w • .-. A 1 1Pgo- — Bulletin. Tome V. Nr. 3 — 8; Tome VI. Nr. 1—5; Tome VII. Nr. 1—2. St. Petersbourg, 1863 & 1864; 4°- Annalen der Chemie und Pharmacie von Wo hier, Liebig und Kopp. N. R. Band LVI., Heft 1 & 2. Leipzig und Heidelberg, 1864; 8o- Apotheker- Verein, allgem. österreichischer: Österreichische Zeit- schrift für Pharmacie. Jahrg. 1862. Wien; 8°- — Zeitschrift. 2. Jahrg. Nr. 24. Wien. 1864; 8°- — Bericht über die General-Versammlungen 1861, 1862, 1863, & 1864. W T ien, 1862 — 186i; So- Astronomische Nachrichten. Nr. 1505 — 1507. Altona, 1864; 4«- Bibliotheque Universelle et Revue Suisse: Archives des sciences physiques et naturelles. N. P. Tome XXI. Nr. 82—83. Gene*ve, Lausanne, Neuchatel, 1864; So- Bureau de ia recheiche geologique de la Suede: Carte geologique de Ia Suede accompagnee de renseigements. Livraisons 6 — 13. Folio & 8«- Comptes rendus des seances de l'Academie des Sciences. Tome LIX. Nr. 23—25. Paris, 1864; 4»- Cosmos. XIII e Annee, 25 e Volume, 24 e — 26 e . Livraisons. Paris, 1864; 8o- Gesellschaft, physikalisch- medicinische: Würzburger medici- uisclie Zeitschrift. V. Bd., 2 & 3. Heft; Würzburger natur- wissenschaftliche Zeitschrift. IV. Bd., 2. & 3. Heft; V. Bd., 1. & 2. Heft. Würzburg, 1863 & 1864; 8<>- — physikalisch-ökonomische, zu Königsberg: Schriften. V. Jahrg. 1864. I. Abtheilung. Königsberg, 1864; 4o- Gewerbe-Verein, nieder-österr. : Wochenschrift. XXVI. Jahrg. Nr. 1. Wien, 1865; 8°- Gr u nert, Job. Aug., Archiv der Mathematik und Physik. XLII. Theil. 3 & 4. Heft. Greifswald. 1864; 8»- Helmholtz, H., Die Lehre von den Tonempfindungen als physiolo- gische Grundlage für die Theorie der Musik. (Zweite Ausgabe.) Braunschweig, 1865; 8°- Institut, k. k. militärisch-geographisches, in Wien: General- karte vom südwestlichen Deutschland. (12 Blätter). Wien, 1865; Folio. lnstituto historico, geogräphico e ethnogräphico do Brasil. Revista trimensal. Tomo XXVI; Tomo XXVII, Parte 1\ Rio de Janeiro, 1863 & 1864; 8<>- Jahresbericht über die Fortschritte der Chemie von Heinrich Will. Für 1863. II. Heft. Giessen, 1864; So- Land- und forstwirtschaftliche Zeitung. XIV. Jahrg. 1864. Nr. 36. XV. Jahrg. 1865, Nr. 1. Wien; 4<>. Mittheilungen des k. k. Artillerie-Comite. Jahrg. 1864. IX. Bd., 3. Heft. Wüen; 8<>- — aus J. Perthes' geographischer Anstalt. Jahrg. 1864, X&XI. Heft. Gotha; 4°- . Mondes. 2 e Annee, Tome VI, 16 e — 18 e Livraisons. Paris, Tournai, Leipzig, 1854; 8°- Moniteur scientifique. 192° Livraison. Tome VI e , Annee 1864. • Paris; 4 0> Murchison, Sir Roderik J. , On the relative Powers of Glaciers and floating Icebergs in modifying the Surface of the Earth. (From the Address of the President of the Royal Geograph. Society. May 23, 1864.) London, 1864; 8<" Museum Francisco-Carolinum: 24. Bericht. Linz, 1864; 8<>- Observatoire physique central de Russie: Annales. Annees, 1860 & 1861. St. Petersbourg, 1863 & 1864; 4<>. — Corre- spondance meteorologique. Annees 1861 & 1862. St. Peters- bourg, 1863 & 1864; 4°* — Compte-rendu annuel. Annees, 1861—1863. St. Petersbourg, 1862—1864; 4<>- Reader. Nr. 103—105, Vol. IV. London, 1864; Folio. San na Solaro, J. M., Memoire sur le premier bassin de Dinotherium decouvert dans le departement de la Haute-Garonne. Toulouse, 1864; 8o- Society, the Royal, of London : Proceedings. Vol. XIII. Nr. 65—67. London, 1864; 8°- — theAsiatic, of Bengal : Journal Nr. 2, 1864. Calcutta; 8°- Society, the Royal Geographieal: Journal. Vol. XXXIII. 1863. London; 8<>- — Proceedings. Vol. VIII, Nr. 5. London 1864; 8«- — the Chemical: Journal. Ser. 2, Vol. II. July, August. September 1864. London; So- Strauch, G. W., Praktische Anwendungen iür die Integration der totalen und partialen Differentialgleichungen. I. Band. Braun- schweig, 1865; 8° Verein, siebenbürgischer, für Beförderung der nationalen Literatur und Cultur des romanischen Volkes: Jahrbuch. 1862. Hermann- stadt; 8». Wiener medizin. Wochenschrift. XIV. Jahrg. Nr. 51 — 53; XV. Jahrg. Nr. 1. Wien, 1864 & 1865; 4<>- Wochen-Blatt der k. k. steierm. Landwirtbschafts-Gesellschaft. XIV. Jahrg. Nr. 4. Gratz, 1864; 4<>- Zeitschrift für Chemie und Pharmacie von 'Erlenmeyer. VII. Jahrg. Nr. 20—22. Heidelberg, 1864: 8«- Boue. Bibliographie der künstlichen Mineralienerzeugung. 7 Bibliographie der künstlichen Mineralienerzeugung. Methodisch-chronologisch zusammengestellt von dem w. M. Dr. Ami Bon L (Vorgelegt in der Sitzung am 20. October 1864.) „Non fingendum aut excogitandum, sed experiendum quid natura faciat aut ferat", schrieb einst ßaco n und er hatte ganz recht, indem er auf die reichsten echt philosophischen Quellen des Wissens für die Geogenie und Geologie hinwies. Chemie und Physik sind für jene Lehren, was Mathematik für Astronomie ewig bleibt; beide Classen von Wissenschaften können zu einer Fülle von Resultaten führen. Der Fachgelehrte allein muss unter diesen diejenigen zu wählen verstehen, welche sich in der Natur wieder finden, indem er zugleich zu erkennen gibt, warum eine Anzahl anderer dieser letz- teren Kategorie fremd bleibt und ewig fremd bleiben wird. Dieser Gedanke führte mich zur Bearbeitung der hier beige- legten Bibliographie der künstlichen Erzeugung von Mineralien, zu dessen Aufzählung ich erstlich das Allgemeine von dem Detail absonderte und dann chronologisch meine Citate ordnete, um eine förmliche Geschichte jenes höchst interessanten Theiles der Geologie zu bekommen. Geognosten so wie Chemikern und Physikern dachte ich damit einen Dienst zu leisten. Doch wohl bemerkt, habe ich mich auf die reelle Erzeugung von Mineralien fast beschränken müssen, indem ich nur einige Beobachtungen der Art dazu gefügt habe, welche die Natur selbst auf das deutlichste in Berg- werken oder sonst anderswo bewerkstelligt. Alle theoretischen An- sichten über die Bildung der Mineralien, selbst die durch die Chemie bestätigten, blieben ausser meiner Lese. Die künstliche Erzeugung von Mineralien ist fast nur ein Pro- duet der wissenschaftlichen Thätigkeit unseres Jahrhunderts. Unter 791 Werken, Abhandlungen oder Notizen gehören nur SS dem ver- flossenen, indem die ältesten Schriften der Art nur bis 1721 und 1729 zurückgehen, und noch dazu die meisten nur während den ö B o u e. zwei letzten Deeennien des vorigen Jahrhundert herausgegeben wurden, namentlich vom Jahre 1780 bis 1789 29 und von 1790 bis 1799 10, indem von 1740 bis 1749 nur 2, von 1750 bis 1759 nur 3, von 1760 bis 1769 nur 2 und von 1770 bis 1779 nur 7 erschienen. Dazu kommt noch die Bemerkung, dass diese Versuche theilweise nur gelangen und meistenteils nur auf dem trockenen Weg zu Stande kamen, die anderen waren fast alle misslungen. Anfangs unseres Jahrhunderts wendeten Gelehrte schon mehr Auf- merksamkeit diesem Gegenstande, oder besser gesagt, die Fort- schritte der neueren Chemie erlaubten schon solche Untersuchungen in einer gründlichen Form. Die Zahl der Abhandlungen wuchs von Decennium zu Decennium. Wenn es in dem ersten Decennium 21 gegeben hatte, so zählte man deren 41 im zweiten, aber besonders nach dem allgemeinen Frieden Europas im Jahre 1815 wuchs so- gleich diese Zahl für das dritte Decennium auf 109. In den Jahren 1830 bis 1839 kamen 114 heraus, in den Jahren 1840 bis 1849 179, in den Jahren 1850 bis 1859 265 und seit 1860 zähle ich deren schon 67. Was die Werke über die künstliche Erzeugung der Mineralien betrifft, so gab es bis jetzt fast gar keine, welche den Gegenstand auf allen Seiten beleuchtete, wenn nicht Bischofs chemisch- physikalische Geologie als Ausnahme gelten sollte. Doch für beson- dere Arten der Erzeugung, wie vorzüglich für diejenige auf dem trockenen oder feurigen Wege, kennt man bis jetzt einige wenige, unter welchen die von Hausmann, Koch, Leonhard, Gurlt und Manross den ersten Rang einnehmen, indem unter den Abhandlungen besonders die Mitscherlich's, Gaudin's, Ebel- men's, Sainte-CIaireDevil le's, Fournet's u. s.w. ausgezeichnet sind. Unter den anderen Erzeugungsmelhoden sind nur mehr oder weniger ausgedehnte Denkschriften vorhanden, unter welchen für die Verfahrungsweise auf dem nassen Wege man vorzüglich die von Fuchs, K n hl mann, G. Bischof, Becquerel, H. Rose, B. Damour, Senarmont, Daubree und Delesse hervor- heben kann. Über elektrochemische Erzeugung hat bekanntlich Becquerel das Vorzüglichste geliefert, Ritter war der erste auf dieser Bahn, ihm folgten John Davy, Crosse, Fox, Schoenbein, Pail- lette, Hunt u. s. w. Bibliographie der künstlichen Mineral ienerzeugung'. 9 Meine Bibliographie fängt mit einer* allgemeinen Aufzahlung der Werke und Abhandlungen über künstliche Erzeugung der Pro- ducte des Mineralreiches in der Zahl von 57 an. Dann kommen an die Reihe: 1. die besondere Erzeugung auf nassem Wege 38 Citate, namentlich die eigentlichen 15 Citate, die mittelst Hitze und Druck, 16 Citate; unter letzteren 7 für Bildungen im Dampf- kessel. In diesem Fache begegnen wir natürlich mehreren Namen unserer berühmtesten Chemiker, wie Berzelius, Wohle r, Bunsen u. s. w. ; 2. die besondere elektrochemische Erzeugung, mit 33 Nummern, unter welchen 13 dem Herrn Becquerel allein gehören; 3. die besondere Erzeugung auf trockenem Wege mit 117 Citate, namentlich für eigentlich solche Erzeugung mittelst Sublimation u. s. w. 45, durch Feuerbrünste 5, langwierige Hitze 7, Abkühlung 7, Entglasung 15, Krystalle im Glase 9, Hitze sammt Druck 9, prismatische Sandsteine 12, andere Veränderungen 3, Druck, Ziehung, Percussion, Vibration, Oscillation, Berührung 6. In dieser Aufzählung prangen für den Anfang dieses Jahrhunderts die Namen Sir James Hall, Watt, d'Artigues, de Dree, Fleu- riau de Bellevue, später die von Per kins, Cagniard de la Tour, Sorby u. s. w., welche so wichtige Thatsachen besonders für die Bildung feuriger Gesteine lieferten. Weiter folgen die Referate über alles, was die Krystall- bildung betrifft, in der Zahl von 68, namentlich Für das langsame Krystallisiren 2, Krystallisation durch Austrocknung 2, Formen- her vorbringung 24, Erzeugung grosser Krystalle 4, Erzeugung der Veränderungen in den Winkeln der Krystalle 3, Hervorbringung von Formenveränderungen 3, verschiedene Formen für dieselben chemi- schen Verbindungen 7, Erzeugung secundärer Flächen in Krystallen 9, treppenförmige Krystalle 1, Hemitropien 2, Isomorphismus 2, Episomorpliie 1, Pseudoinorphosen 2. In jenem Theile glänzen die Namen Mitscher lieh, Rose (Gust), Fra nkenheim , Hausmann, Rammeisberg, Noeg- gerath, Carnall, Scheerer, K. v. Hauer, Marbach, Reich; neben denen von Leblanc, Lavalle, Bertliier, Nikles, Gaudin, Payen, Kuh! mann, Pa stein* und D uro eher. Die 10 B o u e. Untersuchungen auf diesem Felde erstrecken sich schon zurück bis in das vorige Jahrhundert. Den Eigentümlichkeiten der Krystalle und Mineralien sind 22 Citate gewidmet, namentlich für Efflorescenz 4, für Verwitterung 2, für colorirte Ringe 3, für blaue Färbung 3, für Irisation 5, für Asterismus 1, für Löcher in Krystallen und Drüsen 3, für schaal- förmige und oolithisehe Bildung 2. Endlich folgt die alphabetische Aufzählung von unge- fähr 260 künstlich erzeugten Mineralien, mit den kurz- möglichsten Andeutungen über die Erzeugung derselben, wohl aber nur !ür Fachmänner verständlich. Dieses Capitel enthält 456 bis 500 Citate, obgleich die Zahl der eigentlichen Abhandlungen kleiner ist, da in einer manchmal über mehrere Mineralien gesprochen wird. Eine eigene Abtheilung für die Analysen der künstlich erzeugten Mineralien enthält 109 Referate, welche noch zahl- reicher hätten werden können, wenn man die Schlackenanalysen dazu genommen hätte. Das Ende dieser Arbeit bildet die künstliche Erzeugung der Gebirgsarten mit 100 Referate, namentlich für F-elsarteu 58 Citate, für Erzlager und Gänge 6, für Verwitterung der Felsarten 2, für Gebirgsartenstructur 5 Referate, für Gerolle und Felsen- schrammen 4 Citate, für thierische Petriiicirung durch Kalk und Kieselerde 4 Citate, für diejenigen der Pflanzen 3 Referate und für die Bildung der Braun- und Schwarzkohle 14 Citate sammt dem Torfe und die Erdharze mit 3 Citaten. In diesem Theile finden wir besonders die Namen von D a u b r e e, Hausmann, H. Rose, Du roch er, Dechen, Sainte-Claire, Deville; für Erzgänge die Becquerel's und Cotta's; für Petri- ficirung die Ehrenberg's; für Pflanzenpetrificiruug die Goep- pert's und Morris und für die Braun- und Schwarzkohlenerzeu- gung die von Goeppert, Fournet, Macculloch u. s. w. Wenn man sich die Frage stellt, welche Menschenrace in diesem Fache am meisten geleistet hat, so muss man den Franzosen und ganz besonders der Pariser Schule die Palme lassen. Nicht nur haben sie manches Mineral wieder erzeugt, sondern auch diese Erzeugung auf den drei verschiedenen Hauptwegen versucht. Nach ihnen kommen unstreitig, nicht sowohl die Germanen als besonders die Deutschen, welche vorzüglich viele Beobachtungen auf dem Bibliographie der künstlichen Mineralienerzeugnng. 1 1 trockenen und selbst nassen Wege wegen ihren zahlreichen Hütten- und Hochöfen machen konnten. Norddeutsche waren in dieser Hin- sicht fleissiger als Süddeutsche, besonders als Bayern und Öster- reicher. Die Anerkennung einer Zurücksetzung der Deutschen gegen die Franzosen in diesem Fache kann diesen Stamm nur in der Achtung der wissenschaftlichen Welt erheben, denn da die Deutschen die Franzmänner in anderen Fächern anerkannter Weise überragen, wie z. B. in der Meteorologie, vorzüglich die Berliner Schule, in der Physiologie u. s. w. In Allem die ersten sein wollen, das ist eine eitle Schwäche, welche man wohl anderen Bacen überlassen kann. Unter den anderen Germauen wurde nur Einzelnes geliefert; die Schweden, so wie die deutschen Schweizer uud auch die Belgier, Anglo- sachsen blieben in diesem Fache gegen Deutsche und Franzosen zurück, obgleich sie in einzelnen Abtheilungen besonders für Resul- tate im trockenen Wege und über diejenigen der Hitze sammt Druck, manche schätzbare Erfahrung der Wissenschaft erworben haben. Die Nordam'erikan er, die Italiener und Spanier sind die Racen, welche am wenigsten in diesem Fache productiv waren. \ Z B o u e. Bibliographie der künstlich, erzeugten Mineralien im Allgemeinen. Artein experientia feci Exemplo monstrante viam. Manilius. Diss. physica I de natura artificiosa in producendis et formandis lapidibus quam preside Ern. Godofr. Christ. Schroedero in almo Leucorea die Oct. 1759 placidae eruditor. disquisitione subjecit M. Christ. Gottl. Git- lingius Wittemberg 1759 auch 1761 4<>. — Hamb. Mag. 1761, Bd. 25, Th. 5, S. 479—502. Beckmann (Joh.), Ermahnungen an die Akademien, um Versuche längerer Dauer über die Wirkung der Luft, des Wassers, der unterirdischen Dünste, der vulcanischen Hitze und der Thermalwässer auf verschiedene Mineral- gattungen anstellen zu lassen. Seine physikalische Bibliothek. 1777, Bd. 8. S. 85. Achard, Versuch zur Darstellung von Späth und Quarzkrystallen. — Bozier's Obs. s. la Phys. 1780. Bd. 15, S. 407—432. (Siehe Buchholz weiter unten). Grignon, Einige durch Feuer gewonnene Krystallisationen (Eisen, Messing u. s. w.) Mem. de phys. sur l'art de fabriquer le fer u. s. w. d. 1775, S. 475. Saussure (Horace de), L'action de la nature est dans les memes circonstances la meme que celle de l'art et comment pourroit-on supposer le contraire? Les loix generales du monde physique n'agissent-elles pas dans nos labora- taires de la meme maniere que dans les Souterrains des montagnes. Voyage dans les Alpes 1780. §. 730. Lena (Innoc. della), Disingano delli errori presi e publicati da un Anonimo sul foglio d'intelligenza della Gazetta generale di letteratura che vi stampo in Berlino e che ha eorso in molte altre citta d'Alemagna. Dresden 1795. 8. (40 S.) Allg. Lit. Zeit. 1793. N. 318, S. 431. (Gegen der Behauptung der Steine, Marmor u. s. w. Erzeugung). Leonardo da Vinci, Dobbiamo cominciare dall' esperienza e per mezzo di questa scoprirne le ragione. Queste e il methodo da osservarsi nella ricerca de fenomeni della natura. Essai s. les ouvres physico-math. de L. da Vinci durch Venturi 1797, S. 31 und Mein, storiche su la vita di L. d. V. v. Amoretti. Mailand 1804. S. 143. Pissis, Über Incrustationen der Rauchfiinge in Antimon-Schmelzöfen. Gehlen's N. allg. J. d. Chem. 1807. Bd. 3, H. 3, S. 328. Leblanc, Cristallotechnie, künstl. Kryslallerzeugung (Alaun, geschwefeltes Kupfer und Eisen). De la Metherie's .1. d. Phys. 1802. Bd. 54, S. 50; Bd. 55, S. 300—314. - Bull. soc. Philomat. P. A. IX. S. II. Bibliographie der künstlichen Mineralienerzeugung'. 1 »> Muthuon (J.), Decouverte de la nianiere dont se forment les crist. pierreux metalliq. non salins et de donner lieu a leur formation au moyen d'un appa- reil artificiel. Lyon 1815. 8. Isis 1818. Hft. 7, S. 1156. Hausmann (J. F. L.), Nützlichkeit der metallurgischen Beobachtungen für die geogenetischen Studien. Götting. gel. Anz. 10. Febr. 1816 Nr. SO, Sehweigger's N. Jahrb. für Chemie und Physik. 1817. Bd. 19, S. 221-228. — Leonhard's Taschenb. für Mineralogie. 1817. Bd. 11, Th. 2, S. 539 bis 565. — Bibl. univ. Geneve. Bd. 17, S. 134—141. — Interessant. Prisma- tisch gewordener, durch Eisen gefärbter, verglasster, geschmolzener Sandstein in Hochöfen, Kalkstein mit seinem kohlensaurem Gehalt u. s. w. — Specimen crystallographiae metallurgiae. Gotting. k. Ges. d. Wissensch. 17. Mai 1817. — Götting. gel. Anz. 1817. Nr. 101 und 102. — Comment. Soc. Goetting. f. 1816-1818. Bd. 4, S. 59—88. — Separat 1819 und auch 1820 in 4. Leonh. Taschenb. für Min. 1818, Bd. 12, Th. 2, S. 506-517. — Schweigg. Jahrb. für Chcm. und Phys. 1819, Bd. 25, S. 201-211. — Moll's Jahrb. d. B. u. H. 1821, Bd. 4, S. 307—315. - Edir.b. phil. J. 1821, Bd. 5, S. 155-164, 344—351. (Metallisch Krystall. von Eisen, Kupfer, Messing, arsenikh. Nickel, geschwefelt. Kupfer, Blei, Antimon, Zink- und Kupferoxyde, Arseniate, Graphit u. s. w.) Mitscherlich (E.), Künstliche Erzeugung der Mineralien nach ihrer Zusammen- setzung. Abh. d. k. Ak. d. Wiss. zu Berlin f. 1822—1823. Phys. Cl. 1825, Bd. 9, (N. F. Bd. 7), S. 24—41 (3 Th. seiner Abh. üb. d. Form, Verhalten u. ehem. Proport. d. Krystalle). — Gilb. Ann. Phys. 1823, Bd. 73. — Ann. de Chimie. P. 1823, Bd. 24, S. 355—376. — Ann. d. Mines 1824, Bd. 9, S. 176— 181. — Berzelius, Jahresber. deutsch. Üb. 1825, Bd. 4, S. 140. — Zeitschr. f. Min. 1826, Bd. 1, S. 74. — Ann. of Philos. 1824, Bd. 8, S. 467. — Edinb. J. of sc. 1824, Bd. 1, S. 375; 1825, Bd. 2, S. 129. — Boston, J. of Philos. 1825, Bd. 2, S. 393. — Giorn. di fisica Pav. 1824, 2. Dec. Bd. 7, bim. 2. Th. 1. - Antologia Florence, 1824, Bd. 15, Th. 2, S. 188. Höchst interessant. 40 Proben, Glimmer, Eisen Silicate, Bi- und Trisilicate u. s. w. Wirkung d. ehemalig. Druckes durch das Meer, der Gazarten u. s. w. Koch (Friede.) , Beitrage zur Kenntniss krystallinischer Hüttenproducte. Göt- tinnen 1823, 8°, 2 Taf. Ann. d. Min. 1824, Bd. 9, S. 393. — Ferussac's Bull. univ. 1824, Bd. 1, S. 129. - Edinb. phil. J. 1824, Bd. 11 , S. 250 bis 255. (Schwarz. Eisenoxyd, Eisenoxydul, Zinkoxyd, Galnu-i, Chlornatron, kieselige Emaillen). Hollunder, Künstl. Min. in Eisen- und Zinkhütten Oberschlesiens und Polens (metallisch. Titaneisen u. s. w.) — Kastner's Arch. f. ges. Naturk. 1827, Bd. 12, S. 385—392. Hunefeld und Picht, Bügen's metallische Denkmäler der Vorzeit, vorzugsweise chemisch bearbeitet. Leipzig, 1827. Bredsdorf (J. H.), Slagelse Mineralgeskie Bidrag. Kopenhag. 1832, 8°. Miller (W. H.), Krystalle in Schlacken (dem Olivin nahe), Trans, phil. Soc. Cambridge 1830, Bd. 3, Th. 3, S. 417. 14 B o u e. Draper (John WV), Chem. Untersuch, d. Medaill. u. Münzen, Americ. J. of Sc. 1835, Bd. 29, S. 157—160. - Bibl. univ. Geneve 1836, N. R. Bd. 1, S. 370—374. Hausmann (J. F. L.) , Commentat. de usu experientiar. metallurgicar. ad dis- quisitiones geologicas adjuvandas. Gotting. gel. Anz. 1836 (37 S.) , 1837, N. 6—9, S. 50—87, — Commentat. Soc. reg. sc. Gotting. f. 1832—1837, Bd. 8, S. 137—170, separat 1838, 4. — Leonh. N. Jahrb. f. Min. 1837, S. 574—594. — Bull. Soc. geol. Tr. 1836, Bd. 8, S. 181 — 185. — Edinb. n. phil. 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Min. 1818, Bd. 12, S. 250— 264; 1821, Th. 1, S 270 bis 285. — Isis 1818, S. 408. - Giornal di fisica, Pavia 1818, 2. Decad. Bd. 1, Bim. 4, Th. 2, art. 2. — Giornale arcadico di Roma 1819, Bd. 1, fasc. 1, art. 5; fasc. 2, art. 11 ; fasc. 3, art. 9. - Quart J. of Sc. C. 1819, Bd. 6, S. 117—131. Mitscherlich (E.), K. Vetesk. Sv. Acad. Handl. 1821, Th. 1, S. 4— ff9. - J. de Phys. 1821, Bd. 92, S. 70—72. - Ann. de Chim. et Phys. 1820, Bd. 14, S. 172; 1821, Bd. 19, S. 145; 1822, Bd. 19, S. 350, 378 u. 415; 1823, Bd. 24, S. 264, 355. — Abh. k. Ak. Wiss. Berl. f. 1820-1821, 1822, S. 24 bis 41; f. 1822-1823, 1825, S. 25. — Zeitsch. f. Min. 1825, Bd. 2, S. 519. • — Quart J. of Sc. L. 1823, Bd. 14, S. 198 u. 415. — Giornale di fisica Pavia 1822, Dec. 2, Bd. 5, S. 315-319. — Antologia Fl. 1824 Bd. 15, Th. 3, S. 168. - Ann. de Chim. et Phys. 1828, Bd. 38, S. 54. — Pogg. Ann. Phys. 1828, Bd. 12, S. 137 — 146. — Ferussacs Bull. 1829, Bd. 16, S. 220 — 222. - Ann. d. Min. 1S29, 2. R., Bd. 5, S. 147 — 152. - Pogg. Ann. Phys. 1836, Bd. 39, S. 401. - LInstitut 1836, N. 170. - Ann d, Mines. 1837, 2. R. Bd. 12, S. 235. - Bibl. univ. Geneve 1836, Bd. 73. S. 384. — Ann. de Chim. et Phys. 1840, Bd. 73, S. 384. - Ann. d. Min. 1841, 3. R., Bd. 19, S. 403 — 417. — Ann. d. Chem. u. Pharmac 1841, Bd. 38, S. 173 — 185. Noch andere theoretisch oder ohne chemische Ex- perimente gemacht zu haben. Langsame Krystallisirung als gegenseitige Wirkung des Dichten und Flüssigen. Lavalle, Bull. Soc. geol. Fr. 1851, Bd. 8, S. 610 — 613. — L'Institut 1852, S. 41—42 unter der gewöhnlichen Temperatur. — C. R. Ac. d. Sc. P. 1853, Bd. 36, S. 493—495. — L'Institut 1853, S. 90. — N. Jahrb. f. Min. 1853, S. 470—473. Mace (E.), L'Institut 1853, S. 156. - Erdm. J. f. prakt. Chem. 1853, Bd. 54- N. F. Bd. 8, S. 367. Kuhlmann, Krystallisation amorpher Körper durch langdauernde Austrocknung. 1856. (Siehe Erz. a. d. nassem Wege.) De Launay, Krystallisation amorpher Körper durch Zusammenziehung. Mem. 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AI Ig- Zeit. 1847 Juli, N. 199, S. 1590. - Breslauer Jahresber. 1847. (Vide supra.) Kaidinger, Dasselbe mit Addenda. Mitth. d. Fr. d. Naturwiss. in Wien 1847, Bd. 3, S. 116-118. Hohle und Bitumen. Hatchett (Ch.), Versuche. Lond. phil. Trans. 1805 u. 1806, Th. 2, S. 109-146. — Phil. Mag. 1805, Bd. 23, S. 123—182; Bd. 27, S. 64—76 u. 99. - Gehlen's J. f. Chem. u. Phys. 1806, Bd. 1, S. 545-613. Unter Druck und mit Hitze. Macculloch (Dr. John), Lond. geol. Soc. 1812 1. Mai. — Trans, geol. Soc. L. 1814, Bd. 2, S. 1—28. — Gilbert's Ann. Phys. 1813, Bd. 43, S. 336-339. ^ Bibl. brit. Geneve 1812, Bd. 51, S. 184—189. Hutton (W.), Kohle unter dein Mikroskope. Proceed. geol. Soc. Lond. 1833, Bd. 1, S. 415-417. - Phil. Mag. 1833, Bd. 2, S. 302. — N. Jahrb. f. Min. 1833, S. 622. - N. Archiv f. Min. 1837, Bd. 7, S. 234-236. Beudant, Pflanzen unter »rosser Hitze (180—200 C.) und einem ziemlich geringen Druck. Riviere's, Ann. Sc. geol. 1842, S. 420 adnol. und seine Mineralogie 1844, S. 210. Goeppert, Karsten's N. Archiv f. Min. 1844, Bd. 18, S. 529—531. - N. Jahrb. f. Min. 1844, S. 836; 1847, S. 109; 1848, S. 726-729. - Übers. Arbeit Schles. Ges. f. vat. Cult. 1847, S. 46—53. -- Brit. Assoc. 1846. — L'lnstitut 1846, S. 377. - Bibl. univ. Geneve 1846, Bd. 3, S. 283—284. — Americ. J. of Sc. 1847, Bd. 3, S. 118. — Erdm. J. f. prakt. Chem. 1847, Bd. 42, S. 56. — Quart. J. geol. Soc. L. 1850, Bd. 6, Ausz. S. 33 bis 34. - Natuurk. Verh. v. d. Holland. Meatsch. de Wet. te Haarlem, 2. F. 1848, Bd. 4, S. I— XVIII u. S. 1—300, 23 Taf. (Auch Düsseldorf.) — C. R. Ac. P. 1849. — Pogg. Ann. Phys. 1852, Bd. 86, S. 482-484. — Übers. Arbeit Schles. Ges. f. vaterl. Cult. f. 1852; 1853, S. 39-40. — Berg- u. Hüttenm. Zeit. 1852, S. 852-854. Senarmont, C. R. Ac. d. Sc. P. 1849. Ulustrated Invenlor 1821 N. 13-21, S. 282. Fournet, Holz im verschlossenen Cylinde'r wie Cagniard Latour. Bull. geol. Soc. Fr. 1849; N. S. Bd. 6, S. 459. Barouilhet, C. R. Ac. d. Sc. P. 1858, Bd. 46, S. 376. - Geologist 1858, Bd. 1, S. 202—203, 243. Retinasphalt. Hatchett (Ch.), Lond. phil. Trans. 1804, Th. 2, S. 385. - J. d. Min. 1806, Bd. 20, S. 327—346 u. Bd. 21, S. 147—148. - Bibl! Brit. Geneve 1806, Bd. 31, S. 201. — Moll's N. Jahrb. .1. Berg- u. Hüttenk. 1809, Bd. 1, S. 462. - Nuova Scelta d'opusculi. Mailand 1804, Bd. 2, S. 57—62. S'ossilrs llar/>. Tecorelin, Phyllorelin, Xyloretin und Boloretin ähnlich. Terpentinöl in einer isomcrischeh' Verbindung in den dänischen^ ehemals mit Tannen bedeckten Torfmooren. Forchhammer, Vesrh.d. Vers. Skandinav. Bibliographie der künstlichen Mineralienerzeugung'. 73 Naturforsch. 1840. — Ann. d. Ohem. u. Pharm. 1842, Bd. 41, 'S. 39 bis 48. — L'Institut 1842, S. 217. — Ann. d. Min. 1842, 4. F. Bd. 2, S. 413 bis 415. — Quesneville! Bev. Scientif. 1840, Bd. 8, S. 332. — N. Jahrb. f. Min. 1843, S. 216—218. Bitumen . Naphta. Wilson (G.) , Erica oder Moossaameu haben im Torf- moore Bitumen erzeugt, aus welchen man Kerzen macht. Geologist 181)8, Bd. 1, S. 209. Hugienet (Isid.), Asphaltes und Naphtes. 2. Aufl. P. 1852, 8. Veisehiedene Arten Torfs. Zahlreiche Bibliographie. Grisebach, GöUing. Studien. 1845, Bd. 1, Th. 1. — N. Jahrb. f. Min. 1846, S. 744-746 u. s. w. A D D E N D A. Völlner (Christ.), Versch. fundamental. Krystallformen eines selben Salzes durth Verschiedenheiten in der Solution veranstalt. Kastner's Arch. f. Naturl. 1825, Bd. 6, S. 364. 374, Fer. Bull. 1826, Bd. 9, S. 392. Sainte-Clfiire Deville. Über Debray's Ab. über Isodimorphismus der Arsenik- u. Arfimonsäure, Erzeug, d. prismatisch. Arseniksäure. C. B. Ac. d. Sc. P. 18?4, Bd. 59, S. 98—101. Fournet («.), Spheroidische Glaskugel, mit einendige strahlförmige Structur a. e. Mittelpunkt ausgehend zu St. Berain, Ann. Sc. phys. et nat. Soe. d'agrit. de Lyon 1841. Sainte-Clairt Deville (Ch.), ßarytearbonat erzeugt durch Barytwasser an der Luft abgesetzt. C. B. Ac. Sc. P. 1864. Bd. 59, S. 101 adnotat. 74 Reichard t. Aecidium Anisotomes, ein neuer Brandpilz. Beschrieben von Dr. H. W. Reich ar dt, Privatdocenten für Botanik an der Wiener Universität. (Mit i Tafel.) Vor Kurzem gelangte an das kaiserl. botanische Museum eine Sammlung von Pflanzen aus Neu -Seeland, welche Herr Dr. Julius Haast im Jahre 1863 auf einer Reise nach den südlichen i?lpen an der Westküste dieser Insel gesammelt hat. Sie enthält eine Menge der interessantesten Formen, *on denen viele noch unbeschrieben sind. Professor Hook er in Lmdon hat sich die Bearbeitung der Phanerogamen reservirt und vir dürfen nächstens interessanten Berichten über diesen Gegenstand entgegen- sehen. Auf einer der Umbelliferen dieser Sendung, auf Anisotome geniculata Hook. fil. *) (Peucedanum geniculatum Font. 2 ), Bow- lesiagetüculata Sprengel) 3 ), fand sich ein sehr interessanter Brand- pilz, welchen mein hochverehrter Lehrer, Herr Directn* und Pro- fessor Dr. Eduard Fen zl, so freundlich war, mir zur näteren Unter- suchung zu überlassen. Es zeigte sich, dass dieser Pilz n die Reihe jener Gebilde gehört, welche man bisher unter der Grttung Aeci- dium zusammenfasste, dass er ferner noch unbeschriebai ist. Aus der Classe der Brandpilze sind aus Deutschland alein mehrere hundert Arten bekannt; ihre Repräsentanten erscheinen über die ganze Erde verbreitet; die Inseln der Südsee, namentlih Neu-See- land, beherbergen eine sehr reiche Flora von Algen, Flehten. Moo- sen und Farnen. Man ist daher berechtigt, auch aus dt* Classe der Brandpilze aus Neu-Seeland eine sehr reiche Ausbeutecu erwarten. Geht man die betreffende Literatur durch, so zeigt srh, dass die i) Flora Novae Zeelandiae I, p. 90, T. 20. : ) Flora iusularum auslralium p. 22, Nr. 136. 3 ) Species Umbellifcratum p. 14. Aecidium Anisolomes, ein neuer Brandpilz 75 Menge des bekannten Materiales eine verschwindend geringe ist; denn Berkeley führt in seiner Bearbeitung der Pilze für die von Pr. Ho oker herausgegebenen Werke, nämlich die Flora antarctica, die Flora Novae Zeelandiae und die Flora Tasmanien, nicht viel mehr als ein Dutzend Arten auf. von welchen auf das Genus Aeci- dium fünf entfallen. Bei dieser geringen Zahl von Formen, welche aus jenen Gegenden beschrieben wurden, muss eine jede, wenn auch noch so geringe Erweiterung unserer Kenntnisse in dieser Bichtung erwünscht erscheinen. Ich habe mich daher entschlossen, die Beschreibung der vor- liegenden neuen Art zu veröffentlichen, obwohl mir die Gründe keineswegs unbekannt sind, welche gegen das isolirte Publiciren von neuen Species sprechen, obwohl es namentlicli bei den Brandpilzen gegenwärtig ganz besonders gewagt erscheint, mit der Beschreibung einer neuen Art hervorzutreten. Denn bei dem schwankenden Zu- stande, in welchem sich unsere Kenntnisse von diesen Gewächsen gegenwärtig befinden, ist es nach den neueren morphologischen Untersuchungen mehr als wahrscheinlich, dass viele Formen, welche man bisher für selbstständige Gebilde hielt, nur Entwickelungsstadien eines und desselben Pilzes darstellen und man setzt sich bei der Auf- stellung einer neuen Species immer der Gefahr' aus, anstatt eines selbstständigen Organismus nur ein bestimmtes Glied aus dem ganzen Entwickelungscyklus zu beschreiben. Weil jedoch dieser genetische Zusammenhang erst einzelnen der hei uns einheimischen Arten beobachtet wurde, weil er bei den aussereuropäischen Formen noch gänzlich uibekannt ist, weil sich endlich, wie später ausführlicher auseinandergesetzt werden soll, namentlich die neuseeländischen Brandpilze in dieser Bichtung eigentümlich zu verhalten scheinen; i,o glaube ich, dass es vor der Hand bei den exotischen Arten, wo das Materiale so spärlich zufliesst, noch die Aufgabe der Mycologen sein muss, sämmtliche bekannt werdende 1 neue Formen zu beschrei- ben, auch wenn es nicht möglich war, ihren genetischen Zusam- menhang zu beobachten. Ein solcher Aufsatz hat dann immer noch den Werth, auf eine noch unbeschriebene Form aufmerksam gemacht zuhaben; neileicht gelingt es späteren Forschern, welchen Gelegen- heit geboten ist, Beobachtungen in der Natur zu machen, auch bei dem vorliegenden Pilze die vollständige Entwicklungsgeschichte zu beobachten, 76 Reichard t. Aecidiam Anisotomes n. sp. Peridiola in caulibus, pedunculis fructibusque (nunquam in foliisj subseriatium disposita, rarius irregulariter conferta, pal- lide flavescentia , tnbidosa vel subinfundibuliformia, e cellulis polyedris pachydermis constrncta , margine irregidariter crenu- lato, integro vel in lobos breves obtusos producta; stylosporae concutenatae , parvae, y i00 — 1 / 120 lin. magnae , subglobosae, pallide aurantiacae , laeves; spermogonia et sporne nondum ob- servatae. Habitat in caulibus, pedunculis et fructibus Anisotomes geni- culatae Hook. fil. ad lacum Wandka Novae Zeelandiae , ubi legit cl. Dr. Julius Haast mense Junio anni 1863. Das Mycelium dieser Art findet sich in den Intercellularräumen zwischen den einzelnen Zellen des Rindenparenchymes im Stengel, in den Dolden- und Blüthenstielen , so wie in den Früchten. Es bewirkt in diesen Theilen verschiedene Verkrümmungen und Diffor- mitäten. In den Blättern konnte ich es trotz vielfachen Suchens nicht auffinden. Die einzelnen Myceliumszellen sind schlauchförmig lang gestreckt, hin und her gebogen, ihr Querdurchmesser beträgt beiläufig y 20 o Lin. An jenen Stellen, wo sich die Becherchen zeigen, bildet es ein mehr oder weniger mächtiges Stroma i Fig. 4, st.) aus welchem sich die Peridiolen erheben, indem sie die ober ihnen liegenden Schichten des Rindengewebes, so wie die Epidermis durchreissen. Auf diese Weise entsteht der ein jedes Becherchen ringförmig umgebende Wulst (Fig. Aio). Die Peridiolen stehen meist in unregehnässigen Reihen (Fig. 1), seltener finden sie seh gehäuft; sie sind blass röthlich, röhrig, an ihrem oberen Ende s.ch trichter- förmig erweiternd (Fig. 2, 3) */ 3 — 1/ 3 Lin. lang, >/ s — ] / 6 Lin. breit, haben einen unregelmässig gekerbten , entweder ungetieilten oder in kurze, stumpfe Lappen ausgezogenen Rand. Sie werden von polyedrischen, namentlich im oberen Theile des Beche-chens dick- wandigen Zellen gebildet, deren Verdickungsschichten eigenthümlich radiär gestreift erscheinen ') (Fig. 5, 6). Die Styksporen sind 1) Dadurch erinnern sie lebhaft an ßoestelia, deren Hau namentlich De Bary in seiner schönen Abhandlung-: Untersuchungen über die Brandpilze, näher geschil- dert hat, p. 73, Tab. Vllf, Fig. ö. Aecidium Anisotomes, ein neuer Brandpilz 77 klein, kaum y 100 — '/ 120 Lin. messend, unregelmässig, kugelig oder manchmal durch wechselseitigen Druck etwas polyedrisch, blass orangegelb; ihre Membran ist glatt, sie führen als Inhalt reichlich Protoplasma, der Zellkern erscheint deutlich (Fig. 7, 8). Die perl- schnurähnlichen Ketten, zu welchen sie angeordnet erscheinen, werden meist aus 10 — 20 über einander liegenden Zellen gebildet und halten innig zusammen, so dass man sie leicht beobachten kann. DieSpermogonien undSpermatien, so wie die wahren Sporen wurden noch nicht beobachtet. Die eben beschriebene Art unterscheidet sich von allen ver- wandten durch ihr eigenthümliches Vorkommen auf den Axen der verschiedenen Ordnungen, so wie auf den Früchten von Anisotome geniculata Hook. fil. Unter den wenigen bis jetzt bekannt gewor- denen antarctischen Species hat sie in Bezug auf die Form der Becherchen nur mit einer einzigen, dem Aecidium magellanicum Berk. *) Ähnlichkeit; dieses lebt aber auf den Blättern von Berbe- ris ilicifolia Forst, und hat ein viel kürzeres Peridiolum, dessen freier Band in viel längere und spitzere Lappen getheilt erscheint ; ferner sind bei ihm, so viel sich aus der Abbildung entnehmen lässt, die Zellen der Hüllen nicht dickwandig, auch haben die Stylosporen andere Dimensionen. Von den Aecidien der alten Welt leben, so viel mir bekannt, folgende auf Umbelliferen und könnten mit Ae. Anisotomes verwech- selt werden : Ae. Falcariae D. C. 2 ), Ae. Bunii D. C. 3 ), Ae. Fera- lae Roussel *) und Ae. Foenicnli Cast. 5 ). Sie unterscheiden sich aber sämmtlich durch eine ganz andere Gestaltung des bei ihren viel kürzeren, nie röhrigen Peridiolums, so wie durch andere Dimen- sionen der Stylosporen. Die vorliegende Art hat vielmehr durch die lange, röhrige Form der Becherchen, so wie durch die Zusammen- setzung desselben aus namentlich im oberen Theile der Hüllchen eigentümlich verdickten Zellen eine innige Verwandtschaft mit jenen Formen, aus welchen Rebentisch 6 ) seine Gattung Roestelia bildete. i) Flora antarctica II. p. 450, Tab. 163, 2. a ) Flore de France VI, p. 91. 3) Ibid. p. 96. 4 ) Exped. scientifique en Algerie, Botan. I, p. 305. 5) Catal. Plant. Mars. p. 215. 6 ) Flora neomarch. p. 350. 7 ö Reichard t Das Aecidium Anisotomes, so wie auch Ae. magellanicum Berk. stehen nach meiner Ansieht als vermittelnde Zwischenglieder zwischen den wahren Aecidien und den Roestilien; sie rechtfertigen es, wenn man diese beiden Gattungen wieder vereint, wie es in neuerer Zeit mehrfach angestrebt wurde 1 ). Zum Schlüsse möchte ich mir noch einige allgemeine Bemer- kungen über die aus Neu-Seeland und den antarctischen Inseln bekannt gewordenen Arten von Brandpilzen erlauben. Nach den vor- trefflichen neueren, morphologischen Arbeiten über diese Pilze, unter welchen namentlich jene von Tulasne 3 ) und De Bary 3 ) hervor- zuheben sind, zeichnen sich die Uredineen dadurch aus, dass bei ihnen aus dem Mycelium in einer bestimmten Aufeinanderfolge Zellen zur Entwickelung gelangen, welche sich aus dem Verbände mit der Mutterpflanze lösen und sie wieder zu erzeugen vermögen. Nebst den Spermogonien und Spermatien, welche wahrscheinlich mit dem Vorgange der Befruchtung im innigsten Zusammenhange stehen, kommen namentlich die Slylosporen und die eigentlichen Sporen in Betracht, besonders seit es De Bary gelungen ist, bei einer Uro- myces-Art aus den wahren Sporen durch Cultur auf der geeigneten Nährpflanze einen Brandpilz zu erziehen, der Stylosporen trug, von denen man schon früher vermuthet hatte, dass sie zum Entwickelungs- kreise der obgenannten Species gehörten. Man kann nach diesen Beobachtungen als entschieden annehmen , dass eine jede Uredinee im Verlaufe ihrer vollen Entwickelung nebst den Spermogonien auch noch Stylosporen und wahre Sporen erzeugt, welche in einem noch nicht genauer bekannten Verhältnisse zu einander stehen, welche auf derselben Pflanze aus demselben Mycelium in einer bestimmten Succession sich bilden. Das Genus Aecidium, wie es die älteren Botaniker begreny-en, besteht nun nach den neueren Untersuchungen aus Formen, welche als Stylosporen tragende Gebilde anzusehen sind. Zu einem jeden Aecidium soll dem entsprechend eine zweite Form gehören, welche die wahren Sporen trägt, welche mit dem betreffenden Aecidium i) Vergl. namentlich De Bary I. c. : ) Premiere et seconde memoire sur les Ustilaginees et Uredinees. Ann. d. sc. nat. Botan. III. Ser. VII (1847), p. 12, IV. Ser. II, 1854, p. 2. ! ) Untersuchungen über die Brandpilze, Berlin 1853, ferner: Untersuchungen über die Entwickelung einiger Schmarotzerpilze. Rej>enshurger Flora 1863, p. 161 u. w. Aeeidium Aniaotomes, ein neuer ßrandpilt. 71) dieselbe Pflanze bewohnt, aus demselben Mycelium entspringt, welche bisher eine Art aus den Gattungen Urumyces. Puceinia u. s. w. repräsentirte. Diese beiden Formen würden erst gemeinsam den Brandpilz in seinen Entwiekelungsstadien vollständig repräsen- tiren. Vergleicht man nun die wenigen aus Neu-Seeland und den antarc- tischen Inseln bekannt gewordenen Arten von Uredineen, namentlich der Aecidien in dieser Richtung, so stellt sich das sehr merkwürdige Verhältniss heraus, dass in keinem einzigen Falle eine und dieselbe Pflanze von zwei Brandpilzen bewohnt erscheint, von welcher der eine die Form mit den Stylosporen, der andere jene mit den wahren Sporen repräsentiren könnte. Entweder wurde die zweite comple- mentäre Entwicklungsstufe nur übersehen, oder sie existirt über- haupt im Bereiche der dortigen Flora nicht. Wenn das Letztere wirklich der Fall sein sollte, so würde diese Thatsache ein eanz neues Licht auf die so complicirten Verhältnisse der Fortpflanzung bei den Uredineen werfen und wäre von allgemeinem wissenschaft- lichem Interesse. An getrockneten Pflanzen kann diese Frage nicht entschieden werden; man muss die Studien an lebenden Pflanzen machen. Möchten botanische Keisende, oder die tüchtigen Pflanzen- kundigen Neu -Seelands diesem Gegenstande ihre Aufmerksamkeit zuwenden. Interessante Resultate würden ihre Bemühungen gewiss reichlich lohnen. oü Reichard t. Aecidium Anisotomet, ein neuer Brandpilz. Erklärung der Abbildungen. Fig. 1. Ein Blüthenstielchen von Anisotome geniculata Hook. fil. besetzt mit den Becherchen von Aecidium Anisotomes; lOmal vergrössert. „ 2 und 3. Zwei Peridiolen dieses Pilzes; 36mal vergrössert. „ 4. Ein Becherchen der Länge nach durchgeschnitten. e. Die Epidermis. r. Das Binderparenchym. o. Ein Ölgang. io. Der durch die emporgehobene Epidermis und Binde gebildete Wulst. st. Das Stroma. p. Das Peridiolum. sp. Die zu Ketten vereinigten Stylosporen. Die Vergrössung ist HOmal. Fig. 5. Eine Partie der Wand des Peridiolums 230mal vergrössert. „ 6. Eine Zelle von eben daher 400mal vergrössert. „ 7. Drei Sporenketten 230mal vergrössert. „ 8. Einige isolirte Sporen 400mal vergrössert. Reichardfr. AccieLram Änisotomes. Fia. *. Fig. 3. Autor (Lei Ft 9 . 6. Fig. ■- k. Hof.u. S1 SitziingsVd.k. AUi.d.W. m.-itli . natura l'l. LI. M .1 UUh.1865. 81 II. SITZUNG VOM 12. JÄNNER 1865. Der Secretär legt vor die eben erschienene zweite Abtheilung des II. Bandes des zoologischen Theiies des Novara-Reisewerkes, enthaltend die „Lepidopteren", bearbeitet von den Herren Dr. Cajetan Felder und Rudolf Felder. Herr Dr. W. Tomsa überreicht eine Abhandlung: „Über den peripherischen Verlauf des Axenfadens in der Haut des Penis". An Druckschriften wurden vorgelegt: Academie Royale de Belgique: Bulletin. 33 e Anne'e, 2 e Serie, Tome 18, No. 9 & 10. Bruxelles, 1864; 8°- — des Sciences et Lettres de Montpellier: Memoires de la Sec- tion des Sciences. Tomes IV — V. Annees 1858 — 1863. Memoires de la Section des Lettres, Annee 1858; Tome III. Anne'es 1859 — 1863. Memoires de la Section de Medecine Tome III. Annees 1858 — 1862; Tome IV, l r Fase. Annee 1863. Montpellier; 4»' Akademie der Wissenschaften, Königl. Preuss., zu Berlin : Monats- bericht. September, October, November 1864. Berlin, 1864; 8°- — Königl. Schwedische: Handlingar. N. F. IV. Bd., 2. Hft. 1862. Stockholm; 4°- — Öfversigt. XX. Ärgängen. 1863. Stockholm, 1864; 8°* — Meteorologiska Jakttagelser i Sverige. IV. Bd. 1862. Stockholm, 1864; Quer 4°- — Mitglieder-Verzeichnis«, Maj 1864. 8o- Apotheker-Verein, allgem. österr.: Zeitschrift. 3. Jahrg. Nr. 1. Wien, 1865; 8<>- Astronomische Nachrichten. Nr. 1508—1509. Altona, 1865; 4«- Comptes rendus des seances de TAcademie des Sciences. TomeLIX. Nr. 26. Paris, 1864,- 4«- Cosmos. 2 e Serie. XIV e Annee, l r Volume, l re Livraison. Paris, 1865; 8<>- Gesellschaft, Wetterauische, für die gesammte Naturkunde zu Hanau: Jahresberichte 1861—1863. Hanau, 1864; 8«- Sitzb. d. vnathem.-naturw. Cl. LI. Bd. 1. Abth. 6 82 Gewerbe-Verein, nieder.-österr. : Wochenschrift. XXVI. Jahrg. Nr. 2. Wien, 1865; 8«- Hörnes, Moria, Die fossilen Mollusken des Tertiär-Beckens von Wien. II. Bd. Nr. 5, 6. Bivalven. (Abhandlungen der k. k. geolog. Reichsanstalt IV. 5, 6.) 4°- Jahrbuch, Neues, für Pharmacie und verwandte Fächer von F. Vorwerk. Bd. XII, Heft 6. Speyer, 1864; So- Kiel, Universität: Schriften aus dem Jahre 1863. Bd. X. Kiel, 1864; 4«- Kn ob lieh, A., Die Zinkographie in ihrer erweiterten praktischen Anwendung. (Als Manuscript gedruckt.) Wien, 1865; So- Land- und forstwirtschaftliche Zeitung. XV. Jahrg. Nr. 2. Wien, 1865; 4o- Leseverein, Akademischer, an der k. k. Universität in Wien : Dritter Jahresbericht. 1863—1864. Wien; 8»- Lotos. Zeitschrift für Naturwissenschaften. XIV. Jahrg. November, December 1864. Prag; So- Museum of Geology zu Calcutfa : Memoirs of the Geological Survey of India. Palaeontologia Indica. Vol. III. Parts 2—5. 4o- Museum- Verein, siebenbürgischer, zu Klausenburg: Jahrbücher, 3. Bd., 1. Hft. Klausenburg, 1864; 4«- Observatory, The Royal. Edinburgh: Astronomical Observations. Vol. XII. For 1855—59. Edinburgh, 1863; 4<>- Reader. Nr. 106. Vol. V. London, 1865; Folio. Reichs forst-Verein, Osten-.: österr. Monatsschrift für Forst- wesen. XV. Bd. Jahrg. 1865. Jänner-Heft. Wien, 1865; So- Reise der österreichischen Fregatte Novara um die Erde. Zoolo- gischer Theil. II. Band , 2. Abtheilung. Lepidoptera. Von Dr. Cajetan Felder und Budolf Felder. Wien, 1865; 4«« S o c i e t e Imperiale de Medecine de Constantinople : Gazette medieale d'orient. VIII 6 Anne'e, No. 7. Constantinople, 1864; 4o- Wiener medizin. Wochenschrift. XV. Jahrgang. Nr. 2 — 3. Wien, 1865; 4o Wochen-Blatt der k. k. steierm. Landwirthschafts-Gesellsehaft. XIV. Jahrg. Nr. 5. Gratz, 1865; 4<>- Über den peripherischen Verlauf desAxenfadens in der Haut der glans Penis. ö3 Über den peripherischen Verlauf und Endigimg des Axen- fadens in der Haut der glans Penis. Von Dr. W. Toms a in Wien. (Mit i Tafel.) Die folgende Arbeit hat sich die Erforschung der Nerven- endigungen in der menschlichen Eichelhaut zur Aufgabe gestellt. Die Ergebnisse dieser Untersuchung wurden an vielen Objecten festge- stellt und mittelst eines Verfahrens gewonnen, das sich für die Darstellung der Nervenendorgane von grossem Nutzen erweisen dürfte. Zubereitung der Präparate. Ludwig hat für die Zerklüftung der Niere ein Verfahren bekannt gegeben , das in Betreff der Isolirung des Drüsengewebes von der Bindesubstanz ganz Vorzügliches leistet. Diese Methode habe ich mit unwesentlichen Modificationen auf die Erforschung der mensch- lichen Haut und ihrer Organe angewendet und dabei in Erfahrung gebracht, dass sie das Nervenrohr eben so isolirt wie den Drüsen- gang, ohne dabei seinen wesentlichen anatomischen Charakter zu ver- nichten. Im Gegentheil lässt das Verfahren im ganzen Verlauf des Nervenrohres den Axenfaden mit grosser Klarheit auftreten. Während Ludwig's Verfahren darin besteht, dass er kleine Stücke der frischen Niere 6 — 8 Stunden lang in 90 Pct. Alkohol kocht, dem man i / z — 3 / 4 Volum Pct. gereinigter, stark rauchender Salzsäure zugesetzt hat, habe ich durch Versuche für die männ- liche Eichel den Salzsäuregehalt der Mischung auf 1 Vol. Pct. und die Kochdauer auf 24— 48 Stunden festgestellt. Es würde überhaupt beim weiteren Verfolgen dieses Verfahrens in der Anwendung auf die verschiedenen Organe und Gewebe vorerst der Säuregehalt und die Kochzeit für jeden besonderen Fall auszumitteln sein. Die Eichel habe ich meistens in zwei Hälften geschnitten, sie daher in grösseren Stücken der Einwirkung der Säuremischung aus- 84 Tomsa. gesetzt. Letzteres aus dem Grunde, um grössere Flächen von Ner- venenden im Zusammenhange zu erhalten. Im Übrigen habe ich an dem Verfahren von Ludwig nichts geändert. Ich wiederhole in den folgenden Sätzen seine Angaben nur desshalb, weil nicht Jedem Ludwig's Abhandlung: „Zur Anatomie der Niere" zur Hand sein dürfte. Um die Zusammensetzung der Flüssigkeit während des Kochens constant zu erhalten , nimmt man das letztere in einem Kolben vor, der mit einem durchbohrten Korke verschlossen ist. In der Durch- bohrung steckt eine lange, eng ausgezogene Glasröhre, welche als Kühlapparat die abdestillirte Flüssigkeit neuerdings in den Kolben zurückfliessen lässt. Der letztere steht in einem Wasserbade, dessen Wärme so geregelt wird , dass der Alkohol nur äusserst schwache Blasen aufwirft. Hat man das Kochen beendet, so entleert man den Inhalt des Kolbens in eine flache Schale, giesst den Alkohol ab und wäscht die Gewebestücke durch wiederholtes Aufgiessen von Wasser aus, bis der alkoholische Geruch vollkommen verschwunden ist. Es unterliegt keinem Zweifel, dass schon durch das Kochen in Alkohol von dem angegebenen Säuregehalte gewisse Gewebsbestand- theile in Lösung übergehen; die mehr minder vollständige Befreiung der auf Elementarorganismen zurückzuführenden Gewebsbesfand- theile von der umgebenden collagenen oder elastischen Kittsubstanz gelingt erst durch das Aussüssen der gekochten Objecte. Besonders gilt dieser Satz von den Präparaten, die nur kürzere Zeit gekocht worden sind. Hier ist ein längeres Einwirken des Wassers unter gleichzeitigem öfteren Erneuern desselben von unvermeidlicher Not- wendigkeit. Untersucht man nämlich das Präparat nach 10 — 12sfün- digem Kochen und 2 — 3stündigem Wässern, so überzeugt man sich sogleich von der Untauglichkeit des Objects zur Definition der Ner- venenden. Die Nervenästelung wird nämlich noch überall von mäch- tigen Lagen reicher Geflechte aus Binde- und elastischer Substanz gedeckt. Ein ferneres mehrstündiges Auswässern klärt das Bild allmählig auf. Das collagene Gewebe quillt bei weiterer Maceration immer mehr auf, um sich schliesslich aufzulösen. Das elastische Ge- webe wird mürbe und zerbröckelt. In dem Maasse, als es in das destillirte Wasser übergeht, treten die Nervenäste, Elementarorganis- men, und sogenannte Membrana e propriae der Gefässe und Drüsen- Über den peripherischen Verlauf des Axenfadens in der Haut der glans Penis. 85 schlauche hervor. Eine übermässige Maceration greift endlich auch, und zwar zuerst die Membranae propriae und dann erst das Zellen- protoplasma an. Übermässiges Kochen und Maceriren lässt die Prä- parate in einen molekularen Detritus zerfallen. Eine Verwechslung derBindegewebsfibrille oder der elastischen Faser mit Nervenröhren ist bei unserem Verfahren schon aus dem Grunde ausgeschlossen, weil ein Präparat-, worin erstgenannte Ge- websformen noch vorkommen, zum Nervenstudium gar nicht in Ver- wendung kommt. Ich muss liier gleich anrathen, die Eichel in frischem Zustande zu verwenden. Objecte, welche schon vorher in Weingeist gelegen haben, eignen sich weniger für dieses Verfahren. Die vorhergegan- gene Gerinnung scheint das Gewebe so verändert zu haben, dass durch die folgende Macerirung keine vollendete Quellung und Lösung des collagenen und elastischen Gewebes erzielt werden kann. Mäch- tige, schollige Formen verhindern an derartigen Objecten das freie Hervortreten der Nerven. Zulässig sind Alkoholpräparate nur in jenen Fällen, wo man besondere Örtlichkeiten in feineren Schnitten untersuchen will. Beim Penis habe ich jedoch dieses Verfahren überflüssig gefunden. Bei der Benützung von in Alkohol gehärteten Objecten wird man jedoch, wie schon Ludwig angibt, das Gewebe vorher auf einige Stunden wieder in Wasser aufquellen lassen müssen, weil es nur dann von der sauren Mischung angegriffen wird. Von grossem Vortheil ist bei der Untersuchung der ausschliess- liche Gebrauch injicirter Präparate. Für unser Verfahren eignen sich Injectionen mit Leim und löslichem Berlinerblau ganz vorzüglich. Die Injection dient nicht blos zur besseren Orientirung, sie ist uns auch ein sicheres Merkmal für den Grad der Einwirkung der Säure- mischung und der Macerationsdauer. Zu starke Concentration der Säuremischung und übermässig andauerndes Kochen zerstört sowohl die Gefässhaut als auch den Farbstoff; übermässiges Auswässern greift schliesslich auch die Media und Intima an, indem sich zuerst die Muskeln aufwickeln und endlich die Intima zerbricht. So lange letztere dem einen oder andern Eingriffe Widerstand geleistet hat, erhielt sich der blaue Leim intact. Nach Entfernung der collagenen Kittsubstanz bietet die fernere Untersuchung noch manche Schwierigkeiten. Es ist der gewöhn- 86 Torasa. liehe Fall, dass sich die Eichelhaut während des Wässerns in zwei Schichten theilt. Der Papillartheil haftet nämlich als Belag der los- gelösten Epidermis an und die mächtigere Reticularlamelle bleibt allein als Hülle für die Eichel zurück. Es ist nothwendig, dieses Umstandes zu erwähnen, weil durch Ausserachtlassung dieser Spaltung und Nichtberücksichtigung des Papillarantheiles bei der Untersuchung höchstens einzelne Endknäuel zur Anschauung gelangen, und man über die eigentlich freie Endigungsweise der Penishautnerven spärliche und weniger instruetive Präparate erhalten würde. Zur Zertheilung der Reticularschichte und zur Ablösung der Papillarlamelle von der Epidermisschale habe ich mit Vortheil die gewöhnlichen Reclinationsnadeln benützt. Man kann dieses Instrument eben so gut zum Spalten als Abheben gebrauchen. Die frei schwim- menden Präparate werden alsdann unter Wasser mit dem Object- träger aufgefischt, mitStaarnadeln unter dem Wasserspiegel zurecht- gelegt und in destillirtem Wasser untersucht. Verschiedene Färbungen vertragen derlei Präparate ebenfalls recht gut, es müssen jedoch die Färbemittel sehr verdünnt gebraucht werden, wenn man eine zur Undeutlichkeit führende Schrumpfung und störende Niederschläge vermeiden will. Bei der Untersuchung der Nerven in der Eichelhaut haben wir es bei unserem Verfahren meist nur mit Axen cyli n der n zu thun. Dies beweisen in unserer Säuremischung zur Probe gekochte Nervenstämme. Bei der darauf folgenden Quellung in Wasser löst sich die gemeinschaftliche Nervenscheide zum grossen Theil auf. Sehr kurz dauerndes Aussüssen macht diese Hülle schon so mürbe und hinfällig, dass sie, mit ihrem Nerveninhalte auf das Objectglas gebracht, beim Heben aus dem Glastroge, so wie sie ausserhalb des Wasserspiegels geräth, augenblicklich in eine Menge faltiger Fetzen einreisst. Noch rascher verschwindet die Nervenprimitivscheide. Der Inhalt des Nervenstammes setzt sich ausschliesslich aus den Axen- bändern zusammen, die entweder ganz nackt daliegen, oder von einem zierlichen Netzwerke geronnenen Markes umgeben sind. Letzteres behält eine gewisse typische Formung und schwankt nur in der Quantität, in welcher es das Achsenband umstrickt. Man über- sieht in dieser Beziehung an einem Nervenstamme alle möglichen Übergänge von dickwulstigem Gerinselgitter bis zur moleculären Über den peripherischen Verlauf des Axenfadens in der Haut der glans Penis. Ol Bestäubung des Cylinders. Diese Markgerinnung mag nun aber einen grossen oder kleinen Querschnitt einnehmen, überall haftet sie dem Axencylinder fest an, und streift man eine Strecke derselben von dem Axenfaden gewaltsam herunter, so bietet der Axencylinder nicht selten einen ästigen, knorrigen Anblick dar. Dieses Verhalten könnte leicht zu der Verwechslung führen, das Gerinnungsproduct als einen directen Bestandteil des Axenfadens anzusprechen. Der Axenfaden ist nur an den Nerven der Peripherie, im Thei- lungs- und Verästelungsbezirke durch spindelförmige, eingelagerte Körper varicös; die Nervenstämme enthalten gleichmässig ge- streckte, bandförmige Achsenfäden. Ausnahmen hievon ereignen sich nur in höchst seltenen Fällen. Nervenendigungen in der Eichelhaut. Die Haut, welche das Corpus caverosum der Eichel überkleidet, ist ein äusserst nervenreiches Gebilde. Die meisten Stellen der Eichelhaut sind so mit Nerven durchflochten, dass selbst nach voll- ständiger Entfernung des collagenen und elastischen Grundes ein engmaschiges Nervengerüste von vielen über einander gebreiteten Lagen zurückbleibt, worin die Untersuchung des Einzelbefundes grossen Schwierigkeiten begegnet. Ein Gewirr feinerer Nervenver- ästelungen ist bunt durcheinander geworfen mit gröberen Nerven- stämmen. Die eingehende Betrachtung dieser Verhältnisse und Verfol- gung der Nervenbahnen gegen die Oberfläche lässt die Nerven schliesslich auf eine zweifache Art ihr Ende finden. Entweder schliessen sie in eigentümlich geformten und gelagerten kolbigen Knäueln ab, oder sie begrenzen ihre peripherische Bahn in einer netzförmigen Verzweigung. Nervenknäuel. Die gröberen Nervenstämme und Zweige sind beinahe aus- nahmslos die Träger der Nervenknäuel. Die Axenbänder , welche zu ihrer Bildung zusammentreten, sind meist nackt, manchmal er- scheint ihre Oberfläche durch anhaftende Markscheidengerinsel noch fein bestäubt. Die Zahl der Axenfaden, welche den Stiel formen, ist eine sehr schwankende, wie uns schon die oberflächliche ßetrach- 88 T o ra s a. tung unserer treu nach der Natur gezeichneten Abbildungen beweist. Wie die Zahl der in den Nervenknäuel eintretenden Axen- cylinder, schwankt auch die Knäuelanzahl im Verhältnisse zum Querschnitte des diese Gebilde tragenden Nenvenstammes. Während mancher Nerv sich quastenförmig in 3 bis 4 Knäuel auf- löst, gehen dafür andere Nerven von gleichem Querschnitte ganz leer aus. Auf die äussere Form war es unmöglich irgend eine andere bestimmte Gesetzmässigkeit in Anwendung zu bringen, als etwa die, aus den Lagerungsverhältnissen abzuleitende. Die Topographie übt da einen bestimmenden Einfluss auf die Gruppirung der den Knäuel zusammensetzenden Elemente aus. Je nachdem sich nun die aus dem Stiele allmählich entfaltenden Lappen und Drusen radiär zur Eichel über einander summiren, entstehen längliche, keulen- oder kolben- förmige Complexe; erfolgt dagegen die Gruppirung des Inhaltes in der Ebene der Eicheloberfläche neben einander, so erhalten diese Terminalkörper eine mehr flache, hutförmige Gestalt. Bei oberflächlicher Lagerung dicht unter dem Epithel gestalten sich die Nervenkolben mehr verbreitert, die tiefere Lage lässt meist längliche Formen erkennen. Die häufigen Pigimentirungen ihrer Kuppen, welche oft in die pigmentirte Malpighische Schicht hineinragen (siehe Fig. I), deuten auf die mehr oberflächliche Lage- rung der Nervenknäuel. Die Bestandteile, aus denen sich die Nervenknäuel der Eichel zusammensetzen, sind sehr zahlreiche Verästelungen und Spal- tungen der in den Kolben eingehenden Axencylinder und Ein- schaltungen von kernartigen, körnigen und zelligen Gebilden in den Verlauf und die Astfolge der Axenbänder. Da der wesentliche Vorzug unseres Präparationsverfahrens in der Entfernung der collagenen und elastischen Hautbestandtheile beruht, so müssen wir bei gehöriger Behandlung der Präparate von der Nervenscheide und den etwaigen Knäuelhüllen absehen. Von besonderer Wichtigkeit wäre nun die Kenntniss der Spal- tungsverhältnisse des Axen faden s oder der marklosen Endfaser und ihres Verhaltens zu den Einlagerungen von gan- gliösen Körnern. Die Massenhaftigkeit , die Übereinander- schichtung des Eingelagerten stellt jedoch der Einzelnntersuchung Über den peripherischen Verlauf des Axenfadens in der Haut der ylans Penis. 89 bedeutende Schwierigkeiten in den Weg, und wollen wir uns Hilfe schaffen durch Compression oder Zerstückelung der Nervenknäuel, so haben wir doch keinen Ausweg für die Analyse gebahnt. Jede auf dasObject ausgeübte Gewalt presst denNervenknäuel entweder völlig zusammen und drückt ihn flach, oder zerbröckelt ihn in formlose Scherben. Auf jeden Fall richtet man durch den Gebrauch von Gewalt eine grosse Verwüstung in den zarten Verästelungen der Nervenfasern an, welche körnig zerfallen und dadurch noch zu einer grösseren Undeutlichkeit des ganzen Gebildes beitragen. Es ist daher eine unabweisliche Notwendigkeit bei der Ge- winnung der Präparate, mit möglichster Schonung zu Werke zu gehen und sich vorläufig mit der allgemeinen Betrachtung der Nerven- knäuel im Ganzen zu begnügen. Oft wirkt schon ein etwas dickeres Deckgläschen störend auf die Betrachtung. Die Frage nach dem Wesen der körnigen Einlagerun- gen in das Geäste der zarten Nervenfasern kann vorläufig nur dahin erledigt werden, dass sie Anhäufungen einer feinkörnig zusammen- geballten Masse darstellen, welche mit den Nervenästchen in Ver- bindung steht, und öfter einen helleren grossen Kern mit einem schmalen Saume umgibt. Die Kerne sind jedoch nicht eine allge- meine Erscheinung. Ich wähle daher zur Bezeichnung dieser Ein- lagerungen den in der Formenlehre der Nervenendigungen schon vielseitig benützten Ausdruck „gangliöse Körner", und dieses aus dem Grunde, weil sich die Nervenfaser theils in dieselbe direct fortsetzt und darin scheinbar endigt, theils und dieses in der Regel, weil die Körner in das Nervennetzwerk bi- und multipolar eingeschal- tet sind. Es hat seine grosse Schwierigkeit, einmal das „Nervenende" innerhalb des Nervenknäuels zu definiren, und andererseits sich einen bestimmten Ausspruch über die individuelle Abgeschlossenheit des Kolbens von der Umgebung, über seine einheitliche Bedeutung zu erlauben. So, wie diese Knäuel nach unserer Methode zubereitet, vor das prüfende Auge treten, bieten sie Anhaltspunkte für entgegen- gesetzte Deutungen dar. Ihre Formung, die Verpackung ihres dicht gedrängten Inhaltes, der Eintritt gröberer Nervenfasern in die Kol- ben spricht für ihre Selbstständigkeit und begrenzte Abgeschlossen- heit; eine entgegengesetzte Auffassung begünstigen die terminal 90 Tomsa. auf feinen Endfibrillen aufsitzenden, sowohl vom Stiele als auch vom Kolben sich abzweigenden Körner. Da jedoch auf das letztere Verhalten auch die Zubereitung der Präparate einen grossen Ein- fluss üben dürfte, so wird es nicht so schwer in's Gewicht fallen. Dem Knäuel könnte immerhin eine gewisse Selbstständigkeit, wenn auch nur rücksichtlich der Quantität seiner Endorgane gewahrt bleiben. Bemerkenswert ist ferner auch die Eigentümlichkeit, welche besonders bei elliptischen und keulenförmigen Knäueln oft wieder- kehrt, dass die einmal im Stiele eingeleitete Verästelung wieder aufhört, die Astfolge abnimmt, ja neuerdings zu mehreren einfachen Nervenfibrilien zusammentritt, um nach einem kurzen, gestreckteren Lauf in wiederholten Theilungen auseinander zu fallen und Körner aufzunehmen. Ich habe ferner nicht mit hinreichender Schärfe sichten können, ob die Nervenverästelungen und gangliösen Körner auch immer discret neben einander bestehen, ob nicht vielmehr die körnigen Gebilde in einander verschmelzen. Die auf dicken Nerven- stämmen aufsitzenden, rundlich platten oder drusigen Nervenknollen lassen letztere Annahme zu. Die endgiltige Entscheidung möge ver- vollkommten Methoden und vielseitigerer Prüfung überlassen werden. Aus dem eben Angeführten ist es begreiflich, dass es mit der definitiven Angabe der Nervenenden innerhalb dieser Ner- venmassen seine grosse Unsicherheit haben werde. Die Frage, ob terminales Netzwerk oder terminal gangliöse Körner, muss auf diesem Orte vorläufig unentschieden bleiben. Es kann sogar die Möglichkeit einer Nervenkittsubstanz, welche sich noch zwischen die in unserm Präparate fehlende Bindegewebshülle und die Nerven- elemente einschaltet, nicht von Vornehinein abgelehnt werden, zumal jeder Kolben stellenweise feinkörnige Massen erkennen lässt. Wollte man diese feinkörnige Kittsubstanz ignoriren, so müsste jedesmal ihr Ursprung in zerfallenen gangliösen Körnern und zertrümmerten Nervenfibrillen erst nachgewiesen werden. Bei der Betrachtung der sogenannten freien Nervenenden in der Eichelhaut, werden wir diese Frage noch zu berühren Gelegen- heit haben. Vergleichen wir die, nach unserer Präparationsmethode gewon- nenen kolbigen Nervengebilde mit den von Krause in der Eichel Über den peripherischen Verlauf des Axenfadens in der Haut der glans Penis. 91 beschriebenen Endkolben, so ist es sowohl der Innenkol- ben, als auch die darin verlaufende, einfache Terminalfaser mit ihrem knopfförmigen Ende, welche in unseren Objecten eine andere Deutung erfahren. Krause lässt den Innenkolben aus fein granulirter, mattglän- zender Substanz bestehen, die er dem Bindegewebe zwar zurechnet, aber dieselbe als eine besondere, vermöge ihrer eigenthümlichen Form mit einem besonderen Namen zu belegende Modification des- selben betrachtet wissen will. Kerne hat Krause in der Masse des Innenkolbens mit Bestimmtheit nicht wahrnehmen können. Unsere Präparate weisen im Gegensatze zu dieser Annahme nach, dass der Endkolben zunächst aus einer grossen Menge theils selbstständiger, theils auch zu Drusen verschmolzener körnigen Gebilde, gangliösen Körnern bestehe, welche mit den Nerven- fibrillen in ununterbrochenem Zusammenhange stehen. Diese dürfen vermöge ihrer Persitsenz, nachdem sämmtliche Bindesubstanz aus dem Präparate entfernt worden war, dem Bindegewebe keineswegs zugerechnet werden. Nach Krause sollen in der Mitte des Innenkolbens eine oder mehrere blasse Terminal fasern verlaufen, welche als unmittel- bare, blasse, mitunter auch abgeplattete Fortsetzungen der doppelt contouri/ten Nervenfibrille erscheinen. Die Lage der Terminalfaser zur Begrenzung des Innenkolbens ist nach Krause so geartet, dass letzterer rings um dieselbe herum annähernd dieselbe Dicke bewahrt, indem die Faser schon in einiger Entfernung vor der Begrenzung des ganzen Endkolbens knopfförmig endigt. Öfters sei auch das Ende nicht deutlich zu erkennen und zuweilen sei es nicht rundlich kolbenförmig, sondern unregelmässig gezackt, obwohl sehr hlass, ganz wie das Ende der Terminalfaser im Vater'schen Körperchen, was jedoch nur für eine zufällige Veränderung der normalen, kolben- förmigen Verdickung zu halten sei. Krause bildet Taf. I, Fig. 16 einen Endkolben mit zwei Terminalfasern aus der Schleimhaut der Chitoris des Schweines an der Übergangsstelle in die Scheiden- schleimhaut ab. Die doppelt contourirte Nervenfibrille theilt sich bei ihrem Eintritt in den Endkolben in zwei schmälere Äste, die noch doppeltcontourirt durch den dünneren, cylindrischen, einem Stiele eines Vater'schen Körperchens ähnlichen Anfangstheil des Endkolbens und dann als zwei geschlängelte, einfach contourirte Terminalfasern 92 Tomsa. durch den Innenkolben verlaufen, um mit unbestimmter Begrenzung aufzuhören. An unseren Präparaten vermissen wir den gestreckten Verlauf der Terminalfasern in einer grösseren Ausdehnung. Das, was in unserem Präparate in den Knäuelstiel als Nervenfaser eintritt, ist, wie die Untersuchung des gekochten Nerven gelehrt hat , ein dem Axencylinder gleichvverthiges Gebilde. Dieses verbleibt aber nicht in seiner Einfachheit, sondern theilt sich immer zahlreicher, und verliert sich in einem dichten Netzwerk von Axencylindern mit Einlagerungen von gangliösen Körnern. Knopfförmige Enden im Sinne Krause's kommen nur an den Grenzen unserer Knäuel zur An- schauung, doch können dies blosse Artefacte sein, Bruchstücke von Nervenfibrillen, deren peripheres Ende knapp an dem einen Pole des Kornes abgebrochen ist. Es bleibt nur noch zu erwähnen übrig, dass manche unserer Kolben mit anderen Nervengebilden mittels Anastomosen in Ver- bindung treten. Solche Verbindungszweige (Fig. I, III) sind entweder als accessorische Stiele zu betrachten, indem sie zu demselben Nerven- stamme, der den Kolben trägt, verlaufen, oder es sind Nerven- stämmchen , die dann entweder frei enden oder sich anderen beliebigen Nervenstämmen hinzugesellen. Anderweitige Nervenendigungen in der Eichelhaut. Es ist hier nicht der Ort, die gesammte Literatur über soge- nannte „freie" Nervenendigungen in der Haut und den sensiblen Schleimhäuten zu recapituliren. Wir verweisen in dieser Beziehung auf die histologischen Handbücher und auf Krause's terminale Körperchen, worin dieser Gegenstand ausführlich behandelt wird. Über den speciellen Ort unserer Untersuchungen, die Eichelhaut, waren uns, mit Ausnahme der schon citirten Angaben über die End- kolben, keine einschlägigen Arbeiten zur Hand. Bei Krause *) lesen wir folgende Bemerkung: „Dicht unter- halb der Papillen zeigt sich in der Chitoris des Schweines ein äusserst reichhaltiges Geflecht von Anastomosen kleinerer Nerven- stämmchen und einzelner Fibrillen, letztere treten auch öfters in die Papillen selbst ein, ohne dass es möglich wäre, i) Seite 24 1. c. Über den peripherischen Verlauf des Axenfadens in der Haut der glans Penis. 9o über die Endigungs weise an diesem Orte in's Klare zu kommen." Unser Verfahren hat uns ebenfalls nebst den Nervenknäueln noch eine andere Art von Nervenendigungen in der Eichelhaut kennen gelehrt. Verfolgt man Nerventheilungen bis zur Peripherie, so endet der Nervenfaden, nachdem er vorher in seinem Verlaufe öfter durch spindlige Kerne unterbrochen worden, in ein ähnliches gang- liöses Korn, wie solche in den Nervenknäueln reichlich enthalten sind. Diese terminalen Körner sind jedoch nicht immer so einfach wie die Kolbenkörner, oder sind es vielleicht dessbalb nicht, weil sie wegen ihrer weniger dichten Gruppirung besser zur Anschauung gelangen. Nach unseren Präparaten sitzen sie entweder einzeln terminal den Nervenfäden auf, oder kurzgestielt zu zwei, drei auf den Thei- lungsstäben der Terminalfaser. An besonders gut erhaltenen Objecten (Fig. V) zeigen sie auch rundliche, mit Varicositäten besetzte Fort- sätze, die endlich wieder in zahlreiche, äusserst zarteFädchen sich spalten. Oft erscheinen sie auch feinkörnig besetzt und durch eine ähnlich beschaffene Masse an einander gekittet. Kurz es wiederholt sich gewissermassen der Befund in den Nervenknäueln, nur mit dem Unterschiede, dass, was im Nervenknäuel in einen kleinen Raum verpackt erscheint, an anderen Orten der Eichelhaut auf grössere Oberflächen zerstreut ist. Ein Unterschied liegt aber bei der sogenannten freien Endi- gungsweise darin, dass wir im Nervenkolben nur zahlreiche Thei- lungen der eintretenden Nervenfasern mit Einlagerungen von gang- liösen Körnern mit Bestimmtheit betrachten können; während bei den freien Endigungen nebst den beiden ersten Formen noch öfter varicöse Fortsätze der Ganglien und sogar äusserst feine Spaltun- gen der letzteren beobachtet werden. Erwähnung verdienen noch ferner jene Bilder von Nerven- enden, die man aus der äussersten Schleimhautzone der männlichen Eichel erhält. Der Epithelbelag löst sich meistens bei der Mace- ration der gekochten Objecte in Aq. dest. von der übrigen Haut in grösseren Stücken ab, wobei die äusserste Schichte der Haut mit den oberflächlichsten Capillarschlingen dem Oberhautlappen lose anhängt und mitfolgt. Diese zarte Hautlamelle muss nun sorgfältig 94 Tomsa, stückweise von dem Epithel abgehoben werden. Selbstverständlich geschieht diesesin einem mit destillirtem Wasser gefüllten Glastroge. Man übersieht dann an solchen in der Fläche ausgebreiteten Objec- ten die oberflächlichsten kurzen Capillarschlingen und das sie um- spinnende Nervengeflecht. Es braucht wohl keinen besonderen Hin- weis, dass man die Hautpapillen nicht mehr als solche erblickt, dass ihr collagenes Gewebe vorher entweder gänzlich gelöst oder als eine, dem Glaskörper ähnliche, durchsichtige Gallerte noch stellen- weise zwischen dem Gefäss und Nervengerippe flottirt. An dieser Stelle lassen sich nun die feinsten Nervenfibrillen zu einem kör- nigen Netzwerk verfolgen. Der Axencylinder spaltet sich anfangs sehr zahlreich, die Theilstücke werden jedoch rasch körnig und das anfänglich noch deutlichere Netzwerk verwischt (Fig. VII). Öfter hän- gen solche körnige, genetzte Nervenplaques mittelst gleich beschaffe- ner Brücken unter einander zusammen. Ob diese körnigen Nervenlager eine besondere Art von Nervenperipherie vorstellen, oder ob sie das leere Lager bilden, aus dem die gangliösen Gebilde während der Präparation verloren gingen, bleibt unentschieden. Eben so zweifel- haft bleibt das etwaige Verhältniss zu dem Epithel. Schlussbeinerkungen. Fassen wir die gewonnenen Resultate unter einem einheitlichen Gesichtspunkte zusammen, so verläuft die feinste Nervenfaser nach Verlust der Markscheide und Aufnahme von spindeligen Kernen in den Faserverlauf unter fortwährender Theilung zu einem gangliösen Endorgane, welches sowohl in terminalen Nervenknäueln, als auch in den oberflächlichen terminalen Nervennetzen seinen Sitz hat. Das fernere Verhalten im Nervenknäuel ist durch die grössere Masse und dichte Aufeinanderlagerung seines Gefüges der zerglie- dernden Beobachtung weniger zugänglich , als es die Endorgane in den freien Nervennetzen sind. An mehreren Stellen erscheint Con- fluenz der Ganglien. Die terminalen Nervennetze sind ebenfalls mit Ganglien besetzt, welche entweder in die Astfolge der Netzbildung oder ihre Knoten- punkte eingeschaltet sind; oder in anderen Objecten oft zahlreich gruppirte den Nervcnfibrillen endständig anhaftende Anschwellungen mit Ausläufern bilden. Über den peripherischen Verlauf des Axenfadens in der Haut der glans Penis. 95 Es bleibt unentschieden, ob die Fortsätze der Endorgane mit ihren feinen Verästelungen neuerdings in irgend einen Zusammen- hang treten, oder ob den frei stehenden Körnern die Bedeutung von Endganglien zukomme. Die Möglichkeit ist vorhanden, dass jene Schlussbögen des Nervennetzwerkes, welche die freien, terminalen Ganglien verban- den, abhanden gerathen, in Folge unserer Bereitungsart zu Grunde gegangen seien. Wenn das Letztere erwiesen wäre, dann hätten wir er allenthalben nur mit Nervennetzen zu thun, zwischen deren Flechtwerk gangliöse Endorgane eingeschaltet sind. Ob also schliesslich aus dem Netzwerke freie Enden in freien Ganglien ausmünden, mögen weitere Untersuchungen lehren. An der Annahme von terminalen Ganglien in der Eichelhaut vermag diese Ungewissheit nichts zu ändern. Von der alleinigen Berücksichtigung der Form ausgehend, führt uns die Zusammenstellung der Nervenknäuel und der sogenannten freien Endigungsweise der Nerven in der Eichelhaut des Penis auf die Vermuthung, beiden Nervenendigungen keine andere, als die der quantitativen Verschiedenheit zugestehen zu sollen. Dieses um- somehr, als die Nervenknäuel Verbindungen mit anderen Nerven- stämmen eingehen und andererseits der Knäuelstiel, vor seiner Auf- knäuelung öfter einzelne Nervenfasern abzweigt, welche in die flächenhaft ausgebreiteten Nervennetze eintreten. Es erhält dem- nach die Eichel des männlichen Gliedes allerwärts innerhalb des Hautgerüstes eine aus Nervenfibrillen genetzte Kappe, welche ab- wechselnd, je nach der Örtlichkeit, dichter gewebt und mächtiger, oder weitmaschig gestaltet ist. Die Nervenknäuel wären als gestielte Fortsätze dieser Nervenhaut aufzufassen und den zotten-oder papillen- artigen Erhebungen der Hautoberfläche an die Seite zu stellen. So wie jene die Hautoberfläche in einem geringen Räume vervielfäl- tigen, vermehren diese den relativen Nervenreichthum am Orte ihres Sitzes durch Einschaltung einer grösseren Zahl von gangliösen Endorganen in denselben. In neuerer Zeit ist bei der Betrachtung der Nervenendigung auch die Frage in Anregung gebracht worden, ob die terminalen Nervenfibrillen nicht mit den Bindegewebskörperchen in Verbindung zu bringen wären. In der Eichelhaut ist es mir nie gelungen, weder die Nervenfasern noch die gangliösen Körner oder ihre Fort- 96 Tomsa. sätze mit den überaus zahlreichen Bindegewebskörperchen in einer unzweifelhaften Verbindung zu sehen. Unser Präparationsverfahren isolirt die Bindegewebskörperchen ganz vortrefflich. Sie bilden meist Zellengruppen, deren Zellen sehr dünn und platt von Körper in eine Anzahl von sperrig verästigten Fortsätzen ausgreifen und damit zusammenhängen. Durch Druck auf das Deckgläschen oder Schütteln des Präparates mit destillirtem Wasser werden sie leicht isolirt. Niemals sieht man sie dann mit Nervenfasern in Verbindung. Zertrümmert man hingegen die termi- nalen Nervennetze, so erhält man eine grosse Menge Bruchstücke von Nervenfibrillen, denen noch zahlreiche körnige Gebilde an- hängen. Aus dem Mitgetheilten geht ferner hervor, tlass die Nerven- kolben in der Glans penis nicht jene Construction besitzen, wie sie Krause unter der Benennung von Nerven-Endkolben verstan- den und besehrieben hat. Da mir noch zu wenig allgemeine Erfah- rungen über die an anderen Orten von Krause gesehenen Endkol- ben zu Gebote stehen, so wird es wohl gerathen sein, die eben beschriebenen Gebilde im Penis als „Nerven knäuel" schlechtweg zu bezeichnen, welche zu den Endkolben Krause's in gar keiner Beziehung stehen. Zum Schlüsse möchte noch die Bemerkung am Platze sein, dass mir während der ganzen Untersuchung keine einzige schlauchförmige oder Knäueldrüse an der männlichen Eichel zu Gesichte kam. Die Glans penis des Menschen entbehrt jeder Drüsen form; erst im Präputium finden sich den glandulae cernminosae ähnliche Knäuel- drüsen vor. Tonisa. Peripherischer Verlauf des Axenfadens inier Haut des Penis - C Heitzjuann Sitwmgsh der k.Akai. «1 W math uaturw. Cl.LOi.IAbth. 1865. . Über den peripherischen Verlauf des Axeufadens in der Baut der ylans Penis. 97 Erklärung der Abbildungen. Fig. 1. Ein Nervcnkniiuel, welcher aus der äussersten Schichte der mensch- lichen Eichelhaul vollständig isoliit erhalten wurde. Er wird von einem grösseren Nervenstamme getragen, ist kurz, breit und flachgedrückt. Seine Kuppe ragt in das Malpighische Stratum hinein und erscheint reichlich pigmentirt. Nach Innen zu gegen das Nervengeflecht der Haut zweigen sich Verbindungsäste ab, deren einer frei (wohl abgerissen) endet, der zweite zum eigenen Nervenstiele, der dritte zu einem Seiten- zweige des Nervenastes sich ablöst. Bei a eine Andeutung zur Bildung eines zweiten Knäuels. Am Nervenstamme machen sich bei b zahlreiche Umbiegungen der Nervenfäden bemerkbar. Im Nervenstamme fehlen die Kerneinlagerungen in dem Verlaufe der Nervenfibrillen, sie treten erst bei c in der peripherischen Astbildung auf. „ 2. Ein Nervenknäuel, der tieferen Schichte der Eichelhaut entnommen. Seine Form ist länglich keulförmig, langgestielt, geknickt. Vier Nerven- fäden vereinigen sich zum Stiele, welcher durch gangliöse Einlagerun- gen immer mehr an Querschnitt zunimmt. Der absteigende Schenkel der Knickung vereinfacht sich neuerdings deutlich in vier Nervenfäden, welche schliesslich durch Theilungen und Aufnahme von gangliösen Gebilden znr Kolbenbildung schreiten. Von den Seitenrändern fasern sich Nervenfäden mit endständigen Körnern ab. „ 3. Neivenknäuel und freie Nervenendigungen aus einem gemeinschaftlichen Nervenstamme hervurtretend. Der Nervenstamm wurde wegen Raum- ersparniss nicht gezeichnet. Die Nervenfibrillen a durchsetzen eine gangliöse Anhäufung, treten dann frei hervor, tragen bei b neuerdings mehrere Körner und enden schliesslich in ganglientragende Veräste- lungen, welche sich in Folge der Bedeckung des Präparates mit dem Deckgläschen um die Kuppe des Nervenkolbens herumschlingen. Die Nervenäste c streben mit ihren Theilungen zu benachbarten Nervenver- zweigungen hin. „ 4. Terminale Nervennetze aus der Eichelhaut in Flächenansicht. In dem Netzwerke sind die gangliösen Körner theils eingeschaltet, theils sitzen sie bei a endständig auf. „ 5. Endständige Ganglien aus den peripherischen Nervennetzen. Nervenfaser a zeigt bei b in den Bruchstücken von Nervenästen einen Knoten- punkt des Nei vennetzes; c spindeliger Kern der feinsten Nervenfasern, d endständige gangliöse Körner, an welche sich noch mehrere andere mit varicösen Fortsätzen versehene Ganglien anschliessen. Mehrere derartige Fortsätze laufen an ihren Enden in sehr feine Veräste- lungen aus. Sitzb. d. inathttin.-nulurw. Cl. LI. Bd. I. Abth. 7 VÖ Tomsa. Peripherischer Verlauf des Axenfadens im Penis. Fig. 6. Nervenstämmchen und feine Endfasern von einem über die Dauer ge- kochten und in Wasser macerirten Präparate. Die Endganglien sind meist abgefallen und die Nervenfasern zerbrochen; a, b und c deuten Stellen an, wo die gangliösen Körner dichter gruppirt standen, d ein in Zerfall begriffenes Bindegewebskörperchen. 7. Nervenveriistelung aus der subepithelialen Schichte der Eichelhaut. Die feinsten Nervenfasern lösen sich bei a, b, c in eine theils fein verästigte, theils körnig-krümmelige Masse auf, welche unmittelbar an das Epithel grenzt. Die Masse d enthält noch einige gangliöse Körner. Sämmtliche Bilder sind bei 380facher Vergrösserung gezeichnet. 99 III. SITZUNG VOM 19. JÄNNER 1805. Eingesendet wurden folgende Abhandlungen: Von Herrn Heinrich Schramm, Lehrer an der Landes-Ober- realschule zu Wiener-Neustadt „Discussion der höheren Gleichungen von beliebigem Grade". Von Herrn A. J. Koch: „Kritische Bemerkungen über die bis- herigen Tonlehren und Andeutungen zu Reformen". Vorträge wurden gehalten: Von dem w. M., Herrn Bergrath Franz Ritter v. Hauer „über die Gliederung der oberen Trias der Lombardischen Alpen". - Von Herrn Dr. A. Schrauf, Universitäts-Docenten und Custos- Adjuncten am k. k. Hof-Mineraliencabinete: „Beitrag zu den Berech- nungsmethoden der Zwillingskrystalle". Von Herrn Fr. Unf erdinger, Lehrer an der Ober-Realschule am Bauernmarkt, über „die Auflösung des sphärischen Dreieckes durch seine drei Höhen." Von Herrn Dr. Edmund Weiss, Adjuncten der k. k. Wiener Sternwarte, „Bahnberechnung des Planeten (ßß\ Maja". An Druckschriften wurden vorgelegt: Accademia, Regia, di Scienze, Lettere ed Arti in Modena: Me- morie. Tomo IV. 1862; Tomo V. 1863. Modena; 4°- — Ellero, Pietro, Della emenda penale. (Gekrönte Preisschrift 1862.) 8°- — Galassini, Girolamo, Ufficio e importanza del giornalismo etc. (Gekrönte Preisschrift 1862.) 8°- — Sala, Erio, Mezzi piü atti a procurare il meglioramento dei Carcerati etc. (Acces- sit 1862.) 8°- — Siccardi, Ferdinando, Dell' indigenza e delle cause che la producono. (Accessit. 1861.) 8°- — Tre ves de'Bonfili, Giuseppe, Iuterno alle case di lavoro. (Gekrönte Preisschrift. 1861.) 8"- 100 Chiolich-Löwensberg, Hermann von, Anleitung zum Wasserbau. 11. Abteilung. Stuttgart, 1864; 4°- Cosmos. 2 e Serie: XIV\ Annee, I er Volume, 2 e Livraison. Paris, 1865; 8°- Gewerbe-Verein, nieder-österr. : Wochenschrift. XXVI. Jahrg. Nr. 3. Wien, 1865; So- ll eeg er, E., Album microscopisch-photographischer Darstellungen aus dem Gebiete der Zoologie. III. & IV. Lieferung. Wien, 1862 & 1863; So- Ist i tut o, Reale, Lombardo di Scienze eLettere: Rendiconti. Classe di Lettere e Scienze morali e politiche: Vol. I, Fase. 5 — 7. Milano, 1864; 8°- — Classe di Scienze matematiche e naturali: Vol. I, Fase. 6 — 8. — Temi sui quali e aperto concorso. 1864. — Solenne adunanza del 7 Agosto 1864. 4°- — Magrini, Luigi, Sulla importanza dei cimelj scientifici e dei monoscritti di Allessandro Volta. 8°- — I. R. Veneto, di Scienze, Lettere ed Arti: Memorie. Vol. XI. Parte 3. Venezia, 1864; 4°- — Atti. Tomo IX. Serie 3 a , Disp. 8 a_ 10% 186 3_ 6 4 ; Tomo X , Serie 3% Disp. l a . Venezia, 1864—65; 8°- Mittheilungen des k. k. Genie-Comite. Jahrg. 1864. IX. Band, 12. Heft; Jahrgang 1865. 1. Heft. Wien, 1865; 8o- Moniteur scientifique. 193 e Livraison. Tome VH C . Annee, 1865. Paris; 4°- Pictet, F. J. et G. Campiche, Description des fossiles du terrain cretace des environs de Sainte-Croix. II. Partie. (Materiaux pour la paleontologie Suisse. 3 e Serie.) Geneve, 1861 — 1864; 4°- — et A. Jaccard, Description des reptiles et poissons de l'etage Virgulien du Jura Neuchatelois. (Ibidem) Geneve, 1860; 4°- Reader. Nr. 107. Vol. V. London, 1865; Folio. Seh rauf, Albrecht, Atlas der Krystallformen des Mineralreiches. I. Lieferung. Wien, 1865; 4°- — Katalog der Bibliothek des k. k. Hof-Hineraliencabinets in Wien. (2. Auflage.) Wien, 1864; 8°- Societe Imperiale de Medecine de Constantinople: Gazette medicale d'orient. VIII Annee, Nr. 8. Constantinople, 1864; 4«- — — des Sciences naturelles de Chorbourg: Memoires. Tome IX. Paris & Cherbourg, 1863; 8«- 101 Society, The Asiatic, of Bengal: Journal. Nr. III. 1864. Calcutta, 1864; 8o- Verein, Naturforschender, zu Riga: Correspondenzblatt. XIV. Jahr- gang. Riga, 1864; 8°- — naturw., für Sachsen und Thüringen in Halle: Zeitschrift für die gesammten Naturwissenschaften. Jahrg. 1863. XXII. Band; Jahrg. 1864. XXIII. Band. Berlin, 1863 & 1864; 8<>- Wiener medizin. Wochenschrift. XV. Jahrg. Nr. 3 — 5. Wien, 186S; 4o- Zeitschrift des öslerr. Ingenieur- Vereines. XVI. Jahrg. 