglichkeit des Lebens des weissen Ackerbauers unter der brennenden tropischen Sonne, die kränklichen Zustände für unsere Race in für gelbe und braune Menschen unschädlichen Län- dern und Umständen u. s. w., das sind eben so viele Beweise des Vorhandenseins dieser Vertheilungsmarken der Menschheit und der absoluten Grenzen des menschlichen Willens. ') Siehe J. A. N. Perrier, Essai sur les croisemens elliniipies, P. 18G1. 2 Th. 8°.; Crawford, Anthropolog. Review 1S64, Bd. 1; Ür. P. Broca, The phenomena of humanhybridity 1864; Serres, Ausland 1848, Nr. 1 und 2; Ch. N au diu C 11. Ac. d. Sc. P. 18G4, Bd. 39, S. 845. 152 R o u e. Der so lange angenommene Irrthum der Abstammung des schwarzen Menschen vom weissen kommt ganz natürlich nur von beschränkter Kenntniss der Erde und seiner Bewohner zu jener ägyptisch- chaldäisch- assyrischen Zeit her. Hätte man damals unsere jetzigen geographischen Racenkenntnisse gehabt, so wäre höchst wahrscheinlich die menschliche Genesis *) ganz anders ausgefallen. Ausserdem reimt es sich gar nicht mehr mit unserm Wissen, dass die niedrigste Race durch die vortheilhafteste aus- gestattete erzeugt werden sollte und könnte. Die Sonne hätte in diesem Falle nicht nur die Haut geschwärzt, sondern den Verstand auch noch dazu geschwächt, so dass daraus vice versa fast ge- schlossen werden müsste, dass die erste Stufe der geistreichen Menschen am Pole leben sollte, was doch keineswegs der Fall ist. Um bei diesem Anlasse Einwendungen zuvorzukommen, müssen wir auf den wichtigen Unterschied aufmerksam machen zwischen politisch verwildern und geistig verkümmern. Manche Völker des Orients, besonders des westlichen Asiens, Ägyptens, Abyssiniens u. s. w. sind im ersten Falle, ohne in den zweiten gerathen zu sein. In der weissen und gelben Race erreichte die unterste Stufe der Verkümmerung nie diejenige des schwarzen oder selbst nur diejenige des theilweise kanibalisehen braunen Menschen. Da die Anhänger der Ableitung der Menschen aus nur einem Paar zur Erkenntniss der naturhistorischen Schwierigkeiten ihrer Theorie endlich gekommen sind, so haben sie in letzteren Zeiten, besonders zu den Sprachforschungen ihre Zuflucht genommen. Die Untersuchungen in dieser Richtung haben philologisch, so wie ethnographisch, schon die schönsten wissenschaftlichen Früchte getragen, aber als Beweise der genannten Hypothese kann man sie nicht gelten lassen. Die Sprache ist namentlich ein Gemeingut unserer Schöpfung. Obgleich ihre Zahl sehr gross ist, so lassen sie sich ungefähr nach den grossen Continentalmassen zu einigen wenigen Haupttypen zu- i) Es ist wahrlich ergötzlieh, wie hihelfeste Protestanten manchmal die Ableitung- des Negers vom Weissen nach ihrem beschränkten Standpunkte zu beweisen glauben. So z. FJ. argiimentirt Dr. Caldwell, dass, da Noah aus seinem Schilfe vor 4179 Jahren ausstieg und die Neger nur seit oii'.i Jahren bekannt geworden sind, die weissen Menschen in 7:5!» Jahren schwarz geworden sind. (Thongbts of the unity of the human Race. Philadelphia, tSlii und 1851.) Über den wahrscheinlichen Ursprung des menschlichen Geschlechtes. 153 rückführen, denn in ihrer Vergleichung kommen mehrere Umstände in Betracht, wie die Laute sowohl die der lebenden Wesen und der todten Natur nachgeahmten, als nur die künstlichen, wie die son- derbaren der afrikanischen Sprachen eigentümlichen, die Einfach- heit (Chinesisch) und Ähnlichkeit der Laute und Wörter, die gewöhnliche (Sanskrit) oder ungewöhnliche Zusammensetzung der letzteren, das grammatische Wesen der Sprache, ihre Phraseologie, ihre Armuth oder ihr Reichthum u. s. w. Da es so verschiedene Menschenracen und Spielarten gibt, so ist es kein Wunder, dass man über 8034 Sprachen jetzt zählt, aber desswegen müssen gewisse nahe Sprachenverwandtschaften in selbst weit von einander entfernten Gegenden doch nicht so auffallen, wenn wenigstens jene ähnlichen Menschenracen angehören , auf ähnlichen Naturgegen- ständen und Anschauungen beruhen, kurz in ähnlichen Erdzonen und Erdboden Zusammensetzungen entstanden und vorhanden sind. Dem ungeachtet werden als wahrheitstreu oder höchst wahr- scheinlich die meisten der sehr interessanten Schlüsse der heutigen schon ziemlich ausgebildeten Linguistik anerkannt. Doch ihre volle Geltung haben sie besonders nur für jeden Typus des menschlichen Geschlechtes, so wie nur hie und da für locale Sprachmischung. Gehen sie über diese Grenzen, so fallen sie in der Abtheilung der linguistischen Untersuchungen über die allgemeine Bildung der Sprachen, wo es auch möglich ist, Ähnlichkeiten verschiedener Gattungen herauszufinden. Diese aber führen nur zum allgemeinen Brunnen der menschlichen Spracherkenntniss, ohne im Geringsten für eine Abstammung der Menschenracen aus nur einem Paar Men- schen unwiderrufliche Beweise zu liefern *). So zum Beispiel ist die jetzige Spcachclassification ein grosser Fortschritt, die Ableitungen von einem Urtypus und die Ähnlich- keiten der Sprachen der weissen Racen 3 ), die besonderen Eigen- i) Die Mythe Deucalions und Pyrrha, welche nach der thessalischen Siindfluth zahl- reiche Menschen gleichzeitig 1 durch Steinwerfen hervorgerufen haben sollen, ver- sinnlicht poetisch, dass mehrere Menschen und nicht ein Paar uranfänglich erschienen. *) Unter einer Menge von Werken und Abhandlungen über die asiatischen oder indo- germanischen Sprachen nur James Long's philologische Tabelle jener Sprachen im J. Asiat. Soc. of Bengal 1843, Bd. 12, Th. %, S. 837— S96 und Eichhoff's Parallele des Langues de l'Europe et de rinde 1836, 4°. 154 B o ii e. thümlichkeiten grosser Sprachengruppen, die Anomalien der afri- kanischen Sprachen, die Berührungspunkte der amerikanischen und asiatischen Linguistik u. s. w., alle diese Entzifferungen sind wahre geistige Eroberungen, Schätze von historischen und vorhistorischen Erkenntnissen; aber den Massstab der nüchtersten und dem vor- gefassten Systeme abholdesten Beurtheilung muss man solchen Forschungsableitungen anlegen , welche die Vergleichung der Sprachen anderer Menschen! acen mit unseren bis jetzt theilweise hervorgerufen haben. Einige der als ganz logisch angenommenen Schlüsse letzterer Art erinnern sehr an jene Behauptungen einiger Beisenden und Schriftsteller, welche Beweise der allgemeinen Sündfluth in gewissen Mythen theilweise wilder Völker überall ent- decken wollen und zu entdecken glauben. Höchst locale, zu sehr verschiedenen Zeiten möglichst geschehenen Überschwemmungen *) werden, ohne alle physikalische Kritik, einem Systeme angepasst» ohne selbst die physikalischen Grundbedingungen einer solchen Erd- umwälzung zu kennen oder eigentlich ihre physikalische Unmöglich- keit zu prüfen. — Eines ist sicher, das ist, wie Herr J. Crawford sich ausdrückte, dass die Bildung der Meiibchensprache allein das ') Jene zahlreichen sogenannten Sündfiutheu sind für den Geologen und Physiker höchst leicht zu entziffern und zti classificiren. Viele sind nur durch zeilliche Ver- stopfungen von Katavotras oder unterirdische felsige Abzugscanäle in geschlos- senen, oft in Kalkgebirgen liegenden Becken entstanden, wie vorzüglich die grie- chischen, die böotische oder des Ogyges, die Acherontisehe oder pelopische, die peloponnesische oder des Inach u. s. w., so wie auch die mexieanische im Becken Mexico's. Andere wurden durch zufällige Felsenstürze oder zeitliche Verschattung eines kleinen Theiles des engen Abzugscanales oder Thaies eines Flussbeckens veranlasst, wie z. B. die thessalische Sündfluth oder die Deucalion's, welche eben sowohl in unteren Becken durch Schliessung des engen Tempethales als im obern durch diejenige des Salambriapasses bei Mustapha-Pascha hat stattfinden können. Auf ähnliche Weise entstand die armenische oder die des obern Euphrats durch Absperrung des Felsencanals, welcher jene Wässer nach Mesopotamien zu treten erlaubt. Eine dritte Gattung wurde durch plötzliche Entleerung grosser Seebecken in Folge von Erdbeben, Erdspaltungen und dergleichen Begebenheiten hervor- gerufen, wie die mareotische und thracische oder samothracische Sündfluth, die phrygische oder des Königs Amine, die mesopotamische , die nordindische oder sogenannte Zendfluth, gewisse chinesische, in Centrnl-Asien, einige nordamerika- nische , wie die des Appalachen, gewisse peruvianische und selbst afrikanische. Endlich haben auch grosse Meeresüberfluthungen in Verbindung mit Erdbeben zu solchen Sündfluthmythen Anlass gegeben, wie besonders in tropischen Ländern Amerika's, in Indien, China (Peyruns Sündfluth) und Australien. Über den wahrscheinlichen Ursprung des menschlichen Geschlechtes. I 5ö sehr hohe Alter unseres Entstehens beweist. (Lond. ethnolog. Soc. 18S2, Quart. J. geol. Soc. L. 1861, Bd. 17, S. LXXI). Nach unserer Theorie würden die verschiedenen Zonen, Co n tin ente, so wie selbst einzelne Abtheilungen der- selben eigene Mensch enracen seit dem Uran fange ihres Erscheinens auf Erden besessen haben, indem diese Racen wohl in gewissen Continenten, wie Europa, Amerika und Neu-Holland, nur eine Hautfarbe, aber in den drei anderen immer Racen mit zwei (Polynesien) oder selbst drei (Afrika) oder vier Hautfarben (Asien) gehabt hätten. Ausser in Amerika, könnte man selbst die Zahl der Farben in besonderen Verhältnissen mit den sehr verschiedenen Klimaten in jedem einzelnen der drei letzt- genannten Continenten anerkennen. Die Urographie gewisser Ge- birgs-Systeme nach den Parallelen in der alten Welt und andere sogenannte nach dem Meridian haben auch einen grossen Antheil an der Verschiedenartigkeit der Ethnographie der neuen und der alten Welt gehabt. Nach diesen Auseinandersetzungen würden viele schöne Phan- tasiebilder über unbewiesene Urvölkerwanderungen wegfallen und nur einige fest begründete bleiben. Insbesondere würde die Bevöl- kerung von Amerika durch asiatische Einwanderer als höchst unwahrscheinlich erscheinen, obgleich grosse Gelehrte durch ge- wisse ethnographische Ähnlichkeiten zu einer solchen Hypothese sich verleiten Hessen. Einige Eigentümlichkeiten und Monumente der Azteken und selbst der Peruvianer weisen scheinbar auf Indien oder Ägypten hin. Ist es aber eine Unmöglichkeit, dass der mensch- liche Geist in zwei von einander entfernten Ländern auf ungefähr ähnliche Gedanken gerathet, wenn man vorzüglich bedenkt, dass Stenienkunde oder Astrologie der Anlass dieser war? Ausserdem vergesse man nicht den grossen Unterschied zwischen die lang- same Bevölkerung eines Continentes durch den andern und das zufällige Herüberkommen einiger Menschen des einen Continents zum andern , so wie eine auf diese Weise verursachte Bildungs- uinwälzung. In gewissen bekannten Fällen solche Möglichkeiten zu leugnen fällt uns nicht ein. Im Gegentheil finden wir in den zerstreuten polynesischen Inselgruppen den auffallendsten Beweis einer langsamen Bevölkerung durch Emigration , so erkannte man nach und nach durch Religionsansichten, durch heilig gehaltene 156 B o u e. Gegenstände, durch Monumente und andere ethnographische Um- stände, dass die ägyptische Civilisation von der indischen manches geborgt hat, ohne dass darum die alten Ägyptier von der Race der Indier waren. Mag etwas Ähnliches fiir Amerika geschehen sein, wer möchte nicht solche Muthmassungen noch weiter erörtert und bestätigt finden? Obgleich nie aus Europa gekommen, war es uns doch gegönnt, viele Menschenracen in natura zu sehen. So z. B. unter den 25 weissen europäischen Hauptracen fehlen uns nur die finnische und besonders die lappländische. Neben den Rothhäuten Nord-, Mittei- lend Süd-Amerika's sahen wir auch Eskimos. Für Asien trafen wir mit Chinesen, Cochinchinesen , Mongolen, Industanen, Persern, Kurden, Arabern, Syriaken, Türken und Tataren zusammen. Unter den afrikanischen Racen aber begegneten wir nur Berbern, Kopten, Abyssiner und Neger. Aus Polynesien sahen wir nur Neu-Seeländer. Nach diesem Erlebten und ohne die Thatsache der zu einer langen Dauer unfähigen Generation nur durch Blutsverwandte zu berühren, konnten wir nie verstehen, wie es möglich war, aus zwei weissen Menschen alle diese so verschiedenen Racen abzuleiten. Diese Unmöglichkeit erhöht sich aber in unseren Augen noch dadurch, dass man zur Erreichung der jetzigen Menschenvertheilung und Verbreitung, so wie zu den jetzigen Bevölkerungszahlen der einzelnen Continente nur eine so geringe Anzahl von tausend Jahren als hinlänglich sich denkt. Nach unserer Wenigkeit wäre seihst diese geringe Zeit nicht lang genug, um Menschenverbreitung nach unserer Voraussetzung als von einer Anzahl von Centralpunkten gleichzeitig ausgegangen zu erklären. Überhaupt ist die Anwendung der historischen Zeiträume auf die geologischen eine ganz irrthümliche Ansicht, da erstere von letzteren keinen wahren Begriff kaum geben können. So z. B. berechnete Dana, dass wenn wirklich alle Flötz- und tertiäre Ablagerungen eine Mächtigkeit von 60.800 Fuss hätten, lO.OOOMil- lionen Jahre dazu nothwendig gewesen wären. Hat die tertiäre Bildung nur tausend Millionen Jahre gedauert, so muss die Alluvialzeit wahrscheinlich wenigstens eine Million Jahre in Anspruch genommen haben. Natürlich kann man für die Genauigkeit solcher Berechnungen nicht stehen, denn sie grün- den sich alle auf Zeitbestimmungen über Alluvialbildungen seit Über den wahrscheinlichen Ursprung des menschlichen Geschlechtes. loT historischen Zeiten. Die Ursachen und Nehenumstände der Schutt- und Schlammahlagerungen in geologischen Zeiten waren ganz andere, oder wenn sie dieselben waren, so muss ihre intensive Kraft viel höher und darum ihre Resultate viel grösser gewesen sein. Grössere Neigung der Abzugscanäle, grössere Wassermeteoren wegen des tro- pischen Klimas und die dynamische Bildung von Bergen und Ketten gewähren eine genügende Bestätigung des Gesagten. Doch selbst solche veränderte Bildungsstandpunkte bis an ihren äussersten Con- sequenzen berücksichtigend, so genügen noch die erhaltenen Resul- tate, um den Unterschied zu kennzeichnen, welche wir hervorheben wollen. Hinzufügen können wir noch das folgende erläuternde Beispiel. Wir kennen schon einige in den historischen oder mög- lichst nur in den fast historischen Zeiten ausgestorbene Thiere, wie der Didus ineptus, die Moa Neu-Seelands, die Rhytina Stelleri u. s. w., andere sind in gewissen Ländern verschwunden, wie der Löwe, der Seehund in Griechenland, das Elennthier in Central- Europa, Bären und Wölfe in den britischen Inseln, der Biber und selbst die Fischotter in vielen Gegenden Europa's u. s. w. Wie kurz sind aber die Zeiträume für das Verschwinden dieser einzelnen Thiergattungen gegen diejenigen, welche wahrscheinlich das Leben so vieler fossiler Säugethiere, Vögel und Amphibien durchmachte. Dieses führt uns unwillkürlich zur jetzt endlich erwiesenen Thatsache der fossilen Menschen reste oder des Vorhandenseins der menschlichen Race in geologischen Zeiten so frühzeitig als das Ende der tertiären Periode. Wieder gestützt auf die nothwendige Zeit zur Bildung einer gewissen Alluvialmasse am Mississippi haben die Dr. Dowler und Usher zu Mobile für den Schädel eines paläontologischen Menschen in jenen Ablagerungen ein Alter von 57.600 Jahren angesprochen *)• Diese Zahl stimmt nahe mit der- jenigen übeivin, welche Lyell jetzt annimmt (sein Alter des menschl. Geschlechtes 1863, S. 153), da er seine für die Bildung des ganzen Mississippi -Delta im Jahre 1845 (s. eiste amerikan. Reise) angenommenen 100.000 Jahre auf die Hälfte jetzt ermässigt. Unser verewigter Freund Leonh. Hörn es aber schätzte, nach dem Nil-Delta, das Alter der ägyptischen Menschen nur auf 14000 Jahre ij Usher, Nott und Gliddon Types of Mankind 1852, Edinb. n. phil J. 1854, ßd 57, S. 373-575; N. Jahrb. f. Min. 1855, S. 221. 158 Boue. (Edinb. n. phil. J. 1857, Bd. 7, S. 328 und N. Jahrb. f. Min. 1858, S. 510) und Morlot berechnete, nach dem Delta d< s waatländi- schen Baches Tiniere, das Alter der Steinzeit nur auf 5 — 7000 Jahre. Diese Beispiele zeigen wieder, wie unzuverlässig solche Berech- nungen immer ausfallen. Die Frage des fossilen Menschen hat schon manchen Anatom beschäftigt, weil sie irrthümlich glauben, die Feststellung dieser Tbatsache gehöre zu ihren osteologischen Kenntnissen, indem doch in der Wirklichkeit der Geognost allein Bichter in diesem unsere Urgeschichte so tief berührenden Sachbestande ist. Dem Anatom gehört es wohl zu, seine Meinung über die Ähnlichkeit oder Unähn- lichkeit fossiler Menschenknochen mit den Skeletttheilen jetziger Iiacen zu geben, aber daraus folgt gar nicht, ausser für denjenigen durch vorgefasstes System in seiner Beurtheilnng Beeinflussten, dass der anatomische Ausspruch, welcher er auch sei, ein von einer Anzahl von bewährten Fachgeologen richtig gefasstes geo- gnostisches Urtheil umstossen kann. Sonst müsste man fast glauben, dass der Anatom eine Muthmassung über die Bace oder die Art des Skelettes der fossilen Urmenschen hätte, wenn wirklich solche vor- handen sein könnten. Aber meistentheils haben Anatome keinen solchen Glauben , so dass es ganz sonderbar klingt, wenn •/.. B. Dr. J. Barnard Davis dem Neanderschädel sein Alter nur aus dem Umstände bestreitet, weil letzterer nicht von gewissen heutigen, wenig durch Knochen-S türm ausgezeichneten Schädeln differirt (Anthropologie. Soc. L. 1864, 16. Nov.) Warum sollte denn der Mensch anders als wie jetzt gebaut gewesen sein? Die Hauptfrage ist auf diese Weise verdreht, denn sie soll für's Erste nicht heissen, zu welcher Bace jener vermeinte fossile Mensch gehört, sondern ob seine Überbleibsel in einem sehr alten Alhivialniederschlag, Schlamm, Sand oder Felsart, mathe- matisch richtig, unwiderruflich, eingeschlossen gefunden wurden. (Vergleiche Ouadjre fages 1 ähnlicher Auspruch C. B. Ac. d. Sc. P. 1864, Bd. 59, S. 110.) Die Beweise deiBeobachfungsgenauigkeit sind nicht nur schwer zu vereinigen, sondern es ist ganz besonders umständlich, wenn nicht wenigstens Geologen, doeh andere Gelehrten diese Überzeugung beizubringen, weil sie mit dem Detail der Ijagernngsverhältnisse nicht vertraut genug sind. Ausserdem sind die Entdeckungen Über den wahrscheinlichen Ursprung des menschlichen Geschlechtes. Iö9 urmenschlicher Knochen natürlicherweise selten, so dass man über ihre geringe Zahl jetzt noch nicht erstaunen muss. Diese Unter- suchung war wie verpönt. Sie war zu einer physikalischen Unmög- lichkeit gestempelt, was ich selbst erlebte, als ich im Jahre 1823 im Löss fast den zehnten Theil eines Menschen fand. Doch hatte im Jahre 1791 der berühmte Blumenbach gegen Camper die Wahrscheinlichkeit des fossilen Menschen behauptet (Bergmann J. 1791, Bd. 1,S. 154—156). Soemmering schien im Jahre 1794 nur auf einen glücklichen Fund der Art zu warten, denn er sagt nur, dass man bis jetzt Anthropoliten nicht fand. (De corporis humani fabrica Bd. 1, S. 90). Im Jahre 1802 wollte G. Ant. Deluc davon nichts hören (J. de Phys. Bd. 55, S. 245 und 252), aber der geist- reiche De la Metherie antwortete (dito Bd. 56, S. 71) und bewies ihm das Gegentlieil durch Artefacten (Steinachsen) im muschelreichen Alluvialsande (dito 1805, Bd. 60, S. 90; 1806, Bd. 62, S. 71). Als G. Cuvier im Jahre 1810 ein systematisches Veto gegen fossile Menschen ausgesprochen hatte ') , erwiederte De la Metherie beiden Gegnern, dass letztere nicht später als die Affen erschienen sein mögen (dito 1814, Bd. 78, S. 39 und 40). indem er wahrscheinlich wie die Anhänger Lyell's durch die Ansicht der Naturverwandtschaft der Quadrumanen mit den Menschen gelei- tet war. Doch die geistige Kluft zwischen letzteren ist gross genug, um wahrscheinlich einen so langen Zeitraum wie die tertiäre Zeit zu ihrer Ausfüllung gebraucht zu haben. Etwas später, im Jahre 1823, forderte de Blainville mit mehr triftigem Grunde Cuvier und seine Anhänger auf, dass man ihm die Beweise über die Unmöglichkeit des Zusammenlebens des Menschen mit den alluvial ausgestorbenen Thieren geben möchte (dito Bd. 96, S. 329). Es handelte sich namentlich zu entscheiden, ob die von d'Hombr es-Firmas beschriebenen Menschenknochen in einer Höhle zu Durfort (dito 1821, Bd. 92, S. 337; Bibl. univ. Geneve Bd. 17, S. 33 — 41) fossil oder nur gälische wären. Seitdem häuften sich in dieser ßichtung die Beobachtungen achtbarer Ge- lehrten; aber ungefähr seit einem Decennium ist ganz besonders die *) „Nulle part il n'y a d'os humsiins, tont ce qne l'on dit de contraire ä cette asser- tion (!) s'est trouve faux". Cuvier, Sur les progres des Se. natur. depuis 1789, P. 1610,2. Aufl. 1828. Sitzh. d. mathein. -naturw. Cl. LI. Bd. I. Ahtli. 11 160 Boue. Wissenschaft von dem Drucke vurgefasster Meinungen endlich befreit. Doch geben wir gerne zu, dass man leicht durch gewisse Unter- suchung und Beurtheilungsart auf Irrwege gelangen kann und besonders dass alle Behauptungen in dieser Richtung noch nicht als unwiderruflich anzunehmen sind. Wegen Mangel an Kenntnissen und Thatsachen werden die Grenzen der historischen Archäologie und Geologie nicht einmal gehörig innegehalten. Ehe wir weiter gehen, Einiges über die heikliche Frage der Unterscheidungsweise zwischen wirklich fossilen, subfossilen und nicht fossilen Mensch enknochen. Die Erhaltung letzterer im Schoosse der Erde ist denselben Zufälligkei- ten als alle anderen Überreste der Thierwelt ausgesetzt. Wie man Schaalthierüberbleibsel vollständig mit ihrer Farbe oder nur halberhalteu oder nur verändert und mineralisirt in jüngeren so wie in älteren Gebilden kennt, so sieht es mit den fossilen Knochen aus, welchen manchmal noch Knorpentheile anhängen , indem ohne Berücksichtigung auf das Aller der Beerdigung sie anderswo nur höchst verändert erscheinen oder selbst nur hohle Bäume gelassen haben. Nach der Art der Einscharrung, Umhüllung und späterer fremden Berührung hat sich der Erhaltnngs- oder Zersetzungsprocess gerichtet. Alle bis jetzt vorgeschlagenen äusseren Merkmale des fossilen Bestandes der Knochen fanden sich in ihrer Anwendung unzuläng- lich. So z. B. das empirische Kleben an der Zunge oder das nicht Adhäriren (siehe Buckland's Beliquiae diluvianae u. s. w.), die Farbe , die verschiedenen erdigen oder metallischen Imprägni- rungen ') oder Dendriten (Mayer, Verh. naturhist. Ver. peeuss. Rheinl. 1857, Bd. 14, Sitzungsber. S.XL; 1859, Bd. 16, Sitzungsber. S. 12— 14; N. Jahrb. f. Min. 1858, S. 862—867) u. s. w. i) Bläuliche, durch Eisenphosphat gefärbte Knochen, Riboud (Ro zier 's Obs. de Phys. 1788, Bd. 33, S. 423—429), oder durch Kupfer gefärbte Knochen, Wrede: Kunernsdorfer Schlachtfelds); Gilbert's Ann. 1804, Bd. 18, S. 429; Göttling: Gehlen J. f. Chem. Phys. und Min. 1808, Bd. 4, S. 346 u. 347), ähnlicher Farbe (Bucholz Acta Ac. elect. Mogunt. Erf. (1778—1879), 1780, Bd. 2) ; bläulich durch das Feuer (Mein. Ac. Sc. d. Paris 1719, Hist. S. 23, ed. in 8°., S. 30); in Asphalt ver- wandelter Zahn zu Lohsann, Wapler, Berg- u. Hütten m. Zeit. 1801, S. 9); in Eisenhydrat und Bitumen verwandelt. Schädel in Braunkohle, Kersten, Pogg. Ann. 1844, Bd. 33, S. 387—391; N. Jahrb. f. Min. 1841, S. 703; Karsten's Aren. f. Min. 1S42, Bd. 16, S. 372-373; I/Institut 1841, S. 47. Über den wahrscheinlichen Ursprung des menschlichen Geschlechtes. I I) I Die analytischen Untersuchungen sind auch noch unvollständig gebliehen 1 )» besonders der Fluorgehalt wurde nicht immer berück- sichtigt 2 ). Die Anwesenheit oder Abwesenheit der Gallerte oder der Knochenknorpel selbst scheint nur ein zufälliger Charakter, obgleich manche als älter gehaltene Knochen diesen Stoff verloren haben, fand Gimbernat ihn im Gegentheil in einem sibirischen Mammuth- knochen (J. de medecine militaire 1851, Bd. 1, S. 141). Mikros- kopische Untersuchungen in dieser Richtung haben darum auch nur einen geringen Werth. Der phosphorsaure Kalk der Knochen wäre nach Deherain durch Säure auflösbar (L/Institut 1857, S. 232), was ihm seine Wichtigkeit benimmt. Fluorcalium findet sich im i) Berniard. J. de Phys. 1781, Bd. 18, S. 278—279; B er ze li us Afh. i fis. kemi och Min. 1806, Bd. 1, S. 195—239; Gehlen's J. f. Chem. and Phys. 1807, Bd. 3, S. 1—36, Chevreul Ann. d. Chim. 1806, Bd. 57, S. 47—60; Gehlen's J. f. Chem. 1806, Bd. 2, S. 192—194; Fourcroy und Vauquelin, N. Bull. Soc. philora. P. 1807, Bd. 1, S, 16; Hesti otis und Liebig, Ann. de Chim. et Phys. 1823. Bd. 24, S. 205; Marcel de Serres, fossile Knochen. An., Mem. Mus. d'hist. nat. 1824, Bd. 11, S. 394—396 und 400, Aubergie und Bravard, J. de Chim. me'dic. 1830, Juni, S. 373— 377; Fer. Bull. 1830, Bd. 2, S. 398, Schweigg. Jahrb. d. Chem. Phys. 1830, Bd. 60, S. 248—252, Peghoux, Jahrb. f. Minir 1830, S. 362; Girardin und Preisser, C. R. Ac. Sc. P. 1842, Bd. 15, S. 721 Im 728; L'lnstitut 1842, S. 369; N. Jahrb. f. Min. 1843, S. 218; Ann. d. Min. 1843, 4 F., Bd. 4, S. 734—780; Ann. de Chem. et Phys. 1843, Nov.; Ann. Sc. geol. P.iviere 1842, S. 873 und 901: Phil. Mag. 1844, Bd. 24, S. 154, Edinb. n. phil. J. 1844, Bd. 36 S. 383: Bischoff aus Zwickau, N. Jahrb. f. Min. 1842, S. 144 bis 146; Twiss, Proceed. Ashmolean Soc. Oxford (S. 1845— 1852) 1854, Bd. 2, S. 743; Middleton (J.J, Phil. Mag. 1844, 3. F., Bd. 25, S. 14—18, Edinb. n. phil. J. 1844, Bd. 37, S. 285—288; N. Jahrb. f. Min. 1844, S. 813—816; Kersten, Asphalt enthaltende Schädel, L'lnstitut 1844, S. 47; Bibra, Denkschrift d. k. Ak. d. Wiss. Wien 1852, Bd. 4, Th. 2, Fremde S. 115 ; Stas (J. S.) und De wal que, Bull. Ac. Sc. belg. 1857, Bd. 20, S. 724; Lucae (S. v.) Knochen aus Pompeia, C. R. Ac. Sc. P. 1864, Bd. 59, S. 567—570. 2) Bernard. Rozier's Obs. s. 1. phys. 1780, Bd. 16. S. 373—376; Hatchett, Lond. phil. Trans. 1799, Th. 2, S. 243; Josse, Ann. de Chim. 1802, Bd. 43, S. 3—18; Morichin i (Dom ), Mem. di mat. e fis. Soc. ital. 1805, Bd. 12, Th. 2, S. 73—88 und 268—269; Gehlen's J. f. Chem. 1806, Bd. 2, S. 177—187, Scheerer, N. Allg. J. d. Chem. 1804, Bd. 3, S. 625—629: Bd. 5, S. 696—699 und Bd. 6, S. 591; Chenevix Gilbert'? Ann. 1805, Bd. 20, S. 493—496; Ber- zelius 1806; Klaproth, J. de Phys. 1806, Bd. 62, S. 225; Proust, dito S. 224 ; Gehle n's J. f. Chem. 1806, Bd. 2, S. 187—189 ; Fourcroy und Vau- quelin, Ann. d. Chim. 1806, Bd. 57, S. 37—44, G e h I e n's J., Bd. 2, S. 189 bis 192; Rees, Edinb. n. phil. J. 1840, Bd. 28, Nr. 1; Dauben y (Ch.), Proceed. Ashmol. Soc. Oxford (1843—1852) 1854, Bd. 2, S. 39 u. 58; S c h m i d t (Dr.», Americ. J. of Sc. 1845, Bd. 48; Bibl. univ. Geneve 1845, Bd. 57, S. 378—380. 11* 1 t) 2 B o ii e. frischen sowohl, als im fossilen Knochen, aber im letzteren gewöhn- lich in grösserer Menge. Dennoch sehen Gir ardin und Preisser (C. R. Ac. Sc. P. 1842, Bd. 15, S. 726), vorzüglich aber Midd- leton in dieser Gehaltsdifferenz ein gutes Unterscheidungs- merkmal J ). In letzteren Jahren hat Del esse das Quantum des Stickstoffes als ein Kriterium für das Alter der Knochen angegeben (C. R. Ac. P. 1861, B.l. 52, S. 728—731; N. Jahrb.. f. Min. 1861, S. 587, und Geologist 1861, Bd. 4, S. 253—255). In einem Jahrhundert soll ein Knochen 3 Procent seiner organischen Theile verlieren , so dass in 1100 Jahren keine dieser mehr vorhanden sein sollten (Revue africaine, Ausland 1862, S. 480), was sich aber wenigstens durch die bisherige Erfahrung scheinbar noch nicht bestimmt bestätigt hat. Die Fundstätte für menschliche Knochen, der geolo- gischen Genauigkeitgenügend, finden sich besonders in der mächtigen Lössbildung, in den ältesten alluvialen oder Geröll- Abla- gerungen und theilweise in den sogenannten Knoc henh öhle n und Breccien, weil man da sich am sichersten vergewissern kann, dass ihre Lage immer unberührt bleiben musste. Als wir z. B. bei Lahr in einer Felsenwand des untern Löss Menschenknochen ohne alle Spuren von künstlicher Beerdigung fanden und mit vieler Mühe herausmeisselten (siehe Akad. Sitzungsb. 1852; Bd. 8, S. 88), so fehlte dem geognostischen Beweis kaum etwas, denn von einer Umwühlung oder Herabschwemmung des Löss gewahrten wir nicht die mindeste Spur. Wenn wir aber für unsere Wenigkeit über das Alter dieses Fundes ganz im Reinen sind, so vermissen wir die unleugbaren Mitteln, diesen Glauben Anderen theilen zu lassen. Jeder Geognost kennt nicht nur die grosse Mächtigkeit des Rheines Löss (über 150 Fuss), sondern auch sein hohes Alluvialalter. Im Löss wird nie Bergbau betrieben, so dass, wie in manchen Alluvialgebilden, paläontologische Überbleibsel nur durch Strassenführung und Schür- fungen, Steinbrüche und natürliche Felsenentblössung in Wasser- i) Proceed. geol. Soc. L. 1844; Quart. .1. geol. Soc. L. 1845, Bd. 1, S. 214—216; Phil. Mag-. 1844, 3 F., Bd. 25, S. 260—262; Ann. a. Mag. of. nat. hist. 1844, Bd. 14, S. Sil; Edinh. n. phil. J. 1844, Bd. 38, S. 116—119; [/Institut 1843, 8. 8; Bild. univ. Geneve 1844, N. R. Bd. S3, S. 380—384; Americ. J. of Sc. 1844, Bd. 47, S. 419; IN. Jahrb. f. Min 1844, Bd. 47. S. 419. Über den wahrscheinlichen Ursprung' des menschlichen Geschlechtes. lßj oder Spaltenfurehen solche Seltenheiten den Augen vorgelegt werden können. Ausserdem ist die Lüssbildung von unten bis oben eine sehr gleichförmige Lagerfolge desselben Mergels. Auf diese Art ruht die Annahme dieser geognostischen Beobachtung durch andere Gelehrte, besonders durch die der Geologie fremden, nur auf das Zutrauen, welches man auf unsere Beobachtungsgabe haben kann. Gegen weiteren Zweifel oder einer Dose von Misstrauen können wir nur das Urtheil anderer bewährter Fachmänner anrufen. Von Fall zu Fall heisst es da, den Charakter des Entdeckers zu berücksichtigen und die Zahl seiner bewährten Anbänger zählen. Im Jahre 1810 hatte der berühmte Zoolog Prof. Jäger aus Stuttgart Menschenknochen zu Cannstadt in dem sehr charakteristi- schen Alluvial-Mergelthon entdeckt, welcher auch viele Knochen grosser urweltlicher Thiere lieferte. (Über einige fossile Knochen u. s. w. im Jahre 1810 zu Cannstadt gefunden, Würtemb. Zeit. 1820, 12 ; über fossile Säugethiere in Würtemberg, 1835 — 1839 u. s.w.) Da wir diese grosse Ablagerung kennen, die Knochen gesehen haben und die wissenschaftliche Genauigkeit des Entdeckers ehren, so glauben wir auch an diesen Fund, indessen sind wir in derselben Verlegen- heit, diesen Glauben weiter zu verbreiten. Einst bildete dieser Theil des Neckarthaies einen See (siehe Deffner, Würtemb. Naturwissen- schaft, Jahresheft 1863, Bd. 19, S. 60-64). Nach unserer Meinung berechtigen diese Entdeckungen für die ähnlichen des Herrn Crahay auch im mächtigen Löss zu Smeermaas bei Maestricht keinen Unglauben haben zu können (siehe 2. Abb. Maestricht Athenee 1823, Messager des Sc. et d. Arts 1823, Bd. 1, S. 354 und Bull. Ac. beige 1836, Bd. 3, S. 43, so wie Van Breda's Zweifel, Medeel. Ac. Nederl. Amsterd. 1861, Bd. 11, S. 202 — 220). Weiters sehen wir nicht recht ein, warum der ähnliche Fund in der- selben Formation bei Maestricht sowohl, als im Thale der Maas und bei Andernach (Verb., naturf. Ver. preuss. Rheinl. 1854, Bd. 16; Corr.-Bl. S. 50, 68, 69 und 103 und 1860, Bd. 17, Th. 1, Sitzungsber. S. 122; N. Jahrb. f. Min. 1860, S. 860) nicht glaub- würdig sei. Nur ein Misstrauen gegen den uns unbekannten Ent- decker Herrn Schaaf hausen *) konnte das Gegentheil erwirken, f) Vergl. Haupt's Pfahlbauten hei Bamberg-. Abh. d. zool. min. Vereins zu Re^ensb. 1860, H. 8 u. Jahrb. k. geol. Reichsan. 1865, Bd. 15 und Gümbel's, Kritik haier. Ak. d. Wiss., Jan. 1865 164 B o u e. doch muss man wohl davon den Fund des Schädels des Neander- menschen trennen, weil letzterer eine ganz andere Lage in einer Höhle hat. Diese Beispiele erschüttern auch unsere ehemaligen Zweifel über das wirkliche Alter der urweltlichen Thier- und Menschen- Knochengemenge zu Köstritz (Sachsen) in einem mit Löss ange- füllten Gypsloch, welcher Fund schon in den Jahren 1820, 1822 und 1827 durch Schottin, Schlotheim, v. W eissenbach und Gasp. Sternberg ausführlich beschrieben wurde 1 ). Endlich entdecken im Löss zu Natchez am Mississippi Dicke- son, Gale und Lei dy Menschenreste mit Mastodonten-, Megalo- nix u. s. w. Knochen s), über welche Fundstatt Ch. Lyell anfänglich seine Zweifel äusserte (Americ. J. of Sc. 1847, N. F., Bd. 3, S. 267— 269; N. Jahrb. f. Min. 1848, S. 107; seine 1. und 2. ameri- kan. Reise 1851, deutsch Bd. 2, S. 190 u. 191), aber sie später zurücknahm (Antiquity of Man. 1863, Cap. XI.) Demungeachtet gab er ebensowohl als Wislize nus (Trans. Ac. Sc. St. Louis 1857, Bd. 1, S. 168—172 und Geologist 1861, Bd. 4, S. 262) immer zu, dass in der Alluvialzeit der Mensch in Amerika gleichzeitig mit Mastodonten u. s. w. lebte. (Siehe auch Koch Desc. of theMissourium 1841, S. 22—24; Die Riesenthiere der Urwelt 1845; N. Jahrb. f. Min. 1845, S. 764—766; Trans. Ac. Sc. St. Louis 1857, Bd. 1, S. 61—70 und Geologist 1861, Bd. 4, S. 217—221.) Die Ge rolle, Sand- und Thongebilde der Alluvialzeit können alle nicht nur leicht durch spätere Wasserströme umgearbei- tet worden sein, sondern ihre Vermischung kann die Unterschiede der alten und neuen Ablagerungen verwischen, besonders wenn keine Überbleibsel der Thier- oder Pflanzenwelt vorhanden sind. Leider sind letztere paläontologische Merkmale der Alluvialformation i) Petrefactenk. Schlotheim's 1820, S. i ; Bibl. univ. Geneve Bd. 15, S. 173—187; Edinh. n. phil. J., Bd. 1, S. 422; Americ. J. of Sc. 1822, Bd. 5, S. 371; Schrift, d. naturf. Ges. zu Leipzig 1822, Bd. 1, S. 222, Deutsch. Naturf.-Vers. zu München 1827; Grui thuisen's Analecten 1828, H. 1, S. 50; Isis. 1824, S. 132; 1828, S. 481; 1829,S. 414; Ka rs ten's Arch. f. Naturl. 1828, Bd. 15, S. 475, Ferus- sac's Bull. 1825, Bd. 4, S. 405; 1829, Bd. 18, S. 336. 2 ) Dickeson Acad. nat. Sc. Philad. 1846, 6. Oct.; Ann. a. Mag. nat. hist. 1847. Bd. 19, S. 213—214; N. Jahrb. f. Min. 1846, S. 106: Leidy Ac. nat. Sc. Philad. 1847, Sept. Bd. 3; Americ. .1. of Sc. 1848, N. F.. Bd. 5. S. 249; Bibl. univ. Geneve 1848, 4 lt., IM. 9, S. 330; N. Jahrb. f. Min. 1851, S. 636; Ausland 1848, S. 197. Über den wahrscheinlichen Ursprung des menschlichen Geschlechtes. 