10. Heft. Wien, 1864; 4»- 102 v. Zepharovieh. Über Bournonit, Malachit und Korynit von Oha in Kärnten. Von V. Ritter v. Zepharovich. (Vorgelegt in der Sitzung am 5. Jänner 1865.) In jüngster Zeit ist „Wölchit" von einem zweiten Fundorte in Kärnten bekannt geworden. Der nächst Friesach im Mettnitzthale gelegene Siderit-Bergbau Olsa lieferte vor einigen Jahren ein Mineral, welches dem in Kärnten wohlgekannten Wölchit von Wölch imLavant- thale in vieler Beziehung ähnlich, mit dem gleichen Namen belegt wurde. Noch während meines Aufenthaltes in Graz erhielt ich durch Herrn Custos J. L. Canaval solche Exemplare aus dem Klagen- furter Museum zugesendet; ein willkommenes Materiale, welches nun nach näherer Prüfung für die an dem alten Vorkommen aus der Wölch bereits erwiesene Identität von Wölchit und Bournonit einen weiteren Beleg liefert. Eine neuere reichhaltige Sendung verdanke ich Herrn Bergverwalter Hermann Tunner in Olsa, der mir auch bei meinem Besuche der interessanten Localität mit freundlichster Bereitwilligkeit die auf die Lagerungsverhältnisse bezüglichen Daten mittheilte. Auf dem Wölchit, hochgradig zersetztem Bournonit, haben sich stellenweise die Carbonate, Cerussit, Azurit und Malachit, in wohlgebildeten Krystallen — von welchen die letzteren besonders bemerkenswerth — entwickelt. Gleichfalls in der Olsa, aber auf einer anderen Lagerstätte als der Bournonit, erscheint in ungemein reichlicher Menge ein den Nickelkiesen angehöriges Mineral, für welches ich den Namen Korynit, von den eigenthümlichen kolbigen Aggregatformen desselben entlehnte. Bournonit. Mit Drusen ansehnlicher Krystalle auf beiden Breitseiten bedeckte plattenförmige Massen dieses Minerales brachen vor unge- fähr 8 Jahren zum ersten Male auf dem tiefsten der Erzlager von Olsa ein. Dieses nur 3 — 4 Fuss mächtige „ Vorlager" von in Limonit verändertem Siderit enthält, nahezu in der Mitte seiner Über Bournonit, Malachit und Korynit von Olsa in Kärnten. 103 Mächtigkeit, anscheinend conform eingelagert, den Bournonit in einer 2 — 8 Zoll starken Platte, welche unter dem Gehängeschutt am Fusse des Burgerberges ausstreicht. Die Hauptmasse desselben besteht aus lichtgrauem, wohlgeschichtetem Kalkstein, der von einem grüngrauen Glimmerschiefer unterteuft wird. Im Hangenden des Vor- lagers folgen im Kalkstein, das KreinigSiderit-Lager, 9Fuss mächtig, dann das Amanda-Lager mit einer Mächtigkeit von 3 — 18 Fuss, in den höheren Begionen aus „Braunerz", in den tieferen aus unverän- dertem Siderit, „Weisserz" bestehend und endlich nahe dem Berg- rücken noch ein drittes Lager. Die Erzlager streichen im Mittel nach Stunde 9 und verflachen nordöstlich wie die Kalkschichten; Amanda fällt unter 35 — 40 Grad, das oberste Lager unter 55 Grad ein. Die Kalkschichten zwischen den letztgenannten Erzlagern enthalten eine 15 — 20 Klafter mächtige Einlagerung von dunklem granatenführendem Glimmerschiefer. In den Erzlagern erscheinen eingesprengt, wie dies auch an anderen alpinen Sideritlocalitäten bekannt ist, Pyrit und Chalko- pyrit; ferner enthalten dieselben körnigen Calcit in grösseren Partien und Quarz; von letzterem beobachtete ich in krystallinisch-körnigem Siderit eingewachsene radiale Gruppen langer, dünner Bergkry- stalle. Quarz ist auch in den Kalksteinlagern der Nachbarschaft allenthalben in der Umgebung von Friesach, wie Professor Peters berichtete 1 )» verbreitet. Auch Pyrit fehlt nicht in denselben und ist in der Nähe der Erzlager reichlicher anzutreffen. Andererseits verdienen die Bestege von gelblichgrauem Letten und feinem Quarzsand, welche die Olsaer Hauptlager begleiten, eine Eigenthümlichkeit derselben, erwähnt zu werden. Als unmittelbares Liegend und Hangend des Siderit zeigt sich gewöhnlich der Letten, welcher durch eine Lage Sand vom Kalkstein geschieden wird; oft fehlt aber eine der beiden Lagen oder auch beide gleichzeitig, während stellenweise das Erzlager selbst durch einen sandigen Letten vertreten erscheint. Im letzten Falle bildet das Liegende ein grobstängliger Calcit. Die Sandlage enthält hin und wieder ein Stück- chen Kalkstein , keine Geschiebe. Die Mächtigkeit der Bestege ist sehr verschieden; die grösste mit 7 Fuss Letten wurde auf Amanda- Unterbau beobachtet. In dem ersten über Olsa vorliegenden Berichte i) Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt VI, 185.">, 519. 1 U 4- v. Zepharovich. von J. Senitza 1 ) wird auch dieses die Erze begleitenden Lettens gedacht; gegen die dort mitgetheilte Ansicht, dass derselbe wahr- scheinlich durch völlige Zersetzung einzelner Schiefermittel entstan- den sei, dürfte sich ein Widerspruch wohl nicht erheben; das Vor- kommen des Quarzsandes würde die nothwendige Ergänzung der Zersetzungsproducte liefern. Der Umstand, dass diese ehemaligen Schiefermittel die Olsaer Hauptlager einschliessen, bei dem Bournonit-führenden „Vorlager" aber fehlen und die geringe Mächtigkeit des letzteren — also jeden- falls eine gewisse Besonderheit — leiten wohl ungezwungen auf eine Analogie dieser Braunerzbildung mit der Bournonit-führenden in der Wölch, wo die Verhältnisse viel auffallender für einen von der Hauptlagermasse verschiedenen Bildungsvorgang zu sprechen scheinen. Nach den Mittheilungen, welche ich dem Herrn Berginspector E. Heyrowsky in Wiesenau während meines flüchtigen Aufent- haltes im Lavantthale verdanke, werden im westlichen Beviere des Bergbaues zu Wölch die linsenförmigen Braunerzlager und der sie einschliessende — im Gneiss eingelagerte — Kalkstein, von Klüften, zwischen Stunde 10 — 14 streichend, und einige Linien bis 2 Zoll — meist 6 — 12 Linien — mächtig, durchsetzt, deren Aus- füllung vorherrschend ebenfalls aus Braunerz besteht, welche aber in Nestern oder in Schnüren Wölchit, Fahlerz und Antimonit enthalten. Die Schichten des Gneissglimmerschiefers und des Kalksteines streichen nach Stunde 6 — 7. Die Braunerzklüfte entziehen sich sobald sie aus dem Kalk in die Erzlinsen treten, der Erfüllung mit gleichartiger Masse wegen, der unmittelbaren Beobachtung, sind aber kenntlich durch Glaskopfgeoden und durch Wölchit-Nester, welche in der Kluftrichtung liegen, ausserhalb derselben aber, in den Lagern zerstreut, nicht anzutreffen sind. Übereinstimmend hiermit, berichtete mir Herr Ullepitsch in Klagenfurt, früher in St. Gertraud stationirt, dass man mit dem Barbara-Stollen in der Wölch, wenige Klafter vom Mundloch, bevor derselbe noch das Erz- lager erreichte, im GneissglimmerschietW* eine Querkluft angefahren hatte, welche in dem sie erfüllenden Liinonit, Nester von Wölchit enthielt; auf dem Erzlager selbst brachen diese nicht ein. ') P. Tunner's Jaln-Imch I, 1841, Graz 1842. Über Bournonit. Malachit und Korynit von Olsa in Kärnten. lUD Noch klarer zeigt seh das Verhältniss zwischen den Erzlagern und durchsetzenden Klüften in dem aufwärts imLavantthale gelegenen Berghaue am Lohn er Erz berge nächst St. Leonhard. Die dem Kalke eiiigelntjerten Erzlinsen enthalten hier frischen Siderit „Weiss- erz", die Kluftausfüllungen bestehen aber aus Braunerz. Ein solcher Braunerz- Gang wurde in seinem Zuge durch drei parallel hinter ein- ander gelagerte Weisserz-Linsen verfolgt. Im Gneisse ausserhalb der Kalklager — an welche stets das Erzvorkommen gehunden ist — schliessen sich diese Klüfte, die auch hier nach ihrer mittleren Streiehungsrichtung „Zwölfer" genannt werden, sind jedoch durch eine Absonderung des Gneisses parallel der Kluftrichtung ange- deutet. Da man beobachtet hat, dass solche Klüfte stets eine Erzlinse durchsetzen, folgt man ihnen, um neue Lagerstätten aufzufinden. Das übereinstimmende Einhalten einer Hauptrichtung dieser Zwölferklüfte nebst ihrer ansehnlichen Ausdehnung, einerseits im Streichen, andererseits nach dem Verflachen, dürften denselben wohl eine grössere Bedeutung als die untergeordneter gangartiger Abzweigungen der Haupterzlagerstätten zuerkennen lassen. Im Streichen verqueren nämlich diese Klüfte die ganze Mächtigkeit der Kalklager bis in die angrenzenden krystallinischen Schiefer, und eine bedeutendere Ausdehnung nach dem Verflachen, nach aufwärts bis gegen die Gebirgsoberfläche hin, wird durch die Umänderung des Siderit der Klüfte in Braunerz nachgewiesen. Demnach möchten wir auch die Kluftminerale als Gangbildungen betrachten, in den Spalträumen wahrscheinlich durch aufsteigende Quellen abgesetzt. Diese konnten ausser den Bestandteilen des Siderit, jene des Bour- nonit, Antimonit (Wölch, Loben) und andere mitführen, die wir nur in diesen Kluftausfüllungen finden. In den Sideritlagern selbst kommen metallische Minerale anderer Art, den Kiesen angehörig, stets unregelmässig eingesprengt vor. Übereinstimmend mit Wölch, sehen wir in dem Bournonit und dem Siderit des „Vorlagers" in der Olsa ebenfalls Absätze auf einer im Kalkstein — hier aber in der Richtung des Streichens der Erzlager — eröffneten Spalte, und finden diese Annahme unterstützt durch das bereits erwähnte Vorkommen des Bournonit als ein halbfuss dickes Blatt in der Mitte des geringmächtigen Braunerzes. Demnach wäre der Kärntner Bournonit, wie jener anderer zahlreicher Loca- li täten, ein Gangmineral und wäre auch eine weitere Analogie durch lUb v. Zepharovich. die Begleiter desselben, Siderit, Baryt, Antimonit und Chalkopyrit hergestellt. Noch ein dritter Wölchit-Fundort in Kärnten, Maria -Wait- s c h a c h ist zu nennen. Von diesem sah ich in der Sammlung des Berg- verwalters F. Seeland in der Lolling ein Exemplar unzweifelhaften Wölchites mit dicker gelber Ockerkruste bedeckt und im Klagen- furter Museum sammtartigen Malachit in zelligen Hohlräumen von Limonit, in welchem Wölchit und Chalkopyrit eingesprengt sind. Prof. Peters hatte mich schon früher auf den Wölchit von Wait- schach aufmerksam gemacht. Nach dessen Berichte (a. a, 0. S. 166 und 520) setzen die Friesacher Kalklager über Waitschach, wo ein Limonitlager abgebaut wird, bis Hüttenberg-Lölling fort *)• In Olsa hat man das Bournonit-Blatt beiläufig auf 10 Klafter verfolgt, weiter einwärts ist das Verhalten nicht bekannt. Mit dem Bournonit, — der ungemein häufig Chalkopyrit eingesprengt und beigemengt enthält — und zunächst demselben im Braunerz, er- scheint körnig-blätteriger Baryt; auf den eigentlichen Olsaer Erz- lagern wurde derselbe nicht beobachtet. Im Formentypus sind die Wölchitkrystalle von Olsa , wie Haidinger in der ersten Notiz über den neuen Fundort erwähnte 2 ), mehr als jene aus der Wölch, dem des eigentlichen Bournonit ge- nähert. Die kurz- und dicksäuligen, oft nahezu kubischen, selten tafeligen Gestalten, erreichen bis 39 Millim. Höhe und 27 Millim. Breite und sind vorwaltend durch oP, ooPob und ooPöö begrenzt; untergeordnet erscheinen ooP, dann yoJPööundPöö undP. Die letz- teren Angaben beruhen auf sehr aproximativen Messungen mit dem Anlegegoniometer, die bei der weit vorgeschrittenen Zersetzung, in welcher diese Krystalle vorliegen, nur selten möglich, wenig Sicherheit in die Combinationsbestimmung bringen, um so geringere als die WinkeldifTerenzen der Kanten zwischen den Hauptflächen des Bournonit ohnehin keine bedeutenden sind. Gewöhnlich sind Kanten und Ecken völlig zugerundet, entsprechend dem ockrigen Zustande der Flächen und der Krystallmasse tief einwärts. 1 ) Über die vorerwähnten Berghaue gehen ausser der citirten Abhandlung, Nachrichten Lipoid cbend. S. 198, Wieland in Ilaidinger's Ber. V, 2'2!i und Senitza Tunner's .Jahrb. I, 100 ff; auch Karl v. Hauer's Eisenerzvorkommen in Österreich 186:5, S. 54 und 62. z ) Jahrb. d. k k. geolog. Reichsanstalt XIV, 18t>4, Verhandl. 5. Über Bournonit, Malachit und Korynit von Olsa in Kärnten. 107 Die an den hochsäuligen Formen des Welcher Bournonit so häufigen cannelirten*Und tief eingeschnittenen Seitenflächen, welche an das Rädelerz erinnern, finden sich an den Olsa-Krystallen nicht; diese zeigen aher öfter einfachere Ahgliederungen, erscheinen auch als „rechtwinkelige Kreuzkrystalle". welche nach Fr. Hessen- berg's ungezwungener Erklärung, nicht als Zwillingsbildung auf- zufassen sind *). Ich beobachtete solche in den Drusen an beiden Bieitflächen der Bournonitplattcn und häufiger noch an den kleineren Krystallen, welche Hohlräume von geringer Ausdehnung in der derhen Masse auskleiden und die treffliche Erhaltung ihrer Form einer Decke dicht aneinander gedrängter Cerussit-Kryställehen verdanken. Einzelne grosse Krystalle sind zerborsten und die Klüfte mit röthlichem Baryt erfüllt. Dieser zeigt sich auch auf einigen Kry- stallen, in lamellaren Aggregaten und erscheint an anderen Stücken reichlicher mit grösseren Bournonitpartien verwachsen, als blättrig- körnige Gangart. An diese Zone würde sich dann beiderseits das Braunerz anschliessen. Die in den Mineraliensammlungen verbreiteten Bournonit- exemplare aus der Wölch sind wie die von Olsa in stark zersetz- tem Zustande; die Krystalle sind meist eingewachsen in derbem, zunächst auch ockerigem Limonit, der in Höhlungen als Glaskopf mit Wad-Überzug erscheint. Aber in der Wölch ist das Vorkommen noch interessanter, da es aus verschiedenen Tiefen, verschiedene Veränderungsstufen der Gangminerale liefert. An das eben erwähnte würde sich das Vorkommen verwitterter Bournonitsäulen anschlies- sen, die gewöhnlich liegend aufgewachsen sind auf Limonit, der aber durch deutliche Rhomboeder noch seine Abstammung von Siderit nachweist. Endlich vollkommen frischer Bournonit in mit Rhomboedern ausgekleideten Drusenräumen unveränderten Siderites. Von diesem letzleren Vorkommen dürften nur wenige Exemplare vorhanden sein; eines in dem k. k. Mineraliencabinet zu Wien (Hdslg. I. Nr. 4865 a) und einige in der Sammlung Fr. v. Rosthorn's in Klagenfurt. Zu dem Wiener-Stücke bemerkte L. Hohenegger, dass er bei einer von ihm im Jahre 1838 eingelei- teten Schürfung auch das „prismatische Kupferfahlerz, Mohs" ausser einigen derben Vorkommen nur zwei Krystalle erbeutete. !) Mineralogische Notizen V, 39. 1 O v. Zepliarovich. An dem Wiener-Exemplare sieht man gelblich grauen, krystal- linisch-körnigen Siderit, worin derber, stark glänzender Bournonit, von stahlgrauer Farbe eingesprengt ist. In einen mit Rhomboedern besetzten Drusenraum des Siderites ragt von der derben Masse ausgehend, eine 14 Millimeter lange cannelirte Bournonitsäule, durch oP geschlossen hinein. Kleine Fragmente hievon ergaben durch sorgfältige Bestimmung das specifische Gewicht = 5.832. Eine dünne Quarzrinde hat sich zwischen den Sideritrhomboedern und dem Bournonitkrystall abgelagert, und zeigt losgetrennt die tiefen Längsrinnen des letzteren. Auch an verwitterten Säulen sind solche krystallinische Quarzansätze stellenweise zu bemerken. Ganz ähnlich ist ein an 25 Millim. hoher Krystall, ebenfalls in einer Sideiitdruse, den ich, nebst anderen ausgezeichneten Wölchiten, in der Mineraliensammlung v. Rosthorn's aufgestellt sah. Zwei Exemplare dieser Sammlung, einen losen Krystall im Durchmesser etwa 18 Millim. und ein derbes, vollkommen frisches, in Siderit eingewachsenes Mineral, beide von Wölch, hatte Kenn- gott schon vor längerer Zeit, vollkommen mit Bournonit im Aus- sehen, Krystalltypus, Härte, sp. Gewicht (5*828), Strich und in den Löthrohr-Reactionen übereinstimmend gefunden t). Den Krystall beschrieb Kenngott als eine Vielingsgruppe nach ooP ver- bundener Individuen der Combination 0P.00P60 .ooP.ooPöö, mit einer untergeordneten Pyramide mP, und zwei Brachydmnen. Aus den Angaben oP: mPoo= 146t/ 5 ; und ooPoo: m'Pc<2 = 141° würden die Zeichen 3 / 4 P6o und 7 / 5 Pdo folgen, mit einer Differenz der gemessenen und berechneten 2 ) Winkel von 25' und 28'. — Am Bournonit ist aber die makrodiagonale Zone weit flächenreicher als die brachydiagonale. In der Übersicht der bisher beobachteten Bournonitformen verzeichnet Hessenberg 3 ) fünf Brachydomen und zwölf Makrodomen und unter den letzteren auch die von Haus- mann gefundenen 3 / 4 Pöä und 7 / 5 Pöö. Es ist daher nicht unwahr- scheinlich, dass die oben erwähnte Bestimmung auf einer Verwechs- lung von ooPob und coPöö beruhe. Die Differenz der Kanten- rechnung und Messung würde bei der Annahme von Makrodomen i) Mineral. Not. 14. Folge, 8°. (Sitzber. .1. Wr. Akad 1834, XIII, 46?.) 2 J Aus dem Parainetei-verhällnisse ü:i :e = 1 : 9379 : 0.8968, Dana. 3 ) Miner. Not,. V. 34. Über liournonit, Malachit und Korynif von Ul.sa in Kärnten. 109 wohl mehr, etwas über 2 Grad betragen; doch auch diese ist hei „annähernden Messungen mit dem Contactgoniometer" noch zulassig. Auch an dem Olsa-Bournonit kommen, nach meiner Beobachtung, nur Makrodoinen vor. An dem derben Stücke der Bosthornschen Sammlung fand ich schon früher an einem Krystallfragmente, mit dem Reflexionsgoniometer, die Neigung von ooP gegen ooPöö und oqPoq vollkommen mit den Bournonit-Winkelu stimmend *)• Dem — nach einer Discussion der damaligen Schrotte r'schen Analyse 2 ) des Wölchit — von Kenngott ausgesprochenen Wunsche einer wiederholten chemischen Untersuchung, ist inzwischen Ram- melt-berg 3 ) nachgekommen. Die chemischen und physischen Eigenschaften des Wölchit lassen nun, wie diess unlängst von Zir- kel 4 ) und von Naumann 5 ) hervorgehoben wurde, die Identität des Wölchit und des Bournonit als entschieden betrachten. Der „Wöl- chit" ist eben nur ein mehr weniger zersetzter Bournonit, und nur in diesem Sinne, zur Bezeichnung eines jedenfalls bemerkenswerthen Vorkommens, wird der von Haidinger, dem ersten Fundorte ent- lehnte Name fortan noch zu verwertben sein. Würde eines von den frischen Exemplaren der R osthor n'scheu Sammlung der Analyse unterzogen werden, so wäre gewiss eine noch grössere chemische Übereinstimmung mit den unzweifelhaften Bournoniten zu erwarten. Die ockerige Veränderung ist auch bei dem Olsa-Bournonit so tief einwärts vorgedrungen, dass nur die mittleren Partien der dicksten Plattenstücke, anscheinend unzersetzte Masse enthalten. Schwärzlich-bleigrau, metallglänzend und nach einer Bichtung ziem- lich deutlich spaltbar, ergab dieselbe das specifische Gewicht —5-637, als Mittel von acht Wägungen mit den Grenzen 5*585 bis 5-700. Bei grösster Sorgfalt war es nicht möglich für diese Bestimmung, so wie für die chemische Zerlegung ein von Zersetzungsproducten ganz freies Materiale zu gewinnen, da die Masse selbst in den kleinsten Stückchen noch von ockerigen Stellen durchdrungen ist. 1 ) Kenngott, Miner. Not. a. a. O. 2 ) Der auffallende Arsenikgehalt derselben dürfte sieh durch dem Wölchit beigemengtes Fahlerz erklären lassen; solches kommt in der Wölch in Krystallen und derb vor. (Vrgl. mein mineral. Lex. f. Österreich, S. 445.) 3) .Mineralchemie, 1860, 80. 4 ) Monographie des Bournonit. Sitzungsber. d. Wr. Akad. 1862. XI. V, 465. 5) Mineralogie. 1864, 450. 110 v. Zepharovich. Die Analyse durch Herrn Dr. M. Buchner in Graz vorge- nommen, ergab folgende Resultate : Schwefel 18-54 Antimon . . .• 20-95 Blei 41-67 Kupfer 11-61 Eisen 0-94 Kohlensäure w m ■ 4 ' 86 98-27. Mehrere dieser Angaben beruhen auf wiederholten, nur wenig von einander abweichenden Bestimmungen. Arsenik wurde nicht gefunden. — Die Summe der Metalle und des Schwefels ist 93*71; in dem Abgange von 6-29 wurden 4-56 als Kohlensäure und Wasser bestimmt, während 1-73 auf den Sauerstoff, der mit den Metallen in Carbonaten verbunden war, entfallen würde. Berechnet man aus der gefundenen Menge Kohlensäure und Wasser den Sauerstoff für gleiche Theile von Cerussit und Malachit — unter den Zersetzungsproducten am reichlichsten vertreten — so erfordern diese 0-82 -J- • 82 = 1 - 640, welche sich mit der gefundenen Summe der Bestandtheile auf 99 '91 ergänzen. Wären diese Carbonate aber auf Kosten von fortgeführtem Schwefel in dem ursprünglichen Minerale an Ort und Stelle gebildet worden, so müsste die obige Bestimmung des Schwefels zu gering ausgefallen sein. Die gefundenen Metalle erfordern nach der Bour- nonit-Formel (Pb ä €ü)Sb in Summe 18-09 S; die Analyse ergab also noch einen Überschuss von 0-45 S; es konnte daher die Zer- setzung nicht in der oben angegebenen Weise erfolgt sein. Die obige Zerlegung, nach Abzug der gefundenen 4 # 56 CO 3 und HO, gibt in Procenten: Schwefel 19-78 Antimon 22-37 Blei 44-47 Kupfer 12-39 Eisen 100 100. Über Bournonil, Malachit und Korynit von Olsa in Kärnten. Zur Vergleichung folgen R a m m e 1 s b e r g's Analysen des Wölchit aus der Wölch, die berechnete Zusammensetzung des Bournonit («) *) und die durch die zuverlässig erscheinenden neueren Analysen gefundenen Minima und Maxima der einzelnen Bestandtheile (6) 2 ). 16-81 — 15-23 19-72 17-8 — 20-31 24 41 — 24-46 24-71 24-34 — 29-4 42-83 — 43-69 42-54 38-9 — 42-88 15-59 - 1615 1303 12-3 — 1516 0-36 — 0-58 — - 2-35 Wölch O) (6) Schwefel . . . 19.78 Antimon . . . . 22-37 Blei 44-47 Kupfer . . . . 12-39 Eisen 1-00 100 100 100-11 100. Den gegenwärtigen Zustand des Olsa-Minerales berücksichti- gend, ist die Übereinstimmung mit den vorliegenden Analysen wohl genügend, um dasselbe in Zusammenhalt mit den physischen Eigen- schaften, als Bournonit zu bestimmen. Der grössere Gehalt an Blei würde sich wohl ungezwungen durch zugeführten Cerussit erklären lassen, wodurch auch die gefundene Menge Schwefel nicht mehr auffallend erschiene; es würde dann die Veränderung der zerlegten Probe vorzugsweise auf einer Verminderung des Antimongehaltes beruhen. Die glanzlosen, abfärbenden, dicken Ocker-Schichten, welche Krystalle und derbe Stücke des Olsa-Bournonites bedecken und auf vielfach verzweigten engen Spalten tief in die Masse dringen, sind sehr mannigfaltig, vorwaltend braun, roth oder gelb gefärbt. Zu- weilen beobachtet man mehrere Lagen von verschiedener Farbe übereinander, so: graulichgrün, grünlichgelb, gelblichroth, roth- braun, braun und endlich graubraun an einem Krystalle. Die oberste Decke bilden oft dunkelbraune, flechtenartig ausgebreitete oder kleine pilzartige Ansätze von grünlichblauer Farbe. Stellenweise zeigen sich auch Cerussit- und Malachit-Krystälichen. Die qualitative Untersuchung dreier Ockerproben verdanke ich Herr F. Stolba in Prag. In der folgenden Übersicht sind die vor- herrschenden Bestandtheile mit + > die in Spuren nachgewiesenen, mit — bezeichnet. l ) Ka m m e I s h e rg a. a. 0. z ) Zirkel a. a. O. S. 434. 112 v. Z e p h a r o v i c h. Farbe des Ockers co= PbO CuO SbOS As05 Fe 2 0* MnOä HO + + + — — — + + + + — + 4 + + + — — + + + a) graulichgelb b) lichtbraun . c) dunkelbraun Im Kölbchen erhitzt geben die Proben Wasser und wird (ä) gelb wie Bleiglätte und (b) schwarz; (c) decrepitirt und ändert die Farbe nicht. — Zu den Bestandteilen des Bournonit sind daher hinzugetreten: Sauerstoff, Kohlensäure, Wasser und Spuren von Arsensäure, letztere ohne Zweifel von zersetztem Korynit im Han- gend- (Kreinig) Lager, herzuleiten 1 ). Die obersten, dunkelbraunen Ansätze enthalten überdies Mangansuperoxyd, wohl aus dem Braun- erz stammend. Gerussit, Malachit und Azurit. Während in den weiter ausgedehnten Drusenräumen der Bour- nonit- Zone die grossen Krystalle oberflächlich ockerig verändert erscheinen, zeigen sich die kleineren Hohlräume in der Masse, durch zwei Derivate des Bournonit, durch Cerussit und Malachit erfüllt oder mit deren Krystallen ausgekleidet. Die weit reichlichere Bildung von Cerussit — entsprechend dem mehr als dreifach grösseren Gehalte von Blei gegen Kupfer, in dein unzersetzten Bour- nonit — lässt drei aufeinander folgende Perioden erkennen. Der ältesten gehören grössere, weisse, missgestaltete Krystalle an, welche oft mit einer kupferfarbigen, leicht absprengbaren Binde bedeckt sind. Nach dieser folgte die jüngere Generation in tafelig oder prismatisch gestalteten Formen; letztere erscheinen häufig als feine schnee- i) Bei einer widerhollen Prüfung- des Bournonit von Olsa durch Herrn S toi ha erwies sich derselhe (übereinstimmend mit Dr. Büchner) vollkommen frei von Arsenik. Auch Silber ist darin nicht enthalten; — nach K. v. Hauer (a. a. O.) sind die Eisenkiese der Erzlagerstätte von Olsa silberhaltig und findet man zuweilen in den Ofenhrfichen daselhst reines Silber. Bergverwaller II. Tunner (heilte mir mit, dass sich zeitweise Kiigelchen von Blei auf den Eisenflussen und in den Klüften der Gestellsteine zeigen; — wohl nur dann, wenn Bournonit den Erzen beigemengt war. Über Bouriionit, Malachit und Korynit von Olsa in Kärnten. 1 I ii weisse Nadeln oder seidenglänzende, zart längs-geriefte Säulchen. Theils früher, theils später als dieser Cerussit mittleren Alters erschien der Malachit; seine Krysfalle umschliessen Cerussitnadeln, oder werden von solchen durchsetzt; andere Malachite haben wieder augenscheinlich Cerussitkrystalle in ihrer Elitwickelung gehindert; stellenweise mögen beide Minerale auch gleichzeitig abgesetzt wor- den sein. — Ihnen folgten endlich in einigen Drusenräumen die jüngsten Cerussite, in höchstens fünf Millim. hohen wohlgebildeteu Zwillingskreuzen dünntafeliger Individuen, der Form oo.Po6. P., mit untergeordneten ooP und 2 Poa. In anderen ebenfalls wenig ausgedehnten Hohlräumen wurden kleine Bournonitkrystalle, ober- flüchlich mit lebhaft demantglänzenden Cerussit-Kryställchen dicht besetzt; auch erscheint das gleiche Mineral als Ausfüllung von Spalten und kleineren Höhlungen in der vorwaltend stark veränderten Bournonitmasse. — Die Mal achit-Krystalle sind durch ansehnliche Dimensionen und vorzügliche Ausbildung gleich bemerkenswerth. Den wenigen bisher bekannten Localiläten, welche krystallographisch bestimm- bare Malachite liefern, Rheinbreitenbach 1 ), Siegen 2 ), Joachims- thal 2 ), Rezbanya 1 ), Nischni-Tagilsk s), Wallaroo und Burra Buna in Süd-Australien 2 ) schliesst sich nun eine dritte österreichische, Olsa in Kärnten 4 ) würdig an. Einzelne prismatische Krystalle erreichen 7 Millim. Höhe und 2 Millim. Breite; bei diesen Dimensionen ist ihre Farbe ein sehr dunkles smaragdgrün bei geringer Pelucidität; kleinere sind lichter und durchsichtig. Es sind rhombische Prismen, geschlossen durch eine scheinbar rechtwinkelig angesetzte Endflächej bei näherer Betrachtung erscheint diese sehr uneben; sie ist stets fein gekörnt oder zart schuppig und gleichzeitig oft nach der Makrodiagonale gebrochen, ein- oder aufwärts gekrümmt. Unter dem Mikroskope erkennt man, dass die Unebenheit bewirkt wird durch unzählige Flächenelemente i) Hessenberg, Mineral. Notizen Nr. 3, 1860, 31 und Nr. 6, 1864, 9. 2 ) V. v. Lang, Phil. Mag. Ser. 4, Vol. 25, pag. 21, PI. VF. s ) A. Nordenskiöld, Acta soc. scient. Fennicae, IV, 1855, p. 607. — Eine Über- setzung dieser Abhandlung verdanke ich der Güte Fr. Hes senb erg's. *) Die erste Nachricht über diesen Fundort gab J. L. Canaval, Jahrb. d. naturh. Landesmuseums von Kärnten, 4. Heft, 1855 — 1859, p. 129. Sitzb. d. raathem.-naturw. Cl. LI. Bd. J. Abth. 8 114 v. Zepharovich. von meist triangulärer Begrenzung, welche — nach zwei entgegen- gesetzten Richtungen spiegelnd — zwischen anderen zahlreicheren von unregelmässigen Umrissen liegen, die alle in einer Ebene, in jener der Endfläche gleichzeitig erglänzen. Zunächst den Rändern der rhombischen Säule sind die 'triangulären Flächen in gleichem Sinne geneigt und ziemlich anschliessend aneinander gereiht, wäh- rend sie gegen die Mitte hin unregelmässiger begrenzt und vertheilt erscheinen. Trennt man ein Prisma mit ungebrochener Endfläche von seiner Unterlage, so zeigt sich aus der Beschaffenheit der hierbei entblössten Fläche der vollkommenen Spaltbarkeit quer gegen die Hauptaxe, dass der scheinbar einfache Krystall aus einer grossen Anzahl von Individuen besteht, welche vorwiegend unter einander parallel, andere in hemitroper Stellung umschliessen. Diese zweite Stellung der Individuen konnte an einem Exemplare an den scharfen Kanten, zwischen den Säulen- und der Spaltfläche, als eine ziemlich zusammenhängende , gegen Innen gesägt begrenzte, schmale Randeinfassung wahrgenommen werden; dabei mussten die Spaltflächen des Randes und der Mitte eine ausspringende Kante ergeben. Jene Säulen aber, mit einer nach der Makrodiagonale convexen oder concaven Endfläche sind ebenfalls Einigungen vieler Individuen, die aber nach der Ebene durch die scharfen Seitenkanten in zwei Hälften zerfallen, welche sich gegeneinander in hemitroper Stellung befinden; in jeder der beiden Hälften sind die Individuen in gleichem Sinne orientirt. Die queren Spaltflächen einer solchen von der Un- terlage losgetrennten Säule, treffen mit einspringender Kante unter dem gesetzmässigen Winkel zusammen. Auch die dünneren Prismen und die Nadeln, welche entweder einzeln oder in Büschel gestellt, oder innig zu radial-stängeligen und faserigen Aggregaten vereint sind, lassen, sobald ihre Dimensionen noch eine Untersuchung gestat- ten, stets Zvvillingsbildung erkennen und scheinen dieselben weit vorherrschend in der Weise aufgewachsen zu sein, dass am freien Ende der Individuen die ausspringende, am aufgewachsenen, die einspringende Kante der Spaltflächen erscheint ')• Ausnahms- weise erhielt ich aus einem Krystallbündel ein Säulenmittelstück, welches an beiden Enden die einspringenden Kanten der Spaltflächen i) b. fig. ü'.tG in Miller's mineralogy, i>. 592 Über ßournonit, .Malaolii t und Korynit von Olsa in Kärnten. 1! (c) zeigte. Ähnliches, — beiderseits die ausspringende Kante, hat v. Lang (a. a. 0.) an australischen Malachitkrystallen beobachtet c e>i und an einer Spaltlamelle nach 00P0© in polarisirtem Lichte eine Durchkreuzung zweier Individuen nach- gewiesen, welche für unseren Fall sieh wie in neben- stehender Skizze ergeben würde. Die Prismenflächen glänzen lebhaft, sind aber wie auch die Endflächen, in Folge der Einigung vieler Individuen uneben, längswellig gekrümmt. Die eben genannten Flächen ooP und oP (wenn man mit Mobs und Lang die quere Spaltfläche c mit — Poo und die nahezu rechtwinkeligzurHaupt- axe geneigte Fläche mit oP bezeichnet), begrenzen vorherrschend die Malachitkrystalle von Olsa. Sehr untergeordnet erscheint noch die in unzähligen kleinen triangulären Flächen einspiegelnde — ^oo. An einem Krystalle fand ich das Prisma durch — 7 / i Poo, welches nach annähern- der Messung gegen oo^oo unter 132 !/ a ° geneigt ist und noch nicht beobachtet wurde, geschlossen *)• Als Seltenheit beobachtet man auch kleine unbestimmbare Flächen, welche die Ecken zwischen oP und der scharfen Kante von ooP abstumpfen und einem Klinodoma angehören dürften. Ebenfalls nichtgenau zu ermitteln, wegen gleicher zartdrusiger Oberfläche, sind jene zwei Flächen, welche an einigen Säulen mit einspringender, der Makrodiagonale paralleler Kante, am freien Krystallende erscheinen; diese Kante fand ich annähernd 162« 20'. Eine Untersuchung der Lage der Spaltflächen an diesem Zwillinge war leider nicht gestattet — es bleibt daher unentschieden, ob in diesem Falle in den Individuen jeder der beiden hemitropen Theile, die Tendenz zur Ausgleichung der einspringenden Zwillingskante jene flachrinnartige Eintiefung des Endes bewirkte, oder ob — die früher angegebene vorherrschende Aufwachsung und Zusammen- setzung der Säulen annehmend — hier die von Lang beobachteten Flächen des jenseitigen Hemidoma % Poo vorliegen , für welches (a. a. 0.) die Zwillingskante V^o© {ooPoo} 11 Beobachtungen an 3 Krystallen. —Pc*:eoPoo = 118 15 30 1 „ „1 An Spaltflächen eines andern Säulchens wurde die aussprin- gende Zwillingskante —PcO \ooPoo\ -Poe == 123° 31' 40" als Mittel aus zehn Beobachtungen bestimmt. Obgleich diese Messungen nur als aproximative gelten können, da eine Reflexion des Fadenkreuzes nicht stattfand, stimmen sie doch — die erste und letzte ausgenommen — ziemlich gut mit den Werthen, welche Hessenberg's sorgfältige Beobachtungen (a. a. 0.) an schönen Krystallen von Rheinbreitenbach und von Rez- banya ergaben. Ausser in dünnstängeligen Aggregaten (das speeifische Gewicht eines solchen fand ich 4*033), zeigt sich der Malachit in den fein- sten Nadeln, welche büschelige, garbenähnliche oder halbkugelige Gestalten mit sammtartiger Oberfläche bilden; zuweilen erscheint er auch als dünner Überzug von Cerussitkryslallen. — Als grosse Seltenheit bemerkt man neben Cerussit und Malachit auch ein vereinzeltes Kryställchen von Azurit; sie schliessen wie manche Malachitkrystalle zuweilen Cerussitnadeln ein und erreichen höchstens 3 Millim. Breite bei 1 x / z Millim. Höhe. Um so bemerkenswerther ist ein von Olsa stammendes Stück, eine Druse grosser, in Malachit umgeänderter Azurit-Kry- stalle, welche mir Herr F. Seeland zur Bestimmung sandte. Bis 18 Millim. hohe und 7 Millim. breite säulige Formen — an Löllingit oder Säulenbaryt erinnernd — erwiesen sich als einem selteneren Typus der Azuritkrystalle angehörig 2 ). Es sind nach der Orthodia- gonale gestreckte Combinationen von oP . -Poe . —Poe . Ptx> . ecPeo *) In einer zweiten jüngeren MittheiluDg berechnet v. Lang aus verlässlieheren Messungen obigen Winkel mit 90°3' (Phil. Mag. Ser. 4, Vol. 28, pag. 55.) 2 ) Zippe hat ahnliche aus Tirol gezeichnet, Krystallgestalten der Kupferlasur, 1830, Fig. 52-54. Über Bournonit, Malachit und Korynit von Olsa in Kärnten. 117 nach Millers und Dan a's Grundform bezeichnet. Messungen mit dem Contactgoniometer gaben — fco : ec:P«c = i3G°S2'(2) gerechnet i37°13' * foo : co fco =133 52 (3) „ 134 56 fco : fco = 82 22 (8) „ 82 38. Diese Formen meist mit der scharfen Kante des Klinodoma auf- gewachsen, bestehen ganz aus feinfaserigem Malachit ohne Höhlungen im Innern; die Flächen sind eben, matt oder schimmernd durch die demantglänzenden Enden der Krystalloide und bedeckt mit einem dunkelbraunen Anfluge, der sich als Limonit erwies. Einzelne Pseudomorphosen tragen eine dünne, lichtgrüne sammtartige Malachitkruste; am Fusse anderer haben sich Malachit-Faserbüscheln angehäuft. Die Unterlage der Druse ist eine von Eisen- oxydhydrat reichlich durchdrungene thonige Masse, die vielfach von Malachitadern durchsetzt ist. Ausser den Bestandteilen des Malachit, Hessen sich in den Pseudomorphosen noch Spuren von kohlensaurem Bleioxyd nachweisen. oo /"oo Korynit. Im Hangenden der Bournonit-Lagerstätte folgt im Kalkstein das Kreiniglager, bei einer durchschnittlichen Mächtigkeit von 9 Fuss, wesentlich aus Siderit bestehend. Auf diesem Lager fand man im Siderit und Calcit ein dem Arsenikkies ähnliches Mineral in unge- mein reichlicher Menge eingesprengt. Haidinger hat bereits die Übereinstimmung dieses, „einer näheren Untersuchung werthen metallischen Minerales" mit Arsenikkies in einigen Eigenschaften erwähnt und hervorgehoben, dass es „aber doch durch eine gewisse schalige Zusammensetzung bei sehr ungewöhnlichen, nachahmenden nierenförmigen und nahe kolbenförmigen Gestalten, und das starke schwarze Anlaufen der Oberfläche, einen ganz fremdartigen Eindruck mache" *). Dies bezieht sich auf die, in frischem oder nur wenig l ) Jahrbuch der k. k. geolog. Reichsanstalt XIV, 1864, Sitzung am 19. April. 118 v. Zepharovich. gebräuntem Siderit eingewachsene Varietät, von welcher ich schon zu Anfang dieses Jahres durch Herrn Custos Canaval's Sendung Kenntniss erhielt. Schon damals hatte ich, nach jenen eigentüm- lichen kolbigen Formen, für das Mineral — sollte dies durch die weitere Untersuchung gerechtfertigt erscheinen — den Namen Korynit (von xopüvr}, Kolben, Keule) in Bereitschaft. Da die Resultate der chemischen Zerlegung es nun ebenfalls wünschen hissen, das den Nickelkiesen einzureihende Mineral durch einen besonderen Namen zu bezeichnen, möchte ich für dasselbe den genannten in Vorschlag bringen. Der Korynit krystallisirt wie die beiden ihm nahestehenden Nickelkiese im tesseralen Systeme; an dem mir vorliegenden Ma- teriale beobachtete ich nur Oktaeder bis 2 i / 2 Millim. Kantenlänge erreichend. Am Reflexionsgoniometer gibt die Messung der Kanten 70 21' als Mittel von acht Beobachtungen an fünf Individuen mit den Grenzen 69° 5' und 73 40', wegen Convexität der Flächen, die an den grösseren Krystallen ganz allgemein ist, und bauchig-ver- zerrte Formen veranlasst. Auch sind die Flächen häufig schuppig oder dreiseitig getäfelt. Selten sind die Oktaeder einzeln einge- wachsen; meist erscheinen sie mannigfach geeint, insbesondere nach einer tetragonalen Axe geradlinig an einander gereiht — wie an Fäden krystallisirte Alaunoktaeder — in kugeligen Gruppen u. a. Die Krystall-Aggregate und aus diesen hervorgehenden krystal- linisch-körnigeu Partien sind in weissem körnigem Calcit eingewach- sen so reichlich, dass an ansehnlichen Handstücken der Korynit oft weit überwiegt — während die nachahmenden Gestalten an frischen körnigen Siderit gebunden erscheinen. Dieses Verhältniss der bei- den Korynit- Varietäten zu verschiedener Matrix wird fast ausnahmslos eingehalten — selbst an einzelnen Exemplaren, an welchen Siderit und Calcit gleichzeitig auftreten — so dass man die Ausbildung der einen oder der anderen dem Einflüsse der umschliessenden Masse zuschreiben muss. Unter den nachahmenden Formen sind die kolbigen besonders bemerkenswerth. Von halbkugeligen Aggregaten mit kleintraubiger oder nierförmiger Oberfläche, erstrecken sich gegen ein Ende ge- wöhnlich verdickte Arme in den umgebenden, dicht anschliessenden Siderit — das Ganze gewissen Korallenstöcken nicht unähnlich. An einem Stücke zählte ich fünf schlanke, 52—78 Millim. lange Über Bournonit, Malachit und Korynit von Olsa in Kärnten. 119 Auszweigungen; andere sind bis 35 Millim. lang und 12 Millim. breit. Die klein nierförmige Oberfläche der einzelnen Äste ist zu- weilen schuppig, durch sehr krumme Oktaederflächen. Zunächst der Begrenzung ist dieTextur der Äste oft sehr fein krystallinisch-körnig, meist aber durchaus mehr oder weniger deutlich faserig, verbun- den noch mit einer zweiten gewöhnlich minder ausgesprochenen, schaligen Zusammensetzung. Die wenig gekrümmten Fasern sind stets schief und abwärts, beiläufig unter 35 , gegen eine etwas excentrische Axe gerichtet. Derart erinnern diese Aggregate durch Gestalt und Structur an die kolbigen und dickästigen Gebilde der Eisenblüthe. Ausser diesen finden sich auch eingewachsene knollige oder spliäroidische Gestalten, stets oberflächlich nierförmig oder traubig gegliedert und bei gedrängter Anhäufung in körnige Massen übergehend. Der Korynit ist ziemlich schwierig, mit etwas gekrümmten Flächen nachooOoo spaltbar. Bruch uneben; wenig spröde. Härte = 4-5 — 5. Specifi.sches Gewicht —5- 994, im Mittel von fünf sorgfältigen Wägungen mit den Grenzen 5 ■ 950 und 6 • 029. Farbe auf frischen starkglänzenden Flächen silbprweiss in's Stahlgraue geneigt; grau, gelb und blau anlaufend. Strich schwarz. Über die chemische Zusammensetzung des Korynit verdanke ich Herrn H. v. Payer, Assistenten am Prager Universitäts-Labo- ratorium, die folgende Mittheilung: „Das Mineral im Chlorgasstrom zerlegt, ergab als Bestandteile : Schwefel • . 17-19 Arsenik 37-83 Antimon 13-45 Nickel 28-86 Eisen 198 Kobalt — 99.31 Die Einwirkung des Chlorgases erfolgte erst bei ziemlich erhöhter Temperatur. Der Schwefel wurde als BaO.SO 3 bestimmt; Arsenik als 2(MgO.NH*0). AsO*-f aq, bei 105-110° C, bis kein Gewichtsverlust mehr stattfand, gewogen; Antimon als SbS 3 , nach- dem es bei höherer Temperatur im Kohlensäurestrom behandelt und dadurch vom Wasser und beigemengtem Schwefel befreit wurde. Nickel wurde als NiO und Eisen als Fe 2 3 bestimmt. Eine in 1 -3845 120 v. Zepharovich. Gramm quantitativ nicht genau anzugebende Menge Kobalt war vor- handen." Die Resultate dieser Analyse, weisen übereinstimmend mit den physischen Eigenschaften, den Korynit in die Reihe der Nickelkiese, zwischen den Arsen-Nickelkies (Gersdorffit) und den Antimon- Nickelkies (Ullmannit). Die Zusammensetzung lässt sich ausdrücken allgemein durch die Formel: specieller durch NiS» + Ni{£j 4(NiS2 + NiAs) + (NiS3+NiSb) Diese beiden Formeln haben jedoch nur einen annähernden Werth , denn es verhalten sich nach der Analyse S : As, Sb:Ni = 1-75:1 :i-70. während das Verhältniss 2:1:2 gefordert wird. Nach der zweiten Formel berechnet, ergibt sich die Zusam- mensetzung: Schwefel 1824 Arsenik 34-20 Antimon 13-91 Nickel 33-65 100-00 Eine ähnliche Verbindung, die dem Gehalte nach als Arsen- Antimon -Nickelkies zu bezeichnen wäre, scheint bisher noch nicht untersucht worden zu sein. Von Antimon-Arsen-Nickelkies theilt Rammeis- berg 1 ) drei Analysen mit, von den Localitäten a) Freusburg, b) Sayn-Altenkirchen und c) Harzgerode. Aus diesen würde folgen: Die allgemeine Formel NiS 3 -f-Ni \ und — eine richtige Bestimmung von As und Sb vorausgesetzt — die Mischungsverhältnisse von A=NiS*+NiSb und B=NiSH-NiAs für a) 54+2Z? b) 3A + B e)l2A + B Sb:As Ni = 1-74: 1:1-56 „ =1-96:1:1-70 „ =2-26:1:2.21. J ) Miiieralchemie S. 63. Über Bournonit, Malachit und Korymt von Olsa in Kärnten. 121 In diesen Fällen wird daher auch nur annähernd das durch die Formel geforderte Verhältniss der angegebenen Bestandteile von 2:1:2 erreicht und stimmen die berechneten Zahlen mit den gefun- denen nicht besser als beim Korynit, dessen Zusammensetzung in obiger Weise A + 4ß zu schreiben wäre. Dass dem Minerale ein anderes beigemengt sei, dürfte nach der Art des Vorkommens nicht wahrscheinlich sein. In einem Glasröhrchen erhitzt, gibt der Korynit zuerst Feuch- tigkeit ab, dann unter Entwicklung von schwefeliger Säure, reichlich ein krystallinisches weisses Sublimat. Im Glaskölbchen bildet sich letzteres zuerst, dann wenn die Probe glüht, in geringer Entfernung von derselben, ein Arsenspiegel, nach aussen begrenzt durch eine schmale gelbrothe und eine breite gelbe Zone, deren äussere Grenze zusammenfällt mit jener des ersten weissen Be- schlages. Vor dem Löthrohre auf Kohle erhitzt, zuweilen decrepitirend, sehr leicht an der Oberfläche schmelzbar unter starker Entwicke- lung von Bauch, der vorwaltend nach schwefeliger Säure riecht und die Kohle mit Antimonbeschlag bedeckt. Zuweilen setzt sich aus dem Bauche, um die, bei fortgesetzter Behandlung in der Be- ductionsflamme zu einer blanken Kugel geschmolzene Probe, eine Decke von Krystallnadeln ab. Das aussen schwarze Metallkorn ist innen weiss und glänzend; spröde, nicht magnetisch. Schmilzt man dieses Korn auf Kohle mit Borax, so erhält man nach dem von Plattner für die Prüfung von Speisen angegebenen Verfahren *) successive die Beactionen von Eisen, von Kobalt, und endlich von Nickel, unter Entwickelung von Arsengeruch. In Salpetersäure wird das Mineral beim Erwärmen heftig ange- griffen und gibt eine hellgrüne Lösung unter Abscheidung von Schwefel und Antimonoxyd. Auf der verwitterten Aussenseite der Korynitstufen zeigen sich erdige Überzüge von rothbrauner (Eisenoxydhydrat) und von lichtgelber Farbe; die letzteren sind nach Stolba Gemenge von wasserhaltigem arsensaurem Eisenoxyd und Nickeloxydul. Die Adern von Siderit und Calcit, welche den Korynit durchziehen, i) Löthrohrprobierkunst, 1847, S. 301. \ iL iL v. Zep ha ro rieh. Über. Bouruonit, Malachit und Korynit ron Olsa in Kärnten. erhalten durch beigemengten Nickelocker nicht selten eine apfel- grüne Farbe. — Nickelhaltige Minerale hat man bisher in Kärnten nicht nach- gewiesen, es ist daher ebenfalls erwähnenswerth, dass ich unlängst an einem Exemplare aus dem Wolfslager des Sideritbaues in der Lölling bei Hüttenberg, Chloanthit erkannte. Dieser erscheint in Krystallen 00O00.O und derb, eingewachsen in einem aus Siderit und Hornstein bestehenden Gemenge, dessen zahlreiche Hohlräume mit Skorodit-Krystäilchen besetzt sind. S1TZUNGSBEIUCIITE DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. MATHEMATISCH -NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE. LI. \U\ti ERSTE ABTHEILÜNG. 2. Enthält die Abhandlungen aus dem Gebiete der Mineralogie, Botanik, Zoologie, Anatomie, Geologie und Paläontologie. 123 IV. SITZUNG VOM 3. FEBRUAR 1865. Herr Dr. A. VogI dankt, mit Schreiben vom 16. Jänner, für die ihm bewilligte Subvention von 150 fl. Ö. W. Herr Prof. Dr. E. Mach in Gratz übersendet eine Abhandlung, betitelt: „Untersuchungen über den Zeitsinn des Ohres". Herr Prof. E. Brücke übergibt eine vorläufige Notiz, betitelt: „Zur Blutanalyse", von Herrn Th. Zawarykin, nebst einer Mit- theilung des c. M., Herrn Prof. J. Czermak in Prag, welche den Titel führt: „Nachweis der Erscheinung der sogenannten Pulsver- spätung beim Frosche und das Verfahren dieselbe wahrzunehmen". Herr Dr. G. Tscher mak überreicht eine Abhandlung: „Che- misch-mineralogische Studien II. Kupfersalze". Die betreffenden Untersuchungen wurden mit Unterstützung der Akademie ausgeführt. An Druckschriften wurden vorgelegt: Akademie der Wissenschaften, Königl. Bayer, zu München: Sitzungsberichte. 1864. II. Heft 2. München, 1864; 8°- Alvarenga, Pedro Francisco da Costa, Relatorio sobre a epidemia de Cholera-Morbus no Hospital de Sant'Anna etil 1856. Lisboa, 1858; 8°- — Naticias äcerca do Relatorio sobre a epidemia de Cholera-Morbus em 1856. Lisboa, 1858; 8°- — Parecer de alguns medicos estrangeiros e nacionaes äcerca do Anatomia pathologica e symptomatologia da febre amarella em Lisboa no anno de 1857. Lisboa, 1862; 8°- — Estado da qnestao äcerca do duplo sopro crural na insufficiencia das valvulas aorticas. Lisboa, 1863; 8°- — Noticia sobre a these e concurso na escola medico-cirurgica de Lisboa em 1862. Lisboa, 1863; 8°- — Como actuam as substancia branca e cinzenta da Medulla espinhal na transmissao das impressoes sensitivas e determi- nacoes de vontade? Lisboa, 1862; 8 0, 124 American Journal of Science and Arts. Vol. XXXVIII. Second Series. Nr. 144. New Haven, 1864; 8°- Astronomische Nachrichten. Nr. 1510 — 1511. Altona, 1865; 4°- Bulletin du Congres international d'ltortieulture ä Bruxelles, les 24, 25 & 26 Avril 1864. Gand, 1864; 8°- Commission hydrometrique de Lyon: Resume des observations recueillies en 1862 dans le bassin de la Saone et quelques autres regions. 1 9 e Annee. 8 0, Comptes rendus des seanoes de l'Academie des Sciences. Tome LX. Nros. 1—2. Paris, 1865; 4°- Cosmos. 2 e Serie, XI V e Annee, 1 er Volume, 3 e — 5 e Livraisons. Pa- ris, 1865; 8°- Entwurf eines Organisations-Statutes für das k. k. polytechnische Institut in Wien, sammt Motiven. Im Auftrage des hohen k. k. Staats-Ministeriums verfasst von dem Professoren -Collegium dieser Anstalt. Wien, 1864; 8°- Gesellschaft für Salzburger Landeskunde: Mittheilungen. IV. Vereinsjahr 1864. Salzburg; 8°- Gewerbe-Verein, nied.-österr. : Verhandlungen und Mitthei- lungen. Jahrg. 1864. 10. — 12. Heft. Wien, 1865; 8°- — Wochenschrift. XXVI. Jahrg. No. 4—5. Wien, 1865; 8°- Hebert, Ed., Reponse ä la note de M. Ch. d'Orbigny, intitulee : Sur Tage veritable des poudingues de Nemours et des sables coquillieis d'Ormoy. — Du terrain jurassique superieur sur les cötes de la Manche. — Note sur le travertin de Champigny et sur les couches enfre lesquelles il est compris. (Extraits du Bulletin de la Soc. geolog. de France, 2 e ser. f. 17.); 8 °- — Quelques remarques sur la mer jurassique et les theories ima- ginees pour rendre compte de ses deplacements. — Gise- ment de couches marines de Sinceny (Aisne). — Observatious sur les rivages de la mer jurassique ä Tepoque de la grande oolite dans le bassin mediterraneen, jurassique et parisien. (Extraits du meine Bulletin. 2 e ser. t. 18.) — Du terrain juras- sique de la Provence; sa division en etages; son independance des calcaires dolomitiques associes aux gypses. — Observations sur les systenips bruxellien et laekenien de Dumont et sur leur position dans la serie parisienne, faites ä l'occasion du memoire de M. Le Hon. — Sur Pargile ä silex, les sables Wo marins tertiaires et les calcai/es d'eau douce du nord-ou^st de la France. (Extr. du meme Bulletin, t. 19.) — Sur le non- syrtchronisme des etages campanien et dordonien de M. Co- quand avec la craie de Meudon et celle de Maestricht. Re- ponse ä M. Coquand. — Note sur la craie blanche et la craie marneuse dans le bassin de Paris et sur la division de ce der- nier etage en quartre assises. (Extr. du meme Bulletin, t. 20.) Observation sur les principaux elements du terrain quater- naire, sur les theories proposees pour en expliquer la form at Jon et sur Tage de l'argile ä silex. (Extr. du meme Bulletin t. 21.) 8 0, — Memoire sur les fossiles de Montreuil-Bellay (Maine-et-Loire.) (Extr. du 5 e Vol. du Bull, de la Soc. Liuu. de Normandie.) 8°- — Note sur les trigonies claveliees de rOxf'ord-CIay et du Coral-Rag. (Extr. du numero d'avrii 1861 du Journal de Conchyliologie.) 8 0, — Sur les formations d'eau douce du bassin de Paris et en particulier sur les calcaires lacustres ä Lophiodon de Provins et leur extension dans la Beauce. (Extr. de la seance du 21 Juillet 1862 de l'Acad. des Sciences.) 8 0- — Observations geologiques sur quelques points du departeinent de l'Yonne. (Extr. du Bulletin de la Soc. des sciences hist. et natur. de l'Yonne 1863.) 8°- Hoek, Recheiches astronomiques de l'Observatoire d' Utrecht. 2 e Livraison. La Haye, 1864; 4°- — et A. C. Oudemans, Sur les contractions dans les melange. de liquides. La Haye, 1864; 4 0, — Recherches sur la quantite d'ether contenue dans les liquides. La Haye, 1864; 4 0, Jahrbuch, Berliner Astronomisches, für 1867, herausgegeben unter der Redaction von Wolfers. Berlin, 1864; 8°* Land- und forstwirthschaftliche Zeitung. XV. Jahrg. No. 3 — 4. Wien, 1865; 4°- Mittheilungen aus J. Perthes' geographischer Anstalt. Jahr- gang 1864. XII. Heft nebst Ergänzungsheft No. 14. Gotha; 4°- Moniteur scientifique. 150" Livraison. TomeV e , Annee 1863 & 194. Livraison. Tome VII e , Annee 1865. Paris; 4°- Programm des k. k. Staats-Obergymnasiums zu Eger am Schlüsse des Schuljahres 1864. Eger; 8°- Reader. Nros. 108—109. Vol. V. London, 1865; Fol. 126 Reichsanstalt, Ic. k. geologische: Jahrbuch. 1864. XIV. Band. No. 3—4. Wien; kl.-4°- Societe Imperiale de Medecine de Constantinople: Gazette me- dicale d'orient. VIII e Annee, Nro. 9. Constantinople, 1864; 4°- Übersichten der Witterung in Österreich und einigen auswär- tigen Stationen im Jahre 1863. Wien, 1865 ; Quer-4°- W T iener medizin. Wochenschrift. XV. Jahrg. Nr. 6 — 9. Wien» 1865: 4°- Wochen-Blatt der k. k. steierm. Landsvirthschafts-Gesellschaft. XIV. Jahrg. Nr. 6. Gratz, 1865, 4°- Zeitschrift des allgemeinen österreichischen Apotheker-Vereins III. Jahrg. Nr. 2. Wien, 1865; 8°- — Für Chemie und Pharmacie von Erlenmeyer. VII. Jahrg. Heft 23. Heidelberg; 1864. 8°- Ts c li e rni a k. Chemisch-mineralogische Studien. | & 7 C/i e m i s c h - ;// ineralog is c h e S I u d ien. Von Dr. Gustav Tscher mak. II. Kupfersalze. Die folgende kurze Mittheilung enthält Beobachtungen, die ich an einigen Mineralien aus der Reihe der Kupfersalze angestellt habe. Es ist dies keine zusammenhängende Untersuchung, sondern eine Anreihung dessen, was ich an zufällig erhaltenem Materiale wahr- genommen. Herr Director Dr. Hörnes und HerrProfessor Dr. Schrotter, welche auch diese Arbeit wesentlich unterstützten, haben mich wie- der zu vielem Danke verpflichtet. Devillio. Vor Kurzem hat Herr Pisani die Untersuchung eines Minerales ausgeführt, das mit dem Langit in Cornwall vorkömmt. Dasselbe wurde als neueSpecies bestimmt undDevillin genannt 1 )' Das Mineral bildet schalige Überzüge und Krusten von parallelfasriger Textur, und zeigt im Bruche schwachen Seidenglanz, während die Ober- fläche matt und erdig erscheint; es ist so locker, dass es bei der leisesten Berührung abfärbt. Die Farbe ist blaulichweiss bis hellblau. Bei der Analyse erhielt Pisani die nachstehenden Zahlen für den Devillin und Langit Devillin Langit. Schwefelsäure . . . 23-65 1677 Kupferoxyd .... 5101 65-92 Kalkerde 7-90 0-83 Magnesia .... — 0.29 Eisenoxydul .... 2-77 — Wasser 16-60 1619 101-93 10000 *) Compt. rend. LIX. p. «13. Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. LI. Bd. I. Abth. 9 1 'ö Tsclierra d k. Für den Devillin gibt Pisani die Formel 3(CuO, CaO, FeO). S0 3 • 3HO, während er für den Langit 4CuO ■ S0 3 ■ 4HO schreibt. Herr Director Hörnes, der eine Probe des Devillin von Sämann in Paris erhielt, übergab mir die Stufe zur Untersuchung, weil es mir zweifelhaft erschien, ob das Mineral vollständig homogen sei. Schon mit freiem Auge bemerkt man auf dem Querbruche stellenweise einen Wechsel blauer und blauweisser Schichten. Die mikroskopische Untersuchung lässt auch die blauweissen Schichten als ein Aggregat weisser perlmutterglänzender Schuppen erkennen, welche schichtenweise mit Schuppen von blassblauer Farbe gemengt sind. Die Schuppen fügen sich so zusammen, dass feine Stängel gebildet werden, daher das faserige Ansehen für das unbewaffnete Auge. Es blieb mir kein Zweifel, dass die vorliegende Probe ein Gemenge sei, bestehend aus einem farblosen oder weissen, ferner aus einem blauen Mineral. Das erstere Mineral lässt sich wegen der eigenthümlichen Textur nicht durch blosses Ansehen erkennen, die Betrachtung der von Pisani gefundenen Zusammensetzung hin- gegen brachte mich auf die Vermuthung, dass es wohl Gyps sein möge. Ich machte nun den Versuch, das nicht allzufein gepulverte Mineral mit Wasser auszuziehen. Der Auszug wurde etwas einge- dampft. Es bildeten sich darin Kryställchen, welche an ihrer Form sogleich als Gyps zu erkennen waren und sich aus Schwefelsäure, Kalkerde, Wasser bestehend zeigten. Der Auszug enthielt ausser- dem noch eine geringe Menge Kupfer. Ich bestimmte darin die Kalk- erde, deren Menge auf die Quantität des angewandten Minerales bezogen 535 Pct. beträgt, woraus folgt, dass ich aus dem Minerale 16*4 Pct. Gyps ausgezogen hatte. Der ungelöste Anlheil des Minerales bestand nun fast ganz aus dem blauen Minerale, wie die mikroskopische Untersuchung zeigte. Von farblosen Körnchen war nur sehr wenig mehr zu sehen. Ich machte noch einen zweiten Auszug, der 1*5 Pct. Gyps ergab. Zusammen hatte ich demnach aus dem Gemenge 1 7-9 Pct. Gyps entfernt. Das ungelöste blaue Mineral enthielt nach meiner Unter- suchung: Schwefelsaure 162 Pct. Kupferoxyd (?8-t „ Kalkerde Ol» „ Kupfersalze. 1 CV was dem Langit entspricht. Man erkennt übrigens schon bei der Vergleichung des blauen Minerales im Gemenge mit dem Langit, d;js.s (iieselhen nicht verschieden seien. Der von mir untersuchte Divillin ist demnach ein Gemenge von 82 Pct. Langit und 18 Pct. Gyps. Ohne Zweifel hat Herr Pisani das mir vorliegende Mineralgemenge untersucht, denn die Beschreibung stimmt, und das von mir beschriebene Stück kam aus derselben Quelle. Ich möchte daher der früher angeführten Analyse Pisani's folgende Deutung geben: Devillin = Gyps -\- Langit Schwefelsäure .... 23-6 IM 12-5 Kupferoxyd 51-0 — 51-0 Kalkerde 7/9 7-9 - Eisenoxydui 2 8 — — 2-8 Wasser 16 6 51 10 6 5 Die Analyse hätte also ein Gemenge von 24 Pct. Gyps und 74 Pct. Langit zum Gegenstande gehabt. Der Eisengehalt ist viel- leicht als Brauneisenerz zu denken. Das Ansehen und die Textur des Gemenges scheint mir anzu- deuten, dass man es mit keiner ursprünglichen Bildung zu thim habe, und dass hier der umgekehrte Gang der Umwandlung stattge- funden habe, wie bei der Entstehung des sogenannten Schaum- kalkes. Es mag früher ein Gemenge von faserigem Arragonit oder faserigem Calcit mit einem "Kupfersalze vorhanden gewesen sein, woraus später das vorliegende Gemisch entstand. Darüber kann freilich nur die genauere Untersuchung der Lagerstätte Aufschluss geben. Olivenit. Ein gelbbrauner, eisenschüssiger Glimmerschiefer von Libethen in Ungarn (Hands. I, 1119) trägt Überzüge und traubige Aggregate von Wad, daneben halbzerstörte Krystalle von Eucbroit. Aus den Flächen der letzteren ragen allenthalben pistazgrüne Nadeln her- vor, so dass die Euchroite stellenweise wie borstig erscheinen. Diese Nadeln setzen in das Innere fort. Eine grosse Zahl gut aus- gebildeter, nadeiförmiger, pistazgrüuer Krystalle liegt indess auch mitten in den morschen Euchroitkrystallen. Die pistazgrünen Nadeln sind Olivenit, wie sich aus einer an- nähernden Winkelbestimrnung ergibt. 9* 130 Tschermak. ooP= 69« 30', am Oliveint 69« 10' Poo=92« „ „ 92o 30'. Leydolt, welcher dasselbe Vorkommen beschrieb *), fand bei der qualitativen Untersuchung der Nadeln auch die Bestandteile des Olivenites. Da die Olivenituadeln nur auf und in den Euchroitkrystallen vorkommen und den morschen Euchroit überall durchdringen, so können sie wohl nur aus der Substanz des Euchroit hervorgegangen sein. Es lässt sich nicht annehmen, die Olivenitnadeln seien älter als der sie umgebende Euchroit, sie seien als Einschlüsse desselben zu betrachten, denn alle die Nadeln besitzen aussen keine Stütz- punkte, deren sie bedurft hätten, wenn sie von den Euchroitkry- stallen vorhanden gewesen wären. Aber auch gleichzeitig mit den Euchroitkrystallen können sie nicht entstanden sein, sonst würden die Nadeln nicht ganz wirr und quer durch die umgebende Euchroit- masse hindurchsetzen; sie müssten in verschiedenen Schichten der Krystalle ihre Stützpunkte haben, von denen aus sie sich nicht nach einwärts erstrecken könnten. Die mikroskopische Untersuchung be- stätigt obigen Schluss. Die Euchroitkrystalle erscheinen voll un- regelmässiger Höhlungen, in denen hie und da gelbliche und auch blaue, krystallinische Aggregate, wahrscheinlich Zersetzungspro- ducte, sitzen und in welchen viele der Olivenitkrystalle fussen, die sich nicht der Euchroitsubstanz anschliessen, wie es dem freien Auge erscheint, sondern von derselben unbehindert aus den Höhlun- gen herausragen. Es ist demnach wohl nicht zu zweifeln, dass der beschriebene Olivenit aus Euchroit hervorgegangen sei und ich meine, dass auch jene Olivenitkrystalle an demselben Fundorte, welche nicht auf und in dem Euchroit vorkommen, auf dieselbe Weise entstanden seien, da sie genau dasselbe Ansehen haben wie jene. Der Vorgang dieser Umbildung erscheint sehr einfach, den wenn man die Zusammensetzung des Euchroit (CuO) 4 As0 5 (HO) 7 oder (€uO) 4 As 2 5 (H 2 0) 7 und des Olivenit (CuO) 4 As0 5 (HO) „ (€uO) 4 As 2 O s ILO ») Hai d Inger's Berichte, Bd. 4, p. 2S1. Kupfersalze. 1 o l vergleicht, so bemerkt man blos im Wassergehalte einen Unter- schied. Wofern man sich in jeder der beiden Verbindungen ein Hydrat und ein Aiseniat denkt, wie es gewöhnlich geschieht CuO HO (CuO) 3 As0 5 (HO) 6 oder €uH 2 3 €u 3 As 3 8 (H 3 0) 6 CuO HO (CuO) 3 As0 5 „ €uH 3 2 €u 3 As 3 8 so kann man sagen, dass bei dem Vorgange das Arseniat des Dop- pelsalzes wasserfrei geworden sei. Brochantit. Herr Dr. Karl v. Scherz er brachte bei seiner Rückkehr von der Novara-Reise mehrere Sandproben mit, die er in Peru und in Sidney gesammelt hatte, und übergab dieselben Herrn Karl v. Hauer. Eine dieser Proben, welche nach einem Schreiben des Herrn Dr. v. Scherzer zu urtheilen, in Sidney mitgenommen wurde, und die als Streusand gedient zu haben scheint, erhielt ich von Herrn v. Hauer im vorigen Jahre zur Untersuchung. Der Sand ist smaragdgrün, er besteht aus Splittern eines kry- stallisirten Minerals, wie man aus der Form der kleinen Trümmer und ans dem Glänze der Spaltflächen entnimmt. Einer der grösseren Splitter zeigte drei in einer Zone liegende Flachen, deren zwei vollkommen gleich erschienen und so gut spie- gelten, dass eine Messung vorgenommen werden konnte. Sie ergab für die durch jene beiden Flächen gebildete Kante 104° 17'. Die weniger glänzende Fläche liegt der kürzeren Diagonale des gemes- senen Prisma parallel und gibt die Richtung der Spaltbarkeit an. Dies verweist auf Brochantit, für welchen ooP= 104° 32' und die Richtung der Spaltbarkeit oo P ob. Auch in den übrigen Eigenschaften zeigt sich diese Überein- stimmung. Die Splitter sind stark glasglänzend durchsichtig, im durchfallenden Lichte lauchgrün, das Pulver derselben ist apfelgrün. Die Härte wurde zu 3-5, das Eigengewicht zu 3-89 bestimmt. Reim Durchsuchen des Sandes fand ich hie und da auch kleine schwärzlichgrüne Kryställchen, welche die Form und die Eigen- schaften des Atacamit zeigten. Die sichtbare, «ehr geringe Menge des Atacanit, so wie die erdigen Verunreinigungen wurden ausge- lesen und das nun völlig rein erscheinende Mineral analysirt. Ausser 1 o i T sehe r in ;i k. Kupfer, Schwefelsäure und Wasser wurde auch eine geringe Menge Chlor angezeigt, die Zahlenresultate sind: Chlor 0-7 Schwefelsäure 18*5 Kupferoxyd 69-2 Wasser 11-8 100-2 i). Das Wasser wurde aus dem Verluste bestimmt. Die Gegenwart des Chlor zeigt, dass noch eine kleine Menge Atacamit beigemengt sei. Nach der Analyse des Atacamit durch Field entsprechen dieser Chlormenge 4-8 Pct. Atacamit, und es wären demnach 0*7 Chlor, 33 Kupferoxyd und 0-8 Wasser bei meiner Analyse in Abzug zu bringen. Es ergibt sich darnach für die Zusammensetzung des reinen Brochantit: Schwefelsäure 19 - 4 Kupferoxyd . . ..... 691 Wasser 11-5. Da unter den bisherigen Analysen des Brochantit keine voll- kommene Übereinstimmung herrührt, so ist es von Interesse, das angeführte Resultat mit den übrigen bekannten zu vergleichen. Ich führe unter 1. die Untersuchung Forch hammer's, unter 2. jene Risse's an. Die Zinnsäure, welche Magnus anführt, ist offenbar nur durch einen unglücklichen Zufall in die untersuchte Probe gekommen. Nach Abzug derselben ist das Mittel durch die Zahlen unter 3. ausgedrückt. Wertheim, welcher ebenfalls den Brochantit vonRezbanya untersuchte, aber blos die Schwefelsäure (17*54Pct.) und das Kupferoxyd (65-59 Pct.) bestimmte, giht als Beimengung nochBleisulphat an, dessen Menge nicht bestimmt wurde. Wenn man die von Risse gefundene Schwefelsäuremenge annimmt, so ergibt sich für die Bestimmung Wert heim 's das Verhältniss unter 4. 1. 2. 3. 4. Schwefelsäure 18-88 19-0 184 19-0 Kupferoxyd 67-75 67'8 69-0 70-4 Wasser 1281 132 129 Die von mir erhaltenen Zahlen nähern sieh den eben ange- führten. Dagegen weichen alle diese von den zwei folgenden Analysen >) Angewendet O-69'J Grm. Substanz. Kupfersalze. loo ah. Rivot untersuchte einen krystallisirlen Brochantit von unbekann- tem Fundort (5) und Wibel *) bestimmte die Zusammensetzung eines künstlich erhaltenen Salzes (6), das derselbe Brochantit nennt 5. 6. Schwefelsäure 19-4 21-50 Kupferoxyd 62-9 6399 Wasser 147 1451 Kohlensäure 1*2 Dieser Mangel an Übereinstimmung zeigt, dass die normale Zusammensetzung des Brochantit noch nicht genau bekannt sei. Jedenfalls ist das früher angenommene Verhältniss 4CuO • S0 8 ■ 4HO nicht das richtige, denn es erfordert Schwefelsäure .... 1703 Kupferoxyd 67*63 Wasser 15-33 Atacamit. Das Zusammenvorkommen des Brochantit und Atacamit in dem eben besprochenen Falle veranlasste mich, den gewöhnlichen Ata- camitsand aus Chili auf die Gegenwart von Brochantit zu prüfen. In allen Sandproben, welche das Hof-Mineraliencabinet besitzt, fand ich eine merkliche Menge von Schwefelsäure und in einer im Besitze des Herrn Prof. Hieser befindlichen Quantität desselben fand sich eine kleine Druse von Brochantit. Anden im Atacamitsande vorkommenden Krystallen beobachtete ich die Formen ooP, Poo, ooPob, P, oP, 2P2. Die beiden letzteren Flächen waren, so viel mir bekannt, noch nicht beobachtet. • ) Wibel, «las gediegene Kupfer und das Rotlikupfereiz, p. 4!>. 134 V. SITZUNG VOM 9. FEBRUAR 1865. Herr Prof. F. Unger legt eine Abhandlung des Herrn Paul Reinsch in Erlangen vor, welehe den Titel führt: „De speciebus generibiisque nomiullis novis ex Algarum et Fung.orum classe." Herr Dr. A. Boue spricht über die Abwesenheit der Aerolithen in den geologischen Formationen, welche älter sind als die ältesten goldführenden Alluvialgebilde; ferner über die Möglichkeit der Exi- stenz des Polareises während der Kreidezeit; weiters über den Löss und sein Nichtvorkommen in älteren Gebilden, und endlich über die Ackererde und ihren wahrscheinlichen Ursprung. An Druckschriften wurden vorgelegt: Apotheker-Verein, allgem. österr. : Zeitschrift. 3. Jahrg. Nr. 3. Wien, 1865; 8°- Astronomische Nachrichten. Nr. 1512—1513. Altona, 1865; 4°- Comptes re-ndus des seances de TAcad^mie des Sciences. Tome LX, Nr. 3—4. Paris, 1865; 4<>- Gewerbe-Verein, n.-ö.: Wochenschrift. XXVI. Jahrg. Nr. 6. Wien, 1865; 8°- Gianelli, Giuseppe Luigi, La vaccinazione e le sue leggi in Italia. Milano, 1864; 4°- Haughton, Samuel, Experimental Researches on the Granites of Ireland. Parts III & IV. (From the Quarterly Journal of the Geol. Soc. for November 1862 & August 1864.) 8<>- — On the Tides of the Arctic Seas. Part I. 4°- — On the refiexion of Polari/.ed Light from Polished Surfaces, Transparent and Metallic. 4°" Hersehel, Sir John Fred. William, A general Catalogue of Nebulae and Clustres of Stars, arranged in Order of right Ascension and reduced to the Common Epoch 1860. 0. (From the Pliilos. Transactions. Part I. 1864.) London, 1864; 4<>- Lioy, Paolo. Di una stazione lacustre scoperta nel Lago de Fimon. (Dal Vol. VII degli Atti della Soc. ital. di sc. nal.) 8«>- — Sülle cause di una invasione di Ditteri della famiglia degli Empiti etc. (Ibidem). Milano, 1864; 8°' 135 Luvini, Intorno ad un nuovo metodo per osservare le stelle cadenti. (Estr. dal ßollettino dell'Aecad. delle sc. di Torino, 31 Dicem- bre 1864.) 8<>- Mayr, Gustav L., Diagnosen neuer Hemipteren. (Verhandlungen der k. k. zool.-botan. Ges. in Wien 1864.) 8°- Meret, L. E., De l'instinct et de l'intelligence des animaux. Paris, 1864; 8o- Müller, Ferdinand, Über die Vorherbestimmung der Stürme, ins- besondere über die Stürme vom 1. — 4. December 1863. St. Petersburg, 1864; 4«- Reader. No. HO, Vol. V. London, 1865; Folio. Schlagi ntweit-Sakünl ü nski, Hermann von, Meteorologische Resultate aus Indien und Hochasien. (Berichte d. physik.-mathem. Classe d. k. bayer. Akad. d. Wiss. 1864. II. 3.) 8<>- Villa, Antonio, Le Cantaridi. (Estr. dal giorn. I'IIlustrazione Ita- liana, Nr. 17, 1864.) 8°- — Le Zanzare. (Estr. dal giorn. T Adolescenza.) 8 0, — II Congresso dei Naturalisti Svizzeri in Samaden nell'Agosto 1863. Milano, 1864; 8°- — Intorno alle stelle filanti periodiche del 10 Agosto; lettera di Caterina Scar- pellin i. 8°- — G. B. Notizie solle torbe della Brianza. 8 0, Wiener medizinische Wochenschrift. XV. Jahrg. Nr. 10 — 11. Wien, 1863; 4°* Wochen -Blatt der k. k. steierm. Landwirthschafts- Gesell- schaft. XIV. Jahrg., Nr. 7. Gratz, 186Ö; 4o- Zantedeschi, Francesco, Leggi del Clima di Milano e origine della rugiada e della brina. (Estr. dai commentari dell'Ateneo di Brescia per gli anni 1862—63—64). Brescia, 1864; 8«- 13(3 VI. SITZUNG VOM 16. FEBRUAR 1865. Herr Prof. H. Hlasiwetz übersendet die Fortsetzung einer von ihm gemeinschaftlich mit Herrn L. v. Barth ausgeführten Arbeit: „Über einige Harze." Herr Director Dr. E. Fenzl überreicht eine vorläufige Notiz, betitelt: „Dtagnoses praeviae Pemptadis stirpiwn aethiopicarum novarum". Der Secretär legt eine Probe von Indium vor, die er von den Entdeckern, den Herren Professoren Th. Richter und F. Reich, erhalten hat. Er zeigt das Indium-Spectrum mit einem Apparate, der in der Werkstätte des k. k. polytechnischen Institutes verfertigt wurde und besonders zum Gebrauche für Chemiker empfehlens- werte ist. Herr Dr. Laube spricht über eine neue Encrinus-Art aus den Schichten von St. Cassian. An Druckschriften wurden vorgelegt: Akademie der Wissenschaften, Königl.Preuss., zu Berlin: Monats- bericht. December 1864. Berlin; So- Astronomische Nachrichten. Nr. 1514. Altona, 1865; 4°- Braghirolli, W., Indice di libri rari italiani compilato sulle opere dei piü valenti bibliografi. Mantova, 1863; 12°- Cosmos. 2 e Serie, XIV Anne'e, 1 er Voiume, 6 6 Livraison. Paris, 1865; 8»- Frauenfeld, Georg Riiter von, Verzeichniss der Namen dei fossi- len und lebenden Arten der Gattung Paludina Lam. etc. (Ver- handlungen der k. k. zool.-botan. Gesellsch. in Wien. 1864, Bd. XIV.) Wien, 1865; 8°- — Das Vorkommen des Parasi- tismus im Thier- und Pflanzenreiche. (Festschrift zur 50 jähri- gen Jubelfeier der naturlorschenden Gesellschaft in Emden.) Wien, 1864; 8»- 137 Gesellschaft, k. k. zoolog.-bolan., in Wien: Verhandlungen. Jahrg. 1864. XIV. Bd., 1. — 4. Heft. Wien, 1864; So- Gewerbe-Verein, nieder-öst. Wochenschrift. XXVI. Jahrg. Nr. 7. Wien, 1865; 8»' Jena, Universität: Akademische Gelegenheitsschriften aus dem zweiten Halbjahre 1864. 4° & 8°- Krön ig, A., Wie kritisirt man chemische Lehrbücher? Eine Anti- kritik. Berlin, 1865; S 0, — Deutsche Homonymen, nebst Be- merkungen über Sprachlaute, namentlich über die Aussprache des g und die Entstehung des seh. (Archiv f. n. Sprachen XXXVI.) 8°- Land- und forstwirtschaftliche Zeitung. XV. Jahrg. Nr. 5. Wien, 1865; 4°- Lioy, Paolo, Le abitazioni lacustri della etä della pietra nel Vicen- tino. Venezia, 1865; 8°- Monifeur scientitique. 195 e Livraison. Tome VIP, Armee 1865. Paris; 4°- Reader. Nr. 111, Vol. V. London, 1865; Folio. Wiener medizinische Wochenschrift. XV. Jahrg. Nr. 12 — 13. Wien, 1865; 4<" 138 F e ii z I. LHagnoses praeviue Pemptadis stirpium, aethiopicanun novarum. auctore Dr. Ed. Feozl. lamprodithyros Rasseggeri. (Commelinaceae *). Caulis simplex v. ramosus, hinc minutissime puberulus. Folia sessilia, lanceolato-linearia, utrinque utplurimum attenuata, supra marginibnsque omnino, subtus ad nervös solum scaberrima; vaginis ore piloso-ciliatis, caeterum scabrido-puberulis, sparsimque passim pilosulis. Thyrsus ovoideus densus, cincinis7 — 2-floris simplicissimis (7 — 3 lin. Ig.) patulis rectis v. sursum arcuatis compositus, rhaclii primaria secundariisque cum calyce minutissime puberulis. Flores ex apice pedicellorum, his longiorum, nutantes (2 — I*/ a lin. Ig.), sepalis ovalibus obtusis; petalis binis anticis calyce dimidio v. subduplo lon- gioribus, orbicularibus unguiculatis, coeruleis, impari postico sub- minore obovato naviculari. Stamina £> — 6; postica tria longiora fer- tilia, intermedii filamento glaberrimo, lateralium filamentis circa medium minutissime puberulis, cum antheris coerulescentibus; antica tria sterilia, cum antheris aurea, glaberrima, intermedio (quandoque deficiente) reliquis breviore. Capsula ovali-oblonga, vertice rotun- dato, nee emarginato, subinde sparsim puberula, abortu ovuli unius alteriusve saepe 3 — 1-sperma. Semina ovalia, ventre piano sulco exarata, rhaphe nigra, papilla embryotega marginali. Var. ol. simplex: Caulepalmari simplicissimo, foliis confertio- ribus, basi haud attenuatis, inflorescentia densius albido-pubernla. Hab. in Aethiopiae terra Nubanorum, in sylvis prope Scheibun (Russegger). Var. ß. ramosa: Caulibus ramosis adscendentibus, foliis remo- tis, basi attenuatis, longioribus 4 J / 3 — 3 poll., inflorescentia sparsius puberula. ') Chai-actcrem generis, » cl. Haaskarl propositi, vide in Peters /leise in Mozambique p, ,029; ej. in Flora 18(53. p. 088. magisque »uetum (generis iiiuuntiiiali v. Anei- lematis sectionis propriae) a. cl. Benthum in Hook. Niger Flora p. Ü46. Diagnoses praeviae. 139 Hab. in Aethiopiae terra Fassoglu (ßoriani). — Species L. rivulari (Aneilemati rivulari Rieh, tentam. fl. abyssin. p. 342) et lanceolato (Aneilem. lanceolato Benth. in Hook. Niger Fl. p. S46) proxima. Yallisneria aethiopica. (Hydrocharideae.) Folia nonnisi 2 — 1 / 2 pollicaria, linguaeformia, basimanifestissime attenuata, apice modo rotundata , modo obtusa v. acutiuscula, nunc jam supra basim, nunc saltem supra medium crebre denticulata, ob- soletissime multinervia, striolis fuscescentibus multipunetata, venulis transversis nullis. Flores masculi Fl. faemineorum spatha cuneato-linearis, laxiuscula (3 — 2 lin. lg.), ore obtusissimo bilobo. Perigonium spatba dimidio v. triente longius, lobis ovatis ob- tusissimis. Stigmata ovalia, apice acute bidentata. Hab. in Nilo albo ad insulam Mahabali, in territorio Aethiopum „Schiluk", ubi frequentissimam legit, mense Apiili 1837, cl. Dr. Kotschy. * Cadalvena gea. nov, *) (Ord. Zingiberaceae ; Sect. IL Zingibera.} Calyx tubulosus, hinc fissus, apice bidentatus. Corollae tubus elongatus filiformis, limbi, tubo longioris, laciniae lineari- oblongae, aequales, postica ereeta. Staminodia tria (petala auet. interiora) petaloidea, speciosa, binis posticis erectis, late ellip- ticis, acutis; antico (labello) majore late abcordato, adseendenti- deflexo, sinu lobisque acutis. Filamentum breve, canaliculatum, connectivo complanato , supra antheram aequilatam, linearem, bilocularem, basi apiceque muticam, in lacinulam canaliculatain, apice bidentatam produeto. Germen ovale inferum, solo apice biloculare, reliqua parte faretum, loculis obverse triangularibus, vertice depressis. Ovula in loculis solitaria, e basi anguli cen- tralis ereeta, anatropa, loculos implentia, rhaphe crassa. Stylus filiformis, inter antherae loculos transiens, parum ultra connec- l ) Genus dicaturn memoiiae peregrinatoris Ed. de Cadalvene, auetori soperis: L'Egyple et la Nuhie; Parisiis edit. anno 1836. 140 Fen/.l. tivum prodüctus ; stigmate capitato-turbinato , hilabiato- infundibulare; stylis rudimentariis fglandulis epigynis) nullis. Fructus Cadalvena spectabilis. Monocarpica (?) caule bypogaeo radicante, ascendentn, imbri- cato-squamato, liaud tuberifero (?). Folia epigaea quatuor, digitalia, subdisticba , horizontalia, bumif'usa, amplissime vaginantia , sessilia; lamina orbiculari, nunc apice omuino rotundata, nunc latiuscule apiculata, utrinque dense puberula; ligula obsoleta tenuissima. Flore s rhizocarpici, e foliorum sinu singillatim emergentes, pauci, capitati, bracteis vaginantibus inclusi, plus bipollicares, dilute flavi; germine, c alyce petalisque extus pubescenlibus. Staminodia petaloidea ultra pollicaria, glaberrima. Hab. in Aethiopiae terra Fassoglu (Boriani). — Genus Kaempferiae proximum, germine apice biioculari, biovulato, ac sty- lonim rudimentariorum defectu bene distinctum. Species unica nobis nota, habitu omnino Kaempferiae Roscoeanae Wall. (Bot. Reg. t. 1212), marginatae Carey (Roscoe Seit. t. 93) et lati- f'oliae Don. Adeniam speciosum. (Apocyneae.~) Truncus quadripedalis et altior, conicus, basi 3 — 2 pedes dia- metro crassus, apice parce ac distorte ramosus, ramis hornotinis elon- gatis, foliosis, cum reliquis partibus dense boloserieeis, quasi tomen- tosis. Folia subsessilia ac sessilia, obverse lanceolata, basi attenuata, apice rotundato v. retuso mucronata, 4 — 2 poll. longa ac 1 — */ a poll. lata. Inflorescentia termiualis, praecoci ramorum subjacentium paris incremento lateralis, sessilis, ima basi semel bifurcata, cincinoidea^ ramis utrisque erecto-patentibus, strictis, multifloris; pedicellis tarn bracteis quam calyeibus brevioribus. Corolla (2 1 /, poll.) speciosa, saturate rosea, tubi parte cylindrica calyce dimidio ac ultra longiore, limbi lobis suborbicularibus apiculatis. Folliculi (6 poll.) bolosericeo- incani. Semina comis fulvis duplo breviora, ferruginea, testa mem- branacea multistriata, striis dense papulosis. Hab. in Hedra monti Nubanorum nee non prope Fassoglu et Akkaro; tibi mense Maio 1837 floridum simulque fruetiferum legit Dr. Kotschy. I)i:>2rnosps praeviae. 141 Species Adenio Honghel DC. sane proxima, pube tarnen omnium partium copiosissima ac inflorescentia elonguta racemiformi abunde distincta. Niebuhria aethiopica. (Capparideae.) Frutex erectus, virgato-ramosus, calvescens. Folia tarn sub- ovato-elliptica, quam mere oblonga, acuta v. obtusa, miicrouata, supra secus nerviiin medianum puberula, caeterum glaberrima, majora (4 — 3 pollicaria) supra medium magis quam basi attenuata. Corymbi copiosi in paniculam foliatam amplam raram dispositi, ramis, pedi- cellis calycibusque dense puberulis. Flores louge pedicellati. Calycis laciniae ellipticae. Petala his dimidio v. triente breviora, suborbicu- laria, mucronata, breve uuguiculata. Stamina copiosa, calyce 2 — 2i/ 2 pl. longiora. Germen ellipsoideum, mox subglobosum, glaberrimum, 6 — 3-ovulatum. Bacca coriacea, subglobosa (5 — 4 lin. lg.), obtusis- simeappiculata, I — 4sperma, stipitepedicellumaequantev. superante (10—6 lin. Igo). Hab. in regno Sennar ad Tumad Kassan, ubi mense Jan 1838 floridam ac fructiferam legit Dr. Kotscby. MaSrvae oblongifoliae Rieh, quodamodo accedens, fruetu tarnen abunde distincta. 1 42 U o u e. Über den wahrscheinlichen Ursprung des menschlichen Ge- schlechtes, nach den jetzigen naturhistorischen Kenntnissen, so wie auch über den paläontologischen Menschen. Von dem w. M. Dr. Ami Boue. (Vorgelegt in der Sitzung am 9. December 1864.) Die Frage über den wahrscheinlichen Uranfang der lebenden Natur ist nicht nur für Pflanzen und Thiere, sondern auch für Men- schen eine oft besprochene, und selbst hohe päpstliche Würden- träger haben keinen Anstand genommen, alle Theile dieses Problems nach ihrer einzigen rationellen Meinung zu beurtheilen, demzufolge wird der Naturhistoriker wohl auch berechtigt sein, sein Urtheil darüber vernehmen zu lassen. Uns schien es immer, dass aus der Erziehung zurückgebliebene vorgefasste Systeme den Verstand selbst mancher grosser Gelehrte zu oft beherrscht haben. Niemand hat namentlich bis jetzt die Be- hauptung gewagt, dass Pflanzen- und Thiergattungen nur aus einem oder zwei Individuen entsprossen seien *)• Auf diese Weise wäre die Fortpflanzung für nur sehr wenige Gattungen unter den Pflanzen gesichert gewesen, für die meisten Thiergattungen aber wäre es eine reine Unmöglichkeit geworden. Ausserdem hätten die gras- oder pflanzenfressenden Thiere viele Gattungen der letzteren sogleich vertilgt, indem die Piaub- und fleischfressenden Thiere die Zahl der Thierspecies in der kürzesten Zeit sehr verkleinert hätten. In allen Fällen bei Erscheinung des Menschen mussten also von jeder Gat- tung der Pflanzen und Thiere viele Individuen schon vorhanden gewesen sein u. s. w. Ohne weiter diese leichtfasslichen Voraussetzungen zu ver- folgen, genügt es uns, dass, nach den gründlichen Erkenntnissen aller ') In meinen bibliographischen Sammlungen finde ich 25 Werke oder Abhandlungen über die Abstammung der Menschen aus vielen Paaren und 37 Werken oder Ab- handlungen, worin diese Abstammung nur von einem Paar kommen soll. Die Ver- gleichung der Verfasser dieser Schriften, so wie ihres gesellschaftlichen und nationalen Standes ist sehr lehrreich. Über den wahrscheinlichen Ursprung des menschlichen Geschlechtes. j 4«» jetzigen Naturforcher, die Verbreitung der Pflanzen und Thiere auf dem Erdballe aus gewissen Centralpunkten ungefähr strahlförrnig geschehen ist, wenn wenigstens die oro- und hydrographischen Verhältnisse es nicht anders bestimmten *). Pflanzen und Thiere, so wie später die Menschen wurden in Gattungen und besonders Spielarten nicht willkürlich getrennt, aber die Bodenplastik, ihre Natur und die klimatischen Einflüsse waren die Hauptmomente dieser Trennungen. Wie bekannt, wird die Erdoberfläche in bota- nischer, so wie in zoologischer Hinsicht in einer Anzahl von horizon- talen und Höhenzonen abgetheilt und diese letzteren enthalten Reiche und Provinzen, geographisch-geognostische Becken, so wie grosse Gauen für die verschiedenen Floren und Faunen. Die Verbreitung der lebenden Wesen, so wie der Pflanzen von einer Anzahl von Centralpunkten nach der Peripherie war scheinbar eine allmälige. Am Uranfang erschienen im gleichen Momente mehrere Indivi- duen derselben Pflanzen und Thiere, auf welchen oder in welchen noch nachher die Parasiten und Helminthen zum Leben kamen, möge man nun nur die Continentalmassen oder nur die Weltmeere berück- sichtigen. Nebenbei gesagt, hätte allein diese fast mathematische Gewiss- heit von der reinen naturhistorischen Progressionstheorie für die Entwickelung der Pflanzen und Thiere, während der geologischen Perioden, die nicht phantasiereichen Gelehrten abhalten sollen. Nach den innigen Berührungsmumenteu der niedrigsten Stufen der Pflanzen und Thiere kann man kaum behaupten, dass die eine Classe der andern vorangegangen sei. Wahrscheinlich scheint es, dass alle organische Typen uranfängliche Schöpfungen waren, welche dann durch Zeit und Umstände verschiedener Art nach und nach sich entpuppt und vervollständigt haben. Unbeantwortet lassen wir indessen die Frage, ob diese schöpferische Kraft auf dem ganzen i) Dieses im Continental-Europa angenommenes Axiom stösst nur noch auf Wider- willen im orthodoxen anglicanisehen England, wie Rieh. Owen's Instances of the power of Good as manifested in his animal ereation (London, 1864) es uns beweist, da diese Vorlesung in dem Vereine der Young Men's Christian Association aus dem Bande ihrer gewöhnlichen Leetüre ausgeschlossen und nicht ohne Widerstreben gedruckt wurde. Der berühmte Zoolog beweist darin sehr leicht, dass das Thier- reich unmöglich in 4000 Jahren aus einem einzigen asiatischen Centrum auf dem Erdballe sich hat vertheilen können. SiUb. d. mathem.