1(>0 oft nur sehr spärlich zugetheilt oder auf einige Gegenden beschränkt. Die Verschiedenheit der Färbung kann nur einen loculen oder selbst zufälligen Charakter den Aggregaten geben. Darum erschienen für Geologen oft als unzweifelhafte ältere alluviale Gerolle und Sande nur diejenigen, welche die Gipfel der Hügel eines Thaies ohne seine Sohle bedecken, oder wenigstens nur längs hohen Thal- wänden oder auf ausgedehnten Hochplateaus sich befinden *) und dann auch manchmal urweltliche Thierreste enthalten. (Siehe Man- tel! (A. Gid.) Edinb. n. phil. J. 1851, Bd. 50, S. 247—251; N. Jahrb. f Min. 1852, S. 92; Noulet zu Clermont, Haute Garonne, Mem. Ac. Toulouse 1860, 5. R. Bd. 6, S. 265; Bihl. univ. Geneve 1860, Bd. 8, S. 245 und N. Jahrb. f Min. 1861, S. 108.) In den Thälern gibt es aber meistentheils mehrere aufge- schwemmte Gebiete, so dass daraus leicht der geologische Streit entsteht wegen der Entscheidung, ob die Menschenkuochen im ältesten Hügelalluvium oder nur in einem solchen liegen, welcher einer Übergangsperiode zwischen der ältesten Alluvialzeit und der- jenigen der eigentlichen Flussformation gehört. Zu diesem gesellen sich auch die verschiedenen Urtheile über Artefacten, welche hie und da in Alluvionen mit oder ohne Menschen- und Thierknochen erscheinen 3 ). Daher stammen vorzüglich die so zahlreichen Schrif- *) De la Beche, in Corn Wallis, Report on the Geology of Cornw. 1839, S. 406; Tessan (de), 20 raeter über das Meer zwischen Callao und IMoro-Solar, Peru, C. R. Ac. Sc. P. 1840, Bd. 11, S. 338; Nillson, mit Meermuscheln in Scaudinavien, Forh. ved de Skandinav. Naturf. Moede im J. 1844, 1847, S. 93—109; Isis 1848, S. 517 bis 528; N. Jahrb. f. Min. 1850, S. 478; Edinb. n. phil. J. 1S49, Bd. 46, S. 70, ein Skelett in umgekehrter Lage, 40 Fuss über dem Meer bei Waterford in Irland, Tasch. f. Fr. d. Geolog. 1845, Bd. 1, S. 79; De la Pylaie im Diluvium zu Cour- tenay, Bull. Soc. geol. Fr. 1850, Bd. 8, S. 265; Pengelly (W.) im. S. VV. Devoo- shire, Brit-Assoc. f. 1864, endlich die zweifelhafte Angabe S chaa fh a use n's zu Bamberg, Niederh. Ges. f. Nat.- und Heilk. 1860, und Berg- und Hüttenm. Zeit. 1860, S. 503, No egger ath sieht darin nur keltische Überbleibsel. 2 ) Fröre mit Riesenknochen zu Honne, Suffolk, Mem. Soc. of Antiquar. L. 1797; d'Orbigny (Alcid.)in der La Plata-Ebene, Edinb. n. phil. J. 1844, Bd. 37, S. 129 und seine amerikan. Reise; Maury (A.) Mem. Soc. d'Antiquair. de Fr. 1852, Bd. 21, Teale (T. P.) im Airethale, Rep. Proceed. Yorksh. (W. Riding), geol. a polytechn. Soc. 1856—57, S. 482, Babbage (Ch.) Proceed. roy Soc. L. 1859, Bd. 10, S. 59—72, 7 Fig.; Phil. Mag. 1859, Bd. 18, S. 297—308; Brady zu Arniens, Rep. Brit. Assoc. S. HO; Tyndall, Yorkshire, Geologist 1861, Bd. 4, S. 367; Whitaker (J.) zuBarnley, dito 1863, Bd. 6, S. 264; Toilliez zu Alons. Bull. Soc. geol. Fr. 1863, Bd. 21, S. 12; Muaier zu Tournus (Baute 166 Boue. ten und Abhandlungen (44 an der Zahl) über das bei Abbeville im Alluvium durch Boucher de P erthes gefundene me lis chliche untere Kinnbein *)• D' e neuerdings daselbst in ziemlicher Menge gefundenen Menschenknochen (C. R. Ac. Sc. P. 1864, Bd. 59, S. 107, 119 und 121), so wie Ähnliches in den kieseligen artefactenreichen Locaütäten, wie zuPressigny (Indre et Loire), Meudon, Bregy u. s.w. (dito S. 326) werfen auf den Abbeviller Fund ein sehr zweifelhaftes Licht und könnten doch endlich den Herren Eug. Robert, Elie de Beaumont, Scipion Gras (dito 1860, Bd. 51 u. 52; 1862, Bd. 54 u. 56 und 1864, Bd. 59), Ebray (Bull. Soc. geol. Fr. 1859, Bd. 17, S. 123 und Dr. Anderson (Primeval man. Ed. 1861) Recht geben, wenn sie daselbst nur Kellisches oder selbst die Überbleibsel eines zerstörten und weggeschwemmten Beerdigungsplatzes sehen wollen. In diesem Falle würden die jetzt selbst aufgefundenen Schädeltheile als nichts Besonderes erscheinen. Man analysirt jetzt diese Knochen. In den Beobachtungen über die genetische Ausfüllungsart der Höhlen und Felsenspalten durch Trümmer der ver- schiedensten Art aus den unorganischen und organischen Reichen muss man noch behutsamer zu Werke gehen, weil daselbst Zer- störung und Wiederaufbau so leicht haben abwechseln können, um auf diese Weise die abnormsten Gemenge hervorzubringen. Darum können Geologen, Feinde der Phantasie, fast nur ihre Schlüsse aus solchen Niederschlägen ziehen, welche am untersten liegen oder den Fussboden der Höhlen bedecken und nach ihrem besonderen paläontologischen Inhalte zu urtheilen, sogleich nach ihrer Bildung unter einer mächtigen Schicht von Kalktuff oder Stalagmit und anderen unzweifelhaften Jüngern Ablagerungen auf ewig gegen Zerstörung oder nur zeitige Aufwühlung geschützt erscheinen. Nach diesen Principien kann man unmöglich alle die Angaben über Menschenknochen in Höhlen als Beweise des geologischen Men- Saone), dito S. 13, Villeneuve (de), Annuaire des I'lnstitut de Provinces 1862, N. R. Bd. 4, S. 143; Blackmore (H. P.) zu Salisburg, Geologist 1863, Bd. 6. S. 395. i) Communications faites ä 1' Institut par Boucher de Perthes, Boutin, P. Cazalis de Fondoux, Christy, Jul. Desnoyers, H. et Alphonse Milne-Ed wa rds, H. Filhol. A. Kontan, F. Garrigou, P. Gervais, Scip. Gras, Ed. Hebert, Ed. Lartet, Martin, Pruner-Bcy, de Quatre- fages, Trutol (d'Aichiac) et de Vibrnye. P. 1864; 8". Über den wahrscheinlichen Ursprung des menschlichen Geschlechtes. 10/ sehen annehmen. (Meine Bibliographie darüber zählt 88 Werke oder Abhandlungen.) Nur wenige jener älteren Berichte wurden mit aller gehörigen Kritik verfasst und der Name der Entdecker muss auch zu ihrer Glaubwürdigkeit gezogen werden. In jüngster Zeit aber haben sehr genaue Erforschungen in Höhlen manchen Zweifel gelöst. Die Zukunft und weitere Funde von menschlichen Schädeln in alten Schuttablagerungen der Höhlen werden uns über Dr. Schmer- 1 ing's Crania (Bech. s. 1. oss. fossiles des Cavernes de la Province de Liege 1833 — 1836, 2. Bd. und Bull. Soc. geol. Fr. 1836, Bd. 6, S. 170—173; N. Jahrb. f. Min. 1337, S. 108) und Herrn Schaaf- hausen's Neandermensch die Wahrheit offenbaren. (Verb, natur- hist. Ver. preuss. Bheinl. 1863, Bd. 20, Th. 2, Sitzungsber. S. 147—149; Müllers Arch. f. Anat. und Phys. 1858; Ausland 1861, S. 835; Geologist 1861, Bd. 4, S. 397; Nat. bist. Bev. 1861, Nr. 2, p. 156.) Die Entdeckungen menschlicher Knochen in Kalkstein- Breccien, welche Spalten ausfüllen, ohne sich in Höhlen zu befin- den, sind nicht so zahlreich als die eben angeführten Knochenlager- stätten, weil ihreDurchscbnittsentblössungen viel weniger Baum ein- nehmen und weniger Gelegenheit geben um ihr Inneres sehen zu können. Doch kenne ich davon 20 locale Beschreibungen , unter welchen die am interessantesten um das mittelländische Meer beobachtet wurden *). i) Donati in der Insel Incoronate, Dalmatien (Saggio della Stör. nat. marina del Adriatico 1750; ßallenstedt, Archiv d. Urwelt 1824, Bd. 6, S. 303; Ferus- sa es Bull. 1826, Bd. 4, S. 229 ; Genssane (de) menschl. Skelet im Dolomit zu Cette(Hist. duLanguedoc 1776, Bd. 2), wahrscheinlich a. histo r. Zeit?; S p a 1 I a n- zani, mit Thierknoch. auf Cerigo (Mem. Soc. ital. 1794, Bd. 7; J. de Phys. 1798, Bd. 4, S. 281); Fortis, Dalmatien (dito 1799, Bd. 5, S. 75; Sagg. d'osc. sopra l'Isola d. Cherso ed Osero. Venedig 1771, S. 90 — 103 und Viaggio in Dal- matia 1774, Bd. 1, S. 174 und Bd. 2, S. 165 und 174); Bruguiere zu Cette (Moll's Jahrb. d. B. u. H. k. 1799, Bd. 3, S. 301); Germar (E. F.), Reise in Dalmatien 1817, (S. 307 u. 322), Fabreguette und Caporal zu Candia (C. R. Ac. d. Sc. P. 1837, Bd. 4, S. 182 und Ausland 1837, S. 264); Pilla in Monte Argentaro, Toscana (Atti 4 Riun. di Sc. ital. Padova 1842, S. 398); Malinovsky mit zugespitzte Kiesel zu Semur (Bull. Soc. ge'ol. Fr. 1845, N. F., Bd. 2, S. 73); Gray zu Portland, mit urweltl. Thiereu. Proceed. Geologist Associat. L. 1861, Bd. 4, S. 518; Guiffe (A.) und Benoit, Knochen mit Steinwaffen in einigen Spalten d. Oolith-Kalkes zu Mareuille (Meurthe), C. R. Ac. d. Sc. P. 1862, Bd. 55, 1 68 B o u e. Andere aus England werden wohl ganz jüngeren Bildungen angehören *). C u vi er's Protest gegen Spallanzani's Behauptung (Theorie de la terre und auch Ann. of phil. 1816, Bd. 8, S. 153) hat jetzt wenigstens sein ganzes wissenschaftliches Gewicht verloren, weil er die Thatsache nicht durch die Beobachtung anderer entkräftete, sondern nur aus einzigem systematischen Vorurtheil negirte. Grosse Männer selbst in ihren Irrthümern zu huldigen, können nur kleine Geister, ihren eigenen Verstand vergessend. Man hat auch Menschen- und Thierknochen unter localen Kalk- tuffa blagerungen auf der Erdoberfläche hie und da gefunden, wo ehemalige sogenannte incrustirende Mineralwässer vorhanden waren, wie z. B. zu Pyrmont, in Thüringen, u. s. w. ; aber in diesen Fällen gehört wieder eine ganz besondere Aufmerksamkeit auf die sie begleitenden Thierknochen und den Ruf der sie beschreibenden Gelehrten 2 ). Was Torfmoore betrifft, kann man fast dasselbe sagen, denn Torf hat sich wie Kalktuff wenigstens seit dem Anfange der Alluvial- zeit bilden müssen. Solche Massen sind aber leicht zerstörbar und wahrscheinlich werden nur solche Torfschichten als sehr alt und unberührt gelten, welche unter mächtigem Süsswassermergel liegen. Doch Nilsso n fand im südlichen Schonen unter Alluvium und Torf S. 569 (ob keltisch?); Vibraye (de) Artefacte zu Vallieres (Loire et Cher.) Bull. Soc. geol. Fr. 1863, Bd. 20, S. 206—208 u. 238—243; Daubre'e mit Artefacten in Syrien C. R. Ac. d. Sc. P. 1864, Bd. 38, S. 522— S23; Lartet Sohn und Bouque zu Beirut und Bethlehem (Herzog Luynes Expedition 1863, Ausland 1864, S. 495), Tristram (H B.) im Libanon (Brit. Assoc. f. 1864). i) Blake (Ch. Cart.), ein menschl. Skelett zu Kellet, Lancash. (Geologist 1862, Bd. 5, S. 239); Busk (G.) dito (dito S. 424), Allan (Thom. D.) mit- Thierrest. in der Insel Portland, dito 1863, Bd. 6, S. 94, 200, 251 u. 296. 2) Beispiele: Jakob Travels in the South of Spain 1811, Tasch. f. Min. 1818, Bd. 12, S. 242; bei Bilsingleben und Meissen Schlothein's Petrefactenk. 1820, S. 3; Bravard, Croizet und Peyhox zu Martyr de Veyre|, Auvergne, Aun. Scient. litt, d' Auvergne 1829—1830, Bd. 2, S. 332 U. 520; Bd. 3, S. 1 u. 19, Taf. 1; Fer. Bull. 1830, Bd. 20, S, 407; Kastner's Arch. f. Naturl. 1831, Bd. 21, S. 144; Bunsen und Hausmann (Fr.), mit Artefacte und Thierfährt. zu Göttingen, Stud. Gott. Ver. Bergm. Fr. 1856, Bd. 7, Tli. 1, S. 96 — 110; Gott. gel. Anz. 1835, S. 1089; N. Jahrb. f. Min. 1836, S. 472—476; Brignoli sammt Schädel im Modene- sischen, Bull. Ac. beige. 1838, S. 149; N. Jahrb. f. Min. 1839, S. 124; Capit. Stirling im Dekan. Edinb. n. phil. .1. 1825. Bd. 12, S. 409; Zcitsehr. f. Min. 1826, d. 1, S. 435, Fer. Bull. 1825, Bd. 6. S. 25. Über den wahrscheinlichen Ursprung des menschlichen Geschlechtes. löJ steinerne Pfeile und andere menschliche Gerätschaften sammt Knochen der Höhlenbären, des Bos Primigenius u. s. w. (Ausland 1847, S. 75) Karl Morren glaubte die Gleichzeitigkeit des Menschen mit einer ausgestorbenen Bibergattung in den Torfmooren Flanderns beweisen zu können (Ac. Beige 1835, 4. April; L' Institut 1835, S. 180; N. Jahrb. f. Min. 1836, S. 254). Die bis jetzt in solcher Lage gefundenen menschlichen Beste oder Industrieproducte gehören nicht nur der Steinzeit, sondern auch den Bronze- und Eisenzeiten, so wie auch der römischen Periode oder selbst noch späteren Zeiten an. So z. B. werden zu Gallagh in Galway (Schottland) diese kelti- schen Wohnsitze durch noch ganz costümirte Körper (s. Petrie Ed. n. phil. J. 1831, Bd. 11, S. 116 — 118) oder durch alte Kähne wie an der Clyde, wo man 17 entdeckte, gut kennzeichnet. In Eng- land und Europa sah man Ähnliches *) und besonders baben die Torfmoore Dänemarks, Jütlands und Schleswigs, sowie Nord-Italiens reiches Material aus den Stein- und Bronzezeiten geliefert 3 ). In Mooreisen oder Limonit oder selbst in alluvialen Bohn- erzen- Ablagerungen fand man auch menschliche Reste und Arte- facten. Die Fundörter der letzteren Gattung beschränken sich bis jetzt auf der schwäbischen Alpe, wo unser alter Bekannte Director .1 äg er aus Stuttgart sie fand und beschrieb. Als eine Bestätigung ihrer wirklichen Anwesenheit in der Mitte dieser Mineralquellen- bildung kann man den Umstand ansehen , dass nur theilweise abge- schliffene Menschenzähne oder die härtesten Theile des mensch- lichen Knochengerüstes solchen Heranschwemmungen und solchen Reibungen widerstehen konnten und auch nur jene allein entdeckt i) Bank (Sir Jos.) in Lincolnshire, Quart. J. of Sc. L. 1816, Bd. 1, S. 244; Lyell in Lancashire, Trans, geol. Soc. L. 1826, N. F., Bd. 2, Taf. 10; Coupery, Bull. Soc. geol. Fr. 1833, Bd. 4, S. 72 ; Schad e in Schlesien, Jahresber. Schles. Ges. Bres- lau 1854, S. 56; Buchana n (J.) Glasgow, Pasta Present 1856, Bd. 2 u. 3; Rep. hrit. Assoc. 1855, S. 90; Tyndall (Ed.), Geologist 1860, Bd. 3, S. 196, am Rhein dito 1862, Bd. 5, S. 238; in Yorkshire, dito 1863, Bd. 6, S. 318; im Seinethal, dito S. 155. 2 ) Morlot, Bull. Soc. Vaudoise, Sc. nat. 1860, Bd. 6 und seine Etud. ge'ologico- archeol. en Danemarc et en Sui3se 1859 u. s. w.; Mortui et (Gabr.) Att. Soc ital. di Sc. nat. Mil. 1859—1860, Bd. 2, S. 230— 232; Gastaldi (B.), Cenni su aleune armi di pietra e di bronzo nell' Imolese, Modencse e Parmigiano, nelle torbiere della Lombardia e del Piemonte 1861 u. s. w. 170 Boue'. wurden »)• Jäger, Kur r und Quenstedt sind Bürgen genug für die Wahrheit des Fundes. HerrAymard von Puy enVelay behauptet, Menschenknochen mit urvveltlichen Thierresten im vulcanischen Tuffe des Velay bei Denise gefunden zu haben 2 ). Die letztere Entdecknug ist unzweifelhaft, wir haben selbst nicht nur da , sondern auch in der Ardeche unter Basaltströme solche Knochenreste herausgeschlagen, aber manche Geologen zweifeln an der Richtigkeit der ersten und möchten die menschlichen Knochen einer jüngeren Zeit anweisen. Man lese das Weitere in Lyell's Alter des menschlichen Geschlechtes 1863, S. 145. Als zweifelhafte Angaben über das Alter fossiler Menschen- knochen lassen wir hier diejenigen folgen, welche im Jüngern Travertin oder in sehr muschelreichem Meersande längs der Ufer verschiedener Länder wie Dänemark (die sog. Kjokken- m o e d d i n g e n), Irland (die sog. Crannoges, siehe L y e 1 Ts Werk S. 10— 22), des südwestlichen Frankreichs (Buttes de St. Michel en Lherm, Charente) s), Guadeloupe*) und Brasilien (zuSantas) 5 ) beob- achtet und oft besprochen wurden. !) G. Jäger, Fossile Säugethiere Würtembergs und der schwäbischen Alp. 1835, 1839, 1850, 1851 und besonders 1853, 4°. mit Taf. ; Meyer (Harm, v.), N. Jahrb. f. Min. 1837, S. 677; Kurr, Zeitschr. deutsch, geol. fies. 1852, Bd. 4, S. 628; Quenstedt, Jahresh. d. würtemb.-naturf. Ver. 1852, Bd. 9, S. 67—71; N. Jahrb. f. Min. 1853, S. 251—252; Giebel'« Zeitschr. f. ges. Naturwiss. Halle 1853, Bd. 1, H. 2, S. 122. 2) Bull. Soc. ge'ol. Fr. 1844, Bd. 12, S. 336; 1847, N. R. Bd. 4, S. 412—415 ; Bd. 5, S. 49—59; 1848, Bd. 6, S. 54—56; L'Institut 1844, S. 336; Bibl. univ. Ge'neve 1847, Bd. 6, S. 78; Ann. Sc. phys. nat. Lyon 1848, Bd. 11, S. XL1I; N. Jahrb. f Min. 1845, S. 377 und 1849, S. 760. 3 ) Fleuriau de Bellevue, J. de Phys. 1814, Bd. 78, S. 401; Coquard, Bull. Soc. ge'ol. Fr. 1837, Bd. 7, S. 147—150; N. Jahrb. f. Min. 1838, S. 719. 4 ) Ernouf, Ann. du Mus. 1804, Bd. 5, S. 403; J. d. Phys. 1814, Bd. 79, S. 295; MoII's Ephemer. 1806, Bd. 2, S. 136; Lavaisse, Voy ä la Trinite' 1813; König (Chart.), Lond. phil. Fr. 1814, Bd. 104, S. 101; Ann. of phil. 1814, Bd. 3, S. 228; Bd. 4, S. 444; 1816, Bd. 7, S. 135; J. d. Phys. 1814, Bd. 79, S. 196 u. 295—298; Gilbert's Ann. 1816, Bd. 52, S. 177—195, Taf. 2; Bibl. ital. 1817, Bd. 6, S. 350; Blume nbach, Gott. geol. Anz. 1815, S. 1753 u. 1816, S. 400; Blainville (de), J. d. Phys. 1817, Bd. 85, S. 180; Banks (Jos.), Trans. Linn. Soc. Loc. L. 1817, Bd. 21, Th. 4, S. 53; Gott. gel. Anz. 1820, S. 731—733; Moll's N. Jahrb. f. B. u. H. 1824, Bd. 5, S. 131; Gärtner (L.), Gilb. Ann. 181S, Bd. 58, S. 198 bis 200; Moreau de Jonnes, C. R. Ac. d. Sc. P. 1844, Bd. 18, S. 1060; Wo od ward (S. P.) und Cochrane (A.), Intellectual observe., L. 1862, Oct., S. 280. 5) Capit. Elliot, Americ. phil. Trans. 1828, S. 285 und Lyells Travels in Nord- Amerika, deutsch 1846, S. 129. Über den wahrscheinlichen Ursprung des menschlichen Geschlechtes. 171 Für andere Lager von fossilen Menschenknochen scheint das Alter nicht nur höchst problematisch zu sein, sondern manche solche Anzeigen gehören unzweifelhaft nur den jüngsten Alluvial- oder selbst den historischen Zeiten an. Solche vermeinte Ent- deckungen haben selbst den Glauben an geologischen Menschen nicht aufkommen lassen können, weil die Irrthümer zu handgreiflich waren. So z. B. wagte Nathan Smith über Menschenknochen im rothen Sandstein Connecticuts zu speculiren (Americ. J. of Sc. 1820, Bd. 2, S. 146; Ann. of phil. 1820, Bd. 16, S. 393). Phibbs berichtete über ein Menschenkiefer, 76 Fuss tief in der Winche- sterkreide (wahrscheinlich nur in einer Spalte. — Geolog. Soc. Man- chester und Biviere's Ann. Sc. geol. 1842, S. 532). Elephanten- oder Mammuthknochen wurden sehr oft als Riesenmenschen-Über- bleibsel angegeben *). Ein Menschenskelet in einem Steinbruche selbst von Bakewell citirt (Phil. Mag. 1831, Bd. 9, S. 35 und Geo- logist 1862, Bd. 5, S. 470); ein menschlicher Humerus im tertiären Schwefel bei Narbonne angeblich gefunden (Julia de Fontenelle, Fer. Bull. 1829, Bd. 18, S. 34); ein Eisenring in Braunkohle des Westerwald (Wendelstadt, Becher und Noeggerath, Rheinl. Westphal. 