-naturw. Cl. LL ßd. I. Abth. 10 144 ß o u e. Eidballe zur selben Zeit und gleichmässig anfing und fortwirkte oder ob da nicht in den verschiedenen Erdtheilen durch die Un- gleichheit der Temperatur und der meteorologischen Verhältnisse, sowie durch die verschiedene Zeit dieser Bildungen und Fortbildun- gen ziemlich grosse Differenzen in dieser doppelten Hinsicht her- vorgerufen wurden. Nach der Erdabkühlungstheorie müssten die Pole früher als die anderen Erdzonen für organische Wesen bewohn- bar geworden sein, da wenigere Sonnenhitze den ersteren zugetheilt wird und der Abkühlungsprocess daselbst darum etwas früher fühl- bar werden musste. Eine andere Bildungsart als die erwähnte gab es schwerlich, ausser die Annahme der Theorie der Urkeime, welche nur zu gewis- sen Zeiten und unter besonderen Umständen sich hätten entwickeln und verbessern können. Doch unter den vielen Schwierigkeiten dieser Hypothese wollen wir nur auf das daraus bestimmt entstehende junge Alter der in's Leben gerufenen Organismen aufmerksam machen. Wenn man die Pflanzen und gewisse niedrige Thiere als aus Keimen hervorgegangen noch sich vorstellen kann, so wird dieses für höhere Thiergattungen und besonders für die Menschen eine uns scheinbare Unmöglichkeit, da ihre Jungen ohne eine eigene Mutter- hilfe nicht lebensfähig bleiben. Darum kann man in jener Hypothese für das Erscheinen letzterer nur muthmassen, dass sie auf einer oder der andern Weise, das heisst aus dem schöpferischen Stoffe oder durch Umwandlung anderer Geschöpfe als ganz erwachsene plötz- lich oder langsam (nach mehreren Generationen) nach Umständen hervorgegangen sind, oder dass die neuen Thiererzeugnisse in ihrer Jugend die Pflege anderer schon erwachsener Thiergattungen ge- nossen, ungefähr so, wie die Henne Enteneier ansbrütet und junges Wassergeflügel erzieht, oder wie es mit den Täuschungen dieser Art bei manchen Säugethieren selbst noch zugeht. Die zwei grossen Hüllen unserer Erde, die Luft und das Was- ser, veranlassten in der Schöpfung des Organischen zwei Reihen von Typen im Pflanzen-, sowie im Thierreiche. Die Entwickelungs- gesetze, wenn auch gleiche, wurden durch die Verschiedenheit der Media bedeutend modificirt. Die vollständigste Entwicklung konnte nur in der Luft für beide Reiche stattfinden. Im Wasser schwang sie sich wohl von der untersten Thierstufe bis zum Säugethier und selbst bis zum grossen empor, indessen sie konnte unmöglich weder Über den wahrscheinlichen Ursprung' des menschlichen Geschlechtes. 1 4«) den Vögel- nach den quadrntnanen Typus erreichen und erzeugte nur daselbst spärliche Repräsentanten der anderen Abtheilungen der Erdsäugethiere. Die Übergangsbrücke vom Wasser- zum reinen Luftthiere bildeten nicht nur die geflügelten und gewöhnlichen Am- phibien, sondern auch eben sowohl die grasfressende Cetaceen , als die Flussnagethiere und Dickhäuter sammt den Wasserinsecten und Krustaceen. In gleicher Art brachten dieselben Entwickelungsgesetze es im Pflanzenreiche auf dem trockenen Boden bis zu dem schönsten, grössten und nützlichsten Phanerogamen und Dicotyledonen, indem im Meere sie fast nur bei den unteren Abtheilungen der Pflanzen nothvvendigerweise bleiben mussten , deren Glieder aber die untersten Thiere mit dem vegetabilischen Wesen verbinden. Phanerogame Wasserpflanzen im salzigen oder süssen Wasser er- scheinen wieder da fast als Mittelglieder wie die Amphibien im Thierreiche. Um Schöpfungen hervorzurufen, konnte die Natur nur die vor- handenen Weltkräfte und Stoffe brauchen. Einer der wichtigsten Factore der organischen Schöpfung und Entwickelung war gewiss das Licht (siehe Morren Ann. Sc. nat. 1835, N. F., Bd. 3 und 4 u. s. w.) und besonders die Hitze, möge man nun dieselbe Wärme, Electricität oder Magnetismus nennen. Das den verschiedenen Organismen nothwendige Lichtquantum ist höchst mannigfaltig und es gibt selbst Pflanzen und Thiere, welche für das menschliche Auge, scheinbar wenigstens, ohne demselben leben, indem die meisten anderen organischen Wesen durch die Entziehung des Lichtes mehr oder weniger leiden und sich oft wesentlich ver- ändern. Was die Wirkung der Hitze auf das Organische betrifft, so ist sie uns noch neuerdings durch Dareste in seinen durch die ungleiche Vertheilung der Hitze verursachten Anomalien in der Eierausbildung versinnlicht worden (G. R. Ac. d. Sc. P. 1864, Bd. S9, S. 693—696). In zweiter Reihe kommen der Feuchtigkeitsgrad und die Proportion der Gastheile der Luft, so wie die Erdausdünstungen zu verschiedenen geologischen Zeiten. Die Ahnung dieser bildenden Gewalten wurzelt so tief im menschlichen Geiste, dass so manche Mythe selbst die höchsten Wesen eines Volkes aus der Sonne, andere aus dem Weltmeere herkommen Hessen. 10* 146 B o u e. Daher stammt der so grosse Unterschied in Gattungen, Arten und ihrer Grösse zwischen der jetzigen Flora und Fauna und der- jenigen der geologischen Zeiten, und diese Differenz vergrössert sich, je weiter man in letztere zurückblickt. Grosse Hitze, gepaart mit einer sehr feuchten und kohlensaurenreichen Luft, ist nur den Pflanzen wohlthätig, indem im Thierreiche nur die untersten Stufen bis zu den Fischen und Amphibien in solcher Media sich gefallen können. Wenn aber dieses uns die wissenschaftliche Aufklärung über die paläozoischen gepanzerten Fische, über ihren Übergang in Amphibien, über die batrachoiden Formen mancher dieser letzteren Thiere, über ihre ungeheure Grösse in der Flötzzeit u. s. w. liefert, so bemerkt man ganz Ähnliches im Pflanzenreiche, da gewisse jetzt nur kleine Pflanzen enthaltenen Abtheilungen im ungeheuren Grössen- maassstabe in paläozoischen oder älteren Flötzzeiten erschienen. Die Moose z. B., diese in Feuchtigkeit wuchernde Pflänzchen, waren damals die grossen Stigmarien, welche den besten Theil des Materials der Bildung der älteren Steinkohlen lieferten. Annäherndes liess sich für die Lycopodiaceen, so wie für die Equisetaceen, seihst für die Farnkräuter und Algen beweisen. Später ersetzen Cycadeen in Uiiinasse oft unsere Coniferen und nur in neueren geologischen Zeiten entfaltete sich der ganze Reichthum der heutigen Dicotyledonen. Auf diese Weise konnten ganze Formationen fast nur aus kalkigen Algenresten bestehen (Leithagebirge u. s. w.) und letztere spielten wirklich eine fast eben so wichtige Rolle als die Polypenthiere, dessen Gehäuse ganze Gebirge aufbauten, indem die kieseligen Panzer der Infu- sorien allein wenigstens mächtige Lager in den Felsen bildeten. In d-T Wirklichkeit brauchen alle Keime der organischen Welt und ganz besonders diejenigen der Wirbelthiere ein grösseres oder geringeres Quantum Wärme und Feuchtigkeit zu ihrer gehö- rigen Entwicklung und späteres Leben, während im Gegentheil ein geringerer oder grösserer Kältegrad alle organische Wesen und Keime tödtet. Dieses Axiom der neuen Naturgeschichte kann als unwider- rufliche Antwort für diejenigen Geognosten dienen, welche der Annahme einer ehemaligen höheren Temperatur für die Hülle unse- rer Erde und in Folge dessen für den ganzen Erdball wider- Über den wahrscheinlichen Ursprung des menschlichen Geschlechtes. 147 sprechen *). Wäre letzterer immer in seinem jetzigen Hitzestadium gestanden, so würde auf demselben keine sichtbare organische Schöpfung und vorzüglich keine höhere höchst wahrscheinlich möglich gewesen sein. Dieses wird durch die, selbst zugegeben, noch etwas in suspenso stehende Controverse über die Generatio equivoca, den Gährungsprocess u. s. w. ausdemonstrirt. Wie aber diese heik- lichen Experimente unter der Äquatorialsonne, besonders aber in einer in sauer- und kohlenstoffreicher Luft, selbst möglichst unter gewissen noch unbekannten oder mächtigen elektromagnetischen Einflüssen ausfallen würden; ob die Identität einer künstlichen Hitze oder eines künstlichen Magnetismus mit der ehemaligen Son- nenhitze und dem damaligen Erdmagnetismus eine gänzlich unum- stössliche Thatsache ist, das sind für unser Thema höchst wichtige Fragen, welche, obgleich als entschieden schon beantwortet, durch zukünftiges weiteres Wissen ihre definitive Bestätigung oder Ergän- zung noch erfahren können. Neuere Sonnenbeobachtungen scheinen aber schon selbst für diesen zum organischen Leben in den Planeten absolut nothwendigen Gestirn Veränderungen in Licht und Hitze im Laufe der Jahrhunderte vermuthen zu lassen. Unter dieser Voraus- setzung würden nicht nur die Erdmagnetismus -Phänomene, son- dern auch das organische Leben, so wie selbst die Erzeugung des- selben unter sehr modificirte Gesetze treten können. Andererseits sind die bedeutenden Einflüsse wohl bekannt, welche Licht, Hitze, Elektricität und Magnetismus sammt verschie- denartigen Mengen von Sauer-, Wasser- und Kohlenstoff auf das chemische Leben und die Verbindungen der elementaren Stoffe eben sowohl in der organischen als in der unorganischen Welt aus- üben. Die bekannten Metamorphosen der organischen Wesen nicht nur bei den niedrigsten Thieren oder überhaupt bei den wirbel- losen, sondern auch in der ganzen Classe der Wirbelthiere deuten !) Leider tauchen in neuerer Zeit, besonders in Deutschland und vorzüglich aus der Münchner Schule die merkwürdigsten Neptunisten hervor, welche ohne persönliche gründliche Bekanntschaft mit Vulcauen gemacht zu haben, am Rhein, im Schwarz- wald, in Süd-Tirol, im böhmischen Mittelgebirge und selbst in Island alles, seit fast ein Jahrhundert anerkanntes, Vulcanische negiren und sich wahrhaftig durch ihre sogenannten gründlichen chemisch-geologischen Untersuchungen nur gründ- lich lächerlich machen. 1 48 B o u e. auf die mächtigen unausweichlichen Wirkungen des Sonnenlichtes und der Warme, so wie der Lufttheile. Jedem wird es einleuchten, dass Veränderungen in jenen mehr- fachen letzteren Richtungen eben sowohl, als besonders in den uns umgebenden und alles durchdringenden Imponderabilien, Modifi- cationen in ihren noch theilweise unbekannten Vibrationsgesetzen, der ganzen organischen Weltordnung eine andere Gestalt geben könnten und würden. Solche Veränderungen durch Experimente im Kleinen zu prüfen, wird wohl als physikalische Unmöglichkeit jetst gestempelt, ob aber in grösserer Bescheidenheit über unser heutiges Wissen wir die Lösung dieser Frage nicht lieber der Zukunft überlassen sollten, wollen wir unentschieden lassen. Eben so unschlüssig bleiben wir gegenüber des angenommenen Axioms stehen, dass die innige Natur der Imponderabilien ewig dieselbe war und bleiben wird. Wenn in Hinsicht auf den jetzigen Stand letzterer die künst- lichen Erzeugungen in höheren Organismen für uns eine gänzliche Unmöglichkeit bleiben, so scheint es doch für die untersten Stufen der mikroskopischen Welt, das Zellenleben insbesondere, noch nicht ganz festgestellt, ob der Mensch als Ebenbild Gottes angesprochen ohne frevelnde Anmassung, da die Lebenskraft und Anregung dazu die ganze Natur durchdringt, ein solches Stück einer Schöpfung oder eigentlich nur eine Erweckung zum Leben, nie zustehen könnte? Weil wir nicht in jenen Zeiten leben, wo solche Wesenher- vorbringungen ihre notwendigen Mittel und Nebenumstände fanden und unsere Zeit ausserdem bemessen ist, so geht es einmal über unsere Kräfte, theilweise wenigstens durch Hitze und eine sehr feuchte kohlensäurereiche Atmosphäre Würmerthiere in Kruster und letztere in Fischen mittelst eines besondern Entwicklungsganges umzuwandeln, oder selbst aus Batrachiereier andere nahe verwand- liche Amphihien zu erzeugen. In älteren geologischen Zeiten mögen aber solche Metamorphosen leicht geschehen sein. Noch viel schwieriger würde sich die physikalische Herstellung des Über- ganges von Amphibien zu Vögeln und Säugethieren oder endlich die Kluftausfüllung zwischen Affen und Menschen darstellen. Doch gelänge nur einmal den» Menschen die Herstellung des Zellenlebens» könnte man da nicht hoffen, wenigstens die niedrigsten Stufen des Pflanzen- und Thierlebens einst zu erreichen? (Siehe Fremy, Über den wahrscheinlichen Ursprung des menschlichen Geschlechtes. 149 Halborganisirte Körper C. R. Ac. d. Sc. P. 1864, Bd. 58, S. 1165 bis 1167 und Ernst Baudrimont's Pseudoorganisirte Körper in Thermen (dito Bd. 59, S. 52—54.) Einer der besten der zahlreichen Verfechter der entgegen- gesetzten Meinung, Herr Claparede aus Genf, gesteht doch offen, dass die freien Bewegungen der vegetabilischen Zoogoniden ihm unerklärlich bleiben (Mem. de Tlnstit. genevois 1861, Bd. 7, S. 18 und 19). Seine vorgeschützte wahrscheinliche Combination von gewissen physikalischen Gesetzen (dito S. 29) bleibt ihm ein Räthzel. Die Erzeugung einer lebenden Zelle beruht aber auf nichts anderes als dieses. (S. Pringheim's Untersuch, üb. Algen 1853 u. Berliner Monatsber. 1855.) Indem wir die Schwierigkeit des genauen Experimentirens in dieser Richtung zugeben, stellen sich wenigstens für unsere Thesis der Erzeugung des Lebenden mittelst der vorhandenen Media und Stoffe alle Experimente nach Anwendung von grosser Hitze oder in luftleeren Räumen oder selbst in nur künstlich erzeug- ten oder chemisch von organischen sogenannten gereinigten atmos- phärischen Luft als ganz unpraktisch oder illusorisch. Die mikros- kopischen Beweise von der Anwesenheit von Pflanzen- oder Thier- keime in der Luft (s. Lemaire C. R. Ac. d. Sc. P. 1864, Bd. 59, S. 317) bleibt man meistens schuldig, wenn man die gegnerischen Experimente leugnet. Ohne gewöhnliche und nicht chemisch ver- änderte Luft gibt es scheinbar keine Lebensmöglichkeit für das Organische oder Unorganische, aus welchem das erstere besteht. Wir meinen mit Herrn Ch evreul, dass die Unvollständigkeit unsere Sinne und Instrumente uns wenigstens bis jetzt kein Urtheil zu fällen erlauben (dito S. 160). Nach diesen dem grossen Publicum eben sowohl als manchem berühmten Gelehrten widerstrebenden theoretischen Ansichten wer- den wir doch unseren Gegnern die lächerliche Zumuthung nicht thun, lieber zu veralteten Schöpfungsgedanken oder gar zu excentri- schen Hypothesen, wie z. B. diejenige des Grafen Jos. Fortunato Zamboni, päpstlichen Kämmerers, zurückgreifen zu wollen. Nach letzterem wäre namentlich nicht nur alles Lebendes, Junges, Altes, Krankes undselbst Todtes in derorganischen Welt aus den unorgani- schen Erdstößen plötzlich gebildet worden, sondern alle paläontolo- gisch so verschiedene Herbarien und Mumien wären nur ein Naturspiel 150 B o u e. der Schöpfungskraft *)■ Diese Meinung hebt wohl alle sich aufthür- mende Schwierigkeiten dieses Räthsels durch einen Machtspruch auf, aber dem menschlichen Verstand solches Gewäsch anzupassen, dazu wird sich Niemand einverstehen. Zur Vernunftsbeschränkhet und Scholastik des Mittelalters können wir unmöglich zurückschreiten. Wenn man dagegen unsere Voraussetzungen über die Bildung der Pflanzen- und Thierwelt hilligt oder wenigstens nicht ganz unwahrscheinlich findet, so fragt sich, warum man dieselben geneti- schen Frincipien für das Erscheinen und die Ausbreitung des menschliehen Geschlechtes nicht vorschlagwürdig finden könnte, wie es schon manche berühmte Anthropologen und Zoologen gedacht haben. Die grösstenteils unfruchtbare Frage der einfachen oder zusammengesetzten Zahl des menschlichen Typus brauchen wir nicht zu berühren, denn für unsere Meinung finden Menschenvarie- täten eben so gut als Species ihre Anwendung. Die Erde würde für Menschen wie für Pflanzen und Thiere in Reichen und Provinzen mit Centralpunkten der Verbreitung abgetheilt uns erscheinen. Die Reiche würden möglichst selbst mehrere provinciale Centralpuncte besessen haben, so dass die grossen Abtheilungen allein durch die Farbe der Menschenhaut bestimmt sein würden. Andererseits würden wir muthmassen, dass ziemlich ähnliche Menschen in selbst entfernten Provinzen oder gar Reichen hätten gebildet werden können. Auf diese Weise würden wir allen den Schwierigkeiten aus dem Wege gehen, welche die Vertheilung gewisser, nicht sehr differencirter Menschenracen in zwei verschiedenen Ländern oder Reiche immer Ethnographen verursacht haben und zu allerlei sonder- bare sowohl anthropologischen als geologischen Ausflüchten Anlass gaben. Wir haben hier vorzüglich einige australische schwarze Racen im Auge. Ganz unannehmbar und nicht genügend verdaut erscheint uns die manchmal und in letzterer Zeit durch Tremaux (C. R. Ac. d. Sc. P. 1864, Bd. 58, S. 526 — 528, 611, 612. 752—755 und !) Rede, gehalten in der wissenschaftlichen Versammlung- am 10. Mai 1821 im Haupt- gymnasio der Weisheit zu Rom von der Notwendigkeit, die Leichtgläubigen vor den Kunstgriffen einiger neueren Geologen zu warnen, die unter dorn Schatten ihrer physischen Beobachtungen die mosaische Geschichte der Schöpfung und der siiiiillliilli zu leugnen sich erkühnen. A. d. Italien, Manuscripte übersetzt von J. R. v. F. Wien, 1823, 8°. Über den wahrscheinlichen Ursprung iles menschlichen Geschlechtes. 151 1097, 1098) verfuchtene Ansicht, dass die Mensehenracen, selbst die höchst verschiedenen, nach der Hautfarbe (wie der weisse und schwarze Mensch) durch Klima und geologische Bodenverhältnisse so weit sich verändern können, um einen wahren Übergang erkennen zu lassen. Diese Modificationsursachen sind wohl vorhanden, aber ihre Wirkungen sind nicht so bedeutend, wie man es sich einbildet, und sie beschränken sich besonders auf Racenspielarten, ohne je eine grosse Urrace in eine andere umpuppen zu können. So z. B. ist es wohl bekannt, dass viele eigentümliche Racen unserer Haus- thiere ihren Typus nur gewissen Boden- und klimatischen Ein- flüssen verdanken u. s. w. Die Sonnenstrahlen haben die Tendenz, die Haut jedes Menschen etwas zu schwärzen. Das Leben auf dem Meere verleiht den Schiffsleuten ein eigenes Äussere eben sowohl, wie das Lehen und das Wandern in Wüsten den Araber erzeugt u. s. w. Ausserdem hat das besondere traurige Schicksal der ge- mischten Nachkommenschaft zweier sehr verschiedener Racen schon hinlänglich gegen den Übergang der einen in die andere bewiesen. Verschlechterung und nicht Verbesserung der Menschen, nach und nach Absterben anstatt Vervielfältigung, das ist immer das Ende jener manchmal von schlecht berathenen Enthusiasten befürworteten Kreuzungen gewesen *). Im Allgemeinen ist der Mensch in Wirk- lichkeit keineswegs für alle Klimate und Erdregionen von der Natur bestimmt, wie Pflanzen und Thiere wurden seine Racen ursprünglich auf der Erde vertheilt. Kann er aber leichter als Thier und Pflanze die Naturgesetze trotzen, so wird er es nur auf Rechnung seiner Gesundheit und seiner Lebensdauer thun können (s. Boudin, Soc. anthropologiq. de Paris 1863). Die Krankheiten und das kurze Leben so vieler Reisenden in den Polarländern oder in heissen Klimaten, die Unmöglichkeit des Lebens des weissen Ackerbauers unter der brennenden tropischen Sonne, die kränklichen Zustände für unsere Race in für gelbe und braune Menschen unschädlichen Län- dern und Umständen u. s. w., das sind eben so viele Beweise des Vorhandenseins dieser Vertheilungsmarken der Menschheit und der absoluten Grenzen des menschlichen Willens. ') Siehe J. A. N. Perrier, Essai sur les croisemens elliniipies, P. 18G1. 2 Th. 8°.; Crawford, Anthropolog. Review 1S64, Bd. 1; Ür. P. Broca, The phenomena of humanhybridity 1864; Serres, Ausland 1848, Nr. 1 und 2; Ch. N au diu C 11. Ac. d. Sc. P. 18G4, Bd. 39, S. 845. 152 R o u e. Der so lange angenommene Irrthum der Abstammung des schwarzen Menschen vom weissen kommt ganz natürlich nur von beschränkter Kenntniss der Erde und seiner Bewohner zu jener ägyptisch- chaldäisch- assyrischen Zeit her. Hätte man damals unsere jetzigen geographischen Racenkenntnisse gehabt, so wäre höchst wahrscheinlich die menschliche Genesis *) ganz anders ausgefallen. Ausserdem reimt es sich gar nicht mehr mit unserm Wissen, dass die niedrigste Race durch die vortheilhafteste aus- gestattete erzeugt werden sollte und könnte. Die Sonne hätte in diesem Falle nicht nur die Haut geschwärzt, sondern den Verstand auch noch dazu geschwächt, so dass daraus vice versa fast ge- schlossen werden müsste, dass die erste Stufe der geistreichen Menschen am Pole leben sollte, was doch keineswegs der Fall ist. Um bei diesem Anlasse Einwendungen zuvorzukommen, müssen wir auf den wichtigen Unterschied aufmerksam machen zwischen politisch verwildern und geistig verkümmern. Manche Völker des Orients, besonders des westlichen Asiens, Ägyptens, Abyssiniens u. s. w. sind im ersten Falle, ohne in den zweiten gerathen zu sein. In der weissen und gelben Race erreichte die unterste Stufe der Verkümmerung nie diejenige des schwarzen oder selbst nur diejenige des theilweise kanibalisehen braunen Menschen. Da die Anhänger der Ableitung der Menschen aus nur einem Paar zur Erkenntniss der naturhistorischen Schwierigkeiten ihrer Theorie endlich gekommen sind, so haben sie in letzteren Zeiten, besonders zu den Sprachforschungen ihre Zuflucht genommen. Die Untersuchungen in dieser Richtung haben philologisch, so wie ethnographisch, schon die schönsten wissenschaftlichen Früchte getragen, aber als Beweise der genannten Hypothese kann man sie nicht gelten lassen. Die Sprache ist namentlich ein Gemeingut unserer Schöpfung. Obgleich ihre Zahl sehr gross ist, so lassen sie sich ungefähr nach den grossen Continentalmassen zu einigen wenigen Haupttypen zu- i) Es ist wahrlich ergötzlieh, wie hihelfeste Protestanten manchmal die Ableitung- des Negers vom Weissen nach ihrem beschränkten Standpunkte zu beweisen glauben. So z. FJ. argiimentirt Dr. Caldwell, dass, da Noah aus seinem Schilfe vor 4179 Jahren ausstieg und die Neger nur seit oii'.i Jahren bekannt geworden sind, die weissen Menschen in 7:5!» Jahren schwarz geworden sind. (Thongbts of the unity of the human Race. Philadelphia, tSlii und 1851.) Über den wahrscheinlichen Ursprung des menschlichen Geschlechtes. 153 rückführen, denn in ihrer Vergleichung kommen mehrere Umstände in Betracht, wie die Laute sowohl die der lebenden Wesen und der todten Natur nachgeahmten, als nur die künstlichen, wie die son- derbaren der afrikanischen Sprachen eigentümlichen, die Einfach- heit (Chinesisch) und Ähnlichkeit der Laute und Wörter, die gewöhnliche (Sanskrit) oder ungewöhnliche Zusammensetzung der letzteren, das grammatische Wesen der Sprache, ihre Phraseologie, ihre Armuth oder ihr Reichthum u. s. w. Da es so verschiedene Menschenracen und Spielarten gibt, so ist es kein Wunder, dass man über 8034 Sprachen jetzt zählt, aber desswegen müssen gewisse nahe Sprachenverwandtschaften in selbst weit von einander entfernten Gegenden doch nicht so auffallen, wenn wenigstens jene ähnlichen Menschenracen angehören , auf ähnlichen Naturgegen- ständen und Anschauungen beruhen, kurz in ähnlichen Erdzonen und Erdboden Zusammensetzungen entstanden und vorhanden sind. Dem ungeachtet werden als wahrheitstreu oder höchst wahr- scheinlich die meisten der sehr interessanten Schlüsse der heutigen schon ziemlich ausgebildeten Linguistik anerkannt. Doch ihre volle Geltung haben sie besonders nur für jeden Typus des menschlichen Geschlechtes, so wie nur hie und da für locale Sprachmischung. Gehen sie über diese Grenzen, so fallen sie in der Abtheilung der linguistischen Untersuchungen über die allgemeine Bildung der Sprachen, wo es auch möglich ist, Ähnlichkeiten verschiedener Gattungen herauszufinden. Diese aber führen nur zum allgemeinen Brunnen der menschlichen Spracherkenntniss, ohne im Geringsten für eine Abstammung der Menschenracen aus nur einem Paar Men- schen unwiderrufliche Beweise zu liefern *). So zum Beispiel ist die jetzige Spcachclassification ein grosser Fortschritt, die Ableitungen von einem Urtypus und die Ähnlich- keiten der Sprachen der weissen Racen 3 ), die besonderen Eigen- i) Die Mythe Deucalions und Pyrrha, welche nach der thessalischen Siindfluth zahl- reiche Menschen gleichzeitig 1 durch Steinwerfen hervorgerufen haben sollen, ver- sinnlicht poetisch, dass mehrere Menschen und nicht ein Paar uranfänglich erschienen. *) Unter einer Menge von Werken und Abhandlungen über die asiatischen oder indo- germanischen Sprachen nur James Long's philologische Tabelle jener Sprachen im J. Asiat. Soc. of Bengal 1843, Bd. 12, Th. %, S. 837— S96 und Eichhoff's Parallele des Langues de l'Europe et de rinde 1836, 4°. 154 B o ii e. thümlichkeiten grosser Sprachengruppen, die Anomalien der afri- kanischen Sprachen, die Berührungspunkte der amerikanischen und asiatischen Linguistik u. s. w., alle diese Entzifferungen sind wahre geistige Eroberungen, Schätze von historischen und vorhistorischen Erkenntnissen; aber den Massstab der nüchtersten und dem vor- gefassten Systeme abholdesten Beurtheilung muss man solchen Forschungsableitungen anlegen , welche die Vergleichung der Sprachen anderer Menschen! acen mit unseren bis jetzt theilweise hervorgerufen haben. Einige der als ganz logisch angenommenen Schlüsse letzterer Art erinnern sehr an jene Behauptungen einiger Beisenden und Schriftsteller, welche Beweise der allgemeinen Sündfluth in gewissen Mythen theilweise wilder Völker überall ent- decken wollen und zu entdecken glauben. Höchst locale, zu sehr verschiedenen Zeiten möglichst geschehenen Überschwemmungen *) werden, ohne alle physikalische Kritik, einem Systeme angepasst» ohne selbst die physikalischen Grundbedingungen einer solchen Erd- umwälzung zu kennen oder eigentlich ihre physikalische Unmöglich- keit zu prüfen. — Eines ist sicher, das ist, wie Herr J. Crawford sich ausdrückte, dass die Bildung der Meiibchensprache allein das ') Jene zahlreichen sogenannten Sündfiutheu sind für den Geologen und Physiker höchst leicht zu entziffern und zti classificiren. Viele sind nur durch zeilliche Ver- stopfungen von Katavotras oder unterirdische felsige Abzugscanäle in geschlos- senen, oft in Kalkgebirgen liegenden Becken entstanden, wie vorzüglich die grie- chischen, die böotische oder des Ogyges, die Acherontisehe oder pelopische, die peloponnesische oder des Inach u. s. w., so wie auch die mexieanische im Becken Mexico's. Andere wurden durch zufällige Felsenstürze oder zeitliche Verschattung eines kleinen Theiles des engen Abzugscanales oder Thaies eines Flussbeckens veranlasst, wie z. B. die thessalische Sündfluth oder die Deucalion's, welche eben sowohl in unteren Becken durch Schliessung des engen Tempethales als im obern durch diejenige des Salambriapasses bei Mustapha-Pascha hat stattfinden können. Auf ähnliche Weise entstand die armenische oder die des obern Euphrats durch Absperrung des Felsencanals, welcher jene Wässer nach Mesopotamien zu treten erlaubt. Eine dritte Gattung wurde durch plötzliche Entleerung grosser Seebecken in Folge von Erdbeben, Erdspaltungen und dergleichen Begebenheiten hervor- gerufen, wie die mareotische und thracische oder samothracische Sündfluth, die phrygische oder des Königs Amine, die mesopotamische , die nordindische oder sogenannte Zendfluth, gewisse chinesische, in Centrnl-Asien, einige nordamerika- nische , wie die des Appalachen, gewisse peruvianische und selbst afrikanische. Endlich haben auch grosse Meeresüberfluthungen in Verbindung mit Erdbeben zu solchen Sündfluthmythen Anlass gegeben, wie besonders in tropischen Ländern Amerika's, in Indien, China (Peyruns Sündfluth) und Australien. Über den wahrscheinlichen Ursprung des menschlichen Geschlechtes. I 5ö sehr hohe Alter unseres Entstehens beweist. (Lond. ethnolog. Soc. 18S2, Quart. J. geol. Soc. L. 1861, Bd. 17, S. LXXI). Nach unserer Theorie würden die verschiedenen Zonen, Co n tin ente, so wie selbst einzelne Abtheilungen der- selben eigene Mensch enracen seit dem Uran fange ihres Erscheinens auf Erden besessen haben, indem diese Racen wohl in gewissen Continenten, wie Europa, Amerika und Neu-Holland, nur eine Hautfarbe, aber in den drei anderen immer Racen mit zwei (Polynesien) oder selbst drei (Afrika) oder vier Hautfarben (Asien) gehabt hätten. Ausser in Amerika, könnte man selbst die Zahl der Farben in besonderen Verhältnissen mit den sehr verschiedenen Klimaten in jedem einzelnen der drei letzt- genannten Continenten anerkennen. Die Urographie gewisser Ge- birgs-Systeme nach den Parallelen in der alten Welt und andere sogenannte nach dem Meridian haben auch einen grossen Antheil an der Verschiedenartigkeit der Ethnographie der neuen und der alten Welt gehabt. Nach diesen Auseinandersetzungen würden viele schöne Phan- tasiebilder über unbewiesene Urvölkerwanderungen wegfallen und nur einige fest begründete bleiben. Insbesondere würde die Bevöl- kerung von Amerika durch asiatische Einwanderer als höchst unwahrscheinlich erscheinen, obgleich grosse Gelehrte durch ge- wisse ethnographische Ähnlichkeiten zu einer solchen Hypothese sich verleiten Hessen. Einige Eigentümlichkeiten und Monumente der Azteken und selbst der Peruvianer weisen scheinbar auf Indien oder Ägypten hin. Ist es aber eine Unmöglichkeit, dass der mensch- liche Geist in zwei von einander entfernten Ländern auf ungefähr ähnliche Gedanken gerathet, wenn man vorzüglich bedenkt, dass Stenienkunde oder Astrologie der Anlass dieser war? Ausserdem vergesse man nicht den grossen Unterschied zwischen die lang- same Bevölkerung eines Continentes durch den andern und das zufällige Herüberkommen einiger Menschen des einen Continents zum andern , so wie eine auf diese Weise verursachte Bildungs- uinwälzung. In gewissen bekannten Fällen solche Möglichkeiten zu leugnen fällt uns nicht ein. Im Gegentheil finden wir in den zerstreuten polynesischen Inselgruppen den auffallendsten Beweis einer langsamen Bevölkerung durch Emigration , so erkannte man nach und nach durch Religionsansichten, durch heilig gehaltene 156 B o u e. Gegenstände, durch Monumente und andere ethnographische Um- stände, dass die ägyptische Civilisation von der indischen manches geborgt hat, ohne dass darum die alten Ägyptier von der Race der Indier waren. Mag etwas Ähnliches fiir Amerika geschehen sein, wer möchte nicht solche Muthmassungen noch weiter erörtert und bestätigt finden? Obgleich nie aus Europa gekommen, war es uns doch gegönnt, viele Menschenracen in natura zu sehen. So z. B. unter den 25 weissen europäischen Hauptracen fehlen uns nur die finnische und besonders die lappländische. Neben den Rothhäuten Nord-, Mittei- lend Süd-Amerika's sahen wir auch Eskimos. Für Asien trafen wir mit Chinesen, Cochinchinesen , Mongolen, Industanen, Persern, Kurden, Arabern, Syriaken, Türken und Tataren zusammen. Unter den afrikanischen Racen aber begegneten wir nur Berbern, Kopten, Abyssiner und Neger. Aus Polynesien sahen wir nur Neu-Seeländer. Nach diesem Erlebten und ohne die Thatsache der zu einer langen Dauer unfähigen Generation nur durch Blutsverwandte zu berühren, konnten wir nie verstehen, wie es möglich war, aus zwei weissen Menschen alle diese so verschiedenen Racen abzuleiten. Diese Unmöglichkeit erhöht sich aber in unseren Augen noch dadurch, dass man zur Erreichung der jetzigen Menschenvertheilung und Verbreitung, so wie zu den jetzigen Bevölkerungszahlen der einzelnen Continente nur eine so geringe Anzahl von tausend Jahren als hinlänglich sich denkt. Nach unserer Wenigkeit wäre seihst diese geringe Zeit nicht lang genug, um Menschenverbreitung nach unserer Voraussetzung als von einer Anzahl von Centralpunkten gleichzeitig ausgegangen zu erklären. Überhaupt ist die Anwendung der historischen Zeiträume auf die geologischen eine ganz irrthümliche Ansicht, da erstere von letzteren keinen wahren Begriff kaum geben können. So z. B. berechnete Dana, dass wenn wirklich alle Flötz- und tertiäre Ablagerungen eine Mächtigkeit von 60.800 Fuss hätten, lO.OOOMil- lionen Jahre dazu nothwendig gewesen wären. Hat die tertiäre Bildung nur tausend Millionen Jahre gedauert, so muss die Alluvialzeit wahrscheinlich wenigstens eine Million Jahre in Anspruch genommen haben. Natürlich kann man für die Genauigkeit solcher Berechnungen nicht stehen, denn sie grün- den sich alle auf Zeitbestimmungen über Alluvialbildungen seit Über den wahrscheinlichen Ursprung des menschlichen Geschlechtes. loT historischen Zeiten. Die Ursachen und Nehenumstände der Schutt- und Schlammahlagerungen in geologischen Zeiten waren ganz andere, oder wenn sie dieselben waren, so muss ihre intensive Kraft viel höher und darum ihre Resultate viel grösser gewesen sein. Grössere Neigung der Abzugscanäle, grössere Wassermeteoren wegen des tro- pischen Klimas und die dynamische Bildung von Bergen und Ketten gewähren eine genügende Bestätigung des Gesagten. Doch selbst solche veränderte Bildungsstandpunkte bis an ihren äussersten Con- sequenzen berücksichtigend, so genügen noch die erhaltenen Resul- tate, um den Unterschied zu kennzeichnen, welche wir hervorheben wollen. Hinzufügen können wir noch das folgende erläuternde Beispiel. Wir kennen schon einige in den historischen oder mög- lichst nur in den fast historischen Zeiten ausgestorbene Thiere, wie der Didus ineptus, die Moa Neu-Seelands, die Rhytina Stelleri u. s. w., andere sind in gewissen Ländern verschwunden, wie der Löwe, der Seehund in Griechenland, das Elennthier in Central- Europa, Bären und Wölfe in den britischen Inseln, der Biber und selbst die Fischotter in vielen Gegenden Europa's u. s. w. Wie kurz sind aber die Zeiträume für das Verschwinden dieser einzelnen Thiergattungen gegen diejenigen, welche wahrscheinlich das Leben so vieler fossiler Säugethiere, Vögel und Amphibien durchmachte. Dieses führt uns unwillkürlich zur jetzt endlich erwiesenen Thatsache der fossilen Menschen reste oder des Vorhandenseins der menschlichen Race in geologischen Zeiten so frühzeitig als das Ende der tertiären Periode. Wieder gestützt auf die nothwendige Zeit zur Bildung einer gewissen Alluvialmasse am Mississippi haben die Dr. Dowler und Usher zu Mobile für den Schädel eines paläontologischen Menschen in jenen Ablagerungen ein Alter von 57.600 Jahren angesprochen *)• Diese Zahl stimmt nahe mit der- jenigen übeivin, welche Lyell jetzt annimmt (sein Alter des menschl. Geschlechtes 1863, S. 153), da er seine für die Bildung des ganzen Mississippi -Delta im Jahre 1845 (s. eiste amerikan. Reise) angenommenen 100.000 Jahre auf die Hälfte jetzt ermässigt. Unser verewigter Freund Leonh. Hörn es aber schätzte, nach dem Nil-Delta, das Alter der ägyptischen Menschen nur auf 14000 Jahre ij Usher, Nott und Gliddon Types of Mankind 1852, Edinb. n. phil J. 1854, ßd 57, S. 373-575; N. Jahrb. f. Min. 1855, S. 221. 158 Boue. (Edinb. n. phil. J. 1857, Bd. 7, S. 328 und N. Jahrb. f. Min. 1858, S. 510) und Morlot berechnete, nach dem Delta d< s waatländi- schen Baches Tiniere, das Alter der Steinzeit nur auf 5 — 7000 Jahre. Diese Beispiele zeigen wieder, wie unzuverlässig solche Berech- nungen immer ausfallen. Die Frage des fossilen Menschen hat schon manchen Anatom beschäftigt, weil sie irrthümlich glauben, die Feststellung dieser Tbatsache gehöre zu ihren osteologischen Kenntnissen, indem doch in der Wirklichkeit der Geognost allein Bichter in diesem unsere Urgeschichte so tief berührenden Sachbestande ist. Dem Anatom gehört es wohl zu, seine Meinung über die Ähnlichkeit oder Unähn- lichkeit fossiler Menschenknochen mit den Skeletttheilen jetziger Iiacen zu geben, aber daraus folgt gar nicht, ausser für denjenigen durch vorgefasstes System in seiner Beurtheilnng Beeinflussten, dass der anatomische Ausspruch, welcher er auch sei, ein von einer Anzahl von bewährten Fachgeologen richtig gefasstes geo- gnostisches Urtheil umstossen kann. Sonst müsste man fast glauben, dass der Anatom eine Muthmassung über die Bace oder die Art des Skelettes der fossilen Urmenschen hätte, wenn wirklich solche vor- handen sein könnten. Aber meistentheils haben Anatome keinen solchen Glauben , so dass es ganz sonderbar klingt, wenn •/.. B. Dr. J. Barnard Davis dem Neanderschädel sein Alter nur aus dem Umstände bestreitet, weil letzterer nicht von gewissen heutigen, wenig durch Knochen-S türm ausgezeichneten Schädeln differirt (Anthropologie. Soc. L. 1864, 16. Nov.) Warum sollte denn der Mensch anders als wie jetzt gebaut gewesen sein? Die Hauptfrage ist auf diese Weise verdreht, denn sie soll für's Erste nicht heissen, zu welcher Bace jener vermeinte fossile Mensch gehört, sondern ob seine Überbleibsel in einem sehr alten Alhivialniederschlag, Schlamm, Sand oder Felsart, mathe- matisch richtig, unwiderruflich, eingeschlossen gefunden wurden. (Vergleiche Ouadjre fages 1 ähnlicher Auspruch C. B. Ac. d. Sc. P. 1864, Bd. 59, S. 110.) Die Beweise deiBeobachfungsgenauigkeit sind nicht nur schwer zu vereinigen, sondern es ist ganz besonders umständlich, wenn nicht wenigstens Geologen, doeh andere Gelehrten diese Überzeugung beizubringen, weil sie mit dem Detail der Ijagernngsverhältnisse nicht vertraut genug sind. Ausserdem sind die Entdeckungen Über den wahrscheinlichen Ursprung des menschlichen Geschlechtes. Iö9 urmenschlicher Knochen natürlicherweise selten, so dass man über ihre geringe Zahl jetzt noch nicht erstaunen muss. Diese Unter- suchung war wie verpönt. Sie war zu einer physikalischen Unmög- lichkeit gestempelt, was ich selbst erlebte, als ich im Jahre 1823 im Löss fast den zehnten Theil eines Menschen fand. Doch hatte im Jahre 1791 der berühmte Blumenbach gegen Camper die Wahrscheinlichkeit des fossilen Menschen behauptet (Bergmann J. 1791, Bd. 1,S. 154—156). Soemmering schien im Jahre 1794 nur auf einen glücklichen Fund der Art zu warten, denn er sagt nur, dass man bis jetzt Anthropoliten nicht fand. (De corporis humani fabrica Bd. 1, S. 90). Im Jahre 1802 wollte G. Ant. Deluc davon nichts hören (J. de Phys. Bd. 55, S. 245 und 252), aber der geist- reiche De la Metherie antwortete (dito Bd. 56, S. 71) und bewies ihm das Gegentlieil durch Artefacten (Steinachsen) im muschelreichen Alluvialsande (dito 1805, Bd. 60, S. 90; 1806, Bd. 62, S. 71). Als G. Cuvier im Jahre 1810 ein systematisches Veto gegen fossile Menschen ausgesprochen hatte ') , erwiederte De la Metherie beiden Gegnern, dass letztere nicht später als die Affen erschienen sein mögen (dito 1814, Bd. 78, S. 39 und 40). indem er wahrscheinlich wie die Anhänger Lyell's durch die Ansicht der Naturverwandtschaft der Quadrumanen mit den Menschen gelei- tet war. Doch die geistige Kluft zwischen letzteren ist gross genug, um wahrscheinlich einen so langen Zeitraum wie die tertiäre Zeit zu ihrer Ausfüllung gebraucht zu haben. Etwas später, im Jahre 1823, forderte de Blainville mit mehr triftigem Grunde Cuvier und seine Anhänger auf, dass man ihm die Beweise über die Unmöglichkeit des Zusammenlebens des Menschen mit den alluvial ausgestorbenen Thieren geben möchte (dito Bd. 96, S. 329). Es handelte sich namentlich zu entscheiden, ob die von d'Hombr es-Firmas beschriebenen Menschenknochen in einer Höhle zu Durfort (dito 1821, Bd. 92, S. 337; Bibl. univ. Geneve Bd. 17, S. 33 — 41) fossil oder nur gälische wären. Seitdem häuften sich in dieser ßichtung die Beobachtungen achtbarer Ge- lehrten; aber ungefähr seit einem Decennium ist ganz besonders die *) „Nulle part il n'y a d'os humsiins, tont ce qne l'on dit de contraire ä cette asser- tion (!) s'est trouve faux". Cuvier, Sur les progres des Se. natur. depuis 1789, P. 1610,2. Aufl. 1828. Sitzh. d. mathein. -naturw. Cl. LI. Bd. I. Ahtli. 11 160 Boue. Wissenschaft von dem Drucke vurgefasster Meinungen endlich befreit. Doch geben wir gerne zu, dass man leicht durch gewisse Unter- suchung und Beurtheilungsart auf Irrwege gelangen kann und besonders dass alle Behauptungen in dieser Richtung noch nicht als unwiderruflich anzunehmen sind. Wegen Mangel an Kenntnissen und Thatsachen werden die Grenzen der historischen Archäologie und Geologie nicht einmal gehörig innegehalten. Ehe wir weiter gehen, Einiges über die heikliche Frage der Unterscheidungsweise zwischen wirklich fossilen, subfossilen und nicht fossilen Mensch enknochen. Die Erhaltung letzterer im Schoosse der Erde ist denselben Zufälligkei- ten als alle anderen Überreste der Thierwelt ausgesetzt. Wie man Schaalthierüberbleibsel vollständig mit ihrer Farbe oder nur halberhalteu oder nur verändert und mineralisirt in jüngeren so wie in älteren Gebilden kennt, so sieht es mit den fossilen Knochen aus, welchen manchmal noch Knorpentheile anhängen , indem ohne Berücksichtigung auf das Aller der Beerdigung sie anderswo nur höchst verändert erscheinen oder selbst nur hohle Bäume gelassen haben. Nach der Art der Einscharrung, Umhüllung und späterer fremden Berührung hat sich der Erhaltnngs- oder Zersetzungsprocess gerichtet. Alle bis jetzt vorgeschlagenen äusseren Merkmale des fossilen Bestandes der Knochen fanden sich in ihrer Anwendung unzuläng- lich. So z. B. das empirische Kleben an der Zunge oder das nicht Adhäriren (siehe Buckland's Beliquiae diluvianae u. s. w.), die Farbe , die verschiedenen erdigen oder metallischen Imprägni- rungen ') oder Dendriten (Mayer, Verh. naturhist. Ver. peeuss. Rheinl. 1857, Bd. 14, Sitzungsber. S.XL; 1859, Bd. 16, Sitzungsber. S. 12— 14; N. Jahrb. f. Min. 1858, S. 862—867) u. s. w. i) Bläuliche, durch Eisenphosphat gefärbte Knochen, Riboud (Ro zier 's Obs. de Phys. 1788, Bd. 33, S. 423—429), oder durch Kupfer gefärbte Knochen, Wrede: Kunernsdorfer Schlachtfelds); Gilbert's Ann. 1804, Bd. 18, S. 429; Göttling: Gehlen J. f. Chem. Phys. und Min. 1808, Bd. 4, S. 346 u. 347), ähnlicher Farbe (Bucholz Acta Ac. elect. Mogunt. Erf. (1778—1879), 1780, Bd. 2) ; bläulich durch das Feuer (Mein. Ac. Sc. d. Paris 1719, Hist. S. 23, ed. in 8°., S. 30); in Asphalt ver- wandelter Zahn zu Lohsann, Wapler, Berg- u. Hütten m. Zeit. 1801, S. 9); in Eisenhydrat und Bitumen verwandelt. Schädel in Braunkohle, Kersten, Pogg. Ann. 1844, Bd. 33, S. 387—391; N. Jahrb. f. Min. 1841, S. 703; Karsten's Aren. f. Min. 1S42, Bd. 16, S. 372-373; I/Institut 1841, S. 47. Über den wahrscheinlichen Ursprung des menschlichen Geschlechtes. I I) I Die analytischen Untersuchungen sind auch noch unvollständig gebliehen 1 )» besonders der Fluorgehalt wurde nicht immer berück- sichtigt 2 ). Die Anwesenheit oder Abwesenheit der Gallerte oder der Knochenknorpel selbst scheint nur ein zufälliger Charakter, obgleich manche als älter gehaltene Knochen diesen Stoff verloren haben, fand Gimbernat ihn im Gegentheil in einem sibirischen Mammuth- knochen (J. de medecine militaire 1851, Bd. 1, S. 141). Mikros- kopische Untersuchungen in dieser Richtung haben darum auch nur einen geringen Werth. Der phosphorsaure Kalk der Knochen wäre nach Deherain durch Säure auflösbar (L/Institut 1857, S. 232), was ihm seine Wichtigkeit benimmt. Fluorcalium findet sich im i) Berniard. J. de Phys. 1781, Bd. 18, S. 278—279; B er ze li us Afh. i fis. kemi och Min. 1806, Bd. 1, S. 195—239; Gehlen's J. f. Chem. and Phys. 1807, Bd. 3, S. 1—36, Chevreul Ann. d. Chim. 1806, Bd. 57, S. 47—60; Gehlen's J. f. Chem. 1806, Bd. 2, S. 192—194; Fourcroy und Vauquelin, N. Bull. Soc. philora. P. 1807, Bd. 1, S, 16; Hesti otis und Liebig, Ann. de Chim. et Phys. 1823. Bd. 24, S. 205; Marcel de Serres, fossile Knochen. An., Mem. Mus. d'hist. nat. 1824, Bd. 11, S. 394—396 und 400, Aubergie und Bravard, J. de Chim. me'dic. 1830, Juni, S. 373— 377; Fer. Bull. 1830, Bd. 2, S. 398, Schweigg. Jahrb. d. Chem. Phys. 1830, Bd. 60, S. 248—252, Peghoux, Jahrb. f. Minir 1830, S. 362; Girardin und Preisser, C. R. Ac. Sc. P. 1842, Bd. 15, S. 721 Im 728; L'lnstitut 1842, S. 369; N. Jahrb. f. Min. 1843, S. 218; Ann. d. Min. 1843, 4 F., Bd. 4, S. 734—780; Ann. de Chem. et Phys. 1843, Nov.; Ann. Sc. geol. P.iviere 1842, S. 873 und 901: Phil. Mag. 1844, Bd. 24, S. 154, Edinb. n. phil. J. 1844, Bd. 36 S. 383: Bischoff aus Zwickau, N. Jahrb. f. Min. 1842, S. 144 bis 146; Twiss, Proceed. Ashmolean Soc. Oxford (S. 1845— 1852) 1854, Bd. 2, S. 743; Middleton (J.J, Phil. Mag. 1844, 3. F., Bd. 25, S. 14—18, Edinb. n. phil. J. 1844, Bd. 37, S. 285—288; N. Jahrb. f. Min. 1844, S. 813—816; Kersten, Asphalt enthaltende Schädel, L'lnstitut 1844, S. 47; Bibra, Denkschrift d. k. Ak. d. Wiss. Wien 1852, Bd. 4, Th. 2, Fremde S. 115 ; Stas (J. S.) und De wal que, Bull. Ac. Sc. belg. 1857, Bd. 20, S. 724; Lucae (S. v.) Knochen aus Pompeia, C. R. Ac. Sc. P. 1864, Bd. 59, S. 567—570. 2) Bernard. Rozier's Obs. s. 1. phys. 1780, Bd. 16. S. 373—376; Hatchett, Lond. phil. Trans. 1799, Th. 2, S. 243; Josse, Ann. de Chim. 1802, Bd. 43, S. 3—18; Morichin i (Dom ), Mem. di mat. e fis. Soc. ital. 1805, Bd. 12, Th. 2, S. 73—88 und 268—269; Gehlen's J. f. Chem. 1806, Bd. 2, S. 177—187, Scheerer, N. Allg. J. d. Chem. 1804, Bd. 3, S. 625—629: Bd. 5, S. 696—699 und Bd. 6, S. 591; Chenevix Gilbert'? Ann. 1805, Bd. 20, S. 493—496; Ber- zelius 1806; Klaproth, J. de Phys. 1806, Bd. 62, S. 225; Proust, dito S. 224 ; Gehle n's J. f. Chem. 1806, Bd. 2, S. 187—189 ; Fourcroy und Vau- quelin, Ann. d. Chim. 1806, Bd. 57, S. 37—44, G e h I e n's J., Bd. 2, S. 189 bis 192; Rees, Edinb. n. phil. J. 1840, Bd. 28, Nr. 1; Dauben y (Ch.), Proceed. Ashmol. Soc. Oxford (1843—1852) 1854, Bd. 2, S. 39 u. 58; S c h m i d t (Dr.», Americ. J. of Sc. 1845, Bd. 48; Bibl. univ. Geneve 1845, Bd. 57, S. 378—380. 11* 1 t) 2 B o ii e. frischen sowohl, als im fossilen Knochen, aber im letzteren gewöhn- lich in grösserer Menge. Dennoch sehen Gir ardin und Preisser (C. R. Ac. Sc. P. 1842, Bd. 15, S. 726), vorzüglich aber Midd- leton in dieser Gehaltsdifferenz ein gutes Unterscheidungs- merkmal J ). In letzteren Jahren hat Del esse das Quantum des Stickstoffes als ein Kriterium für das Alter der Knochen angegeben (C. R. Ac. P. 1861, B.l. 52, S. 728—731; N. Jahrb.. f. Min. 1861, S. 587, und Geologist 1861, Bd. 4, S. 253—255). In einem Jahrhundert soll ein Knochen 3 Procent seiner organischen Theile verlieren , so dass in 1100 Jahren keine dieser mehr vorhanden sein sollten (Revue africaine, Ausland 1862, S. 480), was sich aber wenigstens durch die bisherige Erfahrung scheinbar noch nicht bestimmt bestätigt hat. Die Fundstätte für menschliche Knochen, der geolo- gischen Genauigkeitgenügend, finden sich besonders in der mächtigen Lössbildung, in den ältesten alluvialen oder Geröll- Abla- gerungen und theilweise in den sogenannten Knoc henh öhle n und Breccien, weil man da sich am sichersten vergewissern kann, dass ihre Lage immer unberührt bleiben musste. Als wir z. B. bei Lahr in einer Felsenwand des untern Löss Menschenknochen ohne alle Spuren von künstlicher Beerdigung fanden und mit vieler Mühe herausmeisselten (siehe Akad. Sitzungsb. 1852; Bd. 8, S. 88), so fehlte dem geognostischen Beweis kaum etwas, denn von einer Umwühlung oder Herabschwemmung des Löss gewahrten wir nicht die mindeste Spur. Wenn wir aber für unsere Wenigkeit über das Alter dieses Fundes ganz im Reinen sind, so vermissen wir die unleugbaren Mitteln, diesen Glauben Anderen theilen zu lassen. Jeder Geognost kennt nicht nur die grosse Mächtigkeit des Rheines Löss (über 150 Fuss), sondern auch sein hohes Alluvialalter. Im Löss wird nie Bergbau betrieben, so dass, wie in manchen Alluvialgebilden, paläontologische Überbleibsel nur durch Strassenführung und Schür- fungen, Steinbrüche und natürliche Felsenentblössung in Wasser- i) Proceed. geol. Soc. L. 1844; Quart. .1. geol. Soc. L. 1845, Bd. 1, S. 214—216; Phil. Mag-. 1844, 3 F., Bd. 25, S. 260—262; Ann. a. Mag. of. nat. hist. 1844, Bd. 14, S. Sil; Edinh. n. phil. J. 1844, Bd. 38, S. 116—119; [/Institut 1843, 8. 8; Bild. univ. Geneve 1844, N. R. Bd. S3, S. 380—384; Americ. J. of Sc. 1844, Bd. 47, S. 419; IN. Jahrb. f. Min 1844, Bd. 47. S. 419. Über den wahrscheinlichen Ursprung' des menschlichen Geschlechtes. lßj oder Spaltenfurehen solche Seltenheiten den Augen vorgelegt werden können. Ausserdem ist die Lüssbildung von unten bis oben eine sehr gleichförmige Lagerfolge desselben Mergels. Auf diese Art ruht die Annahme dieser geognostischen Beobachtung durch andere Gelehrte, besonders durch die der Geologie fremden, nur auf das Zutrauen, welches man auf unsere Beobachtungsgabe haben kann. Gegen weiteren Zweifel oder einer Dose von Misstrauen können wir nur das Urtheil anderer bewährter Fachmänner anrufen. Von Fall zu Fall heisst es da, den Charakter des Entdeckers zu berücksichtigen und die Zahl seiner bewährten Anbänger zählen. Im Jahre 1810 hatte der berühmte Zoolog Prof. Jäger aus Stuttgart Menschenknochen zu Cannstadt in dem sehr charakteristi- schen Alluvial-Mergelthon entdeckt, welcher auch viele Knochen grosser urweltlicher Thiere lieferte. (Über einige fossile Knochen u. s. w. im Jahre 1810 zu Cannstadt gefunden, Würtemb. Zeit. 1820, 12 ; über fossile Säugethiere in Würtemberg, 1835 — 1839 u. s.w.) Da wir diese grosse Ablagerung kennen, die Knochen gesehen haben und die wissenschaftliche Genauigkeit des Entdeckers ehren, so glauben wir auch an diesen Fund, indessen sind wir in derselben Verlegen- heit, diesen Glauben weiter zu verbreiten. Einst bildete dieser Theil des Neckarthaies einen See (siehe Deffner, Würtemb. Naturwissen- schaft, Jahresheft 1863, Bd. 19, S. 60-64). Nach unserer Meinung berechtigen diese Entdeckungen für die ähnlichen des Herrn Crahay auch im mächtigen Löss zu Smeermaas bei Maestricht keinen Unglauben haben zu können (siehe 2. Abb. Maestricht Athenee 1823, Messager des Sc. et d. Arts 1823, Bd. 1, S. 354 und Bull. Ac. beige 1836, Bd. 3, S. 43, so wie Van Breda's Zweifel, Medeel. Ac. Nederl. Amsterd. 1861, Bd. 11, S. 202 — 220). Weiters sehen wir nicht recht ein, warum der ähnliche Fund in der- selben Formation bei Maestricht sowohl, als im Thale der Maas und bei Andernach (Verb., naturf. Ver. preuss. Rheinl. 1854, Bd. 16; Corr.-Bl. S. 50, 68, 69 und 103 und 1860, Bd. 17, Th. 1, Sitzungsber. S. 122; N. Jahrb. f. Min. 1860, S. 860) nicht glaub- würdig sei. Nur ein Misstrauen gegen den uns unbekannten Ent- decker Herrn Schaaf hausen *) konnte das Gegentheil erwirken, f) Vergl. Haupt's Pfahlbauten hei Bamberg-. Abh. d. zool. min. Vereins zu Re^ensb. 1860, H. 8 u. Jahrb. k. geol. Reichsan. 1865, Bd. 15 und Gümbel's, Kritik haier. Ak. d. Wiss., Jan. 1865 164 B o u e. doch muss man wohl davon den Fund des Schädels des Neander- menschen trennen, weil letzterer eine ganz andere Lage in einer Höhle hat. Diese Beispiele erschüttern auch unsere ehemaligen Zweifel über das wirkliche Alter der urweltlichen Thier- und Menschen- Knochengemenge zu Köstritz (Sachsen) in einem mit Löss ange- füllten Gypsloch, welcher Fund schon in den Jahren 1820, 1822 und 1827 durch Schottin, Schlotheim, v. W eissenbach und Gasp. Sternberg ausführlich beschrieben wurde 1 ). Endlich entdecken im Löss zu Natchez am Mississippi Dicke- son, Gale und Lei dy Menschenreste mit Mastodonten-, Megalo- nix u. s. w. Knochen s), über welche Fundstatt Ch. Lyell anfänglich seine Zweifel äusserte (Americ. J. of Sc. 1847, N. F., Bd. 3, S. 267— 269; N. Jahrb. f. Min. 1848, S. 107; seine 1. und 2. ameri- kan. Reise 1851, deutsch Bd. 2, S. 190 u. 191), aber sie später zurücknahm (Antiquity of Man. 1863, Cap. XI.) Demungeachtet gab er ebensowohl als Wislize nus (Trans. Ac. Sc. St. Louis 1857, Bd. 1, S. 168—172 und Geologist 1861, Bd. 4, S. 262) immer zu, dass in der Alluvialzeit der Mensch in Amerika gleichzeitig mit Mastodonten u. s. w. lebte. (Siehe auch Koch Desc. of theMissourium 1841, S. 22—24; Die Riesenthiere der Urwelt 1845; N. Jahrb. f. Min. 1845, S. 764—766; Trans. Ac. Sc. St. Louis 1857, Bd. 1, S. 61—70 und Geologist 1861, Bd. 4, S. 217—221.) Die Ge rolle, Sand- und Thongebilde der Alluvialzeit können alle nicht nur leicht durch spätere Wasserströme umgearbei- tet worden sein, sondern ihre Vermischung kann die Unterschiede der alten und neuen Ablagerungen verwischen, besonders wenn keine Überbleibsel der Thier- oder Pflanzenwelt vorhanden sind. Leider sind letztere paläontologische Merkmale der Alluvialformation i) Petrefactenk. Schlotheim's 1820, S. i ; Bibl. univ. Geneve Bd. 15, S. 173—187; Edinh. n. phil. J., Bd. 1, S. 422; Americ. J. of Sc. 1822, Bd. 5, S. 371; Schrift, d. naturf. Ges. zu Leipzig 1822, Bd. 1, S. 222, Deutsch. Naturf.-Vers. zu München 1827; Grui thuisen's Analecten 1828, H. 1, S. 50; Isis. 1824, S. 132; 1828, S. 481; 1829,S. 414; Ka rs ten's Arch. f. Naturl. 1828, Bd. 15, S. 475, Ferus- sac's Bull. 1825, Bd. 4, S. 405; 1829, Bd. 18, S. 336. 2 ) Dickeson Acad. nat. Sc. Philad. 1846, 6. Oct.; Ann. a. Mag. nat. hist. 1847. Bd. 19, S. 213—214; N. Jahrb. f. Min. 1846, S. 106: Leidy Ac. nat. Sc. Philad. 1847, Sept. Bd. 3; Americ. .1. of Sc. 1848, N. F.. Bd. 5. S. 249; Bibl. univ. Geneve 1848, 4 lt., IM. 9, S. 330; N. Jahrb. f. Min. 1851, S. 636; Ausland 1848, S. 197. Über den wahrscheinlichen Ursprung des menschlichen Geschlechtes. 1(>0 oft nur sehr spärlich zugetheilt oder auf einige Gegenden beschränkt. Die Verschiedenheit der Färbung kann nur einen loculen oder selbst zufälligen Charakter den Aggregaten geben. Darum erschienen für Geologen oft als unzweifelhafte ältere alluviale Gerolle und Sande nur diejenigen, welche die Gipfel der Hügel eines Thaies ohne seine Sohle bedecken, oder wenigstens nur längs hohen Thal- wänden oder auf ausgedehnten Hochplateaus sich befinden *) und dann auch manchmal urweltliche Thierreste enthalten. (Siehe Man- tel! (A. Gid.) Edinb. n. phil. J. 1851, Bd. 50, S. 247—251; N. Jahrb. f Min. 1852, S. 92; Noulet zu Clermont, Haute Garonne, Mem. Ac. Toulouse 1860, 5. R. Bd. 6, S. 265; Bihl. univ. Geneve 1860, Bd. 8, S. 245 und N. Jahrb. f Min. 1861, S. 108.) In den Thälern gibt es aber meistentheils mehrere aufge- schwemmte Gebiete, so dass daraus leicht der geologische Streit entsteht wegen der Entscheidung, ob die Menschenkuochen im ältesten Hügelalluvium oder nur in einem solchen liegen, welcher einer Übergangsperiode zwischen der ältesten Alluvialzeit und der- jenigen der eigentlichen Flussformation gehört. Zu diesem gesellen sich auch die verschiedenen Urtheile über Artefacten, welche hie und da in Alluvionen mit oder ohne Menschen- und Thierknochen erscheinen 3 ). Daher stammen vorzüglich die so zahlreichen Schrif- *) De la Beche, in Corn Wallis, Report on the Geology of Cornw. 1839, S. 406; Tessan (de), 20 raeter über das Meer zwischen Callao und IMoro-Solar, Peru, C. R. Ac. Sc. P. 1840, Bd. 11, S. 338; Nillson, mit Meermuscheln in Scaudinavien, Forh. ved de Skandinav. Naturf. Moede im J. 1844, 1847, S. 93—109; Isis 1848, S. 517 bis 528; N. Jahrb. f. Min. 1850, S. 478; Edinb. n. phil. J. 1S49, Bd. 46, S. 70, ein Skelett in umgekehrter Lage, 40 Fuss über dem Meer bei Waterford in Irland, Tasch. f. Fr. d. Geolog. 1845, Bd. 1, S. 79; De la Pylaie im Diluvium zu Cour- tenay, Bull. Soc. geol. Fr. 1850, Bd. 8, S. 265; Pengelly (W.) im. S. VV. Devoo- shire, Brit-Assoc. f. 1864, endlich die zweifelhafte Angabe S chaa fh a use n's zu Bamberg, Niederh. Ges. f. Nat.- und Heilk. 1860, und Berg- und Hüttenm. Zeit. 1860, S. 503, No egger ath sieht darin nur keltische Überbleibsel. 2 ) Fröre mit Riesenknochen zu Honne, Suffolk, Mem. Soc. of Antiquar. L. 1797; d'Orbigny (Alcid.)in der La Plata-Ebene, Edinb. n. phil. J. 1844, Bd. 37, S. 129 und seine amerikan. Reise; Maury (A.) Mem. Soc. d'Antiquair. de Fr. 1852, Bd. 21, Teale (T. P.) im Airethale, Rep. Proceed. Yorksh. (W. Riding), geol. a polytechn. Soc. 1856—57, S. 482, Babbage (Ch.) Proceed. roy Soc. L. 1859, Bd. 10, S. 59—72, 7 Fig.; Phil. Mag. 1859, Bd. 18, S. 297—308; Brady zu Arniens, Rep. Brit. Assoc. S. HO; Tyndall, Yorkshire, Geologist 1861, Bd. 4, S. 367; Whitaker (J.) zuBarnley, dito 1863, Bd. 6, S. 264; Toilliez zu Alons. Bull. Soc. geol. Fr. 1863, Bd. 21, S. 12; Muaier zu Tournus (Baute 166 Boue. ten und Abhandlungen (44 an der Zahl) über das bei Abbeville im Alluvium durch Boucher de P erthes gefundene me lis chliche untere Kinnbein *)• D' e neuerdings daselbst in ziemlicher Menge gefundenen Menschenknochen (C. R. Ac. Sc. P. 1864, Bd. 59, S. 107, 119 und 121), so wie Ähnliches in den kieseligen artefactenreichen Locaütäten, wie zuPressigny (Indre et Loire), Meudon, Bregy u. s.w. (dito S. 326) werfen auf den Abbeviller Fund ein sehr zweifelhaftes Licht und könnten doch endlich den Herren Eug. Robert, Elie de Beaumont, Scipion Gras (dito 1860, Bd. 51 u. 52; 1862, Bd. 54 u. 56 und 1864, Bd. 59), Ebray (Bull. Soc. geol. Fr. 1859, Bd. 17, S. 123 und Dr. Anderson (Primeval man. Ed. 1861) Recht geben, wenn sie daselbst nur Kellisches oder selbst die Überbleibsel eines zerstörten und weggeschwemmten Beerdigungsplatzes sehen wollen. In diesem Falle würden die jetzt selbst aufgefundenen Schädeltheile als nichts Besonderes erscheinen. Man analysirt jetzt diese Knochen. In den Beobachtungen über die genetische Ausfüllungsart der Höhlen und Felsenspalten durch Trümmer der ver- schiedensten Art aus den unorganischen und organischen Reichen muss man noch behutsamer zu Werke gehen, weil daselbst Zer- störung und Wiederaufbau so leicht haben abwechseln können, um auf diese Weise die abnormsten Gemenge hervorzubringen. Darum können Geologen, Feinde der Phantasie, fast nur ihre Schlüsse aus solchen Niederschlägen ziehen, welche am untersten liegen oder den Fussboden der Höhlen bedecken und nach ihrem besonderen paläontologischen Inhalte zu urtheilen, sogleich nach ihrer Bildung unter einer mächtigen Schicht von Kalktuff oder Stalagmit und anderen unzweifelhaften Jüngern Ablagerungen auf ewig gegen Zerstörung oder nur zeitige Aufwühlung geschützt erscheinen. Nach diesen Principien kann man unmöglich alle die Angaben über Menschenknochen in Höhlen als Beweise des geologischen Men- Saone), dito S. 13, Villeneuve (de), Annuaire des I'lnstitut de Provinces 1862, N. R. Bd. 4, S. 143; Blackmore (H. P.) zu Salisburg, Geologist 1863, Bd. 6. S. 395. i) Communications faites ä 1' Institut par Boucher de Perthes, Boutin, P. Cazalis de Fondoux, Christy, Jul. Desnoyers, H. et Alphonse Milne-Ed wa rds, H. Filhol. A. Kontan, F. Garrigou, P. Gervais, Scip. Gras, Ed. Hebert, Ed. Lartet, Martin, Pruner-Bcy, de Quatre- fages, Trutol (d'Aichiac) et de Vibrnye. P. 1864; 8". Über den wahrscheinlichen Ursprung des menschlichen Geschlechtes. 10/ sehen annehmen. (Meine Bibliographie darüber zählt 88 Werke oder Abhandlungen.) Nur wenige jener älteren Berichte wurden mit aller gehörigen Kritik verfasst und der Name der Entdecker muss auch zu ihrer Glaubwürdigkeit gezogen werden. In jüngster Zeit aber haben sehr genaue Erforschungen in Höhlen manchen Zweifel gelöst. Die Zukunft und weitere Funde von menschlichen Schädeln in alten Schuttablagerungen der Höhlen werden uns über Dr. Schmer- 1 ing's Crania (Bech. s. 1. oss. fossiles des Cavernes de la Province de Liege 1833 — 1836, 2. Bd. und Bull. Soc. geol. Fr. 1836, Bd. 6, S. 170—173; N. Jahrb. f. Min. 1337, S. 108) und Herrn Schaaf- hausen's Neandermensch die Wahrheit offenbaren. (Verb, natur- hist. Ver. preuss. Bheinl. 1863, Bd. 20, Th. 2, Sitzungsber. S. 147—149; Müllers Arch. f. Anat. und Phys. 1858; Ausland 1861, S. 835; Geologist 1861, Bd. 4, S. 397; Nat. bist. Bev. 1861, Nr. 2, p. 156.) Die Entdeckungen menschlicher Knochen in Kalkstein- Breccien, welche Spalten ausfüllen, ohne sich in Höhlen zu befin- den, sind nicht so zahlreich als die eben angeführten Knochenlager- stätten, weil ihreDurchscbnittsentblössungen viel weniger Baum ein- nehmen und weniger Gelegenheit geben um ihr Inneres sehen zu können. Doch kenne ich davon 20 locale Beschreibungen , unter welchen die am interessantesten um das mittelländische Meer beobachtet wurden *). i) Donati in der Insel Incoronate, Dalmatien (Saggio della Stör. nat. marina del Adriatico 1750; ßallenstedt, Archiv d. Urwelt 1824, Bd. 6, S. 303; Ferus- sa es Bull. 1826, Bd. 4, S. 229 ; Genssane (de) menschl. Skelet im Dolomit zu Cette(Hist. duLanguedoc 1776, Bd. 2), wahrscheinlich a. histo r. Zeit?; S p a 1 I a n- zani, mit Thierknoch. auf Cerigo (Mem. Soc. ital. 1794, Bd. 7; J. de Phys. 1798, Bd. 4, S. 281); Fortis, Dalmatien (dito 1799, Bd. 5, S. 75; Sagg. d'osc. sopra l'Isola d. Cherso ed Osero. Venedig 1771, S. 90 — 103 und Viaggio in Dal- matia 1774, Bd. 1, S. 174 und Bd. 2, S. 165 und 174); Bruguiere zu Cette (Moll's Jahrb. d. B. u. H. k. 1799, Bd. 3, S. 301); Germar (E. F.), Reise in Dalmatien 1817, (S. 307 u. 322), Fabreguette und Caporal zu Candia (C. R. Ac. d. Sc. P. 1837, Bd. 4, S. 182 und Ausland 1837, S. 264); Pilla in Monte Argentaro, Toscana (Atti 4 Riun. di Sc. ital. Padova 1842, S. 398); Malinovsky mit zugespitzte Kiesel zu Semur (Bull. Soc. ge'ol. Fr. 1845, N. F., Bd. 2, S. 73); Gray zu Portland, mit urweltl. Thiereu. Proceed. Geologist Associat. L. 1861, Bd. 4, S. 518; Guiffe (A.) und Benoit, Knochen mit Steinwaffen in einigen Spalten d. Oolith-Kalkes zu Mareuille (Meurthe), C. R. Ac. d. Sc. P. 1862, Bd. 55, 1 68 B o u e. Andere aus England werden wohl ganz jüngeren Bildungen angehören *). C u vi er's Protest gegen Spallanzani's Behauptung (Theorie de la terre und auch Ann. of phil. 1816, Bd. 8, S. 153) hat jetzt wenigstens sein ganzes wissenschaftliches Gewicht verloren, weil er die Thatsache nicht durch die Beobachtung anderer entkräftete, sondern nur aus einzigem systematischen Vorurtheil negirte. Grosse Männer selbst in ihren Irrthümern zu huldigen, können nur kleine Geister, ihren eigenen Verstand vergessend. Man hat auch Menschen- und Thierknochen unter localen Kalk- tuffa blagerungen auf der Erdoberfläche hie und da gefunden, wo ehemalige sogenannte incrustirende Mineralwässer vorhanden waren, wie z. B. zu Pyrmont, in Thüringen, u. s. w. ; aber in diesen Fällen gehört wieder eine ganz besondere Aufmerksamkeit auf die sie begleitenden Thierknochen und den Ruf der sie beschreibenden Gelehrten 2 ). Was Torfmoore betrifft, kann man fast dasselbe sagen, denn Torf hat sich wie Kalktuff wenigstens seit dem Anfange der Alluvial- zeit bilden müssen. Solche Massen sind aber leicht zerstörbar und wahrscheinlich werden nur solche Torfschichten als sehr alt und unberührt gelten, welche unter mächtigem Süsswassermergel liegen. Doch Nilsso n fand im südlichen Schonen unter Alluvium und Torf S. 569 (ob keltisch?); Vibraye (de) Artefacte zu Vallieres (Loire et Cher.) Bull. Soc. geol. Fr. 1863, Bd. 20, S. 206—208 u. 238—243; Daubre'e mit Artefacten in Syrien C. R. Ac. d. Sc. P. 1864, Bd. 38, S. 522— S23; Lartet Sohn und Bouque zu Beirut und Bethlehem (Herzog Luynes Expedition 1863, Ausland 1864, S. 495), Tristram (H B.) im Libanon (Brit. Assoc. f. 1864). i) Blake (Ch. Cart.), ein menschl. Skelett zu Kellet, Lancash. (Geologist 1862, Bd. 5, S. 239); Busk (G.) dito (dito S. 424), Allan (Thom. D.) mit- Thierrest. in der Insel Portland, dito 1863, Bd. 6, S. 94, 200, 251 u. 296. 2) Beispiele: Jakob Travels in the South of Spain 1811, Tasch. f. Min. 1818, Bd. 12, S. 242; bei Bilsingleben und Meissen Schlothein's Petrefactenk. 1820, S. 3; Bravard, Croizet und Peyhox zu Martyr de Veyre|, Auvergne, Aun. Scient. litt, d' Auvergne 1829—1830, Bd. 2, S. 332 U. 520; Bd. 3, S. 1 u. 19, Taf. 1; Fer. Bull. 1830, Bd. 20, S, 407; Kastner's Arch. f. Naturl. 1831, Bd. 21, S. 144; Bunsen und Hausmann (Fr.), mit Artefacte und Thierfährt. zu Göttingen, Stud. Gott. Ver. Bergm. Fr. 1856, Bd. 7, Tli. 1, S. 96 — 110; Gott. gel. Anz. 1835, S. 1089; N. Jahrb. f. Min. 1836, S. 472—476; Brignoli sammt Schädel im Modene- sischen, Bull. Ac. beige. 1838, S. 149; N. Jahrb. f. Min. 1839, S. 124; Capit. Stirling im Dekan. Edinb. n. phil. .1. 1825. Bd. 12, S. 409; Zcitsehr. f. Min. 1826, d. 1, S. 435, Fer. Bull. 1825, Bd. 6. S. 25. Über den wahrscheinlichen Ursprung des menschlichen Geschlechtes. löJ steinerne Pfeile und andere menschliche Gerätschaften sammt Knochen der Höhlenbären, des Bos Primigenius u. s. w. (Ausland 1847, S. 75) Karl Morren glaubte die Gleichzeitigkeit des Menschen mit einer ausgestorbenen Bibergattung in den Torfmooren Flanderns beweisen zu können (Ac. Beige 1835, 4. April; L' Institut 1835, S. 180; N. Jahrb. f. Min. 1836, S. 254). Die bis jetzt in solcher Lage gefundenen menschlichen Beste oder Industrieproducte gehören nicht nur der Steinzeit, sondern auch den Bronze- und Eisenzeiten, so wie auch der römischen Periode oder selbst noch späteren Zeiten an. So z. B. werden zu Gallagh in Galway (Schottland) diese kelti- schen Wohnsitze durch noch ganz costümirte Körper (s. Petrie Ed. n. phil. J. 1831, Bd. 11, S. 116 — 118) oder durch alte Kähne wie an der Clyde, wo man 17 entdeckte, gut kennzeichnet. In Eng- land und Europa sah man Ähnliches *) und besonders baben die Torfmoore Dänemarks, Jütlands und Schleswigs, sowie Nord-Italiens reiches Material aus den Stein- und Bronzezeiten geliefert 3 ). In Mooreisen oder Limonit oder selbst in alluvialen Bohn- erzen- Ablagerungen fand man auch menschliche Reste und Arte- facten. Die Fundörter der letzteren Gattung beschränken sich bis jetzt auf der schwäbischen Alpe, wo unser alter Bekannte Director .1 äg er aus Stuttgart sie fand und beschrieb. Als eine Bestätigung ihrer wirklichen Anwesenheit in der Mitte dieser Mineralquellen- bildung kann man den Umstand ansehen , dass nur theilweise abge- schliffene Menschenzähne oder die härtesten Theile des mensch- lichen Knochengerüstes solchen Heranschwemmungen und solchen Reibungen widerstehen konnten und auch nur jene allein entdeckt i) Bank (Sir Jos.) in Lincolnshire, Quart. J. of Sc. L. 1816, Bd. 1, S. 244; Lyell in Lancashire, Trans, geol. Soc. L. 1826, N. F., Bd. 2, Taf. 10; Coupery, Bull. Soc. geol. Fr. 1833, Bd. 4, S. 72 ; Schad e in Schlesien, Jahresber. Schles. Ges. Bres- lau 1854, S. 56; Buchana n (J.) Glasgow, Pasta Present 1856, Bd. 2 u. 3; Rep. hrit. Assoc. 1855, S. 90; Tyndall (Ed.), Geologist 1860, Bd. 3, S. 196, am Rhein dito 1862, Bd. 5, S. 238; in Yorkshire, dito 1863, Bd. 6, S. 318; im Seinethal, dito S. 155. 2 ) Morlot, Bull. Soc. Vaudoise, Sc. nat. 1860, Bd. 6 und seine Etud. ge'ologico- archeol. en Danemarc et en Sui3se 1859 u. s. w.; Mortui et (Gabr.) Att. Soc ital. di Sc. nat. Mil. 1859—1860, Bd. 2, S. 230— 232; Gastaldi (B.), Cenni su aleune armi di pietra e di bronzo nell' Imolese, Modencse e Parmigiano, nelle torbiere della Lombardia e del Piemonte 1861 u. s. w. 170 Boue'. wurden »)• Jäger, Kur r und Quenstedt sind Bürgen genug für die Wahrheit des Fundes. HerrAymard von Puy enVelay behauptet, Menschenknochen mit urvveltlichen Thierresten im vulcanischen Tuffe des Velay bei Denise gefunden zu haben 2 ). Die letztere Entdecknug ist unzweifelhaft, wir haben selbst nicht nur da , sondern auch in der Ardeche unter Basaltströme solche Knochenreste herausgeschlagen, aber manche Geologen zweifeln an der Richtigkeit der ersten und möchten die menschlichen Knochen einer jüngeren Zeit anweisen. Man lese das Weitere in Lyell's Alter des menschlichen Geschlechtes 1863, S. 145. Als zweifelhafte Angaben über das Alter fossiler Menschen- knochen lassen wir hier diejenigen folgen, welche im Jüngern Travertin oder in sehr muschelreichem Meersande längs der Ufer verschiedener Länder wie Dänemark (die sog. Kjokken- m o e d d i n g e n), Irland (die sog. Crannoges, siehe L y e 1 Ts Werk S. 10— 22), des südwestlichen Frankreichs (Buttes de St. Michel en Lherm, Charente) s), Guadeloupe*) und Brasilien (zuSantas) 5 ) beob- achtet und oft besprochen wurden. !) G. Jäger, Fossile Säugethiere Würtembergs und der schwäbischen Alp. 1835, 1839, 1850, 1851 und besonders 1853, 4°. mit Taf. ; Meyer (Harm, v.), N. Jahrb. f. Min. 1837, S. 677; Kurr, Zeitschr. deutsch, geol. fies. 1852, Bd. 4, S. 628; Quenstedt, Jahresh. d. würtemb.-naturf. Ver. 1852, Bd. 9, S. 67—71; N. Jahrb. f. Min. 1853, S. 251—252; Giebel'« Zeitschr. f. ges. Naturwiss. Halle 1853, Bd. 1, H. 2, S. 122. 2) Bull. Soc. ge'ol. Fr. 1844, Bd. 12, S. 336; 1847, N. R. Bd. 4, S. 412—415 ; Bd. 5, S. 49—59; 1848, Bd. 6, S. 54—56; L'Institut 1844, S. 336; Bibl. univ. Ge'neve 1847, Bd. 6, S. 78; Ann. Sc. phys. nat. Lyon 1848, Bd. 11, S. XL1I; N. Jahrb. f Min. 1845, S. 377 und 1849, S. 760. 3 ) Fleuriau de Bellevue, J. de Phys. 1814, Bd. 78, S. 401; Coquard, Bull. Soc. ge'ol. Fr. 1837, Bd. 7, S. 147—150; N. Jahrb. f. Min. 1838, S. 719. 4 ) Ernouf, Ann. du Mus. 1804, Bd. 5, S. 403; J. d. Phys. 1814, Bd. 79, S. 295; MoII's Ephemer. 1806, Bd. 2, S. 136; Lavaisse, Voy ä la Trinite' 1813; König (Chart.), Lond. phil. Fr. 1814, Bd. 104, S. 101; Ann. of phil. 1814, Bd. 3, S. 228; Bd. 4, S. 444; 1816, Bd. 7, S. 135; J. d. Phys. 1814, Bd. 79, S. 196 u. 295—298; Gilbert's Ann. 1816, Bd. 52, S. 177—195, Taf. 2; Bibl. ital. 1817, Bd. 6, S. 350; Blume nbach, Gott. geol. Anz. 1815, S. 1753 u. 1816, S. 400; Blainville (de), J. d. Phys. 1817, Bd. 85, S. 180; Banks (Jos.), Trans. Linn. Soc. Loc. L. 1817, Bd. 21, Th. 4, S. 53; Gott. gel. Anz. 1820, S. 731—733; Moll's N. Jahrb. f. B. u. H. 1824, Bd. 5, S. 131; Gärtner (L.), Gilb. Ann. 181S, Bd. 58, S. 198 bis 200; Moreau de Jonnes, C. R. Ac. d. Sc. P. 1844, Bd. 18, S. 1060; Wo od ward (S. P.) und Cochrane (A.), Intellectual observe., L. 1862, Oct., S. 280. 5) Capit. Elliot, Americ. phil. Trans. 1828, S. 285 und Lyells Travels in Nord- Amerika, deutsch 1846, S. 129. Über den wahrscheinlichen Ursprung des menschlichen Geschlechtes. 171 Für andere Lager von fossilen Menschenknochen scheint das Alter nicht nur höchst problematisch zu sein, sondern manche solche Anzeigen gehören unzweifelhaft nur den jüngsten Alluvial- oder selbst den historischen Zeiten an. Solche vermeinte Ent- deckungen haben selbst den Glauben an geologischen Menschen nicht aufkommen lassen können, weil die Irrthümer zu handgreiflich waren. So z. B. wagte Nathan Smith über Menschenknochen im rothen Sandstein Connecticuts zu speculiren (Americ. J. of Sc. 1820, Bd. 2, S. 146; Ann. of phil. 1820, Bd. 16, S. 393). Phibbs berichtete über ein Menschenkiefer, 76 Fuss tief in der Winche- sterkreide (wahrscheinlich nur in einer Spalte. — Geolog. Soc. Man- chester und Biviere's Ann. Sc. geol. 1842, S. 532). Elephanten- oder Mammuthknochen wurden sehr oft als Riesenmenschen-Über- bleibsel angegeben *). Ein Menschenskelet in einem Steinbruche selbst von Bakewell citirt (Phil. Mag. 1831, Bd. 9, S. 35 und Geo- logist 1862, Bd. 5, S. 470); ein menschlicher Humerus im tertiären Schwefel bei Narbonne angeblich gefunden (Julia de Fontenelle, Fer. Bull. 1829, Bd. 18, S. 34); ein Eisenring in Braunkohle des Westerwald (Wendelstadt, Becher und Noeggerath, Rheinl. Westphal. 1824, Bd. 1, S. 174 — 183), so wie Böhmens (Hesperus 1822, Nr. 2 u. 116) und dergleichen Unmöglichkeiten angezeigt. Selbst Verunglückte in Bergwerken oder Steinbrüchen und nur mit Kalk incrustirte Skelete hat man selbst in sich gelehrte nennenden Vereinen, wie z. B. in der naturforschenden Gesellschaft zu Görlitz (Abb. 1827, Bd. 1, S. 110, Nied. Lausitzer-Magaz. 1833, Bd. 13, S. 52 u. 145) aufnotirt und beschrieben 2 ). In den Jahren 1824 und 1825 geschah aber zu Paris, in diesem Emporium des Wissens, das Lächerlichste, namentlich 13 Pariser Gelehrte 3 ) gaben sich die Mühe, mineralogisch, geologisch, zoolo- J ) Cassanion (J.), De Gigantibus in Gallia, Basel 1580. Siehe darüber Boehmer's Biblioth. hist. nat., Bd. 1. Solche Irrthümer tauchen noch immer wieder auf, wie wir es durch ein Dutzend Citate von Tyler (J. de Phys. 1821, Bd. 92, S. 92) und Ballenstedt (Archiv d. Urwelt 1819, Bd. 1, S. 48— 62) an bis zu Dr. Husso n zu Toul (C. K. Ac. d. Sc. P. 1864, Bd. 58, S. 812) leicht beweisen könnten. 3 ) Über 14 solche Anthropolithen haben wir uns notirt vonBourguet (1742) und Guetlard (1760) an bis Hensel (Arb. Schles. Ges. Breslau 1853, S. 61) und Lassaigne(C. R. Ac. d. Sc. P. 1844, Bd. 19, S. 921 u. 1117). 3 ) Descourtils, Gillet-Lauinont, Thibaud de Berneaud, F. Cuvier,* Üesraarest, Desmoulins, Huot (Ann. Sc. nat. Bd. 3, S. 138), Barruel, P aye n, Chevalier und Julia de Fontenelle (1825). 172 Boüe. gisch und chemisch den Unsinn eines phantastischen Dilettanten zu beweisen, welcher in einem sonderbar geformten Sandsteinfels Fontainebleaifs (Long Rocher zu Moret) einen petrifieirten Men- schenkörper entdeckt zu haben glaubte. Zur Begründung des hohen Alters des menschlichen Ge- schlechtes hat man zu allen Zeiten, aber vorzüglich in letzteren Jahren, sehr viel Gewicht auf Artefacten gelegt und auf diese Weise Geologie mit Archäologie verbunden. Geschickte Archäo- logen haben ziemlich leicht verschiedene Zeitperioden in diesen Überbleibseln der menschlichen Thätigkeit erkannt. Auf diese Weise wurden historische Zeiten von vorhistorischen in vielen Gegenden schon getrennt. Hat der Mensch harte Instrumente gebraucht, so ist sein Augenmerk am ersten auf Steine gefallen, welche auf diese Weise auch die sogenannte Steinperiode bilden. Doch in den weni- gen Ländern, wie am Ober-See in Nord-Amerika und in Sibirien, wo gediegenes Kupfer in Überfluss in Blöcken herumliegt, muss der Mensch fast eben so früh dieses Metall als andere Steinarten benutzt haben, so dass daselbst die sogenannte Bronzezeit, theilweise wenig- stens, in die Steinzeit hineingreift. Wirklich berichtigt Atkinson von alten Bronzesachen, welche in bis dahin unaufgeschlossenen Goldsandwäschereien Sibiriens (Quart. J. geol. Soc. L. 1860, Bd. 16, S. 241 Phil. Mag. 1860, Bd. 19, S. 75; Geologist 1860, Bd. 3, S. 30) gefunden wurden. Ein anderer Umstand, der Berücksichtigung würdig, ist dass die verschiedenen Perioden der Stein-, Bronze- und Eisenzeit für alle Menschenracen keineswegs gleiche Zeiträume bezeichnen. Diese Unterschiede wurden nicht nur durch die Art der Racen, als beson- ders durch die geographische Lage und Bodennatur der mensch- lichen Wohnstätte hervorgerufen, so dass wir nicht erstaunen sollen, noch jetzt wilde Völker in jenen Urzeit-Verhältnissen zu entdecken. Solche Völker-Ethnographie nur durch Verkümmerung einer aus unserer Race entsprossenen erklären zu wollen, bleibt doch eine ganz excentrische Hypothese. Andererseits wurden Steininstrumente nicht überall gleichmässig durch Kupfer oder Eisen verdrängt, sondern neben der Steinverfertigung und ihrer Ver- besserung bestanden schon oft andere metallische grobe Instrumente. In letzterer Zeit hat man selbst förmliche Fabrikslocalitäten kieseliger Instrumente in Frankreich entdeckt (C. R. Ac. d. Sc. Über Jen wahrscheinlichen Ursprung; des menschlichen Geschlechtes. 1 7o P. i864, Bd. 59, S. 119 u. 470), was schon auf eine gewisse Bevölkerung hinweist. Unter diesen Geräthschaften befinden sich besonders Achsen, Hacken, Hammer, Messer, Waffen, Pfeile, Mühlsteine u. dgl., so wie auch grobe Töpferwaare. Letztere ähneln noch manche Producte der Zigennerindustrie im Orient, die Reibsteine sind noch jetzt in der europäischen und asiatischen Türkei gebräuchlich, indem die Waffen den heutigen der Wilden gleichen. Ihr Material bildeten die härtesten Steine wie Kiesel- und Feuersteine, Granit- und Sienit-Arten, so wie die talkigen nephritischen Felsarten. In dem Aufsuchen solcher Raritäten scheinen uns doch die Archäologen manchmal zu weit zu gehen, denn ohne mineralogische Kenntnisse kann man sich leicht irren. So z. B. manche Fragmente der Kiesel- und Feuersteine zeigen solche kleine muschelförmige Ablösungen und selbst Löcher, wie man sie uns auf diesen Instrumenten zeichnet und vorlegt (siehe Bd. 2, Taf. 1 — 18 des Antiquites Celtiq. et anti- diluviennes des Herrn Boucher de Perthes 1857. 8°.) und man findet darunter auch die Form von groben Achsen oder Hammern (siehe Fargeaud C. R. Ac. d. Sc. P. 1859, Bd. 49, S. 558). Das Abgewetzte dieser Instrumente kann auch betrügen, wenn sie Rei- bungen und Verschleppungen erlitten haben. Alles dieses zeigt, wie behutsam man in der Beurtheilung sein muss. Bewundernswerth bleiben indessen immer die vielen kleinen muscheligen Brüche der kieseligen Artefacten, welche auf besondere, sehr kleine, vielleicht selbst etwas elastische, Steinschlägel hindeuten. Ausser im Löss hat man in allen erwähnten Lagerstätten menschlicher Knochen auch Artefacten entdeckt, doch nur selten so viele, als in den Alluvialhöhlen und Torfbildungen *). Gemäss der leichtern Erhallung von Steinen als von Knochen, muss man nicht erstaunen, oft nur erstere zu beobachten, aber dann muss der genaue Geolog über die Realität der Instrumente volle Gewiss- heit sich verschaffen können, was nicht immer der Fall gewesen zu sein scheint, so dass alle Fundstätte von Artefacten mit oder ohne lirweltlichen Thierresten nicht als richtig anzunehmen sind. Man muss da wieder den Ruf des Entdeckers zu Hilfe ziehen und noch besonders wissen, ob der Archäolog mineralogische Kenntnisse hat *) Für die ZahJ der Fundürter finden wir in unserer Bibliographie beinahe 20U. 174 K o u e. oder der Geolog genug archäologisches Wissen besitzt, um nicht Artefacten von viel jüngerer Zeit mit den älteren zu verwechseln. Bedauern muss man es indessen, dass bis in neuerer Zeit die Sammlung dieser letzteren in paläontologischen Sammlungen wenig berücksichtigt waren, und dass selbst oft die in Schriften erwähn- ten von den Geologen wenigstens nicht aufbewahrt wurden. Endlich kömmt noch der mögliche Fall der späteren Durch- wühlung des Lagers bei denjenigen mit Artefacten vor oder dass solche Steininstrumente aus jüngeren Gebilden in ältere durch Auswaschung, Verschleppung oder Spalten hereingekommen sind. In dieser Richtung scheinen uns nicht nur Archäologen, sondern auch einige Geologen bestimmt, Irrthiimer aufgetischt zu haben (Boucher de Perthes, Pierres taillees dans Ie tertiaire de la Loire, Bibl. univ. Geneve 1859, 5 R., Bd. 6, S. 353—401). Alle Artefacten der jüngeren Alluvialzeit, sehr viele der Torf- moore, der Höhlen oder selbst des KalktufTe *) gehören den histo- rischen Zeiten und gehen den Geologen eigentlich nichts an. In dieser Hinsicht hat man ehemals besonders durch geognostische Unkenntniss ziemlich oft gesündigt. So z. B. sprach Lamanon von einem Schlüssel im Gyps (Rozier's Obs. s. Phys. 1782, Bd. 19, S. 192, Taf. 1, Fig. 1); Sulzer erwähnte einen kupfernen Nagel im Kalkstein (dito Bd. 21, S. 70); Lascour ein verarbeitetes Stück Kupfer in einem Stein (J. de Phys. 1820, Bd. 91, S. 140) ; Graf Bournon von Steinbrecher-Instrumenten im Gyps (Americ. of Sc. 1820, Bd. 2, S. 145) u. s. w. Dagegen sind manchmal solche sonderbare Funde für die Geologie höchst interessant, wie z.B. die- jenigen, welche die ehemaligen Meeres- oder Flussufer anzeigen 3 ), oder ältere Bergbauten 3 ) oder den uralten Boden von Städten i) Hausmann, Teutonische Steinhacke bei Göttingen, Stud. Gott. Bergm. Fr. 1856, Bd. 7, S. 96; Nachr. d. k. Ges. d. Wiss. zu Göttingen, 1854, S. 159; N. Jahrb. f. Min. 1854, S. 842. 2 ) Altes Schifflein im Alluvial der Rother; Kent (Quart. J. of Sc. L. 1823, 14 (oder 15) S. 162; Heinecker (N. S.), Ein Anker zu Seaton (Devonshire) im Alluvium (Phil. Mag. 1837, Bd. 10, S. 10—12); Chambers (It.) , Eisen, alter Chaluppe-Haken tief im Schotter zu Inchmichel, Carse of Govvrie, Schottland, Edind. n. phil. J. 1850, Bd. 49, S. 233 — 236; eiserne Hacken an Felsen in Schweden u. s. w. 3 ) Mushet (R.) alte bergmänn. Haue in dem Dean-Walde. Rep. brit. Assoc. 26 Meet. 1856, S. 71; Boase, alter metallischer Topf im Alluvium Coro Wallis, 3. Ann. Rep. geol. Soc. Cornw. ; Ann. of phil. 1826, Bd. 68, S. 457; Fer. Bull. 1827, Bd. 11, S. 204. Über den wahrscheinlichen Ursprung des menschlichen Geschlechtes. I i [) u. s. \v. oder die ehemalige Beschäftigung gewisser Örter (Ger- gen's Wallfischreste zu Mainz, 20. deutsche Naturf. Vers. 1842, S. 161). Der Schädelbau ist bis jetzt als das bewährstete Merkmal für die Unterscheidung der Menschenracen. Leider sind die ganzen Schädel in den ältesten Ausgrabungen menschlicher Knochen sehr selten, einzelne Schädelknochen und besonders Zähne kommen etwas häufiger vor. Bis jetzt sind nur 6 bis 8 Schädel meistens aus den Höhlen beschrieben worden, welche man zu den fossilen Menschen, obwohl mit mehr od^r weniger Zweifel, schon rechnen kann 1 ), indem alle anderen als zu verschiedenen historisch wohl bekannten Racen gehörig anerkannt wurden, oder nur selbst incru- stirte Schädel waren. Ich habe über letztere 41 Verhandlungen gezählt, unter welchen eine der merkwürdigsten die Beschreibung eines Schädels aus Caithness in Schottland ist, dessen Knochen wie *) Atwater (Caleb) im Alluvium mit Mastodonte-Knochen. Americ. J. of Sc. 1820, Bd. 2, S. 242; Crahay im Löss bei Maestricht. Fer. Bull. 1827, Bd. 10, S. 389 und Vide supra; Mandelslohe (Graf), mit Bären und Hyänenknochen zu Urach (Würt.), N. Jahrb. f. Min. 1835, S. 626; Lund (Dr.) in Brasilien durch den schrofferen Winkel des Stirnbeins mit von allen lebenden Racen verschiedenem Gesichte. Beding i Titende Kopenhag. 1841, 12. Febr.; N. Jahrb. f. Min. 1841, S. 502, 1843, S. 118; 1845, S. 627. Edinb. n. phil. J. 1841, Bd. 31, S. 197; 1844, Bd. 36, S. 38—42; Echo 1841, S. 244 u. 394; L'Institut 1842, S. 356, 1845, S. 166; C. R. Ac. d. Sc. P. 1845, Bd. 20, S. 1368—1370, Bibl. univ. Ge'neve 1844, N. R. Bd. 54, S. 182—186; N. Ann. d. Voy 1841, Bd. 6, S. 116; Americ. J. of Sc. 1845, Bd. 44, S. 277 — 280; Revista trimensal Instit. bist, e geogr. Rio Janeiro 1844, 4°.; Clausen (P.) , mit niedrig. Stirn zu Minas-Geraes (N. Jahrb. f. Min. 1843, S. 710); Schmerling, Rech. s. Ies Oss. fossil, des Cavernes de Liege 1833—1836; Bull. Soc. geol. Fr. 1836, Bd. 6, S. 170—173; N. Jahrb. f. Min. 1837. S. 108; Seh aafha u sen in Neanderthal zwischen Düsseldorf und Elberfeld (Verh. naturhist. Ver. Preuss. Rheinl. 1858, Bd. 15 und 1863, Bd. 20, S. 147; bei Bamberg und Lippstadt, dito 1859, S. 16, Sitzungsber. S. 68—70, 103—104 (Bronzealter?); King (W.), Brit. Assoc. 1863; Geologist. 1861, Bd. 4, S. 397, 1863, Bd. 6, S. 391; Ausland 1861, S. 825, 1863, S. 1056; dOraa litis, sehr vier- eckige Schädel bei Lültich, Atti 4 Riun. Scienz. ital. Padova 1842, S. 371; Nilson, Dolichocephali mit ausgestorb. Tbier. in Scandinavien (Öfver. af k. Vet. Ak. Förh. 1846, Bd. 3, S. 11; Edinb. n. phil J. 1849, Bd. 46, S. 70; N. Jahrb. f. Min. 1849, S. 753; Smith (J. AI.), mit Bos u. s. w. Roxburgh (Edinb. n. phil. J. 1853, Bd. 54, S. 112—142, Taf. 2; Baer (K. E. v.), Makrocephalen a. d. Krim und Österreich. St. Petersb. 1860, 4°.; Capellini (Jos.) u. Tignoso Le Schegge di diaspro di Monti della Spezzia 1862; N. Jahrb. f. Min. 1863, S. 875; Sayer (Fried.) zu Gibraltar, Athenaeum 1863, Juni; Ausland 1863, S. 622; Stelzner (Alfred) zu Bamberg a. d. Bronzezeit, Jahrb. k. k. geol. Reichsanst. 1864, Bd. 14, H. 4, S. 5. SiUb. d. mathein. -nuturw. Cl. LI. Bd. 1. Abth. 12 1 TG B o u e. bei Kannibalenfesten zerbrochen sind (Ethnologie. Soc. 1864, 13. Dec.); Maier vergleicht fossile mit frischen Schädeln (Verli. Naturhist. Ver. Preuss. Rheinl. 1855, Bd. 15, p. LVI, 16. Jahrg. 