1824, Bd. 1, S. 174 — 183), so wie Böhmens (Hesperus 1822, Nr. 2 u. 116) und dergleichen Unmöglichkeiten angezeigt. Selbst Verunglückte in Bergwerken oder Steinbrüchen und nur mit Kalk incrustirte Skelete hat man selbst in sich gelehrte nennenden Vereinen, wie z. B. in der naturforschenden Gesellschaft zu Görlitz (Abb. 1827, Bd. 1, S. 110, Nied. Lausitzer-Magaz. 1833, Bd. 13, S. 52 u. 145) aufnotirt und beschrieben 2 ). In den Jahren 1824 und 1825 geschah aber zu Paris, in diesem Emporium des Wissens, das Lächerlichste, namentlich 13 Pariser Gelehrte 3 ) gaben sich die Mühe, mineralogisch, geologisch, zoolo- J ) Cassanion (J.), De Gigantibus in Gallia, Basel 1580. Siehe darüber Boehmer's Biblioth. hist. nat., Bd. 1. Solche Irrthümer tauchen noch immer wieder auf, wie wir es durch ein Dutzend Citate von Tyler (J. de Phys. 1821, Bd. 92, S. 92) und Ballenstedt (Archiv d. Urwelt 1819, Bd. 1, S. 48— 62) an bis zu Dr. Husso n zu Toul (C. K. Ac. d. Sc. P. 1864, Bd. 58, S. 812) leicht beweisen könnten. 3 ) Über 14 solche Anthropolithen haben wir uns notirt vonBourguet (1742) und Guetlard (1760) an bis Hensel (Arb. Schles. Ges. Breslau 1853, S. 61) und Lassaigne(C. R. Ac. d. Sc. P. 1844, Bd. 19, S. 921 u. 1117). 3 ) Descourtils, Gillet-Lauinont, Thibaud de Berneaud, F. Cuvier,* Üesraarest, Desmoulins, Huot (Ann. Sc. nat. Bd. 3, S. 138), Barruel, P aye n, Chevalier und Julia de Fontenelle (1825). 172 Boüe. gisch und chemisch den Unsinn eines phantastischen Dilettanten zu beweisen, welcher in einem sonderbar geformten Sandsteinfels Fontainebleaifs (Long Rocher zu Moret) einen petrifieirten Men- schenkörper entdeckt zu haben glaubte. Zur Begründung des hohen Alters des menschlichen Ge- schlechtes hat man zu allen Zeiten, aber vorzüglich in letzteren Jahren, sehr viel Gewicht auf Artefacten gelegt und auf diese Weise Geologie mit Archäologie verbunden. Geschickte Archäo- logen haben ziemlich leicht verschiedene Zeitperioden in diesen Überbleibseln der menschlichen Thätigkeit erkannt. Auf diese Weise wurden historische Zeiten von vorhistorischen in vielen Gegenden schon getrennt. Hat der Mensch harte Instrumente gebraucht, so ist sein Augenmerk am ersten auf Steine gefallen, welche auf diese Weise auch die sogenannte Steinperiode bilden. Doch in den weni- gen Ländern, wie am Ober-See in Nord-Amerika und in Sibirien, wo gediegenes Kupfer in Überfluss in Blöcken herumliegt, muss der Mensch fast eben so früh dieses Metall als andere Steinarten benutzt haben, so dass daselbst die sogenannte Bronzezeit, theilweise wenig- stens, in die Steinzeit hineingreift. Wirklich berichtigt Atkinson von alten Bronzesachen, welche in bis dahin unaufgeschlossenen Goldsandwäschereien Sibiriens (Quart. J. geol. Soc. L. 1860, Bd. 16, S. 241 Phil. Mag. 1860, Bd. 19, S. 75; Geologist 1860, Bd. 3, S. 30) gefunden wurden. Ein anderer Umstand, der Berücksichtigung würdig, ist dass die verschiedenen Perioden der Stein-, Bronze- und Eisenzeit für alle Menschenracen keineswegs gleiche Zeiträume bezeichnen. Diese Unterschiede wurden nicht nur durch die Art der Racen, als beson- ders durch die geographische Lage und Bodennatur der mensch- lichen Wohnstätte hervorgerufen, so dass wir nicht erstaunen sollen, noch jetzt wilde Völker in jenen Urzeit-Verhältnissen zu entdecken. Solche Völker-Ethnographie nur durch Verkümmerung einer aus unserer Race entsprossenen erklären zu wollen, bleibt doch eine ganz excentrische Hypothese. Andererseits wurden Steininstrumente nicht überall gleichmässig durch Kupfer oder Eisen verdrängt, sondern neben der Steinverfertigung und ihrer Ver- besserung bestanden schon oft andere metallische grobe Instrumente. In letzterer Zeit hat man selbst förmliche Fabrikslocalitäten kieseliger Instrumente in Frankreich entdeckt (C. R. Ac. d. Sc. Über Jen wahrscheinlichen Ursprung; des menschlichen Geschlechtes. 1 7o P. i864, Bd. 59, S. 119 u. 470), was schon auf eine gewisse Bevölkerung hinweist. Unter diesen Geräthschaften befinden sich besonders Achsen, Hacken, Hammer, Messer, Waffen, Pfeile, Mühlsteine u. dgl., so wie auch grobe Töpferwaare. Letztere ähneln noch manche Producte der Zigennerindustrie im Orient, die Reibsteine sind noch jetzt in der europäischen und asiatischen Türkei gebräuchlich, indem die Waffen den heutigen der Wilden gleichen. Ihr Material bildeten die härtesten Steine wie Kiesel- und Feuersteine, Granit- und Sienit-Arten, so wie die talkigen nephritischen Felsarten. In dem Aufsuchen solcher Raritäten scheinen uns doch die Archäologen manchmal zu weit zu gehen, denn ohne mineralogische Kenntnisse kann man sich leicht irren. So z. B. manche Fragmente der Kiesel- und Feuersteine zeigen solche kleine muschelförmige Ablösungen und selbst Löcher, wie man sie uns auf diesen Instrumenten zeichnet und vorlegt (siehe Bd. 2, Taf. 1 — 18 des Antiquites Celtiq. et anti- diluviennes des Herrn Boucher de Perthes 1857. 8°.) und man findet darunter auch die Form von groben Achsen oder Hammern (siehe Fargeaud C. R. Ac. d. Sc. P. 1859, Bd. 49, S. 558). Das Abgewetzte dieser Instrumente kann auch betrügen, wenn sie Rei- bungen und Verschleppungen erlitten haben. Alles dieses zeigt, wie behutsam man in der Beurtheilung sein muss. Bewundernswerth bleiben indessen immer die vielen kleinen muscheligen Brüche der kieseligen Artefacten, welche auf besondere, sehr kleine, vielleicht selbst etwas elastische, Steinschlägel hindeuten. Ausser im Löss hat man in allen erwähnten Lagerstätten menschlicher Knochen auch Artefacten entdeckt, doch nur selten so viele, als in den Alluvialhöhlen und Torfbildungen *). Gemäss der leichtern Erhallung von Steinen als von Knochen, muss man nicht erstaunen, oft nur erstere zu beobachten, aber dann muss der genaue Geolog über die Realität der Instrumente volle Gewiss- heit sich verschaffen können, was nicht immer der Fall gewesen zu sein scheint, so dass alle Fundstätte von Artefacten mit oder ohne lirweltlichen Thierresten nicht als richtig anzunehmen sind. Man muss da wieder den Ruf des Entdeckers zu Hilfe ziehen und noch besonders wissen, ob der Archäolog mineralogische Kenntnisse hat *) Für die ZahJ der Fundürter finden wir in unserer Bibliographie beinahe 20U. 174 K o u e. oder der Geolog genug archäologisches Wissen besitzt, um nicht Artefacten von viel jüngerer Zeit mit den älteren zu verwechseln. Bedauern muss man es indessen, dass bis in neuerer Zeit die Sammlung dieser letzteren in paläontologischen Sammlungen wenig berücksichtigt waren, und dass selbst oft die in Schriften erwähn- ten von den Geologen wenigstens nicht aufbewahrt wurden. Endlich kömmt noch der mögliche Fall der späteren Durch- wühlung des Lagers bei denjenigen mit Artefacten vor oder dass solche Steininstrumente aus jüngeren Gebilden in ältere durch Auswaschung, Verschleppung oder Spalten hereingekommen sind. In dieser Richtung scheinen uns nicht nur Archäologen, sondern auch einige Geologen bestimmt, Irrthiimer aufgetischt zu haben (Boucher de Perthes, Pierres taillees dans Ie tertiaire de la Loire, Bibl. univ. Geneve 1859, 5 R., Bd. 6, S. 353—401). Alle Artefacten der jüngeren Alluvialzeit, sehr viele der Torf- moore, der Höhlen oder selbst des KalktufTe *) gehören den histo- rischen Zeiten und gehen den Geologen eigentlich nichts an. In dieser Hinsicht hat man ehemals besonders durch geognostische Unkenntniss ziemlich oft gesündigt. So z. B. sprach Lamanon von einem Schlüssel im Gyps (Rozier's Obs. s. Phys. 1782, Bd. 19, S. 192, Taf. 1, Fig. 1); Sulzer erwähnte einen kupfernen Nagel im Kalkstein (dito Bd. 21, S. 70); Lascour ein verarbeitetes Stück Kupfer in einem Stein (J. de Phys. 1820, Bd. 91, S. 140) ; Graf Bournon von Steinbrecher-Instrumenten im Gyps (Americ. of Sc. 1820, Bd. 2, S. 145) u. s. w. Dagegen sind manchmal solche sonderbare Funde für die Geologie höchst interessant, wie z.B. die- jenigen, welche die ehemaligen Meeres- oder Flussufer anzeigen 3 ), oder ältere Bergbauten 3 ) oder den uralten Boden von Städten i) Hausmann, Teutonische Steinhacke bei Göttingen, Stud. Gott. Bergm. Fr. 1856, Bd. 7, S. 96; Nachr. d. k. Ges. d. Wiss. zu Göttingen, 1854, S. 159; N. Jahrb. f. Min. 1854, S. 842. 2 ) Altes Schifflein im Alluvial der Rother; Kent (Quart. J. of Sc. L. 1823, 14 (oder 15) S. 162; Heinecker (N. S.), Ein Anker zu Seaton (Devonshire) im Alluvium (Phil. Mag. 1837, Bd. 10, S. 10—12); Chambers (It.) , Eisen, alter Chaluppe-Haken tief im Schotter zu Inchmichel, Carse of Govvrie, Schottland, Edind. n. phil. J. 1850, Bd. 49, S. 233 — 236; eiserne Hacken an Felsen in Schweden u. s. w. 3 ) Mushet (R.) alte bergmänn. Haue in dem Dean-Walde. Rep. brit. Assoc. 26 Meet. 1856, S. 71; Boase, alter metallischer Topf im Alluvium Coro Wallis, 3. Ann. Rep. geol. Soc. Cornw. ; Ann. of phil. 1826, Bd. 68, S. 457; Fer. Bull. 1827, Bd. 11, S. 204. Über den wahrscheinlichen Ursprung des menschlichen Geschlechtes. I i [) u. s. \v. oder die ehemalige Beschäftigung gewisser Örter (Ger- gen's Wallfischreste zu Mainz, 20. deutsche Naturf. Vers. 1842, S. 161). Der Schädelbau ist bis jetzt als das bewährstete Merkmal für die Unterscheidung der Menschenracen. Leider sind die ganzen Schädel in den ältesten Ausgrabungen menschlicher Knochen sehr selten, einzelne Schädelknochen und besonders Zähne kommen etwas häufiger vor. Bis jetzt sind nur 6 bis 8 Schädel meistens aus den Höhlen beschrieben worden, welche man zu den fossilen Menschen, obwohl mit mehr od^r weniger Zweifel, schon rechnen kann 1 ), indem alle anderen als zu verschiedenen historisch wohl bekannten Racen gehörig anerkannt wurden, oder nur selbst incru- stirte Schädel waren. Ich habe über letztere 41 Verhandlungen gezählt, unter welchen eine der merkwürdigsten die Beschreibung eines Schädels aus Caithness in Schottland ist, dessen Knochen wie *) Atwater (Caleb) im Alluvium mit Mastodonte-Knochen. Americ. J. of Sc. 1820, Bd. 2, S. 242; Crahay im Löss bei Maestricht. Fer. Bull. 1827, Bd. 10, S. 389 und Vide supra; Mandelslohe (Graf), mit Bären und Hyänenknochen zu Urach (Würt.), N. Jahrb. f. Min. 1835, S. 626; Lund (Dr.) in Brasilien durch den schrofferen Winkel des Stirnbeins mit von allen lebenden Racen verschiedenem Gesichte. Beding i Titende Kopenhag. 1841, 12. Febr.; N. Jahrb. f. Min. 1841, S. 502, 1843, S. 118; 1845, S. 627. Edinb. n. phil. J. 1841, Bd. 31, S. 197; 1844, Bd. 36, S. 38—42; Echo 1841, S. 244 u. 394; L'Institut 1842, S. 356, 1845, S. 166; C. R. Ac. d. Sc. P. 1845, Bd. 20, S. 1368—1370, Bibl. univ. Ge'neve 1844, N. R. Bd. 54, S. 182—186; N. Ann. d. Voy 1841, Bd. 6, S. 116; Americ. J. of Sc. 1845, Bd. 44, S. 277 — 280; Revista trimensal Instit. bist, e geogr. Rio Janeiro 1844, 4°.; Clausen (P.) , mit niedrig. Stirn zu Minas-Geraes (N. Jahrb. f. Min. 1843, S. 710); Schmerling, Rech. s. Ies Oss. fossil, des Cavernes de Liege 1833—1836; Bull. Soc. geol. Fr. 1836, Bd. 6, S. 170—173; N. Jahrb. f. Min. 1837. S. 108; Seh aafha u sen in Neanderthal zwischen Düsseldorf und Elberfeld (Verh. naturhist. Ver. Preuss. Rheinl. 1858, Bd. 15 und 1863, Bd. 20, S. 147; bei Bamberg und Lippstadt, dito 1859, S. 16, Sitzungsber. S. 68—70, 103—104 (Bronzealter?); King (W.), Brit. Assoc. 1863; Geologist. 1861, Bd. 4, S. 397, 1863, Bd. 6, S. 391; Ausland 1861, S. 825, 1863, S. 1056; dOraa litis, sehr vier- eckige Schädel bei Lültich, Atti 4 Riun. Scienz. ital. Padova 1842, S. 371; Nilson, Dolichocephali mit ausgestorb. Tbier. in Scandinavien (Öfver. af k. Vet. Ak. Förh. 1846, Bd. 3, S. 11; Edinb. n. phil J. 1849, Bd. 46, S. 70; N. Jahrb. f. Min. 1849, S. 753; Smith (J. AI.), mit Bos u. s. w. Roxburgh (Edinb. n. phil. J. 1853, Bd. 54, S. 112—142, Taf. 2; Baer (K. E. v.), Makrocephalen a. d. Krim und Österreich. St. Petersb. 1860, 4°.; Capellini (Jos.) u. Tignoso Le Schegge di diaspro di Monti della Spezzia 1862; N. Jahrb. f. Min. 1863, S. 875; Sayer (Fried.) zu Gibraltar, Athenaeum 1863, Juni; Ausland 1863, S. 622; Stelzner (Alfred) zu Bamberg a. d. Bronzezeit, Jahrb. k. k. geol. Reichsanst. 1864, Bd. 14, H. 4, S. 5. SiUb. d. mathein. -nuturw. Cl. LI. Bd. 1. Abth. 12 1 TG B o u e. bei Kannibalenfesten zerbrochen sind (Ethnologie. Soc. 1864, 13. Dec.); Maier vergleicht fossile mit frischen Schädeln (Verli. Naturhist. Ver. Preuss. Rheinl. 1855, Bd. 15, p. LVI, 16. Jahrg. 1859, Sitzungsber. S. 12—14). Quatrefages findet, dass der zu Abbeville im Jahre 1864 gefundene Schädel dem keltischen nicht gleicht, und dass in allen Fällen dieses menschliche Überbleibsel einen hohen, wenn nicht selbst dem höchsten Zeitalter der Menschen angehört (C. R. Ac. d. Sc. P. 1864, Bd. 59, S. HO). In diesem Streite über Schädel- merkmale gebührt meine Einmischung nicht. Die grossen Schwierigkeiten in der gründlichen Beweisführung der Lagerstätte, die öftere handgreifliche Falschheit der sogenannten Entdeckungen und die Notwendigkeit, nur zu oft die Glaubwürdig- keit und Geschicklichkeit des Entdeckers auch in die Schale der Entscheidung zu werfen, haben dem Misstrauen vieler berühmter und behutsamer Geologen so lange Nahrung gegeben. Doch gestand uns schon im Jahre 1840 Alex. Brongniart, dass unsere Meinung des fossilen Menschen Grund gewinne, er erwartete nur weitere unwiderrufliche Beweise, um Cuvier's schroffe Ansicht in dieser Hinsicht zu verlassen. Heute nun sind viele sehr gelehrte und sorg- fältige Geologen sowohl als Zoologen, aus allen Ländern der civilisirten Welt zu diesem Erkenntniss durch die Menge der Be- weise gezwungen worden. Unter diesen befinden sich selbst Männer der Partei, welche katholisch oder protestantisch keine fossile Men- schen anzunehmen sich erlaubt glaubten , obgleich ein Sündfluth- glauben ohne diesen fast ein Unsinn war 1 )« Die Zahl der Wider- sacher selbst unter den Geologen und ihr Gewicht grenzt in pro- portionalem Verhältniss an Null 3 ). Milne-Ed wards (Acad. d. Sc. •) In dieser Hinsicht sind de Bonnald (Bishop zu Lyon) Erklärungsworte als wis- senschaftliches Material höchst charakteristisch : Dieu se Charge» lui-meme d'ense- velir dans les profondeurs de 1» terre et dans les ahimes de 1» mer, les victimes (hoinines) de cetfe inemorable eatastrophe (ledeluge) ne voulant pas que des ossemens humains vinssent un jour dans un siede de materialisme ligurer dans les Cabinets des Curieux ä cöte de vils dehris, entre les ossemens fossiles des Ruiniiiaus et ceux des carnassiers (Moise et les (ieologues modernes P. 1833, S. 258). 2 J Graf v. Veitheim (Fortgesetzte Nachforschung 1782) Camper, theoretisch. Nov. Act. Ac. Petropoilt 1784, Bergmann J. 1791, Bd. 1, S. 154; I) e I u c (U. A.), J. d. Phys. 1802, Bd. SS, S. 252; Cuvier (G.), 1810; Kapp (Chr.), N. Jahrb. f. Min. 1834, S. 297, 1840, S. 342 und Athene Bd. 2, S. 120; Du Mege gegen Tournals Über den wahrscheinlichen Ursprung des menschlichen Geschlechtes. I i « P. 1864) und selbst Elie de Beaumont, lange Zeit unter den letzteren, gestanden endlich, dass Urmenschen im südlichen Frankreich schon in der Zeit lebten, wo nicht nur der Urochs, sondern auch das Rennt hier da hausten (C. R. Ac. Sc. P. 1864, Bd. 58, S. 763). Diesem Erkenntnisse schliessen sich noch Lastic (dito S. 590), P. Gervais und Brinckmann (dito Bd. 59, S. 945—947), L artet (Ann. d. Sc. nat. 1861, Bd. 15, S. 231) und J. Evans (Geol. Soc. L. 1864, 22. Juni), Van Beneden (C. R. Ac. P. 1864, Bd. 59, S. 1087) in letzterer Zeit an. Alle wissenschaftliche Namen von gutem Rufe. Nach Allem diesem hätte Cuvier im Jahre 1829 sehr unrecht gehabt, Menschenknochen in Kalk-Breccien und Höhlen nur als sehr jüngere Ablagerungen anzusehen (Ann. Sc. nat. 1829, Bd. 17, S. 327); eine neue Warnung für Zoologen, selbst den berühmtesten, sich nicht in Wissenschaften zu mischen, in welchen sie nur Dilet- tanten sind. Herr H. Denny (Rep. Proceed. Yorksh. [W. Riding.] geol. Sc. a. polytechn. Soc. f. 1855, S. 400) und Pfeiffer (Germania 1861, Bd. 1, S. 2) haben auch die Gleichzeitigkeit des Menschen mit dem Cervus Megaceros besprochen (auch R. D. Geologist 1862, Bd. 5, S. 73). Die Herren Garrigou und Martin gehen noch weiter und beweisen, dass mit dem Rennfhiere der Höhlenbär wohnte (C. R. Ac. Par. 1864, Bd. 58, S. 761, 816—820 u. 895 bis 899; Geol. Mag. 1864, Bd. 1, S. 37; auch Nilsson's Fund unter Torf). Von diesen Erkenntnissen ist aber nur ein Schritt zu jener, dass der Mensch gleichzeitig mit Hyänen, Löwen (Lyell, Brit. Assoc. 