1859, Sitzungsber. S. 12—14). Quatrefages findet, dass der zu Abbeville im Jahre 1864 gefundene Schädel dem keltischen nicht gleicht, und dass in allen Fällen dieses menschliche Überbleibsel einen hohen, wenn nicht selbst dem höchsten Zeitalter der Menschen angehört (C. R. Ac. d. Sc. P. 1864, Bd. 59, S. HO). In diesem Streite über Schädel- merkmale gebührt meine Einmischung nicht. Die grossen Schwierigkeiten in der gründlichen Beweisführung der Lagerstätte, die öftere handgreifliche Falschheit der sogenannten Entdeckungen und die Notwendigkeit, nur zu oft die Glaubwürdig- keit und Geschicklichkeit des Entdeckers auch in die Schale der Entscheidung zu werfen, haben dem Misstrauen vieler berühmter und behutsamer Geologen so lange Nahrung gegeben. Doch gestand uns schon im Jahre 1840 Alex. Brongniart, dass unsere Meinung des fossilen Menschen Grund gewinne, er erwartete nur weitere unwiderrufliche Beweise, um Cuvier's schroffe Ansicht in dieser Hinsicht zu verlassen. Heute nun sind viele sehr gelehrte und sorg- fältige Geologen sowohl als Zoologen, aus allen Ländern der civilisirten Welt zu diesem Erkenntniss durch die Menge der Be- weise gezwungen worden. Unter diesen befinden sich selbst Männer der Partei, welche katholisch oder protestantisch keine fossile Men- schen anzunehmen sich erlaubt glaubten , obgleich ein Sündfluth- glauben ohne diesen fast ein Unsinn war 1 )« Die Zahl der Wider- sacher selbst unter den Geologen und ihr Gewicht grenzt in pro- portionalem Verhältniss an Null 3 ). Milne-Ed wards (Acad. d. Sc. •) In dieser Hinsicht sind de Bonnald (Bishop zu Lyon) Erklärungsworte als wis- senschaftliches Material höchst charakteristisch : Dieu se Charge» lui-meme d'ense- velir dans les profondeurs de 1» terre et dans les ahimes de 1» mer, les victimes (hoinines) de cetfe inemorable eatastrophe (ledeluge) ne voulant pas que des ossemens humains vinssent un jour dans un siede de materialisme ligurer dans les Cabinets des Curieux ä cöte de vils dehris, entre les ossemens fossiles des Ruiniiiaus et ceux des carnassiers (Moise et les (ieologues modernes P. 1833, S. 258). 2 J Graf v. Veitheim (Fortgesetzte Nachforschung 1782) Camper, theoretisch. Nov. Act. Ac. Petropoilt 1784, Bergmann J. 1791, Bd. 1, S. 154; I) e I u c (U. A.), J. d. Phys. 1802, Bd. SS, S. 252; Cuvier (G.), 1810; Kapp (Chr.), N. Jahrb. f. Min. 1834, S. 297, 1840, S. 342 und Athene Bd. 2, S. 120; Du Mege gegen Tournals Über den wahrscheinlichen Ursprung des menschlichen Geschlechtes. I i « P. 1864) und selbst Elie de Beaumont, lange Zeit unter den letzteren, gestanden endlich, dass Urmenschen im südlichen Frankreich schon in der Zeit lebten, wo nicht nur der Urochs, sondern auch das Rennt hier da hausten (C. R. Ac. Sc. P. 1864, Bd. 58, S. 763). Diesem Erkenntnisse schliessen sich noch Lastic (dito S. 590), P. Gervais und Brinckmann (dito Bd. 59, S. 945—947), L artet (Ann. d. Sc. nat. 1861, Bd. 15, S. 231) und J. Evans (Geol. Soc. L. 1864, 22. Juni), Van Beneden (C. R. Ac. P. 1864, Bd. 59, S. 1087) in letzterer Zeit an. Alle wissenschaftliche Namen von gutem Rufe. Nach Allem diesem hätte Cuvier im Jahre 1829 sehr unrecht gehabt, Menschenknochen in Kalk-Breccien und Höhlen nur als sehr jüngere Ablagerungen anzusehen (Ann. Sc. nat. 1829, Bd. 17, S. 327); eine neue Warnung für Zoologen, selbst den berühmtesten, sich nicht in Wissenschaften zu mischen, in welchen sie nur Dilet- tanten sind. Herr H. Denny (Rep. Proceed. Yorksh. [W. Riding.] geol. Sc. a. polytechn. Soc. f. 1855, S. 400) und Pfeiffer (Germania 1861, Bd. 1, S. 2) haben auch die Gleichzeitigkeit des Menschen mit dem Cervus Megaceros besprochen (auch R. D. Geologist 1862, Bd. 5, S. 73). Die Herren Garrigou und Martin gehen noch weiter und beweisen, dass mit dem Rennfhiere der Höhlenbär wohnte (C. R. Ac. Par. 1864, Bd. 58, S. 761, 816—820 u. 895 bis 899; Geol. Mag. 1864, Bd. 1, S. 37; auch Nilsson's Fund unter Torf). Von diesen Erkenntnissen ist aber nur ein Schritt zu jener, dass der Mensch gleichzeitig mit Hyänen, Löwen (Lyell, Brit. Assoc. 1863), Elephanten *), Nashörnern und Flusspferden einst Europa bevölkerte. In der That fand man seit 100 Jahren Behauptung- d. Gemenge Menschen und urweltl. Thierknochen in Höhlen. Archeolog. pyreue'enne P. 1820; Ehray 1839, über Amiens Artefacten; Anderson (Dr.), 1859; Gras 1862; Elie de Beaumont 1863; Husson C. R. Ac. Sc. P. 1863, B. ö7, S. 329—331, 1864. Bd. 38, S. 46—53 u. 893; Notes pour servir aux liech. relatives ä l'apparition de l'homme sur la terre. Toul 1863, 8 n . ; Chevalier (Abbe' C.) Gegen die Gleichzeitigkeit des Menschen u. d. ausgestorb. Elephant. C R. Ao. P. 1863, Bd. 57. S. 427—430; Robert (Eug.) dito, Bd. 56, S. 1121, Bd. 37, S. 426, 1846, Bd. 58, S. 673—675. *) Jul. Desnoyers C. R. Ac. Sc. P. 1863, Bd. 56, S. 1073—1083, Geologist 1863, Bd. 6, S. 253 und Bibl. univ. Gene've 1863, Bd. 17, S. 347, La'rfcet Bull. Soc. geol. Fr. 1863, Bd. 20, S. 698, Mortillet zu Abbeville, dito S. 293. 12* i 7o B o u e. schon oft solches Gemenge nicht nur in Höhlen, sondern auch im Löss und älteren Alluvium *), aber man wollte den Entdeckern davon nicht den gehörigen Glauben schenken. Dann kommt noch dazu die wichtige Thatsache, dass einige Knochen der urweltlichen ausgestorbenen Thiere nicht nur manch- mal künstlich zerbrochen (Garrigou und Filhol, CR. Ac. Par. 1864, Bd. 58, S. 895 und P. Gervais und J. Brinck- fflann, dito S. 945 — 947), manchmal nur des Markes wegen zer- stückelt (Owen, Roy. Soc. L. 1864, 9. Juni), oder von Thieren oder Menschen benagt 2 ), sondern auch durch Pfeile und andere scheidende menschliche Instrumente lädirt 3 ), oder sie wurden i) Mit Rhinoceros- und Elephantenknochen in Thüringen und zu Herzberg. Haller's Physiologie 1762 u. 1777, Bd. 1, Bergmann. J. 1791, Bd. i, S. 135, Schottin zu Köstritz 1820, vide supra Löss, mit Mammouthknochen am Ohio, Atwater (Caleb), Americ. J. of Sc. 1820, Bd. 2, S. 242; Abb. d. naturf. Ges. zu Görlitz, 1827, Bd. 1, H. 2, S. 123; Chabriol, Deveze und Bouillet, Essai geol. und Min. d' Issoire 1826, Lief. 1, Feruss. Bull. 1827, Bd. 11, S. 27; Rouillier (Ch.), im Thale der Moskwa. Gotll. Fischer v. Waldheims Jubiläum Semisäculare 1847, fol., N. Jahrb. f. Min. 1848, S. 237—238, Ausland 1848, S. 337; Dickerson mit Megalonyx und Mastodonten, lOOFuss tief in Mississipi's Alluvium zu Nashville (Miss.), Fortschritte d. Geographie 1847, Nr. 18 (vide supra); Leidy u. s. w. zu Natchez (vide supra in Löss); Man teil Sohn mit Moaknochen in Neu -Seeland, Quart. J. geol. Soc. L. 1848, Bd. 4, S. 234 und 240; Boucher de Perthes, Contemporaneite' de l'espece humaine et les diverses especes animales aujourd'hui eteints. Abbeville 1859, Lartet et Christy C. R. Ac. d. Sc. P. 1860, Bd. SO, S. 790, 1864, Bd. 58, S. 401 bis 409, Ann. Sc. nat. 1861, 4 R. Zool. Bd. 15, S. 176—253; Ann. a. Mag. nat. hist. 1864, Bd. 13, S. 323—330, L'Institut 1864, Nr. 1575; N. Jahrb. f. Min. 1860, S. 638; Diacke (Fr.), im Belvoirthale, Geologist 1861, Bd. 4, S. 246-247; Lartet mit Mammouth und Rhinoceros zu Aurignac. Haute Garonne (Bull. Soc. Sc. nat. Neuchatel 1862, ßd. 6, S. 11); Quatrefages (de), C. R. Ac. d. Sc. P. 1863, Bd. 56, S. 1003 — 1004; Garrigou (Bull. Soc. ge'ol. Fr. 1863, Bd. 20, S. 305—320, Forrest (Dr. L.), Bologna 1863; Geologist 1863, Bd. 6, S. 398 bis 400. Siehe auch Marcel de Serres Bibl. univ. Geneve 1863, Bd. 53,S.277 bis 314, Bd. 55, S. 160—170, 231—256 u. 352—384; Revue encyclopediq. 1832, Juli bis 1833 Mai, Bull. Soc. geol. Fr. 1834, Bd. 5, S. 440; Edinb. n. phil. J. 1834, Bd. 16, S. 160—175, 285—289, Bd. 17, S. 268— 285, 1835, Bd. 18, S. 59—80; N. Jahrb. f. Min. 1832, S. 590—592, 1834, S. 113—118, 1835, S. 247—250. a ) Spuren von Hyänenzähuen Bucklands Reliquiae diluv. 1823 u. 1829; Desuoyers im Pariser Becken, C. R. Ac. Sc. P. 1859, Bd. 49. S. 73; Nodot Fouventshöhle, Ilaute-Saöne, BuU. Soc. ge'ol. Fr. 1851, Bd. 8, S. 551. ö ) Soemuiering, verwundete Hyänenschädel zu Miiggendorf, Verh. Leop. Car. Ak. 1828, Bd. 14, Th. 1, S. 1—44, 3 Taf. ; Cuvier's Oss. foss. Bd. 4, Tal'. 20, üb. d. geheilt. Verletz, eines fossil. Hyänenschädels. Bonn 1828 und 3 Taf.; Lartet Bull. Soc. ge'ol. Fr. 1860, Bd. 17, S. 492; C. R. Ac. Sc. P. 1860, Bd. 50, S. 790; Quart. .1. geol. Soc. L. 1800, Bd. 16, S. 471—479; Phil. Mag. 1860, 4 R., Bd. 20, S. 239; Über den wahrscheinlichen Ursprung des menschlichen Geschlechtes. I { ,) durch Urmenschen verarbeitet 1 ). Ausserdem a priori wird der physikalische Anthropolog doch zugeben müssen, dass, wenn das Menschenleben während der Alluvial-Eiszeit nicht unmöglich war, eine tropische oder nur halb-tropische Temperatur kein Hinderniss für das Gedeihen des Menschen etwas früher gewesen sein möchte. Nach allen diesen neueren Entdeckungen, besonders im Löss, in den Kalksteinhöhlen und Breccien und selbst in anderen Alluvial- gebilden, viele zweifelhafte Fälle für den Augenblick bei Seite lassen, glauben wir uns doch berechtigt als erwiesen — durch so manchen wackern und wahrheitsliebenden Erforscher — annehmen zu können: 1. dass es Menschen in geologischen Zeiten schon gegeben hat; 2. dass sie schon in der älteren Alluvialperiode vorhanden waren; 3. dass Menschen nicht nur im Löss, sondern auch in älterem Alluvialschutt gefunden wurden, so dass muthmasslich die Men- schen nach der tertiären Zeit auf Erden erschienen, als noch die Temperaturverhältnisse der Art waren, dass Thier- gattungen der jetzigen Tropenzone in den gemässigten Erdgürteln wohnen konnten, wie P. Gervais und Herbert sich ausdrückten, der Mensch lebte gleichzeitig mit den sogenannten -Diluvialthieren 2 ) . Möge man nun viele der erwähnten Anzeigen leugnen oder die Genauigkeit der Beschreibungen selbst Lüge strafen, so bleiben Bibl. univ. Geneve 1861, SR., Bd. 11, S. 363, d'Institut 1861, S. 203; N. Jahrb. f. Min. 1860, S. 639; Wauchope, SleinwafFen in einem fossil. Schädel, Geologist 1861, Bd. 4. S. 281, 2 Fig. ; Seeley im Schotter zu Barnwell, Rep. brit. Assoc. 1862, Not. S. 94; Lartet, Rennthierwirbel mit einer kieselieg. Pfeilspitze darin. LMnstitut 1864, S. 65; Desnoyess bei Chartres, C. R. Ac. d. Sc. P. 1863, Bd. 56, S. 1199-1204; Eug\ Robert dagegen, dito S. 1157, les mondes 1863; 1 nk es (J. Beete), lädirte Megacerosgeweihe, Proceed. brit. Assoc. 1863, Anthro- polog. Rev. 1864, Bd. 1. i) Lartet, Quart. J. geol. Soc. L. 1860, Bd. 16, S. 491; Phil. Mag. Bd. 20, S. 239, L'lnstifut 1861, S. 203; Bibl. univ. Ge'neve 1861, 3 R., Bd. 11, S. 365; Fisher (0.). Geologist 1861, Bd. 4, S. 352— 354 mit Figur, v. Lanzenspitzen. s ) Gervais 7 Zoolog, et paleontolog. franc. , S. 389, Ac. d. Sc; Montpellier Procesv. 1852 — 1853, S. 21; Hebert, Bull. Soc. ge'ol. Fr. 1859, Bd. 17, S. 18, C. R. Ac. d. Sc. P. 1863, Bd. 56, S. 1041; Gaudry, dito 1859, Bd. 49, S. 453 u. 465, L'Institut 1839, L. 327; N. Jahrb. f. Min. 1860, S. 99—101. 1 (SO 15 " ?■ die zwei ersten Propositionen unwiderruflich der Wissenschaft ge- wonnen, indem über der dritten die Meinungen noch nicht so einig sind. Es gibt noch zu viele Ausflüchte, um gewisse Thatsachen der Unrichtigkeit zu stempeln, welche doch, neben anderen gehalten, möglichst später ihren zweifelhaften Charakter verlieren werden. Wenn einige Geologen und Zoologen den Anfang des Menschen- geschlechtes in die Pliocenzeit (Q u a t r e f a g e s, Bull. Soc. geograph. P. 1857; Ausland 1857, S 576) i) oder in die quaternäre Periode versetzen 2 ), so gibt es andere, welche sein Erscheinen vor der Alluvial-Eiszeit angeben s). Im Gegentheil will Desor in Amerika dieses nur nach den Drift anerkennen (Americ. J.of Sc. 1852, 2. R. Bd. 13, S. 109), aber die erratischen Blöcke und Schutt sind doch nur das Ende der Eiszeit. Murchison theilt noch letztere Ansicht (Adress. Lond. geogr. Soc. 1863, 25. Mai). A. Pomel setzt den Anfang der Menschheit nach der Erhebung der Andenketten nament- lich in der ältesten Alluvialzeit (C. B. Ac. Sc. P. 1854, Bd. 38, S. 466), Mantel] aber, durch Lyell's theoretische Ansichten geleitet, wagt die Möglichkeit auszusprechen, Menschenreste selbst in älteren tertiären Lagern mit den bekannten Affen knochen einmal finden zu können (Edinb. n. phil. J. 1851, Bd. 50, S. 252—259) und Melville behauptet selbst, Artefacte in den untersten tertiären Braunkohlen zu Laon gefunden zu haben (Bev. Archeologiq. Geo- logist 1862, Bd. 5, S. 145—148; Leter. Gaz. 1862, N. H. Bd. 7, S. 255). Doch wenn Lyell's und unsere a priori gefasste Ansichten über die Möglichkeit der Säugethier-Entd eckung im tiefen Flötz- gebilde sich so weit beslätigt haben, dass das sogenannte Bonebed unter dem Lias (siehe Lyell's Principles letzte Ausgabe und Dawkin's Hypsiprymnus-Zähne, Geol. Mag. J. 1864, Bd. 1, S. 44) solche wirklich enthält, so möchten wir doch keine Menschenreste l ) M ort im er (J. \\.) will eine knöcherne Lanzenspitze im Essexer CrSg gefunden halien, Ceologist 1801, Bd. 4, S. 558, Fig.; 1863, Bd. 0, S. V.)S. '') Über das quaternäre Alter tles Menschen finde ich in meiner bibliographischen Sammlung 37 Flugschriften oller Abhandlungen. ■*) Ed. Coli o ml), Sur l'existcnce de l'hoinnie sur la leire anlerieiireuienl a l'apparition des ancicns glaciers, Cencve 1860, 8"., de rAiieiennete de riiomine; Bull. Soc. Sc. bat. Neuchatel 1861, Bd, :; ; N. Jahrb. f. Min. 1861, S. 107; .1. Carter Blake, Geo- logist 1861, Bd. 4, S. 3!)5— 3!)S und 1863, Bd. 6, S. '208; Mortillcl (liahr.l. liull. Soc. geol. Kr. 1863. Bd. '21, S. 104; Rev. Savois. 1863, Nr. 12. Als Geguei II us so n zu Toni. C. 1>. Ac. Sc. I'. 1864, lfd. 58, S. 8 1'2. Über den wahrscheinlichen Ursprung des menschlichen Geschlechtes. 1 ö 1 weder in Flötz- noch tertiären Ablagerungen theoretisch er- warten i)- Ob nun jene menschlichen Überbleibsel der älteren Alluvialzeit in Europa mehr der keltischen als der anderen Racen sich nähern, wäre ethnographisch und historisch interessant, aber doch nur ein Nebenumstand, welcher dem systematischen Traume einiger Geolo- gen, der nämlich einem Neger ähnlichen Urmenschen oder ein Mittel- ding zwischen Gorilla und Neger ein für allemal zerstören würde (siehe Schaa fhausen's Anatomie der Racen der Menschen, in Müller's Ärcb. f. Anal u. Physiol. 18Ö8 und Ausland 1861, S.835). Die schwarze Race wäre nur für gewisse Zonen und Reiche aufdenErdballen gebildet worden, wie weisse, gelbe, braune und rothe für andere. Dieses bildet für uns wenigstens die scheinbar wichtige vorhistorische Wahrscheinlich- keit, an welcher sich dann das geschichtlich Bewährte noch besser anschliessen würde, da keine vorgefasste Meinung die nur mythischen Mittheilungen störend im Wege kommen würde. Wie gesagt, die Versetzung aller jener Racen aus ihren Zonen und selbst Reichen ist eine Verletzung der Naturgesetze. Wenn man sich aber die gleichzeitige Erscheinung des Menschen fast in allen Zonen denkt, so muss man doch zugeben, dass ihr erstes Auftreten in den gemässigten Zonen in eine Zeitperiode fiel, wo die Temperatur überhaupt noch eine höhere als jetzt in jenen Erdge- genden war, was auch der Fall wirklich hat sein müssen, wenn der Mensch zu gleicher Zeit mit den grossen theilweise tropischen Urwelt-Thieren gelebt hätte. Nimmt man diese Thatsache nicht an, so müsste in den gemässigten Erdgürteln der Mensch im Frühjahr oder Sommer erschienen sein, denn sonst wären diese Erstlinge, vom Winter nichts wissend, durch die Kälte und vorzüglich durch Nah- rungssorgen fast alle aufgerieben worden. Daher versetzten die asiatischen Mythen das Paradies immer nur unter einen sehr warmen Himmel. Wird andererseits der erste Aufenthalt der Menschen auf dem 13 — 15.000 Fuss hohen, jetzt so kalten und unfruchtbaren asiati- !) Ein englischer Sonderling will Beweise des Menschenlebens in der paläozoischen Zeit gefunden haben (Voices froin the Rocks u. s. w. a reply to llugh .Miller Testi- rnoiiv of Rocks L. 18ÖT, 12°. 182 B o u e. sehen Centralplateau angenommen und eine spätere Abkühlung die- ser letzeren durch Erhebung vielleicht (?) die Hauptursache ihrer Verbreitung in Asien und Europa vermuthet, so vergisst man, dass dieses Plateau jetzt Spuren des ehemaligen Ptlanzeuwuchses zeigen sollten, was doch keineswegs der Fall ist. Süsswasserablagerungen beurkunden nur das ehemalige. Vorhandensein daselbst von einer grösseren Menge von Seen. Wenn wirklich eine gradatim oder schnell eingetretene Kälte die Menschen zerstreut hätte, so könnte man die Eiszeit eher zu Hilfe rufen, indem in allen Fällen die ersten Menschen in Hoch-Asien nur auf die untersten Stufen jener Welt- buckel, in einer ungefähren absoluten Höhe von 4 — 5000 Fuss, gelebt hätten, wo sie wie jetzt noch die fruchtbarsten Gefilde zu ihrer Nahrung finden mussten. Was die Polarvölker betrifft, so kömmt man unwillkürlich wieder zu der Vermuthung, dass bei ihrem Erscheinen daselbst das Klima besser war und seitdem nur nach und nach sich verschlim- mert hat, so dass diese Gattung Menschen doch nicht durch einen plötzlichen Temperaturwechsel und Jahreszeitveränderung zur Aus- wanderung nothwendig gezwungen wurden. Ist der Mensch schon gleich nach der tertiären Zeit auf der Erde gewesen, so kann man sich vorstellen, dass an den Polen die Meteorologie eine andere als jetzt war. Es konnte wohl daselbst im Winter etwas Schnee und Eis geben, wie wir in einer nächstfolgenden akademischen Notiz zu beweisen uns bestreben werden, obgleich die Temperatur Central- Europa's höher als die jetzige war. In der Wirklichkeit wird diese Voraussetzung durch die Fund- stätte von Mammuthzähnen in der Hudsonsbay (Edinb. n. phil. J. 1826, Bd. 1, S. 395) und an der Behringsslrasse (Capit. Beechey's Reise, Bibl. ital. 1830, Bd. 57, S. 275), von Elephantenknochen im älteren Alluvium Canada's (Th. Cottle, An. a. Mag. nat. bist. 1852, N. F., Bd. 10, S. 395, und Billings Canad. natural, u. Geolog. 1863, Bd. 8, S. 135—147; N. Jahrb. f. Min. 1864, S. 509) bestätigt. Der Mensch daselbst ist nur nach und nach in seine heutige üble Lage durch allmähliche Gewohnheit geratheil. Menschen aus wärmeren Ländern dahin vor Feinde sich flüchten zu sehen, ohne je an Zurückkunft in ihr Vaterland zu denken, ist doch eine Meinung, welche zu wenig stichhaltig ist; denn Flüchtlinge Über ilt-ii wahrscheinlichen Ursprung de& meuschlichen Geschlechtes. 1 öt> besonders in solchen Klimaten versetzt, vergessen gewöhnlich schwer die Urstätte ihrer Väter. Auf diese Weise hätten sich schon lange die arktischen Länder entvölkert, was nicht geschehen ist. Ob Austral-Polarländer Einwohner haben oder je gehabt haben, ist eine Frage, welche man nicht beantworten kann; in allen Fällen scheint die Lage der arktischen Länder gegen den grossen Continent für die Verbreilung der Menschen viel vorteilhafter gelegen als die zu isolirten antarktischen. Wahrscheinlich gaben letztere selbst keinen Central-Ausgangspunkt der Schöpfung ab uud in allen Fällen wird die vollständige Kenntniss ihrer Fauna und Flora höchst interes- sant sein. Im umgekehrten Sinne ist der arktische Menschenschlag zu gleicher Zeit eine Art von Beweis, dass unser Geschlecht auf Erden schon da war, als die Verschiedenheiten der Temperaturzonen noch nicht so grell als heut zu Tage waren. Nun, in der tertiären Zeit muss dieses der Fall gerade noch gewesen sein. Hat der Mensch in Europa und Nord -Amerika gleichzeitig mit Thieren der jetzigen tropischen Zone gelebt, wie sowohl Höhlenschutt als Alluvialgebilde von Mergel, Schotter, Quellen-Eisenhydrat oder Kalktuff es beweisen, so waren seine ersten Wohnsitze viel weniger Continental und viel mehr insel- oder halbinselartig als jetzt. Da das tertiäre Meer weit in den Welttheilen damals sich erstreckte und viele Meerengen, so wie Buchten bildete, da es bestimmt zu gleicher Zeit eine grössere Anzahl von Binnenmeeren und Lagunen als jetzt gab, so folgte daraus nicht nur eine besondere Art der Menschenverbreitung, son- dern auch ein leichteres Ernähren für sie durch einen reichen Fisch- fang und die Jagd. Andererseits hat die Vermengung der Menschen- und Renn- thierknochen im südlichen Frankreich bewiesen, dass unsere Race die ältere Alluvial-Eiszeit durchgemacht hat, wo die Gletscher eine viel grössere Ausdehnung als jetzt hatten (vide supra Collomb, Lartet, Mor titlet u. s. w.). Wenn in jener Periode die meisten tropischen Thiere zu Grunde gingen und nur wenige durch Aus- wanderung sich retten konnten, so ist es vielleicht den meisten Menschen nicht so schwer gewesen, ihr Absterben auf jene Weise zu verhindern, weil das Auftreten der Eiszeit scheinbar allmählich und nicht plötzlich eintrat, denn zur Gletscherbildung braucht es 184 Boue. eine lange Reihe von Jahren. Darum muss man sich nicht wundern, so wenige menschliche Überbleibsel unter denjenigen der Thiere zu finden, welche jener Katastrophe erlagen und jetzt in alten alluvialen Gletschergebilden begraben sind. Die Gletschergegenden müssen für die Menschen die Abstossungslander gegeben haben, welche sie gegen wärmere so geschwind als nur möglich war zu vertauschen gesucht haben müssen. Obgleich die weisse Race ziemlich gleichförmig erscheint, so möchten wir doch fragen, oh nicht unter dieser Farbe gleichzeitig Menschen aus mehr als einem Centralpunkte im westlichen Asien, Europa und nördlichen Afrika, nach und nach, sich ausgebreitet haben. Auf diese Weise würden die Hauptunterschiede ihrer kauka- sischen oder indo-germanischen und keltischen Typen, so wie jene räthselhafte Völkerbruchstücke der Albanesen, Basken und Berber leichter erklärbar sein, indem die noch am besten erhaltenen Kelten nach dem nordwestlichen Europa getrieben wurden oder daselbst allein sich erhalten haben können. Hätten wir es mit wenigstens zwei Typen der weissen Race zu thun, so könnte man sich denken, dass letztere den so verschiedenen Klimaten Europa's und Indiens sich leichter hätten angewöhnen mögen. Wenn in Nord-Afrika der grosse Atlas und die benachbarten Hochebenen wegen ihrer geographischen, geognostiscben und ethno- graphischen Umgebung als möglicher Central-Ausgangspunkt nicht passen, wenn man dasselbe a priori über die Alpen und selbst über die Pyrenäen und ihre südlich gelegenen Plateaus aussprechen zu müssen glaubt, so finden wir wenigstens in Asien neben der grossen centralen Erhöhung eine kaukasisch-armenische, welche vielleicht für die Urmenschen eine eigene Bedeutung gehabt hat und beson- ders für Europa von einiger Wichtigkeit möglich war. Viele Andere werden diese letztere Hochebene nur als transitorische Wohnung der Urmenschen annehmen wollen, um der Mythe des Ursprunges der Menschenracen aus Central-Asien treu zu bleiben. Für diejenigen , welche die Erscheinung der ersten Menschen nur da annehmen wollen, wo die Reihe der organischen Wesen vervollständigt ist, namentlich wo grosse Affen auch leben, fällt diese Einwendung für Europa oder den Kaukasus ganz weg, sobald man den Anfang der Menschen nach dem Schlüsse der tertiären Zeit annimmt. Affenknoehen wurden ja selbst in Europa bis in den alte- Über deu wahrscheinlichen Ursprung des menschlichen Geschlechtes. loi> sten tertiären Schichten gefunden (s. R. Owen, Hist. of brit. foss. Mammalia 1844 u. s. w.). Die so lange Zeit angenommene Abwe- senheit der fossilen quadrimenen Überbleibsel war ein a priori Argument für die Negation der Möglichkeit der paläontologischen Menschen. Die gelbe Race hatle auch vielleicht einen doppelten Cen- tralursprung im östlichen Asien, wo die Oro-, so wie Hydrographie, grosse Kette und besonders grosse, später in Wüsten verwandelte Wasserbecken, die mongolischen und chinesischen Urtypen einst getrennt haben. Die Entleerungen jener Becken fanden nördlich (hinter dem Balkasch-See u. s. w.) so wie östlich mittelst grossen Spaltenbildungen statt. Unter der braunen Race würden wir mit allen Anthropolo- gen die malayscben und polynesischen begreifen, die ersteren als Urstämme und die anderen als Colonien unterscheiden, indem wir auf Borneo als möglichsten Central-Ausgangspunkt hinweisen. Der grosse Unterschied in der Entwicklung der höheren Fauna Polyne- siens und derjenigen des hinterindischen Archipels unterstützt mächtig unsere Ansichten. In Borneo kennt man eine besonders grosse Affenart. Die rot he Race wäre auf einem oder selbst auf mehreren Punkten der zahlreichen Hochebenen beider Amerika's erstanden und hätte daselbst einen eigenen Menschentypus angenommen, wie auch die ganze Fauna der neuen Welt vor derjenigen der alten sich mächtig unterscheidet. Ihren Affen fehlt wohl die höhere Stufe der Quadrumanen , aber möglich, dass dieses fehlende Glied einst im fossilen Zustande daselbst wie in Europa entdeckt wird. Überhaupt ist es eine anerkannte Thatsache, dass die ganze Reihe der Faunen und selbst die eines Continents ihren Schöpfungsgedanken nur in der Vereinigung der lebenden und fossilen Thiere findet, weil jene Typen und Formen sich einander ergänzen und die nur scheinbaren Lücken durch Übergänge ausfüllen. (Vergl. Dr. Wilson 's Abb., welcher in Amerika nur eine Race annimmt, Rep. brit. Assoc. 1857.) Das Schicksal der schwarzen Race ist schwerer zu ent- räthseln, weil wir Afrika und selbst die australischen Länder noch nicht hinlänglich kennen und vorzüglich weil in der südlichen Hemi- sphäre augenscheinlich viele Continente oder wenigstens Inseln nach der tertiären Zeit im Meere versunken sind. Daher stammen auch 186 Rone. so viele steile Küstenränder in jenen südlichen Oceanen. Nehmen wir für die wahren Neger, so wie für die Australier und Papuaner nur für jede Race einen Central-Ausgangspunkt an, so bleiben uns von einer Seite die wilden Andamiten, selbst vielleicht einige dazu gehörende südasiatische Bergvölker; andererseits die Makassen, die Hottentotten, die Abyssinier und selbst das Mittelding die Kopten. Letztere im östlichen Afrika zwei Centralpunkte anzuweisen, unter denen einer in Abyssinien wäre, bleibt eine gewagte Hypothese, aber wenigstens scheint sie nicht unwahrscheinlicher als die Abstammung des Makassenvolkes von den Malayen. Mögliche Berührung und Abstammung sind wieder da wohl zu unterscheiden. In Australien stellt sich ein ähnlicher Fall als für Europa dar, denn wenn anerkannter Weise die Entwickelung der Fauna daselbst zu einer gewissen geologischen Periode gehemmt gewesen zu sein scheint, oder wenn diese anders als in anderen Continenten geschah, so zeigen die Alluvialgebilde die Reste verschwundener grosser oder höherer Säugethiere, wieMastodontoiden !), welche dem Menschen schon nahe stehen , so dass Affenüberbleibsel daselbst auch möglichst fossil zu finden sein werden. Ausser Neger, Papuaner und Australier haben alle andere Racen eine Geschichte, auch oft Baudenkmäler von verschiedenem Werth und selbst manchmal schriftliche Monumente. Doch unter den Schwarzen bestehen gewiss sehr verschiedene Stoffe der Bil- dung, aber sie gehören demungeachtet der niedrigsten Cultur und stehen als Wilde den Quadrumanen unter den Menschen am näch- sten. Mit allem Rechte kann man dann den weissen Racen den Vor- rang vor der gelben und braunen und besonders vor der rothen einräumen. (Siehe Carus, Über ungleiche Befähigung der verschie- denen Menschheitsstämme für höhere geistige Entwickelung. Leipzig 1849, 8°.; Gobineau (A. de), Essai sur Tluegalite des races P. humaines. 1853—1854, 4. Bd., 8». u. s. w.) i) Owen, Ann. a. Mag-, of nat. hist. 1841, Bd. 6, S. 7 und 1843, Bd. 11. S. 7—12 und 329, 1845, Bd. 16, S. 142; Edinb. n. phil. J. 1845, Bd. 38, S. 177; N. Jahrb. f. Min. 1843, S. 372—374. Über den wahrscheinlichen Ursprung iles menschliche» Geschlechtes. I O / Anhang. Weitere Bibliographie über das Alter des menschlichen Geschlechtes. Roue, Bull. Soc. geol. Fr. 1831. Bd. 1, S. 105—106; Mittheil. d. Verh. d. naturw. Fr. in Wien 1848, Bd. 4, S. 204 ; Denkschr. d. k. Ak. d. Wiss. 1851. Bd. 3, S. 65; Marcel de Serres, De 1' Anciennete des races humaiaes (Recueils des Act. de l'Ac. de Bordeaux 1848, Bd. 10, S. 233—312; L'Institut 1850, S. 51; Des ossemeus humains et de l'epoque de leurs depots, Mont- pellier 1855, 8°., Geoffroy St. Hilaire (St.), Haut äge du genre humain, L'Institut 1858, S. 157; Lyell, Rep. brit. Assoc. 1859, S. 93, Geol. Evidence of the antiquity of Man, Edinb. n. phil. J. 1860, N. F., Bd. 11, S. 129—131 ; Separat L. 1862, 3. Auflage, franz. Übersetzung 1863 und deutsche 1864, Prestwich (J.) Geologist 1862, Bd. 5, S. 189, Evans Parthenon 1862, Bd. 1, S. 403. Hunt (Jam.), Rep. brit. Assoc. 1860, Hallem, Introd. to the literature of Europe 1860 und S. 162; Gervais (P.), Paleont. franz., L artet, C. R. Ac. Sc. P. 1860, Bd. 50, S. 790; N. Jahrb. f. Min. 1860, S. 638; Pictet, Bibl. univ. Geneve 1860, Bd. 7. und 1862, Preadamitic man, L. 1860, 8<>., Geologist 1860, Bd. 3, S. 155—158; Homer, Quart. J. geol. Soc. L. 1860, Bd. 17; Adress S. LX-LXX1I, Wilson (Dan), Prehistoric man, L. 1862, 8«.; Athenaeum 1862, Nr. 1823, S. 625; Peacock (E.), Parthenon 1862, Bd. 1, S. 402: Evan(J.) dito S. 72 und 402, Blake (C. C.) dito 1862, Bd. 1, S. 174 u. 403, Forbes, Edinb. Rev. 1862; Alph. Milne Edwards, Ann. Sc. nat. 1862, Bd. 17, S. 227—243, Taf. 6; Delanoue (J.), De l'anciennete de l'espece humaine. Valenciennes 1862, 8».; Bull. Soc. geol. Fr. 1862, Bd. 19, S. 613; Baruffi in Diluvium Annuaire de l'Instit. des Provinces 1862, N.F., Bd. 4, S. 290; Van Breda, Ann. Sc. nat. Zoolog 1862, 4. B., Bd. 18, Abh. 4; d'Archiac, Du terrain quaternaire et de l'Anciennete de l'homme 1S63; Bibl. univ. Geneve 1863, Bd. 18, S. 110—112; L'Institut 1863, S. 255; Capellini, Sull'Antichitä dell'uomo, Bologna 1863; Schaafhausen, Verh. naturf. Ver. Preuss. Rheinl. 1863, Bd. 20, Th. 2; Sitzber. S. 130—133; Hebert, C. R. Ac. d. Sc. P. 1863, Bd. 56, S. 1005— 1008 u. 1040— 1042; Prestwich Greenword (G.), Athenaeum 1863, S. 854; Phillips, Brit. Assoc. 1863; Geologist 1863, Bd. 6, S. 378; Pattison (S. R.). The Antiquity of man, examinatio» of Lyell's Werk 1863 u. 1864, 8°.; Geologist 1863, Bd. 6, S. 198-200, Hu x- ley, Evidence as to man's place in Nature 1863, 8°.; Geologist 1863, Bd. 6, S. 118 — 120, deutsche Übersetzung von Carus, Anthropolog. Rev. 1863, 188 B o u e. Über den wahrscheinlichen Ursprung des menschlichen Geschlechtes. S. 60, Crawford (J.) dito S. 172; Blake (C. C.) dito Nr. 2, S. XXVI; Schieiden (M. J.), Das Alter d. Menschen, Geschichte u. s. w. Leipzig 1863, 8°.; Aug. Vogt (G.), Vorlesung über d. Menschen, seine Stellung in der Schöpfung u. in d. Geschichte der Erde, Giessen 1864, 2. Bd. 8°.; Poole (G.), Quart. J. geol. L. 1864, Bd. 20, S. 118—121; Gervais (P.), Remarq. sur l'Anciennete de l'homme dans le midi de l'Europe d'apres les cavernes ä Osse- mens du Languedoc 1864, 8°., C. R. Ac. Sc. P. 1864, Bd. K8, S. 230-238; Luhbock (John), Prehistoric Archaeology or Essays on the primitive condi- tions of man in Europa. America L. 1864, 8°. SITZUNGSBERICHTE DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. MATHEMATISCH - NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE. LI. BAND. ERSTE ABTHEILUNG. 3. Enthält die Abhandlungen aus dem Gebiete der Mineralogie, Botanik, Zoologie, Anatomie, Geologie und Paläontologie. 13 189 VII. SITZUNG VOM 9. MÄRZ 1865* In Verhinderung des Präsidenten übernimmt Herr Prof. Unger den Vorsitz. Der Secretär gibt Nachricht von dem am S. März erfolgten Ableben des inländischen correspondirenden Mitgliedes, Herrn Hein- rich Schott. Die Ciasse gibt, über Einladung des Herrn Vorsitzenden, ihr Beileid durch Aufstehen kund. Die Herren Prof. Oscar Schmidt und Dr. A. Seh rauf danken mitschreiben vom 4. und 6. März, für die ihnen bewilligten Subven- tionen von 400 fl. und beziehungsweise 200 fl. ö. W. Herr Lambert v. West hinterlegt ein versiegeltes Schreiben zur Wahrung seiner Priorität. Der Secretär legt folgende Abhandlungen vor: Von Herrn Hofrath W. Ritter v. Haidinger: „Dendriten von Schwefelkupfer in vergilbtem Papier, aufgefunden von Herrn Prof. Dr. A. Kern er in Innsbruck"; von Herrn Dr. Th. Kistiakowsky in Gratz : „Über die Wir- kung des constanten und Inductionsstromes auf die Flimmer- bewegung"; von Herrn Camillo Bondy in Gratz : „Über den Auftrieb in Flüssigkeiten, welche speeifisch schwerere oder leichtere Kör- perchen enthalten". Prof. Seh rotte r legt eine Mittheilung des Herrn Mag. Ph. Weselsky, Adjuncten am chemischen Laboratorium des k. k. poly- technischen Institutes „über ein vereinfachtes Verfahren zur Gewin- nung des Indiums aus der Freiberger Zinkblende" vor. Ferner werden folgende Vorträge gehalten: Von HermHofrath A. v. Burg: „Über die einfach und doppelt wirkende vielfache Kurbel"; 13* 190 von Herrn Prof. Aug. Em. Reuss: „Über zwei Anthozoen aus den Hallstätter Schichten"; von Herrn Director K. v. Littrow über die „Bahnbestim- mung des Planeten Galateafä)", von Herrn Robert Feigel; von Herrn Prof. F. Unger über den dritten und letzten Theil seiner für die Denkschriften bestimmten Abhandlung: „Sylloge plan- tarum fossiliwm". An Druckschriften wurden vorgelegt: Academie Royale de Belgique: Bulletin. 33 c Annee, 2 e Serie, Tome 18, No. 12. Bruxelles, 1864; 8°- Annales des mines. VI e Serie. Tome V. 3 e Livraison de 1864. Paris, 1864; So- Anzeige der Vorlesungen und des Personalstandes am polytech- nischen Institute des Königreiches Böhmen. Studienjahr 1864 — 65. 4o- Apotheker-Verein, allgem. österr. : Zeitschrift. 3. Jahrg. Nr. 4— 5. Wien, 1865; So- Astronomische Nachrichten. Nr. 1515 — 1516. Altona, 1865; 4o- Bericht an den Senat der freien Stadt Frankfurt a / M . betreffend : Kanal-Anlagen und Vorarbeiten zur Kanalisirung. 8°' Comptes rendus des seances de l'Academie des Sciences. Tome LX, Nr. 5—8. Paris, 1865; 4o- Cosmos. 2 e Serie. XIV e Annee, 1 er Volume, 7 e — 9 e Livraisons. Paris, 1865; So- Er langen, Universität: Akademische Gelegenheitsschriften aus den Jahren 1859—1865. So- & 4<>- Gesellschaft, Zoologische, zu Frankfurt a -/ M . : Der zoologische Garten. V. Jahrg. Nr. 7—12. Frankfurt a / M . , 1864; So- Gewerbe-Verein, n. ö.: Wochenschrift. XXVI. Jahrg. Nr. 8 — 10. Wien, 1865; 8°- Haast, Julius, Report on the Formations of the Canterbury Plains. Christchurch, 1864; Folio. — Report on the Geological Survey of the Province of Canterbury. Christchurch, 1864; Folio. Land- und forstwirtschaftliche Zeitung. XV. Jahrg. Nr. 6 — 7. Wien, 1865; 4o- Mittheilungen des k. k. Genic-Comite. Jahrg. 1865. 2. Heft. 191 Mittheilung e» aus J. Perthes' geographischer Anstalt. Jahrg. 1865, Heft 1, nebst Ergänzungsheft Nr. 15. Gotha; 4<>- Moniteur scientifique. 196 e Livraison. Tome VIP, Annee 1865. Paris; 4°- Poggioli, Josephus, De amplitudine doctrhiae botanicae quae praestitit Friedericus Caesius Michaelis Angeli Poggioli etc. Romae, 1865 ; So- Programm (Jahres-Bericht) des k. k. Staats- Obergymnasiums zuEger. 1852 — 1857, 1859—1863. 4°- & 8"- — des k. k. Ober-Gymnasiums zu Leitmeritz. 1856; 4°- Reader. N ros - 112—114, Vol. V. London, 1865; Fol. Reichs forstverein, österr. : Österr. Monatschrift für Forstwesen. XV. Bd. Jahrg. 1865. Februar- & März-Heft. Wien; So- Rein isch, S. , Die ägyptischen Denkmäler in Miramar. Wien, 1865; 8o- Reinsch, H., Mittheilungen aus dem Gebiete der Agrikulturchemie. Erlangen ; 4°- — Paul, DieKryptogamenflora des baslerischen, so wie eines Thei- les des angrenzenden bernischen und solothurnischen Jura. So- So ci et e Imperiale des Nuturalistes de Moscou: Bulletin. Anne*e 1864. No- 4. Moskau; So- Stur, Dionys, Die neogenen Ablagerungen im Gebiete der Mürz und Mur in Ober-Steiermark. (Jahrb. der k. k. geolog. Reichs- anstalt, XIV. Bd.) KI.-4o- Wiener medizinische Wochenschrift. XV. Jahrg. Nr. 14 — 19. 1865; 4o- Zeitschrift des österr. Ingenieur- Vereins. XVI. Jahrg. 11 — 12. Heft. Wien, 1864; 4o- 192 Haidinger. Dendriten von Schwefelkupfer in vergilbtem Papier, mit- getheilt von Herrn Professor Dr. A. Kern er in Innsbruck. Bericht von dem w. M. W. Ritter v. Haidinger. Ich rnuss mir gleich sehr die Nachsicht der hochgeehrten Classe und die des Herrn Professors erbitten, wenn ich erst in der heuligen Sitzung Bericht über eine höchst anziehende Wahrneh- mung desselben erstatte, deren Bekanntmachung derselbe mir schon am 20. Jänner zur Verfügung gestellt hatte. Ich darf wohl einige Entschuldigung in den so vielfach erregten Gefühlen der Zwischen- zeit suchen. Ich lege hier Herrn Professor Dr. Kerner's Mitthei- lung ausfüln lieh vor: „Vor einiger Zeit wurde ich durch den Bibliothekar unserer Universität Herrn Kögeler auf ganz eigenthümliche schwarze Flecken aufmerksam gemacht, welche sich auf den Papierblättern alter Bücher der seiner Aufsicht anvertrauten Bibliothek vorfanden. „Diese Flecken erscheinen näher betrachtet als ausserordent- lich zierliche Dendriten und befinden sich jedesmal ziemlich nahe dem Bande der vergilbten Papierblätter. Sie durchdringen die ganze Masse des Papierblattes und sind daher an beiden Seiten sichtbar, doch gewöhnlich so, dass sie auf der einen Seite deutlicher und in grösserem Umfange entwickelt sind, als auf der Gegenseite. „Unter dem Mikroskope betrachtet, erscheinen diese Dendri- ten als eine schwarzbraune homogene Masse, welche sich den Unebenheiten der Papieroberfläche anschmiegt und zwischen den Fasern des Papiers in die Tiefe zieht. Krystallinische Structur konnte ich ebenso wenig erkennen, als es mir möglich war, eine Zellenbildung zu entdecken. „Eine chemische Untersuchung, die mit ein paar Flecken vor- genommen wurde, wollte anfänglich auch kein entscheidendes Resultat liefern und ich blieb daher geraume Zeit im Zweifel, ob Dendriten von Sohwefelkupfer im vergilbtem Papier u. s. w. 1 9o diese dendritischen Flecken organische oder unorganische Bildungen seien. „Um hierüber in's Reine zu kommen, hängte ich Papierstreifen, welche mit den fraglichen schwarzen Flecken besetzt waren und die ich täglich mit destillirtem Wasser benetzte, in einen Glas- kolben, in welchem ich Ozon erzeugte. Die Flecken verschwanden nicht, zeigten überhaupt keinerlei Veränderung, und ich gewann somit wenigstens die Überzeugung, dass ich es auf keinen Fall mit einem Pilz oder mit einer Alge zu thun habe. „Nachdem nun der Kolben, in welchem sich die untersuchten Papierstreifen, beziehungsweise die fraglichen dendritischen Bildun- gen befanden, durch etwa einen Monat unberührt stehen geblieben war, und ich jetzt neuerdings den Inhalt untersuchte, sah ich das Papier in der Umgebung der dendritischen schwarzen Flecken deutlich bläulich gefärbt und ich konnte jetzt wohl kaum daran zweifeln, dass diese blaue Färbung durch Kupfervitriol veranlasst worden war, dass daher die schwarzen Flecken als ein kupferhalti- ges Minenil aufzufassen seien und das Material zur Bildung des Kupfervitriols hergegeben hatten. „Eine chemische Prüfung setzte jetzt auch diese Annahme ausser allen Zweifel. Ein Theil des Papierstreifens mit Ammoniak betupft, wurde lebhaft blau, während ein anderer Theil, mit Ferro- cyankalium befeuchtet, gleichfalls die charakteristische Kupfer- reaction gab. „Da nun die Dendriten eine schwarze Farbe besitzen und biegsam sind, da sich ferner Eisen nicht nachweisen liess, so glaube ich nicht zu irren, wenn ich sie für Kupferglanz ansehe. „Dass die Bücher ihre Pilze und Obisien, also ihre Flora und Fauna besitzen, war mir bekannt, dass sie aber auch eine Gaea haben, war mir nicht bekannt, und ich habe auch jetzt nach wieder- holtem Nachlesen nirgends eine bezügliche Beobachtung niedergelegt gefunden. „Die Sache scheint mir daher interessant genug, um sie zu ver- öffentlichen und ich erlaube mir nur noch folgende Bemerkungen beizufügen : „Die Bücher, in welchen sich die Dendriten zeigen, stammen alle aus dem 16. und 17. Jahrhundert und besitzen durchgehends stark vergilbte Papierblätter, ein Zeichen, dass sie in früherer Zeit 194 H»idinger. in einem feuchten Locale sich befunden haben. Das älteste trägt die Jahreszahl 1545, das jüngste die Jahreszahl 1677. Bisher wurde das Mineral in eilf verschiedenen Büchern beobachtet. Davon zeigten 10 Schreibpapier, das 11. jüngste (vom Jahre 1677) Druckpapier. Alle 11 Bände sind in Schweinsleder eingebunden und sind oder waren mit messingenen spangenförmigen Schliessen versehen. „Die Messingschliessen sind wohl unzweifelhaft auch der Ausgangspunkt der Bildung des durch sein Vorkommen so interes- santen Kupferglanzes. An ihnen mag sich zunächst ein lösliches Kupfersalz, und zwar Kupfervitriol gebildet haben, welcher von den hygroscopischen Papierblättern der in einem feuchten Locale auf- bewahrten und daher selbst etwas feuchten Büchern aufgesaugt wurde. Das Papier wirkte nachträglich reducirend und es bildete sich zwischen den Papierblättern dendritischer Kupferglanz in ähnlicher Weise, wie sich zwischen den Blättern des Mergelschiefers Dendriten von Eisenoxydhydrat u. dgl. erzeugen. „Sie finden diesen Zeilen einige Belegstücke für die Sammlung der k. k. geologischen Reichsanstalt beigelegt. Das zerschnittene Blättchen links oben befand sich in Ozon und wurde nachträglich, nachdem sich blaue Punkte und Flecken von Kupfervitriol gezeigt hatten, mit Ammoniak und Ferrocyankalium versetzt." Die Ansicht des Herrn Professors Dr. A. Kern er, wie sie oben entwickelt dargestellt wurde, ist gewiss die richtige, sowohl was die Zusammensetzung, als was die Bildung dieser Dendriten betrifft. Die grösste der hier zur Ansicht vorliegenden Dendriten- gruppen hat zwei Linien, etwa fünf Millimeter Durchmesser; die Dendriten selbst aus einem Mittelpunkte nach allen Richtungen divergirend. Mit einem vollkommen glattflächigen Achatpistill polirt, erhalten die Stellen ziemlich viel Glanz, so dass sie eine sehr gute zur Untersuchung mit der dichroskopischen Loupe geeignete Zurückstrahlung geben. Übereinstimmend mit dem, was man erwarten konnte, fand sich das obere ordinär polarisirte Bild mit dem grössten Antheile des weissen Lichtes, das extraordinäre Bild doch auch noch mit etwas Glanz und dunkelblauer Farbe. Die ganze Erscheinung, wie sie uns Herr Professor Dr. Kern er dirlegt, ist ein neuer Beleg seiner eigenen steten Aufmerksamkeit auf die Erscheinungen, welche sich in der Natur und im Leben dar- Dendriten von Schwefelkupfer in vergilbtem Papier u. s. w. 195 bieten, aber zugleich auch von der Beharrlichkeit ihre Erklärung, aufzusuchen, welche unsern hochverehrten Freund seit Jahren schon auszeichnet. Es ist dies die erste Mittheilung an die hochverehrte Classe, seitdem Seiner k. k. Apostolischen Majestät Allerhöchste Gnade mir den Ritterstand verliehen. Ich darf wohl meine Freude darüber ausdrücken, dass der Spruch, den ich für mein Wappen gewählt: „Observo et colo" sich, dem heutigen Bericht entsprechend, in Herrn Professor Kerne r's Wahrnehmung so trefflich in's Werk gesetzt findet: „Aufmerksamkeit und Beharrlichkeit". 196 Unger. Sylloge plantar um fossil tum. (Soliluss.) Von dem w. M. Prof. F. Unger. (Auszug aus einer für Hie Denkschriften bestimmten Abhandlung.) Es sind im Ganzen zur Illustration dieser bereits im XIX. Bande der Denkschriften begonnenen und nun zu Ende geführten Abhand- lung über 900 vom Verfasser grösstenteils selbst ausgeführte Zeichnungen von Pflanzentheilen, welche zur Charakteristik der 327 fossilen Pflanzenarten dienen, nothwendig geworden. Die in den beiden vorliegenden Abtheilungen — Pugillus III. und IV. behandelten Pflanzenfainilien sind : Rubiaceae, Apocyneac, Myrsineae, Sapotaceae, Ebenaceae, Styraceae, Ericaceae, Cunonieae, Anonaccae , Magnoliaceae, Ra- nunculaceae , Samydeae, Tiliaceae, Acerineae , Malphighiaceae, Sapindaceae , Juglandeae , Amyrideae, Zanthoxyleae, Combreta- ceae, Halorageae, Melastomaceae, Myrtaceae, Pomaceae, Rosaceae, Amygdaleae, auf welche in einem Supplementum noch folgen: Smi- laceae, Coniferae, ßlyriceae, Cupuliferae, Moreae, Salicineae, Monimiaceae, Laurineae, Nyssaceae, Anthoboleae, Daphnoi- deae, Proteaceae und Corneae. — Der Verfasser legt das grösste Gewicht bei dergleichen Unter- suchungen auf eine möglichst genaue Vergleichung der vorweltlichen Organismen mit ; der jetzigen Lebenswelt, da nur auf diese Weise sichere Anhaltspunkte für die Bestimmung der Fossilien gewonnen werden können. Dessenungeachtet sind aus Mangel hinreichenden Materiales dergleichen Unsicherheiten in der Determinirung nicht zu vermeiden. Aus Ursache der bisher noch äusserst sparsam ermittelten sicheren Thatsachen glaubt der Verfasser mit allgemeinen daraus gezogenen Schlüssen über die Vegetation jener Vorzeit sehr vorsichtig sein zu müssen. Er schliesst demnach seine Abhandlung mit folgenden Worten : Sylloge plant arum fossilium. \vi „Nur so viel kann aus dem Vorgebrachten sclion jetzt mit Sicherheit entnommen werden, dass die Terliärfloren im Allgemeinen in ihren verschiedenen Horizonten eben sowohl die Elemente einer nordamerikanischen als die einer oceanischen Flora an sich tragen, ausserdem aber nicht viel geringere Anklänge an die dermalige Vegetation Mittel- und Süd-Afrika's (Habessinien, Cap u. s. w ), Mittel-Asiens, Ostindiens u. s. w. wahrnehmen lassen. Wie dieses Räthsel zu lösen, dazu dürften unsere jetzigen Kenntnisse über die Ursachen der Vertheilung der Gewächse auf der Erdoberfläche kaum hinreichen". 198 VIII. SITZUNG VOM 16. MÄRZ 1805. Der Secretär liest das folgende Schreiben des Consuls der Ver- einigten Staaten von Nordamerika, Herrn Theo.lor Ca nisius, an den Präsidenten der kais. Akademie : Consulat der Vereinigten Staaten N. -Amerikas in Wien. Euer Hochwolilgeboren! Unser Minister des Äussern, Herr YV. H. Seward, hat mich in einer Depesche, datirt Washington ddo. 16. Februar, beauftragt, Ihnen, als Präsident der kaiserl. Akademie der Wissenschaften, für den ausgezeichneten Report von A. Ritter von Burg, über das Werk von Capt. Humphreys und Lieut. Ab bot, den Dank des Staats- Deparfements auszusprechen. Diese Gelegenheit wahrnehmend, Sie meiner ausgezeichnetsten Hochachtung zu versichern, habe ich die Ehre mich zu zeichnen Euer Hochwohlgeboren unterthänigster Diener Theodore Canisius, Consul der Vereinigten Staaten N.-Amerikas. Der Secretär legt ferner folgende eingesendete Abhandlun- gen vor: „Neue Ansichten oder auch Theorie über den Rückstoss der Geschütze, begründet auf die einfachsten physikalischen Erschei- nungen bei den SchusswafFen", nebst einem Anhange über ein neues Pfeilgeschütze, von dem pens. k. k. Rittmeister, Herrn Ferd. Leiten- berger zu Reichstadt in Böhmen; „Neue Synthesen der Ameisensäure" von Herrn Dr. R. Maly, Privatdocenten an der Grazer Universität. Herr Jos. Harkup, k. k. Telegraphen^ßeamter, übermittelt die versiegelte Beschreibung eines von ihm erfundenen neuartigen Relais mit dem Ersuchen um Aufbewahrung zur Sicherung seiner Priorität. Herr Prof. J. Redtenb acher überreicht eine Abhandlung „über die Trennung von Rubidium und Caesium in Form der Alaune"; 109 ferner die in seinem Laboratorium durch Herrn A. Effen- berger ausgeführte „chemische Analyse der Heilquelle zu Müllaken in Ober-Österreich." Herr Prof. C. v. Ettingshau sen legt eine für die Denk- schriften bestimmte Abhandlung: „Die fossile Flora des mährisch- schlesischen Dachschiefers" vor. Herr Prof. E. Suess übergibt eine Abhandlung „über die Nachweisung zahlreicher Niederlassungen einer vorchristlichen Völkerschaft in Nieder-Österreich" , nebst einer zweiten „über die Cephalopoden-Sippe Aconthotenthis R. Wagn." Herr S. Marcus legt die Beschreibung und Zeichnung der von ihm erfundenen Thermosäule vor. An Druckschriften wurden vorgelegt: A cademie Royale de Belgique: Memoires. Tome XXXIV. Bruxellfs, 1864; 4o. — Memoires couronne«. Tome XXXI. 1862—1863; 4o; Collection in 8<>: Tomes XV. & XVI. 1863 & 1864,— Bulletins: 32 e Annee. Tomes XV. & XVI. 1863: 33 e Annee, Tome XVII. 1864; 8°- — Compte-rendu des seances de la Com- mission Royale d'histoire: 3° Serie. Tome V e , 1' ä 3 e Bulletins; Tome Vl e l r ä 2 me Bulletins. Bruxelles, 1863 & 1864; So- — Annuaire 1864. So- Akademie der Wissenschaften, Königl. Preuss., zu Berlin : Abhand- lungen. 1863. Berlin, 1864; 4°- — Preisfrage der phys.-mathem. Classe für 1866 & 1867. So- Arn er ican Journal of Science and Arts. Vol. XXXIX. N°. 115. New Haven, 1865; 8o- . Annale n der Chemie und Pharmacie von Wühler, Lieb ig und Kopp. N. R. Band LVI, Heft 3. December 1864; — III. Sup- plementband, 1. & 2. Heft. 1864. — Band LVII. Heft 1 & 2. Jänner & Februar lfc65. Leipzig & Heidelberg; So- Astronomische Nachrichten. Nr. 1517. Altona, 1865; 4o- Bauzeitung, Allgemeine. XXX. Jahrgang. Heft 1. Nebst Atlas. Wien, 1865; 4°. & Folio. Bibliotheque Universelle et Revue Suisse: Archives des Sciences physiques et naturelles. N. T. Tome XXI, N°. 84. 1864; Tome XXII, N°. 85. 1865. Geneve, Lausanne, NeuchaM; 8o- 200 Cosmos. 2 e Serie. XIV e Annee, 1 er Volume, 10 e Livraison. Paris, 1865; 8«- Gesellschaft der Wissenschaften, Königl., zu Göttingen : Gelehrte Anzeigen. 1864. I. & II. Band. Göttingen, 1865; 8<>- — Nach- richten von der K. Ges. d. Wiss. und der Georg-Augusts- Universität aus dem Jahre 1864. Göttingen, 1865; 8°* — Deutsche geologische: Zeitschrift, XVI. Band, 3. Heft. Berlin, 1864; 8o- — physikalische, zu Berlin: Die Fortschritte der Physik im Jahre 1862. XVIII. Jahrgang, 1. & 2. Abtheilung. Berlin, 1865; 8«" — naturforschende, in Basel: Verhandlungen. IV. Theil, 1. Heft. Basel, 1864; 8<>- Ge werbe- Verein, n. ö.: Wochenschrift. XXVI. Jahrgang, Nr. 11. Wien, 1865; 8<>- Hai le, Universität: Akademische Gelegenheitsschriften aus dem Jahre 1864. 4<>- & 8°- Jahrbuch, Neues, für Pharmacie und verwandte Fächer von F. Vorwerk. Band XXIII. Heft 1. Speyer, 1865; So- Königsberg, Universität : Akademische Gelegenheitsschriften au s dem Jahre 1864. 4°- & 8°- Land- und forstwirtschaftliche Zeitung. XV. Jahrg. Nr. 8. Wien, 1865; 4o- Observatoire Boyal de Bruxelles: Annales. Tome XVI. Bruxelles, 1864; 4°- — Observations des phenomenes periodiques en 1861. 4°- Reader. Nr. 115. Vol. V. London, 1865; Folio. Society, The Royal, of Edinburgh; Transactions. Vol. XXIII. Part 3. For the Session 1863— 64. 4o- — Proceedings. Vol. V. N r . 62—64. Session 1863—64. So- Wiener medicin. Wochenschrift. XV. Jahrg. Nr. 20—21. Wien, 1865; 4o- C. v. E 1 1 i ng sh a u sc n. Die fossile Flora d. mähr.-schles. Dachschiefers. £[) 1 Die fossile Flora des mährisch - schlesischen Dach Schiefers. Von dem c. M. Prof. C. Ritter v. Ettingshaaseii. (Auszug - aus einer für die Denkschriften bestimmten Abhandlung.) Das mährisch-schlesische Grauwackengebirge erstreckt sich zwischen den Städten Olnuitz und Troppau von dem östlichen Ab- falle des Altvaters bis zu der von der Prerau-Otlerberger Bahn berührten Einsattlung, in welcher die Oder und die Beezwa nach entgegengesetzten Richtungen fliessen. Die Schichten streichen im Mittel gegen NNO. und neigen sich im Sinne ihrer Anlagerung an das westliche ältere Gebirge, pfl im steilen Winkel gegen Osten. Sie bestehen aus thonigen Sandsteinen und Schiefern. In dem östlichen Theile des Gebirges kommen mehrere Lüger von Dach • schiefer vor. So lauge noch keine Petrefacten aus diesen Schichten bekannt waren, nannte man dieselben devonisch und silurisch; das Vorkommen von Pflanzenresten aber, welche sehr an die Pflanzen der Steinkohlenformation erinnern, gab der Vermulhung Raum, lass man es hier mit einem jüngeren Gliede des sogenannten Übergangs- gebirges zu thuu habe. Die Bestimmung einiger Pflanzenabdrücke durch Göppert, die Funde charakteristischer Thieneste durch F. v. Hauer und M. Hörn es '), durch H. Wolf 2) und F. Rö mer 3) bestätigten «) Sitzungsberichte der kais. Akademie der Wissenschaften, math.-naturw. Classe, Bd. IV, Seite 171. 2 ) Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt, Bd. XII, S. 23, Bd. XIII, S. 19. 3 ) Neues Jahrbuch für Mineralogie und Geologie. 1861. S. 313. 4U2 C. v. Ettingshausen, dies und man vergleicht seitdem diese Schichten, namentlich die des östlichen Theiles, woher jene Reste stammen, mit der Pflanzengrau- wacke in Nassau, Westphalen und am Harz, für welche die Bezeich- nung „Kulmschichten" als unteres Glied der Kohlenformation gehräuchlich geworden. Der Reichthum an Pflanzenresten in den Dachschiefer-Schichten wie derselbe gegenwärtig vorliegt, war noch bis zum Herbste des Jahres 1863 unbekannt geblieben. Dem Herrn Dr. Gustav T Seher- in ak, Custosadjunct im kais. Hof - Mineraliencabinet, welcher zu dieser Zeit die Dachschieferbrüche in dem bezeichneten Gebiete besuchte, gebührt das Verdienst, die Wichtigkeit dieser Localitäten für die Paläontologie zuerst erkannt und die Anregung zu deren Ausbeutung gegeben zu haben. Seither widmete sich derselben Herr M. Mach an ek, Fabriksbesitzer in Hombok, mit anerkennens- werthem Eifer. Die zu Stande gebrachten Petrafacten-Sammlungen sendete Herr M. Machanek als Geschenk an das kais. Hof- Mineraliencabinet, dann auch an das naturhistorische Museum des k. k. polytechnischen Instituts. Aus diesen reichhaltigen Samm- lungen gewann ich das meiner Arbeit zu Grunde liegende Material, welches mir durch die Liberalität des Vorstandes des genannten Cabinets Herrn Dr. Moriz H ö r n e s und des Herrn Prof. Dr. F. Ritter v. Hochstetter zur Verfügung gestellt wurde. Die an Pflanzenabdrücken reichste Zone des mährisch-schle- sischen Dachschiefergebirges ist durch die Orte Altendorf, Tschirm in Mähren und Mohradorf bei Meltsch in Schlesien bezeichnet. Die Pflanzenabdrücke önden sich in den weniger leicht spaltbaren Schiefern dieses Gebirges. Mit ihnen kommen auch Thierreste vor, doch sieht man diese vorwaltend in harten, schwer spaltbaren Thon- schiefern. Von charakteristischen Thierversteinerungen sind hervor- zuheben: Posidonomya Bechert (sehr häufig), Goniatites mwolobus Phil., Orthoceras striolatum H. v. Meyer, Orthoceras sp. incle- terminata, Goniatites crenistria, Pecten grandaevus, Crossopediae et Myrianites sp. (Siehe F. Römer a. a. 0.) Die Bearbeitung der fossilen Pflanzenreste ergab folgende Resultate : 1. Die fossile Flora des mäbrisch-schlesischen Dachschiefer- gebirges zählt bis jetzt 38 Arten, von denen 13 für die Flora der Die fossile Flora des mährischrschlesiseheu Dachschiefers. «Oo Vorwelt neu sind. Die Arten gehören zu den Ordnungen : Flori- deae (2), Equisetaceae (7), Sphenopterideae (3), Neuropte- rideae (4), Polypodiaceae (3), Hymenophylleae (7), Schizaea- ceae (3), Lepidodendreae (4), Noeggerathieae (2), Sigitla- rieae (1). Mit Ausnahme zweier Algenarten, von denen eine sicherlich dem Meere angehörte, finden wir sonach unter den Resten dieser fossilen Flora nur solche, welche Festlandgewächsen entsprechen. Die farnartigen Gewächse machenden grössten, die Sigillarien den geringsten Theil der Flora aus. Von den ersteren treten uns die Formen mit Sphenopteris-Nevvütion am häufigsten entgegen; die Pecopteris-F ormen fehlen. 2. Die meisten Arten (16) hat diese Flora mit der fossilen Flora der jüngsten Grauwacke Schlesiens und des Harzes, 11 Ar- ten mit der des Kohlenkalkes und eben so viele mit jener der Kulm- grau wacke des Harzes, 12 Arten mit der unteren Kohlenformation Sachsens gemein. Die Vertheilung der eigenthümlichen und gemeinsamen Arten deutet darnuf hin, dass alle genannten Floren als äquivalent einer und derselben Epoche angehören. Konnte z. B. das Fehlen von Meerespflanzen als bezeichnend gelten für die jüngste Grau- wacke, so hebt unsere fossile Flora dieses Unterscheidungsmerkmal auf. Die eine Algenart, welche sie enthält, ist nahe verwandt mit dem in der silurischen und in der devonischen Formation verbreiteten Chondrites antiquus Sternb., die zweite ist bisher nur in den Kulmschichten des Harzet' gefunden worden. Die geringe Zahl der für den Kohlenkalk und die Kulmschichten charakteri- stischen Pflanzen wird durch die vorliegende fossile Flora vermin- dert. Entschieden spricht sich aber die Notwendigkeit der Ver- einigung wenigstens der fossilen Flora der Kulmschichten mit jener der jüngsten Grauwacke durch die Thatsache aus, dass im mährisch-schlesischen Posidonomyen-Schiefer die Pflanzenreste der letzteren sogar vorwiegend auftreten. 3. Nicht sämmtliche Pflanzenformen gehören nur ausgestor- benen Geschlechtern an, wie man dies für die älteren Secundär- floren bisher angenommen. Diese Flora enthält 7 Arten, die not- wendig solcheu Gattungen zufallen, welche auch der Jetztwelt angehören. Sit/.h. d. mathem.-natui-w. Cl. 1.1. I5d. I. Abth. 14 204 C. v. Ettingshausen. Ein auf umfassende Vergleichungen basirtos Studium dt'i* fos- silen Farnkräuter, dessen Resultate ich in einem besonderen Werke J ) niederlegte, hat mich zur Überzeugung geführt, dass eine nicht geringe Anzahl von bisher den Geschlechtern Sphenopteris, Peco- pteris, Alethopteris, Neuropteris und Cyclopteris einverleibten Arten passender Geschlechtern der jetztweltlichen Flora eingereiht wer- den können. Aus der Untersuchung der in Rede stehenden fossilen Flora war es mir gegönnt, neue Belege für die Richtigkeit meiner Ansicht zu schöpfen. Eine Cyclopteris-Form , der C. tenuifolia Goepp. nahe verwandt, zeigt eine specifisehe Verwandtschaft mit Adiantum -Arten der Jetztwelt, insbesondere mit A. dolabriforme Hook. und A.argutum Presl. Eine andere Oyelopteris-Forfii, welche wie die eben Erwähnte im Dachschiefer von Altendorf in Mähren gefunden wurde, zeigt die grösste Ähnlichkeit mit jetztweltlichen Aneimia-Avten, namentlich mit der tropisch-amerikanischen A. vil- losa H u m b. et B o n p 1. Eine Sphenopteris-Fovm aus dem Dachschiefer von Mohradorf in Schlesien tragt unläugbar den Typus von Asple- nium furcatum Thunb. an sich. Schizaea transitionis Ett. aus dem Dachschiefer von Altendorf entspricht der oceanischen Seh. dicho- toma Sw. u. s, w. 4. Diese fossile Flora lieferte neuerdings Belege für die Richtigkeit der Ansicht, dass die Asterophylliten keine selbstständigen Pflanzen, sondern die beblätterten Äste von Calamiten sind. Wenn auch Geinitz und Göppert in ihren neueren Arbeiten a ) die Asterophylliten noch als selbstständige Pflanzenformen gelten Hessen, so haben diese Forscher meine Ansicht 3 ) durchaus nicht widerlegt, vielmehr sich dahin ausgesprochen, dass hierüber die Acten keineswegs geschlossen sind und die Entscheidung künftigen Funden und Beobachtungen vorbehalten bleibe. *) Die Farnkräuter der Jetztwelt, zur Untersuchung und Bestimmung' der in den Formationen der Erdrinde eingeschlossenen Überreste von vorweltlichen Arten dieser Ordnung, nach dem Flächen-Skelet bearbeitet. Wien, 18GU. 4. M. 180 Tafeln. 3 ) Geinitz, Darstellung der Flora des Hainichen-Ebersdorfer u. s. w. Kohleubas- sins. S. 35. — Göppert, Fossile Flora der permischen Formation. S. 36. ä ) Beiträge zur Flora der Vorwelt. Naturwissenschaftliche Abhandlungen, heraus- gegeben von W. Haidinger. Band IV, Ahth. 1, S. 73. Die fossile Flora des mahrisch-selilesischeii Uaehschiefeis. 205 Fu den Schichten von Altendorf fanden sich von Calamites- stämmen nur zwei Arten vor; häufig die des Calamites transitionis Goepp., sehr selten jene von C. tenuissimus Goepp. An derselben Lagerstätte kam nun ein Asterophyllit ziemlich häufig zum Vorschein, welcher nach den Merkmalen seiner Axentheile zu dem Stamme des C. transitionis vollkommen passt. Dickere Stengel dieses durch fiederspaltige Blätter sehr ausgezeichneten Asterophylliten gleichen bis auf's Haar den dünneren Stämmen oder blattlosen Asttheilen des genannten Calamites. Dasselbe gilt von einer zweiten, im Dach- schiefer von Altendorf aber sehr selten vorkommenden Asterophyl- liten-Form in Beziehung zu dem Stamme und den blattlosen Ast- theilen des Calamites tenuissimus. Im Dachschiefer von Mohradorf kommen die Stämme des Calamites communis am häufigsten vor. Mit diesen wurde auch dieselbe Asteropliylliten-Form gesammelt, welche ich in den Schich- ten der Steinkohlenformation von Radnitz in Böhmen an den Lagerstätten des erwähnten Calarniten vielfach beobachtete. Die zu Calamites transitiotiis und C. tenuissimus gehörigen Asterophyl- liten sind bei Mohradorf bis jetzt noch nicht, die Stämme nur sehr selten zum Vorschein gekommen. 5. Im Gebiete des mährisch-schlesischen Dachschiefers wurden bis jetzt 7 Fundorte von fossilen Pflanzen entdeckt. Sie sind: a. Altendorf in Mähren. Diese artenreiche Localität lieferte: Chondrites tenellus Goepp. Calamites transitionis „ — tenuissimus „ Sphenopteris elegans ßrongn. — distans S t e r n b. Neuropteris Loshii Brongn. — heterophylla Brongn. Cyclopteris Haidingeri E 1 1 i n g s h. Gymnogramme obtusiloba „ Adiantum antiquum „ Trichomanes dissectitm E 1 1 i n g s h. „ moravicum „ Trichomanites Goepperti „ — Machanekii „ Hymenophyllites quercifolius Goepp. — patentissimus E 1 1 i n g s h. Schizaea transitionis „ Aneimia Tschermakii „ Sagenaria Veltheimiana P r e s I. b. Tschirm in Mähren. Daselbst wurde gesammelt: Chondrites vermiformis E 1 1 i n gs h. Calamites transitionis Goepp. — commun is E 1 1 i n g s h. — Roemeri Goepp. — tenuissimus „ Equisetites Goepperti Ettingsh. Aneimia Tschermakii „ Schizopteris Lactuca Presl. Noeggerathia palmaeformis Goepp. 14' 20ß C. v. Ettingshausen. c. Mohradorf bei Meltsch in Schlesien. An dieser Lagerstätte fand sieh die Mehrzahl der Calamiten und Selagines. Sie lieferte: Calamites transitionis Goepp. i Lepidodendron tetragonum Sternb. — laticostatus Ettingsh. Sagenaria Veltheimiana Pres!. — communis „ — Roemeri Goepp. — tenuissimus Goepp. Sphenopteris lanceolata G u t b. Asplenium transäionis Ettingsh. Sehizopteris Lactuca P r e s 1. Trichomanites grypophyllus Goepp. — acurn inata Goepp. Megaphytum simplex „ Noeggernthia palmaeformis Goepp. Stigmaria ficoides B r o n g n. Var. ß undulata Goepp. Trigonocarpum ellipsoideum Goepp. Rhabdocarpus conchaeformis „ d. Morawitz in Schlesien. Hier fanden sich: Calamites transitionis Goepp. i Lepidodendron tetragonum Sternb. Roemeri „ Sagenaria Veltheimiana Presl. — tenuissimus „ e. Kunzendorf in Schlesien. Im Diichschiefer daselbst fanden sich his jetzt nur einige eigentümliche Farnkräuter, und zwar: Cyelopteris Haidingeri Ettingsh. I Adiantum antiquum Ettingsh. Hochstetteri „ \ Trichomanes Goepperti „ f. Schönstein südwestlich von Troppau. Daselbst wurde gesammeil : Calamites di/atatus Goepp. j Noeggerathia Rueekeriana Goepp. Lepidodendron tetragonum S ternb. g. Grätz bei Troppau. Hier wurde Calttmites transitionis und C. tenuissimus gefunden. Die fossile Flora des niährisch-schlesischen Dachschiefers. CVt Übersicht der Arten. A. Thallophyta. CLASS. ALGAE. O p d. F 1 o p i d e a e. Chondrites vermiformis Ettingsh. Ch. fronde diehotome bi- vel tripinnatim ramosa, ramis ramulisque sparsis an^ustis, gracilibus, flexuosis, elongatis, patenti- divergentibus, ramulis inaequilongis, apice obtusis vel subclavatis. Vorkommen. Daehschiefer von Tschirm in Mähren. Nächstverwandte Art. Chondrites antiquus Stern b. Chondrites tenellus Goepp. Syn. Fucoides tenellus F. A. Roemer. Verbreitung. Kulm-Schichten; Posidonoinyen-Schiefer; — Dach- schiefer von Altendorf. B. Cormophyta. CLASS. CALAMARIEAE. Ord. Equisetaceae. Calamites transitionis Goepp. Syn. a. Caules : Calamites cannaeformis F. A. Roemer. — Bornia transitionis F. A. Roemer. b. Rami foliati : Sphenophyllum dissectum Gutb. — Sph. furcatum Gein. — Calamites obliquus Goepp. Verbr. Obere devonische Formation; Kohlenkalk; Kulm-Schichten; jüngste Grauwacke des Harzes; untere Kohlenformation; — Grauwacken- sandstein von Weisskirchen, Dachschiefer von Altendorf und Tschirm in Mäh- ren und von Meltsch und Mohradorf in Schlesien. Calamites laticostatus Ettingsh. C. caule cylindrico, articulis inaequalibus subapproximatis vix contractis, costis convexis sulcisque latissimis parallelis elevato- striatis, continuis supra articulos transeuntibus. Vorkommen. Dachschiefer von Mohradorf bei Meltsch in Schlesien. <»0N C v. Ettingshauseu. Calamites communis Ettingsh. Sy n. a. Caules: Calamites cannaeformis Schloth. — C.nodosus Schloth. — C. carinatus St ernb. — C. undulatus Sternb. — C. pseudo-bambusia Art. — C. dubius Art. — C. ramosus Art. — C. paehyderma Brongn. — C. sulca- tus Goepp. — C. Bronnii Gutb. — C. varians Sternb. — C. decoratus Brongn. — C. Suckowii Brongn. — C. Steinhaueri Brongn. — C. aequalis Sternb. — C. approximatus Schlotb. — C. interruplus Schloth. — C. regularis Sternb. — C. cruciatus Sternb. — C. alternans Germ, et Kaulf. — C. ornatus Sternb. — C. elongatus Gutb. — C. Brongniarti Sternb. — C. Pelzholdti Gutb. — Tithymalites striatus Presl. b. Rami et ramuli: Asterophyllites elegans Goepp. — A. dubia Brongn. — A. tuberculata Brongn. — A. delicatula Brongn. — A. grandis Gein. — Bechera delicatula Sternb. — B. grandis Sternb. — B. ceratophylloides Sternb. — Bruckmannia tuberculata Sternb. — Myriophyllites dubius Sternb. — M. micropbyllus Sternb. c.Spicae: Volkmannia distachya Sternb. — V. arborescens Sternb. — V. elongata Sternb. — V. gracilis Sternb. Verbr. Kohlenkalk; Kulmscbichtcn; jüngste Grauwacke des Harzes und Schlesiens; untere und obere Kohlenformaüon ; — Dachschiefer von Mohradorf in Schlesien und von Tschirm in Mähren. Calamites Roemeri Goepp. Syn. Calamites Goepperti F. A. Boemer. Verbr. Kulm-Schichten; jüngste Grauwacke des Harzes und Schlesiens; untere Kohlenformation Sachsens; — Dachscliiefer von Tschirm in Mähren und von Morawitz in Schlesien. Calamites tenuissimus Goepp. Verbr. Kulmschichten, jüngste Grauwacke des Harzes und Schlesiens; — Dachschiefer von Altendorf, Tschirm, Meltsch und Morawitz. Calamites dilatatus Goepp. Verbr. Grauwackensandstein von Berndorf bei Leobschütz in Pieussisch- Schlesien; — Dachscliiefer von Schönstein in Österr. Schlesien. Equisetites tioepperli Ettingsh. E. caule cylindraceo, vaginis stcllatim patentibus dichotome mulliiiiiis, hieiniis lanceolatis, acuminatis. V o r komme ii. Dachschiefer von Tschirm in Mähren. Die fossile Flora des mähriscb-schlesischen Dachschiefers. /COc) CLASS. FILICES. Or. Syn. Cheilanthites distans Goepp. Verbr. Obere Grauwacke des Harzes; untere Kohlenformatinn Sachsens; obere Kohlenformation; — Dachschiefer von Altendorf. Sphenopteris lanceolata Gutb. Verbr. Kohlenkalk; productive Kohlenformation; — Dachschiefer von Mohradorf bei Meltsch. Ortl. Neuropteritleae. Neuropteris Loshü Brongn. Syn. Lilhosmunda minor Luid. — Gleichendes neuropteroides Goepp. — Verbr. Kohlenkalk; jüngste Grauwacke Schlesiens; obere Kohlen- formation; permische Formation; — Dachschiefer von Altendorf. Neuropteris heterophylla Brongn. Syn. Filicites heterophyllus Brongn. — Neuropteris Loshü Brongn. — N. Brongniartii Sternb. Verbr. Obere Kohlenformation; — Dachschiefer von Altendorf. Cyelopteris Haidingeri Ettingsh. C. fronde gigantea petiolala pinnata, pinnis approximatis , confertis oppositis, crassis rotundatis integerrimis sessilibus, basi subeordatis , apice obtusissimis, nervis e basi exorientibus dichotomo-furcatis, ramis elongatis, tenuissimis densissimis, mediis subrectis, lateralibus parum arcuatis, rhachi laevi vel obsolete longitudinaliter sulcata. petiolo longo, crassn, laevi. Vorkommen. Dachscliieler von Altendorf und von Kuhzeiiflorf. /&10 C. v. E t t i n g s h a u s e ii. Cyclopteris Hochstetteri Ettingsh. C. fronde petiolata, pinnata, pinnis distantibus alternis, rotundatis, integerrimis lata basi adnatis, apice obtusissimis, nervis arcuatis e basi exorientibus, dichotomo-furcatis; rhachi crassa, squamosa. Vorkommen. Dachschiefer von Kunzendorf. Ord. Polypodiaceae. tiymnograinme obtusiloba Ettingsh. Syn. Spbenopteris obtusiloba Brongn. — Cheilanthites obtusilobus Goepp. Verbr. Jüngste Granwacke Schlesiens; obere Kohlenformation; — Dachschiefer von Altendorf. Adiantam antiquum Ettingsh. A. fronde tripinnata, pinnis alternis divaricatis, oblongis, pinnulis petio- latis integris cuneiformibus apice truncato vel obtusissimo denticulatis, basiin versus in petiolum sensim angustatis; rhachi sulcata, flexuosa; nervis crebris tenuissimis flabellato-dichotomis. Vorkommen. Dachschiefer von Altendorf und Kunzendorf. Aspleniam transitionis Ettingsh. A. fronde pinnata, pinnis alternis sessilibus erecto-patentibus oblongo- cuneiformibus, inciso-lobatis vel pinnatifidis, laciniis inaequalibus, cunei- formibus truncatis saepe apice denticulatis, rhachi stricte, striata; nervatione Sphenopteridis desmoneuris, nervo primario distincto, rhachi sub angulo 30 — 40° inserto; nervis secundariis sub angulis acutissimis orientibus, dichotome furcatis, ramis approximatis parallelis. Vorkommen. Dachschiefer von Mohradorf. Trichomanes dissectum Ettingsh. Syn. Rhodea dissecta Sternb. — Sphenopteris d. Brongn. — Hymenophyllites d. Goepp. Verbr. Kohlenkalk; jüngste Grauwacke: obere Kohlenformation; — Dachschiefer von Altendorf. Trichomanes moravicuni Ettingsh. T. fronde tripinnata, pinnis alternis petiolatis, distantibus, patentibus, lineari-lanceolatis; pinnulis alternis, subsessilibus vel inferionibus breviter Die fossile Florn des iiiälirisch-selilesischen Daclischief'ers. 21 1 petiolatis, erecto-patentibus, ovatis vel rotundato-ellipticis, pinnatifidis, laci- niis cuneatis bifidis vel profunde bidentatis, Iobis linearibus acutis, rhachibus alatis. Vorkommen. Dachscbiefer von Altendorf. Tricbomanites grypopbyllus Goepp. Verbr. Kulmschichten; — Dachschiefer von Mohradorf bei Meltsch. Tricbomanites Goepperti Ettingsh. T. fronde tripinnata, pinnis alternis remotis strictis, lineari-lanceolatis vel linearibus sessilibus, pinnulis primariis alternis sessilibus ovalibus, secun- dariis minutissimis sefaceis furcatis vel dichotomis, ramis ramulisque divari- catis acufissimis, rhachibus teretibus obsolete costatis. Vorkommen. Dachschiefer von Altendorf und Kunzendorf. Tricbomanites Machanckii Ettingsh. T. fronde tripinnata, pinnis alternis distantibus, patentibus, obovatis, petiolatis, pinnulis primariis alternis erecto-patentibus petiolatis oblon^is vel lanceolatis, secundariis alternis simplicibus, bi-vel trifidis, laciniis angu- stissime linearibus apicibus haud setiformibus, obtusiusculis , rhachibus tere- tibus, striatis. Vorkommen. Dachschiefer von Altendorf. Oril. Hymenopliylleae. Hynienophyllites qnercifolins Goepp. Verbr. Untere Kohlenformation Sachsens; obere Kohlenformation Schle- siens; — Dachschiefer von Altendorf. Hynienophyllites patentissimns Ettingsh. H. fronde tripinnata, pinnis alternis distantibus patentissimis, petiolatis; pinnulis primariis alternis distantibus patentissimis petiolatis, rotundato-ovatis secundariis breviter petiolatis, inferioribus dichotome pinnatifidis, bi-trilobis vel integris; rhachibus alatis flexuosis; nervis in qualibet lacinia lobove solitariis. Vorkommen. Dachschiefer von Altendorf. 4,1 Z C. v. Ettings hausen. Ord. Schizaeaceae. Schizaea transitionis Ettingsh. Seh. fronde stipitata, flabellatim dichotome-ramosa, ramis ramulisque anguste linearibus; nervatione Hyphopteridis , nervis pritnariis dichotomis, ramulis sub angulis 45 — 60 divergentibus. Vorkommen. Dachschiefer von Altendorf. Aneiinia Tscherniakii Ettingsh. A. fronde bipinnata, oblongo-lanceolata, pinnis ovato-oblongis vel ellip- ticis obtusis alternis sessilibus, subpatentibus approximatis, pinnulis eunei- formibus vel obovatis bi-trilobis vel integris et apice rotundata crenulatis alternis, approximatis, erecto-pafentibus, inferioribus liberis, reliquis basi obliqua decurrenti-confluentibus, terminali maxima triloba, lobis emarginatis vel subincisis, rotundatis; rhachi tenuiter striata et squamulosa; nervis crebris flabellatis dichotome-furcatis. Vorkommen. Dachschiefer von Tschirm und Altendorf in Mähren. Schizopteris Lactuca Presl. Syn. Filicites lapidiformis Ger mar. — Fucoides crispus Gutb. — Aphlebia crispa Sternb. — Fucoides acutus Germar et Kaulf. — Aphlebia acuta Sternb. — A. linearis Sternb. — Verbr. Jüngste Grauwacke; obere Koblenformation: — Dachschiefer von Tschirm. CLASS. SELAGINES. Ord. Lepidodendreae. Lepidodendron tetragonnm Sternb. Syn. Palmacites quudrangulatus Schloth. — P. affinis Schloth. — Pachyphloeus tetragonus Goepp. — Aspidiaria quadrangularis Presl. — Lepidodendron quadrangulare Ung. — Aspidiaria Scblolheimiana Presl.' — Lepidodendron sexangulare Goepp. — L. hexagonum Roem. Verbr. Kulmschichten; jüngste Grauwacke des Harzes und Schlesiens ; untere Kohlenformation Sachsens; obere Kohlenformation in England: — Dachschiefer von Seibersdorf bei Sternberg, von Morawitz, von Mohradorf bei Meltsch und von Schönstein. Sagcnaria Veltheimiana P v e s 1. Syn. Sagenaria polymorpha Goepp. — Knorria fusiformis F. A. Roem. — Ijcpidodendion Vellhoiinianuni Sternb. — L. polymorphum Ung. — L. Die fossile Flora des mahrisch-suhlesischen Dachsehiefers. y, S. 43, Taf. I, Fig. 1 — 3. Über die Cephalopoden-Sippe Acantkoteuthis R. W'agn. Z Co den Umriss der Schulpe ist schon von Bronn mehr geboten worden, als in irgend einer früheren oder späteren Publication, obwohl gerade diese Notiz späteren Autoren entgangen ist. Es liegt mir eine grössere Anzahl von Exemplaren dieses Thieres aus den öffentlichen Sammlungen Wiens vor, und schreite ich an die Beschreibung einer Auswahl der besterhaltenen unter ihnen. Taf. I, Fig. 1 gibt die ganze Länge eines Individuums, von der Spitze der Alveole bis zu den Kiefern und Fangarmen. Dieselbe beträgt, ohne die Arme, beiläufig 86 Millim. Von den Hartgebilden des Kopfes sind zwei vollkommen gleichgestaltete Kieferhälften (Fig. 1 b) erhalten, welche durch einen schwachen Seitendruck über einander geschoben sind. Jede dieser Hälften hat für sich eine entfernte Ähnlichkeit mit dem Unterkiefer der Säugethiere. Man unterscheidet je einen horizontalen Ast, der nach links in einen stumpfen, nach rechts in einen schlankeren, mehr verlängerten Fortsatz ausgeht, und zwei nach oben gerichtete Äste, von denen der linke höher ist. Dieser höhere, linksstehende Verticaltheil ist an einer der beiden Kieferhälften deutlich in eine schwarze Masse eingelenkt, deren Umrisse leider nicht weiter erkennbar sind. Die Gestalt dieser Theile erinnert allerdings einigermassen an die Reste, welche von Quenstedt vor einiger Zeit aus dem oberen weissen Jura als Cephalopodenschnäbel abgebildet worden sind *), seither aber von demselben Beobachter als Fischreste bezeichnet wurden 2 ). Eine Anzahl verworrener Doppelreihen von Haken liegt linker Hand neben den eben geschilderten Resten des Kopfes und ist zum Theile unter den beiden Kieferhälften sichtbar. Diese Haken sind ziemlich lang, schlank, nur wenig gekrümmt und scheinen kantig gewesen zu sein. Die Art ihrer Erhaltung erschwert die genaue Beobachtung ihres Querschnittes und Fig. 1 b kann nur als eine ganz beiläufige Darstellung derselben dienen. Nach der i) Handbuch der Petrefactenkundej Taf. 25, Fig. 6. 2) Der Jura, S. 802, Taf. 99, Fig. 2i. 230 Suess. Richtung; dieser H;iken zu urtheilen, waren hier die Arme unter den Kopf zurückgeschlagen. Unter dem Kopfe erscheinen bei M, M ziemlich grosso, unre- gelmässig abgerissene Reste einer sehr dünnen, schwärzlichen und mattglänzenden Schiebte zu beiden Seiten des Körpers, welche da und dort mit feinen Querrunzeln bedeckt zu sein scheinen und welche als die Überbleibsel der äusseren Hautbekleidung, des Mantels, anzusehen sind. Linker Hand wird unter den Resten des Mantels eine matt seidenartig glänzende, weisse Schichte sichtbar, in welcher man sofort einen Theil der Schulpe, des „Pi oostracum's" nach Huxley, erkennt. Es ist dieselbe mit dem Buchstaben D bezeichnet, da, wie sich an den folgenden Stücken zeigen wird, es der mittlere Dorsal- lappen der Schulpe ist, welcher hier vorliegt, woraus zugleich zu entnehmen ist, dass die rechte Seite dieses Fossils als die Bauch- seite anzusehen ist. Bei Ph wird der sehr verdrückte Phragmokon sichtbar, welcher hier zwei Schichten zeigt, eine äussere, weiss gefärbte und eine innere braune Schichte; sein oberer Rand ist von dem unteren Ende des Schulpentheiles D durch Quetschung entfernt und auf der Bauchseite erkennt man, indem ein Theil des Phragmokons abge- sprungen ist, den in denselben hineingesunkenen Diritensack (d), welcher ebenfalls zerdrückt ist und sich in ein nach oben gerich- tetes Rohr zum Theile entleert hat. Endlich gewahrt man am unteren Ende des Thieres, vollkom- men von dem oberen Theile des Phragmokons getrennt und in abweichender Lage die Spitze des Kegels, welche als ein zartes glänzendes Häutchen auf dem schwarzen Schiefer liegt. Scharf markirte Querlinien, welche in regelmässigen Abständen über dieselbe hinlaufen, gehen ihr das Aussehen einer gekammerten Alveole. Zwölf von diesen Querlinien sind erhalten. Von einem Sipho ist ebenso wenig eine Spur sichtbar, als von irgend einem massiven Gebilde in der Nähe der Spitze. Der ( T mriss ist stellen- weise an den Querbändern merklich abgestuft, was für das wirk- liche Vorhandensein von Querwänden an diesen Stellen spricht, Über die Cephalopoden-Sippe Aeanthotenthis R. VVagn. Col Das Stück Taf. I, Fig. 2 zeigt vor Allem die Gestalt eines grossen Theiles der Schulpe. Sie ist äusserst zart, und liegt an vielen Stellen nur wie ein leichter Hauch auf dem Schiefer, während sie da und dort mit einer etwas stärkeren, weissen und malt wie Seide glänzenden Masse helegt ist. Zur Linken erhebt sich ein wohl abgegrenzter Theil mit convexem Runde ziemlich hoch über den Umriss der übrigen Schulpe; er ist offenbar als der Vertreter des mittleren (Dorsal-) Lappens der Belemniten-Schulpe anzusehen und daher mit D bezeichnet. Äusserst schwache Convexstreifen sind auf seiner Oberfläche sichtbar und eine feine aber scharfe Furche läuft in der Mitte desselben herab. Zur Rechten liegt ein zweiier, ähnlicher, doch kürzerer Lappen L, dessen oberer Rand durch den erlittenen Druck schief erscheint, und ein dritter solcher Lappen rnuss unter dem Theile D liegen, wie sich aus späteren Beschrei- bungen ergeben wird. Die Thatsache, dass der mittlere Lappen D von zwei ähnlieh gestalteten, wenn auch kürzeren Laterallappen (L) begleitet ist, bedingt eine ziemlich auffallende Verschiedenheit von dem Baue der Belemniten-Schulpe, wie er sich beiläufig aus den Anwachslinien der Alveole reconstruiren lässt. Dieser Gegenstand bedarf einer etwas ausführlicheren Erörterung. Zunächst steht fest, dass der Theil D seiner Lage wie seiner Gestalt nach der Dorsalregion der Belemniten entspricht und folg- lich ist die Grenze, welche bei //herabläuft, als ein Vertreter der Asymptoten *) anzusehen. Betrachtet man jedoch die Gegend von H recht genau und bei einer grösseren Anzahl von Stücken, so ist man niemals im Stande, ein unmittelbares Berühren der beiden Theile D und L längs dieser Linie zu beobachten. Es zeigt sich vielmehr bei mehreren Schulpen hier bald mehr, bald minder deut- lich ein schmaler Streifen an beiden Seitenlinien des Dorsallappens eingeschaltet, dessen oberer Umriss schräge gegen den convexen Rand von D hinaufläuft. So schwach ist jedoch diese Partie im vorliegenden Stücke bei H angedeutet, dass ich es nicht wagte, sie in der Zeichnung wiedergeben zu lassen. Bei H' ist sie viel deutlicher, da die Umfaltung der Schulpe gerade in dieser Region vor sich gegangen ist. l ) Voltz, Mem. sur les l.elopeltis, p. 6. 232 S ii e s s. Dieser schmale und hier schwer abzugrenzende Streifen dürfte der wahre Vertreter der bei den Belemniten in der Regel viel brei- teren Hyperbolar-Region sein, wie seine Lage und sein oberer Umriss andeuten. Ich muss hiebei bemerken, dass jene Belemniten- Alveolen, welche ich bisher zu beobachten Gelegenheit hatte, mir auch immer die eigentliche Hyperbolar-Region durch eine zweite, der Asymptote ähnliche Linie abgegrenzt und folglich auf eine sehmale Zone begrenzt gezeigt haben, wie es auch Quenstedt 1 ) zeichnet und d'Or bigny 2 ), wenn auch minder bestimmt, angibt. Diese zweite Längslinie, welche sich zuweilen in einen aus viel unregelmässigen Längsfurchen bestehenden Streifen auflöst, ist meines Erachtens bei Voltz (Taf. III, Fig. 2) zu wenig hervor- gehoben. Es ist mir niemals möglich gewesen, eine der Hyperbeln quer über dieses zweite Linienpaar auf die Bauchseite der Alveole zu verfolgen, auf welcher ich überhaupt nicht eine regelmässige Horizontalstreifung angetroffen hahe, sondern vielmehr eine grosse Anzahl kurzer und oft höchst unregelmässiger Runzeln. Wir hätten demnach in H nicht nur die Asymptote, sondern in dem schmalen Räume zwischen D und L den Vertreter sowohl der Asymptote, als auch der Hyperbolar-Region und der zweiten, die Hyperbeln gegen die Bauchseite hin abschneidenden Linie zu sehen. Die Lappen L liegen dann ausserhalb der Hyperbeln. Bei den echten Belemniten sind solche Laierallappen unbekannt, doch hat erst ganz kürzlich Huxley eine lose Alveole aus dem englischen Lias beschrieben, deren Streifung ganz mit dem Baue der Schulpe von Acanthoteuthis bisinuata, und nicht mit jener der Belemniten übereinstimmt 3 ). Auch hier erscheint eine schmale Hyperbolar-Region jederseits eingeschlossen zwischen Lappen, welche n<>ch oben convex sind, und wollte man die Nomenclatur dieses trefflichen Beobachters hier einführen, so müsste der Raum H oder H' bezeichnet werden als: „jener Theil des Proostracums, welcher auf der entsprechenden Conotheca zwischen der dorso- lateralen und der ventrolateralen Asymptote eingeschlossen ist". Ich habe es vermieden, insbesondere den letzteren Ausdruck hier i) Cephalopoilen, Taf. XXIII, Fig. 12. 2) Paleont. univ. I, |>l. XXIX. >) On Belemnitidae, |>. 