1863), Elephanten *), Nashörnern und Flusspferden einst Europa bevölkerte. In der That fand man seit 100 Jahren Behauptung- d. Gemenge Menschen und urweltl. Thierknochen in Höhlen. Archeolog. pyreue'enne P. 1820; Ehray 1839, über Amiens Artefacten; Anderson (Dr.), 1859; Gras 1862; Elie de Beaumont 1863; Husson C. R. Ac. Sc. P. 1863, B. ö7, S. 329—331, 1864. Bd. 38, S. 46—53 u. 893; Notes pour servir aux liech. relatives ä l'apparition de l'homme sur la terre. Toul 1863, 8 n . ; Chevalier (Abbe' C.) Gegen die Gleichzeitigkeit des Menschen u. d. ausgestorb. Elephant. C R. Ao. P. 1863, Bd. 57. S. 427—430; Robert (Eug.) dito, Bd. 56, S. 1121, Bd. 37, S. 426, 1846, Bd. 58, S. 673—675. *) Jul. Desnoyers C. R. Ac. Sc. P. 1863, Bd. 56, S. 1073—1083, Geologist 1863, Bd. 6, S. 253 und Bibl. univ. Gene've 1863, Bd. 17, S. 347, La'rfcet Bull. Soc. geol. Fr. 1863, Bd. 20, S. 698, Mortillet zu Abbeville, dito S. 293. 12* i 7o B o u e. schon oft solches Gemenge nicht nur in Höhlen, sondern auch im Löss und älteren Alluvium *), aber man wollte den Entdeckern davon nicht den gehörigen Glauben schenken. Dann kommt noch dazu die wichtige Thatsache, dass einige Knochen der urweltlichen ausgestorbenen Thiere nicht nur manch- mal künstlich zerbrochen (Garrigou und Filhol, CR. Ac. Par. 1864, Bd. 58, S. 895 und P. Gervais und J. Brinck- fflann, dito S. 945 — 947), manchmal nur des Markes wegen zer- stückelt (Owen, Roy. Soc. L. 1864, 9. Juni), oder von Thieren oder Menschen benagt 2 ), sondern auch durch Pfeile und andere scheidende menschliche Instrumente lädirt 3 ), oder sie wurden i) Mit Rhinoceros- und Elephantenknochen in Thüringen und zu Herzberg. Haller's Physiologie 1762 u. 1777, Bd. 1, Bergmann. J. 1791, Bd. i, S. 135, Schottin zu Köstritz 1820, vide supra Löss, mit Mammouthknochen am Ohio, Atwater (Caleb), Americ. J. of Sc. 1820, Bd. 2, S. 242; Abb. d. naturf. Ges. zu Görlitz, 1827, Bd. 1, H. 2, S. 123; Chabriol, Deveze und Bouillet, Essai geol. und Min. d' Issoire 1826, Lief. 1, Feruss. Bull. 1827, Bd. 11, S. 27; Rouillier (Ch.), im Thale der Moskwa. Gotll. Fischer v. Waldheims Jubiläum Semisäculare 1847, fol., N. Jahrb. f. Min. 1848, S. 237—238, Ausland 1848, S. 337; Dickerson mit Megalonyx und Mastodonten, lOOFuss tief in Mississipi's Alluvium zu Nashville (Miss.), Fortschritte d. Geographie 1847, Nr. 18 (vide supra); Leidy u. s. w. zu Natchez (vide supra in Löss); Man teil Sohn mit Moaknochen in Neu -Seeland, Quart. J. geol. Soc. L. 1848, Bd. 4, S. 234 und 240; Boucher de Perthes, Contemporaneite' de l'espece humaine et les diverses especes animales aujourd'hui eteints. Abbeville 1859, Lartet et Christy C. R. Ac. d. Sc. P. 1860, Bd. SO, S. 790, 1864, Bd. 58, S. 401 bis 409, Ann. Sc. nat. 1861, 4 R. Zool. Bd. 15, S. 176—253; Ann. a. Mag. nat. hist. 1864, Bd. 13, S. 323—330, L'Institut 1864, Nr. 1575; N. Jahrb. f. Min. 1860, S. 638; Diacke (Fr.), im Belvoirthale, Geologist 1861, Bd. 4, S. 246-247; Lartet mit Mammouth und Rhinoceros zu Aurignac. Haute Garonne (Bull. Soc. Sc. nat. Neuchatel 1862, ßd. 6, S. 11); Quatrefages (de), C. R. Ac. d. Sc. P. 1863, Bd. 56, S. 1003 — 1004; Garrigou (Bull. Soc. ge'ol. Fr. 1863, Bd. 20, S. 305—320, Forrest (Dr. L.), Bologna 1863; Geologist 1863, Bd. 6, S. 398 bis 400. Siehe auch Marcel de Serres Bibl. univ. Geneve 1863, Bd. 53,S.277 bis 314, Bd. 55, S. 160—170, 231—256 u. 352—384; Revue encyclopediq. 1832, Juli bis 1833 Mai, Bull. Soc. geol. Fr. 1834, Bd. 5, S. 440; Edinb. n. phil. J. 1834, Bd. 16, S. 160—175, 285—289, Bd. 17, S. 268— 285, 1835, Bd. 18, S. 59—80; N. Jahrb. f. Min. 1832, S. 590—592, 1834, S. 113—118, 1835, S. 247—250. a ) Spuren von Hyänenzähuen Bucklands Reliquiae diluv. 1823 u. 1829; Desuoyers im Pariser Becken, C. R. Ac. Sc. P. 1859, Bd. 49. S. 73; Nodot Fouventshöhle, Ilaute-Saöne, BuU. Soc. ge'ol. Fr. 1851, Bd. 8, S. 551. ö ) Soemuiering, verwundete Hyänenschädel zu Miiggendorf, Verh. Leop. Car. Ak. 1828, Bd. 14, Th. 1, S. 1—44, 3 Taf. ; Cuvier's Oss. foss. Bd. 4, Tal'. 20, üb. d. geheilt. Verletz, eines fossil. Hyänenschädels. Bonn 1828 und 3 Taf.; Lartet Bull. Soc. ge'ol. Fr. 1860, Bd. 17, S. 492; C. R. Ac. Sc. P. 1860, Bd. 50, S. 790; Quart. .1. geol. Soc. L. 1800, Bd. 16, S. 471—479; Phil. Mag. 1860, 4 R., Bd. 20, S. 239; Über den wahrscheinlichen Ursprung des menschlichen Geschlechtes. I { ,) durch Urmenschen verarbeitet 1 ). Ausserdem a priori wird der physikalische Anthropolog doch zugeben müssen, dass, wenn das Menschenleben während der Alluvial-Eiszeit nicht unmöglich war, eine tropische oder nur halb-tropische Temperatur kein Hinderniss für das Gedeihen des Menschen etwas früher gewesen sein möchte. Nach allen diesen neueren Entdeckungen, besonders im Löss, in den Kalksteinhöhlen und Breccien und selbst in anderen Alluvial- gebilden, viele zweifelhafte Fälle für den Augenblick bei Seite lassen, glauben wir uns doch berechtigt als erwiesen — durch so manchen wackern und wahrheitsliebenden Erforscher — annehmen zu können: 1. dass es Menschen in geologischen Zeiten schon gegeben hat; 2. dass sie schon in der älteren Alluvialperiode vorhanden waren; 3. dass Menschen nicht nur im Löss, sondern auch in älterem Alluvialschutt gefunden wurden, so dass muthmasslich die Men- schen nach der tertiären Zeit auf Erden erschienen, als noch die Temperaturverhältnisse der Art waren, dass Thier- gattungen der jetzigen Tropenzone in den gemässigten Erdgürteln wohnen konnten, wie P. Gervais und Herbert sich ausdrückten, der Mensch lebte gleichzeitig mit den sogenannten -Diluvialthieren 2 ) . Möge man nun viele der erwähnten Anzeigen leugnen oder die Genauigkeit der Beschreibungen selbst Lüge strafen, so bleiben Bibl. univ. Geneve 1861, SR., Bd. 11, S. 363, d'Institut 1861, S. 203; N. Jahrb. f. Min. 1860, S. 639; Wauchope, SleinwafFen in einem fossil. Schädel, Geologist 1861, Bd. 4. S. 281, 2 Fig. ; Seeley im Schotter zu Barnwell, Rep. brit. Assoc. 1862, Not. S. 94; Lartet, Rennthierwirbel mit einer kieselieg. Pfeilspitze darin. LMnstitut 1864, S. 65; Desnoyess bei Chartres, C. R. Ac. d. Sc. P. 1863, Bd. 56, S. 1199-1204; Eug\ Robert dagegen, dito S. 1157, les mondes 1863; 1 nk es (J. Beete), lädirte Megacerosgeweihe, Proceed. brit. Assoc. 1863, Anthro- polog. Rev. 1864, Bd. 1. i) Lartet, Quart. J. geol. Soc. L. 1860, Bd. 16, S. 491; Phil. Mag. Bd. 20, S. 239, L'lnstifut 1861, S. 203; Bibl. univ. Ge'neve 1861, 3 R., Bd. 11, S. 365; Fisher (0.). Geologist 1861, Bd. 4, S. 352— 354 mit Figur, v. Lanzenspitzen. s ) Gervais 7 Zoolog, et paleontolog. franc. , S. 389, Ac. d. Sc; Montpellier Procesv. 1852 — 1853, S. 21; Hebert, Bull. Soc. ge'ol. Fr. 1859, Bd. 17, S. 18, C. R. Ac. d. Sc. P. 1863, Bd. 56, S. 1041; Gaudry, dito 1859, Bd. 49, S. 453 u. 465, L'Institut 1839, L. 327; N. Jahrb. f. Min. 1860, S. 99—101. 1 (SO 15 " ?■ die zwei ersten Propositionen unwiderruflich der Wissenschaft ge- wonnen, indem über der dritten die Meinungen noch nicht so einig sind. Es gibt noch zu viele Ausflüchte, um gewisse Thatsachen der Unrichtigkeit zu stempeln, welche doch, neben anderen gehalten, möglichst später ihren zweifelhaften Charakter verlieren werden. Wenn einige Geologen und Zoologen den Anfang des Menschen- geschlechtes in die Pliocenzeit (Q u a t r e f a g e s, Bull. Soc. geograph. P. 1857; Ausland 1857, S 576) i) oder in die quaternäre Periode versetzen 2 ), so gibt es andere, welche sein Erscheinen vor der Alluvial-Eiszeit angeben s). Im Gegentheil will Desor in Amerika dieses nur nach den Drift anerkennen (Americ. J.of Sc. 1852, 2. R. Bd. 13, S. 109), aber die erratischen Blöcke und Schutt sind doch nur das Ende der Eiszeit. Murchison theilt noch letztere Ansicht (Adress. Lond. geogr. Soc. 1863, 25. Mai). A. Pomel setzt den Anfang der Menschheit nach der Erhebung der Andenketten nament- lich in der ältesten Alluvialzeit (C. B. Ac. Sc. P. 1854, Bd. 38, S. 466), Mantel] aber, durch Lyell's theoretische Ansichten geleitet, wagt die Möglichkeit auszusprechen, Menschenreste selbst in älteren tertiären Lagern mit den bekannten Affen knochen einmal finden zu können (Edinb. n. phil. J. 1851, Bd. 50, S. 252—259) und Melville behauptet selbst, Artefacte in den untersten tertiären Braunkohlen zu Laon gefunden zu haben (Bev. Archeologiq. Geo- logist 1862, Bd. 5, S. 145—148; Leter. Gaz. 1862, N. H. Bd. 7, S. 255). Doch wenn Lyell's und unsere a priori gefasste Ansichten über die Möglichkeit der Säugethier-Entd eckung im tiefen Flötz- gebilde sich so weit beslätigt haben, dass das sogenannte Bonebed unter dem Lias (siehe Lyell's Principles letzte Ausgabe und Dawkin's Hypsiprymnus-Zähne, Geol. Mag. J. 1864, Bd. 1, S. 44) solche wirklich enthält, so möchten wir doch keine Menschenreste l ) M ort im er (J. \\.) will eine knöcherne Lanzenspitze im Essexer CrSg gefunden halien, Ceologist 1801, Bd. 4, S. 558, Fig.; 1863, Bd. 0, S. V.)S. '') Über das quaternäre Alter tles Menschen finde ich in meiner bibliographischen Sammlung 37 Flugschriften oller Abhandlungen. ■*) Ed. Coli o ml), Sur l'existcnce de l'hoinnie sur la leire anlerieiireuienl a l'apparition des ancicns glaciers, Cencve 1860, 8"., de rAiieiennete de riiomine; Bull. Soc. Sc. bat. Neuchatel 1861, Bd, :; ; N. Jahrb. f. Min. 1861, S. 107; .1. Carter Blake, Geo- logist 1861, Bd. 4, S. 3!)5— 3!)S und 1863, Bd. 6, S. '208; Mortillcl (liahr.l. liull. Soc. geol. Kr. 1863. Bd. '21, S. 104; Rev. Savois. 1863, Nr. 12. Als Geguei II us so n zu Toni. C. 1>. Ac. Sc. I'. 1864, lfd. 58, S. 8 1'2. Über den wahrscheinlichen Ursprung des menschlichen Geschlechtes. 1 ö 1 weder in Flötz- noch tertiären Ablagerungen theoretisch er- warten i)- Ob nun jene menschlichen Überbleibsel der älteren Alluvialzeit in Europa mehr der keltischen als der anderen Racen sich nähern, wäre ethnographisch und historisch interessant, aber doch nur ein Nebenumstand, welcher dem systematischen Traume einiger Geolo- gen, der nämlich einem Neger ähnlichen Urmenschen oder ein Mittel- ding zwischen Gorilla und Neger ein für allemal zerstören würde (siehe Schaa fhausen's Anatomie der Racen der Menschen, in Müller's Ärcb. f. Anal u. Physiol. 18Ö8 und Ausland 1861, S.835). Die schwarze Race wäre nur für gewisse Zonen und Reiche aufdenErdballen gebildet worden, wie weisse, gelbe, braune und rothe für andere. Dieses bildet für uns wenigstens die scheinbar wichtige vorhistorische Wahrscheinlich- keit, an welcher sich dann das geschichtlich Bewährte noch besser anschliessen würde, da keine vorgefasste Meinung die nur mythischen Mittheilungen störend im Wege kommen würde. Wie gesagt, die Versetzung aller jener Racen aus ihren Zonen und selbst Reichen ist eine Verletzung der Naturgesetze. Wenn man sich aber die gleichzeitige Erscheinung des Menschen fast in allen Zonen denkt, so muss man doch zugeben, dass ihr erstes Auftreten in den gemässigten Zonen in eine Zeitperiode fiel, wo die Temperatur überhaupt noch eine höhere als jetzt in jenen Erdge- genden war, was auch der Fall wirklich hat sein müssen, wenn der Mensch zu gleicher Zeit mit den grossen theilweise tropischen Urwelt-Thieren gelebt hätte. Nimmt man diese Thatsache nicht an, so müsste in den gemässigten Erdgürteln der Mensch im Frühjahr oder Sommer erschienen sein, denn sonst wären diese Erstlinge, vom Winter nichts wissend, durch die Kälte und vorzüglich durch Nah- rungssorgen fast alle aufgerieben worden. Daher versetzten die asiatischen Mythen das Paradies immer nur unter einen sehr warmen Himmel. Wird andererseits der erste Aufenthalt der Menschen auf dem 13 — 15.000 Fuss hohen, jetzt so kalten und unfruchtbaren asiati- !) Ein englischer Sonderling will Beweise des Menschenlebens in der paläozoischen Zeit gefunden haben (Voices froin the Rocks u. s. w. a reply to llugh .Miller Testi- rnoiiv of Rocks L. 18ÖT, 12°. 182 B o u e. sehen Centralplateau angenommen und eine spätere Abkühlung die- ser letzeren durch Erhebung vielleicht (?) die Hauptursache ihrer Verbreitung in Asien und Europa vermuthet, so vergisst man, dass dieses Plateau jetzt Spuren des ehemaligen Ptlanzeuwuchses zeigen sollten, was doch keineswegs der Fall ist. Süsswasserablagerungen beurkunden nur das ehemalige. Vorhandensein daselbst von einer grösseren Menge von Seen. Wenn wirklich eine gradatim oder schnell eingetretene Kälte die Menschen zerstreut hätte, so könnte man die Eiszeit eher zu Hilfe rufen, indem in allen Fällen die ersten Menschen in Hoch-Asien nur auf die untersten Stufen jener Welt- buckel, in einer ungefähren absoluten Höhe von 4 — 5000 Fuss, gelebt hätten, wo sie wie jetzt noch die fruchtbarsten Gefilde zu ihrer Nahrung finden mussten. Was die Polarvölker betrifft, so kömmt man unwillkürlich wieder zu der Vermuthung, dass bei ihrem Erscheinen daselbst das Klima besser war und seitdem nur nach und nach sich verschlim- mert hat, so dass diese Gattung Menschen doch nicht durch einen plötzlichen Temperaturwechsel und Jahreszeitveränderung zur Aus- wanderung nothwendig gezwungen wurden. Ist der Mensch schon gleich nach der tertiären Zeit auf der Erde gewesen, so kann man sich vorstellen, dass an den Polen die Meteorologie eine andere als jetzt war. Es konnte wohl daselbst im Winter etwas Schnee und Eis geben, wie wir in einer nächstfolgenden akademischen Notiz zu beweisen uns bestreben werden, obgleich die Temperatur Central- Europa's höher als die jetzige war. In der Wirklichkeit wird diese Voraussetzung durch die Fund- stätte von Mammuthzähnen in der Hudsonsbay (Edinb. n. phil. J. 1826, Bd. 1, S. 395) und an der Behringsslrasse (Capit. Beechey's Reise, Bibl. ital. 1830, Bd. 57, S. 275), von Elephantenknochen im älteren Alluvium Canada's (Th. Cottle, An. a. Mag. nat. bist. 1852, N. F., Bd. 10, S. 395, und Billings Canad. natural, u. Geolog. 1863, Bd. 8, S. 135—147; N. Jahrb. f. Min. 1864, S. 509) bestätigt. Der Mensch daselbst ist nur nach und nach in seine heutige üble Lage durch allmähliche Gewohnheit geratheil. Menschen aus wärmeren Ländern dahin vor Feinde sich flüchten zu sehen, ohne je an Zurückkunft in ihr Vaterland zu denken, ist doch eine Meinung, welche zu wenig stichhaltig ist; denn Flüchtlinge Über ilt-ii wahrscheinlichen Ursprung de& meuschlichen Geschlechtes. 1 öt> besonders in solchen Klimaten versetzt, vergessen gewöhnlich schwer die Urstätte ihrer Väter. Auf diese Weise hätten sich schon lange die arktischen Länder entvölkert, was nicht geschehen ist. Ob Austral-Polarländer Einwohner haben oder je gehabt haben, ist eine Frage, welche man nicht beantworten kann; in allen Fällen scheint die Lage der arktischen Länder gegen den grossen Continent für die Verbreilung der Menschen viel vorteilhafter gelegen als die zu isolirten antarktischen. Wahrscheinlich gaben letztere selbst keinen Central-Ausgangspunkt der Schöpfung ab uud in allen Fällen wird die vollständige Kenntniss ihrer Fauna und Flora höchst interes- sant sein. Im umgekehrten Sinne ist der arktische Menschenschlag zu gleicher Zeit eine Art von Beweis, dass unser Geschlecht auf Erden schon da war, als die Verschiedenheiten der Temperaturzonen noch nicht so grell als heut zu Tage waren. Nun, in der tertiären Zeit muss dieses der Fall gerade noch gewesen sein. Hat der Mensch in Europa und Nord -Amerika gleichzeitig mit Thieren der jetzigen tropischen Zone gelebt, wie sowohl Höhlenschutt als Alluvialgebilde von Mergel, Schotter, Quellen-Eisenhydrat oder Kalktuff es beweisen, so waren seine ersten Wohnsitze viel weniger Continental und viel mehr insel- oder halbinselartig als jetzt. Da das tertiäre Meer weit in den Welttheilen damals sich erstreckte und viele Meerengen, so wie Buchten bildete, da es bestimmt zu gleicher Zeit eine grössere Anzahl von Binnenmeeren und Lagunen als jetzt gab, so folgte daraus nicht nur eine besondere Art der Menschenverbreitung, son- dern auch ein leichteres Ernähren für sie durch einen reichen Fisch- fang und die Jagd. Andererseits hat die Vermengung der Menschen- und Renn- thierknochen im südlichen Frankreich bewiesen, dass unsere Race die ältere Alluvial-Eiszeit durchgemacht hat, wo die Gletscher eine viel grössere Ausdehnung als jetzt hatten (vide supra Collomb, Lartet, Mor titlet u. s. w.). Wenn in jener Periode die meisten tropischen Thiere zu Grunde gingen und nur wenige durch Aus- wanderung sich retten konnten, so ist es vielleicht den meisten Menschen nicht so schwer gewesen, ihr Absterben auf jene Weise zu verhindern, weil das Auftreten der Eiszeit scheinbar allmählich und nicht plötzlich eintrat, denn zur Gletscherbildung braucht es 184 Boue. eine lange Reihe von Jahren. Darum muss man sich nicht wundern, so wenige menschliche Überbleibsel unter denjenigen der Thiere zu finden, welche jener Katastrophe erlagen und jetzt in alten alluvialen Gletschergebilden begraben sind. Die Gletschergegenden müssen für die Menschen die Abstossungslander gegeben haben, welche sie gegen wärmere so geschwind als nur möglich war zu vertauschen gesucht haben müssen. Obgleich die weisse Race ziemlich gleichförmig erscheint, so möchten wir doch fragen, oh nicht unter dieser Farbe gleichzeitig Menschen aus mehr als einem Centralpunkte im westlichen Asien, Europa und nördlichen Afrika, nach und nach, sich ausgebreitet haben. Auf diese Weise würden die Hauptunterschiede ihrer kauka- sischen oder indo-germanischen und keltischen Typen, so wie jene räthselhafte Völkerbruchstücke der Albanesen, Basken und Berber leichter erklärbar sein, indem die noch am besten erhaltenen Kelten nach dem nordwestlichen Europa getrieben wurden oder daselbst allein sich erhalten haben können. Hätten wir es mit wenigstens zwei Typen der weissen Race zu thun, so könnte man sich denken, dass letztere den so verschiedenen Klimaten Europa's und Indiens sich leichter hätten angewöhnen mögen. Wenn in Nord-Afrika der grosse Atlas und die benachbarten Hochebenen wegen ihrer geographischen, geognostiscben und ethno- graphischen Umgebung als möglicher Central-Ausgangspunkt nicht passen, wenn man dasselbe a priori über die Alpen und selbst über die Pyrenäen und ihre südlich gelegenen Plateaus aussprechen zu müssen glaubt, so finden wir wenigstens in Asien neben der grossen centralen Erhöhung eine kaukasisch-armenische, welche vielleicht für die Urmenschen eine eigene Bedeutung gehabt hat und beson- ders für Europa von einiger Wichtigkeit möglich war. Viele Andere werden diese letztere Hochebene nur als transitorische Wohnung der Urmenschen annehmen wollen, um der Mythe des Ursprunges der Menschenracen aus Central-Asien treu zu bleiben. Für diejenigen , welche die Erscheinung der ersten Menschen nur da annehmen wollen, wo die Reihe der organischen Wesen vervollständigt ist, namentlich wo grosse Affen auch leben, fällt diese Einwendung für Europa oder den Kaukasus ganz weg, sobald man den Anfang der Menschen nach dem Schlüsse der tertiären Zeit annimmt. Affenknoehen wurden ja selbst in Europa bis in den alte- Über deu wahrscheinlichen Ursprung des menschlichen Geschlechtes. loi> sten tertiären Schichten gefunden (s. R. Owen, Hist. of brit. foss. Mammalia 1844 u. s. w.). Die so lange Zeit angenommene Abwe- senheit der fossilen quadrimenen Überbleibsel war ein a priori Argument für die Negation der Möglichkeit der paläontologischen Menschen. Die gelbe Race hatle auch vielleicht einen doppelten Cen- tralursprung im östlichen Asien, wo die Oro-, so wie Hydrographie, grosse Kette und besonders grosse, später in Wüsten verwandelte Wasserbecken, die mongolischen und chinesischen Urtypen einst getrennt haben. Die Entleerungen jener Becken fanden nördlich (hinter dem Balkasch-See u. s. w.) so wie östlich mittelst grossen Spaltenbildungen statt. Unter der braunen Race würden wir mit allen Anthropolo- gen die malayscben und polynesischen begreifen, die ersteren als Urstämme und die anderen als Colonien unterscheiden, indem wir auf Borneo als möglichsten Central-Ausgangspunkt hinweisen. Der grosse Unterschied in der Entwicklung der höheren Fauna Polyne- siens und derjenigen des hinterindischen Archipels unterstützt mächtig unsere Ansichten. In Borneo kennt man eine besonders grosse Affenart. Die rot he Race wäre auf einem oder selbst auf mehreren Punkten der zahlreichen Hochebenen beider Amerika's erstanden und hätte daselbst einen eigenen Menschentypus angenommen, wie auch die ganze Fauna der neuen Welt vor derjenigen der alten sich mächtig unterscheidet. Ihren Affen fehlt wohl die höhere Stufe der Quadrumanen , aber möglich, dass dieses fehlende Glied einst im fossilen Zustande daselbst wie in Europa entdeckt wird. Überhaupt ist es eine anerkannte Thatsache, dass die ganze Reihe der Faunen und selbst die eines Continents ihren Schöpfungsgedanken nur in der Vereinigung der lebenden und fossilen Thiere findet, weil jene Typen und Formen sich einander ergänzen und die nur scheinbaren Lücken durch Übergänge ausfüllen. (Vergl. Dr. Wilson 's Abb., welcher in Amerika nur eine Race annimmt, Rep. brit. Assoc. 1857.) Das Schicksal der schwarzen Race ist schwerer zu ent- räthseln, weil wir Afrika und selbst die australischen Länder noch nicht hinlänglich kennen und vorzüglich weil in der südlichen Hemi- sphäre augenscheinlich viele Continente oder wenigstens Inseln nach der tertiären Zeit im Meere versunken sind. Daher stammen auch 186 Rone. so viele steile Küstenränder in jenen südlichen Oceanen. Nehmen wir für die wahren Neger, so wie für die Australier und Papuaner nur für jede Race einen Central-Ausgangspunkt an, so bleiben uns von einer Seite die wilden Andamiten, selbst vielleicht einige dazu gehörende südasiatische Bergvölker; andererseits die Makassen, die Hottentotten, die Abyssinier und selbst das Mittelding die Kopten. Letztere im östlichen Afrika zwei Centralpunkte anzuweisen, unter denen einer in Abyssinien wäre, bleibt eine gewagte Hypothese, aber wenigstens scheint sie nicht unwahrscheinlicher als die Abstammung des Makassenvolkes von den Malayen. Mögliche Berührung und Abstammung sind wieder da wohl zu unterscheiden. In Australien stellt sich ein ähnlicher Fall als für Europa dar, denn wenn anerkannter Weise die Entwickelung der Fauna daselbst zu einer gewissen geologischen Periode gehemmt gewesen zu sein scheint, oder wenn diese anders als in anderen Continenten geschah, so zeigen die Alluvialgebilde die Reste verschwundener grosser oder höherer Säugethiere, wieMastodontoiden !), welche dem Menschen schon nahe stehen , so dass Affenüberbleibsel daselbst auch möglichst fossil zu finden sein werden. Ausser Neger, Papuaner und Australier haben alle andere Racen eine Geschichte, auch oft Baudenkmäler von verschiedenem Werth und selbst manchmal schriftliche Monumente. Doch unter den Schwarzen bestehen gewiss sehr verschiedene Stoffe der Bil- dung, aber sie gehören demungeachtet der niedrigsten Cultur und stehen als Wilde den Quadrumanen unter den Menschen am näch- sten. Mit allem Rechte kann man dann den weissen Racen den Vor- rang vor der gelben und braunen und besonders vor der rothen einräumen. (Siehe Carus, Über ungleiche Befähigung der verschie- denen Menschheitsstämme für höhere geistige Entwickelung. Leipzig 1849, 8°.; Gobineau (A. de), Essai sur Tluegalite des races P. humaines. 1853—1854, 4. Bd., 8». u. s. w.) i) Owen, Ann. a. Mag-, of nat. hist. 1841, Bd. 6, S. 7 und 1843, Bd. 11. S. 7—12 und 329, 1845, Bd. 16, S. 142; Edinb. n. phil. J. 1845, Bd. 38, S. 177; N. Jahrb. f. Min. 1843, S. 372—374. Über den wahrscheinlichen Ursprung iles menschliche» Geschlechtes. I O / Anhang. Weitere Bibliographie über das Alter des menschlichen Geschlechtes. Roue, Bull. Soc. geol. Fr. 1831. Bd. 1, S. 105—106; Mittheil. d. Verh. d. naturw. Fr. in Wien 1848, Bd. 4, S. 204 ; Denkschr. d. k. Ak. d. Wiss. 1851. Bd. 3, S. 65; Marcel de Serres, De 1' Anciennete des races humaiaes (Recueils des Act. de l'Ac. de Bordeaux 1848, Bd. 10, S. 233—312; L'Institut 1850, S. 51; Des ossemeus humains et de l'epoque de leurs depots, Mont- pellier 1855, 8°., Geoffroy St. Hilaire (St.), Haut äge du genre humain, L'Institut 1858, S. 157; Lyell, Rep. brit. Assoc. 1859, S. 93, Geol. Evidence of the antiquity of Man, Edinb. n. phil. J. 1860, N. F., Bd. 11, S. 129—131 ; Separat L. 1862, 3. Auflage, franz. Übersetzung 1863 und deutsche 1864, Prestwich (J.) Geologist 1862, Bd. 5, S. 189, Evans Parthenon 1862, Bd. 1, S. 403. Hunt (Jam.), Rep. brit. Assoc. 1860, Hallem, Introd. to the literature of Europe 1860 und S. 162; Gervais (P.), Paleont. franz., L artet, C. R. Ac. Sc. P. 1860, Bd. 50, S. 790; N. Jahrb. f. Min. 1860, S. 638; Pictet, Bibl. univ. Geneve 1860, Bd. 7. und 1862, Preadamitic man, L. 1860, 8<>., Geologist 1860, Bd. 3, S. 155—158; Homer, Quart. J. geol. Soc. L. 1860, Bd. 17; Adress S. LX-LXX1I, Wilson (Dan), Prehistoric man, L. 1862, 8«.; Athenaeum 1862, Nr. 1823, S. 625; Peacock (E.), Parthenon 1862, Bd. 1, S. 402: Evan(J.) dito S. 72 und 402, Blake (C. C.) dito 1862, Bd. 1, S. 174 u. 403, Forbes, Edinb. Rev. 1862; Alph. Milne Edwards, Ann. Sc. nat. 1862, Bd. 17, S. 227—243, Taf. 6; Delanoue (J.), De l'anciennete de l'espece humaine. Valenciennes 1862, 8».; Bull. Soc. geol. Fr. 1862, Bd. 19, S. 613; Baruffi in Diluvium Annuaire de l'Instit. des Provinces 1862, N.F., Bd. 4, S. 290; Van Breda, Ann. Sc. nat. Zoolog 1862, 4. B., Bd. 18, Abh. 4; d'Archiac, Du terrain quaternaire et de l'Anciennete de l'homme 1S63; Bibl. univ. Geneve 1863, Bd. 18, S. 110—112; L'Institut 1863, S. 255; Capellini, Sull'Antichitä dell'uomo, Bologna 1863; Schaafhausen, Verh. naturf. Ver. Preuss. Rheinl. 1863, Bd. 20, Th. 2; Sitzber. S. 130—133; Hebert, C. R. Ac. d. Sc. P. 1863, Bd. 56, S. 1005— 1008 u. 1040— 1042; Prestwich Greenword (G.), Athenaeum 1863, S. 854; Phillips, Brit. Assoc. 1863; Geologist 1863, Bd. 6, S. 378; Pattison (S. R.). The Antiquity of man, examinatio» of Lyell's Werk 1863 u. 1864, 8°.; Geologist 1863, Bd. 6, S. 198-200, Hu x- ley, Evidence as to man's place in Nature 1863, 8°.; Geologist 1863, Bd. 6, S. 118 — 120, deutsche Übersetzung von Carus, Anthropolog. Rev. 1863, 188 B o u e. Über den wahrscheinlichen Ursprung des menschlichen Geschlechtes. S. 60, Crawford (J.) dito S. 172; Blake (C. C.) dito Nr. 2, S. XXVI; Schieiden (M. J.), Das Alter d. Menschen, Geschichte u. s. w. Leipzig 1863, 8°.; Aug. Vogt (G.), Vorlesung über d. Menschen, seine Stellung in der Schöpfung u. in d. Geschichte der Erde, Giessen 1864, 2. Bd. 8°.; Poole (G.), Quart. J. geol. L. 1864, Bd. 20, S. 118—121; Gervais (P.), Remarq. sur l'Anciennete de l'homme dans le midi de l'Europe d'apres les cavernes ä Osse- mens du Languedoc 1864, 8°., C. R. Ac. Sc. P. 1864, Bd. K8, S. 230-238; Luhbock (John), Prehistoric Archaeology or Essays on the primitive condi- tions of man in Europa. America L. 1864, 8°. SITZUNGSBERICHTE DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. MATHEMATISCH - NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE. LI. BAND. ERSTE ABTHEILUNG. 3. Enthält die Abhandlungen aus dem Gebiete der Mineralogie, Botanik, Zoologie, Anatomie, Geologie und Paläontologie. 13 189 VII. SITZUNG VOM 9. MÄRZ 1865* In Verhinderung des Präsidenten übernimmt Herr Prof. Unger den Vorsitz. Der Secretär gibt Nachricht von dem am S. März erfolgten Ableben des inländischen correspondirenden Mitgliedes, Herrn Hein- rich Schott. Die Ciasse gibt, über Einladung des Herrn Vorsitzenden, ihr Beileid durch Aufstehen kund. Die Herren Prof. Oscar Schmidt und Dr. A. Seh rauf danken mitschreiben vom 4. und 6. März, für die ihnen bewilligten Subven- tionen von 400 fl. und beziehungsweise 200 fl. ö. W. Herr Lambert v. West hinterlegt ein versiegeltes Schreiben zur Wahrung seiner Priorität. Der Secretär legt folgende Abhandlungen vor: Von Herrn Hofrath W. Ritter v. Haidinger: „Dendriten von Schwefelkupfer in vergilbtem Papier, aufgefunden von Herrn Prof. Dr. A. Kern er in Innsbruck"; von Herrn Dr. Th. Kistiakowsky in Gratz : „Über die Wir- kung des constanten und Inductionsstromes auf die Flimmer- bewegung"; von Herrn Camillo Bondy in Gratz : „Über den Auftrieb in Flüssigkeiten, welche speeifisch schwerere oder leichtere Kör- perchen enthalten". Prof. Seh rotte r legt eine Mittheilung des Herrn Mag. Ph. Weselsky, Adjuncten am chemischen Laboratorium des k. k. poly- technischen Institutes „über ein vereinfachtes Verfahren zur Gewin- nung des Indiums aus der Freiberger Zinkblende" vor. Ferner werden folgende Vorträge gehalten: Von HermHofrath A. v. Burg: „Über die einfach und doppelt wirkende vielfache Kurbel"; 13* 190 von Herrn Prof. Aug. Em. Reuss: „Über zwei Anthozoen aus den Hallstätter Schichten"; von Herrn Director K. v. Littrow über die „Bahnbestim- mung des Planeten Galateafä)", von Herrn Robert Feigel; von Herrn Prof. F. Unger über den dritten und letzten Theil seiner für die Denkschriften bestimmten Abhandlung: „Sylloge plan- tarum fossiliwm". An Druckschriften wurden vorgelegt: Academie Royale de Belgique: Bulletin. 33 c Annee, 2 e Serie, Tome 18, No. 12. Bruxelles, 1864; 8°- Annales des mines. VI e Serie. Tome V. 3 e Livraison de 1864. Paris, 1864; So- Anzeige der Vorlesungen und des Personalstandes am polytech- nischen Institute des Königreiches Böhmen. Studienjahr 1864 — 65. 4o- Apotheker-Verein, allgem. österr. : Zeitschrift. 3. Jahrg. Nr. 4— 5. Wien, 1865; So- Astronomische Nachrichten. Nr. 1515 — 1516. Altona, 1865; 4o- Bericht an den Senat der freien Stadt Frankfurt a / M . betreffend : Kanal-Anlagen und Vorarbeiten zur Kanalisirung. 8°' Comptes rendus des seances de l'Academie des Sciences. Tome LX, Nr. 5—8. Paris, 1865; 4o- Cosmos. 2 e Serie. XIV e Annee, 1 er Volume, 7 e — 9 e Livraisons. Paris, 1865; So- Er langen, Universität: Akademische Gelegenheitsschriften aus den Jahren 1859—1865. So- & 4<>- Gesellschaft, Zoologische, zu Frankfurt a -/ M . : Der zoologische Garten. V. Jahrg. Nr. 7—12. Frankfurt a / M . , 1864; So- Gewerbe-Verein, n. ö.: Wochenschrift. XXVI. Jahrg. Nr. 8 — 10. Wien, 1865; 8°- Haast, Julius, Report on the Formations of the Canterbury Plains. Christchurch, 1864; Folio. — Report on the Geological Survey of the Province of Canterbury. Christchurch, 1864; Folio. Land- und forstwirtschaftliche Zeitung. XV. Jahrg. Nr. 6 — 7. Wien, 1865; 4o- Mittheilungen des k. k. Genic-Comite. Jahrg. 1865. 2. Heft. 191 Mittheilung e» aus J. Perthes' geographischer Anstalt. Jahrg. 1865, Heft 1, nebst Ergänzungsheft Nr. 15. Gotha; 4<>- Moniteur scientifique. 196 e Livraison. Tome VIP, Annee 1865. Paris; 4°- Poggioli, Josephus, De amplitudine doctrhiae botanicae quae praestitit Friedericus Caesius Michaelis Angeli Poggioli etc. Romae, 1865 ; So- Programm (Jahres-Bericht) des k. k. Staats- Obergymnasiums zuEger. 1852 — 1857, 1859—1863. 4°- & 8"- — des k. k. Ober-Gymnasiums zu Leitmeritz. 1856; 4°- Reader. N ros - 112—114, Vol. V. London, 1865; Fol. Reichs forstverein, österr. : Österr. Monatschrift für Forstwesen. XV. Bd. Jahrg. 1865. Februar- & März-Heft. Wien; So- Rein isch, S. , Die ägyptischen Denkmäler in Miramar. Wien, 1865; 8o- Reinsch, H., Mittheilungen aus dem Gebiete der Agrikulturchemie. Erlangen ; 4°- — Paul, DieKryptogamenflora des baslerischen, so wie eines Thei- les des angrenzenden bernischen und solothurnischen Jura. So- So ci et e Imperiale des Nuturalistes de Moscou: Bulletin. Anne*e 1864. No- 4. Moskau; So- Stur, Dionys, Die neogenen Ablagerungen im Gebiete der Mürz und Mur in Ober-Steiermark. (Jahrb. der k. k. geolog. Reichs- anstalt, XIV. Bd.) KI.-4o- Wiener medizinische Wochenschrift. XV. Jahrg. Nr. 14 — 19. 1865; 4o- Zeitschrift des österr. Ingenieur- Vereins. XVI. Jahrg. 11 — 12. Heft. Wien, 1864; 4o- 192 Haidinger. Dendriten von Schwefelkupfer in vergilbtem Papier, mit- getheilt von Herrn Professor Dr. A. Kern er in Innsbruck. Bericht von dem w. M. W. Ritter v. Haidinger. Ich rnuss mir gleich sehr die Nachsicht der hochgeehrten Classe und die des Herrn Professors erbitten, wenn ich erst in der heuligen Sitzung Bericht über eine höchst anziehende Wahrneh- mung desselben erstatte, deren Bekanntmachung derselbe mir schon am 20. Jänner zur Verfügung gestellt hatte. Ich darf wohl einige Entschuldigung in den so vielfach erregten Gefühlen der Zwischen- zeit suchen. Ich lege hier Herrn Professor Dr. Kerner's Mitthei- lung ausfüln lieh vor: „Vor einiger Zeit wurde ich durch den Bibliothekar unserer Universität Herrn Kögeler auf ganz eigenthümliche schwarze Flecken aufmerksam gemacht, welche sich auf den Papierblättern alter Bücher der seiner Aufsicht anvertrauten Bibliothek vorfanden. „Diese Flecken erscheinen näher betrachtet als ausserordent- lich zierliche Dendriten und befinden sich jedesmal ziemlich nahe dem Bande der vergilbten Papierblätter. Sie durchdringen die ganze Masse des Papierblattes und sind daher an beiden Seiten sichtbar, doch gewöhnlich so, dass sie auf der einen Seite deutlicher und in grösserem Umfange entwickelt sind, als auf der Gegenseite. „Unter dem Mikroskope betrachtet, erscheinen diese Dendri- ten als eine schwarzbraune homogene Masse, welche sich den Unebenheiten der Papieroberfläche anschmiegt und zwischen den Fasern des Papiers in die Tiefe zieht. Krystallinische Structur konnte ich ebenso wenig erkennen, als es mir möglich war, eine Zellenbildung zu entdecken. „Eine chemische Untersuchung, die mit ein paar Flecken vor- genommen wurde, wollte anfänglich auch kein entscheidendes Resultat liefern und ich blieb daher geraume Zeit im Zweifel, ob Dendriten von Sohwefelkupfer im vergilbtem Papier u. s. w. 1 9o diese dendritischen Flecken organische oder unorganische Bildungen seien. „Um hierüber in's Reine zu kommen, hängte ich Papierstreifen, welche mit den fraglichen schwarzen Flecken besetzt waren und die ich täglich mit destillirtem Wasser benetzte, in einen Glas- kolben, in welchem ich Ozon erzeugte. Die Flecken verschwanden nicht, zeigten überhaupt keinerlei Veränderung, und ich gewann somit wenigstens die Überzeugung, dass ich es auf keinen Fall mit einem Pilz oder mit einer Alge zu thun habe. „Nachdem nun der Kolben, in welchem sich die untersuchten Papierstreifen, beziehungsweise die fraglichen dendritischen Bildun- gen befanden, durch etwa einen Monat unberührt stehen geblieben war, und ich jetzt neuerdings den Inhalt untersuchte, sah ich das Papier in der Umgebung der dendritischen schwarzen Flecken deutlich bläulich