14, pl. I, Gg. 4, 4«. Über die Cej)li:tlopoilen-Sii»pe Aeanthoteuthia R. Wagn. Zoo zu gebrauche», weil es mir nicht rathsam scheint, eine Linie, welche die Hyperbeln durchschneidet, eine Asymptote zu nennen. Ich werde dieselbe unter dem Namen Secante anführen und mit o bezeichnen. Huxley hielt diese Alveole für einen Vertreter einer neuen Abtheilung in der Gattung Belenuiites', nach den vorliegen- den Beobachtungen wird man sich fragen müssen, ob sie überhaupt dieser Gattung angehöre. — Unter der eben besprochenen Schulpe folgt der Phragmokon, welcher die drei von Man teil unterschiedenen Lagen von Schalen- substanz mit grosser Deutlichkeit erkennen lässt. Die äussere Lage P entspricht dem „Investing Periostracum" oder der Capsula Man- tell's, dem „Cuticulum" bei Huxley, und ist anzusehen als der Vertreter jener weissen oder irisirenden Lage, welche z. B. an der Oberfläche der Belemnitella mucronata wahrgenommen wird. Diese Lage ist dünn und durchscheinend; wo sie auf der nächst- folgenden Schichte liegt, erscheint sie weiss. Sie ist durch den Druck verschoben, zum Theiie von Phragmokon abgelöst und in rechtwinkligen Fragmenten links über seinen Umriss hinausgescho- ben worden. Man bemerkt, dass sie rechts, d. h. auf der Bauch- seite, viel weniger entwickelt ist, genau so, wie auch das Perio- stracum der Belemniten und Belemnitellen gegen die Bauchseite hin abnimmt. Die nächstfolgende Schichte des Phragmokons, welche durch zahlreiche Längsbrüche in Folge des Druckes zerspalten ist, hat eine bedeutendere Stärke und ist von brauner Farbe. Sie ist mit dem Buchstaben R bezeichnet, weil man sie als den Repräsentanten des Rostrums der Belemniten anzusehen hat. Sie hat mit diesem nicht nur die braune Farbe gemeinschaftlich, sondern es ist von Man teil gezeigt worden, dass ihr bei Ac. antiqua auch die fase- rige Structur des Belemniten-Rostrums zukömmt. Beobachtungen, welche ich in dieser Richtung an Ac. bisinuata zu machen versucht habe und bei denen Prof. Reuss mir freundlichst Hilfe geleistet hat, haben uns wohl kein ganz entschiedenes Resultat gege- ben, doch zeigten sich auf dem Querbruche der Schichte R bei bedeutender Vergrösserung da und dort kleine senkrecht von einer Seite der Schale zur anderen gehende Flächen, welche allerdings mit ManteH's Beobachtungen sich gut in Übereinstimmung brin- gen lassen. 234 Sues.s. Endlich ist innerhalb der Lage R noch eine sehr dünne innerste Lage A vorhanden, die wahre Alveolarschichte oder Conotheea, von deren Beschaffenheit später die Rede sein soll. Der gesammte Phragmokon, dessen Umriss an diesem Stücke in ziemlich befriedigender Weise erhalten ist, bildet einen Kegel, dessen Bauchseite etwas mehr Convexität zu besitzen scheint, als die Bückenseite. Gegen die Spitze sind das Perioslracum sowohl, als auch die braune Schichte abgesprungen, so dass hier die Innen- seite der Alveole blossgelegt ist. Es verräth dieselbe 12 — 15 regel- mässige Querlinier, welche auf den ersten Blick ganz das Aussehen von Luftkammer-Resten bieten, aber selbst die genaueste Betrach- tung gibt keine Spur der Scheidewände selbst oder eines Sipho zu erkennen. Die zunächst an der Spitze liegenden Querlinien sind an diesem Stücke minder deutlich, die nächst höheren sind scharfe, einlache Linien, während sie noch höher oben, gegen die Mitte des Pin agmokou's , das Aussehen von Bändern annehmen. Etwas oberhalb der Spitze sind auch hier, wie bei Fig. 1, in Folge der Zerdiückung Abstufungen des Umrisses vorhanden, welche den Querlinien entsprechen und wie dort für das Vorhandensein wahrer Septa im unteren Theile des Kegels sprechen. Die äusserste Spitze ist auch hier dünn und nicht massiv; sie zeigt Spuren kurzer Längsfalten, doch lässt sich weder hier noch an irgend einem der anderen Stücke mit Bestimmtheit angehen, ob jene für Ac. antiqua so bezeichnende Längsfurchung der Spitze im gleichem Masse vorhanden war. Ein besonderes Interesse verleiht diesem Stücke der treff- lich erhaltene kleine Dintensack (. a /' lia l, h ....,- ...... Silauassb.d k.Akai.d W tnath naturw Cl LI ßd I Ablli IM». luefs lieber Acan.thoteuth.is, Tafffi D Py.t.b. h Sitznmtfsb.cl k ,\lsiMl.ii;W.iii;nli n;.funr CLL] Bd. LÄbfli. L-865. SueJ's IVlier A.canth.oteuthis. M x - . -»v t S'hzunisb.der kJVkad. d\%maiK n&turw .Cl.LI.Bd I.Abth.1865. 245 IX. SITZUNG VOM 23. MÄRZ 1865. Der Secretär liest folgendes an ihn gerichtete Schreiben des w. M. Herrn Prof. A. Jäger: „Vor einigen Tagen las ich in den öffentlichen Blättern (Neue Fr. Presse Nr. 194), dass in einer der letzten Sitzungen der mathe- matisch-naturwissenschaftlichen Classe „Herr Hofrath H a i d i n g e r die Mittheilung von einer merkwürdigen Entdeckung des Dr. Kern er in Innsbruck gemacht habe, wonach im vergilbten Papier alter Bücher sich dendritartige Gebilde von Schwefelkupfer gebildet hatten. Die Bücher, in denen diese Erscheinung sich zeige, seien auf der Inns- brucker Bibliothek an einem feuchten Orte aufbewahrt, stammen aus der Zeit von 1545 — 1677, sind in Schweinsleder gebunden und mit Messingspangen versehen, die denAusgangsp unkt der Kupfer- bildung bildeten." „Obwohl Laie auf dem Gebiete der Naturwissenschaften, konnte ich mich doch nicht entschliessen, die Entdeckung des Herrn Dr. Kern er für eine neue oder merkwürdige zu halten, noch viel weniger seine Ansicht über die Entstehung und den Ausgangspunkt der Erscheinung zu theilen." „Wer sich mit Schriften oder Druckwerkender älteren Zeit, und vorzüglich des 16. und 17. Jahrhunderts mehr beschäftigt hat, wird das Vorkommen von Spuren metallischer, zumal dem Kupfer ange- höriger Theilchen im Papier der genannten Zeit als etwas gewöhn- liches kennen. Es war dies die Zeit des grössten Kleiderluxus, was die vielen auf den Reichstagen, wie in den Landtagen der einzelnen Provinzen erlassenen Gesetze gegen den Luxus, die sogenannten „Kleiderordnungen" bezeugen, durch welche den unteren Ständen gewisse Kleiderstoffe verboten, und ihrer Prachtliebe eine Schranke gesetzt wurde. Es war in den damaligen Zeiten etwas Gewöhnliches, dass nicht nur Bürger und Gewerbsleute, sondern auch die Bauern gold- und silberdurchwirkte Linnenstoffe trugen. In einer dieser Kleider- ordnungen aus der letzten Zeit Kaiser Ferdinand's I. , also vor 1564. 246 wurde für die böhmischen Bauern Folgendes bestimmt: „Die Bauern sollen nicht gold du rchwi rkte Zeuge, keine holländische Lein- wand und Spilzen an ihren Hemden, wie auch keine mit Gold bor- dirte Brustflecke tragen." „Diese gold- und silberdurchwirkten Stoffe hatten nun aber das Schicksal aller anderen Kleiderstoffe, sie wurden mit der Zeit abgenützt, und wanderten in die Hände der Hadernsammler und in die Papiermühlen. Niemand gab sich die Mühe, die etwa darin noch vorhandenen Silber- und Goldfäden auszulesen, um so weniger, als dieselben damals wie heutzutage in der Begel nur versilberte oder vergoldete Kupfer drahte waren." „Daher nun aber auch die so häufig in dem Papier und zwar in der Masse des Papiers der genannten Zeit vorkommende Erscheinung von Kupferspuren." „Ich glaube demnach nicht, dass die vondem Herrn Dr. Kern er in Innsbruck beobachtete Erscheinung eine ungewöhnliche sei, oder den Messingspangen oder Messingschliessen, die sich an den älteren Büchereinbänden vorfinden, zugeschrieben werden müsse oder könne." „Zum Beweise des Vorstehenden übersende ich Ihnen mehrere aus Papieren, welche der Zeit von 1548 — 1760 angehören, heraus- geschnittene Zettelchen; sie weisen alle das Vorhandensein von Kupfer und zwar in der Papiermasse nach, theilweise noch in der Form des ehemaligen Kupferdrahtes. Sie sind solchen Papieren entnommen, welche niemals eingebunden waren, oder einen farbigen Schnitt hatten, so dass der Vermuthung, es habe äusserer Einfluss auf die Kupferbildung stattgefunden, nicht Baum gegeben werden kann." „Machen Sie, vereintester Herr General-Secretär , jenen Gebrauch von meiner Mittheilung, der Ihnen beliebt. u Ich zeichne mit aller Hochachtung Ihr ergebener Wien, den 22. März 1865. Albert Jäger. Herr Ed. Scholz, pens. erzherzoglicher Montan-Buchhalter in Krassna bei T eschen übersendet eine Mittheilung, betreffend ein angeblich neues physikalisches Gesetz über das Verhalten der Wasserdämpfe. Herr Prof. Dr. Fr. Unger legt eine Abhandlung „über einige fossile Pflanzenreste aus Siebenbürgen und Ungarn" vor. 247 Herr Hofrath Prof. J. Hyrtl macht eine Mitlheilung über einen freien Körper im Herzbeutel. Herr Prof. Dr. J. Stefan übergibt eine vorläufige Miltheilung über einige Thermoelemente von grosser elektromotorischer Kraft. Herr Dr. G. C. Laube überreicht die Fortsetzung seiner Abhandlung über „die Fauna der Schichten von St. Cassian", die Brachiopoden und Bivalven behandelnd. An Druckschriften wurden vorgelegt: Academie Royale de Belgique: Bulletin. 34 e Annee, 2 e Serie, Tome 19, Nr. 1. Brnxelles, 1865; 8»- — Annuaire. 1865; XXXP Annee. Bruxelles; 8»- Accademia delle Science dell* Istituto di Bologna: Memorie. Serie II. Tomo III. Fase. 4. Bologna, 1864; 4®- — Indici gene- rali di Memorie in 12 Tomi dal 1850 al 1861. Bologna, 1864; 4«- Apo theker- Verein, Allgem. österr. : Zeitschrift. 3. Jahrg. Nr. 6. Wien, 1865; 8°- Astronomische Nachrichten. Nr. 1518. Altona, 1865; 4°- Ateneo Veneto: Atti. Serie II. Vol. I, Punt. 4. Venezia, 1865; 8°* Comptes rendus des seances de TAcademie des Sciences. Tome LX. No. 9 — 11. Paris, 1865; 4°- Cosmos. 2 e Serie. XIV e Annee, l r Vol., li e Livraison. Paris, 1865; 8°- Ferdinandeum für Tirol und Vorarlberg: Zeitschrift. 3. Folge. XII. Heft. Innsbruck, 1865; 8«- — 30. Bericht über die Jahre 1862, 1863. Innsbruck, 1864; 8<>- Gesells chaft der Wissenschaften, Oberlausitzische: Neues Lau- sitzisches Magazin. XLI. Band, 1. & 2. Hälfte. Görlitz, 1864; 8°- — physikalisch-medicinische, zu Würzburg: Würzburger medi- cinische Zeitschrift. V. Band, 4.-6. Heft. 1864; 8<>- — Würz- burger naturw. Zeitschrift. V. Bd. 3. & 4. Heft. 1864; So- Gewerbe -Verein, n. ö.: Wochenschrift. XXVI. Jahrg. Nr. 12. Wien, 1865; 8°- Grunert, Joh. Aug.: Archiv; der Mathematik und Physik. XLIII. Theil, 1. Heft. Greifswalde, 1865; So- Institution, The Royal, of Great Britain : Proceedings. Vol. IV. Parts III— IV. Nr. 39—40. London, 1864; 8«- ' 248 Istituto Veneto, I. R. , di Scienze, Lettere ed Arti : Memorie. Vol. VIII. Parte 1. Venezia, 1859; 4«- — Atti. Tomo X°, Ser. IIP, Disp. 2 a — 3 a Venezia, 1864—65; 8<»- Jahrbuch, Neues, fürPharmacieund verwandte Fächervon F. Vor- werk. Bd. XXIII, Heft 2. Speyer, 1865: 8<>- Land- und forstwirtschaftliche Zeitung. XV. Jahrg. Nr. 9. Wien, 1865; 4o- Mittheilungen aus J. Perthes' geographischer Anstalt. Jahrg. 1865, II. Heft. Gotha; 4<>- — des k. k. Genie-Comite. Jahrg. 1865. 3. Heft. Wien, 1865; 8«- Moniteur scientifique. — 198 e Livraison, Tome VII . Annee 1865; Paris; 4o- Museum of Geology of India: Memoirs of the Geological Survey of India. Vol. III, Part 2; Vol. IV, Part. 2. Calcutta, 1864; Kl.-4<>- — Annual Report. Eighth Year, 1863 — 64. Calcutta, 1864; 8o. Reader. Nr. 116, Vol. V. London, 1865; Folio. Societe Imperiale de Medecine de Constantinople: Gazette medicale d' Orient. VIII 6 Annee, Nr. 10. Constantinople, 1865; 4°- — geologique de France: Bulletin. 2 e Serie. Tome XXP, Feuilles 14_28. Paris, 1863 ä 1864; So- Society, The Royal Dublin: Journal. Vol. IV. Nr. 31. Dublin, 1864; So — The Royal Astronomical : Memoirs. Vol. XXXII. London, 1 864; 4°- Verein, Offenbacher, für Naturkunde. V.Bericht. Offenbach a. M., 1864; 8o- — der Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg. 18. Jahr. Neubrandenburg, 1864; 8°- Wiener medizinische Wochenschrift. XV. Jahrg. Nr. 23. Wien, 1865; 4o- W ochen-BIatt der k. k. steierm. Landwirthschafts-Gesellschaft. XIV. Jahrg. Nr. 10. Gratz, 1865; 4o- Zeitschrift des österr. Ingenieur- und Architekten-Vereines. XVII. Jahrg, 1. Heft. Wien, 1865; 4«- — für Chemie, Archiv für das gesammte Gebiet der Wissenschaft. Unter Mitwirkung von F. Beilstein und Rud. Fittig heraus- gegeben von H. Hübner. VIII. Jahrg. Neue Folge. Bd. I, Heft 1—4. Göttingen, 1865; 8"- Hyrtl. Ein freier Körper im Herzbeutel. 449 Ein freier Körper im Herzbeutel, Von dem w. M. Prof. Hyrtl. Die ausserordentliche Seltenheit des Vorkommens freier Körper in der Höhle des Herzbeutels, bestimmt mich, hier eines Falles dieser Art zu erwähnen, welcher im Wintersemester 1863 auf der hiesigen Anatomie vorkam. Da ich von der Anamnese der mir überlassenen Leichen, nicht mehr erfahre, als was letztere mir selbst durch ihren anatomischen Zustand mittheilen, kann ich über die Erscheinungen, welche das Vorhandensein eines freien Körpers im Herzbeutel begleiteten, nichts Näheres angeben. Wahrscheinlich waren dieselben keineswegs erheblich, oder von ganz besonderer Art. Die Ärzte würden es sonst nicht unterlassen haben, die pathologische Section der Leiche anzu- ordnen, welche uns mit einem so seltenen Funde überraschte. Die Secanten der Leiche (eine Gruppe von Quintannern) fanden den freien Körper, bei Eröffnung des Herzbeutels, in dem Winkel liegen, welchen die linke untere Pulmonalvene mit der hinteren Herz- beutelwand m,icht. Die Form des Körpers war aber nicht von der Art, dass man hätte annehmen können , diese Fundstelle sei auch der bleibende Aufenthaltsort desselben gewesen. Gestalt und Beschaffenheit der Oberfläche, machen es im hohen Grade wahrscheinlich, dass er, wie eine Gelenksmaus, seine Lage in der Höhle des Herzbeutels änderte. Die Gestalt des Körpers ist scheibenförmig , mit etwas über 1 Zoll in jedem Breitendurchmesser; die kreisförmige Umrandung desselben wie mit dem Zirkel gezogen. Farbe ungleichförmig, bräunlich gelb. Die Dicke der Scheibe misst, an der einen Rand- hälfte, einen halben Zoll, an der gegenüberliegenden, nur dreiLiniem Die eine Fläche der Scheibe war durchaus plan, glatt, und wie ein Zwischenknorpel glänzend, — die entgegengesetzte Fläche, ohne gerade höckerig zu sein , uneben. Das Gewicht des Körpers betrug etwas über »/^ Loth. Ein membranöser Überzug iiess sich mit einiger 250 Hyrtl. Vorsicht von beiden Flächen als Continuum ablösen, schwieriger von der unebenen als von der glatten Fläche, an welcher er etwas dünner war, als an ersterer. Er besass eine deutlich faserige Structur. Die Fasern glichen Bindegewebsfibrillen, und quollen in verdünnter Essigsäure bis zum bekannten Verschmelzen ihrer Contouren auf. Die Dicke dieser Hiillungsmembran betrug zwischen 0-3'" und 0'2'" an der unebenen Fläche, etwas weniger an der glatten. Inseln eines unregelmässigen Platteuepithels, hafteten an der freien Fläche der Membran, und fehlten am Rande der Scheibe. Unter dem häutigen Überzuge befand sich ein höckeriger, aus fünf lose zusammenhängenden, rundlichen Abtheilungen bestehender Kern von Knochenharte, aber ohne Knochentextur. Das Mikroskop erkannte nur eine, aus strukturlosen, mit Salzsäure aufschäumenden Kalkkrümmeln zusammengebackene Masse, wie sie an verkalkten Tuberkeln gefunden wird. Zwischen den einzelnen Abtheilungen des harten Kernes, befanden sich Lücken und Spalten, in welche Faser- züge der Umhüllungsmembran von beiden Seiten her eindrangen. Beim Zerbrechen der grösseren Kernbestandtheile zeigte es sich, dass Ableger dieser Faserzüge selbst in das Innere derselben ein- drangen. Diese Faserzüge waren schwarz pigmentirt; — das Pigment theils frei in Körnchenform, theils in verästelten Zellen von auffälligem Marcor eingeschlossen. Diese Kalkmasse bildete aber nur die Rinde des Kernes, welche am dicken Rande der Scheibe über 1 Linie, am dünnen Runde kaum eine halbe Linie mass. Im Innern der Kalkschale des Kernes, befand sich eine gelbliche, breiige, schwarz gesprenkelte Masse, von faserigen Bälkchen durch- setzt, welche mit den früher erwähnten im Zusammenhange standen. So ungenügend diese Daten erscheinen, reichen sie doch viel- leicht hin, über die Entstehung und Abstammung des Körpers eine Ansicht zu fassen. * Das Individuum litt an Lungentuberkulose, die seit lange datirte. Um die Lungenwurzel herum fanden sich Massen von verkalkten Tuberkeln in allen A Hersstadien. Ich dachte mir anfangs, dass auch der freie Körper im Herz- beutel, einst ein Klumpen von tuberkulösen Bronchialdrüsen war, welcher den Herzbeutel einstülpte, dadurch einen Überzug von ihm erhielt, und durch Abschnürung von ihm, in das Cavum pericavdii gelangte, wie ein Uterusfibroid in die Bauch- oder Gebärmutterhöhle. Ein freier Körper im Herzbeutel. 25 1 Das Durchzogensein der zusammengeballten Kalkdeposita mit Binde- gewebssträngen, und das Vorkommen von reichlichem Pigment, des- sen Ablagerung in den Bronchialdrüsen ein so häufiges Vorkommen bildet, schienen mir für diese Ansicht zu sprechen. In einem, im Herzbeutel selbst erzeugten Concrement, wie es durch Ausscheidung von Fibrin aus perieardischen Exsudaten gebildet werden könnte, wäre faseriges Dutcbsetztsein mit Bindegewebe, und Pigmentbildung, ein unerklärliches Accidens. Da keine Reste eines Stieles, weder am Körper selbst, noch an der inneren Oberfläche des Herzbeutels gefun- den wurden, musste aber dieser Process der Einstülpung sehr pro- blematisch erscheinen. Am Herzen selbst, und am visceralen Blatte des Pericardium, war nichtsBefremdÜches zu sehen. Am parietalen Blatte des letzteren, fand sich ausser einer, in der Gabel zwischen den beiden rechtseitigen Lungenvenen befindlichen Trübung, Schwellung und unebener Verdickung, nichts vor, was mit dem gedachten Vorgange in Zusammenhang hätte gebracht werden können. Ich habe im College of Surgeonseine tuberkulöse und theilweise verkalkte Lymphdrüse, wel- che in den Bronchus eingedrungen war, und durch Erstickung töd- tete, gesehen. Das Präparat befindet sich im anatomischen Museum. Der älteste bekannte Fall von freien Körpern im Herzbeutel, ist wohl jener, welchen Jos. Lanzoni in den Ephemeridibus Nat. Cur. *) anführt. Er lautet: Honesta quaedam foemina, annörum 33, trium filiorum mater, suppressione mensium primo afficitur, ita nt se gra- vidam. esse existimaret; ast venire non tumescente, tertio a cata- meniornm cessntione mense, frequentem syncopen patitnr, a qua t andern necatur. Aperto cadavere, ala pidmonis dextra, atri coloris reperitur, inque ea aperta, materia atra tartarea apparet, in pericardio vero tres Lapillos invenimus, subviridis coloris ' quorum duo exigui erant, alius autem magnus, duarnm (!) prorsns unciarum ponderis. In Burneti Thesaurus medicinae practicae, üb. 3. wird erwähnt, dass in der Leiche Kaiser Maximiliairs IL, drei Steine (lapilli) von Erbsengrösse, im Herzbeutel gefunden wurden (qui Imperator, dum viveret, frequenter gravi cordis palpitatione afficiebatur). Von den pathologischen Anatomen der Gegenwart, erwähnt nur Rokitansky 8 ) der freien Körper im Herzbeutel: „Au« einem fibrinö- i) Decur. III. Ann. VII und VIII. Ob*. LXXV. pag. 119. 2 ) Lehrhueh der patbol. Anatomie, 2. Bd. pag. 284. Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. LI. Bd. 1. Abth. 17 252 Hyrtl. Ein freier Körper im Herzbeutel. sen Ergüsse, sah ich einmal die Fibrin, zu Bohnen -, Mandelkern- grossen, glattrundlichen, platten Körpern ausgeschieden". Allerdings Hesse sich nun annehmen, dass diese freien Körper sich zu einem grösseren Klumpen zusammenballen können. Woher aber die Binde- gewebshülle, und der Reichthum an Pigmentzellen in unserem Falle ? Selbst die Annahme eines blutigen Ergusses, zugleich mit dem fibri- nösen, könnte nur das dunkle, körnige Pigment, aber gewiss nicht die verästelten Pigmentzellen erklären. Dr. G. Stein lein ») veröffentlichte vor Kurzem einen dritten, dem meinen hier sehr ähnlichen Befund. Ein an Meningitis tuber- culosa verstorbener, 27jährigerMann, zeigte bei seiner Obduction, die bekannten Residua einer lange abgelaufenen Pericarditis. In der Höhle des Pericardium lag frei ein bohnenförmiger, unregelmässig eckig-länglicher Körper, 5 Linien lang, 4 Linien breit, und 3 Linien dick. Um einen steinharten Kern schmiegte sich eine, concentrisch geschichtete Kapsel an, von faseriger Structur. In dem fibrillären Stroma derselben waren stark lichtbrechende Körnchen (Kalk) ein- gelagert, welche um so reichlicher vorkamen, je näher sie dem Kerne lagen, wo sie sich zu Krümmein vergrösserten, und zu schwärzlichen, rundlichen Körpern anwuchsen, die sich reihenweise zu knotigen Säulchen aneinander legten. Zwischen diesen Kugeln und Säulchen erkannte man hie und da noch fibrilläre Substanz. Kerne, oder zellige Elemente, waren in der Kapsel nicht vorhanden. Dünne Blättchen des Kernes zeigten, mit Salzsäure behandelt, eine amorphe Grundmasse, mit zellenähnlichen Elementen, bald isolirt, bald in Form von Pflasterepithel gruppirt. Im Herzfleisch stak ein Dorn von Prunus spi?wsa, dessen Spitze frei in die rechte Kammer hin- einragte. Der Dorn wurde von dem Manne, vor 5 /4 Jahren, mit einer Rettigscheibe zufällig verschluckt, blieb im Oesophagus quer ste- cken, erregte bedeutende Schmerzen in der Präcordialgegend, und diang von hinten her in*s Pericardium und Herz. Der Ursprung des Concrements steht unzwcifelbar mit der Pericarditis in ursächlichem Zusammenhang. ') Ein Dorn im Herzfleisch, und ein freies Concremcnt im Herzbeutel. Inaug. Dias. Erlangen, lö(>:i. Laube. Die Fauna der Schichten von St. Cassian. <£53 Die Fauna der Schichten von St. Cassian. Ein Beitrag zur Paläontologie der alpinen Trias. Von Cr. C. Laube. (II. Abtheilung. Brachiopoden und Bivalven.) (Auszug aus einer für die Denkschriften bestimmten Abhandlung;.) Dies zweite Heft meiner Publication, welches ich mich beehre der kais. Akademie der Wissenschaften vorzulegen, behandelt die Brachiopoden und Bivalven aus den Schichten von St. Cassian. Die ersteren, bereits von Münster und Klip stein mit etwas mehr Sorgfalt als die übrigen Partien im Sinne Buch's bearbeitet, mussten gleichwohl in der Zahl vermindert werden, da nur zu häutig die Species dadurch, dass ihre Jugendform oder eine mehr oder weniger zufällige Varietät als neue Art aufgeführt wurde, in mehrere zersplittert wurden. Im Jahre 1855 hat bereits Suess auf die Verwandtschaft der Brachiopoden aus den Hallstätter Schichten mit paläozoischen hingewiesen. Dasselbe Verhältniss lässt sich auch in denen aus St. Cassian beobachten, die alle mehr oder minder den Charakter paläozoischer Brachiopoden tragen. Ausser den in dem Devonischen beginnenden Terebratula, und Waldheimia ist mit Sicherheit in den Schichten Thecidium nachgewiesen, die im Kohlenkalke beginnende, noch im Lias vorhandene Spiriferina, ist auch in St. Cassian vor- handen. Cyrtina zuerst aus dem Kohlenkalke und Permischen durch Davidson bekannt gemacht, hat ihren letzten Bepräsentanten in den Cassianer Schichten; Spirigera und Retzia, beide paläozoische Genera, sind noch in mehrere Species vorhanden. Rhynchonella erinnert in ihren Formen gleichfalls an ältere Typen. Zwei Genera Koninckina und Amphiclina sind den Schichten allein eigen; letz- teres von mir aufgestelltes Genus würde einen Übergang zwischen Leptaena und Thecidium bilden. 17* 2ö4 Laube. Die Species reihen sich wie folgt: Terebratula Lhwyd. 1 . Terebratula suborbicvlaris Münster, 2. „ Sturii Laube. 3- „ Schloenbachii La übe. 4. „ indistincta Beyrich. Waldheimia King. 1 . Waldheimia Eudora Laube. 2. „ subangusta M ü n s t e r sp. 3 . „ Münsteri d'Orbigny sp. Thecidiom Defrance. 1. Thecidium concentricnm Münster sp. 2. „ Lachcsis Laube. 3. „ bidorsatum K 1 i p s t e i n sp. Spiriferina d' r b i g n y. 1. Spiriferina cassiana Laube. 2. „ Dalmani Klips tein sp. Cyrtina Davidson. 1. Cyrtina Buchii Klipstein sp. Spirigera d' r b i g n y. j. Spirigera Wissmannii Münster sp. 2. „ quinquecostata M ü n s t e r sp. 3. „ flexuosa Münster sp. 4. M hemisphaeroidica Klipstein sp. 5. „ sellaris K I ip s t e i n sp. 6. „ Opellii La ube. Die Fauna der Schichten von St. Cassiim. 255 Retzia King. 1 . Retzia lyrata Münster sp. 2. „ procerrima Klip stein sp. 3. „ Arara Laube. 4. „ pachygaster Laube. ß. „ quadricoslata Münster sp. Koniuckina S uess. 1. Koninchina Leonhardii Wissmann sp. Rhyochonella Fischer. 1. JRhynchonella semiplecta Münster sp. 2. » subacuta Münster sp. 3 . „ semicostata Münster. 4. „ quadriplecta Münster sp. 5. „ cynodon Laube. Amphiclina Laube. 1. Amphiclina dubia Münster sp. 2. „ Suessii Laube. Herr Professor Suess, welcher selbst die Absicht hatte die Brachiopoden von St. Cassian in einer Monographie zu behandeln, und bereits sehr viele werthvolle Noten gesammelt hatte, hat mir bereitwilligst die Bearbeitung dieser Partie der Fauna überlassen und mich durch Mittheilung seiner eigenen Beobachtung an den Originalen von Klips t ein und Münster im Britischen Museum auf das wohlwollendste unterstützt, wofür ich ihn zum tiefsten Danke verpflichtet bin. Nach seinen Notizen theile ich in einem kurzen Anhange mit, was derselbe über einige mir unbekannt gebliebene Formen aus der Klip st ein 'sehen Sammlung aufgezeichnet hat. Es behandelt dieser Terebratula Bronnii Klip stein, Terebratula aequalis Klipstein, Spirifer spurius Münster, Spirifer calceola Klip stein, Spirifer Brandis Klipstein, Orbicula lata Mün^ st er. Mit Ausnahme dieser wenigen Species und einiger im Texte 256 Laube. namhaft gemachten, finden sich von sämmtlichen Arten Repräsen- tanten in der Sammlung der k. k. geologischen Reichsanstalt. Einen weniger paläozoischen, sondern mehr die Triasgruppe charakterisirenden Typus nehmen die Bivalven an, durch das Vorhandensein von Cassianella , Hörnesia, welche die Geivillien des Muschelkalkes nunmehr umfassen soll, und Myophoria. Die übrigen Genera sind auch in anderen älteren und jüngeren Systemen bekannt. Eine grössere Bedeutsamkeit erhalten die Bivalven noch dadurch, dass ihre Arten eine weitere Verbreitung haben und sowohl in alpinen Schichten andere Localitäten als auch ausserhalb den Alpen nachgewiesen wurden. Wenn auch hier die Zahl der Arten bis auf die Hälfte beinahe herabgesetzt wurde, so wird dies Verfahren sowohl durch wirklich vorhandene zahlreiche Doppel- namen von Münster und Klip stein, als auch durch die Not- wendigkeit gerechtfertigt, schlecht modivirte, oft auf ganz undeut- liche Schalenstücke basirte Species aus dem Wege zu schaffen. Eine möglichst gewissenhafte Systemisirung der Species wurde angestrebt und nach Kräften durchgeführt, nach derselben würden sich die Arten in folgender Ordnung anreihen. Anatina Lamarck. 1. Anatina gl adius Laube. Anoplophora Sandberge r. 1. Anoplophora Münsteri Wissm. sp. Cyprina Lamarck. i . Cyprina strigillata K 1 i p s t e i n sp. Lucina Bruguieres. 1 . Lucina du plicata M ü n s t e r. 2. ,, anceps. Laube. 3. „ dubia Münster sp. Die Fauna der Schieliten von St. Cassian. ÄÖ* Corbis Cuvier. 1. Corbis astartiformis Münster sp. 2. „ plana Münster sp. 3 . „ laticostata M ü n s t e r sp . 4. „ rugosa Klipstein sp. Pachyrisma Morris et Lycett. 1. Pachyrisma rimosum Münster sp. 2. „ ro8tratum Münster sp. Opis Defrance. 1 . Opis Höningh ausii K 1 i p s t e i n sp. 2. „ affinis Laube. Cardita Bruguieres. 1 . Cardita crenata Münster. Myoconcha S o w e r b y. 1. Myoconcha Maximiliani-Leuchtenbergensis Kl. sp. Mytilns Linnee. 1. Mytilns similis Münster sp. 2. „ subpygmaeus d 1 Orbig ny. 3 . „ Münstcri K 1 i p s t e i n . Hodiola Lamarck. 1 . Modiola di midi ata Münster. 2. „ gracilis Klip stein. fassianella Beyrich. 1. Cassianella euglypha Laube. 2. „ gryphaeata Münster sp. 3. „ decussata Münster sp. 4. „ tenmstria M ü n s t e r sp . 25ö Laube. Avicala La inarck. f. Avicula arcuata Münster. 2. „ Gmd'Orbigny. 3. „ cardiiformis Münster. Monotis Bronn. 1 . Monotis pygmaea Münster. Hörnesia Laube. 1 • Hörnesia Joannis Austriae K 1 i p s t e i n sp. Gervillia Defran ce. 1. Gervillia angulata Münster. 2. „ angnsta Münster. Myophoria Bronn. 1. Myophoria harpa Münster sp. 2. „ ornata Münster. 3. „ inaequicostata K 1 i p s t e i n . 4. „ Chenopns Laube. 5. „ decussata M ü n s t e r sp. 6. „ lineata Münster. 7. „ Gaytani Klipstein sp. Cacollea Lamarck. 1. Cucullea impressa Münster sp. 2. „ rugosa M ü n s t e r sp. 3. „ aspasia cTOrbigny sp. 4. „ Auingeri Laube. 5. „ polyglypha Laube. IHacrodon Lycett. 1 . Macrodon strigilatum Münster sp. Die Fauna der Schichten von St. Caasian. 259 Nucula Lamarck. 1 . Nticula lineata Münster. 2. „ strigilata Goldfuss. 3. „ subobliqua d' Orbign y. 4. „ expansa Wissmann. 5. „ subcuneuta d' Orbign y. 6. „ snbtrigona Münster. Leda Schuh mache r. 1. Leda elliptica Goldfuss sp. 2. „ praeacuta Klip stein sp. 3. „ sulcellata Wissmann. 4. „ Zelima d' r b i g n y . Pecten Bruguieres. 1. Pecten subalternans d'Orbigny. 2. „ tubulifer Münster. 3. „ Nerei Münster. 4. „ Protei Münster. 5. „ terebratidoides K 1 i p s t e i n. 6. „ subdemissiis M ü n s t e r. Lima Bruguieres. 1, Lima subpunctata d 1 Orbigny. Liuiea Bronn. 1. Limea margine-plicata Klipstein sp. Hinnites D e f r a n c e. 1. Hinnites obliquus Münster sp. 2. „ grantdosus Klipstein sp. 3. „ denti-costatus K l i p s t e i n sp. Plicatola Lamarck. i . Plicatula solea Laube. i b Laube. Die Fauna der Schichten von St. Cassian. Ostrea Linne. Gryphaea L a in a r c k. ? 1. Gryphaea avicularis Münster. Po.si dou oin ja Bronn. 1. Posidonomya Wengensis Wissmann. Im Ganzen behandelt die Arbeit 32 Species Brachiopoden, wovon 10 neu und 70 Bivalven, unter denen sich 8 bisher unbe- kannt gewesene finden. v. Hoch s tctter. Bericht über ISachforsch. nach Pfahlbauten etc. 261 Bericht über Nachforschungen nach Pfahlbauten in den Seen von Kiimihen und Krain. Von Prof. Dr. Ferdinand v. Hochstetter. (Vorgelegt in der Sitzung vom 20. October 1864.) Auf Anregung des Präsidenten der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften A. Freiherrn v. Baumgar tner und in Folge Be- schlusses der mathematisch -naturwissenschaftlichen Classe, wurde mir (dd. 30. Juli 1864) der Auftrag zu Theil , „die Seen Kärn- thens und Krain s hinsichtlich des all fälligen Vorkom- mens von Pfahlbauten zu unter suchen. " Ich unterzog mich mit Freuden dieser Aufgabe, weil ich nach den kurz zuvor bekannt gewordenen günstigen Resultaten, welche ähnliche Untersuchungen der Herren E. Desor, Dr. Moriz Wagner und C. Th. v. Siebold in den bayerischen Seen gehabt hatten, kaum zweifeln konnte, dass auch in den österreichischen Alpenseen sich diese ältesten Spuren menschlicher Niederlassungen werden nachweisen lassen. Mitte August kam ich nach Klagenfurt und fand daselbst bei den Mitgliedern des naturwissenschaftlichen und historischen Vereines am Landesmuseum nicht bloss das lebendigste Interesse für meine Aufgabe, sondern auch die bereitwilligste und thatkräftigste Unter- stützung. Zu besonderem Danke in dieser Beziehung bin ich den Herren J. L. Canaval, A. R. v. Gallenstein, Dr. A. Hussa, Max Ritter v. Moro, Dir. Prettner und 3. Ullepitsch ver- pflichtet. Vor mir hatte schon Herr A. v. Morlot, 1863, auf einem Aus- fluge nach Kärnthen einigen der dortigen Seen — dem Gösseis- dorfer-, Wörther- und Faaker-See — zu gleichem Zwecke einen Besuch abgestattet; jedoch, wie mir Herr v. Morlot brieflich mit- theilte, ohne etwas zu finden. Dieses negative Resultat durfte, da Herr v. Morlot nur sehr kurze Zeit seinen Nachforschungen hatte £h £ v. Hochstett er. Bericht über Nachforschunuen widmen können, mir die Hoffnungen nicht benehmen. Zwar waren die Witterungsverhältnisse und die Jahreszeit äusserst ungünstig, da in Folge des ungewöhnlich nassen Sommers sämmtliehe Seen weit über ihrem gewöhnlichen Niveau standen; allein diese ungün- stigen Verhältnisse konnten die Untersuchungen doch nicht verei- teln oder gar zwecklos machen, da dieselben in keinem Falle den Charakter von definitiven Nachgrabungen, sondern nur von vorläu- figen Reeognoscirungen haben konnten, durch welche diejenigen Localitäten ausfindig gemacht werden sollten, an welchen sich das Vorhandensein von den Resten ehemaliger Pfahlbauten, wie in den schweizerischen Seen, vermuthen liess, um dann zu günstigerer Jahreszeit und mit allen nöthigen Mitteln ausgerüstet an diesen Localitäten wirkliche Nachgrabungen und Ausbaggerungen vorneh- men zu können. So wenigstens hatte ich meine Aufgabe aufgefasst, und mich demgemäss nur mit einer kleinen Baggerschaufel und einem Schleppnetz ausgerüstet. Überdiess versah ich mich noch mit einer SO Klafter langen Leine zu Tiefenmessungen, da mir bekannt war, dass solche Messungen für die Seen Kärnthens und Krains fehlen, mit einziger Ausnahme des Wörther-Sees, der von Herrn Prof. Simon y in früheren Jahren durchgemessen worden war *). Der folgende Bericht enthält nun, nachdem ich bereits in der Sitzung vom 20. October 1864 einen vorläufigen Bericht abgestattet habe, die speciellen Ergebnisse meiner Nachforschungen. Bei der Natur der Aufgabe ist ein entschieden negatives Resultat, wie es sich für die Mehrzahl der untersuchten Seen ergab, wohl auch ein Resultat. Dieses entschieden negative Resultat gilt für den Mi 11- stätter, A fritzer, Brenn und Weissen See in Karnthen, so wie für den Veldeser, Wocheiner und Zirknitzer See in Krain. An diesen Seen finden sich keine Spuren von Pfahlbauten und sind auch die Terrainverhältnisse der Art, dass sich nicht voraus- setzen lässt, dass solche jemals existirt haben. Dagegen geben be- sonders günstige Terrainverhältnisse und thatsächliche Spuren, wie altes Pfahlwerk, ausgebaggerte Topfscherben , Haselnüsse, Kohlen und Knochen in fünf Seen Kärnthens, nämlich im Wörther-, Keut- ') Ich werde das detailirte Resultat dieser Messungen, da es nicht in diesen Bericht gehört, in den Schriften unseres Alpenvereins mittheilen. nach Pfahlbauten in den Seen von Kaminen und Krain. 263 Schacher-, Rauschelen-, Ossiacher- und Läng-See wohlbegründete Berechtigung zu der Vermuthung, dass in diesen Seen an den im Bericht näher bezeichneten Punkten Pfahlbautenreste, ähnlich denen der Schweizer-Seen, existiren und durch geeignete Grabungen und Ausbaggerungen aufgedeckt werden können. Ich habe noch während meines Aufenthaltes in Kärnthen den Geschichtsverein zu Klagen- furt auf diese Punkte aufmerksam gemacht, und seiner thatkräftigen Intervention, sowie dem Eifer und dem praktischen Geschicke des Herrn J.Ullepit seh ist es zu verdanken, dass für einen der von mir bezeichneten Punkte, für eine Locaiität im Keutschacher See, bereits ein meine Vermuthung vollständig bestätigender bedeutungsvoller Bericht des Herrn Uliepitsc h vorliegt 1 ), welcher nun keinen Zweifel mehr übrig lässt, dass in Kärnthen wirkliche Pfahlbautenreste sich finden. Damit ist der Anfang gemacht und das Weitere wird folgen. Wenn später fortgesetzte Nachforschungen beweisen, dass ich mich an dem einen oder anderen Punkte getäuscht habe, so werde ich auch solche Nachweise im Interesse der Wahrheit will- kommen beissen. Meine Streifzüge auf den Seen nach Pfahlbauresten gaben mir Gelegenheit, auch andere eigenthümliche Vorkommnisse, gleichfalls Reste aus einer vergangenen, wenn auch jüngeren Zeitperiode zu beobachten — ich meine die Steinhügel im Wort her See und Ossiacher See und die zahlreichen Pfahlgruppen im Weissen See. Da diese Vorkommnisse, soviel ich weiss, nirgends erwähnt und beschrieben sind., und eine eigenthümliche Ähnlichkeit und Ana- logie mit wirklichen Pfahlbauvorkommnissen zeigen, zum Theil sogar dafür gehalten worden sind, so glaubte ich auch diese in meinen Bericht mitaufnehrnen zu dürfen. 1. Die Seen in Kärnthen. Das erste Object der Untersuchung bildete der Wörther See bei Klagenfurt, der grösste unter den Seen Kärnthens. Wenn irgendwo in Kärnthen Pfahlbauten existirt haben, so müssen sie sich in diesem See finden, dessen Lage und dessen Ufer für derartige Niederlassungen so günstige Verhältnisse zeigen, wie sie in keinem anderen See Kärnthens wieder verkommen. l ) In der Carinthia. 264 v. Hochstetter. Bericht über Nachforschungen Schon das grosse Torfmoor am östlichen Ende des Sees, bei dessen Ausfluss, verdient in dieser Beziehung eine Untersuchung bei günstiger trockener Jahreszeit, da in früheren Perioden der See sich in dieser Richtung über seichte Flüchen weit ausgedehnt zu haben scheint. Der See selbst ist lang und schmal und durch die weit vorspringende Halbinsel von Maria Wöith in ein westliches und ein östliches Becken getheilt. Nach Herrn Prof. Simony's Messun- gen beträgt die grösste Tiefe im östlichen Becken 37° 2', im west- lichen Becken 45°. Die Ufer bilden zahlreiche grössere und klei- nere Buchten mit mehr oder weniger ausgedehnten seichten Stellen. In der östlichen, Klagenflirt zunächst gelegenen Bucht des Sees, an den seichten Uferbänken zwischen Maiernig und Loretto beim Aus- fluss des Sees war nirgends eine Spur von alten Pfählen zu ent- decken. Die Pfähle bei Loretto rühren von einer Schwimmschule her, die Pfahlreihen jenseits Loretto aber, zwischen Loretto und der Schwimmschule, deren dick mit Schlamm bedeckte Köpfe man aus dem Seeboden hervorragen sieht, gehören offenbar zwei Dämmen an, welche eine alte Einfahrt vom See in den Klagenfurter Schiff- fahrtscanal bezeichnen, die aufgegeben und hinter Loretto verlegt wurde, wahrscheinlich, weil sie zu sehr dem Wellengang des Sees bei Westwinden ausgesetzt war. An der Reifnitzer Bucht beobachtete ich zum Erstenmale eigenthümliche Steinhaufen, welche auf dem Seeboden, gerade an der Gränze von seichtem und tiefem Wasser in 10 — 12 Fuss Tiefe angelegt sind und, wie die Fischer am See behaupteten, aus ur- alter Zeit herrühren, aber noch heute zu Fischereizwecken benütz werden. Ich werde auf diese Steinhaufen zurückkommen beim Ossiacher See, in welchem dieselben in der grössten Anzahl sich finden. Auch am nördlichen Seeufer bei Krumpendorf und Leinsdorf fand ich einige solche Steinhaufen von etwa 6' Wasser bedeckt und am Strand der kleinen Bucht bei Leinsdorf einen schwarzen Scher- ben von der Beschaffenheit, wie sie die ältesten thönernen Gefässe gewöhnlich zeigen. Im westlichen Becken des Wörther-Sees ist vor allem die Landspitze bei Pörtschach mit der vor derselben liegenden Schlangeninsel eine Localität, welche Beachtung und zu günstiger Zeit eine genaue Untersuchung verdient. An der östlichen Spitze der Landzunge sind bei ganz ruhigem Wasserspiegel in etwa zehn Fuss nach Pfhalbnuteii in den Seen von Kärnthen und Kraut. 205 Tiefe einige Pflöcke sichtbar. Der Seegrund zwischen der Land- spitze und der Schlangeninsel ist steinig, und die Schlangeninsel selbst von einer Beschaffenheit und von einem Umfang, welche die Möglichkeit einer künstlichen Bildung nicht ausschliessen. Allein sie war zur Zeit meines Besuches so seht* überschwemmt, dass ich eine Untersuchung ihres Bodens nicht vornehmen konnte. Eine zweite wichtige Localität ist bei Stossir's Hube un- weit Auen am südlichen Ufer des Sees, etwa eine Stunde östlich von Velden. Der See ist hier westlich vom Landungsplatze bis auf eine Entfernung von circa 200 Fuss vom Ufer seicht, und bis an die Gränze des tiefen Wassers mit Binsen bewachsen. Noch inner- halb der Binsenvegetation, aber ganz nahe ihrem äussersten Rande fand ich einen ovalen Steinhaufen von 14 Fuss Länge und 10 Fuss Breite, dessen höchster Theil 3 Fuss unter dem Wasserspiegel lag, und an der westlichen Seite dieses Steinhügels sieht man in 6 bis 8 Fuss Tiefe eine Gruppe ziemlich starker Pfähle stehen — ich zählte 8 Stück — welche 2 bis 3 Fuss hoch aus dem Seeboden her- vorragen und in keinem Falle modernen Datums sind. Indessen es gelang mir nicht, auf dem Steinhaufen oder zwischen den Pfäh- len irgend einen Gegenstand aufzufischen, der mir weitere Anhal- tungspunkte für die Vermuthung eines alten Pfahlbaues an dieser Stelle gegeben hätte. Weit günstiger waren in dieser Beziehung die Resultate meiner Nachforschungen in dem nahe gelegenen Keutsch acher See (Plaschischen See der General-Stabskarte, südlich vom Wörther- See), welchen ich am 29. August in Begleitung des Herrn Dr. A. Hussa aus Klagenfurt besuchte. Fast genau in der Mitte dieses circa */ 2 Stunde langen und y 4 Stunde breiten Sees befindet sich eine Untiefe, welche schon vom Ufer aus sichtbar ist, weil Binsen darauf wachsen. Diese Untiefe ist etwa 20 Klafter lang und 10 Klafter breit und bei ge- wöhnlichem Wasserstand von 4 — 6 Fuss Wasser bedeckt. Zur Zeit meines Besuches hatte sie 8 — 10 Fuss Wasser, aber auch bei diesem Wasserstand waren zahlreiche dickere und dünnere, mit Schlamm bedeckte Pfähle auf dem Grunde sichtbar, die zum Theil eine regel- mässige Anordnung in Reihen, bei einer Entfernung der einzelnen Pfähle von 2 bis 3 Fuss, erkennen Hessen. Auch Steinplatten be- merkte ich und namentlich 2 grössere liegende Stämme, die mir 266 v. Hochstetter. Bericht über Nachforsehungeo den Eindruck machten, als ob sie ausgehöhlt wären und von einem alten Kahne herrührten. Ich bemühte mich vergeblich, einen der Pfähle, die 1 bis 2, auch 3 Fuss aus dem Boden hervorragen, aus- zuziehen oder einen der Stämme aufzuheben, dagegen brachte mir das Schleppnetz, welches ich mehrmals zwischen den Pfählen durch- zog, bei jedem Zuge halbverkohlte Schalenstücke von Haselnüssen, Stücke schwachgebrannten Lehms, incrustiirte, an der Oberfläche fast steinhart gewordene Holzkohlen und zahlreiche Schalentrümmer von Anodonta. Diese Funde Hessen mich nicht mehr zweifeln, dass hier mitten im See einst Menschen gewohnt haben. Die Fischer am See hatten diess freilich längst gewusst; sie erzählten mir, als ich die Vermuthung von einer alten Niederlassung inmitten des Sees aussprach, dass dort einst ein Einsiedler gehaust habe. Das ist die Volkssage. Nur weitere Nachforschungen nach Gegenständen auf der Untiefe selbst konnten Anhaltspunkte für das Alter der Nie- derlassung geben. Diese Nachforschungen hat auf meine Veranlas- sung der kärnthnerische Geschichtsverein durch Herrn J. Uli e - pitsch, Mitglied des Museums-Ausschusses in Klagenfurt, schon am 17. und 18. September anstellen lassen und ich darf wohl aus dem interessanten Berichte des Herrn Ullepitsch da3 Folgende wörtlich hervorheben. Herr Ullepitsch sagt: „Ich untersuchte zuerst die Stelle, wo die Pfähle stehen, am nordwestlichen Theile der seichten Stelle. Hier machte ich nach- stehende Wahrnehmungen: Die Pfähle stecken sehr tief im Boden. Zwischen den Pfählen und in geringer Breite um die Pfähle ist der Boden steinig und fest, aussen herum weicher und schlammiger. Man sieht daraus sogleich, dass die Pfähle nicht in den Grund ein- gerammt, sondern dadurch befestigt wurden, dass man sie mit zuge- führten Steinen so weit verschüttete, bis sie feststanden. Die kahn- ähnlichen Stücke sah ich, allein auch deren Hebung misslang, und muss einem günstigeren Wasserstande aufgespart bleiben. Das stets bewegte und etwas getrübte Wasser Hess die Gegen- stände am Grunde nur sehr undeutlich erkennen, und waren kleine Gegenstände gar nicht zu sehen. Dennoch fiel mir zwischen den hineingestürzten Steinen einer auf, dessen Hebung mir auch gelang. Es ist dies eine Platte von Glimmerschiefer, bei drei Zoll dick, einen Fuss im Durchmesser und kreisförmig zugearbeitet. nach Pfahlbauten in den Seen von Kärnthen und Kram. £[)( Unterhalb ist selbe ganz roh, oberhalb aber etwas weniges concav geglättet, trügt auf dieser Seite häufige Spuren einer Behauung mit einem circa 8 Linien breiten Instrumente, und hat offenbar als Mahl- oder Reibstein gedient. Glücklicher war ich ausserhalb der Pfahle. Zuerst fiel mir der Umstand auf, dass das herausgebagger'e Material zum grössten Theil aus Anodonta- (selten Unio-) Schalen bestand. Selbe waren ganz weich und aufgelöst, ihre Menge aber erstaunlich gross. Wohl sind mir sehr viele Stellen bekannt, wo Anodonten äusserst zahlreich leben, allein wenn man da den Grund, in dem sie stecken, genau untersucht, wie spärlich findet man da Schalentrümmer in dem- selben? — Hier zeigt sich gerade das Gegentheil. — Die Ano- donte kömmt sehr sparsam auf dieser Stelle vor, die verwit- terten Schalen aber so massenhaft, dass es unmöglich anzu- nehmen ist, die einstigen Bewohner aller dieser Schalentrümmer hätten auf dieser beschränkten Stelle selbst gelebt. Der Boden ist stellenweise fast ein aus Anodontenschalen gebildeter Schiefer zu nennen, in dem sich aber seiner Consistenz halber keine Anodonta eingraben kann. Die Schalen mussten hierhergebracht worden sein; doch wie? — Rings um die Pfahlbaute tiefer See, und keine Strö- mung in selbem. Wohl können die leeren Gehäuse der hier auch häufigen Valvata im Wasser schwimmen, so lange Luft in den Schalenwindungen eingeschlossen ist, allein eine Anodontaschale sinkt sofort zu Boden, und nur Strömungen oder sehr heftiger Wel- lenschlag bewegen sie von der Stelle. Es ist diess also ein wahrer Muschelhaufen, wie man solche bei Pfahlbauten trifft, entstanden, indem dieMuschelthiere von den Bewohnern der Pfahlbaute verspeist und dann die leeren Schalen vor die Hütte in den See geworfen wurden. Überdiess war ich aber so glücklich, noch mehrere andere Gegenstände emporzuheben, und zwar: am zahlreichsten Stücke einer halbgebrannten Lehmmasse. Diese kommt in Stücken bis zu acht Kubikzoll vor, und ist sehr auffällig, sowohl wegen des Materials, als wegen der Form. Meist sind es dreiseitige Prismen, die von zwei Seiten den Abdruck von Rundhölzern, auf der dritten Seite aber eine Glättung deutlich zeigen. Allein auch auf den klein- sten Stückchen sieht man Eindrücke, die deutlich Holztextur zeigen und oflenbar stammen sie insgesammt von einem Lehmverputz, der zwischen Holzstäben und Ruthenflechtwerk angebracht war. Zur Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. LI. Bd. I. Abth. 18 Z 68 v. Hoch sielte r. Bericht über Nachforschungen gleichen Überzeugung führt aber auch eine genaue Betrachtung der Masse seihst. Diese ist nämlich nicht reiner Lehm, sondern ein Gemenge von solchem mit organischen Substanzen (Haaren, Gräser), wodurch die Haltbarkeit des Lehmes zu ähnlichen Zwecken bedeu- tend erhöht wird. Auch war eine solche Lehinbekleidung der ge- flochtenen Hüttenwand ein gutes und höchst einfaches Mittel, die Kälte von den Bewohnern abzuhalten. Diese Pfahlbaute muss durch Feuer zerstört worden sein, denn die beschriebenen Thonstücke sind nur von aussen halbgebrannt und fester als von Innen, auch sind die beigemengten Organismen in dem Aussentheile verkohlt, im Innern zum Theil noch wohl erhalten. Übrigens sind diese Stücke in so grosser Menge vorhanden, dass sie auf ein grosses oder mehrere kleine Gebäude schliessen lassen. Ferner fanden sich zahlreiche Kohlenstücke und halbver- brannte Holzstücke. Unter diesen sind einzelne dadurch sehr auf- fallend, dass sie aussen ganz mit einer feinen Mineralkiuste über- zogen erscheinen, nur unter dieser abfärben und die Struktur eines harten Laubholzes erkennen lassen. Was aber ihre Form anbe- langt, so ist dieselbe derart, dass man deutlich wahrnimmt, es seien diess nicht von einem grösseren Stück abgesprengte Theile, sondern verkohlte Theile irgend eines Geräthes. Nächst diesen fand ich zahlreiche Topfscherben, und zwar durchwegs nur schwarze, nicht einen einzigen rothgebrannten oder verglasten, auch keinen einzigen, den man nach Substanz oder Form der jetzigen Fabrikationsweise beirechnen könnte. Lauter dicke un- förmliche Waare, der man es deutlich ansieht, dass sie ohne wei- tere Werkzeuge, als die Hand, erzeugt wurden. Nur ein Stück ist dünner und mit eingedrückten Zierrathen versehen. Verglichen mit anderwärts gefundenen sind erstere der Steinzeit, letztere der Bronoezeit beizurechnen. Verglichen mit den im Glanthale J ) neben Broncewerkzeugen gefundenen Scherben, sind alle viel roher. Auffallen«! war noch ein Stein, etwas über 2 Zoll lang und etwas über 1 Zoll breit und dick. Es ist ein poröser Quarzsandstein, der ohne Zweifel als Wetzstein gedient hat, und aus weiter Ferne stammen dürfte, da in den nächsten Ländern über das Vorkommen eines solchen bimssteinähnlichen Gesteins nirgends etwas be- kannt ist. i) Ciirinthia 1864, IX. IM. png. 142. nach Pfahlbauten in den Seen von Karotten und Krain. «69 Ausserdem fand sich noch ein Stück von einem Hirschgeweih, und zwar ein dicker, gedrungener, wahrscheinlich Augensprosse, an dem ersichtlich, dass er vom Geweihe gewaltsam abgebrochen wurde. Alle besagten Gegenstände bis auf die Kohle waren vom Wasser ganz erweicht und bedurften einer sorgfältigen Trocknung, um ihre Festigkeit wieder zu erlangen. Obgleich ich für diesmal nicht so glücklich war, ein Stein- oder Broncebeil zu fimlen, so sind die vor- handenen Funde doch mehr als hinreichend, zu constatiien, dass auf besagter Stelle vor sehr geraumer Zeit Menschen durch lange Zeit gewohnt haben, über die uns weder Tradition noch Geschichte etwas zu erzählen weiss. Sehr wichtig ist aber der Umstand, dass auch nicht der allermindeste Gegenstand gefunden wurde, der darauf deuten könnte, es sei dort in neuerer Zeit eine wie immer geartete, wenn auch selten besuchte Aufenthaltsstätte gewesen, wodurch, so wie durch andere Umstände, das nach den ersten Untersuchungen plötzlich aufgetauchte Gerücht, es habe an jener Stelle im vorigen Jahrhundert oder noch später ein zum Vergnügen dienender Pavillon bestanden, sich blos als Erfindung des Bummelwitzes herausstellt." Östlich vom Keutschacher See zwischen Keutschach und Vik- tring liegt eine Reihe kleiner Seen mit sumpfigen Ufern; der mitt- lere dieser Seen heisst Raus che len See; er ist lang und schmal und an seiner Ostseite von einem Torfmoor begränzt, welches eine frühere weitere Ausdehnung des Sees in dieser Richtung andeutet. Ich erwähne diesen See besonders, weil ich in seiner westlichen Hälfte am nördlichen Ufer aus einer Tiefe von 8 Fuss die untere Hälfte eines alten Topfes auffischte , dessen schwarze mit Quarzsand vermengte ungebrannte oder wenigstens nur schwach gebrannte Masse völlig identisch ist mit der Masse der Scherben, welche zu- sammen mit schönen keltischen Broncegeräthen im Glanthale gefun- den wurden und im Klagenfurter Museum aufbewahrt sind. In un- mittelbarer Nähe fand ich auf dem Seeboden auch einen incrustirten, der Länge nach gespaltenen Rindsknochen, ohne jedoch weitere An- haltspunkte für das Vorhandensein von Alterthümern zu entdecken, da die Pflöcke und Pfähle *), welche man einzeln da und dort in der i) Herr U 1 I e p i t s c h hat hei einer nachfolgenden Durchforschung dieses Sees einen der Pfülile aus 9 r'uss Wassertiefe ausgezogen, und an demselben, wie er gl :nil>t , un- verkennbare Spuren von Bearbeitung durch ein scharfes breites Werkzeug, ohne Zweifel eine Eisenaxt, gefunden. 18* 4, i v. Hochstetter. Bericht über Naeliforschung-en Nähe des Ufers im Seeboden eingesehlagen sieht, jüngeren Datums zu sein scheinen. Beim Ausliehen des Abzugsgrabens durch das Torf- moor an der Ostseite des Sees soll man gleichfalls auf schwarze Scherben und Knochen gekommen sein, von welchen jedoch nichts aufbewahrt wurde und nichts mehr zu finden war. Ähnliche zweifelhafte Resultate wie am Rauschelen See hatten meine und Herrn Ullepitsch's Untersuchungen am Längsee bei St. Georgen. Bei unserem ersten Besuche am 28. August war kein geeignetes Fahrzeug auf dem See, um genauere Nachforschungen anzustellen. Auf dem morschen kleinen Kahn, den wir mit Mühe aus und unter dem Wasser hervorzogen, konnte man sich kaum einige Ruderschläge weit vom Ufer entfernen. Trotzdem wurde mit Hilfe eines alten Fischers sichergestellt, dass nahe dem sumpfigen östlichen Ufer des Sees an drei Stellen in 6 — 8 Fuss Tiefe zahlreiche Pfähle sich befinden, deren Existenz wohl seit lange bekannt war, von deren Ursprung jedoch Niemand etwas wusste. Der alte Fischer glaubte, die Pfähle seien von seinen Vorgängern eingeschlagen worden, zur Zeit, als in St. Georgen ein Kloster bestand und die Klosterfrauen viele Fische brauchten; dieselben haben dazu gedient, einen Schirm für Fischereizwecke zu bilden. Nur die mittlere Gruppe von Pfäh- len habe ich gesehen, sie ragen etwa 3 Fuss aus dem Schlamm her- vor, sind einen halben Fuss dick und stehen häufig zu zweien bei- sammen. Bei einem zweiten Besuch des Sees am 2. October konnte Herr Ul lepitsch das vortreffliche Boot des Herrn Grafen Gustav v. Egger benützen, welches inzwischen auf den See geschafft worden war, und die Pfahlgruppen besichtigen. Die südlichste Gruppe erschien ihm als die neueste und es dünkte ihm sehr wahr- scheinlich, dass die Pfähle von einer ehemaligen Badehütte herrühren. Zwischen der mittleren Pfahlgruppe wurde mittelst Baggern zunächst ein durchlöchertes Brett gefunden, das offenbar von einem Fischbe- hälter herrührte, dann mehrere Kohlenstückchen; in einer Tiefe von 2 Fuss fand sich ein schwarzer Topfscherben und in der Tiefe von 3 Fuss zwei Kirschkerne. „Der Abend brach heran, " berichtet Herr Ullepitsch , „und die Zweifel über das Alter der sehr festen Pfähle waren so ziemlich begründet." Die dritte Pfahlgruppe, wo die Pfähle nur einen Fuss über den Seeboden hervorragen, konnte nicht mehr untersucht werden. nach Pfalilbauresten in ilen Seen von Kärnthen und Kiaiu. & i 1 Wie beim Rauschelen See, deutet auch hier ein Torfmoor am Stielende des Sees eine frühere grössere Ausdehnung des Sees in dieser Richtung an. Der Torfstich in diesem Torfmoor besteht seit 18 Jahren und wiederholt wurden hier, wie uns versichert wurde, unter dem Torf schwarze Scherben und Knochen gefunden, jedoch nichts davon aufbewahrt. Am 1. September besuchte ich in Gesellschaft von Herrn Cana- val den S tr aussnig See und die benachbarten Torfmoore. Den See fanden wir fast ganz abgelaufen (früher war er 150 Joch gross, jetzt hatte er nur 36 Joch) und der Grund war wegen Sumpf und Morast gänzlich unzugänglich. Indessen ist von dieser Localität ein Fund zu erwähnen, welcher schon im Jahre 1855 gemacht wurde und zwar bei Tigring am südöstlichen Ende des Sees in einem kleinen Moos, unweit vom „Radarhoisl." Beim Ausheben eines Abzugsgrabens kam man hier 3 Fuss tief im Moos auf einen ausgehöhlten Baumstamm (einen Tannenstamm) von 3 Klafter Länge, an beiden Enden gerade abgeschnitten, so dass er nicht als Kahn, sondern als Trog gedient zu haben scheint; der Trog wurde nach dem Tigringer Schloss ge- bracht, ist aber dort nicht mehr vorhanden; neben dem Trog fand sich ein kleiner pferdeähnlicher Schädel, welcher an die geologische Reichsanstalt eingeschickt wurde. Ebenso wurden in den Torfsteche- reien des Radvveger Mooses 1855 Geweihe von Cervus elaphus und Horu und verschiedene Knochen von Bos primig enius (so wenigstens lautet die Bestimmung im Klagenfurier Museum) gefunden, jedoch nichts von Werkzeugen oder anderen Gegenständen, welche diesen Funden eine Bedeutung für die Alterthumswissenschaft verleihen würden. Trotzdem darf man es nicht absprechen, dass diese Moose noch manches Interessante bergen können, und es ist sehr anerken- nenswerth, dass die Besitzer der Torfstechereien ihre Arbeiter auf etwaige Funde besonders aufmerksam gemacht haben. Der Ossi acher See, der zweite unter den grösseren Seen Känithens, ist wie der Wörther See aus 2 Becken gebildet, welche durch die vorspringenden Landecken hei Ossiach einerseits, und St. Urban andererseits von einander getrennt sind. Das obere oder Feldkirchener Becken ist das kleinere und seichtere, die tiefste Stelle hat 8y a . Die grösste Tiefe des unteren Sees beim sogenannten „Lenzbauer Kessel" beträgt 25 Klafter. Ein sehr ausgedehntes Torfmoor, das „Bleistatt-Moos" (verdorben wahrscheinlich aus 272 v. Hochstetter. Bericht über Nachforschungen Bleichstätte, weil hier viel Flachs gebleicht wurde) zieht sich vom oberen Ende des Sees bis gegen Feldkirchen. Die Buchscheidener Eisengewerkschaft, welche Torfstechereien auf dem Moos betreibt, hat einen 500 Klafter langen und 10 Fuss tiefen Graben durch das Moos gezogen, ohne jedoch den Grund desselben zu erreichen. Nach von mir eingezogenen Erkundigungen wurde auch nie etwas Bemer- kenswerthes in diesem Torfmoor gefunden. Die erste bemerkenswerthe Stelle im See selbst traf ich unmit- telbar vor Ossiach am Landungsplatz der Überfuhr beim Seewirthshaus. Gerade ausserhalb des Schilfes, welcber das seichte Ufer umsäumt, in 8 bis 10 Fuss Tiefe, bemerkt man auf dem See- boden zu beiden Seiten der Landungsstelle Gruppen von alten , un- gefähr 6 Zoll dicken Pfählen, welche 1 bis 2, einige auch 3 Fuss hoch aus dem Schlammgrund hervorragen. Ich zählte gegen 20 sol- cher Pfahle, viele mögen unter dem Schlamm und unter dem Wur- zelwerk der Sumpfvegetation versteckt sein, und andere, welche gerade auf der Linie der Zufahrt zum Landungsplatz sielt befanden, wurden, wie man mir sagte, 1856 zur Winterszeit mit Winden aus- gezogen, weil sie den schweren, mit Scbienen beladenen Schiffen, die damals den See befuhren und 5 Fuss tief gingen, im Wege standen. Die Anwohner am See behaupten, die Pfähle rühren von einem Pavillon her, welchen sich die Mönche im Kloster zu Ossiach in den See gebaut hatten, „um darin ihre Jausen zu nehmen." Allein Niemand hat diesen Pavillon gesehen und jedenfalls darf man sich durch solche Erzählungen nicht irre machen lassen. Diese Localität verdient eine nähere Untersuchung durch Baggern. In unmittelbarer Nähe der Pfahlgruppen bei Ossiach trifft man auch wieder die Fischersteinhaufen wie im Wörther -See. Ich glaube diesen eigen- tümlichen künstlich aufgeworfenen Steinhügeln am Wörther- und Ossiacher See wohl einige Zeilen widmen zu dürfen , da dieselben nirgends erwähnt sind und auch den Zoologen in Klagenfurt, eine gänzlich unbekannte Sache waren; zudem stammen sie Wahrschein- lich aus uralter Zeit. In ganz erstaunlicher Anzahl beobachtete ich die Steinhügel i m unteren Becken des Ossiacher-Sees. Auf der Schattenseite, d. h. längs des im Allgemeinen ziemlich flach abfallenden südlichen Ufers des Sees, zwischen demAusfluss bei St. Andre und Ossiach zählte ich 29 Steinhügel im See und mag dabei noch manche übersehen haben. nach Pfahlhauresteii in den Seen von Kärnthen und Krain. 4, i »> Weniger häufig sind sie an der Sonnseite, da hier das Ufer meist steil abfällt; wo jedoch, wie am Meerspit? bei St. Urban, seichte Schlammbänke sich in den See erstrecken, da fehlen sie auch an der Sonnseite nicht. Sie liegen stets an der äussersten Gränze zwi- schen seichtem und tiefem Grund auf der Tiefenzone von 10 bis 12 Fuss. Innerhalb der Steinhaufen sieht man den Grund, ausserhalb der Steinhaufen nicht mehr. Ihr Durchmesser beträgt 15 — 20 Fuss und ihre Höhe circa 6 Fuss, so dass sie gewöhnlich noch von 4 bis 6 Fuss Wasser bedeckt sind. Sie bestehen aus Geschieben, Gerol- len und Gesteinsstücken von verschiedener Grösse, wie sie sich in der nächsten Umgegend finden. Diese Steinhügel sind eine dem Wörther- und Ossiacher-See ganz eigentümliche Erscheinung. Sie fanden sich an keinem der übrigen Seen Kärnthcns oder Krains wieder und sind ebenso wenig an den Seen Ober-Österreichs be- kannt. Sie sind nicht modernen Datums, sondern stammen, wie mich die Fischer an beiden Seen versicherten, aus alter Zeit, da schon ihre Väter und Grossväter diese Haufen nur benützt, aber nicht ange- legt haben. Ich bin geneigt, die Anlage dieser Steinhügel zu Fischereizwecken schon den frühesten Anwohnern dieser Seen zuzu- schreiben. Ja vielleicht darf man die Stein hügel der Kärnthner-Seen als ein Analogon der freilich viel grösseren künstlichen „Steinberge" in den bayerischen Seen (im Starnberger See, wo die Roseninsel durch einen „Steinberg" gebildet zu sein scheint *), und in schwei- zerischen Seen (im Neuenburger- und namentlich im Bieler-See der Steinberg von Nidau bei Biel) betrachten. „Die Steinberge," sagt v. Siebold, „wurden von den alten Seebewohnern offenbar zu dem Zwecke errichtet, um ihren Wasserdörfern einen trockenen Boden oder den eingeschlagenen Pfählen eine festere Grundlage zu geben." Die Steinhügel in den kärnthnerischen Seen dienten und dienen heute noch ausschliesslich zu Fischereizwecken. Sie locken die Fische an, die gerne darüber hinstreichen und an den Steinen „sich reiben." Dabei werden sie dann in geflochtenen Fischkörben, soge- nannten „Reuschen", die an einer neben dem Steinhügel eingeschla- genen Stange befestigt sind, gefangen. Man sieht desshalb, im Ossiacher See wenigstens, jeden Stein- haufen durch eine über das Wasser hervorragende dünne Stange i) v. Siebold in den SiUunysli. der Müncheuef ,U;nl. 1» Dee. I8(i4. 274 v. 'Hochstetter. Bericht iüier Nachforschungen bezeichnet, und die Fischer am Ossiacher See sagten mir auch, dass sie zur Winterzeit, wenn der See gefroren, bisweilen neue Steine zuführen, und durch ein Loch im Eis auf die Haufm werfen, weil frische, noch nicht mit Schlamm bedeckte Steine die Fische mehr anlocken. Jedenfalls verdienen diese Steinhügel noch eine genauere Untersuchung. Das untere Seebecken zeigt nur noch an zwei Punkten ein für Pfahlhauten günstiges Terrain, d. i. bei Heiligenstadt, wo eine unter- seeische Terrasse, die nicht über 2 Klafter tief, der Ort ist, wohin die Volkssage eine versunkene Stadt verlegt und beim sogenannten „Spitzokelspitz", unweit dem Ausfluss des Sees. Allein an beiden Punkten war keine Spur einer ehemaligen Niederlassung aufzufinden. Der Afritzer See und der Brenn See sind kleine, hoch- gelegene Gebirgsseen mit steilen Ufern, an welchen schon im Voraus nichts zu erwarten war. Eben so wenig Hess sich an dem grossen Mill stätter See irgend eine Spur von Pfahlbauten auflinden. Die Ufer dieses Sees sind seiner ganzen Länge nach so schroff und steil, dass selbst Schilf und Rohr kaum eine Stelle zum Wachsen finden. Dieser Configuration der Ufer entspricht auch die Tiefe des Sees; denn ich fand nirgends, ausser in unmittelbarer Nähe der Ufer, mit 50° — so weit reichte meine Leine — Grund, so dass dieser See jedenfalls der tiefste aller Kärnthner Seen ist. Dagegen waren meine Erwartungen gespannt auf den Weissen See, um so mehr als die Draupost vom 25. August eine Notiz über die Entdeckung von Pfahlbauten in diesem See gebracht hatte. Statt der erwarteten alten Pfahlbauten fand ich dagegen nur modernes Pfahlwerk, das indess wegen seiner Eigenthümüchkeit in diesem Bericht wohl eine kurze Erwähnung verdient. Der obere Theil des Weissen Sees ist ein kleines, schmales und seichtes Hecken (grösste Tiefe 2° 4'). Die Brücke bei Techendorf, welche über die schmälste Stelle des Sees führt, trennt den oberen See von dem fast 3 Stun- den langen an seiner tiefsten Stelle, nach meiner Messung, 51 l / a tie- fen unteren See. Die Ufer sind zumal in der östlichen Hälfte des Sees steil, zum Theil von schroffen Felswänden gebildet. Nichts- destoweniger kann man fast rings um eine, mit dickem, weissem Schlamm belegte Terrasse verfolgen, die, bald breiter, bald schmä- ler, oft nur 2« breit, oft 20 — 40° breit, vom Uferrand flach in den See verlauft bis zu einer Tiefe von 12—16 Puss, und dann steil zu nach Pfahlbauresten in den Seen \on Kärnthen und Krain. itiO grösserer Tiefe abfällt. Es ist bemerkenswert!«, dass die grösste Tiefe dieser Terrasse auch mit der grössten Tiefe des oberen Seebeckens übereinstimmt. Nach der Aussage der Anwohner des Sees stand der See in ganz alten Zeiten niedriger, so dass das obere Becken trocken war. Dann würde der Rand der Terrasse das alte Ufer des früheren Sees bezeichnen. Genug, den äusseren Rand dieser unterseeischen Terrasse sehen wir jetzt, sowohl längs der Sonnenseite, als auch längs der Schattenseite, mit zahlreichen Gruppen von dünnen Pfäh- len besetzt. Diese Pfahlgruppen beginnen schon gleich «interhalb der Brücke; sie fehlen nur da, wo die Felsen senkrecht in den See abfallen, und stehen am unteren Ende des Sees besonders dicht ge- drängt in einer Entfernung von nur 6 — 8 Fuss von einander, wäh- rend sie sonst 40 — SO' weit auseinander stehen. Die einzelnen Pfähle oder Stangen sind höchstens 2 — 4 Zoll stark; sie erscheinen nur viel stärker, weil sie dick mit Schlamm bedeckt sind. In den einzelnen Gruppen stehen 20 bis 60 solcher Pfähle ganz dicht bei einander, büschelförmig, als ob man sie alle an einem und demselben Punkt hätte einschlagen wollen. Solcher Pfähle stehen im Weissen See gegen 8000. Die einzelnen Gruppen gaben sich schon von der Entfer- nung als dunkle Flecke auf der Gräuze des weissen u;id blauen, d. i. des seichten und tiefen Wassers zu erkennen. Sie erreichen nirgends die Wasseroberfläche, sondern reichen alle ganz gleich- massig bis zu 2 oder 3 Fuss unter die Oberfläche, so dass man mit dem Kahn ungehindert darüber wegfahren kann. Diese für den ersten Augenblick auffallende Erscheinung, dass die Pfähle alle in gleichem Niveau wie abgeschnitten sind, erklärt sich einfach aus der Eisbil- dung im Winter, welche gerade so tief reicht. Das obere in das Eis eingefrorene Ende der Pfähle, die ui'sprünglich alle über das Wasser hervorragten, wurde jedesmal beim Eisgang ab-ebiochen, und aus dieser Thatsache erklärt es sich wohl auch, warum an einer und der- selben Stelle so viele Pfähle gruppenweise beisammen stehen. Die einzelnen, in einer bestimmten Dis anz von einander eingeschlagenen und über das Wasser hervorragenden Pfähle dienten, wie mir die Fischer am See erklärten, in früheren Zeiten dazu, um Netze zwi- schen denselben auszuspannen. Zugleich bezeichneten die einzelnen Pfähle die Grunzen (man nannte das Brunnen) innerhalb welcher 2 f 6 v. Hochstetter. Berieht über Nachforschungen jeder Hubmann zu fischen berechtigt war *)• Das Seegebiet war nämlich unter die einzelnen „Hubleute" vertheilt. Wenn nun das Eis im Winter das obere Ende der Pflöcke wegnahm, so mussten slatt der beschädigten Pfähle neue eingeschlagen weiden und wo möglich genau an der Stelle der alten, um dieselben Gränzen zu markiren. Daher das Beisammenstehen so vieler Pfähle in einer Gruppe eng bei einander. Übrigens lassen sich neuere und ältere Pfahlgruppen unter- scheiden. Die älteren sind tief hinab abgefault und ragen kaum 2 bis 3 Fuss über den Boden hervor, während die jüngeren 8 bis 10 Fuss hoch sind. Die älteren stecken vielleicht schon länger als ein halbes Jahrtausend im See, während die jüngeren wohl dem 16. und 17. Jahrhundert angehören. Vom Jahre 1634 stammt die „Statut-Ordnung und Satzung für Weissen-See," in welcher von den „Stöcken" oder Pfählen ausdrücklich die Rede ist. „Zum Achten" heisst es nämlich: „sollen die langen Zug in den Brunnen Winter und Sommer verpotten sein, allein wess jed- ) icher brunn ist, mag ein jedlicher brauchen und fischen, wie ihm verlust und verlangt, auch in die brünn nit zu treiben, noch kein Sog (Sacknetz) darin nit zu verletzen und die Stöcken zu schlagen, wie von Alter herkommen ist." Damals war der Fischfang auf Goldforellen und Lachsforellen, welcher heutzutage beinahe ganz aufgehört hat, äusserst ergiebig, und aus dieser Zeit stammen die 8000 Pfähle des Weissen Sees, welche der Einsender der Notiz in die Draupost für Pfahlbauten hielt. 2. Die Seen in Krain. In Krain erstreckten sich meine Nachforschungen auf drei Seen: den Veldeser, Wocheiner und Zirknitzer See; aber in keinem dieser drei Seen konnten auch nur die geringsten Spuren von ehemaligen Pfahlbauten entdeckt werden. Die Ufer des kleinen, nur 256 Joch umfassenden Veldeser Sees zeigen an keiner Stelle ein für Pfahlbauniederlassungen gün- i) Beim Bürgermeister /." (lotsohach am Weissen See nahm ich Einsicht von einer „Statut-Ordnung und Satzung für Weissen-See vom 26. April li;;4," welche unter anderem auch die Gesetze für die damals äusserst ergiebige und daher sein- lebhaft betriebene Forellenfischerei enthält. nach Pfalilbnuresten in den Seen von Käi-'ntlien und Krain. *7 7 stiges Terrain, da sie ringsum ziemlieh steil fibfallen, so dass man schon in 2 bis 3 Klafter Entfernung vom Uferrand eine ebenso grosse Wassertiefe hat. Der See, der früher vollkommen klares Wasser ge- habt haben soll, war übrigens so trübe, dass man nur 3 bis 4 Fuss tief sehen konnte. Die giösste Tiefe fand ich im südvvestlichenTheile zwischen der Insel und der Skalka (Saka) genannten Bucht mit 1Gi/ 2 Klaftern, im nordöstlichen Theile erreicht derSee nur eine Tiefe von 13!/a Klaftern. Einige Stämme, welche an der Westseile bei der sogenannten Skalka etwa 1 Klafter vom Ufer entfernt im Gerolle des Seebodens halb eingebettet liegen, rühren offenbar von Bäumen her, die von dem einst bewaldeten Ufer in den See gefallen sind. So viel Anziehungskraft die lieblichen Ufer des fisch- und muschelreichen Sees i) schon in den frühesten Zeiten für Ansiedlungen gehabt haben mögen, so liegt doch die Vermuthung nahe, dass den ersten Ansiedlern die reizende Felsinsel im See die beste Zufluchtsstätte geboten habe. Noch weniger lässt sich denken, dass in dem abgelegenen, zwi- schen schroffen Kalkgebirgen tief eingesenkten Wocheiner See jemals Pfahlbauniederlassungen sich befunden haben. Dieser See ist nach der Terminologie der Schweizer Geologen ein ausgezeich- neter Comb en See, rings von schroff abstürzendem Kalkgebirge umgeben, die Ufer sind entweder von den Kalkfelswänden selbst, oder von den an deren Fuss angelagerten steilen Schutthalden ge- bildet, und nur am obern Ende beim Einfluss der Savitza und am untern östlichen Ende vor der Landspitze, welche die beiden östlichen Buchten des Sees trennt, ziehen sich seichte Schotterbanke weiter in den See hinein. Von der unergriindeten Tiefe dieses Sees mit kiystallkliirem Wasser wurde viel gefabelt. Die grösste Tiefe fand ich mit 24 Klaftern in der östlichen Hälfte, der Kirche vom heiligen Geist gegenüber, etwas nördlich von der Mittellinie. Nach Untersuchung des Wocheiner Sees blieb noch der Zirk- nitzer See übrig. Da dieser See kein constantes Wasserbecken darstellt, sondern nur in nassen Jahren oder nach heftigem Begen durch Überschwemmung flacher Thalgründe, die durch unterirdische Wasserabzüge nur langsam und unvollständig entwä-,sert werden, i) Anodonta röstrata erreicht in diesem See eine riesige Grösse von 3 3 / 4 Zoll Lunge und 3 Zoll Breite. £ t O v. Höchste tter. Bericht über Nachforschungen sich bildet, so musste wohl eine besondere Veranlassung gegeben sein, um an diesem See nach Pfahlbauten zu suchen. Diese Veran- lassung aber war gegeben, und zwar durch eine Notiz über „muth- ma ss liehe Pfahlbauten im Zirknitzer See" von dem Herrn Dechant Hitzinger in Nr. 27 der „Blätter aus Kram* vom 9. Juli 1864, eine Notiz, auf welche mich Herr Reichsrath K. Deschmann in Laibach aufmerksam gemacht hatte. Herr Hitzi nger basirte seine Vermuthung auf eine Bemerkung des alten krainerischen Chronisten Valvasor (1689), der in der „Ehre des Herzogthums Kram" (Band I, pag. 636) von einer „alten Brücken" spi\cht J ), die in der südöstlichen Bucht des Sees zwischen dem Velki und Mali Oberh einst über den See geführt habe, und d. ren „überbliebene Stem- pel und Pfähle" er gesehen zu haben angibt, und auf der seinem Werke beigegebenen Karte des Sees auch abbildet. Herr Hitzin- ger war der Ansicht, dass eine Brücke an jener Steile nicht noth- wendig gewesen und die Stämpeln und Pfähle vielleicht Reste von Pfahlbauten seien. Eine Untersuchung an Ort und Stelle war dess- halb angezeigt. Herr Deschmann war so freundlich, mich nach dem Zirknitzer See zu begleiten und hat mir durch seine Sprach- keitniniss die wesentlichstet) Dienste geleistet. Der Zeitpunkt zu Forschungen im Seeboden war keineswegs günstig; denn der See war in diesem Jahre gar nicht abgeflossen, und die heftigen Begengüsse um die Mitte Septembers hatten noch ein Steigen desselben um beiläufig drei Fuss über das gewöhnliche Niveau verursacht. Wir musstcn also den See befahren, auf einem der primitiven Kähne, die mich völlig an die Kanoes der Eingebornen von Neuseeland erinnerten, mit welchen sie die meiste Ähnlichkeit haben. Da Herr Deschmann in den Mittheilungen des histori- schen Vereines für Kr ain (October und November 1864) die *) Die Stelle bei Valvasor lautet: „Allhir seynd auch noch keine Gruben, noch Löcher, und dennoch stattliche Fische. Es wird auch dieser Ort niemals recht trucken, sondern behält in der Mitten allezeit Wasser-, Die Bauern hieselbst dürfen sicher fischen bis zu der allen Brücken, welche in dem grossen Kupier angezeigt wird. Wiewohl heutigen Tags keine Brücke mehr allda vorhanden, sondern nur einige überbliebene Stempel und Pfahle, welche /.ei- gen, duss vormals daselbst eine Brücken über den See gegangen. Weiter aber als bis au dieses Wahrzeichen der ruiniilen Brücken müssen sie ihren Fischfang nicht strecken." nach Pfahlbauresten in den Senn von Kärnthen und Krain. C i a Resultate unserer Fahrt bereits publicirt hat, so möge mir erlaubt sein, zur Vervollständigung dieses Berichtes mich auf diese Mitthei- lung - zu beziehen. Nach der Valvasor'schen Zeichnung — die, nebenbei bemerkt, bezüglich des oberen See-Endes als gänzlich verunglückt bezeichnet werden muss — v^ar die „alte Brücken" an der Einbuchtung des Sees zwischen Oberseedorf und Laase zu suchen. Sie halte, falls jene Zeichnung richtig wäre, eine Länge von mehreren hundert Klaftern gehabt und musste bei dem Urnstande, als sie über einen Theil des Seebodens geführt hätte, der zuerst trocken wird, ihrem Zwecke nach sehr problematisch erscheinen. Kundige Männer jener Gegend, an die wir uns um Aufklärung wandten, wussfen über eine Brücke, die einst in solcher Ausdehnung bestanden haben soll, kei- nen Aufscbluss zu geben. Glücklicherweise war v. S t ei nb erg's, im Jahre 1758 er- schienene „Gründliche Nachricht von dem Zirknitzer See" zur Hand, in der die Stelle genau bezeichnet wird, wo jene Brücke zu suchen ist, nämlich in der Nähe von Malinoschik (Malensek), wo vor Zeiten eine Mühle gestanden und eine Brücke geschlagen gewesen *). Der daselbst vorgenommene Augenschein, wobei uns die genaue Ortskenntniss des gewesenen Bürgermeisters von Unter-Seedorf, Gregor Kabe, zur Seite stand, und die Aussagen mehrerer Be- i) Die bezüglichen Stelleu bei Stein berg lauten. Seite 15i: „Dass aber an solchen, mit Wasser, ehemals bedeckten Oertern nutzbars Land muss gewesen seyn, davon giebt Zeugniiss die bei dem Ober - See gestandene Mühle Malinoschik, welcher Nähme noch heut zu Tage beybehalten wird. Inglei- chen, dass an vielen Orten des Sees und zwar auf dem Seebodeu, annoch mit Moos überwachsene grosse Eichbäume anzutreffen sind, deren ich selbst etliche ausgraben und zu der Tischler-Arbeit nach Hause führen lassen, woraus abzu- nehmen: dass sich viel trockenes Land allda gefunden hat; wie denn auch eine Brücke über den Strom bei dein Ober-See ist geschlagen gewesen, solches zeiget noch der Augenschein. Es hat aber durch die Länge der Zeit, in vielen Jahren der lockere Seeboden, an unterschiedlichen Orten, durch Herahstürzung der Felsen und Stein-Klippen und den dazwischen gesetzten Schlamm, Moos und Rohr, sich ganz versetzt und also das Wasser auszutrocknen und sich zurückzuhalten be- uiüssiget." Ferner Seite 222—223 = „Ich gieng darauf meinen Weg weiter fort und kam an den Ober-See, zu Ende Tressenz, Laski Studenz, Palter und Zemiin, welche ich alle auch im vorigen guten Stande, nebst dem Malschnig bemerkte, bei welcher letzteren vor Zeiten eine Mühle gestunden und eine Brücke geschlagen gewesen. Auch befanden sich 2 (SO v. II o c h s t e 1 1 e r. Bericht über Nachforschungen wohner von Ober-Seedorf führten zu folgenden, uns jede Hoffnung auf Pfahlbauten benehmenden Resultaten: 1. Die von Steinberg erwähnte Müble Malensek, von der sieh jetzt keine Spur mehr vorfindet, stand einst im Seeboden und zwar bei Ober-Seedorf in dem Rinnsale, durch welches sich die Ge- wässer des Loski velki oberh (grosser Wasserausbruch) in den See ergiessen. 2. Von der daselbst bestandenen „alten Brücken," welcher Valvasor eine so übermässige Ausdehnung gegeben, hat sieh bis auf den Namen einer Wiesenparzelle daselbst, die Zamostniea, d. h. bei der Brücke, heisst, gar keine Spur mehr erhalten. 3. Bei dem aussergewöhnlichhohen Wasserstand zur Zeil unseres Besuches war zwar der ganze Seeboden in gedachter Gegend 2 bis 3 Schuh tief unter Wasser, allein bei gewöhnlichem Wasserstand hat nur das Rinnsal Wasser. Jene Brücke war daher nicht zwecklos, da sie dazu diente, um das auf den trocken gelegenen Theilen des Sees gemähete Heu über das noch mit Wasser angefüllte Rinnsal des Velki oberh nach Ober-Seedorf heimzubringen. Da die Apathie der Seeanwohner jene Brücke dem Verfalle preisgab, so müssen sich nun die Ochsen mit den Heuwägen durch den Schlamm und das Wasser des Rinnsales durcharbeiten, so gut es geht. Das Endresultat ist also, dass die schon von Valvasor gegebene Erklärung: „dass vormals daselbst eine Brücken über den See gegangen" die richtige ist. 3. Der Laibacher Morast. Wiewohl nach dem bisher Mitgetheilten in den Seen Krains keine einzige Spur von Pfahlbauten nachgewiesen werden konnte, in diesen) See, an verschiedenen Orten, unter dein Moos ganze Eichbäume, welche viele Jahre darin vergraben gelegen, davon ich zur Tischler-Arbeit , für meinen Schreiner, annoch im Jahre 1715, das Beste ausgraben, abhauen und in mein Haus füll en lassen. Ks ist danneuber leicht zu mulhmassen: dass sich dieser See nicht zu allen Zeiten so sehr ergossen hahe und so lange, wie nachher, stehen gehlie- ben, weil vormals Mulden daran gestanden, auch solches die Merkmale von ver- senkten Stücken Eichhäuiner es bezeigen, auch müssen ganze Wälder da- selbst gestanden seilt: weil C/.irknitz, Niederdorf und Seedorf einen gewissen Thcil ihrer Grundstücke mit bezeichneten Marksteinen an dem See haben, woselbst man noch die Merkmale siebet, dass Hol/ darauf gestanden ist." nach Pfahlbauresten in den Seen von Kärnthen und Krain. 281 so ist doch der Buden Krains nicht ohne alle solche Spuren. Celtische Alterthümer sind im Lande an vielen Punkten gefunden worden und das Laibacher Museum besitzt mancherlei Gerätschaften aus Bronce von derselben Gestillt und Compositum, wie sie die Funde bei Hall- statt geliefert haben. Allein vor allen anderen Localitäten verdient die vollste Beach- tung der Alterthumsfieunde der Laibacher Morast. Dass dieser ausgedehnte und sehr tiefe Morast in früheren Zei- ten ein Seebecken war und erst nach und nach durch Schlamm- und Schotterablagerungen in demselben, sowie durch Torfbildung in Moorgrund umgewandelt wurde, darf als eine unzweifelhafte That- sache betfachtet werden. Nach heftigen Regengüssen, wie gerade zur Zeit meiner Anwesenheit in Laibach, bietet dieser Morast noch heute in Folge von Überschwemmung den Anblick eines Sees, aus dem nur einzelne höher gelegene Inseln und der ihn durchschnei- dende Eisenbahndamm hervorragen. Es liegt nun die Vermnthung nahe, dass in diesem grossen Binnensee früherer Jahrhunderte, des- sen flach abfallende seichte Ufer ein besonders günstiges Terrain geboten haben mögen, Seeniederlassungen der Urbewohner sich be- funden haben iniigen. Diese Vermuthungen werden bestärkt durch verschiedene Funde, welche im Morast zufällig gemacht wurden. Auch darüber hat Herr Deschmann sehr interessante Mittheilungen gemacht. Das krainische Landesmiiseum besitzt drei Stücke aus bear- beitetem Hirschhorn, jedes 6 Zoll lang, und mit einem runden Loche oberhalb der Krone versehen, die als Handhaben für Steinäxte und Steinhämmer gedeutet werden können. Sie wurden vor etwa sieben Jahren bei Aushebung eines Grabens im Hochmoore in der Nähe von Moosthal von Herrn Gurnig. damaligem Leiter des ärarischen Torf- ziegel-Etablissements 9 Fuss unter der Torfschichte auf dem Letten- grunde gefunden. Nicht weit davon durchschnitt man den Vorder- theil eines Kahnes von der Form der in den oberösterreichischen Seen gebräuchlichen „Einbäuniler" ; der grössere Hintertheil des Kahnes steckt noch im Torfe, auf den Lettenschichten aufsitzend '). Bei Pianirung des Terrains wurden unter dem jüngeren Torfe auf älteren Torfschichten regelmässige Lagen von Lein gefunden, !) Siehe /.weites Heft des Veieins des krainischen Landesmuseums. S. 66. 282 v. Hoohstptter. Bericht über Nachforschungen etc. als wären dieselben erst vor kurzem daselbst zum Rösten ausge- breitet worden. Das Landesmuseum besitzt ferner einen vor mehreren Jahren von Herrn Prof. Petruzzi auf dem Laibacher Mora- Almana ch derösterr. Kriegs-Marine für das Jahr 1865. IV. Jahrg. Wien; Kl. 80. Apotheker- Verein, allgem. österr. : Zeitschrift. 3. Jahrg. Nr. 7. Wien, 1865; So- Astronomische Nachrichten. Nr. 1519 — 1520. Altona, 1865; 4«. Bosis, Francesco de, La collezione Baroni dei minerali fossili e testacei marini dei dipaitimento del Metauro. Ancona, 1863; 8». 284 — Osservazioni meteorologiche del mese di Ottobre 1863 fatte nel R. Istituto tecnico di Ancona. 8°- — I Minerali utili delle Marche. (Dagli Atti della Soc. ital. etc. vol. III.) 8°- — La grotta degli schiavi. (Ibidem.) Milano, 1861; 8<>- — II clima di Ancona. Ancona, 1862; 8°- — L'inverno 1863 — 64 in Ancona. 8 0> Caron, H., Recherches sur la composition chiiniqiie des aciers. Bruxelles, 1865; 4<>- Cosmos. 2 e Serie. XIV e Annee, 1 er Volume, 12 e — 13 e Livraisons. Paris, 1865; 8»- Gesellschaft, k. k. mähr.-schles. , zur Beförderung des Acker- baues, der Natur- und Landeskunde in Brunn: Mittheilungen. 1864. Brunn; 4°- Gewerbe- Verein, n. ö.: Wochenschrift. XXVI. Jahrg. Nr. 13—14. Wien, 1865; 8<>- Institut des Provinces, des Societes savantes et des Congres scientifiques: Annuaire. 2 de Serie. 6. Volume (XVP Vol. de la collation.) 1864. Paris & Caen; 8«- Land- und forstwirthschaftliche Zeitung. XV. Jahrg., Nr. 10. Wien, 1865; 4°- Lotos. XV. Jahrgang. Januar— März 1865. Prag; 8<>- ♦ Moniteur scientifique. 199 e Livraison. Tome VII% Annee 1865. Paris; 4»- Plantamour, E., Recherches sur la distribution de la temperature a la surface de la Suisse pendant 1' hiver 1863 — 64. (Lu ä la S u Helvetique des Sciences Naturelles dans sa Seance ä Zürich, le 23 Aoüt 1864.) So- Reader. Nr. 117—118. Vol. V. London, 1865; Folio. Verein für Naturkunde zu Cassel : XIII. & XIV. Bericht. Cassel, 1863 & 1864; 8«- Wiener medizinische Wochenschrift. XV. Jahrg., Nr. 24 — 27. Wien, 1865; 4<>- Wochen-Blatt der k. k. steierin. Landwirthschafts - Gesell- schaft. XIV. Jahrg. Nr. 11. Gratz, 1865; 4«- Zeitschrift des österr. Ingenieur- und Architekten -Vereines. XVII. Jahrg. 