gefärbt und ich konnte jetzt wohl kaum daran zweifeln, dass diese blaue Färbung durch Kupfervitriol veranlasst worden war, dass daher die schwarzen Flecken als ein kupferhalti- ges Minenil aufzufassen seien und das Material zur Bildung des Kupfervitriols hergegeben hatten. „Eine chemische Prüfung setzte jetzt auch diese Annahme ausser allen Zweifel. Ein Theil des Papierstreifens mit Ammoniak betupft, wurde lebhaft blau, während ein anderer Theil, mit Ferro- cyankalium befeuchtet, gleichfalls die charakteristische Kupfer- reaction gab. „Da nun die Dendriten eine schwarze Farbe besitzen und biegsam sind, da sich ferner Eisen nicht nachweisen liess, so glaube ich nicht zu irren, wenn ich sie für Kupferglanz ansehe. „Dass die Bücher ihre Pilze und Obisien, also ihre Flora und Fauna besitzen, war mir bekannt, dass sie aber auch eine Gaea haben, war mir nicht bekannt, und ich habe auch jetzt nach wieder- holtem Nachlesen nirgends eine bezügliche Beobachtung niedergelegt gefunden. „Die Sache scheint mir daher interessant genug, um sie zu ver- öffentlichen und ich erlaube mir nur noch folgende Bemerkungen beizufügen : „Die Bücher, in welchen sich die Dendriten zeigen, stammen alle aus dem 16. und 17. Jahrhundert und besitzen durchgehends stark vergilbte Papierblätter, ein Zeichen, dass sie in früherer Zeit 194 H»idinger. in einem feuchten Locale sich befunden haben. Das älteste trägt die Jahreszahl 1545, das jüngste die Jahreszahl 1677. Bisher wurde das Mineral in eilf verschiedenen Büchern beobachtet. Davon zeigten 10 Schreibpapier, das 11. jüngste (vom Jahre 1677) Druckpapier. Alle 11 Bände sind in Schweinsleder eingebunden und sind oder waren mit messingenen spangenförmigen Schliessen versehen. „Die Messingschliessen sind wohl unzweifelhaft auch der Ausgangspunkt der Bildung des durch sein Vorkommen so interes- santen Kupferglanzes. An ihnen mag sich zunächst ein lösliches Kupfersalz, und zwar Kupfervitriol gebildet haben, welcher von den hygroscopischen Papierblättern der in einem feuchten Locale auf- bewahrten und daher selbst etwas feuchten Büchern aufgesaugt wurde. Das Papier wirkte nachträglich reducirend und es bildete sich zwischen den Papierblättern dendritischer Kupferglanz in ähnlicher Weise, wie sich zwischen den Blättern des Mergelschiefers Dendriten von Eisenoxydhydrat u. dgl. erzeugen. „Sie finden diesen Zeilen einige Belegstücke für die Sammlung der k. k. geologischen Reichsanstalt beigelegt. Das zerschnittene Blättchen links oben befand sich in Ozon und wurde nachträglich, nachdem sich blaue Punkte und Flecken von Kupfervitriol gezeigt hatten, mit Ammoniak und Ferrocyankalium versetzt." Die Ansicht des Herrn Professors Dr. A. Kern er, wie sie oben entwickelt dargestellt wurde, ist gewiss die richtige, sowohl was die Zusammensetzung, als was die Bildung dieser Dendriten betrifft. Die grösste der hier zur Ansicht vorliegenden Dendriten- gruppen hat zwei Linien, etwa fünf Millimeter Durchmesser; die Dendriten selbst aus einem Mittelpunkte nach allen Richtungen divergirend. Mit einem vollkommen glattflächigen Achatpistill polirt, erhalten die Stellen ziemlich viel Glanz, so dass sie eine sehr gute zur Untersuchung mit der dichroskopischen Loupe geeignete Zurückstrahlung geben. Übereinstimmend mit dem, was man erwarten konnte, fand sich das obere ordinär polarisirte Bild mit dem grössten Antheile des weissen Lichtes, das extraordinäre Bild doch auch noch mit etwas Glanz und dunkelblauer Farbe. Die ganze Erscheinung, wie sie uns Herr Professor Dr. Kern er dirlegt, ist ein neuer Beleg seiner eigenen steten Aufmerksamkeit auf die Erscheinungen, welche sich in der Natur und im Leben dar- Dendriten von Schwefelkupfer in vergilbtem Papier u. s. w. 195 bieten, aber zugleich auch von der Beharrlichkeit ihre Erklärung, aufzusuchen, welche unsern hochverehrten Freund seit Jahren schon auszeichnet. Es ist dies die erste Mittheilung an die hochverehrte Classe, seitdem Seiner k. k. Apostolischen Majestät Allerhöchste Gnade mir den Ritterstand verliehen. Ich darf wohl meine Freude darüber ausdrücken, dass der Spruch, den ich für mein Wappen gewählt: „Observo et colo" sich, dem heutigen Bericht entsprechend, in Herrn Professor Kerne r's Wahrnehmung so trefflich in's Werk gesetzt findet: „Aufmerksamkeit und Beharrlichkeit". 196 Unger. Sylloge plantar um fossil tum. (Soliluss.) Von dem w. M. Prof. F. Unger. (Auszug aus einer für Hie Denkschriften bestimmten Abhandlung.) Es sind im Ganzen zur Illustration dieser bereits im XIX. Bande der Denkschriften begonnenen und nun zu Ende geführten Abhand- lung über 900 vom Verfasser grösstenteils selbst ausgeführte Zeichnungen von Pflanzentheilen, welche zur Charakteristik der 327 fossilen Pflanzenarten dienen, nothwendig geworden. Die in den beiden vorliegenden Abtheilungen — Pugillus III. und IV. behandelten Pflanzenfainilien sind : Rubiaceae, Apocyneac, Myrsineae, Sapotaceae, Ebenaceae, Styraceae, Ericaceae, Cunonieae, Anonaccae , Magnoliaceae, Ra- nunculaceae , Samydeae, Tiliaceae, Acerineae , Malphighiaceae, Sapindaceae , Juglandeae , Amyrideae, Zanthoxyleae, Combreta- ceae, Halorageae, Melastomaceae, Myrtaceae, Pomaceae, Rosaceae, Amygdaleae, auf welche in einem Supplementum noch folgen: Smi- laceae, Coniferae, ßlyriceae, Cupuliferae, Moreae, Salicineae, Monimiaceae, Laurineae, Nyssaceae, Anthoboleae, Daphnoi- deae, Proteaceae und Corneae. — Der Verfasser legt das grösste Gewicht bei dergleichen Unter- suchungen auf eine möglichst genaue Vergleichung der vorweltlichen Organismen mit ; der jetzigen Lebenswelt, da nur auf diese Weise sichere Anhaltspunkte für die Bestimmung der Fossilien gewonnen werden können. Dessenungeachtet sind aus Mangel hinreichenden Materiales dergleichen Unsicherheiten in der Determinirung nicht zu vermeiden. Aus Ursache der bisher noch äusserst sparsam ermittelten sicheren Thatsachen glaubt der Verfasser mit allgemeinen daraus gezogenen Schlüssen über die Vegetation jener Vorzeit sehr vorsichtig sein zu müssen. Er schliesst demnach seine Abhandlung mit folgenden Worten : Sylloge plant arum fossilium. \vi „Nur so viel kann aus dem Vorgebrachten sclion jetzt mit Sicherheit entnommen werden, dass die Terliärfloren im Allgemeinen in ihren verschiedenen Horizonten eben sowohl die Elemente einer nordamerikanischen als die einer oceanischen Flora an sich tragen, ausserdem aber nicht viel geringere Anklänge an die dermalige Vegetation Mittel- und Süd-Afrika's (Habessinien, Cap u. s. w ), Mittel-Asiens, Ostindiens u. s. w. wahrnehmen lassen. Wie dieses Räthsel zu lösen, dazu dürften unsere jetzigen Kenntnisse über die Ursachen der Vertheilung der Gewächse auf der Erdoberfläche kaum hinreichen". 198 VIII. SITZUNG VOM 16. MÄRZ 1805. Der Secretär liest das folgende Schreiben des Consuls der Ver- einigten Staaten von Nordamerika, Herrn Theo.lor Ca nisius, an den Präsidenten der kais. Akademie : Consulat der Vereinigten Staaten N. -Amerikas in Wien. Euer Hochwolilgeboren! Unser Minister des Äussern, Herr YV. H. Seward, hat mich in einer Depesche, datirt Washington ddo. 16. Februar, beauftragt, Ihnen, als Präsident der kaiserl. Akademie der Wissenschaften, für den ausgezeichneten Report von A. Ritter von Burg, über das Werk von Capt. Humphreys und Lieut. Ab bot, den Dank des Staats- Deparfements auszusprechen. Diese Gelegenheit wahrnehmend, Sie meiner ausgezeichnetsten Hochachtung zu versichern, habe ich die Ehre mich zu zeichnen Euer Hochwohlgeboren unterthänigster Diener Theodore Canisius, Consul der Vereinigten Staaten N.-Amerikas. Der Secretär legt ferner folgende eingesendete Abhandlun- gen vor: „Neue Ansichten oder auch Theorie über den Rückstoss der Geschütze, begründet auf die einfachsten physikalischen Erschei- nungen bei den SchusswafFen", nebst einem Anhange über ein neues Pfeilgeschütze, von dem pens. k. k. Rittmeister, Herrn Ferd. Leiten- berger zu Reichstadt in Böhmen; „Neue Synthesen der Ameisensäure" von Herrn Dr. R. Maly, Privatdocenten an der Grazer Universität. Herr Jos. Harkup, k. k. Telegraphen^ßeamter, übermittelt die versiegelte Beschreibung eines von ihm erfundenen neuartigen Relais mit dem Ersuchen um Aufbewahrung zur Sicherung seiner Priorität. Herr Prof. J. Redtenb acher überreicht eine Abhandlung „über die Trennung von Rubidium und Caesium in Form der Alaune"; 109 ferner die in seinem Laboratorium durch Herrn A. Effen- berger ausgeführte „chemische Analyse der Heilquelle zu Müllaken in Ober-Österreich." Herr Prof. C. v. Ettingshau sen legt eine für die Denk- schriften bestimmte Abhandlung: „Die fossile Flora des mährisch- schlesischen Dachschiefers" vor. Herr Prof. E. Suess übergibt eine Abhandlung „über die Nachweisung zahlreicher Niederlassungen einer vorchristlichen Völkerschaft in Nieder-Österreich" , nebst einer zweiten „über die Cephalopoden-Sippe Aconthotenthis R. Wagn." Herr S. Marcus legt die Beschreibung und Zeichnung der von ihm erfundenen Thermosäule vor. An Druckschriften wurden vorgelegt: A cademie Royale de Belgique: Memoires. Tome XXXIV. Bruxellfs, 1864; 4o. — Memoires couronne«. Tome XXXI. 1862—1863; 4o; Collection in 8<>: Tomes XV. & XVI. 1863 & 1864,— Bulletins: 32 e Annee. Tomes XV. & XVI. 1863: 33 e Annee, Tome XVII. 1864; 8°- — Compte-rendu des seances de la Com- mission Royale d'histoire: 3° Serie. Tome V e , 1' ä 3 e Bulletins; Tome Vl e l r ä 2 me Bulletins. Bruxelles, 1863 & 1864; So- — Annuaire 1864. So- Akademie der Wissenschaften, Königl. Preuss., zu Berlin : Abhand- lungen. 1863. Berlin, 1864; 4°- — Preisfrage der phys.-mathem. Classe für 1866 & 1867. So- Arn er ican Journal of Science and Arts. Vol. XXXIX. N°. 115. New Haven, 1865; 8o- . Annale n der Chemie und Pharmacie von Wühler, Lieb ig und Kopp. N. R. Band LVI, Heft 3. December 1864; — III. Sup- plementband, 1. & 2. Heft. 1864. — Band LVII. Heft 1 & 2. Jänner & Februar lfc65. Leipzig & Heidelberg; So- Astronomische Nachrichten. Nr. 1517. Altona, 1865; 4o- Bauzeitung, Allgemeine. XXX. Jahrgang. Heft 1. Nebst Atlas. Wien, 1865; 4°. & Folio. Bibliotheque Universelle et Revue Suisse: Archives des Sciences physiques et naturelles. N. T. Tome XXI, N°. 84. 1864; Tome XXII, N°. 85. 1865. Geneve, Lausanne, NeuchaM; 8o- 200 Cosmos. 2 e Serie. XIV e Annee, 1 er Volume, 10 e Livraison. Paris, 1865; 8«- Gesellschaft der Wissenschaften, Königl., zu Göttingen : Gelehrte Anzeigen. 1864. I. & II. Band. Göttingen, 1865; 8<>- — Nach- richten von der K. Ges. d. Wiss. und der Georg-Augusts- Universität aus dem Jahre 1864. Göttingen, 1865; 8°* — Deutsche geologische: Zeitschrift, XVI. Band, 3. Heft. Berlin, 1864; 8o- — physikalische, zu Berlin: Die Fortschritte der Physik im Jahre 1862. XVIII. Jahrgang, 1. & 2. Abtheilung. Berlin, 1865; 8«" — naturforschende, in Basel: Verhandlungen. IV. Theil, 1. Heft. Basel, 1864; 8<>- Ge werbe- Verein, n. ö.: Wochenschrift. XXVI. Jahrgang, Nr. 11. Wien, 1865; 8<>- Hai le, Universität: Akademische Gelegenheitsschriften aus dem Jahre 1864. 4<>- & 8°- Jahrbuch, Neues, für Pharmacie und verwandte Fächer von F. Vorwerk. Band XXIII. Heft 1. Speyer, 1865; So- Königsberg, Universität : Akademische Gelegenheitsschriften au s dem Jahre 1864. 4°- & 8°- Land- und forstwirtschaftliche Zeitung. XV. Jahrg. Nr. 8. Wien, 1865; 4o- Observatoire Boyal de Bruxelles: Annales. Tome XVI. Bruxelles, 1864; 4°- — Observations des phenomenes periodiques en 1861. 4°- Reader. Nr. 115. Vol. V. London, 1865; Folio. Society, The Royal, of Edinburgh; Transactions. Vol. XXIII. Part 3. For the Session 1863— 64. 4o- — Proceedings. Vol. V. N r . 62—64. Session 1863—64. So- Wiener medicin. Wochenschrift. XV. Jahrg. Nr. 20—21. Wien, 1865; 4o- C. v. E 1 1 i ng sh a u sc n. Die fossile Flora d. mähr.-schles. Dachschiefers. £[) 1 Die fossile Flora des mährisch - schlesischen Dach Schiefers. Von dem c. M. Prof. C. Ritter v. Ettingshaaseii. (Auszug - aus einer für die Denkschriften bestimmten Abhandlung.) Das mährisch-schlesische Grauwackengebirge erstreckt sich zwischen den Städten Olnuitz und Troppau von dem östlichen Ab- falle des Altvaters bis zu der von der Prerau-Otlerberger Bahn berührten Einsattlung, in welcher die Oder und die Beezwa nach entgegengesetzten Richtungen fliessen. Die Schichten streichen im Mittel gegen NNO. und neigen sich im Sinne ihrer Anlagerung an das westliche ältere Gebirge, pfl im steilen Winkel gegen Osten. Sie bestehen aus thonigen Sandsteinen und Schiefern. In dem östlichen Theile des Gebirges kommen mehrere Lüger von Dach • schiefer vor. So lauge noch keine Petrefacten aus diesen Schichten bekannt waren, nannte man dieselben devonisch und silurisch; das Vorkommen von Pflanzenresten aber, welche sehr an die Pflanzen der Steinkohlenformation erinnern, gab der Vermulhung Raum, lass man es hier mit einem jüngeren Gliede des sogenannten Übergangs- gebirges zu thuu habe. Die Bestimmung einiger Pflanzenabdrücke durch Göppert, die Funde charakteristischer Thieneste durch F. v. Hauer und M. Hörn es '), durch H. Wolf 2) und F. Rö mer 3) bestätigten «) Sitzungsberichte der kais. Akademie der Wissenschaften, math.-naturw. Classe, Bd. IV, Seite 171. 2 ) Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt, Bd. XII, S. 23, Bd. XIII, S. 19. 3 ) Neues Jahrbuch für Mineralogie und Geologie. 1861. S. 313. 4U2 C. v. Ettingshausen, dies und man vergleicht seitdem diese Schichten, namentlich die des östlichen Theiles, woher jene Reste stammen, mit der Pflanzengrau- wacke in Nassau, Westphalen und am Harz, für welche die Bezeich- nung „Kulmschichten" als unteres Glied der Kohlenformation gehräuchlich geworden. Der Reichthum an Pflanzenresten in den Dachschiefer-Schichten wie derselbe gegenwärtig vorliegt, war noch bis zum Herbste des Jahres 1863 unbekannt geblieben. Dem Herrn Dr. Gustav T Seher- in ak, Custosadjunct im kais. Hof - Mineraliencabinet, welcher zu dieser Zeit die Dachschieferbrüche in dem bezeichneten Gebiete besuchte, gebührt das Verdienst, die Wichtigkeit dieser Localitäten für die Paläontologie zuerst erkannt und die Anregung zu deren Ausbeutung gegeben zu haben. Seither widmete sich derselben Herr M. Mach an ek, Fabriksbesitzer in Hombok, mit anerkennens- werthem Eifer. Die zu Stande gebrachten Petrafacten-Sammlungen sendete Herr M. Machanek als Geschenk an das kais. Hof- Mineraliencabinet, dann auch an das naturhistorische Museum des k. k. polytechnischen Instituts. Aus diesen reichhaltigen Samm- lungen gewann ich das meiner Arbeit zu Grunde liegende Material, welches mir durch die Liberalität des Vorstandes des genannten Cabinets Herrn Dr. Moriz H ö r n e s und des Herrn Prof. Dr. F. Ritter v. Hochstetter zur Verfügung gestellt wurde. Die an Pflanzenabdrücken reichste Zone des mährisch-schle- sischen Dachschiefergebirges ist durch die Orte Altendorf, Tschirm in Mähren und Mohradorf bei Meltsch in Schlesien bezeichnet. Die Pflanzenabdrücke önden sich in den weniger leicht spaltbaren Schiefern dieses Gebirges. Mit ihnen kommen auch Thierreste vor, doch sieht man diese vorwaltend in harten, schwer spaltbaren Thon- schiefern. Von charakteristischen Thierversteinerungen sind hervor- zuheben: Posidonomya Bechert (sehr häufig), Goniatites mwolobus Phil., Orthoceras striolatum H. v. Meyer, Orthoceras sp. incle- terminata, Goniatites crenistria, Pecten grandaevus, Crossopediae et Myrianites sp. (Siehe F. Römer a. a. 0.) Die Bearbeitung der fossilen Pflanzenreste ergab folgende Resultate : 1. Die fossile Flora des mäbrisch-schlesischen Dachschiefer- gebirges zählt bis jetzt 38 Arten, von denen 13 für die Flora der Die fossile Flora des mährischrschlesiseheu Dachschiefers. «Oo Vorwelt neu sind. Die Arten gehören zu den Ordnungen : Flori- deae (2), Equisetaceae (7), Sphenopterideae (3), Neuropte- rideae (4), Polypodiaceae (3), Hymenophylleae (7), Schizaea- ceae (3), Lepidodendreae (4), Noeggerathieae (2), Sigitla- rieae (1). Mit Ausnahme zweier Algenarten, von denen eine sicherlich dem Meere angehörte, finden wir sonach unter den Resten dieser fossilen Flora nur solche, welche Festlandgewächsen entsprechen. Die farnartigen Gewächse machenden grössten, die Sigillarien den geringsten Theil der Flora aus. Von den ersteren treten uns die Formen mit Sphenopteris-Nevvütion am häufigsten entgegen; die Pecopteris-F ormen fehlen. 2. Die meisten Arten (16) hat diese Flora mit der fossilen Flora der jüngsten Grauwacke Schlesiens und des Harzes, 11 Ar- ten mit der des Kohlenkalkes und eben so viele mit jener der Kulm- grau wacke des Harzes, 12 Arten mit der unteren Kohlenformation Sachsens gemein. Die Vertheilung der eigenthümlichen und gemeinsamen Arten deutet darnuf hin, dass alle genannten Floren als äquivalent einer und derselben Epoche angehören. Konnte z. B. das Fehlen von Meerespflanzen als bezeichnend gelten für die jüngste Grau- wacke, so hebt unsere fossile Flora dieses Unterscheidungsmerkmal auf. Die eine Algenart, welche sie enthält, ist nahe verwandt mit dem in der silurischen und in der devonischen Formation verbreiteten Chondrites antiquus Sternb., die zweite ist bisher nur in den Kulmschichten des Harzet' gefunden worden. Die geringe Zahl der für den Kohlenkalk und die Kulmschichten charakteri- stischen Pflanzen wird durch die vorliegende fossile Flora vermin- dert. Entschieden spricht sich aber die Notwendigkeit der Ver- einigung wenigstens der fossilen Flora der Kulmschichten mit jener der jüngsten Grauwacke durch die Thatsache aus, dass im mährisch-schlesischen Posidonomyen-Schiefer die Pflanzenreste der letzteren sogar vorwiegend auftreten. 