2. Heft. Wien, 1865: 4<>- Kitzinger. Ober d. System u. die Charakteristik d. natürl. Familien d. Vögel. v8i) Über das System und die Charakteristik der natürlichen Familien der Vögel. Von dein w. M. Dr. Leop. Jos. Fitzingcr. III. Abtlieiluiig. Die vorliegende Arbeit, welche ich der kais. Akademie der Wissenschaften zur Aufnahme in ihre Sitzungsberichte zu über- reichen die Ehre habe, bildet die dritte und letzte Abtheilung meiner Abhandlung: „Über das System und die Charakteristik der natür- lichen Familien der Vögel" , von welcher die erste Abtheilung im XXI. Bande der Sitzungsberichte der mathematisch -naturwissen- schaftlichen Classe vom Jahre 18S6, die zweite aber im XLVI. Bande vom Jahre 1862 enthalten ist. So wie zwischen dem Erscheinen der beiden früheren Abthei- lungen ein längerer Zeitraum liegt, so ist auch zwischen dieser dritten Abtheilung und der vorhergehenden eine mehrjährige Unter- brechung eingetreten. Zwar waren hier weniger die Schwierigkeiten bei Lösung und Durchführung der Aufgabe die Ursache, welche diese Verzögerung herbeigeführt haben, als vielmehr die Veränderung meiner amtlichen Stellung und der damit verbunden gewesene Wechsel meines Auf- enthaltes, indem ich zu Anfang des Jahres 1863 aus Österreich nach Bayern übersiedelte und durch zahlreiche, mit meinem neuen Berufe verbundene Geschäfte anderer Art, für längere Zeit von meinen literarischen Arbeiten gänzlich abgehalten wurde. Möge man daher die eingetretene Verzögerung entschuldigen und auch dieser Abtheilung jene gütige Aufnahme und nachsichts- volle Beurtheilung angedeihen lassen, welche den beiden früheren zu Theil geworden ist. Auch ihr kleben noch — wie mir sehr wohl bekannt ist — so manche Mängel an, welche zu beseitigen ich 28() Fitzinger. jedoch völlig ausser Stande bin, da es selbst bei den reichsten Hilfsmitteln unmöglich ist, alle Typen einer so genauen und sorgfal- tigen Untersuchung zu unterziehen, als diess die Lösung der Aufgabe erheischt und man in sehr vielen Fällen lediglieh auf die Angaben einzelner Naturforscher beschränkt ist, welche über eine nicht unbe- trächtliche Menge von Merkmalen, die für grössere Gruppen gerade zu den wichtigsten gehören, häufig nur eine ungenügende oder durchaus keine Auskunft geben. Ein zweiter Missstand, der hierbei in Betrachtung zu ziehen ist und auch von keinem Fachmanne übersehen werden wird, liegt darin, dass in den meisten Fällen, wo es sich um die Begrenzung von umfangreicheren Gruppen und insbesondere von natürlichen Familien handelt, weder die positiven, noch die negativen Merkmale, welche man mit Worten auszudrücken im Stande ist, hinreichen, dieselben scharf von einander zu scheiden, sondern dass es oft einzig und allein nur der auf den Grössenverhältnissen der einzelnen Körpertheile beruhende Totalhabitus ist, welcher diese Gruppen oder die natürlichen Familien begrenzt, und dass die Ausdrücke, welche man zu einer sicheren Bestimmung dieser Verschiedenheit in den Körperverhältnissen gebrauchen kann, immer nur eine relative Geltung haben. Die vorliegende Abtheilung meiner Arbeit umfasst die dritte, vierte und fünfte Reihe der Vögel , nämlich die Scharrvögel (Rasores) mit den Ordnungen der Taubenvögel (Columbini), der Hockovögel (Cracini) und der Hühnervögel (GaUinacei); ferner die Wadvögel (Vadantes) mit den Ordnungen der Laufvögel (Cur- sorii), der Hühner-Stelzvögel (GulünograUac) und der Rciher- Stelzvögel (Ilerodiae), und endlich die Schwimmvögel (Natatores) mit den Ordnungen der Entenvögel (Anserini) , der Seglervögel ( M(icroplcri) und der Taiichervögd ( h'roj>lcri ). III. Reihe. Scharrvögel ( Rasores ) Die Schienbeine ragen vollständig aus dem Körper hervor und sind Ins /.tir Fussbeuge befiedert. Der Schnabel ist nur äusserst seilen hakenförmig, Hie Heine sind Gangbeine und stark, die Krallen stumpf. Die Nasenlöcher lind bisweilen von einer Wachshaut umschlossen. Die Daumenzehe ist mit den Über das System und die Charakteristik der natiirl. Familien der Vögel. 4, 8 7 übrigen Zehen entweder in gleicher Höhe eingelenkt und aufliegend, oder höher gestellt und aufstehend, oder auch hinaufgerückt, bisweilen aber gänzlich fehlend. 1. Ordnung. TAUBENVÖGEL (COLUMBINI). Die Zunge ist frei. Die Daumenzehe ist mit den übrigen Zehen in gleicher Höhe eingelenkt und aufliegend. Der Schnabel ist nur äusserst selten hakenförmig und an der Wurzel von einer Wachshaut umgeben, die Wachs- haut meistens wulstig aufgetrieben. Die Füsse sind Spaltfüsse, die Beine nicht sehr kurz, ziemlich kurz, oder kurz. 1 . Familie, ßaamtaubon (Trerones) . Der Schnabel ist nicht hakenförmig, mittellang und nicht sehr dick. Die Wachshaut ist wulstig aufgetrieben und die Nasenlöcher öffnen sich ausserhalb derselben. Die Beine sind nicht sehr stark und kurz, die Zehen nicht gesäumt, die Läufe getäfelt und mehr oder weniger befiedert. Die Flügel ziemlich lang. Ptilonopus S wains. Ptilonopus Gray. (Ptilonopus Swainsoni Gould.^ Ptilotreron Pr. Bonap. (Columba purpurata Gmel.J Thuarsitreron Pr. Bonap. (Columba Dupetit - Thuarsü Neboux.J Jambotreron Pr. Bonap. (Columba jambu Gmel.^ Chrysoenas Pr. Bonap. (Columba luteo-virens Homb. Jacq. Leucotreron Pr. Bonap. (Columba cincta Temm.^ Bamphiculus Pr. Bonap. (Ptilonopus occipitalis Gray.J Lamprotreron Pr. Bonap. (Columba süperb a Temm.^ Kurutreron Pr. Bonap. (Columba oopa Wagl.J Ptilocolpa Pr. Bonap. (Pterocolpa Carola Pr. Bonap.J Jötreron Pr. Bonap. (Columba viridis Linn.J Cyanotreron Pr. Bonap. (Columba monacha Temm.J Omeotreron Pr. Bonap. (Ptilopus batilda Pr. Bonap.J Sylphidaena Pr. Bonap. (Columba perlata Temm.J Alectroenas Gray. (Columba nitidissima Scop. Furningus Des Murs. (Columba madagascariensis Linn.J Erytbrolaema Pr. Bonap. (Columba pidcherrima Scop.J Treron Vi ei 11. Treron Gray. (Columba aromatica Gmel.J Toria Hodgs. (Toria nipalensis Hodgs.j Crocopus Pr. Bonap. (Columba phoenicoptera Lath.^ «(So F i t z i 11 g e r. Osmotreron Pr. Bonap. (Columba olax Temm.^ Phalacrotreron Pr. Bonap. (Columba calva Temm.J Butreron Pr. Bonap. (Columba Capellei Temrn.^ Sphenocercus Gray. (Yinago sphenura Vig.J 2. Familie. Tauben (Columbae). Der Schnabel ist nicht hakenförmig, mittellang oder kurz und ziemlich dünn. Die Wachshaut ist wulstig aufgetrieben und die Nasenlöcher öffnon sich ausserhalb derselben. Die Beine sind nicht sehr stark und kurz, die Zehen nicht gesäumt, die Läufe getäfelt und bisweilen auch mehr oder weniger befiedert. Die Flügel sind ziemlich lang. Carpophaga Selby. Carpophaga Selby. (Columba aenea Linn.J Globicera Pr. Bonap. (Columba oceanica Lzss.J Myristicivora Beiehenb. (Columba bicolor Scop.J Leucomelaena Pr. Bonap. (Columba norfolciensis Latb.J Megaloprepia Reichenb. (Columba magnifica Temm.J Ducula Hodgs. (Ducula insignis Hodgs^ Jantboenas Reichenb. (Columba janthina Temm.^ Zenoenas Reichenb. (Columba Mulleri Temm.^ Craspedoenas Reichenb. (Columba auricularis Temm.^ Hemiphaga Pr. Bonap. (Carpophaga poUocephala Gray.J Alsoeconius Tick. (Alsoecomus puniceus Tick.^ Lopholairnus Gray. (Columba antarctica Shaw.J Columba Linn. Columba Gray. (Columba Livia Briss.^ Dendrotreron Hodgs. (Columba Hodgsoni X'\^.) Palumbus Kaup. (Columba Palumbus Linn.^ Trocaza Pr. Bonap. (Columba trocaz Heinek.^ Palumboena Pr. Bonap. (Columba Oenas Linn.^J Turturoena Pr. Bonap. (Columba Malherbi Xevr.) Palagioenas Beiehenb. (Columba leueoeephala Linn.^ Stictoenas Beiehenb. (Columba arquatriv Linn.^ Taeuioenas Reichenb. (Columba albitorques Rüpp.^ Lepidoenas Reichenb. (Columba speciosa Gmel.^ Crossophthalmus Pr. Bonap. (Columba gymnophtknlmo* Teinro.j Chloroenas Reichenb. (Colinulm rhonüw Vig.^ Rctopistcs S wai ns. Über das System und Calidris Cuv. (Charadrius Calidris Linn.^ Tringa Linn. Prosobonia Pr. Bonap. (Tringa leucoptera Gmel.^ Tringa Gray. (Tringa Canutus Linn-} Hemipalama Pr. Bonap. (Tringa multistriata Licht.^ Machetes Cuv. (Tringa pugnax Linn.^ Actitis Boie. Actitis Pr. Bonap. (Tringa hypoleucos Linn.^ Actiturus Pr. Bonap. (Tringa Bartramius WilsJ* Totanus B e c h s t. Catoptrophorus Pr. Bonap. (Scolopax semipalmata Gmei.J Totanus Gray. (Scolopax Totanus Linn.^ Helodromas Kaup. (Tringa ochfopus Linn.^ Rhyacophilns Kaup. (Tringa Glareola Linn.^ Gambetta Kaup. (Scolopax Calidris Linn.^ Erythroscelus Kaup. (Scolopax fusca Linn.^ Glottis Nils. (Scolopax Glottis Linn.^ limosa Briss. Limosa Gray. (Scolopax Limosa Linn.^ Simorhynchus Keys. Blas. (Scolopax cinerea Güldenst.^ 7. Familie. Strandreiter (Himantopodes) . Die Beine sind schmächtig und sehr lang, die Zehen mittellang und dünn. Die Füsse sind Schwimmfüsse, die Vorderzehen durch eine tief ausge- schnittene Schwimmhaut verbunden, oder halb geheftete Füsse, die Zehen Über das System und die Charakteristik dernatiirl. Familien der Vögel. oOo nicht gesäumt. Die Daumenzehe ist hinauf^erückt und sehr kurz, oder fehlt auch gänzlich. Die Läufe sind genetzt. Der Hals ist ziemlich lang. Der Schnabel ist dünn, lang, oder sehr lang und seiner ganzen Länge nach von einer Wachshaut umgeben. Die Nasenlöcher sind von einer häutigen Mem- brane halb verschlossen und nicht durchgehend. RecurWrostra Linn. (Recurvirostra Avocetta Linn.^ CladorhyQchas Gray. (Leptorhynchus pectoralis Dubus.^ Himantopas Briss. (Charadrius Himantopus Linn._^ 8. Familie. Wassertreter (Phalaropodes). Die Beine sind schmächtig und mittellang, die Zehen lang und dünn. Die Füsse sind Lappenfüsse, die Vorderzehen von einem breiten, gelappten Hautsaume umgeben, die Daumenzehe aber nur von einem ganzrandigen Hautsaume. Die Daumenzehe ist aufstehend und ziemlich kurz. Die Läufe sind getäfelt. Der Hals ist mittellang. Der Schnabel ist dünn, mittellang und seiner ganzen Länge nach von einer Wachshaut umgeben. Die Nasenlöcher sind von einer häutigen Membrane halb verschlossen und nicht durchgehend. Plialaropus Briss. Plialaropus Gray. (Tringa fulicaria L'w.n.J Lobipes Cuv. (Tringa hyperborea Linn.^ Steganopus Vi ei 11. (Phalaropus lobatus Wüs.J 9. Familie. Rallen (Ralli). Die Beine sind ziemlich stark und mittellang, oder lang, die Zehen lang, oder sehr lang und ziemlich dick. Die Füsse sind Lappenfüsse, die Vorder- zehen von einem mehr oder weniger breiten, gelappten Hautsaume umgeben, die Daumenzehe aber nur von einem ganzrandigen Hautsaume auf der Innenseite, oder Spaltfüsse, die Zehen nicht gesäumt. Die Daumenzehe ist mehr oder weniger aufliegend und mittellang, ziemlich lang, oder lang. Die Läufe sind getäfelt. Der Hals ist mittellang. Der Schnabel ist dick, oder ziemlich dick, mittellang und an der Wurzel bisweilen von einer Wachshaut umgeben. Die Nasenlöcher sind von einer häutigen Membrane halb verschlossen und durch- gehend. Fulica Linn. Licornis Pr. Bonap. (Fulica cornuta Pr. Bunap.J Phalaria Beichenb. (Fulica gigantea Eyd. Souley.^ Lysea Reichenb. (Fulica ardesiaca Tsch.J Luplia Reicbenb. (Fulica er ist ata Gmd.J Fulica Reichenb. (Fidica atra Linn.J Gallinula Briss. Gallicrex Blyth. (GalUnula cristata Lalh.J Porphyriops Pucher. (GalUnula crassirostris Gray.J 304 Fitzingrer. Erythra Reichenb. (Rallus phoenicurus Penri.J» Amaurornis Reichenb. (Gallinula olivacea Meyen.^ Limnocorax Peters. (Gallinula flavirostris Swains.> Gallinula Gray. (Fulica chloropus Linn.^ Ornithaptera Pr. Bonap. (Apterornis solitarius Selys.^ Cyanornis Pr. Bonap. (Apterornis caerulescens Selys.^ Notornis w en. Tribonyx Dubus. (Tribonyx Mortierii Dubus.J Notornis Gray. (Notornis Mantellii Owen.J Porphyrio Briss. Glaucestes Reichenb. (Fulica parva Bodd.J Jonornis Reichenb. (Fulica martinica Linn.J Porphyrula Blyth. (Porphyrula chloronotus Blyth.J» Caesarornis Reichenb. (Fulica poliocephala Laib./ Porphyrio Gray. (Fulica Porphyrio Linn.^ Ocydromus Wagl. (Rallus australis Sparrm.^ Rallina Gray. Himanthornis Temm. (Himanthornis haematopus Temm./ Corethrura Reichenb. (Crex pulchra Gray.^ Laterallus Pr. Bonap. (Rallus melanophaia Vieill^ Rallina Reichenb. (Rallus fasciatus Raffl.J Apterornis Selys. (Apterornis bonasia Selys.^ Aramides Pucher. (Rallus cayanensis Gmel.^ Rallus Gray. Rallus Bechst. (Rallus aquaticus \A\\x\.) Biensis Pucher. (Rallus madagascariensis Smith.^ Hypotaenidia Reichenb. (Rallus pectoralis C\\\.J Lewinia Reichenb. (Rallus Lewini Swains.^ Eulabeornis Gould. (Eulabeornis castaneoventris Gould./ Ortygometra Linn. Porzana Gray. (Rallus Porzana L'mn.J Crex Fitz. (Rallus jamaicensis Gmel.J Phalaridion Kaup. (Rallus minutus Pall.J Hydroeicca Cab. (Rallus melanops Vieill./ Coturnicops Pr. Bonap. (Rallus noveboracensis Ginel.J Ortygometra Ray. (Rallus Crex Linn./ Ülier das System und die Charakteristik der Datfirl. Familien der Vögel. OU«) 10. Familie. Spornflügel (Parrae). Die Beine sind ziemlich stark und sehr lang, die Zehen sehr lang und dünn. Die Füsse sind Spaltfüsse, die Zehen nicht gesäumt. Die Daumenzehe ist aufliegend und sehr lang. Die Läufe sind getäfelt. Der Hals ist ziemlich lang. Der Schnabel ist ziemlich dick, mittellang und an der Wurzel bisweilen von einer Wachshaut umgeben. Die Nasenlöcher sind offen und durchgehend. Parra Latli. Parra Gray. (Parva Jacana Lmn.J Metopidins Wagl. (Parra indica Latli.^ Hydralector Wag!. (Parra cristata Vieill.J Hydrophasianus Wagl. (Parra sinensis Gmel.^ 11. Familie. Wehrvögel (Palamedeae). Die Beine sind ziemlich stark und sehr lang, die Zehen sehr lang und dick. Die Füsse sind geheftete, oder halb geheftete Füsse, die Zehen nicht gesäumt. Die Daumenzehe ist aufstehend und lang. Die Läufe sind genetzt. Der Hals ist ziemlich lang. Der Schnabel ist ziemlich dick, kurz und an der Wurzel von keiner Wachshaut umgeben. Die Nasenlöcher sind offen und durchgehend. Palamedea Linn. (Palamedea cornuta Linn.J Chaana II lig. Chauna Gray. (Parra Chavaria Lmn.J Ischyrornis Reiclienb. (Chauna Derbyana GrayJ 12. Familie. Trompetenvögel (Psophiae). Die Beine sind ziemlich stark und sehr lang, die Zehen lang und ziemlich dick. Die Füsse sind geheftete, oder halb geheftete Füsse, die Zehen nicht gesäumt. Die Daumenzehe ist aufstehend, oder auch hinaufgerückt und kurz. Die Läufe sind getäfelt. Der Hals ist ziemlich lang. Der Schnabel ist ziemlich dick, kurz, oder mittellang und an der Wurzel von keiner Wachs- haut umgeben. Die Nasenlöcher sind von einer häutigen Membrane halb ver- schlossen und durchgehend. Psophia Linn. (Psophia crepitans Lmn.J Cariama Rriss. (Palamedea cristata Linn.^ 3. Ordnung. REIHER-STELZ VÖGEL (HERODIAE). Das Gefieder ist geschlossen und die Federfahnen sind durchgehends, oder grösstentheils dicht aneinander gereiht. Die Flügel sind mittellang, oder lang und mit Schwungfedern versehen. Der Hals ist lang, sehr lang, oder überaus lang. Die Beine sind schmächtig. Die Füsse sind geheftete, halb geheftete, 306 Fitzinge r. Spalt-, oder Schwimmfiisse. Die Zunge ist entweder frei, oder mit ihrer gan- zen Unterseite im Grunde des Unterkiefers festgewaehsen. Die Kieferränder sind bisweilen sägeartig, höckerartig, oder blätterförmig gezähnt, oder auch seichter oder tiefer eingeschnitten. 1. Familie. Rallenreihcr (Arami). Die Beine sind sehr lang, die Zehen lang. Die Zunge ist frei. Die Füsse sind Spaltfüsse, die Zehen nicht gesäumt. Die Daumenzehe ist aufliegend und lang. Die Läufe sind getäfelt. Der Sehnabel ist keilförmig und gerade^ lang, ziemlich dünn und spitz, in keine Hakenspitze endigend und an der Wurzel von einer Wachshaut umgeben. Die Kinferränder sind weder gezähnt, noch eingeschnitten. Die Nasenlöcher sind offen und durchgehend. Der Hals ist lang. Arainns Vieill. (Ardea scolopacea Gmel.^ 2. Familie. Kraniche (GrnesJ. Die Beine sind sehr lang, die Zehen lang. Die Zunge ist frei. Die Füsse sind halb geheftete Füsse, die Zehen von einem schmalen Hautsaume umgeben, der jedoch die Daumenzehe an der Wurzel nicht mit der Innenzehe verbindet. Die Daumenzehe ist hinaufgerückt und kurz. Die Läufe sind getäfelt. Der Schnabel ist keilförmig und gerade, lang, oder mittellang, ziemlich dick und spitz, in keine Hakenspitze endigend und an der Wurzel von einer Wachshaut umgeben. Die Kieferränder sind bisweilen seicht eingeschnitten. Die Nasen- löcher sind von einer häutigen Membrane halb verschlossen und durchgehend. Der Hals ist sehr lang. Gras Lin n. Grus Gray. ( Ardea Grus Linn.^ Laomedonlia Reiclienb. {Ardea earuuculata Gmel.^ Antigene Reichenb. (Ardea Autigone Linn.^ Anthropoides Vieill. Anthropoides Pr. Bonap. {Ardea Virgo huxw.J Ger an us Pr. Bonap. ( Ardea paradisea Lieht.^ Balearica Bris s. {Ardea pavunina Linn.^ 3. Familie. Reiher (Ardeae). Die Beine sind sehr lang, die Zehen sehr lang, oder lang. Die Zunge ist frei. Die Füsse sind geheftete, oder halb geheftete Füsse, die Zehen mei- stens von einem schmalen Hautsaume umgeben, der auch die Daumenzehe an der Wurzel mit der Innenzehe verbindet. Die Daumenzehe ist aufliegend und sehr lang, lang, oder mittellang. Die Läufe sind getäfelt, oder genetzt. Der Schnabel ist keilförmig und gerade, sehr lang, oder lang, ziemlich dick, oder dünn und entweder spitz, oder in eine Hakenspitze endigend und an der Wurzel meistens von einer Wachshaut umgeben. Die Kieferränder sind bis- Über das System und die Charakteristik der natürl. Familien der Vögel. 3 T weilen seicht eingeschnitten. Die Nasenlöcher sind von einer häutigen Mem- brane halb verschlossen und meistens durchgehend. Der Hals ist sehr lang, oder lang. Ardea Linn. Ardeomega Pr. Bonap. (Ardea Goliath Temm.J Typhon Reichenb. (Ardea Typhon Temrn.J Ardea Pr. Bonap. (Ardea cinerea Linn.^ Andubonia Pr. Bonap. (Ardea occidentatis Audub.y Egretta Pr. Bonap. (Ardea Leuce Illi^r.^ Garzetta Pr. Bonap. (Ardea Egretta Briss.^ Herodias Pr. Bonap. (Ardea jugularis Foist.J Bubulcus Pucher. (Ardea aequinoctialis Mont.^ Buphus Boie. (Ardea leucoptera Bodd.^ Agamia Reichenb. (Ardea Agami Grnel.^ Butoiidos Blyth. (Ardea javanica Horsf.^ Ardeiralla Verr. (Ardea Sturmii Wagl.^ Ardetta Pr. Bonap. (Ardea flavicollis Lath.J Ardeola Pr. Bonap. (Ardea mitiuta Linn.^ Botaaras Steph. (Ardea stellaris Linn.J Tigrisoma Swains. Tigrisoma Gray. (Ardea brasiliensis Linn.^ Gorsachius Pucher. (Ardea Goisagi Temm.J Zebrilns Pr. Bonap. (Ardea undulata Ginel.^ Nycticorax Stepb. Pillierodius Reichen b. (Ardea pileata Bodd.^ Calherodius Pr. Bonap. (Ardea cacullata Licht.^ Nycticorax Pr. Bonap. (Ardea Nyctieorax Linn.J Nyctherodius Reichenb. (Ardea violacea Linn.^ Enrypyga Hl ig. (Ardea Helias Pall.^) Scopas Briss. (Scopus Umbretta Gmel.^ 4. Familie. Laofreiher (Dromades). Die Beine sind sehr lang, die Zehen lang. Die Zunge ist frei. Die Füsse sind Schwimmfüsse, die Vorderzehe durch eine tief ausgeschnittene Schwimm- haut verbunden. Die Daumenzehe ist aufliegend und lang. Die Läufe sind getäfelt. Der Schnabel ist keilförmig und gerade, sehr lang, ziemlich dick und spitz, in keine Hakenspitze endigend und an der Wurzel von keiner Wachs- haut umgeben. Die Kieferränder sind weder gezähnt, noch eingeschnitten. Die Nasenlöcher sind von einer häutigen Membrane halb verschlossen und durch- gehend. Der Hals ist lang. oüö Kitzinger. Dronias Payk. (Dronias Ardeola Piiyk.^ 5. Familie. Rahiischnäbel (Cancromata). Die Beine sind sehr lang, die Zehen lang, oder sehr lang. Die Zunge ist mit ihrer ganzen Unterseite am Grunde des Unterkiefers festgewachsen. Die Füsse sind geheftete Fiisse , die Zehen von einem schmalen Hautsaume umgeben, der auch die Daumenzehe an der Wurzel mit der Innenzehe verbin- det, oder Spaltfüsse, die Zehen nicht gesäumt. Die Daumenzehe ist aufliegend und lang. Die Läufe sind genetzt. Der Schnabel ist kahnförmig, flachgedrückt und gerade, lang und sehr dick, in eine Hakenspitze endigend und an der Wurzel von keiner Wachshaut umgeben. Die Kieferränder sind weder gezähnt^ noch eingeschnitten. Die Nasenlöcher sind von einer häutigen Membrane über- wölbt und nicht durchgehend. Der Hals ist lang. Cancroma Linn. (Cancroma Cochlearia Linn.^ Balaeniceps Gould (Balaeniceps Rex Gould.^ 6. Familie. Störche (Ciconiae). Die Beine sind sehr lang, die Zehen mittellang, oder lang. Die Zunge st mit ihrer ganzen Unterseite am Grunde des Unterkiefers festgewachsen. Die Füsse sind geheftete Füsse, die Zehen von einem sehmalen Hautsaume umgeben, der jedoch die Daumenzehe an der Wurzel nicht mit der Innenzehe verbindet. Die Daumenzehe ist aufliegend, mittellang, oder lang. Die Läufe sind genetzt. Der Schnabel ist kegelförmig und gerade, sehr lang, dick und spitz, in keine Hakenspitze endigend und an der Wurzel von keiner Wachshaut umgeben. Die Kieferränder sind bisweilen sägeartig gezähnt, oder auch schwach eingeschnitten. Die Nasenlöcher sind offen und durchgehend. Der Hals ist lang, oder sehr lang. Ciconia Linn. Ciconia Reiche nb (Ardea Ciconia hmn.J Melanopelargus (Ardea nigra Gmel.^ Sphenorhynchus Hempr. Ehrenb. (Ciconia Abdimi Licht} Mycteria Linn. Mycteria Pr. Bonap. (Mycteria ämericana Linn.^ Epbippiorhynchus Pr. Bonap. (Mycteria senegalensis Uc\\\.) Xenorhynchus Pr. Bonap. (Mycteria asiatica LA\\. ) Leptoptilos Less. (Ardea Argala Linn.^ Anastomus Gray. Anastomus Bonnat. (Ardea oscitans Bodd.^ Hiator Reich enb. (Anastomus lamelligerus Temin.y Über das System und die Charakteristik der natiirl. Familien der Vögel. o()«F 7. Familie. Schlucker (Tantali). Die Beine sind sehr lang, oder lang-, die Zehen lang. Die Zunge ist mit ihrer ganzen Unterseite am Grunde des Unterkiefers festgewaehsen. Die Füsse sind geheftete Füsse, die Zehen von einem schmalen Hautsaume umgeben, der jedoch die Daumenzehe an der Wurzel nicht mit der Innenzehe verbin- det. Die Daumenzehe ist mehr oder weniger aufliegend und lang. Die Läufe sind getäfelt, oder genetzt. Der Schnabel ist pfriemenförmig und mehr oder weniger gekrümmt, sehr lang, ziemlich dick, oder dünn und stumpf, in keine Hakenspitze endigend und an der Wurzel von keiner Wachshaut umgeben. Die Kieferränder sind bisweilen schwach sägeartig gezähnt. Die Nasenlöcher sind entweder offen und durchgehend, oder von einer häutigen Membrane halb verschlossen und nicht durchgehend. Der Hals ist lang. Tantal us Linn. Tantalides Reiehenb. (Tantalus Loculator Linn.^ Tantalus Reich enb. (Tantalus leucocephalus Forst.^ Ibis Gray. Ibis Möhr. (Tatalus ruber Linn.^ Leucibis Reiehenb. (Tantalus albus Linn.^ Plegadis Kaup. (Tantalus Falcinellus Linn.J Geronticns Gray. Geronticus Wagl. (Tatalus calvus Bodd.^ Inocotis Reiehenb. (Ibis papulosa Temm.J Carphibis Reichen!). (Ibis spinicollis Jame.s.^ Treschiornis Gray. (Tantalus aethiopicus Lath.^ Harpiprion Wagl. (Tantalus cayanensis Gmel.^ Molybdophanes Reiehenb. (Ibis caerulescens Vieill.^ Bostrychia Reiehenb. (Ibis caruneulata Rüpp.^ Hagedashia Pr. Bonap. (Tantalus caffrensis Licht.^ Lophotibis Reiehenb. (Tantalus cristahis Bodtl.^ Comatibis Reiehenb. (Ibis comata Ehrenb.^ Nipponia Reiehenb. (Ibis Nippon TemraJ Theristicus Wagl. (Tantalus melanopis Gmel.^ Phimosus Wagl. (Ibis infuscatus Licht.^ Cercibis Wagl. (Ibis oxycerca Spix.^ 8. Familie. Löffelreiher (Plataleae). Die Beine sind sehr lang, die Zehen lang. Die Zunge ist mit ihrer gan- zen Unterseite am Grunde des Unterkiefers festgewachsen. Die Füsse sind Schwimmfüsse, die Vorderzehen durch eine tief ausgeschnittene Schwimmhaut verbunden. Die Daumenzehe ist aufliegend und lang. Die Läufe sind genetzt. 310 Fitsinger. Der Sehnabe] ist löffeiförmig, flachgedrückt und gerade, sehr lang, dünn und stumpf, in eine Hakenspitze endigend und seiner ganzen Länge nach von einer Wachshaut umgeben. Die Kieferränder sind höckerartig gezähnt und ziemlich tief eingeschnitten. Die Nasenlöcher sind von einer häutigen Mem- brane halb verschlossen und nicht durchgehend. Der Hals ist lang. Platalea Linn. Platalea Gray. (Platalea Leucorodia Linn.^ Platibis Pr. Bonap. (Platalea flavipes Göuld.J Leucerodia Reichen b. (Platalea tenuirostris TemmJI Spatherodia Reichen!). (Platalea regia Gould.^ Ajaia Reichenb. (Platalea Ajaja Linn.^ 9. Familie. Flamingos (Phoenicopteri ) Die Beine sind überaus lang, die Zehen mittellang. Die Zunge ist frei. Die Füsse sind Schwimmfüsse , die Vorderzehen durch eine unausgerandete Schwimmhaut verbunden. Die Daumenzehe ist hinaufgerückt und sehr kurz. Die Läufe sind getäfelt. Der Schnabel ist knieförmig , flachgedrückt und in der Mitte geknickt, lang, dick, in eine Hakenspitze endigend und seiner ganzen Länge nach von einer Wachshaut umgeben. Die Kieferränder sind blätterförmig gezähnt. Die Nasenlöcher sind von einer häutigen Membrane halb verschlossen und nicht durchgehend. Der Hals ist überaus lang. Phoenicopterus Linn. (Phoenicopterus ruber h\un.) W. Reihe. Schwimmvögel (Natatores). Die Schienbeine ragen nicht vollständig aus dem Körper hervor und sind nicht ganz bis zur Fussbeuge befiedert. Der Schnabel ist nicht haken- förmig. Die Beine sind Schwimmbeine und stark, die Krallen stumpf, oder spitz. Die Nasenlöcher sind bisweilen von einer Wachshaut umschlossen. Die Daumenzehe ist mit den übrigen Zehen nur äusserst selten in gleicher Höhe eingelenkt und aufliegend, meistens aber höher gestellt und aufstehend, oder auch hinaufgerückt, bisweilen aber gänzlich fehlend. 1. Ordnung. ENTEN VÖGEL (ANSERIN1). Die Beine sind in, oder hinter der Mitte des Unterleibes eingelenkt. Die Flügel sind mittellang. Der Sehnabel ist seiner ganzen Länge nach von einer Wachshaut umgeben und die Kieferränder sind blätterförmig, oder sägeartig gezähnt. Die Füsse sind Schwimmfüsse. Die Zunge ist frei. 1. Familie. Schwäne (Cygni). Der Schnabel ist breit und gegen die Wurzel nicht ausgehöhlt. Der Oberkiefer endiget in eine stumpfe , nach abwärts gebogene , nicht aber in Über das System und die Charakteristik der natu rl. Familien der Vögel. d 1 1 eine Hakenspitze. Die Kieferländer sind blätterförmig gezähnt und mit nicht sehr kurzen, zusammengedrückten Querblättern besetzt, welche sich auch auf die Aussenseite der Kiefer erstrecken. Die Beine sind hinter der Mitte des Unterleibes eingelenkt, die Läufe kurz. Die Daumenzehe ist aufstehend, kurz und von keinem Hautsaume umgeben. Die Schwimmhaut ist unausgerandet. Die Nasenlöcher stehen gegen die Mitte des Schnabels und sind durchgehend. Der Hals ist sehr lang. Cygnus Li n i). Olor Wagl. (Anns Ohr Gmel.^ Cygnus Meyer. (Anas Cygnus Linn.^ Coscoroha Reiche nb. (Anas Coscoroba Mol.^ Chenopis Wagl. (Anas atrata Lath.^ 2. Familie, Gänse (Anser es). Der Schnabel ist breit und gegen die Wurzel nicht ausgehöhlt. Der Oberkiefer endiget in eine stumpfe, nach abwärts gebogene, nicht aber in eine Hakenspitze. Die Kieferränder sind blätterförmig gezähnt und mit kur- zen, in spitze Kegel verlängerten Querblättern besetzt, welche sich nicht auf die Aussenseite der Kiefer erstrecken. Die Beine sind in der Mitte des Unter- leibes eingelenkt und nicht sehr kurz. Die Daumenzehe ist aufstehend, lang, oder mittellang und von keinem Hautsaume umgeben. Die Schwimmhaut ist bisweilen eingeschnitten. Die Nasenlöcher stehen gegen die Mitte, oder auch von der Mitte des Schnabels und sind durchgehend. Der Hals ist lang. Cereopsis Lath. (Cereopsis Novae Hollandiae Lalh.) Bernicla Steph. Chloephaga Eyton. (Anas magellanica Gmel.J Taenidiestes Reichenb. (Anas antarctica Gmel.J Leucopareia Reichenb. (Anas leucopsis Rechst.^ Bernicla Gray. (Anas Bernicla Linn.^ Nettapus Brandt. Cheniscus Brooke. (Anas coromandeliana Gmel.^ Nettapus Gray. (Anas aurita Bodd.^ Anser Briss. Chen Boie. (Anas hyperborea Gmel.^ Marilochen Reichenb. (Anser brevirostris Heckel.^ Anser Gray. (Alias Anser Liiin.^ Cygnopsis Brandt. Eulabeia Reichenb. (Anas indica Gmel.^ Cygnopsis Gray. (Anas cygnoides Linn.J Chenalopex Steph. 312 F i U i h g- e r. Chenonetta Brandt. (Anas jub ata Spix.^ Chenalopex Gray. (Anas aegyptiaca Linn.^ Sarcidiornis Agass. (Anas regia Mol.^ Plcctropterus Leacli. (Anas gambensis Linn.^ Choristopus Eyton. (Anas melanoleuca Lath.^ 3. Familie. Enten (Anates). Der Schnabel ist breit und gegen die Wurzel ausgehöhlt. Der Ober- kiefer endiget in eine stumpfe, nach abwärts gebogene , nicht aber in eine Hakenspitze. Die Kieferriinder sind blätterförmig gezähnt und mit nicht sehr kurzen, zusammengedrückten Querblättern besetzt, welche sich auch auf die Aussenseite der Kiefer erstrecken. Die Beine sind hinter der Mitte des Un- terleibes eingelenkt, die Läufe kurz. Die Daumenzehe ist aufstehend , mittel- lang, oder kurz und von keinem Hautsaume umgeben. Die Schwimmhaut ist unausgerandet. Die Nasenlöcher stehen nahe am Grunde des Schnabels und sind durchgehend. Der Hals ist mittellang. Dendrocygna S w a i n s. Dendrocygna Gray. (Anas arcuata Cuv.J Radjah Reichenb. (Leptotarsis Eytoni Gould.y Tadorna Gray. Tadorna Leacb. (Anas Tadorna Linn.J Stictonetta Reichenb. (Anas naevosa Gould.^ Casarca Pr. Ronap. (Anas rutila ¥'&\\.) Aix Roie. (Anas galer iculata Linn.^ Mareca Steph. (Anas Penelope Linn.^ Dafila Gray. * Poecilonetta Eyton. (Anas bahamensis Linn.^ Dafila Leaeh. (Anas acuta Linn.J Anas Linn. Anas Gray. (Anas Boschas Linn.^ Rhodonessa Reichenb. (Anas caryophyllacea Lath.^ Querquedula Gray. Pterocyanea P r. Bonap. (Anas Querquedula Linn.^ Querquedula Steph. (Anas Crerca Lhin.^ Marmonetta. Reichen!). (Anas angnstiroslris Pr. Bonap.) Chaulelasmus Gray. (Anas strepera Linn.^ Malncorhynchus Swains. (Anas membranacea Lath.^ lUiynchaspis Loa eh. (Anas clypeata Linn.J Cairina Flemm. (Anas moschata Linn.J Über das System und .1 ie Charakteristik der natürl. Familien der Vögel. »i 1 I> 4. Familie. Tauchenten (Fuligidae). Der Schnabel ist breit und gegen die Wurzel ausgehöhlt. Der Ober- kiefer endiget in eine stumpfe, nach abwärts gebogene, nicht aber in eine Hakenspitze. Die Kieferränder sind blätterförmig gezähnt und mit nicht sehr kurzen, zusammengedrückten Querblättern besetzt, welche sich auch auf die Aussenseite der Kiefer erstrecken. Die Beine sind hinter der Mitte des Unter- leibes eingelenkt, die Läufe kurz. Die Daumenzehe ist aufstehend, mittellang, oder kurz und von einem Hautsaume umgeben. Die Schwimmhaut ist unaus- gerandet. Die Nasenlöcher stehen nahe am Grunde, oder auch gegen die Mitte, oder in der Mitte des Schnabels und sind durchgehend. Der Hals ist mittellang. Branta Boie. (Anas rufina Pall.^ Aythya Boie. (Anas f er Ina Linn.J Nyroca Flemm. (Anas Nyroca Güldenst.^ Fnlignla Steph. (Anas cristata Linn.^ Stelleria Pr. Bonap. (Anas Steuert Linn.^ Clangula Flemm. Ciangula Boie. (Anas Clangula Linn.^ Cosmoiietta Kaup. (Anas histrionica Linn.^ Karoida Leacb. (Anas glacialis Litm.^ Caiiiptolaiuius Gray. (Anas labradoria Gmel.^ Micropterus Less. (Anas cinerea Gmel.^ Oidemia Flemm. Oidemia Gray. (Anas nigra Linn.^ Melanelta Gray. (Anas fusca Linn.^ Pelionetla Kaup. (Anas per spicill ata Linn.^ Somateria L e a c h. Somateria Gray: (Anas mollissima Linn.^) Lampronetta Brandt. (Lampronetta Fischeri Brandt.^ Hymenolaimus Gray. (Anas malacorhynchos Gmel.^ Krismatura Pr. Bonap. (Anas lencocephala Scop.J Biziura Leach. (Anas lobata Shaw.^ Thalassornis Eyton. (Clangula leuconota Smith.^ Nesonetta Gray. (Nesonelta aucklandica Gray.^ 5. Familie. Sägetaucher (MergiJ. Der Schnabel ist schmal und gegen die Wurzel ausgehöhlt. Der Ober- kiefer endiget in eine Hakenspitze. Die Kieferränder sind sägeartig gezähnt und mit spitzen, zahnartigen Vorsprüngen besetzt. Die Beine sind hinter der Sitzb. d. mathem.-naturw. CI. Lt. Bd. I. Abth. 21 314 Fitzinger. Mitte des Unterleibes eingelenkt, die Läufe kurz. Die Daumenzehe ist auf- stehend, mittellang, oder kurz und von einem Hautsaume umgeben. Die Schwimmhaut ist unausgerandet. Die Nasenlöcher stehen gegen die Mitte des Schnabels und sind durchgehend. Der Hals ist mittellang. Mergellns Selby. (Mergus albellus Linn.^ Mergus L i n n. Mergus Gray. (Mergus cucullatus Liim.^ Merganser Briss. (Mergus Castor Liun.^ Merganetta Gould. (Mergtmetta armata Gould.^ 2. Ordnung SEGLERVÖGEL (MACROPTERI). Die Beine sind in, oder hinter der Mitte des Unterleibes eingelenkt. Die Flügel sind lang, oder sehr lang. Der Schnabel ist nur äusserst selten und blos an der Wurzel von einer Wachshaut umgeben, und die Kieferränder sind nur bisweilen sägartig eingeschnitten. Die Füsse sind Schwimm-, Ruder-, oder Lappenfüsse. Die Zunge ist entweder frei, oder mit ihrer ganzen Unterseite am Grunde des Unterkiefers festgewachsen. 1 . Familie. Scheereiischnäbcl (Rhynchopes). Die Beine sind in der Mitte des Unterleibes eingelenkt. Die Zunge ist frei. Die Läufe sind ziemlich kurz. Die Füsse sind Schwimmfüsse, die Vorder- zehen durch eine seicht ausgerandefe Schwimmhaut verbunden. Die Daumen- zehe ist aufstehend und sehr kurz. Die Nasenlöcher stehen am Grunde des Sehnabels und sind offen , ziemlich eng und durchgehend. Die Flügel sind sehr lang. Der Oberkiefer ist beträchtlich kürzer als der Unterkiefer und endiget in keine Hakenspitze. Der Schnabel ist einfach, nicht in mehrere Theile geschieden und an der Wurzel von keiner Wachshaut umgeben. Die Kiefer- ränder sind weder gezähn', noch eingeschnitten. Die Haut zwischen den Asten des Unterkiefers und der Kehle bildet keinen ausdehnbaren Sack. Rhynchops Linn. (Rhynchops nigra Linn.^ 2. Familie. Secschwalben (Sternae). Die Beine sind in der Mitte des Unterleibes eingelenkt. Die Zunge ist frei. Die Läufe sind kurz. Die Füsse sind Schwimmfüsse, die Vorderzehen durch eine tief ausgerandete, oder auch eingeschnittene Schwimmhaut ver- bunden. Die Daumenzelie ist aufstehend und sehr kurz. Die Nasenlöcher ste- hen gegen die Mitte des Schnabels und sind offen, eng und durchgehend. Die Flügel sind sehr lang. Der Oberkiefer ist länger als der Unterkiefer und endiget in keine Hakenspitze. Der Sehnabel ist einfach , nicht in mehrere Theile geschieden und an der Wurzel von keiner Wachshaut umgeben. Die Kieferrändcr sind Weder gczähnl, noch eingeschnitten. Die Haut zwischen den Ästen des Unterkiefers and der Kehle bildet keinen ausdehnbaren Sack. Über das System und die Charakteristik der uatürl. Familien der Vögel, o I I) Sterna Linn. Sylochelidon Brehm. (Sterna caspia Va\\.) Pelecanopus Wagl. (Sterna pelecanoides Vig.J Gelochelidon Brehm. (Sterna anglica Mont.^ Seena Blyth. (Sterna seena Syk.^ Haliplana Wagl. (Sterna fuliginosa Gmel.^ Actochelidon Kaup. (Sterna Cantiaca Gxne\.J Thalassea Kaup. (Sterna paradisea Brunn. ) Sterna Gray. (Sterna Hirundo Linn.^ Sternula Boie. (Sterna minuta Linn.^ Hydrochelidon Boie. Hydroehelitlon Gray. (Sterna nigra Linn.^ Pelodes Kaup. (Sterna hybrida PaW.J Phaetnsa Wagl. (Sterna magnirostris Licht.^ Gygis Wagl. (Sterna Candida Forst.^ Anöüs Gray. Anöüs Leach. (Sterna stolida Linn.^ Naenia Boie. (Sterna inca Less.J Procelsterna Lafr. (Sterna tereticollis Lafr.J 3. Familie. Moven (Lari). Die Beine sind in der Mitte des Unterleibes eingelenkt. Die Zunge ist frei. Die Läufe sind mittellang. Die Füsse sind Schwimmfüsse, die Vorder- zehen durch eine unausgerandete Schwimmhaut verbunden. Die Daumenzehe ist hinaufgerückt und sehr kurz, oder fehlt auch gänzlich. Die Nasenlöcher stehen in der Mitte des Schnabels und sind offen , eng und durchgehend. Die Flügel sind sehr lang. Der Oberkiefer ist länger als der Unterkiefer und endiget in eine Hakenspitze. Der Schnabel ist einfach, nicht in mehrere Theile geschieden und an der Wurzel von keiner Wachshaut umgeben. Die Kieferränder sind weder gezähnt, noch eingeschnitten. Die Haut zwischen den Ästen des Unterkiefers und der Kehle bildet keinen ausdehnbaren Sack. Cheimonea Kaup. (Laras tridactylus Lath.^ Gavia Boie. (Larus eburneus Gmel.^ Rhodostethia Macgill. (Larus Rossii Sab.J Venia Leach. Creagrus Pr. Bonap. (Larus für catus Neh.J Xema Gray. (Xema Sabini Leach.^ Laras Linn. Bhtsipus Pr. Bonap. (Larus crassirostris Vieill.) 2] • 3 1 () F i t z i n g e r. Hydrocoloeus Kaup. (Larus minutus Pall.J Atricilla Pr. Bouap. (Larus Catesbaei Pr. Bonap.^ Adelarus Pr. Bouap. ( Larus leucophthalmus Licht.^ Gelastes Pr. Bonap. ( Larus Gelastes Lieht.^ Cirrhocephalus Pr. Bonap. (Larus cirrhocephalus Vieill.J Melagavia Pr. Bonap. (Larus serranus Tsch.J Chroecocephalus Strickt. (Larus capistratus Temm.^ Procellarus Pr. Bonap. (Procellarm neglectus Pr. Bonap.^ Leucophaeus Pr. Bonap. (Larus haematorhynchus King.^ lchthyaetus Kaup. (Larus lchthyaetus Pall.^ Gabiamis Pr. Bonap. (Larus pacificus Lath.^ Laroides Br ehm. (Larus argeutatus Brunn. ^ Leucus Kaup. (Larus marinus Linn.-^ Larus Gray. (Larus canus Linn.^ 4. Familie. Raubuiöveii (LestresJ. Die Beine sind in der Mitte des Unterleibes eingelenkt. Die Zunge ist frei. Die Läufe sind mittellang. Die Füsse sind Schwimmfüsse, die Vorder- zehen durch eine unausgerandete Schwimmhaut verbunden. Die Daumenzehe ist aufstehend und sehr kurz. Die Nasenlöcher stehen in der Mitte des Schnabels und sind offen, eng und durchgehend. Die Flügel sind sehr lang. Der Oberkiefer ist länger als der Unterkiefer und endiget in eine Hakenspitze. Der Schnabel ist zusammengesetzt, in mehrere Theile geschieden und an der Wurzel von einer Waclishaut umgeben. Die Kieferränder sind weder ge- zähnt, noch eingeschnitten. Die Haut zwischen den Ästen des Unterkiefers und der Kehle bildet keinen ausdehnbaren Sack. Lcstris 111 ig. Lestris Keys. Blas. (Laras parasiticus Linn.^ Coprotlieres Reichen!). (Lestris pomarinus Temm.^ Catarracta Leach. (Larus Catarrhactes Linri.^ 5. Familie. Sturmvögel (ProcellariaeJ. Die Beine sind in, oder hinter der Mitte des Unterleibes eingelenkt. Die Zunge ist mit ihrer ganzen Unterseite am Grunde des Unterkiefers fest- gewachsen. Die Läufe sind mittellang, oder kurz. Die Füsse sind Sehwimui- füsse, die Vorderzehen durch eine unausgerandete Schwimmhaut verbunden. Die Daumenzehe ist nur durch eine hinaufgerückte Kralle augedeutet, oder fehlt auch gänzlich. Die Nasenlöcher stehen nahe am Grunde des Schnabels und sind offen, röhrig und nicht durchgehend. Die Flügel sind sehr lang. Der Oberkiefer ist länger als der Unterkiefer und endiget in eine Haken- spitze. Der Schnabel ist zusammengesetzt, in mehrere Theile geschieden und an der Wurzel von keiner Wachshaut umgeben. Die Kieferränder sind bis- Über das System und die Charakteristik der nalürl. Familien der Vögel. d I i weilen schwach sägeartig eingeschnitten. Die Haut zwischen den Asten des Unterkiefers und der Kehle bildet keinen ausdehnbaren Sack. Halodroma Kaup. (Procellaria urinatrLv Ginel.^ Puftinus Briss. Puftinus Gray. (Procellaria Puffinus Linn.^ Thiellus Reichenb. (Puffinus sphcnurus Gould.J Priofinus Hornb. Jacq. (Procellnria cinerea Gmel.J Maj.iqueus Reichen b. (Procellaria aequinoctialis Linn.^ Bulweria Pr. Bonap. (Procellaria Bulweri Jard. Selby.^ Thalassidroma V i g. Thalassidroma Key?. Blas. (Procellaria pelagica Linn.) Oceanites Keys. Blas. (Procellaria oceanica Kuhl.^ Pelagodroma Reichenb. (Procellaria marina Linn,^ Oceanodioma Reichenb. (Procellaria f'urcata Gmel.^ ProceRaria Linn. Ossifraga Homb. Jacq. (Procellaria gigantea Linn.^ Procellaria Flemm. (Procellaria glacialis Linn.^ Ü.'plion Steph. (Procellaria capensis Linn.J? Thalassoica Reichenb. (Procellaria antarctica Gmel.^ Priocella Homb. Jacq. (Procellaria Garnotii Homb. Jacq.^ Rliantistes Reichenb. (Procellaria Cookii Gvay.J Prion Lacep. (Procellaria vittata Gmel.^ Diomedea Linn. Diomedea Reichenb. (Diomedea exulans Linn.^ Thalassarche Reichenb. (Diomedea melanophrys TemmJ Phonbetria Reichenb. (Diomedea fuliginosa Gmel.^ Phoebastiia Reichenb. (Diomedea brachyura TeiumJ 6. Familie. Pelekane (Pelecani). Die B> ine sind hinter dt-r Mitte des Unterleibes eingelenkt. Die Zunge ist mit ihrer ganze Unterseite am Grunde des Unterkiefers festgewachsen. Die Läufe sind sehr kurz. Die Füsse sind Ruderfüsse und die Vorderzehen sowohl, als auch die Daumenzehe durch eine unausgerandete Schwimmhaut verbunden. Die Daumenzehe ist nach vorwärts gerichtet, aufstehend und kurz. Die Nasenlöcher stehen am Grunde des Schnabels und sind entweder offen, sehr eng, spaltformig und nicht durchgehend, oder auch kaum, oder durch- aus nicht bemerkbar. Die Flügel sind sehr lang, oder lang. Der Oberkiefer ist länger als der Unterkiefer und endiget meistens in eine Hakenspitze. Der Schnabel ist zusammengesetzt, in mehrere Theile geschieden und an der 3 1 ö F i t z i n g e r. Wurzel von keiner Wachshaut umgeben. Die Kieferrä'nder sind bisweilen schwach sägeartig eingeschnitten. Die Haut zwischen den Ästen des Unter- kiefers und der Kehle bildet einen ausdehnbaren Sack. Tachypetes Vi ei 11. (Pelecanus Äquilus Linn.J Phalacrocorax B r i s s. Halieus Reich enb. (Pelecanus pygmaeas Pall.^ Hypoleucus Reichenb. (Pelecanus varius Gmel.^ Graculus Reichenb. (Pelecanus cristatus Faber.^ Phalacrocorax Briss. (Pelecanus Carbo Linn.J Pelecanus Linn. Leptopelicanus Reichenb. (Pelecanus fuscus Linn.^ Catoptropelicanus Reichenb. (Pelecanus conspicillatus Temm.^ Cyrtopelicanus Reichenb. (Pelecanus trachyrhynchus Lath.^ Onocrotalus Wagl. (Pelecanus Thagus Mol.^ Pelecanus Gray. (Pelecanus Onocrotalus Linn.^ Sula Briss. Dy>porus Illig. (Pelecanus Sula Linn.^ Piscatrix Reichenb. (Pelecanus Piscator Linn.^ Plancus Reichenb. (Sula major Briss.^ Sula Gray. (Pelecanus Bassamis Linn.^ 7. Familie. Schlangenvögel (Ploti). Die Beine sind hinter der Mitte des Unterleibes eingelenkt. Die Zunge ist mit ihrer ganzen Unterseite am Grunde des Unterkiefers festgewachsen. Die Läufe sind sehr kurz. Die Füsse sind Ruderfüsse und die Vorderzehen sowohl, als auch die Daumenzehe durch eine unausgerandete Schwimmhaut verbunden. Die Daumenzehe ist nach vorwärts gerichtet, aufstehend und kurz, oder mittellang. Die Nasenlöcher stehen am Grunde des Schnabels und sind entweder von einer häutigen Membrane halb verschlossen, eng, spaltförmig und nicht durchgehend, oder auch kaum bemerkbar. Die Flügel sind lang. Der Oberkiefer ist nur wenig länger als der Unterkiefer und endiget in keine Hakenspitze. Der Schnabel ist einfach, nicht in mehrere Theile geschieden und an der Wurzel von keiner Wachshaut umgeben. Die Kieferränder sind schwach sägeartig eingeschnitten. Die Haut zwischen den Ästen des Unter- kiefers und der Kehle bildet keinen ausdehnbaren Sack. Phacton Linn. Phaeton Gray. (Phaelou aeihereus Liun.^ Lepturus Reichenb. (Phaeton candidus Briss. ) Über das System und die Charakteristik der natürl. Familien der Vögel. o I t' Phoenicurus Pr. Bonap. (Phaeton rubricauda Boild.^ Plotus Li im. (Ptotns Anhinget Linn.^ 8. F ;i m i 1 i e. Saumfüsse (PodoaeJ. Die Beine sind hinter der Mitte des Unterleibes eingelenkt. Die Zunge ist frei. Die Läufe sind sehr kurz. Die Füsse sind Lappenfüsse, die Vorder- zehen von einem breiten, gelappten Hautsaume umgeben, die Daumenzehe aber nur von einem ganzrandigen Hautsaume auf der Innenseite. Die Daumenzehe ist nach rückwärts gerichtet, aufstehend und ziemlich kurz. Die Nasenlöcher stehen gegen die Mitte des Schnabels und sind von einer häutigen Membrane halb verschlossen, ziemlich eng und durchgehend. Die Flügel sind lang. Der Oberkiefer ist nur wenig länger als der Unterkiefer und endiget in keine Hakenspitze. Der Schnabel ist einfach, nicht in mehrere Theile geschieden und an der Wurzel von keiner Wachshaut umgeben. Die Kieferränder sind weder gezähnt, noch eingeschnitten. Die Haut zwischen den Ästen des Unter- kiefers und der Kehle bildet keinen ausdehnbaren Sack. Podica Gray. Podica Pr. Bonap. (Podica per Sonata Gray.^) Heliornis Vieill. (Heliornis senegalensis Vieill.^ Podoa Illig. (Colymbus Fulica Bodd.^ 3. Ordnung TAUCHERVÖGEL (PEROPTER1). Die Beine sind am Hintertheile des Unterleibes in der Gegend des Afters eingelenkt. Die Flügel sind ziemlich kurz, kurz, oder sehr kurz und meistens mit Schwungfedern versehen, bisweilen aber auch vollständig verkümmert und weder mit Schwungfedern, noch fahnenlosen Schwungfederschäften besetzt Der Schnabel ist von keiner Wachshaut umgeben und die Kieferränder sind weder gezähnt, noch eingeschnitten. Die Füsse sind Schwimmfüsse, gespal- tene Schwimmfüsse, oder Ruderfüsse. Die Zunge ist frei. 1 . Familie. Lappeutaucher (Podicipites). Die Beine sind zehenschreitende Beine, die Läufe kurz. Die Füsse sind gespaltene Schwimmfüsse , die Vorderzehen durch einen breiten Hautsaum verbunden. Die Daumenzehe ist aufstehend, sehr kurz und auf beiden Seiten von einem Hautsaume umgehen. Die Nasenlöcher stehen am Grunde, oder gegen die Mitte des Schnabels und sind von einer häutigen Membrane halb ver- schlossen , nicht sehr eng und durchgehend, und werden nicht von den Slirnfedern überdeckt. Die Flügel sind kurz und mit Schwungfedern ver- sehen. Der Schwanz fehlt gänzlich. Poriilymbus Less. (Colymbus Podiceps Linii.^ Podiceps Lath. Tachybaptus Reichen!). (Colymbus minor Gmel.^ 320 Kitzinger. Poliocephalus Selby. (Podiceps poliocephalus Jard.^ Proctopus Kaup. (Colymbus uuritus Linn.^ Dytes Kaup. (Colymbus cornutus Gmel.^) Pedeaitltyia Kaup. (Colymbus grisegena Bodd.^ Podiceps Gray. (Colymbus cristatus Linn.^ 2. Familie. Eistaucher (ColymbiJ. Die Beine sind zehenschreitende Beine, die Läufe kurz. Die Füsse sind Schwimmfüsse, die Vorderzehen durch eine unausgerandete Schwimmhaut verbunden. Die Daumenzehe ist aufstehend, kurz und auf der Innenseite von einem Hautsaume umgeben, der mit dem sehr schmalen Saume an der Aussen- seite der Innenzehe zusammenhängt. Die Nasenlöcher stellen nahe am Grunde des Schnabels und sind von einer häutigen Membrane halb verschlossen, nicht sehr eng und durchgehend , und werden nicht von den Stirnfedern überdeckt. Die Flügel sind ziemlich kurz und mit Schwungfedern versehen. Der Schwanz ist kurz. Colymbus Linn. (Colymbus arcticus L'wn.J 3. Familie. Spitztaucher (Uriae). Die Beine sind zehenschreitende Beine, die Läufe kurz. Die Füsse sind Schwimmfüsse , die Vorderzehen durch eine unausgerandete Schwimmhaut verbunden. Die Daumenzehe fehlt gänzlich. Die Nasenlöcher stehen am Grunde des Schnabels und sind von einer häutigen Membrane halb verschlossen, eng und durchgehend, und werden von den Stirnfedern überdeckt. Die Flügel sind kurz und mit Schwungfedern versehen. Der Schwanz ist kurz. ßrachyrauiphus G r a y. Brachyramphus Brandt. (Colymbus marmoratus Gmel.^ Synthliboramphus Brandt. (Älca antiqua Ginel.J Iria Gray. Grylle Brandt. (Colymbus Grylle Linn.^ Uria Briss. (Colymbus Troile Linn.^ Mergulus Vieill. (Alca Alle Linn.^ 4. Familie. Papageyentaucher (Phaleres). Die Beine sind zehenschreitende Beine, die Läufe kurz. Die Füsse sind Schwimmfüsse, die Vorderzehen durch eine unausgerandete Schwimmhaut verbunden. Die Daumenzehe fehlt gänzlich. Die Nasenlöcher stehen nahe am Grunde des Schnabels und sind von einer häutigen Membrane halb ver- schlossen, sehr eng, spaltförmig , und nicht durchgehend, und werden nicht von den Stirnfedern überdeckt. Die Flügel sind kurz und mit Schwungfedern verseht-n. Der Schwanz ist kurz. Über das System und die Charakteristik der natürl. Familien der Vögel. o «£ l Ceratorhiiia Pr. Bonap. (Cerorhina occideutalis Pr. Bonap.^ Phaleris G r a y. Sagmatorrhina Pr. Bonap. (Sagmatorrhina Lathami Pr. Bonap.) Ciceronia ßeichenb. (Phaleris nodirostris Pr. Bonap.^ Phaleris Temm. (Älca Psittacula VaW.J Ptychoramphus Brandt. (Alca aleutica Pall.^ Tyloramphus Brandt. (Alca cristatella PaW.J 5. Familie. Alken (Alcae). Die Beine sind zehenschreitende Beine, die Laufe kurz. Die Füsse sind Sehwimmfiisse , die Vorderzehen durch eine unausgerandete Schwimmhaut verbunden. Die Daumenzehe fehlt ttäozlich. Die Nasenlöcher stehen am Grunde des Schnabels und sind ollen, sehr eng, spaltförmig und nicht durchgehend, und werden von den Stirnfedern überdeckt. Die Flügel sind kurz, oder sehr kurz, verkümmert und mit Schwungfedern versehen. Der Schwanz ist kurz. JHormon 1 1 1 i g. Clieniscus Möhr. (Alca cirrhata Gmel.^ Mormon Kaup. (Alca arctica Linn.^ Itaniania Leach. (Alca Torda L\\\\\.) Alca Flemm. (Alca impennis Linn.^ 6. Familie Flossentaucher (AptenodytaeJ. Die Beine sind sohlenschreitende Beine, die Laufe sehr kurz. Die Füsse sind Buderfü sc und die Vorderzehen sowohl als auch die Daumenzehe, wenn sie vorhanden , durch eine unausgerandete Sehwimmhaut verbunden. Die Daumenzehe ist nach vorwärts gerichtet, aufliegend und nicht sehr kurz, oder fehlt auch gänzlich. Die Nasenlöcher stehen in der Mitte des Schnabels und sind offen, eng und nicht durchgehend, und werden nicht von den Stirnfedern überdeckt. Die Flügel sind sehr kurz, vollständig verkümmert und weder mit Schwungfedern versehen, noch mit fahnenlosen Sehwungfederschäften besetzt. Spheniscos Briss. (Diomedea demersa hu\\\.) Eodyptes Vi ei 11. (Phaeton demersus Linn.^ Pygoscelis Wagl. Pygoscelis Gray. (Aptenodytes papua Forst.J Dasyiamjilius Homb. Jacq. (Catarractes Adeliae Homb. Jacq.^ Aptenodytes Forst. (Aptenodytes patachonica Forst^ Am Schlüsse mnss ich noch diejenigen meiner Fachverwandten, welche diese Arbeit benützen, bitten, die nicht unbeträchtliche Au- öiZ Fi tzin ger. Über das System und die Charakteristik der natiirl.Fami ieu der Vögel. zahl von Druckfehlern, welche sich bei den Namen der einzelnen Gattungen, Untergattungen und Arten vorzüglich in den beiden früheren Abtheilungen derselben eingeschlichen haben, gütigst verbessern und bei der Familie der „Glanz -Staare (Lamprotornithes)" den Gattungsnamen „Juida Less." in „Lamprotornis Temm." und jenen der Untergattung „Lamprocolius Sundev." in „ Lamprotor nis Swains." ändern zu wollen. Vergrleirh. ehemaliger geolog. Phänomene mil einigen unserer Zeit, o-io Vergleichung gewisser ehemaligen geologischen Phänomene mit eitrigen unserer Zeit. Von dem w. M. Dr. A. Bone. Unter den Gebilden der letzteren geologischen Periode gibt es drei sehr geschiedene Abtheilungen, wenn man sie mit den For- mationen der älteren geologischen Zeiten vergleicht, namentlich solche, welche man in letzteren leicht oder schwer wieder erkennt, und solche, welche man darin bis jetzt vermisst. Unter letzterer Classe stehen oben daran die Aerolithe und Meteoreisenmassen, welche als eine kosmische Bildung und theilweise ziemlich schwer zerstörbare Körper man wohl hie und da zu beobachten erwarten könnte. Bis jetzt kennt man noch immer nur fünf Fälle, wo nickelhaltiges scheinbares Meteoreisen in älterem Alluvium gefunden wurde 1 ), und wäre es selbst erlaubt, dazu einige der bekanntesten Fundorte von gediegenem Eisen 3 ) zu zählen, i) Osann, scheinbar kleine Meteoreisenstücke mit Platin im Ural, sowie in Südamerika (Pogg. Ann. Phys. 1836, B. 38, S. 238, L. Horner, gediegenes Eisen in dem gold- führenden Alluvium zu Gunung-Lawak in Borneo (N. Jahrb. f. Min. 1838, S. 9), Sokolovski, niokelhaltiges Eisen in einem Kalkstein in einer Tiefe von 31,5 engl. Fuss in der Mitte von goldführendem Alluvium zu Petropavlovsk, Mrasa-Distriet des Altai (Gornoi, J. 1841, Juli, Krman's Archiv f. Kunde Russl. 1841, B. 1, S. 314 und 723—725, Pogg. Ann. 1844, B. 61, S. 676, Bibl. univ. Geneve 1845, B. 59, S. 191, Haidinger, Fundort im Alluvium zu Szlanicza, Mazura Gebirge Ungarns, Pogg. Ann. 1844, B. 61, S. 675—676, Leonhard's Taschenb. f. Fr. d. Geolog. 1846, S. 27) und E. F. Glocker, Meteoreisen unter Alluvialgeseheibe alterer Felsarten zu Seeliisgen, Frankfurt a. ü. District (Pogg. Ann. 1848, B. 73, S. 334). 2 ) Ferber in dem Uuiversitätsmuseum zu Padua , Briefe a. d. Welschlande 1773, Schreibers zu Oulle Isere (Rozier's J. d. Phys. 1792, B. 141, S. 3—9). Klaproth Besch. u. Au. im Bergwerke eiserner Johannes bei Grosskamdorf Thüringen (Gilberts Ann. d. Phys. 1803, B. 13, S. 341 u. J. d. Phys. 1805, B. 60, S. 340, und seine Beitrage 1810), Chladni vermisst zu Padua den Ferberschen ged. Eisen, (Gilberts Ann. 1814, B. 47, S. 101), H. M. Dacosta, Besehr. u. An., in den Blei- bergwerken zu Lea.lhills (Mem. Werner Soc Edinb 1815, B. 2, S. 370—372' 324 Boue'. so würde man wenig weitere Auskunft erhalten. Aber die meistens erwähnten gediegenen Eisen scheinen nur chemische Afterpro ducte von Eisenmineralien zu sein *)> so dass, wenn der Standpunct dieser Erkenntnis sich nicht in der Folge ändert, man fast berechtigt sein wird, den Anfang des Aerolilhen-Herabfallen, nur bis in die älteren Alluvialperioden zurück zu führen. Doch dieses lässt sich schwer mit den scheinbar ewigen astronomischen Gesetzen des Lebens und Treibens der Himmelskörper vereinigen, oder es führt nur zu sehr ich sah ihn seihst), Karsten (Handh. d. Eisenhütten!«. 1SI6, ß. 2, S. 12), Louisiana (Amerie J. of Sc. 1824, B. 8, S. 219), M. Will. Burral u. E. A Lee zu Canaan, Connecticut (dito 1827, B. 12. S. 154, Edinh. n. phil. J. B. 4, S. 134— 156, Phil. Mag', u. Ann. of phil. 1S72, 2 B. ß. 2, S. 73—75, Karstens Archiv für Bergb. 1827, B. 17, S. 244-248), Ferussac's Bull. univ. 1828, B. 13, S. 323, G. Troost in d. Grauwacke Tennessee (N. Jahrb. f. Min. 1838, S. 42), Hausmann (Handb. d. Mineral. 1828, B. 2, Th. 1, S. 38), Dr. Beck zu Burlington, Otsego County u. Penn Yan, Yates C. (Third geol. Rep. N. Y. state 1829, Amerie J. ofSc. 1840, B. 39, S. 97), Schrötter im Thoneisenstein zu Newcastle durch Richardsou entdeckt (Jahrb. k. geol. Reiehsanstalt 1832, B. 3, H. 1. S. 173), Riddell (Proceed Ac. of Sc. N. Orleans 1854, B. 1, S. 10), IL v. Dechen in d. Beigwerke Venus, Distr. Kirchen (Verh. naturhist. Ver. Preuss. Rheinl. 1855, B. 12, S. LX.), A. Reuss im Pläner Böhmens (Sitzber. Wien. ak. 1857, B. 25, S. 341—550), K. A. Neumann zu Choltzen in Böhmen (Jahrb. k. geol. Reichsanst. 1857", B. 8, S. 351 — 3S7, auch Gust. Rose, (Zeitsehr. deutseh geol. Ges. 1858, B. 10, S. 6). A. A. Hayes zu Liberia, Afrika (Proceed. Boston, nat. hist. Soc. 1856, A. 5, S. 230 u. 250, Pro- ceed. Amerie. Ac. of Arts a. Sc. 1853. B. 3, S. 199, Amerie J. of Sc. 1856, B. 21, S. 153, L" Institut 1857, S. 126, Proceed. Edinb. roy Soc. 1856, B. 3, S. 32, Edinb. n. phil. J. 1856, N. F. B. 3, S. 204—210. 1861. B. 13, S. 165). ! ) Proust in Schwefeleisen a. Amerika (J. d. Phys.), Henri in Eisenoxyd zu Florac (Paris. Aead. 7. Oct.1817, Ann. of phil 1818, B. 11, S. 69), Pusch. Pseudovulkan, bei Straka unweit Töplitz (Leonh. Zeitsch. f. Min. 1826, S. 530), Eschwege in Eisen- haltig Conglomerat Brasiliens (Pluto brasil. 1833, B. 1, S. 583), Demarcay im Cerit zu Bastnaes bei Riddarhyttan , Sweden. Bornemann in Lettenkohl zu Mühlhausen Thüringen (Zeitsehr. deutsch geol. Ges. 1852, B. 5, S. 12, Pogg. Ann. 1853, B. 88, S. 145- 156 u. 323—328, Erdm. J. f. pract. Chem. 1853. B. 58, N. F. B. 7, S. 86— 92), W. G. Lettsom in Fossilholz (Phil. Mag. 1852,4. R. B. 4, S. 333—335). Dr. Andrews mit Magneteisen in Feuerstein (Zeitsehr. deutsch geol. Ges. 1852, B. 4, S. 503). in Basalt, Grätsch. Antritt Edinb. u. phil. J. 1853, B. 55, S. 358, Amerie .1. of Sc. 1853, B. 15, S. 443, Pogg. Ann. 1853, B. 88, S. 321), Bahr in eisenhaltigem fossilen Holze See Ralangan, Schweden (Bibl. univ. de Geneve Archiv. 1833, 4 II. B. 22, S. 173, u. N. Jahrb. f. Min. 1S34, S. 173), Hayes (A. A.) zu Liberia (Edinb. n. phil. .). 1836, N. F. ß. 3, S. 167), A. Volger in einem fossilen Bau (Amtl. Ber: 33, Vers, deutsch Naturf. im .1. 1837, 1859, S. 100). Zu Labouiche, AI- Her, sowie in der Lava zu Graveneire citiren Godon St. Meaiin u. Hauy einen pseu- dovulkan. Stahl, (.1. d. Phys. 180S, B 60, S. 340, 'lasch, f. Min. 1808, H. 2. S. 207). Vergleichung ehemaliger geologischen Phänomene mit einigen unserer Zeit. 32«) gewagten Vermuthungen gegenüber unserer beschränkten astrono- mischen Erkenntnisse. Die Gletscher und ihre Bildungen sind andere Phäno- men der jetzigen, sowie der älteren Alluvialzeit, dessen Spuren man in den anderen geologischen Formationen bis jetzt nicht beobachtete, so dass manche Geologen ihren Anfang nach der Tertiarzeit versetzen und dieses durch die noch bedeutende Tem- peratur auf der ganzen Erdoberfläche während jener Periode erklären mochten. Doch scheint uns dieser Schluss etwas voreilig, weil schon einige, doch wahrlieh wenige Fälle bekannt worden sind, wo man sowohl in tertiären Schichten, als in der Kreide Blöcke ge- funden hat, welche in jenen Ländern fremden aus der Ferne ge- kommenen Felsarten angehörten. So z. B. hat Godwin-Austin in der Mitte der regelrechten englischen Kreide zu Croy.lon Granit- blöcke entdeckt (Rep. brit. Assoc. Dublin 1857, Sect. S.62, Edinb. n. phil. J. 1857, N. F, B. 6, S. 318), welche zu der Vermuthung führen, dass schon zu jener Zeit, wenigstens im Sommer, mit Ge- steinen beladene Pidar-Eismassen auf der Atlantik herunter kamen, und dass zu Winterszeiten wenigstens die Pole von einer gewissen Eishülle umgeben waren. Keine andere wahrscheinlichere Meinung erlaubt nicht die Entfernung aller Granite von Croydon und die Beobachtung stammt von einem fähigen Gelehrten her. Im Gegen- theil, wenn derselbe Geolog uns Granit und Schiefer, Gerolle oder Fragmente in dem Dubliner Kohlen führenden Gebilde anzeigt (Jukes Manual ofGeology, 2. Aufl. 1862, S. 146), so kann man letztere als hergeschwemmt ansehen. Diese Meinung wird durch H. Lecoq's Ausspruch noch bestätigt. Er ist nämlich durch Beobach- tungen über das französische Erratische zu dem Schlüsse gekom- men, dass Polar-Eis vor die Schweizer Gletscher sich gebildet hatte. (Bibl. univ. Geneve 1861, B. 2, S. 31.) Wenn es aber in der Kreideperiode ), und Page, suwie Forbes, welche solche während der Periode des alten rothen Sandstein annahmen. (Rep. brit. Assoc, 1854, S. 217). Doch Lyell, Morris und andere Geologen sind mit diesen Neuerungen keineswegs einverstanden. Überhaupt geht R a m s a y am weitestenin seinen Gletscher- Phantasien, da er selbst diesen die Aushöhlung vieler tiefen Einstürzungen oder Spaltenthäler der Alpen zuspricht, welche theilweise jetzt als Seen sich uns darstellen 2 ). Auf der anderen Seite finden wir, dass man die Charaktere der Moränbildung nicht genug im Auge gehalten hat, wenn man die Geologie gewisser sehr grosser Flötzconglomerate beschrieb. Es gibt z. B. solche in der unteren Kreide und im Eocen des südlichen Europa, welche weit entfernt von krystallinischem Gebirge doch eine Masse jenen Ländern fremder kristallinischer Gebirgsarten enthalten. In der Allgau wurde solche schon lange her angezeigt. (S. Lupin's Briefe Alpina 1809, B. 4), auchB. Studer wunderte sich über die in der Gegend von Saanen und glaubte immer durch Ejacu- lation sie erklären zu können. Doch sind wir weit entfernt, darin Moränbihiungen erkennen zu können, da keine gestreiften Gesteine von uns da bemerkt wurden. Unser Zweck ist nur die grössere Aufmerksamkeit der Geologen auf solche Vorkommnisse zu lenken. Scheinbar haben dieses schon einige Engländer gethan, und daraus entstanden die erwähnten und so auf- fallenden Meinungen. Die gewöhnliche All u vi algebilde sind diejenigen, dessen Ebenbilder am leichtesten und sichersten in allen älteren geolo- «) Report brit. Assoc. for 1854, S. 93, L'lnstitut 1854, S. 431. Bibl. univ. Geneve 1854. Archiv, 4 F. 1.. 27, S. 334, Canad. J. 1854, Dec. S. 114, N. Jahrb. f. Min. 1855, S. 216, Americ J. oi 8c. 1855, B. 19, S. 121. ~) Mortillet (Gabi.) für Lombard, und Schweizerseen (Bull. Soc. Sc. nat. de Neu- chatel 1860. B. 5, Th. 2, S. 185), E. Hüll f. Cumberland u. Westmoreland (Ediub. n. phil. J. 1860, N. R., B. 11, S. 31), T. Codrington für Norwegen, Quart. J. geol. lat. 1860, B. 16, S. 345—347, phij. mag. 1860, 4 Et. B. 19, S. 399), A. C. Ramsay f. d. Schwarzwald, Schweden und Nordamerika (Quart. J. geol. Soc. L. 1862, B. IS.. S. 188—204, Phil. mag. 1862, 4. R. B. 23, S. 413—415, Americ J. of Sc. 1863, N. R. It. 35, Intellectual observer L. 1862, Oct. bis Dec. N. 9, S. 228), Söchliiig in Nor- wegen (Zeitschr. f. Erdk. 1861, N. R. B. 10, S. 473), Omhoni (Giov.) in den Alpen (Atti Soc. ital. Sc. nat. 1863, B. 5, S. 269—274), Mortillet (dito S. 248—269, lig.), Mortillet u. Gastaldi. Sur la theorie de l'affouillement glaciaire Milan 1863. 8. Bull. Soc. geol. Fr. 1862. B. 2 S. 12) Vergleiehuiig ehemaliger geologischen Phänomene mit einigen unserer Zeil. 3'i i gischen Formationen sich nachweisen lassen. Wie in jetziger Zeit so wechselten Conglomerate mit Sandstein und Schlamm, das heisst zu gewissen Zeiten oder Jahrzeiten hatten ditf Wässer mehr oder weniger Kraft zur Schuttanhäufung. Durch den Druck ist es leicht erklärbar, dass oft ältere Gehirgsschichten dieser Art dichter als jüngere sind. Sehr möglich ist es, dass die grössten und gröb- sten Alluvialanhäufungen der älteren Zeiten als eine Folge der da- maligen Erdumwälzung oder Gebirgsbildung theilweise wenigstens anzusehen sind. Als Folge von diesen können auch hie und da zeitige Hemmungen von Flusswässern und Seedurclibrüchen Ähnliches her- vorgebracht haben. In den Seealluvionen längst den Küsten findet man alle jene Merkmale wieder, welche die älteren Sedimentschichteu auszeichnen, wie das Gerippelte der Oberfläche eine Folge der Wellenbewegungen, theilweise die Algen- und zoophtyen Abdrücke, die Spuren von Thierfährten von sehr verschiedenen Arten, so wie vom Umwühlen des Sandes durch Kru^taceen oder Würmer, die Erhaltung von Regentropfen-Eindrücken. Selbst einige kleine Verrutschungen, Biegungen und Neigungen der einzelnen Schichten lässt sich da- selbst, sowie im Fiussalluvium wieder finden. Ein besonderer Schlamm bildete sich in der älteren Alluvial- zeit, nämlich der Löss, ein Süsswasser-Niederschlag, sowohl von Seen als Flüssen. Durch ihre Gletscherforschungen haben sich einige Geologen bewogen gefunden, diese manchmal sehr mäch- tige Formation als ein Schuttproduct der letzten Schmelzung mächtiger verschwundener Gletscher anzusehen. Diese Hypothese ist besonders für den Löss des Rheinthaies unterhalb Basel vor- geschlagen worden. (S. Collomb u. A. Braun, Bull. Soc. geol. Fr. 1849, N. F. ß. 6, S. 492—498). Doch uns scheint, wie Elie de Beaumont, solche Theorie unhaltbar oder einseitig, weil der Löss, eine im Allgemeinen in sehr verschiedeneu Ländern verbreitete Bildung ist, und es hie und da unmöglich ist, diese Mergel aus Gletschern herzuleiten, weil wirk- lich kein Platz für solche in der Nähe sein konnte und war. Spätere Beobachtungen müssten uns denn beweisen, dass das Terrain der Gletscher einmal viel grösser war, als man jetzt schon glaubt. Der Löss ist aber ein Gebilde, das man, ausser in der Alluvial- zeit, nirgends in den älteren Formationen wiederfindet, denn man 328 B o u e. kann ihm kaum zur Seite kleine Schieliten von Paludinenkalke in dem unteren Kreidesystem, gewisse Süsswasser-Mergel oder Aehn- liches zur Seite zu stellen. Wegen dieser Abnormität könnte man vielleicht muthmassen, dass vor der Alluvialzeit nirgends keine so grossen Süsswasserseen Vorhandensein konnten, doch die Tertiärzeit straft uns Lüge, da schon damals solche, sowie viele halbsalzige Lagunen bestanden, welche aber Thonmergel anstatt Löss absetzten. Mit den Torfmooren berührt man einen fast ähnlichen Fall, denn obgleich man oft die verschiedenen Steinkohlengebilde mit Torfablagerung verglichen hat, so bleibt doch ein sehr bedeutender Unterschied zwischen jenen zwei Formationen. Torfmoore entstehen nur in kalten und massigen Zonen, Steinkohlen wurden durch Pflanzenanhäufung in warmen oder wenigstens wärmeren Ländern als unsere jerzeugt. In den meisten Torfgattungen bilden die Moose den grössten Theil , und man erkennt ihre Überbleibsel darin sehr oft mit dem Auge oder dem Mikroskop, was in allen Gattungen der Kohle keineswegs der Fall ist. Der sogenannte Dopplerit würde sich am meisten der äusseren Natur gewisser Pechkohlen nähern, aber höchst wahrscheinlich waren es nicht Moose, sondern besondere Farnkräuter undPhanero- gamen, welche als kohlenartiger Brei die verschiedenartigen Kohlen der verschiedenen Formationen bildete. Mit der Theorie, darin vul- canisc he Gasverdichtungen nur zusehen, haben wir uns nie be- freunden können, weil die Pflanzen-Rolle in den Steinkohle führenden Sandsteingebilden zu deutlich ist und am Ende alle Neben- umstäi.de leicht durch jene und die einmische Umwandlung des Pflanzenstoffes sich erklären. Auf der andern Seite gibt es in gewissen Gegenden der Kreide und Nummulit-Eocenssystem solche bedeutende Nester und Lager von Asphalt, dass mau wirklich in Zweifel geräth, ob jene Lagerstätte dem Vulcanismus oder wenigstens besonderen Petrol führenden Quellen nicht gänzlich fremd sind oder soll man da viel- leicht einen eigenen Verwesungsprocess des Organischen annehmen? Das Vorhandensein von See- oderSüsswassermuschel in der nächsten Nähe gibt in diesem Falle keine Entscheidung, indem noch dazu die Abwesenheit der Pflanzentheile da oft zu herrschen scheint. Wenn zwischen den Kohlen der verschiedenen geologischen Zeiten so grosse Unterschiede vorhanden sind, so erklärt sich Vergleichiing ehemaliger geologischen Phänomene mil einigen unserer Zeit. 329 leicht die grössere Dichtigkeit der älteren Steinkohlen, weil sie von den Anhäufungen von sehr saftigen, theilweise Kryptogamen, theilweise monocotyledonen Pflanzen herstammen, indem die Braun- kohle von holzigen Gewächsen herkömmt. Die ältere Pechkohle scheint ihre eigentümliche Structur von einem weiter vorgerückten Verwesungsprocesse und einem grösseren Drucke erhalten zu haben. In jetziger Zeit bildet sich überall, eben sowohl durch dieÜber- bleibsel der Vegetation und der Fauna, als auch durch das Heran- schvvemmen des Regenwassers und besonders durch die Verwitte- rung der Felsarten eine äussere Erdhülle, welche in vielen Gegen- den die fruchtbare Erdkruste bildet, und ziemlich verschieden- artig zusammengesetzt ist. (S. Delesse Bull. Soc. geol. Fr. 1863, B. 20, S. 394—400.) Ob aber alle Dammerde diesen Ursprung hat, sind wir weit entfernt zu glauben, denn in manchen Gegenden mag ein plötzliches Ablaufen der Wässer durch Landeshebung oder eine Meerüheitluthung nach heftigen Bewegungen im Ocean solchen schlammigen Niederschlag wie jährlich der Nil im egyptischen Delta, verursacht haben. Herr Delesse beschäftigt sich mit der Lösung dieser Frage in Frank- reich, weil die Kreideplateau jenes Landes manchmal mit lehmigem Boden überdeckt sind, welcher keinen Kalk oder fast keinen Kalk enthält. Überhaupt gibt es in Frankreich viele sogenannte schwere fette Erden, an dessen Bildung Verwitterungen von feldspathischen Felsarten wahrscheinlich Theil genommen haben. Doch sichergestellt scheint die Bildungsart gewisser Acker- erdarten. So z. B. kennt man auf Kalkstein, sowie auf gewissen vul- canischem Boden eine röthlich eisenhaltige Erde, Aviez. B. oft in den Kalkgebirgen und in den Trappgegenden Indiens (S. D. W. Gilchrist, Quart. J. geol. Soc. L. 1855, B. 11, S. 552—555). Puggaard beschrieb ähnliches in Toscana (Bull. Soc. geol. Fr. 1859, B. 11, S. 203). Die Wirkung der Kohlensäure im Begenwasser entging daselbst dem Prof. Sa vi nicht (dito 1833, B. 3, S. c). Schwarze Erdarten sind meistens morastige Niederschläge, wie man sie in vielen Localitäten kennt, z. B. im Kleinen im Gainfahrner Thal und im grössten Maassstabe im Innern Russlands *). i) Wangenheim von Qualen Bull. Soc.Natural. Moseou 1853, B. 16, N. 1, 1854, B. 17, S. 440— 459, N.Jahrb. f. Min. 1856, S. 74, Murchisous Geology of Russia, Petzhold's Beitrag z. Kenntniss d. Innern von Russland. Abich 1815, Dr. C. Schmidt 1849, Bull. St. Pet. Aktid. Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. LI. Bd. I. Abth. 11 330 B o u e. Da solche Bildungen zu allen Zeiten haben stattfinden müssen, sobald Inseln und Continente bestanden, so erstaunt man über die Schwierigkeit die vegetabilische Erde in den verschiedenen geolo- gischen Zeiten und selbst in der Alluvialperiode anerkennen zu können. Bis jetzt haben Geologen kaum anderswo solche Erdschichten zu finden geglaubt, als in denjenigen Localitäten, wo Pflanzen mit Wurzeln noch darin zu stecken scheinen, wie in den Portland und Purbeck-Schichten im südwestlichen England *) und in gewissen Schichten der Braun- und Steinkohlenbildung 2). Doch ist die That- sache für das sogenannte D i r t b e d zu Portland, später von Consf ant Prevost bestritten worden (Soc. Philomat. de Paris 1839, S. 139, u. Bull. Soc. geol. Fr. 1830, B. 1, S. 68, 1839, B. 10, S. 428) und in den Kohlenrevieren herrscht noch viel mehr Dunkelheit, da sind die jetzt noch vorhandenen Merkmale viel weniger charakteri- sirt als bei Purbeck. In den Aufsätzen über senkrecht stehende Baumstämme im Steinkohlengebirge liest man wohl manchmal, dass 1) Fitton (W. H.) Ann. of phil. 1834, N. R. B. 8, S. 365, 4S8, Trans. geo|. Soc. L 1836, 2 R., B. 4, S. 206— 232, Webster (Thom) Lond. geol. Soc. 1824, 19 Nov., Ann. of phil. 1824, B. 8, S. 466, Trans, geol. Soc. L. 1826, 2 R., B. 2, S. 1 u. 37—44, Ferussacs Bull. 1823, B. 4, S. 190 u. 1827, B. 10, S. 332), Prevost (Const.) (Bull. Soc. geol. Tr. 1830, B. 1, S. 68), Buckland (W.) u. Dela Beche (H.) (Pro- ceed. geol. Soc. L. 1830, B. 1, S. 218—224, Phil. mag. 1830, B. 7, S. 454—458, Trans, geol. Soc. L. 1836, N. F., B. 4, S. 1— 46), Mitschell (Jam.) Mag. nat. bist. L. 1837, N. R., B. 1, S. 387), M.mtell (Ged. A.) The medals of creation 1844, Buckland (Will.) (Bull. Soc. geol. Tr. 1839, B, 10, S. 428 u. 430), Percival- Hunter Mag. nat. hist. L. 1836, B. 9,S. 97—101 u. N. Jahrb. f. Min. 1838, S. 732, Austen (J. H.) Guide to the Geology oflhe Isle of Purbeck 1832 u. 1834), Träger (Bull. Soc. geol. Fr. 1853, B. 12, S. 725—728, N. Jahrb. f. Min. 1857, S. 848), ßrannon (P.) Illustralions of the Geology Scenery of Purheck 1857, Poole (Syden- ham) Illustr. histor. u. picturesq. Guide to Swanage a. the Isle of Purbeck 1859. (Geologist 1859, B. 2, S. 133—135), Dämon (R.) Handbook of the Geology of. Wegmouth a. the Island of Portland 1860, 8 chart. u. Taf. 2 ) Nöggerath (J J.) in der Putzberger Braunkohle (Nied. Rhein), (J. d. Mines 1811, B. 30, S. 360, Moll's N. Jahrb. f. B. u. H. 1815, B. 3, S. 1, Tasch f. Min. 1815, B. 9, S. 509 u. 1823, ß. 17, S. 429), Jameson (Rob.) zu Edinburgh Edinb. n. phil. J. 1830, B. 9, S. 378, Brown (Richard) Sigillarien zu Sidney, Insel des Vorgebirges Breton, (Quart. J. geol. Soc. L. 1849, B. 5, S. 354—359 f. 1—9, N. Jahrb. f. Min. 1851, S. 754—755, Binney (E. W.) Sigillarien bei Manchester (Quart. J. geol. Soc. L. 1830, S. 17, Phil. Mag. 1849, B. 34, S. 165), Rechen zu Saarbruck (Verh. d. Niederrhein. Ges. 1854, 14. üec. N. Jahrb. f. Min. 1855, S. 80), Rousse zu St. Etienne (Ann. Soc. J. d'agric. industr. Sc. et Letlres de la Loire 1854, 3 trim.), Savarese (J.) Bimssteinlufa Pompeia's (C. R. Ac. Sc. P. 1860, B. 50, S. 758.) Vergleichung ehemaliger geologischen Phänomene mit einigen unserer Zeit. 331 die dicksten Theile ihre Wurzel in einem dunkeln Schiefertlion stecken 1 ); doch daneben stehen manche solche Stämme nur im Sandstein aufrecht. In älterer Alluvialzeit ist es wohl möglich, dass die Erdanhäu- fungen durch Wasserläufe leichter als jetzt im Allgemeinen den Meeren zugeführt wurden, da es damals wegen dem warmen Klima noch viel mehr regnete als jetzt. Ob das Löss theilweise aus solchem Alluvium herstammt, lassen wir eine offene Frage. In tertiären Lagern gibt es gewisse fette Thonarten und Mergel, welche nicht nur als Anschwemmung, sondern auch als alter Humus gelten kann, wie z. B. Sprengel es schon für die Bergseife des Habitchswald behauptete. (Erdm. J. f. techn. Chem. 1831, B. 10, S. 118.) In der Beihe der älteren Flötz- und paläozoischen Formationen muss man fast immer die vegetabilische Erde mit Meeresufer- Schlamm vereinigt sich denken, so dass man in jenen zahlreichen Thon- und Mergelschiefern sowohl einfachen als kalkigen oder bitu- minösen nicht im Stande ist, das Product des festen Landes von demjenigen des Meeres zu trennen, durch ihren oft grossen Kalk- , Thon-, Sand- oder bituminösen Gehalt wurden die Charaktere des Humus yerwischt 2 ). In der Alluvialzeit bildeten sich in den Gebirgen sowohl in Kalkstein und Schiefer, als in Conglomerat und selbst in plutonischen Gesteinen mehr oder weniger zahlreiche Höhlen oder leere, oft sehr unregelmässige leere Bäume. Man weiss, dass die Durch- sickerung der Kohlensäure enthaltenden gewöhnlichen Wässer, sowie die Anwesenheit an Spalten die Hauptursache dieser Bildung waren und noch sind. Nur hie und da haben besondere Mineral- wässer dazu beigetragen, indem anderswo Wasserfluthen oder der lange Wellenschlag auch Höhlen verursacht hat. Es fragt sich nun *) Mein bibliographischer Schatz liefert nur 96 Abhandlungen über aufrechtstehende Stämme. Namentlich 56 Citate in älteren Steinkohlen, 1 im rothliegenden, 1 rm Lias, 3 im unteren Oolite, 12 in den Portland- und Purbeckschichten, 7 in tertiärer Braunkohle, 2 in tertiären Grobkalk, 1 in der Molasse, 2 im vulkanischen Agglomerat, 5 im älteren Alluvium und 7 im neueren. 2 ) Siehe W. Kemps phil. Mag. 1843, B. 23, S. 28, Bibl. univ. Geneve 1844, B. 49, S. 184, E. Soubeiran, L' Institut 1852, S. 130, N. Jahrb. f. Min. 1852, S. 341, Josh, Trimmer, J. roy., agricult. Soc. of England 1852 u. Quart. J. geol. Soc. L. 1851, B. 7, S. 31, 1852, B. 8, S. 273—277, 1853, B. 9, S. 286—296. 22' 332 H o u e. warum solche Räume auch in älteren geologischen Zeiten, als die Alluvialperiode, nicht haben entstehen können. Damals regnete es wahrscheinlich noch mehr als jetzt, so da=s Durchsickerung und Quellen vorhanden sein mussten. Obgleich die Antwort schwer ist, so können wir doch bemer- ken, dass manche ältere Gebirgsmassen, besonders Kalksteine, die Anwesenheit von vielen Klüften und leeren Räumen beurkunden, aber letztere wurden später meistenteils durch Kalkspath oder Trümmer ausgefüllt *). Darum gibt es theilweise auch so viele Trümmerkalke und Gesteine in älteren Gebilden. Dann ist es gar nicht ausgemacht, ob gewisse metallische Lagerstätten in soge- nannten Putzen oder grossen Nestern nichts anderes, als solche ehemalige leere , später durch metallführende Mineralwässer aus- gefüllte Räume sind. In diesem Falle Mären besonders die von allen Geologen als neptunische Bildungen erkannten Gallmey, Mangan, Eisenoxyd und Hydratniederschläge, zu welchen man auch gewisse Bleiberge zählen kann. Ganz grosse Höhlen scheinen wirklich auf solche Art ausge- füllt worden zu sein. (S. z. B. Grüner für Eisencarbonate, Bull. Soc. Geol. Fr. 1864, B. 21, S. 183), indem durch Einsickerung in den Felsenspalten ihre feste Umgebung von Erzen , jetzt selbst imprägnirt erscheint. Solche sehr bauwürdige Mulden und Schlünde sind den Bergleuten zu allen Zeiten bekannt gewesen. 4 ) Nöggerath in verschiedenen Kalkformationen, Amtlicher Bericht, 23 Vers, deutsch Naturf. in Nürnberg 1843, S. 141, N. Jahrb. f. Min. 1845, S. 513—535, Ann. d. Min. 1849,4 F., B. 15, S. 475 — 496 Im paleozoischen Kalkstein zu Mazocha in Mahren, Mayer Schrift. Nat. Ges. in Berlin 1782, B. 3, zu Burgcheid, N. Jahrb. f. Min. 1S46, S. 456, Elie de Beauraont in ähnlichen Kalkstein zu Schirmek (Vogesen), Explicat. Carte geol. de Fr. 1841, B. 1, S. 322, Kirkby (J. W.) im Magnesia Kalkstein zu Dur- liam (Geologist 1860, B. 3, S. 293—298, 329—336, u. Fig. Woods (S. V. in corallenreichen Ciag zu Oxford, Phil. Mag. 1854, 4 F., B. 7, S. 320—326, Taf. 5, Fischer (0.) im Alluvium zu Piddleworlh u. Heath Dorsetshire (Quart. J. geol. Soc. L. 1859, B. 13, S. 187, Geologist 183S, B. 1, S. 327. Viele im Juragebirge Hugi Goldgraberbach, Henberg Solothurn, Verb. allg. Schweizer. Ges. 1826, S. 81, Ferussac's Bull. 1827, B. 11, S. 35, Deinem im Lot Depart. seine Statist, d. Depart. 1831, Ferussac's Bull. 1851, B. 26, S. 137, Hericart- Ferrand im Gatinais bei Chaleau-Landon, Bull. Soc. geol. Fr. 1836, B. 6,'S. 91, Virlet, Breinc, u. Grace-dieu Löcher, Freigrafsch. (dito S. 160—161), Thirria bei Vesoul,_dito S. 162 u. seine Stat. min. et geol. de la Haute Saone, Boue zu Bania in Serbien, Turquie d' Europe 1840, 1!. 1, S. 132 u. s. w. Vergleichung ehemaliger geologischen Phänomene mit einigen unserer Zeit, ooo Ausserdem bemerkt man b4i> ältesten Gesteinen unseres Planets fast gleichen und eine Menge krystallinischer Mineralien aufweisen, unter denen einige nur im trockenen Wege und andere aber sowohl im nassen als im feurigen Wege erzeugt werden können. Wahrlich gab es selten trachytische Schlammausbrüche in den Anden, aber diese selbst fischenthal- tende Mnja sah man nie in Schlammvulcanen, dessen Fossilen höch- stens aus einigen Erd- und Süsswasser oder selbst möglich Meer- mollusken-Gehäusen bestehen. Die Nähe der Vulcane von einigen Districten der Schlamm- vulcane mögen wir dadurch erklären, dass die Ursache des Vulca- nismus eine solche Hitze hat oder erzeugt, so dass sie auf die Stein- oder Braunkohlenniederlagen wirkt und sie theilweise distillirt. Anderswo müsste man die in der Tiefe überall herrschende Erdhitze als Ursache letzterer Umbildung annehmen. Ob die grossen Anhäu- fungen von Asphalt besonders im Tertiär und Eocen auch nur Pro- ducte eines solchen Distillationsprocesses möglich seien, möchte ich nicht hier entscheiden. Dass Bitumen auch durch vulcanische Gas- combinationen erzeugt werden kann, scheint eineThatsache, welche noch durch kleine Asphaltdrusen oder Gänge im Granite (Meyn in d. 24 Vers, deutsch. Naturf. 1846, Th. 8, S. 228) u. Witham Mem. Werner. Soc. 1832, B. 6) weiter scheinbar bestätigt wird. Die Hauptlagerstätte des Asphaltssind dieTertiäre, besonders die Insel Trinidad, wo eine Art kraterförmige Ebene damiterfüllt erscheint, die Gegend von Venezuela, dann dieEocengegenden von Istrien, Dal- matien, Aulona (Albanien), Mesopotamien, sowie die jüngere tertiäre Formation der Limagne, des Departements des Landes, der Elsass, Sessel im Departement des Ain und der Val Travers in Jura (S. J. B. Mayer der Asphalt des Val de Travers, Coblenz 1839), Palästina u. s. w. H. G. P. Wall glaubt in den südamerikanischen Asphalt nur einen von der tropischen Hitze abhängigen Verwesungsprocess der Pflanzentheile anerkennen zu können. (Quart. J. geol. Soc. L. 1860, B. 16, S. 467.) Wenn unsere Meinung die richtige wäre, so könnte man sich er- klären, warum in paläozoischen und FlöUzeiten kein solches Gebilde scheinbar unter der Reihe der Erdschichten zu muthmassen wäre. Die tertiären Braunkohlen hätten fast allein solche Schlammvulcan- bildungen ermöglicht. Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. LI. Bd. I. Abth. 23 346 B o u e. Dass möglichst L a g o n i in Urzeiten bestanden haben, könnte man muthmassen, da es boraxführende Gypse u. s. w. gibt, doch scheint dieses Gebilde eine derseltensten auf dem Erdballe gewesen zu sein. Pseudovulcanisehes (Porcellaniten u. s. vv.) bemerkt man aber höchstens im älteren Schwefelkies führenden Zeichenschiefer (Poligne, Bretagne Bull. Soc. geol. F. 1846, B. 4, S. 319), Alaun- schiefern (Grafsch. Kerry. Irland, Hist. of Kerry 1752), oder kohlen- führenden bituminösen Schichten (Derbyshire Edinb. phil. J. 1822, B. 7, S. 105—107, Severgin, 22 W. v. Reval Tasch. f. Min. 1809, B. 3, S. 312 1). Möglich, dass solche Producte aus geologischen Zeiten noch herstammen, aber alle anderen Pseudovulcane in altern Steinkohlen, sowie im Tertiären oder selbst die seltenen in kohl- und kiesführendem Liasschiefer (Hildesheim, N. Jahrb. f. Min. 1843, S. 322), Holzmaden, OhmdenZell, zwischen Boll und Pliens- bach. Würtemberg (Kraus (F.) dito 1842, S. 580), scheinen aus der Alluvialzeit herzustammen. (Appendix über einige pseudovulcanischeLocalitäten als Vervoll- ständigung zu Sitzber. 1864, Erste Abth., B. 50, S. 65.) England. Hodgson (Luc.) Newcastle Lond. phil. Trans. 1676, B. 11, S. 762, Nesbitt (K.) Kent, dito 1727, S. 307, Stephens Dorsetshire, dito 1761, S. 119. Finch, Bradley, StafTordsh. Ann. of phil. 1818, B. 11, S. 342 (brennte seit 1686), Ainsworth Char- mouth, Dorsetsch. S. Res. in Assyria 1838, S. 243, Murchison, Dudley Silur. System 1839, S.275, Lower-Haugh.Ausland 1848, S.676. Schottland. Bald (Rob.) Midlothian u. Clackmannshire Edinb. n. phil. J. 1828, B. 5. S. 101—121, Zeitschr. f. Min. 1829* S. 363, New-Stirling, Edinb. J. of Sc. 1830, B. 3, S. 364, Jahrb. f. Min. 1832, S. 447, Shaw-Park, New-Sauchie, Ed. J. of Sc. 1830, B. 3, S. 364, Fer. Bull. 1831, B. 25, S. 152. Irland. Riesendamm Braunk. Dr. Gierson Ann. of phil. 1817, B. 9, S. 121. Frankreich. Aubin Arveyron Fougeroux de Bondaroy Mem. Ac. P. 1765, Mem. S. 389, Morand, Rouergue, dito f. 1781, 1784. *) Hier gehört auch wahrscheinlich d. sog. Sallkrater auf der Insel Oesel, Wangenlieiin de Qualen. Bull. Soc. Natural. Moscou 1849, B. 22, Tb. 2, S. 204— 231, Tafel 5, 1830, B. 23, Th. 1, S. 289, 297 u. 18.'»2. H. 2.'!. Th. 1, S. 136—147. Corresp. naturf. Ver. Riga 18Ü1. B. 3, S. 40 u. I7ä. Vergleichung ehemaliger geologischen Phänomene mit einigen unserer Zeit. 34 i S. 169—227, Blanchet, Rive de Gier Rozier's Obs. S. phys. 1777, B. 10, S. 22, Bournon (Cte), Ricamarie, St. Etienne Esai. s. I. Litholog. 1785, S. 24, Le ßouvier, St. Etienne J. d. Phys. 1802, B. 55, S. 78, Mitche, Anzin, J. d. Min. 1804, B. 5, S.400, Matthieu, St. Julien de Peyrolat u. St. Paulet, dito 1806, B. 20, S. 321, Cocq La Boueiche, Auvergne, dito 1806, B. 19, S. 409, Leonhard Mag. Ges. nat. Fr. Berl. 1809: B. 3, S. 77, Tasch. f. Min. 1810, B. 4, S. 19, St. Etienne Ann. de Cb. et Phys. 1822, B. 21, S. 168,Combes u. Lorieux, Auhin, Arveyron. Ann. d. Min. 1823, B. 8, S. 434. Fer. Bull. 1824, B. 1, S. 236 u. B. 2, S. 33, Quart. J. of Sc. L. 1824, B.l7,S.180,Lortet,Chateau-Gail!ard Aveyronu.St.Etienne, N. Jahrb. f. Min. 1836, S. 579, Bertrand de Lom, Rive de Gier, Riviere's Ann. Sc. geol. 1842, S. 870, Commentry, N. Jahrb. f. Min. 1843, S. 112, Blondeau, Cransac, Villefranche, C. B. Ac. P. 1849, B. 29, S. 406, Le jeune, Arveyron, Geologist 1859, H. 2, S. 34. Schweiz im Tertiär zu Roche. Hannover, Mag. 1765, S. 503, 1772, S. 813. Belgien. Dr. Schwan Lüttich 1856, Falisole bei Charleroi seit 40 J., B. u. R. Zeit. 1860, S. 152. Deutschland. Eugelhardt Neuhaus, Thüringerwald seit 1840. Bergwerksfr. 1841, B. 4, S.241, Pamiewitz, Königsgrube, Schlesien, Karst. Arcb. f. Min. 1835, N. F. B. 8, S. 137—153, Laurahütte, Oberschlesien 1813—46 Augsb. Zeit. 1846, 26. April, Nöggerath Fanny Bergw. daselbst, N. Jahrb. f. Min. 1844, S. 610. In tertiärer Braunkohle, Grossalmerode, Hessen, Motz (J. H.) N. Hamb. Mag. 1767, B. 3, Tb. 15, S. 282, Westerwald, Stift, Tasch. f. Min. 1823, B. 17. S. 475—500, Fer. Bull. 1824, B. 1, S. 107, Habichtswald, Strippelmann, Stud. Götting. Ver. bergm. Fr. 1833, B. 3. S. 99. — Wolmirsleben, Alten Weddingen, Magdeburg, 1851, 9. Juni. Böhmen. Ellbogen. Kr.Gi af v. K.,Born's Abh. e. Privatges. in Böh- men 1776, B. 2, S. 58, Teplitz.Pusch, Zeitschr. f.Min. 1826, B. 1, S. 533 Ezquerra delBayo, N. Jahrb. f. Min 1834, S. 205 (S. Beuss Werke). Tirol. Häring Flurl. Moll's N. Jahrb. d. B. u. H. 1826, B. 5, S. 391—399, Karte. Ungarn. Felsö-Dezna, Biliar. Com., Hingenau's Oest. Zeitschr. f. B. u. H. 1862, N. 44, B. u. H. Zeit. 1863, S. 114 (Braunk.) Slavonien. Eminovaz, PoschegaCom.,Pazy (Ant.) Abh. Böhm. Ges. d. Wiss. 1785, Th. 1, S. 117. 23* 348 Boa e. Siebenbürgen. Aikos zwischen Vargyas u. Okland. seit 18. Oct. 1862, im Tertiär. Wal lach ei bei Tschernetz (Malowitza) im N. W. Th. Meyer (Herrn, v.) Üb. Fortschritte d. Kult, in Wallachei u. Moldau. Bonn 1835, N. Jahrb. f. Min. 1836, S. 84— 85 (im Tertiär). V enetian isc h. Zwischen Volghera u. Campigat, od. Canale u. Faibon, Agordo District 23. Aug. 1859. Spanien. Viada 10 St. v. Madrid 1828, Ausland 1829, S. 528. Kordofan. Djebel-koldaghi nach Ruppel N. Ann. d. Voy. 1824, B. 24, S. 282. Kurdista n. Abu-Geger bey Kifri, Ainsworth Res. in Assyria, 1838, S. 242. Persien. Berg Karabugas. Kasp. Meer Pallas Rozier's Obs. d. Phys. 1783, B. 22, S. 316, Lichtenb. Mag. B. 2, S. 84, auch Osruhna (Baschkire) Pallas 1770. Beluschistan. Pir-kisi Berg, Bellew (H. W.) J. of a polit. Miss, to Afghanist. 1862, Ausland 1863, S. 249. Indien. Nerbudda, Skene (Col.) u. Brigg (Lieut.) Asiat. Trans. 1829, B. 16, Edinb. n. phil. J. 1852, B. 52, S. 348. Pegu. Berg Nat-Mee,Duff (Lieut) J. Asiat. Soc. Bengal. 1861, N. 3, S. 309—313. Central asien. Humboldt (Alex) Pechan Vulkan, Bull. Fer. 1831, B. 27, S. 27, 10 Tagereise v. Auksee. 20 Tager. v. Yarkend, N. O. v. letzt. Stadt., J. Asiat. Soc. of Bengal. 1843, B. 12, Th. 2, S. 1031 adnot. (Siehe Sitzber. 1863, 1. Abth. B. 48, S. 369—370.) Sibirien. Middendorf auf d. Tamura. 50 W. v. ihr Mund, im Unt. Tunguska, Siber. Reise 1848, B. 1, Th. 1, S. 20. Nordamerika. Caleb (Alex), West River Mount. Mem. Amer Ac. Boston 1785, B. 1, S. 316, Buch, v. Cap. Breton Moll's Ephem 1804.B. 4, S. 9, Dwight,Statford, Conn. Edinb. J. of Sc. 1827, B. 6, S.192, Fer. Bull. 1828, B. 15, S. 247, Bioad mount. bei Harrisburg u. Minersville, Ausland 1854, S. 1248, Missouri L' Institut 1843, S. 41 6, am obern Missouri u. Yellowstone (in Kreide?) Nicollet, Americ. J. of Sc. 1843, B. 45, S. 153, Berg Pigeron Grafsch. Walker, bei Savannah, Georgien 1856—57, Naturf. Ver. Elberfeld 1857. Bar b ad e.Burnt-Hill, Hughes. Nat. Hisf. ofßaibadoes, durch Rob. Schomhurgk bestät, Monatsber. Ges. f. tinlk. Berl. 1847. B. 4, S. 73. Vergleichnng ehemaliger geologischen Phänomene mit einigen unserer Zeit- o4ti Chili. Talcuhuano, Peppigs Reise 1835, B. 1, S. 282 (Eisen- und Kupferkies- Verwitterung). Australien bei Segenhoe, Edinb. J. of Sc. 1829, N. F. B.l, S. 373, Mackie, südl. Wales, Ausland 1829, S. 656 Fer. Bull. 1830. B. 20, S. 59, Wilton (Ch. Pleydell Neall), Berg-Wingen oder Ouinghen bei Hunters Biver und Moreton-bai, Edinb. J. of Sc. 1829, N. F. B. 2, S. 270, Fer. Bull. 1830, B. 22, S. 383, N. Jahrb. f. Min. 1833, S. 583, S. 0. von Newcastle, Phil Mag. 1832, B. 1, S. 93, Fig. N. Jahrb. f. Min. 1833, S. 450, Cunningham (Allan), Berg Wingen, phil Mag. 1835, B. 6, T. 147. 350 Kotschy. Pluniae Binderianae nilotico - aet hiop icae quas determinavit Dr. Theodor Kotschy. (Additae sunt tabulae IV., V., VI., a, b, VII., VIII.) Postquam Reverendissimus Provicarius Knoblecher primus usque sub quaitum gradum latitudinis septentrionalis in Leuconilo per- venisset, condidit in Gondokoro, quod ab Alexandria 400 milliaribus geographicis versus interiorem Africam distat , missionem reli- giosam. Plantas ab illo ibidem colleetas jam nuper haec Academia scientiarum in lucem edidit. Hamm terrarum cognitio occasionem praebuit cum earum incolis commertio exercendo. Sic originem duxit admodum profigua permutatio mercium, praesertim praestamtissimi eboris et aliarum rerum, quarum illae regiones feraces sunt. Talia itinera commercii causa suscepit etiam iteratis vicibus cives noster transylvanus F. Binder, comes olim defuncti Reverendissimi Knoblecher. Fatisfuncti industrii mercatoris Malzac possesiones „Gaba Schambil etRonga," ad Leuconilum sub septimo gradu boreal. latitu- dinis et 28 gradu longitudini Parisiensi, redemit mercator Rinder, mora in Chartum peracta. In itinere ad has piagas suscepto, collegit dominus F. Rinder plantas, quas hie suis generibus adscriptas sisto. Exempla sub nummero 1—42 eollecta sunt per regiium Aelhiopum Schilluk et Kytsch, illae vero, quae a nummero 42 — 101 currunt, repertae sunt in ejus possesionibus et vicitiiis locis inter Gaba Schambil occidentemque versus 25 milliaribus a Leuconilo usque in regiones Ronga dietas. Reliquae 30 species prope Chartum et 50 aliae in plagis Aegypti et Nubiae creseunt. Collector has plantas omnes dono obtulit societati naturae curiosorum Cibiniensi. In prima Centuria reperiuntur 25 species, hactenus in regione Nili a nemine visae, quarum 7 porsus novae sunt, quam ob rem eas describere, additis delineationibus, hie placuit. Exhibent eae supplementum ad collectionem Knoblecherianam, quippe quod collectae sint a Gondo- koro duos gradus magis septemtrionem versus. Plantae Binderianae nilotico - aethiopicae. o51 Etiam de arbore butyri acuratius nonnulla ab eo nobis relata sunt. Aethiopes haue arborem „Lulu" appellant, Arahes vero nomine „Scbedder et Arak" designant, quod arborem sudoris denotat, quia incisione in corticem facta suecus lacteus exsudat. Hie suecus albus, libero aeri expositus. ruscus evadir, in fila duci potest atque speciem praestantissimam Gummi elastici exhibet, quam ipse Binder in globos torsit. Si transportatio bujus mercis in Nilo vilior esset, licerat ea non exiguum commercium exercere. Fructibus sapidis in- colae veseuntur, seminibus vero butyrum expriment, quod in calore gradu vicesimo indurescit. De palma oleifera item quadam, quae „Tamur et Faraoun" voca- tur, ab eo nobis etiam nunciatum est. Est ea Phoenici daetyliferae valde similis sed minoris altitudinis. Fasces fruetuum exigit multo breviores fruetusque minores. Petioli foliorum continent levem medul- losum massam. In ea collectione primum reperimus aquae innatantem Filicem Ceralopterim ex Nilo et ab littore Ipomaeam cujus tubera instar Solani tuberosi eibo inseriunlur. Maxima regionis arbor ad Rongam, cui nomen a me Urostigmati Binderiani datum est, nomine Scbedder et Fil, id est arbor Elepbantis incolae insigniunt. — Haec collectio majoris momenti est, quia non pridem alia plantarum collec- tio a notissimo Equite de Heuglin Herb. Caesar. Palat. Vindobonensi missa est, quae in vicinia septentrionem et oeeidentem versus Ex- peditioni Tinneanae debetur. Enumeratio plantarum a cl. F. Binder 1860 in regionibus Nili inventarum. tJEL Filices - Transylv. *27. Ceratopteris thalictrlfolia Brong. in Hooker sp. Fil. II. p. 359. Natans ad Hille Kaka sub 1 */ 2 gradu lat. boreal. 29 l / 8 longit Parisiis. Rhizocarpeae. * 13. Azolla nilotica Decaisne in scbedul. bort. Paris. Mettenius. Copiosa ad ostia Sobat in superfleie Leuconili sub gradu nono bor. latitud. l ) Plantae in regionibus Niji iuicusquc non repertae. 3.H2 K o t » c h y. Gramineae. 141. Eragrostis cynosnroides Steadel Synops. I. p. 264. Inter Char- tum et Berber copiosa. 62. Imperata arandinacea Cyrillo Icones II. 'Fig. 11. Ad littora Leuconili. Cyperaceae. 4. Cyperi spec. Ad Hille el Doleb. Commelinaceae. *28. Comnielina? sp. Ad Ostia Sobat. Exemplum sine flore. Liliaceae. *10. isparagas abyssinicus Höchst, in Rieh. tent. fl. Abyss, II p. 314. In graminosis Leuconili. Orchideae. Icod. Eulophia gnineensis Lindley var, purpurata Reich, fil. Labello, columna, sepalis, tepalisque purpuratis. In sylvis umbrosis prope Gaba et Seriba Schambil. Icod. Lissochilus speciosus R. Br. In arboribus vetustis sub 7 mo gr. bur. lat. Palmae. 122. Phoenix daetylifera L. Hort. Cliff. 482. In Chartum colitur. Ceratophylleae. 26. Ceratophyllam demersauiL. Hort. Cliff. 446. Ad insulas Schilluk. Pistiaceae. 25. Pistia aethiopica Fcnzl in Klotzsch Monogr. Stagna Schilluk incolit. Urticaceae. 180. Urtica pilulifera IAnn. Hort. Cliff. 440. In hortis Chartum ex Aegypto cum Spinacia oloracea intradueta. Plantae Binderianae nilotico-aethiopicae. .).)«> Moreae. 102. Sycomorus antiquornm Gasparini et Miguel in Hook. London Jour. of Bot. VII p. 109. In Aegyto et per Nubiam. 73. Sycomorus rigida Miquel in Hook. Lond. Journ. of Bot. VII p. 110. In littore Leuconili prope Dinka. 173. 176, Ficus? sp. ex India orientali in hortis Cahirae culfa. Exempla manca. *93. Urostigma Binderiannm sp. nov. ? Turionibus tomento denso fiavicante obductis apice flexuosis. Gemmis cylindrico- conicis obscure fuscis. Foliis magnis late - obovatis, lamina deflexa. Petiolus vix pollicaris pennae anserinae crassitie can- naliculatus cum costae valida parte arcuatim deflexus. Lamina cum auriculis S*/» pollices longa 6*/ 4 poll. lata basi anguste sinuato-cordata, lobis latis rotundatis, margine integerrima paullulum undulata, apice late-rotundata, glaberrima, subevolu- tione glauca, tum nitens, infra costa et venis prominentibus fusco pubescentibus, venis primariis ad 16 — 20 late diver- gentibus marginem versus arcuatim adscendentibus, venis secundariis trai»sversis fere paralellis, pilis sparsis obsitis. Caetera ignota; affinis apparet: Fiscus (Urostigma) platyphylla Delile Centur. de plan- tes (VAfrique p. 62. n. 49. ( a cl. Miquel in Hooker Lond. Jour. of Bot. VI. p. 225 etc., ommissaQ Foliis cordatis ovali- bus, obtusis glabris supra lucidis, subtus mollibus; pedunculis axillaribus geminatis, fructu globoso longioribus. Folia 6 — 6y 3 poll. lata 8 poll. longa integra vel paulo undulata, cordata lobis semiorbicularibus infra petiolum se tegenti- bus. Nervis 8 — 9 a costa late divergentibus; facies laminae superior plana et glabra inferior reticulata mollis quasi velutina, pilis non perspicuis. Petioli 3 — 4 poll. longi 2 J / 3 lin. lati. Fructus axillares, globulosi gemini, stipite poll. longo insidientes cum involucro monopbyllo quinque-sex- dentato obtuso inaequali. Fructus 5 — 6 lineas latus paucis pilis brevibus obsitus. 354 Kotschy Amaranthaceae. 43. Kuxoliis polygamus Moguln Tand, in D. C. Prod. XII. 2. p. 272. Ad liüora Leuconili. 133. 139. Aerva javanica Juss. Ann. Mus. XI p. 131. In Nubia frequens. 20. 88. Achyranthes argentea Lam. Dict. I p. 545. Ad littora Leu- conili frequens. 8. Celosia argentea Linn. sp. 296. In graminosis Aethiopiae. 76. 51. Celosia trigyna Linn. Mant. p. 212. o fasciculiflora Fenzl in pl. aethiop. Ky. n. 285. In sylvis Schilluk. copiose. Polygoneae. 167. Calligonnm coinmosum L' Her it. in Transac. soc. Linn. Loud. I p. 180. In deserto prope Cahiram. Nyctagineae. 47 Boerhaavia adscendens Willd. sp. I. p. 19. var pubescens Moq. Tand, in D. C. Prod. XIII. 2. p. 451. n. 4. Ad Leuconilum. Gompositae. 59. Vernonia Perrottetii C. H. Schultz Bip. ms. = Wehbia serra- tnloides D. C. Prod. V. p. 72. In graminosis Schilluk. *11. Guttenbergia Rnppelii C. H. Schnitz Bip. Gedenkbucb, Walp. Rep.II. p. 703. var. latifolia. In graminosis Leuconili ad Kitsch. 100.75. Ethnlia couyzoides L. ß africana D. C. Prod. V. p. 12. Prope Zeriba Schambil. 14. Ethulia gracilis Del. in Caill. Voy. t. 64. In Sund insulis Schilluk. 165. Asterlscus graveolens D. C. Prod. V. p. 485. nor. 3. Ad Cairo versus Asrak. 89. Chrysanthellaiii iuilicum D. C. Prod. V. p. 631. Ad Leuconili littora. 164. Artcniisia Delileana Besser Mem. de sav. etrang. IV. p. 486, Cabirae, in deserto. PInntae Binderianae nilotico-aetbiopicae. o55 135. Francoucria crispa Cass. Dict. XXXIV. p. 44. In Nubiae desertis. 57. Echinops serratifolios C.H. Schultz msc. 166. Zollikofera chondrilloides I). C. Prod. VII. p. 183. In dersertis Cabirae. *42. Composita? Folia in radiee annua simplici rasulatim disposita, obovata basin versus sensim angustata 3 poll. longo l 3 /4 P°"- lata, glabrata, repanda, denticnlata, tenuissime mcmbrauacea diapliana, juniora pube molli obducfa ad basim serineö lanugi- nosa; costa ultra medium laminae trinervis, nervis cum rami- ficatione perspicuis. Caetera desunt. Habitat in umbrosis inter Kyk et Djur regno Aetbiopum. Rubiaceae. 92. Hcdyotis (Kobautia) grandiflora A. Rick. fl. Abyss. I. p. 362. Zeriba Sehambil sub 7 grad. lat. boreal. 49. Speruiacoce chartocephala I). C. Prod. IV p. 554. nor. 16 ß. brevifolia. In Ronga a Leuconilo occidentem versus. 82. Mitrocarpuai scnegalense D. C. Prod. IV p. 572 n. 9. Leuconili littora. *58? Fruticis rami lateralis fragmentum. Caulis (diamet. 2 lin.) sericeo-tomentosus, verticillis trifoliatis tribus intervallis polli- caribus obsitus. Gemma terminalis conica acuta tomentosa. Stipulae supra petiolis inter se connatae dense pilosae mem- branaceae, venis fuscis percursae reticulatae intus rubrae glabrae. Folia in petiolo vix lineari crasso sessilia 5 pollices longa 1 i/ a poll. lata longe-obovata subacuta basin versus sen- sim angustius decurrentia rigidissima in sicco et fragillima, argentea, supra nitida scabriuscula, margine cartilagineo pilis aculeiformibus sursum vergentibus obsita, costa pilosa flavi- cante percursa; subtus concoloria pilosa, costa et venis pri- mariis secuudariisque prominentibus adscendentibus, tertiariis transverse retieulalim dispositis, omnibus longiuscule pilosis Folia novella 4 pollicaria obscure viridia , costa pallidiore pilosa, lamina pilis brevibus sursumversis scabra, infra flavo- grisea intense reticulata, margine undulato pilis aculeiformibus jam efformatis obsita. In regno Eliab sub 7"° gradu. bor. long. 356 K o t s c h y. Apocyneae. 112. Tinea rosea Unn. sp. 305. In hortis Chartum culta. Asclepiadeae. 103. Calotropis procera ß. Br. in Hort. Kew II. p. 78. Nubiam incolit. 131. Leptadenia pyrrhotechnica Decaisne in D. C. Prod. VIII. p. 629 nor 11. In Nubiae deserto loco non notato legit Binder. 147. Oxystelma Alpini Decaisne in D. C. Prod. VIII. p. 543. Ad Om el Tejur Aegypt. sup. 160. Daenda cordata R. Br. Werner soc. I. p. 50. Prope Cairo in Mokkatam. Cerope^Ia nilotica nov. spec. Tuberosa, volubilis, glabra, foliis ovato-lanceolatis utrinque attemialis acuminatis antror- sntn dentatis, pedunculis folio brevioribus bifloris, corolla cla- vaia basi ventricosa versus limbum dilatata glabra, laciniis deltoideis apice cohaerrentibus intus atrofüseo pilosis basi macula flava signatis. Coronae starnineae lobis exteriocibus concretis breviter-truneato-diJatatis integris, lobis inferioribus quinque lingulato-spatbulatis erectis liberis coronam tripplo superantibus flavidis. Ceropegia ringens A. Rieh.? tent fl. Abyss. II p. 48; in plantis Knoblecberianis n. 35. In regionibus regni Barri sub 4 t0 gradu bor. lat. prope Gondokoro locis saxosis legit Rev. Knoblecber 1858. Radix tuberosa, caules volubiles, in sicco quadranguli, graciles, carnosuli, iuternodia bipollicaria, f'olia subcarnosa pollicem longa octo lineas lata ovato-lanceolata utrinque attenuüta aeuininalo-pi odueta, dentibus callosis cuspidatis antrorsum denticulata. Pedunculi quadranguli , supra axil- lares foliolongiores biflori. Calycis laciniae subulatae, patulae, sesquilineam longuae. Corolla 1 '/ 8 pollicem longa ad limbum '/ 3 poll. lata atrofusca basi paulluluin intlato-incrassata, versus limbum dilatata, maculata. Laciniae trilineares deltoideae apiee coberrentes, intus atrofusco-pilosae, basi tnacula tlava signatae. Coronae starnineae lobi exteriores boiizontales breves truncati Pliintae Binderianae nilotico-aethiopicae. OO T dilatati integri glabri, lobi interiores lingulato-.spathulati quinque recti coronam triplo superantes glaberrimi flavidi. Inveutis exemplaribus Knoblecberianis prefectioribus novam hanc Ceropegiam eruere Iicebat, quae affmis coronae structura Ceropegiae ciüatae, colore et magnitudine florum Ceropegiae eleganti. Labiatae. 98. Oc vm u m filamentosnm Forste, fl. aegyp. et arab. p. 108. In Leuconili iittoribus ad Kyk et Noer. Verbenaceae. 174, 178. Dura nla IM um im Jacq. stirp. Amer. hist. p. 186 t. 176. Colitur ad Cahiram. 80. Clmxlendron cordifoliam A. Rieh. tent. fl. Abyss. II. p. 170. In regionibus sub 7 mo gradu lat. boreal. ad Zeriba Scbambil. 78. Vitex. (Chrysomallum) sp. n. Exempla incompleta. Ad Ronga frequens. Salvadoreae. 140. SaWadora persica Linn. Amoen. Acad. III. p. 20. — Ann. sc. nat. Ser. III. Vol. X. p. 191. Friiticeta in viciniis Chart um ad Kalakle pagurn componit. „Raq" Arabum» Cordiaceae. 21. Cordia subopposita D. C. Prod. IX. p. 480. n. 42. In regno Kitsch ; fruetus „ümdrab"nominati, Olivae instar commediintur. Asperifoliae. 129. Echiom arenariam Guss. pl. rar. p. 88. tab. 17. In derserto Nubiae. 168, 159, 169. Echinochilon fruticosom Desf. fl. Atl. I. p. 67. t. 47. Ad Cahiram in Mokkatam. 137. Heliotropium pallens Del. pl. Agypt. p. 69, t. 4. In Dongola et Chartum. 158. Heliotropinm luteum Poir. Snppl. III. p. 22 (1813) = H. linea- tum Del. In Aegypto. 54. Trichodesma fiotsehyanam Bunge inLinnaea 1844. p. 152. Ad iittora Leuconili. 3!)8 Kotsehy. Convolvulaceae. 156. Convolvulus Forskailii Del. fl. Aegypt. p. 46. t. 18. lig. 3. In Aegypto. 35. Ipomea reuiformis Choisy Convol. or. p. 64. ß. nilotica. Leu- conili liltora. 22. Ipoutea chryseides Lind. Bot. Reg. 279. Flores tlavi sua- veolentes. Ad aquas Leuconili in fruticibus scandens. 2. Ipomea Cordofana Choisy in D. C. Prod. IX. p. 350. n. 9. Sub 7 no grad. bor. lat. 44. Ipomea obscnra Choisy in D. C. Prod. IX. p. 370. Ad littora Leuconili. 109. Ipomea asarifolla R. et S. Syst. Voy. IV. p. 251. var nilotica, foliis apice rotundato excisis, pednneulis multifloris. Prope Chartum ad W.id Schellay. 19. Ipomea reptans Poir in D. C. Piod. IX. 349. Flores rosei magni. In regno Kitsch et Noer. 48. Calonyction acanthocarpnm Choisy in D. C. Prod. IX. 346. Ad Leuconilum. *22. Argyraeia speciosa Sweet Hort, suburb. ed 2. p. 289. Ad Zeriba Schambil in regno Noer. *39. Pharbitcs fragrans Choisy in D. C. Prod. X. p. 341. nor. 4. Zeriba Schambil. 100. Breweria malvacea Klotzsch fl. Mozamb. p. 245. t. 37. In regno Noer. Solanaceae. 83. Solannm coagulaiis Forsk. fl. Aeg. Arab. p. 47. In regno Noer. 153. „ nigrum Linn. sp. I. 266. In Aegypto superiori. 170. Nicotiana glauca Graham in bot. Mag. t. 2837. Culta in Cahirae hortis. 163. Scopolia matica Banal in 1). C. Prod. XIII. 552. n. 1. Ad Pyiamides. 136. Withauia somnifera Dunal in D. C. Prod. XII. p. 453. ß. com- munis. In Nubia. Acaothaceae. 24. Barleria Hochstetteri Nees. in D. C. Prod. XI. p. 231. n. 29. Insulae Schilluk. Plantae Binderianae nilotico-aetliiopicae. 359 3. Hypoestes latifolia Nees in D. C. Prod. XI. p. 569. Ad Iittora insul. Schilluk. 85. Nclsonia origanoidcs Roem et Schult. Syst. I. p. 173. Ad Leuconilum frequens. Orobancheae. lcon. Striga orobanchoides Benth in D. C. Prod. p. 501. n. 1. Noer. Sesameae. 113. Sesamoptcris alata D. C. Prod. IX. p. 251. In graminosis Char tiim vicinis. Sapotaceae. 72. Butyrospcrmnni Parkii Kotschy in Sitzb. der k. Akad. 50. Band. Ad Zeriba Schambil sub 7° Gradu bor. laf. frequens. Ampelideae. 5. Cissas digitata Lam. Illust. n. 1627. Ad Goos ei Kelb Nubiae. Annonaceae. 124. Anona Forskailii D. C. Syst. I. p. 472. Colitur in Chartum. 96. „ senegaleasis Pers. Encheir. II. p. 95. Deless. Ic. t. 86. (= Cienkowsky Herb, Caesar. Petropot. nor. 119 in Kassan, Dul, ßenischemgul, Martio Aprile florens.) In regnoNoer legit ad Leuconilum et Binder. 196. Anona squamosa Linn. sp. 575. (Folia tantum.) Colitur in Cabirae hortis. Cruciferae. 132. Dipterygium glancum Decaisne in Ann. sc. nat. ser. II. Vol. IV. p. 66. t. 3. In deserto Nubiae et prope Chartum. 192. Zilla myagroides Forsk. Desc. pl. Aegypt. p. 121. n. 75. Ad Cahiram. Gapparideae. 37. Maerva oblongifolia A. Rieh. tent. fl, Abyss. I. pag. 32. In regno Schilluk. 33. Capparis tomentosa Lam. Dict. I. p. 606. Ad Iittora Leuconili. 360 Kotschy. 32. Capparis micrantha A, Rieh. ten. fl. Abyss I. p. 31. Ftuctus i*u bri. In sylvis regni Kitsch ad Leuconilum. 34. Crataeva Adansonii 0. C. Prod. I. p. 243. „Temdeka« Aethi- opum in regno Schilluk. 118. Gynandropsis pentaphylla D. C. Prod. I. p. 237. In eultis ad Chartum. 130. Sodada deeidua Forsk. desc. pl. Aegypt. p. 81. In deserto Nubiae. Nympheaceae. 12. Nymphca caerulea Savig. dec. Aegypt. III. 74. Zeiiba Schambil. Cucurbitaceae. 38. Bryonia mircantha Höchst, in A. Richard tent. fl. Abyss. I. p. 288. Ad Leuconili littora. 31. Rhynchocarpa foetida Schrader in Linnaae XII. p. 403. Nalidin in Ann. sc Ser. IV. Vol. XII. p. 146. In regno Schil- luk. et Kyk. 74. Cucumis deliciosus? Roth Catalog III. p. 327. Ad Leuconili ripas. 23. Momordicae sp. flores maseulini. In Iittore Leuconili. *15. Coccinia palmatisecta nov. spec. Tab. IV. Caule flexuoso tetragono, foliis palmato quinquesectis, lobis lateralibus con- fluentibus, infimis divaricatis, terminali majore, omnibus pinnatifidis, lobis subdentatis aecutis mucronalis margine sca- bris, floribus masculis: corolla campanulata lobis acutis mucronatis, floribus t'oemineis: bibracteolatis, bractea exteriore majore glabra, interiore breviore hispida, bacca oblongo- ovoidea coccinea. In Aethiopum regno Kytsch fructus immaturi loco Cucu- merum veseuntur teste Hansal. Ex paludibus per regnum Noer diviilgatam adulit cl. Binder. Caulis gracilis scandens subglaber. Folia interstitis 2 — 3 pollicaribus dissita; petioli l / ä — 1 pollicares scabii; lamina circiter palmaris, longitudine latitudinem subaequante; lobi laterales bipartiti angusti, partibus rectangule divergentibus, utrinque lobulati vel dentati, lobus terminalis pinnis decrescen- tibus 3 — 4 suprapositis parce dentatus; subtus basi inter I'lant:ie Kindei-iauae nilotico-aethiopicae. 361 nervös glandulifera, marginibus scabra, supra intense viridis, subtus pallidior, utrinque tuberculato punctata, tuberculis in sicco nigrescentibus. Cirrhi oppositifolii simplices elongati. Flos masculus solitarius axillaris pedunculatus pedunculo petiolum aequante, utrinque puberulus. Stamina generis. Flos femineus bibracteatus, bracteae sessiles, erectae obovatae obtusae semiamplectentes, bractea exteriore spatbaeformi lan- ceolato-obovata crassa, inferiore dimidio minore. Calyx laciniis quinque lanceolatis intus subconcavis apice incurvis. Corolla calyeis Iongitudine, laciniis erectis anguste-linearibus apice conniveutibus. Stigma trifidum. Ovarium costulatum verrcu- losum oblongum, placentis tribus duplici serie ovuligeris. Ovula lenticularia. Fructus 3 poll. longus diametro pollicaris coceineus vel cruentus. Proxima Cocciniae Schimperianae Nalidin in Ann. sc hist. nat. quae differt: foliis crenato-dentatis, dentibus omnibus angulalis, fructu laevi ovo gallinaceo magnitudine. Portulaceae. 128. Trianthema cristallinnm Vahl. Symb. I. p. 32. In Nubiae dc- sertis. Paronycmeae. 67. Polycarpea linearifolia D. C. Prod. III. p. 374. n. 12. Ad arida Malvaceae. 145. Abntilon asiaticoni D. Don in Walk, et Arn. Prod. fl. penins. Ind. I. 55. Nubiae. 154. (iossvpiuiu indicuiii Lam. Encycl. II. p. 124. Colitur ad Nilum. *55. Hibiscos Sabdariffa Linn. sp. 978. Colitur ad Leuconiiurn. *50. „ (Abelmoschus) jatrophaefolius A. Rieh. tent. fl. Abyss. I. p. 58. In limosis exsiccatis Nili ad Noer. 36. Hibiscus cannabinns Linn. sp. 979. Ad Leuconiiurn. Büttneriaceae. 95. Orewia velutiaa Vahl. Symb. 1. 35. Frequens ad Zeriba Schambil. *66. ,. parvifolia Höchst, in A. Rieh. tent. fl. Abyss. I p. 91. Sitzb. d. mathem.-naturw. CJ. LI. Bil 1. Al.th. 24 362 K o t s ch j. Bombaceae. 105. Adansonia digitata Linn. sp. 960. Exempl. in Chartuni culta. Tamariscineae. 15I.Tarmarix nilotica Ehrenbg. in Bunge Genus Tamar. p. 54. n. 29. Aegypt. superior. Meliaceae. IT 1 . Melia Azederach Linn. sp. 550. Frequens in hortis Cahirae. Anacardiaceae. 172. Schiunus niolle Linn. sp. 1467. Culta in Cahirae hortis. Burseraceae. 101. Balsamodendron Kotschyanum Berg in Schldl. but. Zeit. 1862. p. 156. In littore Leuconili arborescens. Rhamneae. 142. Zizyphus Spina Christi Willd. sp. pl. I. p. 1105 var. calycibus albo-tomentosis. Ad Leuconiluin. Euphorbiaceae. 64. Acalypha villicaulis Höchst, in A. Rieh. teut. fl. Abyss. II. p. 248. Ad Ronga. *82. Euphorbia pilulifera Linn. Amoen. Acad. III. p. 114. In regno Noer. 87. Euphorbia Indica Lam. Dict. II. p. 423. In insulis Schilluk. 127. „ aegyptiaca Boiss. Cent. Euphorb. p. 13. In Nubia. 77. „ scordifolia Jacq. Ic. rar. III. tab. 476. In (Astapi) Leuconili littore. *69. Euphorbia livida E. Meyer in Drege Document. p. 184. Per regnum Kytsch. 117. Phyllanthus andrachnoides Willd. sp. IV. p. 575. n. 4. In hortis Cahirae ex Indiu orientali colitur. Plantae ßinderianae uilotico-aetliiopicae. oDO 41.79. Phyllanthas Nururi Linn. sp. 1392. Per Aethtopiam Nil frequens. Zygophylleae. 115. Zygophylluni siniplex Linn. matit. 68. Prope Chartum. 161. „ albain Linn. Decades. I. t. 8. In desertis Cahirae. 134. Fagonia parviflora Bolss. Diag. pl. Orient. VIII. p. 124. In Nubia. 138 Tribolus Kotschyanus Boiss. Diag. pl. Orient. IL I. p. 111. In littoribus Leuconili (Astapi) et in Nubia australiori. Combretaceae. * 46. Combrctuni Binderiauam nov. spec. Tab. V. Ramis strictis foliis alternis ovatis vel obovatis laeviter acuminatis basi subinaequalibus membranaceis, subtus, sub lente, lepidotis, spieis supraaxillaribus solitariis folio brevioribus, calyce lepi- doto, pptalis obcordatis, disco basi calyci adnato, margine libero annulari setoso, setis inflexis. Ad littora Leuconili sub 7 mo gr. boreal. lat. et 28° Ion- git. Paris, inter Gaba Schambil occidentem versus prope Kabet et Sakkadir. Decembre floret. Arbor elala. Rami virgati teretes glaberrimi virides, juniores sub lente parce lepidoti. Gemmulae minimae supra- axillares. Folia alterna inferiora saepe subopposita; petioli semipollicares usque pollicares supra canaiiculati; lamina 3 — 4 pollices longa 2 pollices lata supra sub lente minute tuberculata, costa subtus prominente, nervis lateralibus 6 — 8, utrinque praeprimis supra venulosa, in sicco pallide viridi- flavescens. Spicae pedunculatae, pedunculo petiolum subae- quante, graeiles 20 — 30 florae. Floresflavi. Calyxovarium sub- aequans 2 lineas longus subturbinatus, limbo tubum aequante, dentibus late-triangulis erectis. Petala dentibus calycinis sub- longiora. Stamina extus ad discum inserta, ülamenta arcuatim conniventia; antherae ovoideo-cordatae subdidymae, loculis ellipsoideis obtusis. Discus, parte inferiore tubo calycis adnato superiore libero late annulari, ad marginem villosus, villo par- tim inflexo. Stylus rectus faucem superans versus apicem 24» 364 K o t seh y. paullo attenriatus. Stigma obtusum punetiforme. Ovula qua- tor, funiculo papillnso. Proximum Combr. alto Guill. et Perr. quod differt: den- tibus calycis mueronatis, disco basi tomentoso, petalis orbi- cularibus. Combret. micranthvm differt, florib. roseis, petalis lanceolato -spathulatis. Comb)\ Quartinianum differt petalis pilosis, disco brevi basi tubi inserto puherulo. 61. Combrctiint Hartniannianom Schwein fürt h plant, quaed. ml. p. 29. nor. 97. tab. 15. 16. Ärbor divulgata in Noer. 73. Anogeissus sp. nov. ? folia tiovella. Frutex frequens ad Rongam. Oenothereae. *90. Jossiaea linearis Willd. sp. II. p. 575. Schumacher et Tonn. Guineis pl. I. p. 237. n. 135. Descript. optim. quadrat.-Hab- stadt ad Noer. 18. Jussiaea repens Linn. Maut. 381. Frequens ad Nili albi littora. 6. ,. fioitans Höchst, in Flora (Bof. Zeit.) XXVII, II. p. 425. In regnö Noer. Lythrarieae. 91. Ludwigia (Isnardia) multiflora Guill. et Perrott. fl. Senegamb. I, 265. ß elata. In humidis ad Gaba Schambil. 155. 177. Lawsonia alba Lam. Dict. III. p. 106. Colitur in Nubia frequens. Papilionaceae. 52, 53. frotalaria intermedia Eotschy in plan'. Knoblecherianis tab. III. Ad Ronga. 86. lndigofera aspera Perott. et D. C. Pi od. II. p. 229. n. 76. In regno Dschur. *99. lndigofera? (§. 3. Multijugae) Binder! n. ^p. Tab. VI. H. Caule suffrutescente erecto, foliis uni-frijugis , foliolis ovalibus emarginatis mucronulatis utrinque imprimis subtus asperis, terminal] a reliqnis remoto, racemis axillaribus pedun- culatis folio 2 — 4 longiorihus cylindricis, calyeibus laciniis bre- vibus nee acurninatis carina ecalcarata. Crestil ad Leuconili littora in Rejjno Noer. Binder 1861. Plantae Biuderianae nilotica-aethiopicae. oOD Herba tota, imprimis partes imvelli, pilis adpressis medio aftixis , scabra. Ranii ramulique angulati striati. Folia alterna stipulata, inferiora trifoliolata superiora uni-trijuga. Petiulus communis */ a — iy a pollicaris. Foliola opposita stipellata bre- viter petiolulata ovalia emarginata mucronata iufra scaberrima. Stipulae lineares persistentes; stipellae angustissimae. Racemi axillares elongati pedunculati t'olio 2 — 3 plo longiores densi- fiori cylindrici. Flures subsessiles fasciculati. Bracteae acumi- natae lineares gemmis floriferis longiores. Calyx dentatus aspe»-, dentibus postieis brevioribus , antico vix longiore, omnibus ovatis obtusis apiculatis vel acutis. Vexillum concavum subrotundum exunguiculatum extus pilosum: alae vexillu duplo breviores vix unguiculatae basisubtruncatae oblongae acutae versus apicem latiores : carinae foliola vexillo paulo longiora oblonga supra basin paulo connata, caeterum libera, margini- bus contignis, fxtus pilosa. Stamina decem diadelpha, alterna antherarum longitudine breviora; antherae apiculatae. Ovarium lineare oblongum in styl um brevem inflexum attenuatum. Stigma crassuin capitatum papillosum. Affinis structura calycis Indigoierae reflexae E. Meyer. 104. lndigofera Anil Linn. Mant. 272. 7 ortbocarpa in \). C. Prod. H. p. 225. n. 33. Nili littora. 63. 97. lndigofera Knoblecheri Kotschy in pl. Knoblecberianis. In regno Eliab. 56. 70. lndigofera capitata nov. sp. tab. VI A. Suftruticosa, cau- libus erectis virgatis ramosis, foliis 3 — 4 jugis, foliolis oblongis obtusis vel acutiuseulis mucronatis basi acutis, utrin- ijue adpresse-pilosis, floribus subcapitatis, calycis tubo bre- vissimo, corolla calyce breviore, staminibus quator anantberis, legumine ovoideo 1 — 2 spenno. In regno Eliab ad Leuconili littora inter Gaba Schambil et Ronga sub septirno gradu lat. boreal. legit Binder. Tota pilis adpressis albis medio affixis vestita. Caules graciles angulati apicem versus ramosi, ramuli subpaterntes in capitnla florigera terminali. Stipulae minutae sesquilinea- res tenuissimae erectae. Folia interstitiis »/ 3 — I pollicaribus, breviter petiolata, imparipinnata, 3 — 5 juga, foliola opposita 6 lineas longa, 2 lin. lata, supra sparse et Iongius, infra 366 K ö t s c h y. brevius et dense adpresse pilosa, foliolum terminale paullo majus. Flores eonfertissimi racemosi bracteati in capitulum baemispbaericum, basi foliis caulinis multo minoribus involu- cratum, dispositi, bracteae bilineares subulatae hirsutae. Calyx 4 lineas longus, laciniae arcuatae acuminafae, superiores lati- ores et paulo longiores. Yexillum extus pubernlum carina Ion- gius e lata basi ovato - lanceolatum concavum apieulatum margine involutum octostriatum, alae cultrifonnes basi pro- funde sinnuatae; carinae foliola concava, calcarata infra calcare-unidendata. Stamina diadelpha, antheris ovoideo-acu- minatis, sterilia brevissima filamentis duplo breviora, antheris vis rudimentariis vel deficientibus. Ovarium oblongum puberu- lum uni-biovulatum. Ovula reniformia. Stylus puniceus, arcua- to-assurgens antheras superans. Stigma flavescens capitatum, Legumen oblongum compressum puberulum, stylo persistente. Semina cubica, testa nitida, fusea, cotyledones aurantiaci. — Affinis foliis lndigoferae hilari E. Meyer, struclura calyeis lndigoferae stenophyllae Guill et Per rot, quoad inflorescentiam et fructus proxima lndigoferae macrocalyci G uill. et Perrot. — 84. TephrosiaapoIlineaZ). C.Prod. II. p. 254 nov. 51 |3.anthylloides Höchst. D. C. Prod. II. p.252. n. 33. Frequens ad Leuconilum. 126. Tephrosia apollinea Del in D. C. Prod. II. p. 154. n. 51. In Nubiae cultis, 111. 146. Scsbania aegyptiaca Pers. Euch. II p.316.n.l. InAegypto. 7. Sesbania pachycarpa Guill. et Perrot. tl. Senegal. I. p. 200 tab. 50. Ad littora insularum Sehilluk. 29. Herminiera elaphroxylon Cm7Z. et Perrot. f\. Seneg. p. 201. t. 51. *40. Aeschynomene aniflora E. Meyer. Comment. pl. Afr, I. p. 123. var. nilotica; rachide ramisque glabris, calycibus pilis paucis obsitis, ciliis carinae glauduliferis. In uliginosis regni Aethio- pium Noer ad Leuconilum. 45. Alysicarpus vaginalis D. C. Prod. II. p. 353. n. 2. In regno Kytsch. 108. Clitoria Ternatea Linn. sp. 1026. In fruticosis Chartum. * 1. Glycine axilliflora nov. sp. Tab. VII. Volubilis, caule rufescenti- villoso, foliis petiolatis unijugis, foliolis lanceolatis obtusis, mucronatis supra glabris infra adpresse sericeo-puberulis, lateralibus inaequilateris, racemis paucitloris petiolo multo Plantae Biutlerianae nilotico-aethiopicae. uÖl brevioribus, floribus minimis, leguminibus angustis pendulis apice unoinatis, adpresse pilosis, 8 — 12 spermis, seminibus subreniformibus compressis atris nitidulis. Seandens in paludibus fruticosis Aethiopum ad Ajab inter insulas Scbilluk sub iO lalitud. boreal. Caulis quadrangulu« dextrorsum tortus, pilis mollibus deor- sum versis dense vestitus. Folia remota; petioli pollicares retroverse pilosi, petioluli validi sursum pilosi, stipellis subu- latis dimidio brevioribus suflfulti; foliolum intermedium 3 polli- ces octo lineas latum, nervis lateralibusS — 9patentibus versus maiginem adscendentibus; lateialia foliola paullo latiora, nervis lateralibus 5 — 6. Flores minimi sanguinei. Calyx 2 lineas longus ad medium fissus, basi bibracteatus cum bracteis birsu- tus. Corolla ealyce inclusa, calycis laciniae bauceolatae acutae. Vexillum ovatum emarginatum basi puberulum; alae cultri- formes apice rotundatae; carina alis brevior, foliola semiovalia conrava subcoalita apice rotundata. Stamina monadelpha, tubo stamineo postice fisso, filamenta quinque fertilia, antberis ellipsoideis emarginatis, sterilia subulata ananthera. Ovarium bispidisimum multiovulatum. Stylus bievissimus glaber. Stigma capitatum papillosum. Legumen sesquipolliocare stylo in- structum compressum cellulosum, cellulis 2 — 2 1 / 3 lineas longis interseptis. Semina reniformia vix linearia atra. Proxima Glycine micranthae Höchst, in A. Richfl. Abyss. quae differt. foliolo terminali elliptico, subtus cuneato 3 nervi, racemis longitudine folii , legumine submoniliformi 4 — 6 spermo. — 94. thirocalyx abyssinicus Höchst, in Flora bot. Zeit. 1846. p. 600. *6. Phaseolos brevipes Benth. in Annal. Wien. Mus. II. p. 139. n. i>3. var. longepedunculata. Flores aurantiaci, legumen mag- num. In regionibus paludosis Aethiopum Noer. 6o. Phaseolos vulgaris Savi mem 3. p. 14. var. micrantha, flores minuti, alae apice rotundatae nee in dentem produetae. In regionibus Aethopum Eliab sub 7 m0 grad bor. lat. 106. Folia Phaseoli sub nomine „indici" in Chartum eulti. 152. Cajanas flavas D. C. Cat. hört. Monsp. p. 85. n. 43. Colitur frequenter in regionibus nubicis. * 68. Eriosema iiicanuin Ktotzsch. Mosambique p. 34. t. 6. In Noer. 3ß8 R o t s e h y. 9. Rhyncbosia viscosa D. C. Prod. II. p. 387. n. 26. var. ß.racemis folio longioribus. Ad littora Leutonili Schilluk. *S9. Rhynchosia pnbescens D. C. Prod. II. 386. n. 15. In regno Ae- thiopum Eliab sub septimo gradu boreal. latitud. *71.Abrus Sehiniperi Höchst, in schedulis pl. Schimperi „Iter Abyssinicum Sectio tertia Nor. 1552". Fiuticosa in regionibus Ronga. Caesalpinieae. 123. Poinciana pulcherrinia Linn. sp. 554. In Chartum culta. 119. Parkinsonia aculeata Linn. hört. Cliff. p. 157. tab. 13. Colitur. 120. Taniarindus indica Linn. sp. 48. In Aethiopia frequens. 175. ( assia Fistala Linn. sp. 540. Colitur in Cahirae hortis. 157. „ obovata Collad. mongr. p. 92. In monte Mokkatam ad, sylviim petrefactum prope Cahirarn. 81. Philenoptera Schimperi Höchst, in Rieh. fl. Äbyss. I. p. 232 Ad Noer. 125. Moringa aptera Gaertn. fruet. II. p. 315. In Nubia et Sennar. Mimoseae. 17. Neptaoia oleracea Loureiro. Benth. in Houk. Journ. of Bot. IV. p. 359. Natans in aquis Astapi ad Noer. 179, 181. Leucea glauca Benth. in Hook. Jour. of Bot. IV. p. 416. Colitur ad Cahirarn. 149. Acacia arabica Willd. Benth. in Hook Jour. af Bot. IV. p. 500. In littoribus Astapi sylvas vastas efformat. 144, 143. Acacia Sejal Delile Descrip. d'Aegypt. Bot. p. 384. t. 52. Benth. in Hooker Journal of Bot. IV. p. 500. Dongola et in aliis lo«?is deserti affinibus. „Talch" Arabum. 148. Acacia albida Delile Desc. d'Aegypte Bot. p. 385. t. 52. Benth. Hooker Jounal af Bot. IV. p. 505. In Aegypto frequens. 150. Mimosa asperata Willd. Benth. in Hook, of Bot. IV. p. 401. In Nubia et ad littora Astapi praeprimis ad insulas Schilluk. PInntae Binderianae nilotico-aethiopicae, 369 Appendix. Plantarum quas cl. Hansal in regno ßoghos. Abyssiniae borealis 1861 collegit et Dr. Th. Kotschy determinavit. Expeditioni a Germanis susceptae, quae de fatis notissimi Vogelii, qui in regno Wadai barbaro manu periü, aliquid certi referret, etiam Austriaeus Hansal semet adjunxit. Hie in ditione ßoghos 1861 cummoratus, quasdam plantas collegit, quas ego, a Domino Dr. C. Felder, ad cujus manus pervene- runt, mihi oblatas, quod hie gratissimo animo recognosco, herbario palatii Vindobonensi dono dedi. Cum harum nonnullae collectioni imperiali huedum deerant, unaque eorum nova pror- sus sit, non ab re putavi, eas in genera et species suas reduc- tas hie exbibere. — Herb. Pa,atii „,., vinäob- Fihces. Nro. 1. Actinöpteris radiata Link. Fil. hört. Berol. p. 80. 2. Pellaea calomelanos Link. Fil. hnrt. Berol. p. 61. 3. Clieilanthes farinosa Kaulf. Enum. Fil. p. 212. *4. „ coriacea Decaisne Plant. d'Arabie in Archiv du Musee II. p. 190. Cyperaceae. *5. fiylliogia controversa Steudel. Syn. Cyper. p. 70. n. 49. Liliaceae. 6. Gloriosa abyssioica A. Rieh. tent. Fl. Abyss. II. p. 322. *4. „ PetersianatfZofoc/i.inPeter'sMosamb. Bot. p. 519. t. 54. Irideae. *8. (iladiolas (luartiuiauus A. Rieh. tent. fl. Abyss. II. p. 306. Forma paueiflora. *9. Ixia Quartinaia A. Rieh, tent fl. Abyss. II. p. 310. *) Species plantarum quibus herbarium palatii Vindobonensis hticusque eare bat. 370 Kotschy. Gompositae. *10. Notonia trachycarpa Tab. VIII. Herbacea earnosa suffrutescens, ramis sterilibus foliatis, floriferis aphyllis cicatrisatis teretibus, foliis subulato- teretibus sulidecurrentibus , pedunculis ter- minalibus gemminatis elongatis monocephalis, capitulis cylin- dricis, involucro enneaphyllo , acheniis compressis eostato- striatis hirtis. Cacalia pendula Forsk aeg-arab. 146.? Vahl Symb. III. p. 90. — Kleinia? pendula D. C. Prod. VI. p. 339. nor. 24.? Inter saxa montium in regno Boghos Abyssiniae borealis legit cl. Hansal 1861. Herba procumbens a basi ramosa glaberrima. Rami crassi steriles digitales, floriferi pluries longiores digito, foliorum delap-u cicatrisati, crassiores. Folia sparsa approximata erecto- palentia semipollicaria vel breviora. Pedunculi scapiformes spithamei vel longiores versus apicem sensim incrassati ibidem cavi, dissite bracteati , bracteis 10 — 12 linearibus flaccidis uninerviis. Capitulum pollicare 4 lineas latum, involucrum pbyllis novem, 8 — 9 lineas longis, adpressis lineari-lanceo- latis aeutis post anthesim apice patentibus. Receptaculum foveo- latum, f'oveolis rbomboideis margine productis angulis fimbril- liferum. Flores ad 30: pappus pluriserialis (triserialis) , setis filiformibus seabridis. Corolla lilacina vel rosea longe-tubu- losa quinquedentata, dentibus aeutis. Antherae ecaudatae supra medium constrietae, apieibus lanceolatis, lacinias corol- linas basi attingentes. Stylus basi incrassatususque ad antliera- rum insertionem fissus. Stigma conieum undique granulosum, Acbenia fere bilinearia compressa 10 — 12 costato-striata hirta. Rubiaceae. 1 1 . IHitrocarpns senegalensis D. C. Prod. IV. p. 572. Asclepiadeae. 12. Pcntatropis cynanchoides R. Br. in Salt Trav. Abyss. App. Wight Contrib. in Indian flow. p. 53. In nota. Species distineta. Plantae Binderianne nilotico-aethiopicae. o71 * 13. Ceropegia aristolochioides Decaisne in Annal. sc. bist. nat. Ser. II. Vol. X. p. 203. Convolvulaceae. * 14. Couvolvulas fngacissimus Höchst, in A. Rieh. tent. fl. abyss. II. p. 75. Asperifoliae. *15. Toxostigma luteam A. Rieh. tent. fl. Abyss. II. p. 86. Acanthaceae. 16. Hypoestes Forskailii R. Mr. in Prod. fl. nov. Holl. I. p. 474 ß angustifolia D. C. Prod. XI. p. 507. n. 29. ß. Ampelideae. 17. Cissus adenocaulis Steud. in A. Rieb. tent. fl. Abyss. I. p. 237. Gapparideae. 18. Gynandropsis pentaphylla D. C. Prod. I. p. 237. Malvaceae. 19. Hibiscus (Bombiceila) phaeniceus Jacq. hört. Vindob. t. 4. Sapindaceae. 20. Dodonea viscosa Linn. Sp. mantiss. 238. Polygaleae. 21. Polygala crioptera D. C. Prod. I. p. 326. n. 52. Euphorbiaceae. 22. Pbyllanthus venosus Höchst, in A. Rieh. tent.fl.Abyss.il. p. 254. Combretaceae. 23. Pom-ea acnleata D. C. Prod. III. p. 18. 24. Terminalia Browne! Fresen. in Mus. Senkenb. II. p. 152. t. 9. 25. „ „ Fres. loco citato ß minor. 372 Kotschy. Plantae Binderianae nilotico-aethiopicae. Lythrarieae. 26. Lawsonia inermis Lam. Dict. III. p. 106. Mimoseae. 27. Caillea dichrostachys Guill. et Perrott. fl. Seneg. I. 239. Explicatio tabularum. Tab. IV: aj planta mascula; bj planta feminea; c) folia sub lente quater majora lateralia; c') loborum terminalium ; c") loborum juvenilium; dj flos disseetis; ej stamina/^ stamina antice, dorso et; gj latere visa; hj flos femineus nondum evolutus in axi folii ij bractea postica; kj flosfemineus cum ovario: IJ ovarium dissec- tum; mj ovarium transverse sectum nj fructus. Tab. V: aj Flos multuties major; b) dissectus; cj Antberae; dj ovarium dissectum; rf'^ovariicolumna esetisconstructa; e) stigma ; fj ovarium; gj transverse sectum. Tab. VI, A: a) folia ierties majora; b) flos sexduplo major; cj petala 12 ies majora; dj stamina cum ovario 12 ies majora; ej stamina evoluta; fj Stylus; gj stigma; hj ovarium sexduplum; ij diseetom; kj fructus duplo major. Tab. VI, Fig. B: a) folia 3 majora; b) calyx evolutus; cj latere dj bractea cum gemma florifera; ej petala; fj stamina; gj evoluta; h) antherae; i) Stylus; kj ovarium dissectum. Tab. VII: a) folium quatroties majus; b) caäyx cum ovario; ej calyx bibracteolatus; dj petala duodecies majora ej stamina evo- luta; fj cum stylo; g) hj antherae; ij Stylus; kj dissectus; IJ fruc- tus, IJ transverse seetus; mj seinen nj dissectum. Tab. VIII: aj Rami steriles foliati; aj folia duplo majora; bj ramulus florifer; c) triplo major: d dj flores; d'J flos multoties major; ej achenium latum; ej compiessum; fj pappus sexties major; g) stamina; hj stigma ; /^divisum; kj Stylus basi conicus; IJ basis corollae; mj laciniae involucri; nj receptaculum; oj a la- tere visum. - » • ' -^Ä 1 s^ ^ s : ü n s e r 3/3 Über einige fossile Pflanzenreste ans Siebenbürgen und Ungarn. Von dem w. M. Prof. F. inger. (Mit 1 Tafel.) (Vorgelegt in der Sitzung am 23. März 1865.) Herr D. Stur hat bereits in seinem Berichte: „Über die geo- logische Ubersichtsaufnahme des südwestliehen Siebenbürgens im Sommer 1860" (Jahrb. der k. k. geol. Reichsanstalt, Bd. XIII. 1863) der Pflanzenreste Erwähnung gethan, welche in der Kreide- formation (Cenomanien) bei Deva vorkommen und sich vor ähn- lichen durch ihren wohlerhaltenen Zustand auszeichnen Er sagt 1. c. p. 57, dass dieselben in Inoceramen-Mergeln mit Baculites baculoides d'Orb, Inoceramus problematicus Schloth sp. und Anomia papyracea d'Orb im Devagraben bei Deva vorkommen. Nur zwei der dort von mir namhaft gemachten Arten sind in guten Holzschnitten abgebildet worden, nämlich Comptonites antiquus Nil ss. und Phyllites Sturi Ung. Es verdienen aber noch einige andere ebenda erscheinende bisher noch nicht bekannte Arten ebenfalls eine genaue Beschrei- bung und eine damit zu verbindende Abbildung. Was zuerst den Comptonites antiquus Nilss. betrifft, von dem aus dem Grünsand von Schweden bisher nur ein kleines Blattstück bekannt war 1 )» so liegen hier so ausgezeichnete Trümmer vor, dass es möglich ist, sich eine Vorstellung des ganzen Blattbaues dieser Pflanze zu machen. Herr Stur hat in der obgenannten Schrift, Fig. 7, sechs dergleichen einzelne Fragmente abbilden las- sen. Diese zusammengestellt dürften die gesammte Blattform in der i) Nilsoii. Act. Acad. Hand). 1831, [>. :S4. 151. 376 U n g e r. Wenn man die Abbildung von Nilsso n berücksichtigt, so möchte man eher glauben, derselbe habe ein Blattfragment eines Farns vor sich gehabt. Dass er darin eine Analogie mit Comptonia zu finden glaubte, mag ein Beweis sein, dass die Abbildung nicht ganz naturgetreu ausgefallen ist. Um die Synonymie nicht zu sehr zu vermehren, habe ich es daher für gerathen gehalten, in dein Fossile von Deva die schwe- dische Pflanze zu vermuthen. — Ein anderer Pflanzenrest aus Deva, der noch nicht namhaft gemacht worden ist, weil ich ihn damals nicht zu deuten wusste, betrifft Pterospennum cretaceuni Ung. Taf. I, Fig. 2, 3. P. stipulis pollieem fere longis busi rotundatis, apice fimbriato laceris. Dieses seltsame Petrefact. wovon Fig. 2 eine Abbildung in natürlicher Grösse, Fig. 3 in doppelter Grösse darstellt, lässt sich wohl nicht leicht für etwas anderes, als für einen kleinen blatt- artigen Theil einer baumartigen Pflanze ansehen; für einen Kelch, worauf man zuerst verfallen könnte, und wozu z. B. der Kelch einiger Melastomaceen namentlich jener von Osbeckia arborea, 'zunächst passen dürfte, fehlen die mit demselben nothwendig in Verbindung stehenden Theile. Man wird vielmehr bei näherer Er- wägung dieses Umstandes auf die Idee geführt, hier nicht einen Kelch, sondern irgend eine Slipularbildung, eine Deckschuppe oder etwas Ähnliches vor sich zu haben, kurz ein blattartiges Gebilde, welches sich von seiner Anheftungsstelle trennte. Sieht man sich diessfalls um Analogien im Gewächsreiche um, so bat man in dem Invollucrum sowohl, als an den Stipulen von Pterospermum ein auffallend passendes Gegenbild. Fig. 4 stellt eine Knospe von Pterospermum semisagittatum Roxb. umgeben von dem dreiblättrigen Involiucrum in natürlicher Grösse dar. Fig. 5 und 6 eine grössere und kleinere Stipula. Man wird die Ähnlichkeit zwischen denselben und dem fraglichen Fossile nicht verkennen, ja es scheint mir, dass die gleichen Theile von Pterospermum Iley- neannum Wall, demselben noch mehr gleich kommen. Über einige fossile Pflanzenreste aus Siebenbürgen und Ungarn. 377 Hat dieses aber seine Richtigkeit, so wirft dieses kleine unbe- deutend scheinende Petrefact ein sehr bedeutsames Licht auf die in der gleichen Formation vorkommenden Blätter, welche man als Credneria bezeichnete, eben so wird es nicht weit gefehlt sein, wenn ich in den als Dombeyopsis namhaft gemachten Blättern der Tertiärformation Repräsentanten der Büttner'iaceen zu erkennen glaubte. Auch dürfte die Frage nicht überflüssig sein, ob die als Porana eingeführten Petrefacte nicht eher die Büttneriaceengattung Kydia darstellen. Salvertia transylvanica Ung. Taf. I, Fig. 7. S. Capsula ovato-oblonga triquetra trilocularis loculicide trivalvis valvis medio septiferis, columna centrali nulla. Die ein und ein viertel Zoll lange, länglich ovale ursprüng- lich holzige stumpfe Kapsel ist aufgesprungen, so dass man ihre drei Klappen genau sieht. Diese tragen die Scheidewände in ihrer Mitte, ohne dass man ausserdem noch eine Mittelsäule wahrzunehmen im Stande ist. Am Grunde der Kapsel ist überdies noch ein her- vorragender Ring sichtbar, welcher der Träger der peripherischen Blüthentheile war. Alles dies stimmt mit der Fruchtform der Vochysiaceen und namentlich, was den Mangel der Columma centralis betrifft, so genau mit der Gattung Salvertia überein , dass man dieses Fossil ohne weiters dieser Gattung unterzuordnen berechtigt ist. Form und Grösse der Frucht kommt der Frucht von Salvertia convallariodora St. Hill, diesem schönen, prachtvollen Baume Brasiliens (vergl. Mart. e Zucc. Nov. gen. e spec. I. 152, Taf. 93) noch mehr aber einer noch unbeschriebenen Art nahe. Melastomites parvula Ung. Taf. r, Fig. 8. M. Capsula baccata ? ovoidea minima plurilocularis. Es ist sehr schwer über dieses Fossil von Deva eine be- stimmte Meinung abzugeben, da alles fehlt, um dieselbe begründen zu können. Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. LI. Bd. I. Abth. 25 378 Unger. Eine Ähnlichkeit mit der Frucht von Melastoma falax Jacq. Fig. 9, mag als Anhaltspunkt dienen, warum ich dasselbe mit obigen Namen belegte. Phyllites Stnri Ung. Taf. I, Fig. 10, 11. P. foliis lancelato-falcatis petiolatis integerrimis coriaceis, nero primario solo conspicuo. Ich habe vor zwei Jahren noch nicht gewusst, diesen Fossilien einen anderen als einen der weitesten Collectivnamen zu geben. Ge- genwärtig wage ich es, die Verwandtschaft derselben mit den Myr- taceen und namentlich mit der Gattung Eucalyptus anzusprechen. Es gibt nicht wenige Arten jener Gattung, deren lederartige Blätter von dieser lanzettlichen mehr oder weniger sichelförmig gebogenen Gestalt sind und die bei ihrer lederartigen Beschaffen- heit ausser den Mittelnerven durchaus keine Nervatur wahrnehmen lassen. Zur Vergleichung möge hier ein Blatt von Eucalyptus amyg- dalina Lab. aus Van Diemens-Land, Fig. 12, dienen. Cedrella Hazslinszkyi Ung. Taf. I, Fig. 13, 14. C. Capsula ovali obtusa breviter apiculata 7 lin. longa ab apice septifrage quinquevalvis, valvis columnam septiferam penta- gonam nudantibus. In stagnigeno arenaceo silicea formationis tertiariae ad Megyassö, ubi legit dar. Prof. Hazslinszky. Es gehört dieses Pefrefact zwar nicht zu den Kreideversteine- rungen von Deva, doch soll es hier einen Platz erhalten, wo ich eben einige interessante Petrefacte Pannoniens zu beschreiben bemüht bin. Diese Kapsel zeichnet sich durch ihre besonders gute Erhaltung aus. Sie liegt mit vielen Holztrümmern vermengt in einem festen Sandsteine eingebettet, der dadurch das Ansehen einer Breccie erhielt. Die wenigsten Trümmer sind indess so gut erhalten, dass sie eine Bestimmung zulassen, sie haben eine schneeweise Farbe, während der feinkörnige Sandstein grau erscheint. Über einige fossile Pflanzenreste aus Siebenbürgen und Ungarn. 379 Die fragliche Kapsel von 7 Linien Länge und 5 Linien Breite, zeigt eine Seitenansicht, an der die vorderen zwei Klappen fehlen und die Mittelsäule erkenntlich hervortritt. Da es möglich ist, durch die obere Öffnung in das Innere der Kapsel hineinzublicken, so war es auch möglich, auf diese Ansicht einen Querschnitt der Kapsel Fig. 14 zu zeichnen. Von Samen bemerkt man nichts, doch sind die Anheftungsstellen derselben recht wohl zu erkennen. Diese Kapsel stimmt mit den Früchten der Gattung Cedrella so genau überein, dass es durchaus nicht gewagt erscheint, in ihr ein Residuum eben dieser Gattung zu erkennen. Die Kapsel von Cedrella odorata Lin., die ich hier Fig. 15 in natürlicher Grösse beifüge, so wie der dazu gehörige Same Fig. 16 möge zur Vergleichung und zur Bestätigung meiner Ansicht dienen. Ich bemerke nur, dass um das Samensäulchen und die an dasselbe befestigten Samen zu sehen, zwei vordere Klappen weggenommen sind. Mit Ausschluss dieses letzten Petrefactes, lässt sich die fossile Flora von Deva in Siebenbürgen nach den Sammlungen des Herrn Stur, mit Rücksicht auf andere Vorkommnisse, in folgender Weise zusammenstellen : Filices. Pecopteris linearis St er nb. Deva und Quader bei Nieder- Schöna in Sachsen. Cnpressineae. Geinitzia cretacea Endl. Deva und Grünsand und Pläner in Böhmen. Widdringtonites fastigiatus Endl. Deva und Pläner in Böhmen. Proteaceae (?) Comptonites antiquus Nilss. Deva und Grünsand von Schwe- den; im unteren Oolith nach Göppert. Büttneriaceae Pterospermum cretaceum Ung. De>a. 25» 380 Ung er. Über einige fossile Pflanzenreste aus Siebenbürgen und Ungarn. Vochysiaceae. Salvertia transylvanica Ung. Deva. Melastoniaceae. Melastomites parvula Ung. Deva. Myrtaceae. Phyllites Sturi U n g. Deva. Schliesslich bemerke ich noch, dass es nicht unwichtig sein dürfte, die bisher unter sehr allgemeinen und unsicheren Namen bereits namhaft gemachten dicotylen Gewächse der Kreideformation einer Revision zu unterziehen. Die aus den jüngeren Formationen gemachten Erfahrungen, bieten zu bestimmteren Auffassungen manche Anhaltspunkte. Ich werde einen Versuch dieser Art in einer folgenden Abhandlung machen, wo ich zugleich einige neue oder noch weniger gekannte Bürger jenes Zeitabschnittes in die Paläontologie einzuführen gedenke. ig'er. Uebei einigt- ibfsile Pflanzenresfc ans Siebenbürgen u. (jWrn . k -m i. ' ... i .., ^ " Sitzungsb.d.k Akatt.d.W math.naturw l'l T.l Bd I .\blh. 1865 Reuss. Zwei neue Anthozoen aus den Hallstädter Schichten. 3S1 Zwei neue Anthozoen aus den Hallstädter Schichten. Beschrieben von dem w. M. Prof. Dr. A. E. Reuss. (Mit 4 lithographirten Tafeln.) (Vorgelegt in der Sitzung am 9. März 1865.) Vor längerer Zeit habe ich aus dem Hallstädter Kalke zwei Korallen beschrieben: Isastraea salinaria Rss. und Fletcheria annidata Rss., deren letztere durch ihren offenbar palaeozoischen Charakter bemerkenswerth ist *)• Diesen habe ich vor Kurzem drei andere Species hinzugefügt, Coccophyllum Sturi Rss., The- cosmilia caespitosa Rss. und Calamophyllia Oppeli Rss., von denen die erste auch wieder den palaeozoischen Typus an sich trägt s). Aus Gesteinen desselben geologischen Niveaus wurden auch von Schaf häutel,Gümbel und Stoppani Anthozoen in grösse- rer Anzahl namhaft gemacht, die jedoch zum grössten Theile sich in so mangelhaftem Erhaltungszustande befinden, dass ihre Bestim- mung noch gewichtigen Bedenken unterliegt. Gümbel führt in seiner werthvollen geognostischen Beschrei- bung des baierischen Alpengebirges und seines Vorlandes (pag. 255) nebst zwei der vorhin erwähnten von mir aufgestellten Species noch folgende Arten aus dem Niveau der Hallstädter Kalke an: 1. Chaetetes annidata Schafh. sp. 2. Thamnastraea Bolognae v. Schaur. 3. Fletcheria simplex G ü m b. 4. Lithodendron subdichotomum v. M. 5. Calamopora fibrosa v. M. 6. Stromatopora porosa K 1 i p s t. i) Denkschriften der k. Akad. d. Wiss. Bd. 9, pag. 167. Mit einer Tafel 2 ) Sitzungsberichte der k. Akad. d. Wiss. Bd. oO. Mit vier Tafeln. 382 Beim. 7. Maeandrina sp. 8. Tragos spongiosum Klip st. 9. Turbinolia sp. Die unter Nr. 7 und 9 begriffenen Formen werden von vorne herein als unbestimmbar bezeichnet, können also bei einer näheren Prüfung ausser Acht gelassen werden. Ja selbst gegen ihre generische Bestimmung erheben sich gewichtige Zweifel. Ich will daher nur die übrigen 7 Arten etwas genauer in das Auge fassen. 1. Chaetetes annulata Sehafb. sp. aus dem gelblichweissen Kalke der Zugspitze *) wurde zuerst für Crinoidenstielglieder, mit denen manche Formen unzweifelhaft äussere Ähnlichkeit besitzen, angesprochen. Von Schafhäutel ward sie in der Folge als Nullipora annulata 2 ) im Detail beschrieben und abgebildet. Schauroth s) und G um bei 4 ) zogen sie sodann zu Chaetetes, wogegen sich Schafhäutel verwahrt und zwar nicht ohne Grund. Derselbe liefert in seiner Lethaea geognostica Südbaierns (pag. 324, T. 65. e. Fig. 6,9 — 20) nochmals eine auf die Untersuchung zahlreicher Exemplare basirte Beschreibung nebst zahlreichen Ab- bildungen und gelangt zu dem Resultate, dass das Fossil den Typus einer selbstständigen Bryozoengattung — Diplopora — bilde, deren Charaktere sehr unklar sind und durch die Vergleichung mit der ebenfalls noch sehr unklaren Defrance'schen Gattung Vaginipora nicht an Klarheit gewinnen. Endlich beschreibt auch Stoppani s) ähnliche Körper aus dem Kalke und Dolomite von Esino und anderen Orten unter dem Namen Gastrochaena obtusa, wobei er Nullipora annulata Schafh. als Synonym anführt. Nach den von mehreren Seiten gebotenen Beschreibungen und Abbildungen und nach dem, was ich selbst zu beobachten i) Oas Fossil wird von G ü in b e 1 auch aus dem Höllenthal, aus dein Wetterstein- und Kahrwändelgebirge , von der Frau Hütte bei Innsbruck, vom Haller Salzberg, Wendelstein, Kaisergebirge, vom Rauscheuberg und von Gasitz bei Berchtesgaden angeführt. ») Leonh. v. Bronn's Jahrb. 1853, p. 301 — 304. T. 6. Fig. i, a— f. 8) Sitzungsberichte der k. Akad. d. Wiss. 1855, 17. Bd., p. 528. T. 3. Fig. 4. und 1859. 34. Bd., p. 285. — Chaetetes triasinus Schaur. ♦) I. c p. 253. ») Les petrifications d'Esino p. 79, T. 16, Fig. 1 — 10. 7wei neue Anthozoen aus den Hallstfidter Sc hic ' n,en - 383 Gelegenheit hatte, zu urtheilen , scheinen sehr verschiedenartige Ohjecte in derselben Species zusammengefasst zu werden. Ein Theil derselben, die gekammerten Exemplare, wie sie Schafhäutel (Lethaea I. c. Fig. 16 — 20) und Stoppani (I. c. Fig. 7) abbildet, dürften wohl mit Recht für Crinoidenstielglieder zu halten sein, die durch die Verwitterung hohl geworden und auf andere Weise verändert worden sind. Andere von Stoppani bildlich dargestellte Formen, die haufenweise im Innern von Polypenstöcken nisten, können wirkliche Gastrochaenen sein, während noch andere den Bryozoen zugehören mögen. Ob diess wirklich der Fall sei, lässt sich bei dem sehr schlechten Erhaltungszustände weder mit vor- wiegender Wahrscheinlichkeit, um so weniger mit Sicherheit behaupten. Was man für radial gestellte röhrige Zellen anspricht, kann eben so gut für faserige Structur gelten, wie sie durch Verwit- terung so oft an Schalen biosgelegt wird. Bei dem jetzigen Staude unserer Kenntnisse wird es aber sich nicht rechtfertigen lassen, wenn man die noch sehr problematischen fossilen Reste mit Entschieden- heit zu Chaetetes, dessen charakteristische Kennzeichen sich keines- wegs nachweisen lassen, ziehen oder darauf eine neue Gattung gründen will. Es wird vorzuziehen sein, die definitive Bestimmung bis zur Entdeckung vollständigerer Exemplare aufzuschieben, so wünschenswerth es auch sein mag, ein in den Schichten vom Niveau der Hallstädter Kalke so weit verbreitetes Fossil genauer kennen zu lernen. 2. Thamnastraea Bolognae (Schauroth in d. Sitzungsber. derk.Akad. der Wiss. 1859. Bd. 34, pag. 285. T. 1, Fig. 1). Diese von Schauroth aus dem obern Muschelkalk (Kalkstein von Frie- drichshall) vom Monte Spizze bei Recoaro beschriebene Species wird von G um bei auch aus dem Kalke des Jenner bei Berchtes- gaden angeführt. Über ihre Zugehörigkeit zu der Gattung Thamnas- traea kann kein Zweifel obwalten. In Betreff der Species muss ich jedoch wiederholen, was ich schon früher *) ausgesprochen habe, dass alle Thamnastraeen der obern Trias und der rhätischen Gruppe noch einer sehr sorgfäl- tigen Revision bedürfen, da es wohl möglich ist, dass dieselbe Species mit verschiedenen Namen belegt worden ist. Der sehr i) Sitzungsberichte d. k. Akad. d. Wiss. 1864. Bd. 30, pag. 3, Note 3. öö4 R e u s s. wenig befriedigende Erhaltungszustand der fossilen Reste kann sehr leicht zu solchen Täuschungen führen, was jeder zugestehen wird, der sich überzeugt hat, wie sehr die Physiognomie der Anthozoen durch die verschiedenen Vorgänge bei der Fossilisation und der nachfolgenden Verwitterung alterirt wird. 3. Fletcheria Simplex Gümb. Die Bestimmung kann ebenfalls nicht als sicher gestellt angesehen werden, da Gümbel (1. c. p. 257) selbst erklärt, dass die Quersepta nicht bestimmt hervortreten. 4. Lithodendron sabdichotomum v. M. *) wurde von M. Ed- wards und J. Haime zuerst 2 ) für eine Calamophyllia, später 3 ) vermuthungsweise für eine Rhabdophyllia angesprochen. Als solche wird sie auch von Laube *) in seinem Verzeichnisse der in der Münchner palaeontologischen Sammlung befindlichen Münster'schen Arten von St. Cassian aufgeführt. Jedoch dürfte die vollkommene Epithek, mit welcher die Aussenwand bekleidet ist, sie vielmehr in die Gattung Cladophyllia verweisen. Inwiefern die in den Hall- städter Kalken gefundenen Fossilreste wirklich mit der Cassianer Species übereinstimmen, müssen noch weitere Untersuchungen, die aber bei dem schlechten Erhaltungszustande manchen Schwierig- keiten unterliegen, in ein klareres Licht setzen, 5. Calamopora fibrosa v. M. 5 ) wird von M. Edwards und Haime zu Chaetetes gezogen und als Ch. Münsteri bezeichnet 6 ). Aber weder die Abbildung, noch Cassianer Originalexemplare lassen die Gattungscharaktere mit Sicherheit erkennen. 6. Stromatopora conceiitrica Klipst. 7 ) von St. Cassian ist vollkommen unbestimmbar. Eine Beziehung anderer Fossil- reste auf dieselbe ist daher unthunlich und ohne Werth. 7. Dasselbe gilt von Tragos spongiosum Klipst. 8 ). Von Stoppani») werden aus den den Hallstädter Kalken paral- lelen Esinoschichten namhaft gemacht: i) v. Münster, Beitrüge z. Pelrefactetikunde. IV. pag. 33, Taf. 2, Fig. 3. a ) Ann. des sc. natur. 3. Ser. T. XI, pag». 264. 3 ) Monographie des polyp. foss. des terr. paleoz. p. 83. 4 ) Jahrbuch der k. k. geol. Reichsanstalt 1864. XIV. 405. *) Beiträge z. Petrefaeten künde. IV. pag. 39, T. 2, Fig. 19. 6 ) Mouogr. des pol. foss. des terr. paleozoiques. pag. 154. 7 ) Klip st ein, Beiträge zur geol. Kenntniss d. Alpen, pag. 287, T. 19, Fig. 18. 8) I. c. p. 283, T 19, Fig. 11. 9 ) Les petrifications d'Esino 1858—1860, p. 123 ff. Zwei neue Aufhozoen aus den Hallslädter Schichten. do5 1 . Montlivaltia radiciformis v. M. *). 2. Montlivaltia capitata v. M. 2 ), beide von Pizzo-di-Cainallo. 3. Montlivaltia ciineiformis Stopp. 8 ) aus dem Val-del- Monte. Die Abbildungen sämtlicher drei Species lassen nicht einmal mit Sicherheit erkennen, dass man es überhaupt mit Anthozoen zu thun hat. Um so weniger ist die Gattung oder gar die Species sicher zu stellen. 4. Eunomia esinensis Stopp. 4 ) aus dem Val-del-Monte scheint zu Rhabdophyllia zu gehören. 5. Isastraea esinensis Stopp. 5 ) von demselben Fundorte. Fig. 1, 2 scheint, nach der Abbildung zu urtheilen, nicht zu Isastraea zu gehören, vielleicht zu Confusastraea, die in den Kössener Schichten durch eine im Äussern sehr ähnliche Species — C. deli- cata Rss. — vertreten ist. Der Erhaltungszustand des in Fig. 4, 5 dargestellten Fossiles lässt sehr viel zu wünschen übrig 6 ). 1) I. c. pag. 124, T. 28, Fig. 7—10. 2) I. c. pag. 124, T. 28, Fig. 11—13. 3) 1. c. pag- 124, T. 28, Fig. 14. 4 ) I. c. pag. 125, T. 28, Fig. 16, 17. 5) I. c. pag. 123, T. 29, Fig. 1 — 5. 6 ) Bei dieser Gelegenheit kann ich die von Stoppani 1. c. p. 127 — 130 sehr weit- läufig beschriebene und T. 29, Fig. 6—8; T. 30, Fig. 1—5 abgebildete Evino- spongia cerea Stopp., die in den Esinokalken und in den Kalken der rhätischen Gruppe weit verbreitet ist, nicht mit Stillschweigen übergehen. Stoppani erhebt sie zum Typus einer besonderen Gattung, die er den Amorphozoen einverleibt, nicht aber deshalb, weil sie mit denselben im Baue übereinstimmt, sondern nur, weil er sie nirgend anderswohin zu stellen weiss. Er selbst gesteht zu, dass sie einen so eigentümlichen Bau besitze, dass sich weder unter den lebenden, noch unter den fossilen Schwämmen etwas analoges findet. Welcher Werth daher auf die Stellung neben Tragos und Tethya, die er ihr am liebsten anweisen möchte' zu legen sei, ist klar. Das von allen bekannten Fossilresten Abweichende wird jedoch leicht erklärbar, .sobald man die Abbildungen und die Beschreibung einer eingehenden Prüfung unterzieht. Man überzeugt sich bald, dass man es mit kei- nem organischen Reste zu thun hat, sondern mit unorganischen Bildungen und zwar mit nachahmenden kugeligen, traubigen und nierenförmigen Gestalten, welche eine knunmschalige Zusammensetzung und zugleich fasrige Structur besitzen und sich in der Masse der Kalksteine und als Auskleidung ihrer Hohlräume entwickelt haben. Sie stellen daher eine im grossartigen Massstabe ausgebildete oolithische Stiuctur dar und sind eine in vielen Kalksteinen des verschiedensten Alters gewöhnliche Erscheinung. Ich beobachtete sie unter andern in ausgedehn- ter und massenhafter Entwicklung in dem an der Dachsteinbivalve so reichen weissen und rothen Kalksteine des Ecliernthales bei Hallstadt. 386 Reuss. Au9 der vorangehenden kritischen Erörterung ergib! sich, dass beinahe sämtliche aus dem Niveau der Hallstädter Schichten angeführte Anthozoen in Folge ihres mangelhaften Erhaltungs- zustandes nur sehr unsicher bestimmt sind und dass sie als Basis weiterer Vergleichungen und Schlüsse nicht benutzt werden können. Es behält daher die schon früher au einem anderen Orte aus- gesprocheneAnsicht, dass dieAnthozoen-Fauna dieses Sehichtencom- plexes noch sehr unvollständig bekannt sei, ihre volle Geltung. Schon lange hat eine Versteinerung die Aufmerksamkeit der Geologen auf sich gezogen, welche in grosser Menge in den ammonitenreichen rothen Kalksteinen des Sommeraukogels bei Hallstadt und des Sandling bei Aussee, so wie in jenen von Hallein eingewachsen vorkömmt. Sie bildet Knollen meistens von rundlicher Gestalt und zuweilen von bedeutender Grösse, welche gewöhnlich mit dem umgebenden Gesteine fest verwachsen sind und sich nur durch ihre mehr weniger kreisförmigen Durch- schnitte zu erkennen geben, die in der Mitte weiss, nur am Rande von einem schmalen braunrolhen Saume eingefasst zu sein pflegen. In der Regel ist in Folge des Versteinerungsprocesses durch den feinkörnigen krystallinischen Kalkstein jede Spur des Girieren inneren Baues verwischt. Ja nicht selten hat sich im Innern des Knollens eine grössere oder kleinere uuregelmässige Höhlung ausgebildet, die mit kleinen undeutlichen Calcitkiystallen überkleidet ist. Dieselbe hat in manchen Exemplaren so sehr an Grösse zugenommen, dass nur eine verhältnissmässig dünne feste Schale übrig geblieben ist. In der jüngsten Zeit erhielt ich durch die Güte meiner ver- ehrten Freunde, des Herrn Directors Dr. Hörnes und des Herrn Bergrathes Ritter von Hauer eine grössere Anzahl dieser Knollen zur Untersuchung, die theils dem Linzer Museum, welchem sie von dem eifrigen Forscher Herrn Vicepräsidenten von Schwabenau mitgetheilt wurden, theils der k. k. geologischen Reichsanstalt an- gehören. Wiewohl an der Oberfläche durchgehends sehr schlecht erhalten, lassen einige derselben auf gemachten Quer- und Längs- schnitten deutliche Spuren ihres inneren Baues erkennen, die mich ermunterten, eine genauere Untersuchung derselben vorzunehmen. Am besten zeigte sich die Structur in dem braunroth gefärbten peripherischen Saume der Knollen erhalten; nach innen hin wird Zwei neue Anthozoen aus den Hallstädter Schichten. oöi dieselbe allmälig undeutlicher und verschwindet in etwas grösserem Abstände von der Oberfläche beinahe gänzlich. Dieser missliche Umstand ist Ursache, dass man verhindert wird, die einzelnen Theile der Koralle in erwünschter grösserer Ausdehnung zu verfolgen und daher in jeder Beziehung zu einer vollkommen klaren An- schauung zu gelangen. Doch reichen die beobachteten Structur- verhältnisse hin, um eine Übersicht des eigenthümlichen Baues des fossilen Körpers zu erlangen. Ich glaube daher, die Resultate meiner Untersuchung mittheilen zu sollen, um so mehr, da es immerhin Interesse gewährt, einem so häufig vorkommenden Fossilreste doch vorläufig seine Stellung im zoologischen Systeme anweisen zu können. Die untersuchten Korallen boten zwei sehr abweichende Formentypen dar, welche durch keinerlei Übergänge mit einander verknüpft waren. Die überwiegende Anzahl derselben besitzt eine fast regelmässige ellipsoidische bis kugelförmige Gestalt, die zwischen der Grösse eines kleinen Apfels und jener eines Kinds- kopfes wechselt. Nur selten nehmen sie eine sehr niedergedrückte, beinahe linsenförmige Gestalt an oder verlängern sich zu einem kurzen, an beiden Enden von einer convexen Fläche geschlossenen Cylinder. Sie scheinen frei, nicht aufgewachsen gewesen zu sein. Wenigstens lässt sich keine deutliche Anheftungsfläche erkennen. Die Oberfläche ist zwar an vielen Stellen mit dem umschliessenden Gesteine verwachsen, diese sind aber in Zahl, Lage und Grösse sehr wandelbar, daher offenbar zufällig. Die Oberfläche der Korallen ist, wo sie immer frei hervortritt, sehr unvollständig erhalten und durch den Versteinerungsprocess sehr entstellt. An Puncten, wo diess in geringerem Grade der Fall ist, beobachtet man zahlreiche mehr weniger genäherte rundliche Vertiefungen, die mit einem schmalen, wenig erhabenen Rande um- säumt sind. Dazwischen liegen kleinere ebenfalls umrandete Grübchen zerstreut, die aber gewöhnlich in Folge von wuchernder Ausfüllung mit Gesteinsmasse sich zu kleinen gerundeten oder zu- gespitzten Höckern erheben. Sehr oft ist dies auch bei den grösseren Vertiefungen der Fall. In den Zwischenräumen der Vertiefungen und Höcker erscheint die Oberfläche der Knollen sehr fein gekörnt. 388 R e u s s. Diese Merkmale sind völlig unzureichend zur Entwerfung eines Bildes von dem Baue der Koralle. Viel entsprechender sind die Kennzeichen, welche polirte Querschliffe und Querschnitte der Knollen darbieten. An einem solchen tiimmt man zuerst die durch homogene Gesteinsmasse ausgefüllten rundlichen, seltener etwas eckigen Querschnitte vom Centrum gegen die Peripherie des Knollens ausstrahlender Röhren dar, deren grösste einen Durch- messer von 0,8 — 1 Millim. besitzen. Sie stehen völlig regel- los und in sehr wechselndem Abstände von einander, der bald nur 1 */e mal so gross ist , als der Durchmesser der Röhren selbst, bald aber bis zu dem Drei- bis Vierfachen dieses Durchmessers an- wächst. Diese Röhren bieten aber keineswegs eine continuirliche Höhlung dar, sondern dieselbe wird in nicht sehr ungleichen Abständen, die gewöhnlich das Zweifache des Querdurchmessers der Röhren wenig oder nicht übertreffen, unterbrochen durch Brücken der spongiösen Zwischensubstanz, welche die Röhren seitlich umgibt und die weiter unten ausführlicher beschrieben werden soll. Diese Brücken, welche, wie man sich an Vertical- schnitten deutlich überzeugt, als unmittelbare Fortsetzungen des Coenenchyms der Koralle anzusehen sind, besitzen eine veränder- liche, aber stets ziemlich beträchtliche Dicke und sind an der der Peripherie des Knollens zugekehrten Seite convex, indem sie sich dort meistens in einen kurzen Kegel erheben, der von dem etwas erweiterten inneren Ende des Röhrenabschnittes rings umfusst wird und von der anliegenden Höhlung nicht scharf abgegrenzt ist. Diese Ansicht findet auch in der nähern Prüfung der Querschnitte ihre Bestätigung. Wo derselbe gerade durch eine der vorerwähnten Brücken hindurchgeht, findet man die Röhrendurchschnitte mit spongiöser Substanz ganz erfüllt oder diese tritt nur in ihrem mittleren Theile auf, sobald der Querschnitt nur das obere kegel- förmige Ende der Brücke trifft. Es erscheint daher das Innere der Röhre nicht als ein ununterbrochener Canal, sondern vielmehr als eine Reihe von Canalabschnitten, welche durch zellige Quer- brücken von einander geschieden werden. Diese sind jedoch in ihrer Beschaffenheit und wohl auch in ihrer Function von den niemals spongiösen queren Dissepimenten der tabulaten Korallen sorgfältig zu unterscheiden. An manchen Stellen stehen die hohlen Zwei neue Anlhozoen aus den Hallstädter Schichten. 389 Röhr eo abschnitte sehr vereinzelt, was wohl von der auf weitere Strecken hin erfolgten Ausfüllung der Röhren abzuleiten ist *)• Eine nähere Betrachtung verdienen noch die Wandungen der eben beschriebenen Röhren. Dieselben werden nicht durch eine selbststiindige geschlossene Kalkplatte gebildet, sondern sind, wie sich aus Quer- und Längsschnitten ergibt, durch zahlreiche sehr unregelmässige Löcher gleichsam siebförmig durchbohrt, so dass die Röhrenhölilung mit dem unregelmässigen Maschenwerk des schwammigen Coenenchymgewebes vielfach in unmittelbarer Ver- bindung steht. Nur erscheinen die Wandungen dieses Gewebes, da wo sie die eingesenkte Röhrenhöhlung, die sich mithin als blosse Gewebslücke darstellt, berührt, gewöhnlich an vielen Puncten etwas verdickt. Das Coenenchym selbst bildet ein sehr lockeres und unregelmäs- siges spongiöses Gewebe, dessen Wandungen sich vielfach verästeln, nach allen Richtungen sich krümmen und mit einander verbinden, so dass dadurch sehr uuregelmässige und ungleiche, gebogene und communicirende kleine Höhlungen entstehen. Die schwammige Gewebsmasse ist zugleich sehr dünnwandig, indem der Durchmesser der Höhlungen jenen der trennenden Wände um das Drei- bis Sechsfache übertrifft. In dieses Coenenchym sind nebst den vorerwähnten röhrigen Höhlungen noch zierliche Sternzellen eingesenkt, die man an Längsschnitten im Zusammenhange bis zum Centrum des Knol- lens verfolgen kann, von welchem sie nach allen Seiten der l ) Man könnte bei flüchtiger Betrachtung die durch zellige Querbriicken getrennten Köhreuabschuitte vielleicht dadurch zu erklären geneigt sein, dass dieselben durch in schiefer Richtung geführte, also mehrere benachbarte Röhren treffende Schuitte entstanden sind. Abgesehen von der UnWahrscheinlichkeit, dass zahlrei- che mit der grössten Sorgfalt gemachte Schnitte durchgehends an demsrlben Gebrechen leiden sollten, sprechen noch andere Gründe dagegen. An manchen Stellen liegen die Röhrenabschnitte in vollkommen geraden ausstrahlenden Rich- tungen hinter einander, so dass sie offenbar derselben Röhre angehören müssen. Überdiess zeigen selbst solche Stellen, die nur zerstreute Röhrensegmente dar- bieten, vollkommen regelmässige Längsschnitte der zwischenliegenden Sterne, die man sehr wohl au den fortlaufenden Längsstreifen darstellenden Radiallamellen erkennt. Sobald diese aber von dem Schnitte parallel ihrer Längsaxe getroffen sind, mtiss dies unzweifelhaft auch von den zwischenliegende» , in derselben Ebene befindlichen Rohren angenommen werde». 390 Reust. Peripherie ausstrahlen. Sie sind regellos zwischen den Röhren zerstreut, messen 0.5 — 0,75 Millim. im Querdurchmesser und sind gewöhnlich um das Einfache bis Doppelte ihres Diameters von ein- ander entfernt. Sie werden von keiner selbstständigen Wandung umgrenzt, sondern die dünnen Zwischenwände des Coenenchyms verdicken sich und wenden sich sämtlich radial gegen einen Mittelpunct, gegen welchen sie — 10 — 15 Radiallamellen darstel- lend — in ziemlich gerader Richtung convergirend verlaufen. Sie werden hin und wieder durch feine Queräste verbunden und dagegen auch wieder stellenweise durch kleine Lücken unter- brochen. Gegen das Sterncentrum hin verbinden sie sich netz- förmig und bilden eine Art von spongiöser Axe. An einem Quer- schnitte erkennt man sehr deutlich die mehr weniger zahlreichen rundlichen Löcher, von denen das Axengewebe durchbrochen wird und die sich durch die braunrothen Puncte des ausfüllenden Gesteins zu erkennen geben. Ob sich auf der Oberfläche der Stern- zelle Kronenblättchen erheben, kann nicht entschieden werden, da die Querschnitte wohl, vortrefflich erhalten, die feinsten Details scharf wahrnehmen lassen, die Oberfläche der Koralle aber stets im höchsten Grade entstellt ist und an der Stelle der Sternzellen nur die in Gestalt von Höckern Yorgedrängte Ausfüllungsmasse zeigt. Fasst man sämtliche jetzt eben erörterte Charaktere zusammen, so ergibt sich, dass der Bau der beschriebenen Koralle ein ganz eigentümlicher ist und dass dieselbe darin wesentlich von allen bis- her bekannten lebenden und fossilen Formen abweicht. Es wird dadurch sehr schwierig, ihr einen geeigneten Platz in der systema- tischen Reihe der Korallen anzuweisen. Folgt man dem von Milne Edwards durchgeführten Systeme, so kann es wohl keinem Zweifel unterliegen, dass unsere Koralle der Abtheilung der Madreporarien mit durchbohrten Wandungen angehört. Aber sie passt in keine der innerhalb dieser Section aufgestellten Gruppen. Durch das Vorhandensein eines sehr reich- lich entwickelten schwammigen Coenenchyms entfernt sie sich weit von allen Poritiden und nähert sich in dieser Beziehung den Madreporiden. Aber sie bietet wesentliche Unterschiede dar von den drei Familien derselben. Die Eupsammiden können von vorne herein wegen ihres Maugels eines unabhängigen Coenenchyms nicht Zwei neue Anthozoen aus dun Hallstädter Schichten. oJ' 1 in Betracht kommen. Die Madreporinen und Turbinarien sind zwar ebenfalls mit reichlichem Coenenchym versehen, aber bei den ersteren sind zwei der Radiallamellen viel stärker entwickelt, als die übrigen; — ein Kennzeichen, welches bei unserer Koralle ver- misst wird. Bei den letzteren ist das Coenenchym von dem Gewebe der Wandungen unabhängig, während bei unserem Fossilreste solche selbstständige Wandungen der Sterne gänzlich mangeln. Überdiess besitzt derselbe noch ein Merkmal, das sich bei keinem Gliede der Gesamtabtheilung der perforirten Korallen, ja überhaupt bei keiner Koralle wiederfindet, nämlich das Vorhandensein von stellenweise unterbrochenen Röhrenhöhlungen neben ausgebildeten Sternzellen. Letztere Erscheinung könnte bei flüchtiger Betrach- tung unvollständiger erhaltener Stücke, an denen das Coenenchym durch gleichförmige Kalksubstanz erfüllt ist, verleiten, unseren Fossilrest den tabulaten Korallen beizuzählen. Denn an solchen Exemplaren glaubt man dicht an einander gedrängte sehr dickwan- dige Zellenröhren zu sehen, welche durch ebenfalls dicke convexe Quersepta unterabgetheilt werden. Doch an besser erhaltenen Stellen, die das Vorhandensein des spongiösen Coenenchyms und die ebenfalls schwammige Structur der vermeintlichen Querscheide- wände deutlich erkennen lassen, wird man bald eines Besseren belehrt. Es bleibt daher nichts übrig, als unsere Koralle als den Repräsentanten einer besonderen Unterabtheilung der Madreporarien zu betrachten. Ich lege der Gattung wegen des Vorhandenseins von deutlichen Sternzellen und von Röhrenhöhlungen den Namen: „Heterastridium" bei und bezeichne die Species mit dem der Gestalt des Korallenstockes entnommenen Namen: „Heterastridiam conglobatum. " Fortgesetzte Beobachtungen an vollständiger erhaltenen Exem- plaren werden wohl die noch obwaltenden Zweifel über den von anderen Korallen so sehr abweichenden Bau, besonders über die Structur und Function der Röhrenhöhlungen lösen. Neben den eben beschriebenen Formen liegen vom Sandling bei Aussee noch andere vor, die in ihrer Gestalt auffallend abweichen. Sie bilden bis 105 Millim. hohe knollige Massen, die im Allgemeinen eine kreiseiförmige Gestalt besitzen, aber in der Mitte oder etwas über derselben ringsum zu 4 — i> grossen gerundeten Höckern anschwellen, die, in derselben Ebene liegend, die centrale 392 R e u s s. Masse umgeben, wodurch der Querdurchmesser dem verticalen beinahe gleich wird. Die ganze Masse erscheint daher, von oben gesehen, vier- oder fünflappig. Ihre Oberfläche ist ebenfalls durch den Versteinerungsprocess sehr entstellt und gestattet keinen Schluss auf die innere Structur der Koralle. Sie ist mit gedrängten, beinahe gleich grossen, regellos gestellten feingekörnten Höckern bedeckt, die von der Sternzellen und Röhren überragenden kalkigen Ausfüllungsmasse hervorgebracht werden. Eines der vorliegenden Exemplare Hess glücklicher Weise an einzelnen Stellen der gemachten Quer- und Verticalschnitte den inneren Bau deutlich erkennen. In den allgemeinen Verhältnissen stimmt derselbe mit jenem des Heterastridium conglobatum voll- kommen überein, so dass es keinem Zweifel unterliegen kann, dass beide derselben Gattung angehören. In den feineren Details treten aber nicht unbedeutende und leicht in die Augen fallende Verschie- denheiten hervor. Wie bei der ersten Species sind in eine sehr dünnwandige, lockere, regellos spongiöse Masse Röhren und Sternzellen ein- gesenkt, die radial gegen alle Seiten der Peripherie des Knollens ausstrahlen. Die Betrachtung eines Verticalschnittes belehrt uns aber, dass mehrere solche Ausstrahlungscentra vorhanden sind, durch deren innige Verschmelzung der ganze Knollen entstanden ist. Das spongiöse Coenenchym ist in geringerer Menge vorhanden, als bei der erstbeschriebenen Species, indem die Röhren und insbesondere die Sterne näher an einander gedrängt sind. Die Röhren stehen im Allgemeinen ebenfalls regellos zerstreut, nur stellenweise glaubt man eine Anordnung in undeutliche Reihen wahrzunehmen. Ihr Querdurchmesser ist aber beinahe durehgehends ein geringerer, zwischen o, 6 und o, 8 mm. schwankend, hre seitliche Begrenzung zeigt dieselbe Beschaffenheit, wie bei H. con- globatum. Ebenso bieten sie keine ununterbrochene Höhlung dar; dieselbe wird vielmehr ebenfalls stellenweise durch die von den Seiten hineindringende Coenenchymmasse unterbrochen. Die dadurch entstehenden Röhrenabschnitfe sind nach aussen hin ge- wöhnlich scharf und geradlinig abgegrenzt, während ihre innere Grenze, gegen welche hin sie sich oft etwas erweitern, unregel- mässig und undeutlich ist durch das unregelmässig empordringende Coenenchym. Sie sind aber zugleich enger, als bei der ersten Zwei neue Anthozoen aus den Hallstädler Schichten. 