3. Nicht sämmtliche Pflanzenformen gehören nur ausgestor- benen Geschlechtern an, wie man dies für die älteren Secundär- floren bisher angenommen. Diese Flora enthält 7 Arten, die not- wendig solcheu Gattungen zufallen, welche auch der Jetztwelt angehören. Sit/.h. d. mathem.-natui-w. Cl. 1.1. I5d. I. Abth. 14 204 C. v. Ettingshausen. Ein auf umfassende Vergleichungen basirtos Studium dt'i* fos- silen Farnkräuter, dessen Resultate ich in einem besonderen Werke J ) niederlegte, hat mich zur Überzeugung geführt, dass eine nicht geringe Anzahl von bisher den Geschlechtern Sphenopteris, Peco- pteris, Alethopteris, Neuropteris und Cyclopteris einverleibten Arten passender Geschlechtern der jetztweltlichen Flora eingereiht wer- den können. Aus der Untersuchung der in Rede stehenden fossilen Flora war es mir gegönnt, neue Belege für die Richtigkeit meiner Ansicht zu schöpfen. Eine Cyclopteris-Form , der C. tenuifolia Goepp. nahe verwandt, zeigt eine specifisehe Verwandtschaft mit Adiantum -Arten der Jetztwelt, insbesondere mit A. dolabriforme Hook. und A.argutum Presl. Eine andere Oyelopteris-Forfii, welche wie die eben Erwähnte im Dachschiefer von Altendorf in Mähren gefunden wurde, zeigt die grösste Ähnlichkeit mit jetztweltlichen Aneimia-Avten, namentlich mit der tropisch-amerikanischen A. vil- losa H u m b. et B o n p 1. Eine Sphenopteris-Fovm aus dem Dachschiefer von Mohradorf in Schlesien tragt unläugbar den Typus von Asple- nium furcatum Thunb. an sich. Schizaea transitionis Ett. aus dem Dachschiefer von Altendorf entspricht der oceanischen Seh. dicho- toma Sw. u. s, w. 4. Diese fossile Flora lieferte neuerdings Belege für die Richtigkeit der Ansicht, dass die Asterophylliten keine selbstständigen Pflanzen, sondern die beblätterten Äste von Calamiten sind. Wenn auch Geinitz und Göppert in ihren neueren Arbeiten a ) die Asterophylliten noch als selbstständige Pflanzenformen gelten Hessen, so haben diese Forscher meine Ansicht 3 ) durchaus nicht widerlegt, vielmehr sich dahin ausgesprochen, dass hierüber die Acten keineswegs geschlossen sind und die Entscheidung künftigen Funden und Beobachtungen vorbehalten bleibe. *) Die Farnkräuter der Jetztwelt, zur Untersuchung und Bestimmung' der in den Formationen der Erdrinde eingeschlossenen Überreste von vorweltlichen Arten dieser Ordnung, nach dem Flächen-Skelet bearbeitet. Wien, 18GU. 4. M. 180 Tafeln. 3 ) Geinitz, Darstellung der Flora des Hainichen-Ebersdorfer u. s. w. Kohleubas- sins. S. 35. — Göppert, Fossile Flora der permischen Formation. S. 36. ä ) Beiträge zur Flora der Vorwelt. Naturwissenschaftliche Abhandlungen, heraus- gegeben von W. Haidinger. Band IV, Ahth. 1, S. 73. Die fossile Flora des mahrisch-selilesischeii Uaehschiefeis. 205 Fu den Schichten von Altendorf fanden sich von Calamites- stämmen nur zwei Arten vor; häufig die des Calamites transitionis Goepp., sehr selten jene von C. tenuissimus Goepp. An derselben Lagerstätte kam nun ein Asterophyllit ziemlich häufig zum Vorschein, welcher nach den Merkmalen seiner Axentheile zu dem Stamme des C. transitionis vollkommen passt. Dickere Stengel dieses durch fiederspaltige Blätter sehr ausgezeichneten Asterophylliten gleichen bis auf's Haar den dünneren Stämmen oder blattlosen Asttheilen des genannten Calamites. Dasselbe gilt von einer zweiten, im Dach- schiefer von Altendorf aber sehr selten vorkommenden Asterophyl- liten-Form in Beziehung zu dem Stamme und den blattlosen Ast- theilen des Calamites tenuissimus. Im Dachschiefer von Mohradorf kommen die Stämme des Calamites communis am häufigsten vor. Mit diesen wurde auch dieselbe Asteropliylliten-Form gesammelt, welche ich in den Schich- ten der Steinkohlenformation von Radnitz in Böhmen an den Lagerstätten des erwähnten Calarniten vielfach beobachtete. Die zu Calamites transitiotiis und C. tenuissimus gehörigen Asterophyl- liten sind bei Mohradorf bis jetzt noch nicht, die Stämme nur sehr selten zum Vorschein gekommen. 5. Im Gebiete des mährisch-schlesischen Dachschiefers wurden bis jetzt 7 Fundorte von fossilen Pflanzen entdeckt. Sie sind: a. Altendorf in Mähren. Diese artenreiche Localität lieferte: Chondrites tenellus Goepp. Calamites transitionis „ — tenuissimus „ Sphenopteris elegans ßrongn. — distans S t e r n b. Neuropteris Loshii Brongn. — heterophylla Brongn. Cyclopteris Haidingeri E 1 1 i n g s h. Gymnogramme obtusiloba „ Adiantum antiquum „ Trichomanes dissectitm E 1 1 i n g s h. „ moravicum „ Trichomanites Goepperti „ — Machanekii „ Hymenophyllites quercifolius Goepp. — patentissimus E 1 1 i n g s h. Schizaea transitionis „ Aneimia Tschermakii „ Sagenaria Veltheimiana P r e s I. b. Tschirm in Mähren. Daselbst wurde gesammelt: Chondrites vermiformis E 1 1 i n gs h. Calamites transitionis Goepp. — commun is E 1 1 i n g s h. — Roemeri Goepp. — tenuissimus „ Equisetites Goepperti Ettingsh. Aneimia Tschermakii „ Schizopteris Lactuca Presl. Noeggerathia palmaeformis Goepp. 14' 20ß C. v. Ettingshausen. c. Mohradorf bei Meltsch in Schlesien. An dieser Lagerstätte fand sieh die Mehrzahl der Calamiten und Selagines. Sie lieferte: Calamites transitionis Goepp. i Lepidodendron tetragonum Sternb. — laticostatus Ettingsh. Sagenaria Veltheimiana Pres!. — communis „ — Roemeri Goepp. — tenuissimus Goepp. Sphenopteris lanceolata G u t b. Asplenium transäionis Ettingsh. Sehizopteris Lactuca P r e s 1. Trichomanites grypophyllus Goepp. — acurn inata Goepp. Megaphytum simplex „ Noeggernthia palmaeformis Goepp. Stigmaria ficoides B r o n g n. Var. ß undulata Goepp. Trigonocarpum ellipsoideum Goepp. Rhabdocarpus conchaeformis „ d. Morawitz in Schlesien. Hier fanden sich: Calamites transitionis Goepp. i Lepidodendron tetragonum Sternb. Roemeri „ Sagenaria Veltheimiana Presl. — tenuissimus „ e. Kunzendorf in Schlesien. Im Diichschiefer daselbst fanden sich his jetzt nur einige eigentümliche Farnkräuter, und zwar: Cyelopteris Haidingeri Ettingsh. I Adiantum antiquum Ettingsh. Hochstetteri „ \ Trichomanes Goepperti „ f. Schönstein südwestlich von Troppau. Daselbst wurde gesammeil : Calamites di/atatus Goepp. j Noeggerathia Rueekeriana Goepp. Lepidodendron tetragonum S ternb. g. Grätz bei Troppau. Hier wurde Calttmites transitionis und C. tenuissimus gefunden. Die fossile Flora des niährisch-schlesischen Dachschiefers. CVt Übersicht der Arten. A. Thallophyta. CLASS. ALGAE. O p d. F 1 o p i d e a e. Chondrites vermiformis Ettingsh. Ch. fronde diehotome bi- vel tripinnatim ramosa, ramis ramulisque sparsis an^ustis, gracilibus, flexuosis, elongatis, patenti- divergentibus, ramulis inaequilongis, apice obtusis vel subclavatis. Vorkommen. Daehschiefer von Tschirm in Mähren. Nächstverwandte Art. Chondrites antiquus Stern b. Chondrites tenellus Goepp. Syn. Fucoides tenellus F. A. Roemer. Verbreitung. Kulm-Schichten; Posidonoinyen-Schiefer; — Dach- schiefer von Altendorf. B. Cormophyta. CLASS. CALAMARIEAE. Ord. Equisetaceae. Calamites transitionis Goepp. Syn. a. Caules : Calamites cannaeformis F. A. Roemer. — Bornia transitionis F. A. Roemer. b. Rami foliati : Sphenophyllum dissectum Gutb. — Sph. furcatum Gein. — Calamites obliquus Goepp. Verbr. Obere devonische Formation; Kohlenkalk; Kulm-Schichten; jüngste Grauwacke des Harzes; untere Kohlenformation; — Grauwacken- sandstein von Weisskirchen, Dachschiefer von Altendorf und Tschirm in Mäh- ren und von Meltsch und Mohradorf in Schlesien. Calamites laticostatus Ettingsh. C. caule cylindrico, articulis inaequalibus subapproximatis vix contractis, costis convexis sulcisque latissimis parallelis elevato- striatis, continuis supra articulos transeuntibus. Vorkommen. Dachschiefer von Mohradorf bei Meltsch in Schlesien. <»0N C v. Ettingshauseu. Calamites communis Ettingsh. Sy n. a. Caules: Calamites cannaeformis Schloth. — C.nodosus Schloth. — C. carinatus St ernb. — C. undulatus Sternb. — C. pseudo-bambusia Art. — C. dubius Art. — C. ramosus Art. — C. paehyderma Brongn. — C. sulca- tus Goepp. — C. Bronnii Gutb. — C. varians Sternb. — C. decoratus Brongn. — C. Suckowii Brongn. — C. Steinhaueri Brongn. — C. aequalis Sternb. — C. approximatus Schlotb. — C. interruplus Schloth. — C. regularis Sternb. — C. cruciatus Sternb. — C. alternans Germ, et Kaulf. — C. ornatus Sternb. — C. elongatus Gutb. — C. Brongniarti Sternb. — C. Pelzholdti Gutb. — Tithymalites striatus Presl. b. Rami et ramuli: Asterophyllites elegans Goepp. — A. dubia Brongn. — A. tuberculata Brongn. — A. delicatula Brongn. — A. grandis Gein. — Bechera delicatula Sternb. — B. grandis Sternb. — B. ceratophylloides Sternb. — Bruckmannia tuberculata Sternb. — Myriophyllites dubius Sternb. — M. micropbyllus Sternb. c.Spicae: Volkmannia distachya Sternb. — V. arborescens Sternb. — V. elongata Sternb. — V. gracilis Sternb. Verbr. Kohlenkalk; Kulmscbichtcn; jüngste Grauwacke des Harzes und Schlesiens; untere und obere Kohlenformaüon ; — Dachschiefer von Mohradorf in Schlesien und von Tschirm in Mähren. Calamites Roemeri Goepp. Syn. Calamites Goepperti F. A. Boemer. Verbr. Kulm-Schichten; jüngste Grauwacke des Harzes und Schlesiens; untere Kohlenformation Sachsens; — Dachscliiefer von Tschirm in Mähren und von Morawitz in Schlesien. Calamites tenuissimus Goepp. Verbr. Kulmschichten, jüngste Grauwacke des Harzes und Schlesiens; — Dachschiefer von Altendorf, Tschirm, Meltsch und Morawitz. Calamites dilatatus Goepp. Verbr. Grauwackensandstein von Berndorf bei Leobschütz in Pieussisch- Schlesien; — Dachscliiefer von Schönstein in Österr. Schlesien. Equisetites tioepperli Ettingsh. E. caule cylindraceo, vaginis stcllatim patentibus dichotome mulliiiiiis, hieiniis lanceolatis, acuminatis. V o r komme ii. Dachschiefer von Tschirm in Mähren. Die fossile Flora des mähriscb-schlesischen Dachschiefers. /COc) CLASS. FILICES. Or. Syn. Cheilanthites distans Goepp. Verbr. Obere Grauwacke des Harzes; untere Kohlenformatinn Sachsens; obere Kohlenformation; — Dachschiefer von Altendorf. Sphenopteris lanceolata Gutb. Verbr. Kohlenkalk; productive Kohlenformation; — Dachschiefer von Mohradorf bei Meltsch. Ortl. Neuropteritleae. Neuropteris Loshü Brongn. Syn. Lilhosmunda minor Luid. — Gleichendes neuropteroides Goepp. — Verbr. Kohlenkalk; jüngste Grauwacke Schlesiens; obere Kohlen- formation; permische Formation; — Dachschiefer von Altendorf. Neuropteris heterophylla Brongn. Syn. Filicites heterophyllus Brongn. — Neuropteris Loshü Brongn. — N. Brongniartii Sternb. Verbr. Obere Kohlenformation; — Dachschiefer von Altendorf. Cyelopteris Haidingeri Ettingsh. C. fronde gigantea petiolala pinnata, pinnis approximatis , confertis oppositis, crassis rotundatis integerrimis sessilibus, basi subeordatis , apice obtusissimis, nervis e basi exorientibus dichotomo-furcatis, ramis elongatis, tenuissimis densissimis, mediis subrectis, lateralibus parum arcuatis, rhachi laevi vel obsolete longitudinaliter sulcata. petiolo longo, crassn, laevi. Vorkommen. Dachscliieler von Altendorf und von Kuhzeiiflorf. /&10 C. v. E t t i n g s h a u s e ii. Cyclopteris Hochstetteri Ettingsh. C. fronde petiolata, pinnata, pinnis distantibus alternis, rotundatis, integerrimis lata basi adnatis, apice obtusissimis, nervis arcuatis e basi exorientibus, dichotomo-furcatis; rhachi crassa, squamosa. Vorkommen. Dachschiefer von Kunzendorf. Ord. Polypodiaceae. tiymnograinme obtusiloba Ettingsh. Syn. Spbenopteris obtusiloba Brongn. — Cheilanthites obtusilobus Goepp. Verbr. Jüngste Granwacke Schlesiens; obere Kohlenformation; — Dachschiefer von Altendorf. Adiantam antiquum Ettingsh. A. fronde tripinnata, pinnis alternis divaricatis, oblongis, pinnulis petio- latis integris cuneiformibus apice truncato vel obtusissimo denticulatis, basiin versus in petiolum sensim angustatis; rhachi sulcata, flexuosa; nervis crebris tenuissimis flabellato-dichotomis. Vorkommen. Dachschiefer von Altendorf und Kunzendorf. Aspleniam transitionis Ettingsh. A. fronde pinnata, pinnis alternis sessilibus erecto-patentibus oblongo- cuneiformibus, inciso-lobatis vel pinnatifidis, laciniis inaequalibus, cunei- formibus truncatis saepe apice denticulatis, rhachi stricte, striata; nervatione Sphenopteridis desmoneuris, nervo primario distincto, rhachi sub angulo 30 — 40° inserto; nervis secundariis sub angulis acutissimis orientibus, dichotome furcatis, ramis approximatis parallelis. Vorkommen. Dachschiefer von Mohradorf. Trichomanes dissectum Ettingsh. Syn. Rhodea dissecta Sternb. — Sphenopteris d. Brongn. — Hymenophyllites d. Goepp. Verbr. Kohlenkalk; jüngste Grauwacke: obere Kohlenformation; — Dachschiefer von Altendorf. Trichomanes moravicuni Ettingsh. T. fronde tripinnata, pinnis alternis petiolatis, distantibus, patentibus, lineari-lanceolatis; pinnulis alternis, subsessilibus vel inferionibus breviter Die fossile Florn des iiiälirisch-selilesischen Daclischief'ers. 21 1 petiolatis, erecto-patentibus, ovatis vel rotundato-ellipticis, pinnatifidis, laci- niis cuneatis bifidis vel profunde bidentatis, Iobis linearibus acutis, rhachibus alatis. Vorkommen. Dachscbiefer von Altendorf. Tricbomanites grypopbyllus Goepp. Verbr. Kulmschichten; — Dachschiefer von Mohradorf bei Meltsch. Tricbomanites Goepperti Ettingsh. T. fronde tripinnata, pinnis alternis remotis strictis, lineari-lanceolatis vel linearibus sessilibus, pinnulis primariis alternis sessilibus ovalibus, secun- dariis minutissimis sefaceis furcatis vel dichotomis, ramis ramulisque divari- catis acufissimis, rhachibus teretibus obsolete costatis. Vorkommen. Dachschiefer von Altendorf und Kunzendorf. Tricbomanites Machanckii Ettingsh. T. fronde tripinnata, pinnis alternis distantibus, patentibus, obovatis, petiolatis, pinnulis primariis alternis erecto-patentibus petiolatis oblon^is vel lanceolatis, secundariis alternis simplicibus, bi-vel trifidis, laciniis angu- stissime linearibus apicibus haud setiformibus, obtusiusculis , rhachibus tere- tibus, striatis. Vorkommen. Dachschiefer von Altendorf. Oril. Hymenopliylleae. Hynienophyllites qnercifolins Goepp. Verbr. Untere Kohlenformation Sachsens; obere Kohlenformation Schle- siens; — Dachschiefer von Altendorf. Hynienophyllites patentissimns Ettingsh. H. fronde tripinnata, pinnis alternis distantibus patentissimis, petiolatis; pinnulis primariis alternis distantibus patentissimis petiolatis, rotundato-ovatis secundariis breviter petiolatis, inferioribus dichotome pinnatifidis, bi-trilobis vel integris; rhachibus alatis flexuosis; nervis in qualibet lacinia lobove solitariis. Vorkommen. Dachschiefer von Altendorf. 4,1 Z C. v. Ettings hausen. Ord. Schizaeaceae. Schizaea transitionis Ettingsh. Seh. fronde stipitata, flabellatim dichotome-ramosa, ramis ramulisque anguste linearibus; nervatione Hyphopteridis , nervis pritnariis dichotomis, ramulis sub angulis 45 — 60 divergentibus. Vorkommen. Dachschiefer von Altendorf. Aneiinia Tscherniakii Ettingsh. A. fronde bipinnata, oblongo-lanceolata, pinnis ovato-oblongis vel ellip- ticis obtusis alternis sessilibus, subpatentibus approximatis, pinnulis eunei- formibus vel obovatis bi-trilobis vel integris et apice rotundata crenulatis alternis, approximatis, erecto-pafentibus, inferioribus liberis, reliquis basi obliqua decurrenti-confluentibus, terminali maxima triloba, lobis emarginatis vel subincisis, rotundatis; rhachi tenuiter striata et squamulosa; nervis crebris flabellatis dichotome-furcatis. Vorkommen. Dachschiefer von Tschirm und Altendorf in Mähren. Schizopteris Lactuca Presl. Syn. Filicites lapidiformis Ger mar. — Fucoides crispus Gutb. — Aphlebia crispa Sternb. — Fucoides acutus Germar et Kaulf. — Aphlebia acuta Sternb. — A. linearis Sternb. — Verbr. Jüngste Grauwacke; obere Koblenformation: — Dachschiefer von Tschirm. CLASS. SELAGINES. Ord. Lepidodendreae. Lepidodendron tetragonnm Sternb. Syn. Palmacites quudrangulatus Schloth. — P. affinis Schloth. — Pachyphloeus tetragonus Goepp. — Aspidiaria quadrangularis Presl. — Lepidodendron quadrangulare Ung. — Aspidiaria Scblolheimiana Presl.' — Lepidodendron sexangulare Goepp. — L. hexagonum Roem. Verbr. Kulmschichten; jüngste Grauwacke des Harzes und Schlesiens ; untere Kohlenformation Sachsens; obere Kohlenformation in England: — Dachschiefer von Seibersdorf bei Sternberg, von Morawitz, von Mohradorf bei Meltsch und von Schönstein. Sagcnaria Veltheimiana P v e s 1. Syn. Sagenaria polymorpha Goepp. — Knorria fusiformis F. A. Roem. — Ijcpidodendion Vellhoiinianuni Sternb. — L. polymorphum Ung. — L. Die fossile Flora des mahrisch-suhlesischen Dachsehiefers.