3!K) Species und erscheinen daher verhältnissmässig länger. Auch pflegen die sie trennende n zelligen Brücken weniger dick zu sein. An dem einem der gemachten Verticalschnitte vermag man die Röhren in grösserer Ausdehnung zu verfolgen, so dass über die dargelegten Verhältnisse nicht der geringste Zweifel obwalten kann. Viel häufiger, als bei H. conglobatum, dringt die Coenenchym- substauz von den Seiten in die Röhrenhöhlung ein und erfüllt diese entweder ganz oder in den meisten Fällen nur theilweise, wodurch ihre sonst rundlichen Querschnitte uuregelmässig und in verschie- denem Grade verengt werden. Die Zellensterne stehen in den Zwischenräumen der Röhren regellos zerstreut, aber gedrängter und kommen oft in die unmittel- bare Nähe der letzteren. Sie übertreffen dieselben auch meistens an Grösse, indem sie einen Durchmesser von beinahe einem Milli- meter erreichen. Der bedeutenderen Grösse entsprechend, nimmt auch die Zahl der Radiallamellen, die zwischen 17 und 24 schwankt, zu. Übrigens verhalten sich diese wie bei der ersten Species und werden einerseits durch kleine Lücken unterbrochen, anderseits durch ziemlich häufige, sehr dünne Querlamellen verbunden. Nach aussen spalten sie sich oft gabelförmig, nach innen aber verschmel- zen sie zu einer netzförmig durchbrochenen Axe. Auch hier sind die Sterne nach aussen durch keine selbstständige Wandung abgegrenzt, nur stellenweise erscheinen sie seitlich abgeschlossen, indem sich die Gabeläste der benachbarten Radiallamellen mit ein- ander bogenförmig verbinden. Durch die eben dargelegten Charaktere wird bei aller Überein- stimmung mit H. conglobatum die speeifische Verschiedenheit der lappig-knolligen Form unzweifelhaft dargethan. Ich bezeichne sie mit dem Namen: „Heterastridium lobatum." Durch die beschriebenen zwei Fossilreste erhält nicht nur die Anthozoenfauna der Hallstädter Schichten eine willkommene Berei- cherung; sondern dieselben erregen auch durch ihren eigen- thümlichen Bau, durch welchen sie von allen übrigen bekannten Anthozoen abweichen, ein erhöhtes Interesse. Sie vereinigen in sich anscheinend die Charaktere der palaeozoischen Korallen und jener der mesozoischen Epoche, unterscheiden sich aber von beiden wesentlich. Diese ungewohnte Verschmelzung sonst gesonderter Merkmale steht sehr wohl im Einklänge mit dem palaeontologischen Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. LI. Bd. I. Abth. 26 394 R e u s s. Charakter der Hallstädter Kalke, welche, an der Grenzscheide der palaeozoischen und der jüngeren Sedimentärgebilde stehend, an den palaeontologischen Merkmalen beider theilnehmen. Denn ne- ben Arten der Gattungen Calamophyllia , Thecosmilia , Isastraea, Thamnastraea u. a. , welche in den Oolithen und in der Kreide- formation theilweise zu so reicher Entwicklung gelangen, liegen darin Formen von deutlich palaeozoischem Typus, wie Cocco- phyllum Sturi und Fletcheria annulata. Dieselbe Verschmelzung so verschiedenartiger Typen wiederholt sich auch bei den Fossil- resten anderer Thierklassen, z. B. den Brachiopoden, Gastero- poden u. s. w. Erklärung der Abbildungen. Tafe I. i) Fig. \. Abbildung eines ganzen ellipsoidischen Knollens von Heterastridium conglobatum Rss. in natürlicher Grösse. „ 2. Ein Stückchen der Oberfläche etwas vergrössert. Sie zeigt stellen- weise die schwach umrandeten äusseren Enden der Röhren. „ 3. Ein Stückchen eines Querschnittes etwas vergrössert, um die Stel- lung der Röhren und Steinzellen zu zeigen. Tafel II. Heterastridium conglobatum Rss. Fig. i. Stark vergrösserter Querschnitt, das Coenenehym, die Querschnitte der Röhren und der Sternzellen zeigend. „ 2. Stark vergrösserter Querschnitt mit durch Eindringen des Coenen- chyms unregelmässig gewordenen Röhrenschnitten. „ 3. Stark vergrösserter Verticalschnitt, einzelne Röhrenabschnitte zeigend. i) In allen Durehschnittszeichnungen sind der Deutlichkeit wegen die festen Theile dunkel, die Höhlungen licht gehalten. An dein Fossilreste seihst sind letztere durch meistens röthlichen Kalkstein erfüllt, während erstere in höherem Grade durchscheinend und dunkler erscheinen. Reufs. Neue AnÜiozoen der Hallstädter Schichten. Ta I'. I n , v~^ / 3. Heteras Iridium con-oloöaium Hit . SiHun»'sl>.(l.k ,\L'hI il W iii.hIi aaturw . I'l LI. Bi.I ..\hili. 1865. Reufs feiic Aiillio/.itcii der HaUstädier Schichten Taf.ll vir O ^ ?J • ? '•"■ L > tei 02J \ 4. y SO & r //r--— * ■■■< < , - f '.£,•{, - / ./ Hilvnifli-iihiiiii congldbcUum l!l'<. Sikini^l' (I l< Ak;id - Comptes rendus de seances de l'Academie des Sciences. Tome LX. Nr. 12—14. Paris, 1865; 4<> Cosmos. 2 e Serie. XIV Annee, I er Volume, 14 e — 15 e Livraisons. Paris, 1865; 8»- Czymianski, E., Teoryja chemiczna etc. (Osobne odbicic z T. 33 Roczn. c. k. Tow. nauk. Krak.) 8°' Fleckles, L., Über Diabetes mellitus mit besonderer Berücksich- tigung balneotherapeutischer Erfahrungen in Karlsbad. Prag, 1865; So- Gewerbe - Verein , n. ö.: Wochenschrift. XXVI. Jahrg. Nr. 15 — 16. Wien, 1865; S<>- Kokscharow, Nicolai v., Materialien zur Mineralogie Russlands. IV. Band. (pag. 97-400. Schluss.) Nebst Atlas. Taf. LXV— LXXI. St. Petersburg, 1861 ; 8<>- & 4<>- Land- und forstwirtschaftliche Zeitung. XV. Jahrg. Nr. 11. Wien, 1865; 4o- Mittheilungen des k. k. Artillerie-Comite. Jahrg. 1864. IX. Bd., 4. Hft.; Jahrg. 1865. 1. Hft. Wien, 1865; 8<>- — der k. k. geographischen Gesellschaft. VII. Jahrg. 1863. Wien; Kl.-4o- Oroczco y Berra, Manuel, Geogiafia de las lenguas y carta efnö- grafica de Mexico. Mexico; 4°- Reader. No. 119—120, Vol. V. London, 1865; Folio. Societe Imperiale de Medecine de Constantinople: Gazette medicale d' Orient. VIII 6 Annee, Nr. 11. Constantinople, 1865; 4«- Wiener medizinische Wochenschrift. XV. Jahrg. Nr. 28 — 31. Wien, 1865; 4«- o9ö S l u i 11 d r c h ii e r. Vorläufiger Berichl über die an der Ostküste Vorläufiger Bericht über die an der Ostküste Tenerifes bei Santa Cruz gesammelten Fische. Von Dr. Franz Steiudachncr, Assistenten am k. k. zoolog'. Museum. Die von Prof. Valenciennes im zweiten Bande des zoolo- gischen Theiles der „Histoire naturelle des lies Canaries par Bark er- Webb et Berthelot, 1842" veröffentlichte Monographie der Fische der Canarien bereicherte die wissenschaftliche Ichthyologie mit so vielen neuen, interessanten Arten und bemerkenswerthen Andeu- tungen über die geographische Verbreitung der Fische, dass ich in Tanger den raschen Entschluss fasste , die nahe bevorstehende Ankunft des englischen Dampfers Sidney-Hall abzuwarten und mit demselben nach Tonerife, der schönsten der glückseligen Inseln zu steuern. Es war mir wohl bekannt, dass die Herren Webb und Berthelot, deren Werk über die Carnarien den Stempel wahrer Meisterschaft an sich trägt, die Tiefen des atlantischen Oceans zwischen Tenerife, Gran Canaria und Lanzarote durch länger als zwei Jahre in ichthyologischer Beziehung erforschten; es konnte daher nicht in meiner Absicht liegen, etwa auf neue Entdeckungen in gleicher Richtung ausgehen zu wollen, sondern ich entschloss mich zu dieser Reise nur in der Hoffnung, die Lücken der ichthyolo- gischen Sammlungen des kais. Museums zu Wien zum Theile aus- füllen zu können. Diese mir gesetzte Aufgabe glaube ich mit nicht ungünstigem Erfolge erreicht zu haben; ausserdem machte ich aber zu meiner nicht geringen Freude die überraschende Wahrnehmung, auch noch einige, für die Fischfauna der canarischen Inseln neue Arten aufgefunden zu haben. Innerhalb 17 Tagen, das ist vom 25. Februar bis 13. März 1865, gelang es mir, circa 87 Fischarten und zwar in mehr als 1Ü00 Exemplaren, sämmtlich in Spiritus aufbewahrt zu sammeln , von denen 72 als eigene Arten in Valenciennes" „Ichthyologie des lies Canaries" angeführt sind; die übrigen Arten sind neu für die Fauna der Eilande. Tenerife's hei Santa Cruz gesammelten Fische. O«'!) Ich erlaube mir in den nachfolgenden Zeilen der hohen kais. Akademie der Wissenschaften eine gedtängte Übersicht meiner bis- herigen ichthyologischen Ausbeute zu geben, und zwar auf Grundlage des früher citirten ichthyologischen Werkes, das etwas zu viele neue Arten aufstellte , woran hauptsächlich nur die geringe Anzahl der untersuchten, meist trockenen Exemplare Schuld trägt. Die hierauf bezüglichen Notizen und nothwendigen Änderungen sollen jedoch wegen gänzlichen Mangels an literarischen Hilfsmitteln erst nach meiner Rückkehr in die Heimat in einer ausführlicheren Arbeit veröffentlicht werden. Ich bemühte mich, über jede einzelne Art, die auf Tenerife üblichen Vulgärnamen aus dem Munde erfahrener Fischer so sorg- fältig und genau als möglich zu sammeln und bin auf diese Weise in den Stand gesetzt, manche der in Berthel ot's tüchtigem, geistreichem Werke über die Fischereien an der Westküste Afrika's („De la Peche sur la cöte occidentale d'Afrique", Paris, 1840) enthaltenen Verwechs- lungen und irrigen, wissenschaftlichen Deutungen der Fischnamen die fast in alle neueren Werke über die canarischen Inseln l ) über- gingen, zu berichtigen. Die von mir bis jetzt an der Küste von Tenerife bei Santa Cruz gesammelten Fischarten sind folgende: 1. Serranus cabrilla Cuv. Val. Kommt tagtäglich in sehr grosser Anzahl auf den Markt und ist sehr geschätzt, Vulgärname Cabrilla. 2. Serranus emarginatus Val., selten. 3. Serranus acntirostris Cuv. Val. wird von den Fischern nie Sama, sondern Abadcjo genannt. Ziemlich häufig. 4. Anthias sacer Bl. (Serranus anthias Cuv. Val.) wird mehr an der Küste, zugleich mit den Bo.v-A\tei\, aber stets nur in geringer Anzahl gefangen. 5. Beryx decadadylus Cuv. Val. Ich besitze 9 Exemplare dieser schönen Art, die auch zuweilen bei Setubal und Lisboa gefischt wird. 6. Polymixia nobilis Lo w. = Nemobrama Webbii Val. fand ich bis jetzt nur in 4 Exemplaren vor, die in meine Sammlung übergingen. i) Z. B. Valencien nes' „Ichthyologie des lies Canaries" : Dr. Julius v. Minutoli. „Die canarischen Inseln, ihre Vergangenheit und Zukunft", nag. 204 — 207. *i-\)yj S te i n da ebnen. Vorläufiger Bericht über die an der Ostküste 7. Trachinus draco Li im., und 8. Trachinus radiatus Cuv. Val. werden von den Fischern nicht namentlich von einander geschieden, sondern mit dem gemein- samen Namen Arana, d. i. Spinne bezeichnet. Erstere Art ist viel seltener auf dem Markte zu finden, als die zweite. 9. Mullas barbatus Linn. hörte ich auf dem Fischmarkte zu Santa Cruz de Tenerife stets nur wie in Spanien Salmonete, nie Rubio nennen, wie Berthelo t angibt. Mit letzterem Namen bezeich- net man hauptsächlich 10. Trigla lineata Linn. und 11. Trigla lucerna Brunn., an welchen beiden Arten der Fischmarkt überreich ist. 12. Scorpaena scrofa Linn. und 13. Scorpaena porcus Linn. führen den Namen Rascazio, d. i. Schabeisenfisch. Beide Arten werden nur selten •) auf den Markt gebracht. 14. Sebastes imperialis Cuv. wird von den Fischern ganz treffend „Boca negra" (Schwarzmaul) genannt und somit von den Scorpaena-Arlen geschieden, was den Forschungen Herrn Berthe- lot's entging. Selten, ich sah bis jetzt im Ganzen nur 4 Exemplare auf dem Markte. 15. Sebastes filif 'er Val. Der Vulgärname dieser ziemlich häufig vorkommenden Art ist Obispo, nach Bert hei ot aber Rascazio de fuera. 16. Umbrina ronchus Val. und U. canariensis Val. sind identisch, wie ich mich aus der Untersuchung zahlreicher Exemplare überzeugte. 17. Pristipoma Bennettii Sow. und 18. Pristipoma viridense\ü\. sah ich bis jetzt nur in wenigen Exemplaren auf dem Markte. 19. Sargiis Rondeletii Cuv. Val. 20. Sargus Salviani Cuv. Val. 2t. Sargus vetula Cuv. Val. i) Die von mir bezüglich des Vorkommens der einzelnen Arten gebrauchten Ausdrücke: „selten" und „häufig" können sich natürlicher Weise nur auf den Zeitraum meines hiesigen Aufenthaltes vom 2!>. Februar bis 13. März beziehen. Tenerif'e's bei Santa Cruz gesammelten Fische. 4-U 1 22. Sargus fasciatus Cuv. Val. und 23. Sargus cervinus Val. fehlen an keinem Tage auf dem Markte und sind sehr geschätzt. Die beiden letztgenannten Arten aber sah ich stets nur in geringer Anzahl zum Verkaufe ausgeboten. 24. Chrysophrys coeruleosticta Yi\]. wird Breca genannt und somit von den Fächern mit den Pagrus-Ar\en, die in der Regel den Vulgärnamen Sama führen, nicht verwechselt, wie Berthelot meint. Sehr häutig und geschätzt. 25. Pagrus vulgaris Cuv. Val. Sehr häufig und Bossi negro genannt. 26. Pagrus BerthelotiYül. Vulgärname Sama roquera. 27. Pagrus auriga Val. hörte ich von manchen Fischern Sama maroquera nennen. 28. Pagellus centrodontus Cuv. Val. führt hier wie auf Madeira den Namen Goraz , nicht Besugo , wie H. Berthelot bemerkt. Ich sah bis jetzt nur 3 oder 4 Exemplare auf dem Fisch- markte. In Vigo und La Coruna sah ich diese Art im Monate October 1864 zu Tausenden, man verkaufte daselbst i*/ a pfundige Exemplare um 4 — 6 Cuartos. 29. Box vulgaris Cuv. Val., sehr häufig und Boga genannt. 30. Box canariensis\ü\. heisst bei den Fischern nie Chicharro^ wie H. Berthelot ganz irrig annimmt. 31. Box salpa Cuv. Val., an manchen Tagen sehr häufig auf dem Markte zu finden, und zwar in sehr grossen Exemplaren. 32. Bentex vulgaris Cuv. Va 1 . 35. Dentex filosus Val. heisst auf Tenerife Serruda nicht Pargo. 34. Cantharus vulgaris Cuv. Val. Sehr häufig und Chopa genannt. 35. Pelamys Sarda Cuv. Val. kommt in zahllosen Exemplaren tagtäglich auf den Markt und wird mit dem Namen Cavalla belegt, nicht aber Bonite, wie Berthelot und Valenciennes angeben. Letztere Art, die Bonite, wissen die Fischer ganz gut von Pelamys sarda zu unterscheiden. 36. Gempylus prometheus Cur. Val. sah ich tagtäglich in 30 — 60 Exemplaren auf dem Fischmarkte von Santa Cruz de Tenerife, ist daher nicht eine an den Küsten der canarischen Inseln 4-üw Stein dach n er. Vorläufiger Berieht über die an der Ostkiiste seltene Art zu nennen; wie in Valen ciennes' Werke zu lesen ist. Der Vulgärname ist Conejo, Kaninchen. 37. Ravettus pretiosus Coc co. = Rovettus Temminckii Val., sehr geschätzt, kommt fast jeden Tag, doch nie in mehr als 2 his 3 Exemplaren auf den Markt. Heisst Escolar, d. i. Student. 38. Lichia glaucos C u v. Va 1. wird Palometa, d. i. Täubchen genannt. 39. Caranx analis Val. Der gemeinste aller Fische auf dem Fischmarkte zu Sanfa Cruz und Chicharro genannt. Es ist mir geradezu unbegreiflich, wie der so erfahrene Berthelot die richtige, wissenschaftliche Deutung des Vulgärnamens Chicharro verfehlen und eine Caranx-kvi mit einer Box-Art verwechseln konnte. 40. Zeus faber C uv. Val. sah ich bis jetzt nur zweimal auf dem Fischmarkte. 41. Brama RaiiB]. Ich besitze in meiner Sammlung das ein- zige Exemplar, das während der 17 Tage meines Hierseins auf den Markt kam. Vulgärname Pez tostön, nach Berthelot aber Pampano moriseo. 42. HeJiases marginatus Cuv. Val. fand sich heute, am 13. März zum ersten Male und zwar in grosser Anzahl auf dem Platze vor. 43. Mugil chelo Cuv. Vulgärname Lisa, d. i. Glattfisch. 44. Labrus scrofa Solander, kommt nicht besonders häufig auf den Markt und wird Pez perro, Hundsfisch genannt. 45. Acantholabrus romerus Val. 46. Julis vulgaris Cuv. Va I. erhielt ich heute zum ersten Male in drei kleinen Exemplaren. 47. Julis pavo Cuv. Val. 48. Xirichthys novacula Cuv. Val. wurde mir von den Fischern „Peine", d. i. der Kamm genannt. Diese Art ist fast täglich auf dem Fischmarkte, doch stets nur in sehr geringer Individuenzahl zu sehen. 49. Scarus rubiginosus Soland., äusserst gemein. HO. Betone vulgaris Cuv. VaL Kommt nicht besonders häutig auf den Markt. Vulgärname Aguja. öl. Hemiramphus brasiliensis Bl. = 77. vittatusN:\\. hörte ich von den Fischern nur Bicuda nennen, nicht aber Aguja , wie Berthelot angibt. Ich sab fast jeden zweiten Tag einige (5 — 8) Tenerife's bei Sanla Cruz gesammelten Fische. 4Ud Exemplare dieser schönen Art, die Berthelot nur von der Küste von Lanzarofe kennt, auf dem Fischmarkte zu Santa Cruz de Tenerife. 52. Sauras trivirgatus Cuv. Val., sehr gemein. 53. Aulopus filifer Va 1. und 54. Aulopus maculatus Val. dürften höchst wahrscheinlich nur eine Art abgeben. Die Fischer bezeichnen beide mit dem Namen Carajo real. 55. Asellus canariensis Val. erhielt ich bis jetzt in 3 ziemlich grossen Exemplaren. Diese Art nennen die Fischer bald Pescada, bald Mariquita. 56. Phycis limbatus Va I. kommt zwar täglich auf den Markt zum Verkaufe, aber stets nur in geringer Anzahl (3 — 9 Exemplare). Der Vulgärname ist Brota nicht aber Abadejo, wie Berthelot irriger Weise angibt. Die. Fischer wissen ganz gut einen Serranus von einem Gadoiden zu unterscheiden. 57. Rhombus serratus Val. führt hier den unästhetischen Namen Tapaculo. Häutig aber stets nur in kleineu Exemplaren auf dem Markte zu finden. 58. Solea scriba Val. Gemein und Lenguado genannt. 59. Solea oculata Bis so. Minder häufig. Vulgärname Len- guado doble, 60. Lepadogaster vebbianus Val. Wahrscheinlich keine neue Art; Pega, d. i. Hefttisch ist der Fischername dieser zierlichen Art. 61. Anguilla canariensis Val., eine fraglich neue Art erhielt ich nur einmal in einem kleine n Exemplare. 62. Hippocampus brevirostris Cuv. 63. Syngnathusrubescens Bis., Vulgärname Culevra, Schlangen- fisch. 64. Monacanthus filamentosus \ al. und 65. Monacanthus galUnula Val. sind identisch. 66. Myliobates episcopus Va 1. ist in Va 1 e n c i e n n e s' Abbil- dung nicht getreu wiedergegeben. 67. Trygon vulgaris s. pastinaca Bonap. 68. Torpedo trepidans Val. besitze ich in 3 Exemplaren. Vulgärname Trembladera. 69. Squatina angelus Cuv. 70. Uranoscopus bufoYa). wurde mir heute (am 13. März), während ich diese Zeilen niederschrieb, in 2 Exemplaren gebracht. 4:04- Stein dachner. Vorläufiger Bericht über die gesammelten Fisclie. 71. Tetrodon murmoratus Lowe wird in ziemlich bedeutender Anzahl mit den kleinen Pagrus-. Pagcllus- und Bo,v-Xvlen gefischt, und Tamboril (Trommelfisch) genannt. Von den für die Fischfauna der Canarien neuen Arten erwähne ich nur: a) Polyprion cernium Val., hier wie an der afrikanischen Westküste Chcrne genannt. Letzteren Namen hält Berthelot (De la peche sur la cöte oceidentale d'Afcique) irrthümlich für identisch mit Cachorro und glaubt daher darunter den Serra?ius caninus Val. verstehen zu sollen. Ich theilte Herrn Berthelot, den ich gleich am zweiten Tage nach meiner Ankunft in Santa Cruz kennen zu lernen die Ehre hatte, diesen für einen Nicht-Fachmann leicht ver- zeihlichen Verwechslungsfehler mit, der schon in einigen Wochen in einem neuen interessanten Werke über Fischereien aus der Feder desselben ewig jungen Verfassers corrigirt sein wird. b) Apogon rex mullorum Cuv. wird in nicht geringer Anzah[ an der felsigen Küste unmittelbar bei der Stadt Santa Cruz zur Nachtzeit bei Lichtschein gefangen. Ausserdem sammelte ich noch 3 Arten von Blennoiden und Gobioideti; 3 von Clupeoiden, 1 Bandfisch, 4 Squaliden, darunter eine Lamna, 3 Arten von Muraenoiden, 1 Atherina, und eine Scomberoiden-Art, die ich wegen Mangel an literarischen Hilfs- mitteln der Species nach nicht genau bestimmen kann. Die Reptilien-Fauna von Tenerife beschränkt sich auf 5 Arten, unter denen der Laubfrosch wohl die Hauptrolle spielt. Er lebt zu Tausenden in den zahlreichen Gärlen von Santa Cruz und Laguna und erfüllt allabendlich die von balsamischen Düften geschwängerten Lüfte mit seinem einförmigen Gequake. Die beiden hier vorkommen- den Eidechsenarten sind den Cochenille-Pflanzern sehr unwillkom- mene allzu häuh'ge Gäste, während die zierliche Lisneja nur mehr selten zu finden ist, da man derselben wegen ihrer Verwendung in den Apotheken mit grossem Eifer nachstellt. In der Hoffnung in den nächsten acht Tagen noch einige meiner Sammlung fehlende Arten zu linden, schliesse ich meinen vorläufigen Bericht und bitte um geneigle Aufnahme in die Sitzungsberichte der hohen kais. Akademie der Wissenschaften zu Wien. Ituehni. Über die physiologischen Bedingung«»!) der Chlorophyllbildung, 40i> Über die physiologischen Bedingungen der Chlorophtfllbildiuig . Von Joseph B o e h in. Berechtigter als irgend ein Induetionsschluss schien bis vor Kurzem der: dass das Ergrünen der Pflanzen eine Lichtwirkung sei ; zumal, da die früheren Angaben über das Ergrünen von Pflanzen oder Pflanzentheilen im Dunkel entweder geradezu falsch sind oder, wie über das Ergrünen mancher Keimlinge etc. *), sich auf ungenü- genden Beobachtungen basirend erwiesen. Wenn man jedoch bedenkt, dass wir über die Umsetzung des Lichtes und der Wärme in die verschiedenen Lebenskräfte der Pflanze keine leise Ahnung iiaben, dass wir die Abhängigkeit der Chlorophyllbildung vom Lichte nur auf inductivem Wege erschlies- sen, wenn man feiner erwägt, dass die verschiedenen Pflanzen- arten, bei sonst gleichen Verhältnissen so verschiedener Kraftmengen zu ihrer Entwicklung bedürfen, dass die einen am besten im directen Sonnenlichte, die anderen nur im Schatten, die einen bei hoher, die anderen hingegen nur bei einer viel niederen Temperatur gedei- hen und dass alle Lichtstrahlen trotz ihrer verschiedenen Wellen- längen zur Chlorophyllbildung anregen: so erscheint es bei vor- urtheilsfreier Überlegung andererseits a priori nicht nur möglich, sondern sogar sehr wahrscheinlich, dass gewisse nicht schmarotzende Pflanzen bei völligem Lichtmangel nicht bloss grün werden, sondern sich sogar normal entwickeln. Von diesen Betrachtungen ward ich geleitet, als ich, überzeugt, dass jedes weitere erfolgreiche Studium über die Assimilationspro- cesse der Pflanze von der genauen Kenntniss des Chlorophylls, seiner chemischen Constitution, seiner Entwicklung und seiner Func- tionen bedingt sei, mich mit dem selbstständigen Studium der Pflan- zenphysiologie zu beschäftigen angefangen hatte. — Da ich aus *) Boehm. Sit/.ung'sb. d. kais. Akad. d. Wissensch. Bd. 32, pag. 4!>3. 406 Boehm. eigens zu diesem Zwecke (neuerlichst auch von Sachs) angestell- ten Versuchen mit Sicherheit wusste, was ich schon in Folge mannigfacher anderer Beobachtungen nicht bezweifelte: dass die bei den höchst möglichen Temperaturen im Dunkel aufgewachsenen Pflanzen vergeilt waren, so musste ich vorerst daran denken, die Chlorophyll bildende Kraft der directen Wärmestrahlen zu studieren. Da mir kein physikalisches Cabinet zur Verfügung stand, war ich auf die Wärmestrahlen eines geheizten schwarzen eisernen Ofens angewiesen. Nachdem sich diese als unwirksam erwiesen, suchte ich durch berusste Glasplatten zum Ziele zu gelangen. Mittlerweile kam Guillemin J ) mit geeigneteren Mitteln zu demselben Resultate wie ich: dass die Wärmestr ahlen näm- lich wirklich eine Chlorophyll erzeugende Kraft be- sitzen. Kaum hatte Guillemin seine Abhandlung publicirt, so bereicherte Sachs 2 ) die Wissenschaft mit einer sehr bedeutsamen Entdeckung : dem Ergrünen der im Dunkel gezogenen Keimlinge von Pinus Pinea. Sachs glaubte jedoch, dass dieses anomale Verhalten der Pinien- keimlinge von deren Gehalte an Terpentinöl abhängig sei. Der dadurch ozonisirte Sauerstoff bewirke, so wie das Ozon überhaupt, die Oxydation des farblosen Chlorophyllchromogens (des sogenann- ten Leukophylls). Mit vielleicht übergrossem Eifer, doch ferne von jeder Persön- lichkeit und „versteckten Gereiztheit" 3 ) suchte ich die Un- zulässigkeit dieser Meinung durch zahlreiche Versuche zu wider- legen. Gestützt auf das Gesetz der Erhaltung der Kraft, demzufolge alle organischen Wesen directe (sämmtliche chlorophyllführende Pflanzen) oder indirecte Producte der Sonnenstrahlen sind, habe ich behauptet: dass bei den im Dunkel gezogenen Pinien- keimlingen das Ergrünen durch (geleitete) Wärme be- dingt wird. Wenn diese Folgerung angezweifelt wird, so ändert dies an ihrer Richtigkeit ebensowenig als an der ihrer Prämissen und beweist nur, wie schwer man sich von tiefgewurzelten Vorur- theilen lossagen kann. *) Ann. (1. sc. nat. Botaniqiie. Toni. VII. 18i»7. 2) Lotos, IX. Jahrgang 18.'>9. pag. 6—14. S) Bot. Zig-. 18G0. Nr. 4. Über die physiologischen Bedingungen der Chlorophyllbildung. 407 Das Ergrünen der im Dunkel gezogenen Pinienkeimlinge ist für die Physiologie der Ernährung der Pflanzen von der grössten Bedeu- tung. Es ist eine für den jetzigen Stand der Wissenschaft viel zu weit hinausgreifende Frage, warum manche Pflanzen am besten gedeihen, wenn ihnen dieses, andere, wenn ihnen jenes Kraft- quantum in dieser oder jener Form zugeführt wird. An den Keim- lingen von Pinus Pinea haben wir ein Object, durch dessen genaues Studium wir dem idealen Ziele unserer Aufgabe um einen Schritt näher kommen. Da das Chlorophyll der im Dunkel gezogenen Pinienkeimlinge (sowie jeder Organismus überhaupt) ein Product der Sonnenkräfte und zwar blos der Wärme ist — da also hier die Wärme allein bewirkt, was bei den übrigen grünen Pflanzen nur durch Wärme und Licht effecfuirt wird, so lag die Vermuthung nahe, dass die im Dunkel gezogenen Pinienkeimlinge gleich den übrigen vergeilten Pflanzen chlorophylllos sich entwickeln würden, wenn man ihnen einen Theil der Kräfte, unter deren Einflüsse sie sich gebildet, ent- ziehen , — wenn man sie also bei möglichst niederer Temperatur aufziehen würde. Das Resultat des Versuches rechtfertigte die dem Versuche zu Grunde gelegte Hypothese !), obgleich der Richtigkeit derselben mancherlei Bedenken entgegenstanden. Man sollte nämlich glau- ben, dass, wenn die bei verminderter Wärme gezogenen Pinien- keimlinge chlorophylllos, andererseits die im Dunkel gezogenen Angiospermen durch erhöhte Wärme grün werden würden. Dass dies nicht der Fall ist, beweiset nur, wie oft wir aus Unkenntniss der Verschiedenheit der Natur der verschiedenen Pflanzen mit unseren Inductionsschlüssen fehl gehen. Eine völlig irrige Auffassung über die ganze Physiologie des Chlorophylls wurde dadurch hervorgerufen, dass man die Entstehung desselben aus seinem Chromogene (dem Leucophyll) für eine einfache Wirkung des Lichtes erklärte, unabhängig von den anderweitigen Functionen der lebenden Zelle, etwa so, wie z. B. die Silbersalze durch das Licht zerlegt werden, oder wie sich das Chlor- und Was- serstoffgas unter der Einwirkung des Lichtes verbinden. So glaubt i) Sitzungsberichte der kais. Akad. d. Wissenschaften. 1863. Bd. 47. pag. 349. 408 Boehm. Sachs !J aus mehren Gründen schliessen zu müssen: „Dass das Entstehen des Chlorophylls mit den Wachsthums-, mit den Gestal- tungsprocessen innerhalb der Zelle in keiner unmittelbaren Bezie- hung stehe." Diese „Annahme" ist jedoch, wie ich schon seiner- zeit nachgewiesen, um mich der Worte Sachs 1 zu bedienen, „durchaus unrichtig". Durch die eben citirte Auffassung ist auch der Widerspruch veranlasst, den Sachs 2 ) in seiner letzten Abhandlung über diesen Gegenstand gegen die von mir gemachte Behauptung: dass das Chlorophyll der im Dunkel aufgezogenen Pinienkeimlinge ein Pro- duct der Wärme sei, erhebt. Sachs führt an, daj-s man hei auf freiem Felde gebauten Pflan- zen, z. B. dem Sommergetreide, besonders häufig aber hei Ge- wächsen, welche für ihre Keimung und Vegetation höherer Tem- peraturen bedürfen, z. B. bei Zea Mais, Cucurbita Pepo, Ipomaea purpurea, Phaseolus multiflorus alljährig leicht die Beobachtung machen könne, „dass bei rauher Witterung die zum Ergrünen am Licht bestimmten Blattgebilde, nach dem Hervortreten der Keim- pflanzen aus der Erde, so lange gelb und klein bleiben, bis die stei- gende Temperatur ihnen gestattet, unter Anregung des Lichtes ihre normale grüne Färbung anzunehmen." — Noch auffallender als bei Keimpflanzen, mache sich bei solchen Gewächsen, welche schon über die Keimung hinaus in vollster Vegetation begriffen sind, bei eintre- tender und längere Zeit andauernder Temperaturverminderung die merkwürdige Thatsache geltend, „dass die niedrigste Tem- peratur, welche für die Ausbildung des grünen Farb- stoffes der Blätter not big ist, höher liegt, als die nie- drigste, noch Streckung und W a c h s t h u m der Zellen bewirkende Temperatur". Ferner sagt Sachs: „Boehm scheint, wenn ich ihn recht verstehe, aus seiner Beobachtung (dass die Cotyledonen der im Dunkel bei 5 — 7° B. gezogenen Pinienkeimliuge chlorophylllos sind) zu scbliessen, dass hier die Wärme gewissermassen statt des Lich- tes wirksam sei, eine Annahme, welche sich nach meinen Versuchen als durchaus unrichtig herausstellt. Diese führen vielmehr zu fol- i) Lolos I. c. l ) Flora, 1804. png. 497— SOC. Über die physiologischen Bedingungen der Chlorophyllbildung. 409 gendem Ergebniss: Sämmtliche von mir (Sachs) beobachtete, den verschiedensten Familien angehörenden Mono- und Dicotylen be- dürfen zu ihrem Ergrünen des Lichtes, aber auch gleichzeitig einer hinreichend hohen Temperatur, deren Maximum von dem specilischen Charakter der Pflanze abhängt; bei diesen Pflanzen ist sowohl Licht ohne hinreichende Temperatur, als auch diese ohne Licht nicht im Stande, den grünen Farbstoff auszubilden. Dagegen können alle von mir darauf beobachteten Gymnospermen (Pinus Pinea, canadensis, sylvestris , Sirobus und Thuja Orient aus) auch in tiefster Finster- niss in ihren Cotyledonen grünen Farbstoff bilden, dazu bedürfen sie aber gleich den Ersteren einer hinreichend hohen Temperatur." Sachs hat sich bei den Gymnospermen darauf beschränkt, das von mir angegebene Verhalten der im Keller gezogenen Keimlinge zu prüfen. Bei seinen Versuchen mit vergeilten jungen Pflanzen von Phaseolus multiflorus, Zea Mays, Brassica Napus, Sinapis alba, Allium Cepa, Carthamnus tinctorius und Cucurbita Pepo fand Sachs, dass die Pflanzen, welche zum Keimen und Wachsen höhere Wärmegrade benöthigen, bei einer Temperatur, welche unter dem bezüglichen Keimungsminimum liegen, im Lichte nicht ergrünen, während andere Exemplare innerhalb derselben Zeit bei geeigneter Temperatur aber sonst gleichen Verhältnissen, sich mehr weniger grün färbten. — Sachs bemerkt ausdrücklich, dass die im Lichte gelb gebliebenen Keimlinge keine Zunahme ihrer Dimensionen erkennen Hessen. Die Cotyledonen von Brassica Napus, deren Samen schon unter 4° R. keimen, ergrünten und wuchsen neben den im Lichte blass gebliebenen Bohnen- und Mais- pflänzchen bei einer Temperatur von 3 — 6° R. Das Keimungsmini- mum von Zea Mays und Phaseolus multiflorus bestimmte Sachs schon früher zu 7.5° R. *). Ich finde nicht, dass diese Versuche, deren Resultate mit den von mir angestellten Versuchen völlig harmoniren, den von Sachs aus Beobachtungen von Pflanzeu auf freiem Felde gezoge- nen Schluss bestätigen, indem die bei niederer Temperatur im Lichte gelb gebliebenen Cotyledonen ja „auch keine Zunahme ihrer Dimensionen erkennen Hessen." Sachs Schlussfolgerung und seine i) Pringsheim's Jahrb. II. pag. 339—377. Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. LI. Bd. I. Abth. 27 410 Boehra- Versuche selbst *) werden überhaupt nur dadurch erklärlich, dass Sachs noch wie ehedem das Ergrünen der Pflanzen für einen von der Lebensthätigkeit der Zellen ganz unabhängigen Process hält, zu dessen Einleitung jedoch bei den verschiedenen Pflanzenarten ver- schiedene Temperaturgrade erforderlich seien, vielleicht etwa so, wie die verschiedenen Modifikationen des Kohlenstoffes auch bei sehr verschiedenen Temperaturen verbrennen. Als ich vor zwei Jahren meine Keimversuche mit Samen von Pinns Pinea im Keller machte, war ich nicht in der Lage, diese Versuche bei entsprechender Temperatur (5 — 7° R.) auch im Lichte anzustellen. Da mir im Gebäude der Wiener Handelsakademie vor- läufig hinreichende Räumlichkeiten für meine Arbeiten zugewiesen sind, so nahm ich obige Versuche wieder auf. Die constant grosse Kälte des verflossenen Winters gestattete mir, in einem gegen Nor- den neben meinem Arbeitscabinet gelegenen Zimmer durch zwei Monate (December und Jänner) die Temperatur von 5 — 7° R. zu erhalten. Die Versuche wurden angestellt mit Keimlingen von Pinus Pinea, P. silvestris, P. austriaca, P. Picea, Thuja occidentalis ; — Zea Mays, Cucurbita Pepo, Cucumis sativtis, C. Meto; — Hordewn vul- gare, Seeale cereale, Valerianella olitoria, Brassica oleracea capi- tata und Sinapis arvensis. Die Conifei ensamen (die von Pinus Pinea wurden, um die Kei- mung zu beschleunigen, an ihrem Radicularende angeschnitten) Hess ich in meinem Arbeitszimmer nur bis zum Hervorbrechen der Radi- cula, die übrigen aber bis zur Entfaltung der Cotyledonen ent- wickeln. Die Keimlinge wurden nun, nachdem deren Grösse mittelst Druckerschwärze und des Gri esebach'schen Auxanometers genau markirt war, in das Versucliszimmer gebracht und von den Gymno- spermen die halbe Anzahl der Töpfe auf die Fenster ins Licht, die andere Hälfte hingegen in auf der Unterseite mit einigen Rohrlöchern versehene, im übrigen aber gut schliessende Holzküsten gestellt. — Schon am ersten Tage färbten sich ganz oder theilweise die Keim- linge von Hordeum, Seeale, Brassica, Sinapis und Valerianella. l) Sachs setzt seine V'ersuchspflanzen in der Kalte nur so lange der Wirkung des Lichtes aus, Iiis andere, unter sonst gleichen Verhältnissen aber tu der Wärme be- findliche Exemplare ergrünen. Über die physiologischen Bedingungen der Chlorophyllbildnng. 4- 1 1 Dabei war ein deutliches Wachsthum aller ergrünten Pllänzchen be- merkbar. Die Keimlinge von Zea, Phaseolus und den Cucurbitaceen erhielten sich wohl mehrere Wochen frisch, ohne jedoch zu ergrü- nen, aber auch ohne zu wachsen. Nur der vergeilte Stengel eines Exemplares von Phaseolus multiflorus verlängerte sich binnen drei Wochen um i*/ a L. ; dann starb das Pflänzchen sowie die übrigen Keimlinge dieser Gruppe von der Spitze an, ab. Von den Gymnospermen waren die unter dem Einflüsse des Lichtes herangewachsenen Keimlinge alle grün, von den im Dun- kel entwickelten aber waren die von Pi?ius Pinea, P. silvestris und P. austriaca vollkommen gelb. Die Cotyledonen der im Dunkel entwickelten Pflänzchen von Pinus Picea und besonders die von Thuja hatten einen Stich ins Grün und lieferten ein mit rothein Lichte fluorescirendes Extract. Diese Resultate berechtigen gewiss zu dem Schlüsse: dass alle Pflanzentheile (welche überhaupt Chlorophyll zu erzeugen im Stande sind) unter sonst normalen Verhältnissen im Lichte bei der Tempe- ratur ergrünen, bei welcher sie wachsen. Wenn wir ein solches Wachsthum bei den in geeigneter Temperatur nur durch einige Stunden dem Lichte ausgesetzten vergeilten Pflanzen ungeachtet ihres Ergrünens nicht wahrnehmen können, so wird hoffentlich Nie- mand behaupten wollen, dass in den Zellen ausser der Chlorophyllbil- dung nicht noch mannigfache andere Processe gleichzeitig erfolgten. Obwohl das von Sachs angeführte Verhalten von in der Vege- tation begriffenen Pflanzen auf freiem Felde bei eintretender und längere Zeit andauernder Temperaturerniedrigung auch noch durch andere Ursachen (z. B. warme Nächte und kühle Tage) bedingt sein kann als dadurch, dass das Wachsthum und die Vermehrung der Zellen bei einer tieferen Temperatur erfolge, als das Ergrünen, so fällt es mir doch in Folge obiger Versuchsresultate nicht nur nicht ein, die Möglichkeit eines solchen Verhaltens in Abrede zu stellen, sondern es scheint mir vielmehr dasselbe bei meiner Auffassung: des Chlorophylls als eines Productes der normal fungirenden Zelle a priori sogar sehr wahrscheinlich. Ich kann mir nämlich sehr gut vorstellen, dass, sowie durch mannigfache andere Ursachen, auch bei gewissen Temperaturen krankhafte Zellen gebildet werden, in welchen selbst bei Einwirkung des Lichtes keine Chlorophyllbildung erfolgt. 27* 412 Boehra. Dies und noch gewisse, weiter unten zu besprechende Grössenverhältnisse der bei den früheren Versuchen gezogenen Coniferenkeiralinge veranlassten mich, die Versuche bei einer niedri- geren Temperatur als 5 — 7° R. zu wiederholen. Es gelang mir jedoch nur durch vier Wochen (im Februar) die Temperatur des Zimmers bei 2 — 4° R. zu erhalten. — Die bei dieser Temperatur gezogenen Keimlinge unterscheiden sich mit Ausnahme derer von Piniis Pinea und Thuja nicht wesentlich von denen bei den früheren Versuchen. Die Keimlinge von Thuja und Pinas Pinea, besonders die letzteren hatten, als die Temperatur auf 6 — 8° R. stieg, die Endospermhüllen noch nicht abgestreift. Die Cotyledonen waren, so weit sie schon frei waren, nur sehr schwach grün gefärbt und die Pflanzchen hatten überhaupt ein sehr verkümmertes und vergeiltes Aussehen. Wenn ich demnach sehr gerne zugebe, dass im Lichte das Wachsthum bei einer niedrigeren Temperatur erfolge als das Ergrü- nen, so kann ich doch meine wiederholt ausgesprochene Rehauptung : dass das Ergrünen der im Dunkel gezogenen Coniferen eine Wir- kung der Wärme sei, nicht zurücknehmen. Ich glaube vielmehr, dass das eben besprochene Verhalten nicht nur nicht gegen , son- dern für die Richtigkeit meiner Ansicht spricht: dass das Chloro- phyll einProduct der gesunden, normal fungirenden Zelle sei. Sachs fand, dass Kürbisskeimlinge A bei 30° C. in 6!/ 2 Stun- den intensiver grün gefärbt wurden, als andere derartige Pflanzen en B bei 15° C. in 26 Stunden und knüpft daran folgende Bemerkung: „Wäre die Zeit des Ergrünen der Temperatur umgekehrt propor- tional, so hätte B binnen 13 — 14 Stunden ebenso grün werden müssen, wie A in ö^ Stunden; statt dessen bedurfte es mehr als der vierfachen Zeit; es wäre demnach nicht unmöglich, dass bei gleicher Beleuchtung das Ergrünen dem Quadrate der Temperatur proportional wäre; diess inuss indessen der Entscheidung durch weitere Versuche überlassen werden." Nach meiner Überzeugung sind zu dieser Entscheidung keine weiteren Versuche nothwendig. Wir wissen durch zahlreiche Beob- achtungen, dass das zur Entwicklung der Pflanzen nothwendige Licht- und Wärmequantum nicht durch Summirung von an sich unzureichen- den Kräften dieser Art, sondern durch eine in einer gegebenen Zeit bestimmte Grosse derselben bedingt wird. Die allgemeine und gegen- Über die physiologischen Bedingungen der Chlorophyllbildung. 413 seitige Wirkung einer bestimmten Temperatur und Lichtintensität hängt stets von der specifischen Natur der Pflanze ab. Die eine Pflanze bedarf zu ihrer gedeihlichsten Entwicklung viel Licht und wenig Wärme, die andere hingegen viel Wärme und wenig Licht. Wir wissen, dass die im Dunkel gezogenen Pflanzen nicht blos bleichsüchtig, d. h. chlorophylllos sind, sondern dass ihr ganzer Habitus den krankhaften Zustand verräth. Die Internodien und die Blattstiele sind meist viel länger und wässerig, die Blattflächen hin- gegen sehr klein. Man ist häufig gewohnt, die ganze abnorme Entwicklung solcher vergeilter Pflanzen von dem Mangel an Chlorophyll abzuleiten, so dass mit den Bedingungen zur Entwicklung dieses gleichzeitig auch die zur Hebung der übrigen Krankheitssymptome gegeben wäre. Für diese Auffassung scheint allerdings manche Erscheinung, z. B. die Entwicklung von Bohnen im Halbdunkel zu sprechen, bei denen wir mit dem Auftreten von Chlorophyll auch die übrigen Erscheinun- gen der Vergeilung schwinden sehen. Diese Auffassung ist aber schon an sich gewiss nicht berech- tigter als die: dass bei Herstellung von Bedingungen, welche die Symptome der Vergeilung heben, auch die Bleichsucht schwindet. Für letzte Ansicht sprechen ausser mannigfachen anderen Momenten die unter Wasser oder selbst im absolut feuchten Baume im Lichte entwickelten Triebe von Weiden, welche wohl grün gefärbt sind sonst aber ganz den Habitus vergeilter Triebe besitzen. Mit der Ent- wicklung des Chlorophylls ist also unter sonst abnormen Verhält- nissen der normale Zustand der Pflanzen durchaus nicht nothwendig bedingt. — Bei unserer Unkenntniss in der Pflanzenpathologie können wir allerdings die Möglichkeit der Existenz einer Erkrankung nicht läugnen, deren wichtigstes Symptom die Bleichsucht ist. Es wurde von mehren Seiten die Behauptung aufgestellt, dass Mangel an eisenhaltiger Nahrung die Bleichsucht bewirke. In Folge meiner vorläufigen Versuche mit Phaseollis multifloriis und ZeaMays, deren Besultate mit denen von Pfaundlers *) Versuchen überein- stimmen, kann ich der Ansicht nicht beipflichten, dass in Folge der i) Pfaundler. Annal. der Chemie und Phnrmaeie. 115. Bd. pag. 37. 414 Boehm. eisenfreien Nahrung in erster Instanz nur die Bildung des Chloro- phylls unterbleibe und secundär blos jene Functionen gestört seien, die von der Gegenwart des Chlorophylls abhängig sind. Wir kennen die Rolle des Eisens im Lebensprocesse der Pflanze nicht; dass das reine Chlorophyll eisenhaltig sei 1 ), ist völlig unerwiesen. Wir wissen mit Bestimmtheit nur so viel, dass die normale Entwick- lung der Pflanzen durch eisenhaltige Nahrung bedingt ist. Die jetzt herrschende Ansicht über die Beziehung zwischen eisenhaltiger Nahrung und Chlorophyllbildung wurde ausser durch die bisher unbegründete Angabe Verdeille's insbesondere durch einen von Gris angestellten Versuch veranlasst. Gris 2 ) gibt näm- lich an, dass (in Folge des Mangels an eisenhaltiger Nahrung) bleichsüchtige Blätter durch blosses Bestreichen mit einer Eisensalz- lösung grün gefärbt werden. Versuche mit mehreren im Dunkel gezogenen Keimpflanzen, und zwar mit denen von Pinus Pinea , Quercus Robur und Juglans regia zeigten, besonders wenn man die abgeschnittenen Cotyledonen in eine Lösung von Eisenchlorid tauchte, und zwar zuerst an den Schnittflächen, eine ähnliche Erscheinung, wie sie Gris beobachtet. Es liegt jedoch, wie ich glaube, auf der Hand, dass die dadurch be- wirkte dunkelgrüne bis schwarze Färbung durch nichts weniger als durch entstandenes Chlorophyll, sondern vielmehr durch Gerbsäure bedingt wurde. Wenn man es aber auch als erwiesen annehmen würde, dass in Folge des Mangels an eisenhaltiger Nahrung bleichsüch- tige Pflanzen, wenn ihnen Gelegenheit geboten wird, durch die Blätter oder durch die Wurzeln, eine Eisensalzlösung aufzunehmen, in kurzer Zeit grün werden, so beweist diess für unsere Frage gar nichts. Denn einerseits halte ich es für entschieden falsch, dass die angeblich grüne Färbung durch plötzlich entstandenes Chlorophyll bedingt werde, und wenn dies auch der Fall wäre, so wäre noch durchaus nicht erwiesen, dass das Chlorophyllchromogen durch einfache Eisenaufnahme zu Chlorophyll geworden sei, ähnlich wie etwa die Lösungen der Blutlaugensalze durch die geeigneten Eisensalze blau gefärbt werden. Dies wäre erst dann der Fall, wenn *) Verdeille. Compt. rend. Tora. 33. pag, 689. J ) Gris. Ann. d. sc. nat. Bolaniquc. Tom. VII. pag. 179. Über die physiologischen Bedingungen der Chlorophyllbildung. 415 diese Überführung des Chlorophyllchromogens in Chlorophyll durch Eisensalze auch in den todten Zellen bleichsüchtiger Pflanzen er- folgen würde. Nach meinen bisherigen Versuchen ist weder das Eine noch das Andere der Fall. — Wenn wir alle diesbezüglichen Erscheinungen vorurteilsfrei ins Auge fassen, so können wir nicht umhin, es für wahrscheinlich zu erklären, dass, wenn wir im Stand wären, die Zellen vergeilter Pflanzen durch irgend ein anderes Mittel als durch Licht zur normalen Function anzuregen, mit dem Schwin- den der übrigen Symptome der Vergeilung auch Chlorophyll erzeugt würde. Wenn wir durch ein bestimmtes Mittel bei einer Pflanze die- sen Erfolg nicht erzielen, so folgt in Anbetracht der verschiedenen Natur der Pflanzen daraus noch gar nicht, dass dies überhaupt un- möglich sei. Die Coniferen liefern uns hiefür den Beweis. Während wir nämlich gesehen haben, dass die im Dunkel gezo- genen Pflanzen nebst sehr langen Internodien nur sehr unvollstän- dig entwickelte Blätter besitzen, finden wir hingegen, dass die im Dunkel ergrünenden Coniferen fast ebenso normal entwickelte Coty- ledonen besitzen als die im Lichte. Dies ist nach meiner Überzeu- gung der nächste Grund, warum die Pinienkeimlinge etc. im Dunkel in der Wärme ergrünen. — So wie die oben erwähnten Gymnospermen werden sich alle Pflanzen verhalten, welche durch die Wirkung der Wärme allein (mit Ausschluss des Lichtes) ihre Organe zur normalen Entwicklung bringen. Für die Richtigkeit dieser Auffassung spricht auch das Verhal- ten der in der Wärme im Dunkel aufgezogenen Keimlinge von La rix. Dies ist nämlich die einzige der von mir untersuchten Gym- nospermen, deren im Dunkel in der Wärme gezogenen Keimlinge chlorophylllos sind. Die Cotyledonen dieser in der Wärme beiLicht- abschluss gezogenen Keimlinge sind aber auch sichtlich kleiner als die der im Lichte bei 10° R. entwickelten Pflänzchen. — Die Samen von La rix enthalten ebenfalls Terpentinöl. Wir haben oben gesehen, dass die im Halbdunkel gezogenen Bohnen mit der Entwickluug von Chlorophyll in den Blättern ihre vergeilte Natur nicht völlig verlieren. Diese äussert sich besonders durch die anomale Entwicklung der Stengel, welche auch fast chlo- rophylllos bleiben. 416 Boehm. Ähnlich diesen Pflanzen verhalten sich die im Dunkel in der Wärme gezogenen Coniferenkeimlinge. Diese haben bei normal ent- wickelten Cotyledonen völlig chlorophylllose Stengel, welche nebst- bei auch die übrigen Charaktere vergeilter Organe besitzen. Bei Pinus Pinea ist dies häufig weniger auffallend, wenn man die im Dunkel in der Wärme gezogenen Pflanzen mit solchen vergleicht, die am gleichen Orte bei 15 — 20° R. im Lichte gezogen wurden. Diese Keimlinge sind aber ebenfalls krank, und entwickeln sich nicht weiter, sondern sterben bald ab. Vergleicht man aber die im Dunkel in der Wärme gezogenen Keimlinge mit solchen, die sich bei 5 — 6° R. im Lichte entwickelt haben, so ist auch hier (bei Pinus Pineci) der Unterschied der Stengelentwicklung auffallend. Diese Thatsache spricht gewiss mehr für die Abhängigkeit der Chloro- phyllbildung von der sonst normalen Entwicklung der Pflanze als umgekehrt und zeigt oder bestätiget vielmehr, dass nicht nur die verschiedenen Pflanzen, sondern dass selbst die verschiedenen Organe derselben Pflanzen zu ihrer normalen Entwicklung nicht dasselbe Kraftquantum bedürfen. Als ich vor zwei Jahren von dem oben angeführten Ideengange geleitet, mich anschickte, die Keimversuche mit Pinien in der Kälte zu machen, erwartete ich, dass, falls sich meine Voraussetzung be- stätigen würde, die bleichsüchtigen Cotyledonen vergeilt sein würden. Diese Voraussetzung schien sich aber nicht zu bestätigen. Bei der Wichtigkeit, die nach meinem Dafürhalten diesem Umstände beizulegen ist, habe ich hierauf bei den zahlreichen im verflossenen Winter angestellten diesbezüglichen Versuchen mein besonderes Augenmerk gerichtet. Da zur Entscheidung der in Rede stehenden Frage nicht die absolute, sondern die relative Grösse der Organe entscheidet, so musste ich zum Vergleiche am Lichte Pfläuzchen ziehen, welche der weiteren Entwicklung fähig waren. Hierzu schien mir das Fenster eines gegen Norden gelegenen Zimmers , dessen Temperatur wäh- rend der Versuchszeit von 8 — 12° R. schwankte, am geeignetsten. Die Versuche ergaben Folgendes : Die fast chlorophylllosen Cotyledonen jener Keimlinge, welche im Dunkel bei einer Temperatur von 7 — 8° R. (im kalten Gewächs- hause) herangewachsen waren, Hessen im Allgemeinen keine Längen- unterschiede von jenen der im Lichte bei 8 — 12° R. gezogenen Über die physiologischen Bedingungen der Chlorophyllbildung. 417 Keimlinge bemerken, waren jedoch durchgehends viel schmächtiger. Jene Keimünge hingegen, welche bei 5 — 7° R. im Dunkel gezogen waren, halten nicht nur viel schlankere Stengelchen, sondern auch viel kleinere Cotyledonen als die bei 8 — 12» R. im Lichte entwiekel- ten Pflänzchen. Die Mitte zwischen beiden hielten in dieser Bezie- hung die Cotyledonen der am Lichte bei 5 — 7° R. entwickelten Keimlinge. Durch dies Ergebniss wird die Abhängigkeit der Chlorophyll- Entwicklung von der sonst normalen Ausbildung der Pflanzen und Pflanzenorgane, natürlich nur in soferne beide durch Wärme und Licht bedingt sind, wie mich dünkt, so ziemlich zweifellos. Zudem muss man wohl erwägen, dass bei Pflanzen, die in Folge einer gerin- gen Wärmedifferenz sich hinsichtlich der Chlorophyllbildung so ver- schieden verhalten , auch die damit verbundenen Grössenverhältnisse der Organe nicht so auffallend sein werden, wie bei anderen Pflanzen und dass die Grössenverhältnisse überhaupt nicht der einzige Mass- stab der sonst normalen Entwicklung sind. Durch den Umstand einerseits, dass die Assimilation der Kohlensäure eine Function des Chlorophylls ist , und durch die Thatsache der Entwicklung von Chlorophyll durch Wärme ande- rerseits, glaubte ich mich früher zu dem Schlüsse berechtiget: dass im Dunkel ergrünende Pflanzen auch die Kohlensäure assimiliren könnten. Ich habe mir sodann viele Mühe gegeben, die in der Wärme bei Lichtabschluss gezogenen Pinienkeimlinge im Dunkel zur weite- ren Entwicklung zu bringen, aber vergebens. Wenn man jedoch in's Auge fasst, dass die Stengel der im Dunkel ergrünenden Coni- ferenkeimlinge sich ähnlich den von anderen vergeilten Pflanzen verhalten, so wird uns dies Ergebniss vollkommen klar, ohne dass deshalb meine Ansicht: dass auch die Wärmestrahlen die Pflanze zur Assimilation der Kohlensäure befähigen, unrichtig sein müsse. Zum Schlüsse theile ich vorläufig noch zwei Beobachtungen mit, welche die oben gemachte Folgerung bestätigen: dass das Chlo- rophyll ein Product der lebenden und wenigstens in einer gewissen Richtung hin gesunden Pflanzenzelle sei. Wenn man die vergeilten Triebe verschiedener Pflanzen in luft- verdünnten Raum oder in eine Atmosphäre von Stickstoff, Wasser- stoffoder Kohlensäure dem Lichte aussetzt, so bleiben sie gelb. Sehr geeignet zu diesen Versuchen sind die im Dunkel entwickelten Triebe 41Ö Boelira. Über die physiologischen Bedingungen der Chlorophyllbildung. von AlliumCepa, welche man allerwärts leicht haben kann. Bringt man diese mit feuchter atmosphärischer Luft unter einen mit Quecksilber abgesperrten Glassturz, so dauert die Chlorophyllbildung nur so lange, als Sauerstoff vorhanden ist. Wählt man zur Sperrflüssigkeit Wasser, so steigt dieses in dem Sturze auf, da sich der Sauerstoff auf Kosten der Pflanzensubstanz in Kohlensäure verwandelt und diese vom Was- ser absorbirt wird. Es bleibt vorläufig noch unentschieden, welche Rolle beim Ergrünen der Sauerstoff spielt. Die Frage, ob er gebun- den wird oder nicht, zu entscheiden, hat seine bedeutende Schwie- rigkeit und muss späteren Versuchen vorbehalten bleiben. Zur Entscheidung einer anderen Frage wurden Weidenzweige im diffusen Lichte unter einen mit feuchtemS auerstoffe gefüllten und mit Quecksilber abgesperrten Glassturz gebracht. Die kleinen Blätter der unter diesen Verhältnissen entwickelten Triebe waren entweder ganz blass, oder hatten doch nur einen schwachen Stich in's Grüne! Ich enthalte mich, an das Resultat dieses Vorver- suches schon jetzt weitere Bemerkungen zu knüpfen. 419 XII. SITZUNG VOM 27. APRIL 1865. Herr H. Platter, geprüfter Lehramtscandidat zu Innsbruck, übersendet eine Abhandlung, betitelt: „Überblick der wichtigsten Untersuchungen über die Abhängigkeit des Elektromagnetismus von der Stromintensität". Herr Prof. Dr. E. Brücke legt eine Abhandlung „über Ergän- zungsfarben und Contrastfarben" vor. Derselbe übergibt ferner eine Arbeit des Herrn M. Ts che ri- tt off „über die Bestimmung des Harnzuckers aus der Drehung der Polarisationsebene". Herr Director K. v. Littrow überreicht eine Abhandlung: „Physische Zusammenkünfte von Asteroiden im Jahre 1865", nebst einer Notiz des Herrn Stud. Phil. F. v. Franzenau, betitelt: „Mars im November 1864". Herr Prof. Sehr ötter macht eine vorläufige Mittheilung über die Natur des durch Verbrennen des Magnesiums erzeugten Lichtes. Herr Prof. Dr. K. Peters bespricht „die Eigentümlichkeiten des Unterlaufes der Donau". An Druckschriften wurden vorgelegt: Annalen der Chemie und Pharmacie von Wo hl er, Liebig und Kopp. N. R. Band LVII., Heft 3. Leipzig & Heidelberg, 1865; 8o- Astronomische Nachrichten. Nr. 1523. Altona, 1865; 4°- Bauzeitung, Allgemeine. XXX. Jahrgang. 2. & 3. Heft. Nebst Atlas. Wien, 1865; 4<>- & Folio. Beobachtungen, Magnetische und meteorologische, z u Prag. XXV. Jahrgang. 1864. Prag, 1865; 4°- Bibliotheque Universelle et Revue Suisse: Archives des sciences physiques et naturelles. N. P. Tome XXIP, Nr. 86. Geneve, Lausanne, Neuchatel, 1865; 8°- 420 Christiania, Universität: Akademische Gelegenheitsschriften aus d. J. 1863—64. 4°- & 8<>- Cosmos. 2 e Serie, XIV e Annee, 1 er Volume, 16 e Livraison. Paris, 1865; 8o- Comptes r endus des seances de l'Academie des Sciences. Tome LX. Nr. IS. Paris, 1865; 4<>- Gesellschaft, deutsche geologische: Zeitschrift. XVI. Bd., 4. Hft. Berlin, 1864; So- Gewerbe-Verein, n.-ö. : Wochenschrift. XXVI. Jahrg., Nr. 17. Wien, 1865; 8°- Grunert, Joh. Aug., Archiv der Mathematik und Physik. XLIII. Theil, 2. Heft. Greifswald, 1865; So- Jahrbuch, Neues, für Pharmacie und verwandte Fächer von F. Vorwerk. Band XXIII, Heft 3. Speyer, 1865; So- Land- und forstwirtschaftliche Zeitung. XV. Jahrg. Nr. 12. Wien, 1865; 4o. Marenzi, Franz Graf v., Zwölf Fragmente über Geologie. 3. Aufl. Triest, 1865; So- Mittheilungen des k. k. Genie-Comite. Besondere Beilage zum Jahrgang 1865. Wien; 8o- Moniteur scientifique. 200 e Livraison. Tome VII 6 , Annee 1865. Paris, 1865; So- Reader. Nr. 121, Vol. V. London, 1865; Folio. Reise der österr. Fregatte „Novara" um die Erde. Geologischer Theil. I. Band, II. Abtheilung: Paläontologie von Neu-Seeland. W 7 ien, 1865; 4°- Reichsforstverein, österr.: Monatschrift. XV. Bd. Jahrg. 1865, April-Heft. Wien; 8o- Schmidt, C. F. Eduard, Die Erdöl-Reichthümer Galiziens. Wien, 1865; 8o- Wiener medizin. Wochenschrift. XV. Jahrg. Nr. 32—33. Wien, 1865; 4o- Zeitschrift für Chemie etc. von H. Hübner. VIII. Jahrg. N. F. Band I, Heft 5—6. Göttingen, 1865; So- Hyrtl. Über endlose Nerven. 4-41 Über endlose Nerven. Von dem w. M. Prof. Hyrtl. Es gibt Nerven, welche kein peripherisches Ende besitzen. Sie kehren, nach längerem oder kürzerem Verlauf um, und gelangen zu den Centralorganen zurück, von welchen sie gekommen sind. Sie bilden also Schlingen, deren beide Schenkel im Gehirn, Rückenmark, oder in beiden zugleich wurzeln, und deren bogenförmig convexer Rand, keine irgendwie geartete Verbindung mit Membranen oder Parenchymen eingeht. Sie gehören deshalb weder den sensitiven, noch den motorischen, oder gemischten Nerven an, und bilden eine besondere Gruppe, welche ich als „Nerven ohne Ende" bezeich- net habe. So sichergestellt ihr anatomisches Vorkommen ist, so räthsel - haft ist auch ihre physiologische Redeutung. Nach den herrschenden Ansichten über centripetale und centri- fugale Nervenleitung, können sie weder der einen, noch der ande- ren dienen. Centripetal nicht, da ihre constituirenden Primitivfasern weder aus Hautflächen, noch aus Parenchymen auftauchen, von welchen sie sensitive Eindrücke dem Sensorium zu überbringen hätten; — centrifugal nicht, da sie auch mit dem Muskelfleische keine, den motorischen Nerven zukommende Verbindung eingehen. Ihre centripetale Leitung müsste, wenn der Eindruck an irgend einem Punkte der Schlinge wirkt, beiden Schlingenschenkeln zukom- men, wodurch, wenn diese Schenkel zwei verschiedenen Central- herden angehören, ein doppelter Eindruck resuliiren würde, wenn sie aber zu einem und demselben Punkte gehen, um einen einfachen Eindruck zu veranlassen, man nicht einsieht, warum nicht ein einfacher Faden dieser einfachen Aufgabe genügte. — Sollten aber die Nerven ohne Ende dazu bestimmt sein, einen leitenden Verkehr zwischen ihren Ursprungs- und Endpunkten in Gehirn und Rückenmark herzu- 422 Hyrtl. stellen, so lässt sich, da diese Nervenschlingen auch an den entfern- testen Körpertheilen vorgefunden werden, ihre Zweckmässigkeit ebensowenig einsehen, als es Jemanden einfallen kann, ein Tele- gramm von Wien nach London, über das Cap der guten Hoffnung zu senden. Die Thatsache ihrer Existenz kann also mit den gegen- wärtig Geltung habenden Vorstellungen über Nervenaetion, nicht in Einklang gebracht werden, und es folgt somit daraus, dass entweder ihre Existenz eine anatomische Täuschung sei, oder in der Nerven- physiologie noch etwas aufgesucht und gefunden werden müsse, was den Nerven ohne Ende das Räthselhafte ihres Daseins benimmt. Ich erwähne, dass es sich hier nicht um schlingenförmige Um- beugungen einzelner Primitivfasern in der Wesenheit der Organe oder auf membranösen Flächen handelt, wie sie, als „periphe- rische Nerven schlingen", schon von Volkmann als wi- dersinnig erklärt wurden, sondern um Objecte anatomischer Prä- paration, welche, ohne Hilfe des Mikroskops, zur vollkommenen befriedigenden Anschauung gebracht werden können. Bezüglich der früher erwähnten Alternative, habe ich mich als Anatom, nicht in den Versuch einzulassen, eine physiologische Deu- tung der Nerven ohne Ende zu wagen, sondern das Factum ihres Vorkommens für Jene sicher zu stellen, welche die Unbequemlichkeit ihrer functionellen Aufklärung bestimmen könnte, ihre anatomische Berechtigung mit den scheuen Blicken des Argwohnes zu betrachten, was um so mehr zu besorgen ist, als einige dieser Schlingen nicht zu den constanten Vorkommnissen zählen, wodurch ihre physiolo- gische Verweithung, wo möglich, noch an Schwierigkeit zunimmt. An zwei Orten habe ich bereits der endlosen Nerven kurze Erwähnung gethan. Zum ersten Mal als: Anastomosis nervorum regressiva in meinem Lehrbuche der Anatomie J ) ; zum zweiten Mal in einem, im Quarterly Review of Natural History, January, 1862, enthaltenen Aufsatze 2 ), in welchem auch die mir damals bekannten Fundorte endloser Nerven angegeben sind. Die von Gerber 3 ) J ) 6. und 7. Auflage, §. 63, pag. 158. Etwas ausführlicher in §. 71 der achten Auflage, pag. 172. z ) ()n endless Nerves, pag. 96. s ) Allgemeine Auatomie, pag. 157, handelt über schlingenförmige Anastomosen zweier Primitivfasern desselben Nerven, und bildet sie auf Tab. VII, Fig. 162, ab. Sie sind es, welche als „Nervi nervorum" hin und wieder Erwähnung fanden. Über endlose Nerven. 423 V o 1 k m a n n 1 ) und B e n n e t 2 ) über peripherische Nervenschlingen gemachten Angaben, aufweiche ich erst kürzlich, beim Durchgehen der Literatur, aufmerksam wurde, haben zwar kein unbedingtes Ver- trauen erregt, werden aber, nach der Sicherheit der hier vor- liegenden Befunde im Menschen, eine verdientere Würdigung finden, wenn gleich die anatomische Darstellung der Volkmann'schen Angaben, dem Zweifel einigen Baum gewähren konnte 3 ). G e r b e r's Nervi nervorum '*) (Primitivfaserschiingen im Stamme eines Nerven), wurden von Virchow^) für die Beantwortung der Frage in Anspruch genommen, ob nicht auch Beizung sensibler Nerven, irgend wo in ihrem Verlaufe, als Schmerz am Orte der Reizung empfunden werde, ob also Ausnahmen von dem Gesetze der excentrischen Erscheinung stattfinden, hält aber die Existenz dieser Nervi nervorum gleichfalls hier zu wenig sicher gestellt, um sie zu weiteren theoretischen Folgerungen zu benützen. Er sagt, dass am Ulnarnerv, wo er in der Furche zwischen dem inneren Con- dylus des Oberarmbeines und dem Olecranon hinläuft (eine Stelle, welche seit J. Müller hauptsächlich als Beispiel einer Ausnahme von dem Gesetze der excentrischen Erscheinung diente) dergleichen Endschiingen constant gefunden werden müssten. Bichat 6 ), so wie Meckelund Beclard, erwähnen nur in allgemeinen Ausdrücken der Anastomosen gleichnamiger oder ungleichnamiger Nervenpaare in der Mittellinie des Gesichtes und in der Nackengegend. Ob sie wohl Jemand durch Präparation dargestellt hat? Meine Beobachtungen über den vorliegenden Gegenstand haben sich nun, durch fleissiges Nachforschen bei den Präparationen der 1) Mülle r's Archiv, 1838, pag. 291 und 1840, pag. 510, wo aus zahlreichen Beob- achtungen an Thieren, die Existenz von ganzen Faserbündeln hervorgehoben wird, welche, ohne peripherisch auszustrahlen, aus den Ce n t r alo rga n e n austreten, und in dieselben zurückkehren. 2 ) Er zeigte in der Socie'te anatomique ein Präparat, an welchem ein aus dem Pe- duncuhis cerebelli entsprungener Nervenfaden, nach kurzem Verlaufe, noch inner- halb des Cranium, in das kleine Gehirn zurücklief. 3 ) He nie, Allgemeine Anatomie, pag. 639, wo auch die von J. Müller, T r e vi- ral) us und Arnold erwähnten ßogenfaserii am vorderen und hinteren Rande des Chiasma optieum (vielleicht hieher gehörend), erwähnt werden. *) Kolli ker findet sie bedenklich. (Microscop. Anat. Bd. II. pag. 522.) 5 ) Handbuch der speciellen Pathologie und Therapie, bearbeitet von Hasse, 4. Bd. pag. 23. 6 ) Anatomie generale, Tome I. pag. 133. 424 Hyrtl. Hirn- undRückenmarksnerven, durch den Herrn Doctor und Prosector Friedlowsky, und durch die Demonstratoren der anatomischen Anstalt, Herrn Dr. Uli mann, Med. Cand. Grosswald und Sese- mann, erheblich vermehrt. Ich stelle sie im Folgenden zusammen, und wünsche, dass praktische Anatomen hierin eine Veranlassung finden möchten, diese Reihe durch ihre eigenen Beobachtungen zu verlängern, und das anatomische Substrat auszubauen, auf dem sich eine annehmbare Theorie wird aufrichten lassen. Doch schon bevor dieses geschehen sein wird, beanspruchen die Nerven ohne Ende darin mit Recht eine Art von Bedeutsamkeit, als sie ein Streiflicht auf die Schlüsse werfen, welche aus Reizungs- versuchen lebender Nerven, über Functionen derselben abgeleitet wurden. Die Nerven ohne Ende nämlich, stellen in der Regel schlin- genförmige Verbindungen zweier Nervenstämme dar, welche dadurch zu Stande kommen, dass von einem Nervenstamm A, ein Bündel seiner Primitivfiisern, zu einem nachbarlichen Nervenstamm B hin- übertritt, um an diesem, nicht progressiv, sondern regressiv weiter zu ziehen. Es gelingt an vielen solcher umlenkenden Faserbündel, besonders wenn sie nahe an den betreffenden Austrittslöchern der Nerven A und B vorkommen, sie so weit rückläufig mit dem Messer zu verfolgen, um sicher sein zu können, dass sie nicht etwa den Stamm B wieder verlassen , um neuerdings progressiv zu werden, sondern dass sie am Stamme B in die Schädel- oder Rückgratshöhle zurückgelangen, und der Stamm i? somit aus centripetalen und centri- fugalen Elementen zusammengesetzt ist. Je weiter die schlingen- förmigen Verbindungen zweier Nervenstämme, von den Austritts- öffuungen derselben entfernt vorkommen, desto schwieriger wird es natürlich, dem zurücklaufenden Antheil des einen derselben, prä- parirend bis zum Wiedereintritt in das Centralorgan nachzugehen, aber die, wenigstens in der Nähe des peripherischen Endes der Schlinge, unverkennbare recurrirende Richtung derselben, lässt es nicht als wahrscheinlich annehmen, dass die sich in den Stamm B centripetal eindrängenden Nervenfasern, höher oben denselben wieder verlassen sollen, um centrilügal zu werden, also einen Umweg gemacht haben, welcher, durch eine höher oben zwischen A und B stattfindende Anastomose leicht zu vermeiden gewesen wäre, und des- halb auch ala vollkommen zwecklos erscheinen muss. Finden nun, um Über endlose Nerven. 425 auf die experimentale Wichtigkeit der Nerven ohne Ende zurückzu- kommen, recurrirende Anastomosen zwischen zwei Nervenstämmen statt, somuss, wenn oberhalb einer odermehrerersolcher Anastomosen, der Stamm A gereizt wird, die Reizung sich durch die recurriren- den Fasern, längs Z? zu demCentralorgan fortpflanzen, einen bestimm- ten Zellencomplex desselben erregen, und sofort, durch Reflex Erscheinungen in Organen hervorrufen , mit welchen der gereizte Stamm A factisch nichts zu thun hat. Da nun solche Anastomosen nicht blos zwischen Hirn- und Rückenmarksnerven, sondern auch zwischen diesen und dem Sympathicus häufig genug gefunden wer- den, ergibt sich auch der Grad von Verlässlichkeit und Glaubwür- digkeit, welcher den Ergebnissen solcher Versuche zugeschrieben werden kann. Ich will z. B. auf den Einttuss hinweisen, welcher dem Vagus, durch Reizversuche dieser Art, auf den Dickdarm zuge- schrieben wurde. Nur an Nerven, an welchen der Mangel recurrirender Anasto- mosen sicher gestellt ist, sind die Versuchsresultate unbedenklich, und können es auch an Nerven mit recurrirenden Anastomosen wer- den, wenn die Reizung unterhalb der Anastomose, oder, nach vorläufiger Entzweiung der Anastomose, auch oberhalb derselben vorgenommen wird. Die Ergebnisse der Versuche am Hypoglossus , dessen Stamm und Verästlungen den grössten Reichthum an rückläufigen Ana- stomosen aufweisen, so wie am Vagus, dessen Anastomosen mit dem Sympathicus und seinen Ganglien, in dieser Beziehung die genaueste Untersuchung verdienen, sind, dem Gesagten zufolge, prekär, selbst durchaus verwerflich. Am zahlreichsten finden sich recurrirende Schlingen am Nervus hypoglossus. Als Muster aller übrigen kann jene dienen, welche zwischen den Stämmen des recht- und linkseitigen Hypoglossus, oberhalb dem Zungenbeine, entweder in der Substanz des Kinnznngenbeinmuskels, oder zwischen diesem und dein Musculus genioglossus vorkommt. Sie ist jedoch nicht constant. Ihr Vorkommen und» ihr Fehlen ver- hält sich wie 1:7. Diese von C. E. Bach *) zuerst erwähnte, und von !) Annotationes anat. de nervis hypoglosso et laryngeis, Turici, 1833. Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. LI. Bd. I. Abth. 28 426 Hyrtl. Arnold !) bestätigte Anastomose, betrifft gewöhnlich nur die Rami geniohyoidei der beiden Hypoglossi, geht aber auch aus den Stämmen der Hypoglossi hervor. Sie ist das einzige Beispiel einer über die Medianlinie des Leibes hinübergehenden grobstämmigen Nervenver- bindung. Zwei Fälle, welche ich aufbewahre, zeigen sie in solcher Dicke, dass mehr als die Hälfte der Primitivfasern des einen Hypo- glossas zu dem anderen hinübergeht, an welchem ihre stetig zurück- laufende Richtung, bis über den Ursprung des Ramus descendens hinaus verfolgt wurde. Dr. Friedlowsky hat die Hypoglossus- Schlinge häufiger an weiblichen als an männlichen Leichen gefunden. Sie ist es auch in der That, welche als Prototyp aller verwandten Gebilde dienen kann. An keinem anderen tritt der anatomische Charak- ter endloser Nerven in solcher Klarheit auf. Die Schlinge erscheint meistens vollkommen astlos. Es ist mir aber auch vorgekommen, dass dort, wo die beiden Schlingenschen- kel sich an die beiden Hypoglossi anschmiegen, beiderseits Fasern für den Kinn-Zungenmuskel aus ihr entsprangen, ja ich besitze einen Fall, wo nahe am Mittelpunkte der Schlinge, Fasern für denselben Muskel abgehen , welche sich unzweifelhaft in der Medianlinie kreuzen, so dass die links vom Mittelpunkt abgehenden Fasern dem rechten Kinn-Zungenmuskel, die rechts abtretenden dem linken angehörten. Diese Kreuzung eines cerebralen Nervenpaares in der Mittel- linie kommt , nach den schönen Beobachtungen von Prof. Jef- fries Wymann 3 ), bei Amphibien und Vögeln regelmässig vor. Die Doctoren S. Weir Mitschell und George R. Morehouse haben in ihren Untersuchungen über die Respiration der Chelonier zuerst gezeigt, dass die vorderen Kehlkopfnerven dieser Thiere nicht blns durch eine, über die Medianlinie weggehende Bogen- schlinge mit einander in Verbindung stehen, sondern auch ein sym- metrisches Chiasma bilden, so dass die beiderseitigen Nerven auch auf die Muskeln der entgegengesetzten Seite Einfluss nehmen, was durch Versuche constatirt wurde. Vogt 3 ) fand die Anastomose *) Handbuch der Anatomie des Menschen, 2. Bd. pag. 839. 2 ) A Description ofsome instances of the passage of Nerves across the middle line of the body (Extracted from the American Journal of the Med. Sciences, for April, 1864). s ) Beitrage zur Neurologie der Reptilien, Neuchatel, 1840, pag. 44, PI. IV. Fig. 2. Über endlose Nerven. 427 beider Hypoglossi , in der Zunge von Champsa Sclerops. JeftYies Wymann beschrieb die Anastomose der beiderseitigen Kehlkopf- nerven, als Laryngeal Tracheal Chiasma, bei Iguana, Python und Alligator *), und jene der Nervi hypoglossi in der Classe der Vögel bei allen Anseres und beim Strauss 3 ). Am Schlüsse der Abhandlung wird der Hypoglossusschlinge auch bei Phoca vitulina und Tetrao Cupido erwähnt. In der Haut des Frosches (Abdomen) und in der Schleimhaut des Daches der Mundhöhle der Rochen vorhandene Anastomosen beiderseitiger Nerven, sind in Fig. VII und VIII abge- bildet. Mediane Anastomosen recht- und linkseitiger Nerven können aber nur recurrirende oder endlose sein. C 1 o q u e t gedenkt einer Anastomose der beiderseitigen Nervi laryngei des Menschen in der Schleimhaut des Larynat*). Eben so deutlich ausgesprochen, und überdies noch constant, sind die rückläufigen Nervenfasern in den Anastomosen des Hypo- glossus mit dem ersten, zweiten und dritten Cervicalnerv, besonders mit dem zweiten. Die vom zweiten Cervicalis zum absteigenden Aste des Hypoglossus übersetzenden Fasern, bilden ein Bündel, von welchem nur ein kleiner Antheil sieh peripherisch, in den Muskeln des Zungenbeines verliert, der grössere Antheil dagegen, am con- caven Rande der Halsnervenschlinge des Hypoglossus, zum Stamme dieses Nerven zurückbiegt. Dass dem so sei, lässt sich an jeder Leiche demonstriren, besonders leicht an jenen, deren Halsnerven- schlinge nur einen kurzen, d. h. nicht weit am Halse herabreichen- den* Bogen bildet. An der so leicht hlosszulegenden Schlinge, lang oder kurz, überzeugt selbst der Augenschein, vor aller weiterer ein- gehender Präparation, von der Richtigkeit des erwähnten Sachver- hältnisses. Die Zungenäste des Hypoglossus stehen mit dem Stamme des Nervus lingualis durch einfache oder mehrfache Anastomosen auf der Aussenfläche des Zungenbein-Zungenmuskels in Verbindung. In diesen Anastomosen finden sich rückläufige Fasern. Sie bilden Schlingen, mit nach vorne gerichteter Convexität. Der Communicans faciei führt am concaven Rande der, beson- ders seinem oberen Aste, in der Substanz der Parotis zukommenden i) Fig. IV, V und VI. 2) Fig. I, II und IV. 3 ) Traite d'Anat. descriptive, Paris, 1828, tome II. pag. 129. 28* 428 Hyrtl. Schlingen recurrirende Fasern, welche ihm nicht von andern Nerven durch Anastomose zugeführt werden. Schon der Anblick guter Abbildungen der Schlingen im Pes anserinus major, erregt die Ver- muthung ihrer Gegenwart, welche durch Präparation der Nerven, und mikroskopische Untersuchung der am concaven Schlingenrande lagernden Fasern, zur Gewissheit erhoben wird. Ausser diesen, von den Fasern des Communicans selbst gebil- deten Schlingen, lassen sich noch recurrirende Anastomosen an fol- genden Stellen nachweisen. 1. Zwischen dem Ramus subcutanem colli superior des Com- municans, und dem Nervus subcutaneus colli medius aus dem Plexus cervicalis. 2. Zwischen dem Ramus aiiricularis posterior des Communi- cans, unddemiVmws auricularis magnus aus dem Plexus cervicalis, oberhalb der Anheftungsstelle des Kopfnickers am Warzenfortsatze. 3. Zwischen dem, dem unteren Rande des Unterkiefers folgen- den, und unter dem Musculus triangularis (Depressor anguli oris) eindringenden letzten Gesichtszweig des Communicans, und dem Nervus subcutaneus menti, hart an seinem Hervortritt aus dem Kinnloch. Auch an den Anastomosen der Gesichtsäste des Communicans mit den Verzweigungen des Unter-Augenhöhlennerven gelingt es, bei aufmerksamer Untersuchung, sich zu überzeugen, dass in diesen Anastomosen (vorausgesetzt, dass sie nicht zu den spitzwinkeligen gehören, in welchem Falle das zurücklaufende Faserbündel eine winkelige Knickung erleiden müsste) die Übergangsfasern, zun» Theile wenigstens, eine centripetale Richtung einschlagen. Im Gebiete des Quintus sind, ausser den eben erwähnten Ver- bindungen mit dem Septimus, mir nur wenig rückläufige Anasto- mosen bekannt geworden. Hieher gehört jene zwischen dem Nervus supratrochlearis aus dem Frontalis, und dem Nervus infratrochlearis aus dem Naso- ciliaris, an der inneren Wand der Augenhöhle. Die Anastomose zwischen dem Nervus lacrymalis und dem Zygomaticus malae an der äusseren Augenhöhlenwand, scheint ebenfalls hieher zu gehören. An den Halsnerven kommen sehr exquisite Fasern dieser Art am concaven Rande jener Schlingen vor, welche die vier oberen Über endlose Nerven. 429 Nervi cervicales zum Plexus cervicalis verbinden. In den Anasto- mosen der vier unteren Halsnerven, welche den Plexus subclavius zusammensetzen, habe ich sie nie gesehen. Eine unter dem Platysma myoides gelegene, grosse Bogen- schlinge, zwischen dem mittleren und unteren Nervus subcutanem colli (aus dem Plexus cervicalis), verdient besonders erwähnt zu werden. Eine ausgezeichnet schöne, bogenförmige Schlinge zwischen dem Stamm des fünften Halsnerven und dem Zwerchfellnerven, hat mir Herr Med. Cand. Trost gezeigt. Der aus dem vorderen Aste des Stammes des fünften Halsnerven hervorgetretene Faden stieg auf dem Musculus scalenus anticus und vor der Vena subclavia herab, umgriff letztere nach hinten, und schloss sich an den inneren Rand des Nervus phrenicus an. Er erzeugte aus dem convexen Rande der so entstandenen Schlinge keinen einzigen peripherischen Ast. Die Nervi pectorales s. thoracici anteriores sahen wir öfter, kurz bevor sie in das Fleisch des ihnen zugehörigen kleinen Brust- muskels eindrangen, durch eine einfache zurücklaufende Anastomose verbunden. Jene beiden Wurzeln des Mediannervs, welche die Achselarterie zwischen sich fassen, geben, wenn auch keinen gewöhnlichen, doch einen sehr eclatanten Fundort dieser Schlingen ab. Geschieht das Aneinanderlegen beider Wurzeln noch dicht an dem Stamme der Arte- rie, so wird auf die Gegenwart einer bogenförmigen Anastomose der- selben mit Sicherheit gerechnet werden können; bleiben aber diese Wurzeln noch in längerer Strecke jenseits der Arterie getrennt, ist also ihr endliches Zusammentreten nur unter sehr spitzem Winkel möglich, so wird die Schlingenanastomose an der Vereinigungsstelle beider Wurzeln auch sicher fehlen, kann aber dennoch, und zwar ganz isolirt, hart an der Arterie gelegen sein, wie es von Dr. Fried- lowsky an einer linken oberen Extremität gesehen wurde. Eine hieher gehörige Anastomose, zwischen dem Medianus und Cntaneus externus brachii, wurde öfter gesehen. In einem Falle trat der Verbindungszweig Yom Aussenrande des Medianus im obe- ren Drittel des Oberarmes ab, bohrte sich in den Musculus coraco» brachialis ein, und theilte sich daselbst in zwei Zweige, deren einer »ich centrifugal an den Cutaneus externus anschloss, während der andere im Bogen an demselben Nerven rückgängig wurde. 430 Hyrtl. An einer rechten männlichen Extremität, trat der Nervus per- forans Casserii, bald nach seinem Abgange vom Medianus, wieder an diesen heran, schickte ihm kurze anastomosirende Fäden zu, worauf er yon ihm wegging, und sich kurz vor seinem Eintritt in den Muse, coraco-brachialis in zwei Äste theilte. Der eine von ihnen, und zwar der innere, schlang sich, nach seinem Durchgange durch den Muse, coraco-brachialis, um diesen nach innen und unten herum, und anastomosirte mit dem Nervus medianus, nachdem er früher, nahe der Insertion des Rabenschnabel-Oberarmmuskels, einen Zweig abgegeben hatte, der sich mit dem zweiten jetzt zu beschrei- benden Aste des Nervus musculo-cutaneus verband. Dieser zweite Ast ging, nach Durchbohrung des Musculus coraco-brachialis, schief nach unten und aussen über den Brachialis internus , riss vom Biceps ein anomales, ziemlich starkes Muskelbündel los, das nach innen und unten zur Insertion des Coraco-brachialis lief, und verband sich, nach Abgabe mehrerer Muskelzweige an den Brachialis internus und die äussere Partie des Triceps, mit dem schon erwähn- ten Zweige des ersten Astes vom Nervus perforans Casserii. Diese Anastomose war ein Confluvium von recurrirenden und spitzwinkelig sich vereinigenden Nervenfaden; aus den letzteren bildete sich ein an der Aussenseite des Vorderarms herablaufender Hautnerv. Auch die zwischen dem ersten Aste des Nervus perforans Casserii und dem medianus erwähnte Anastomose, verhielt sich in dieser Weise. In einem dritten einfacheren Falle an einer linken weiblichen Extremität, sandte der Nervus perforans Casserii dem Mediamis eine Anastomose zu, welche ebenfalls aus recurrirenden Nervenfäden, und zwar in überwiegender Anzahl, und aus solchen bestand, die unter spitzen Winkel theils in den Medianus nach abwärts, theils in einen, aus dem convexen Rande des Bogens der Anastomose abgehen- den Hautnerven übergingen. An einer rechten Extremität wurde der Nervus medianus, im unteren Drittel des Oberarmes, von einer stark entwickelten Arteria mediana durchbohrt. Der untere Winkel der Durchbohrungsstelle des Nerven, enthielt eine ansehnliche Bogenanastomose, aus deren Fasern nur wenig peripherisch gerichtete Fäden hervorgingen, die sich dem weiteren Verlaufe des Medianus anschlössen. Der Nervus cutaneus antibrachii ulnaris und der Bamus pal- maris des Medianus, hingen im unteren Drittel der inneren Seite Über endlose Nerven. 431 des Vorderarmes, durch eine recurrirende Schlinge untereinander zusammen. AmRücken der Hand wurden zwischen den Ramis dorsalibus des Radial- und Ulnarnerven, mehrmals rückläufige Schlingen präparirt. Die in der Hohlhand constant vorkommende Anastomose zwi- schen Nervus medianus und ulnaris (dritter Emmis digitalis des ersteren, und oberflächlicher Hohlliandast des letzteren) bietet, hinsichtlich des hier besprochenen Gegenstandes, verschiedene Verhältnisse dar. In einzelnen Fällen, und zwar an knochen- und nervenstarken Händen, ist das Vorhandensein einer rückläufigen Schlinge zwischen Medianus und Ulnaris evident. Die Schlinge geht vom Nervus ulnaris als ziemlich dicker Faden weg, welcher sich zum Nervus medianus hinüberbiegt, und zwar in einer auf diesen Nerv fast senkrechten Richtung. Wie er ihn berührt, zerfällt er in zwei Zweige, deren einer progressiv wird, und in der Bahn des Ramus digitalis für die Radialseite des Ringfingers verläuft, der andere jedoch, rückwärts umbiegend, dem Stamme des Medianus einverleibt wird. Tritt der Communicationsfaden von Nervus ulnaris unter einen autfallend spitzen Winkel an den Medianus heran, so ist das Vor- handensein eines zurücklaufenden Antheils an demselben blos schein- bar. Ich habe nämlich gefunden, dass das Neurilemm eines solchen Communicationsfadens, etwas früher als sein Inhalt auf den Medianus übersetzt, wodurch, wenn man diesen Faden mit der Pinzette spannt, die Neurilemmbriicke sich als halbmondförmige Falte erhebt, und da ihr concaver Rand nach hinten gerichtet ist, eineUmbeugungsschlinge vorspiegelt. Das Mikroskop schützt vor solchen Täuschungen. Ich kann es aber nicht verschweigen, dass auch in solchen Neurilemm- brücken Nerven-Primitivfasern als recurrirende Schlingen sehr oft zur Anschauung kamen. In den Schlingen des Plexus lumbalis und sacralis habe ich keine rückläufigen Schlingen gesehen, obwohl ich oft darnach suchte. Dagegen habe ich zwei Fälle verzeichnet, in denen der von J. A. Schmidt zuerst beschriebene Nervus ad obturatorium acces- sorius, einmal mittelst eines rückläufigen Zweiges, eine Schlinge mit dem eigentlichen Nervus obturatorius ausserhalb der Beckenhöhle bildete , und ein zweites Mal mit dem Ramus lumbo-inguinalis des Lendennervengeflechtes. 432 Hyrtl. Ich halte es nicht für überflüssig, über den genannten Nerv hier etwas ausführlicher zu handeln. Johann Adam Schmidt, Prosector und Professor extraordi- narius an der med.-chir. Josephs-Akademie, bezeichnete mit dem Namen: Nervus ad obturatorlum accessorius, einen von ihm zuerst beschriebenen Ast des Leiulen-Nervengeflechtes, welchen er in seinem vortrefflichen Commentarius de nervis lumbulibus, eorumque plexu, Vindob. 1794, §. XL. ausführlich schilderte, und auf Tab. I, Fig. 4, und Tab. II, 76—79, bildlich darstellte. Nach den Worten Schmidt's, entspringt dieser Nerv (hucusque nemini notus) immer aus der dritten und vierten Lendenschlinge, aus welcher auch der Obturatorius *)> seine Filamente bezieht. Er begleitet den Obturatorius eine Strecke weit, verlädst ihn hierauf, um, in das Psoasfleisch zu penetriren, oder an der inneren unteren Flache dieses Muskels hinzuziehen , bis er die obere Fläche des horizontalen Schambeinastes erreicht, wo er entweder in zwei, oder in drei Zweige zerfällt, deren innerer sich mit dem Stamme des Obturatorius , vor oder in dem Caualis obturatorius verbindet, deren mittlerer sich im Bindegewebe an der inneren Gegend des Hüftgelenkes verliert, und deren ausser er im Musculus pectineus untergeht. Letzterer Zweig fehlt, wenn der Nervus acces- sorius nur schwach entwickelt ist. Unter 9 — 10 Leichen wurde der Nerv 4 — 5mal angetroffen. Schmidt's Commentarius theilt mit manchen classischen Werken, welche für die Ewigkeit geschrieben zu sein scheinen, das Los, in der Gegenwart keine Leser zu finden. Und so fiel denn der Nervus obturatorius accessorius der Vergessenheit anheim. Keine deutsche Neurologie kennt ihn mehr, und fremde Zergliederer, welche ihn bei seinem, eben nicht seltenen Vorkommen, zu Gesicht bekamen, hielten sich für seine Entdecker, und schrieben Iliadem post Ilome- rum über ihn. So z. B. Cruv eilhier 3 ): Chez un grand nombre de sujets, j'ai trouve un petit cordon nerveux, qui se de'tachait tantot de la tioisieme paire lombaire, tantot du nerf obturateur lui-meme, et qu'on peut appeler: accessoire du nerf obturateur, ou nerf de l'arti- i) Von Schmidt noch Cruralis internus genannt. : ) Tratte' d'anatomie descriptive, 3. edit. Tom. IV. pag. öi>9. Über endlose Nerven. 4ö3 culation coxo-femorale !). Dass liier vom Schmidt'schen Nerv die Rede ist, erhellt aus den folgenden Worten : le nerf gagnait le pubis, qu'il croisait en dedans de l'eminence ileo-pectinee, s'enfoncait sous le pectine, etc. Mir ist nur Ein anatomisches Werk der neueren Zeit bekannt, welches der Schmidt'schen Entdeckung erwähnt. Die durch W. Sharp ey und G. Viner Ellis besorgte, sechste Auflage von J. Quain's Elements of Anatomy 2 ), das beste mir bekannte ana- tomische Handbuch, gedenkt unseres Landsmanns, dem sie auch in Fig. 206, eine Copie seiner Tab. II entlehnt. Ich hatte wiederholt Gelegenheit, bei den neurotomischen Ar- beiten der Studierenden aus den höheren Jahren, den Schmidt'schen Nerv in unserer Secirhöhle zu Gesicht zu bekommen, und da sein Verhalten nichts weniger als ein gleichbleibendes ist, ersuchte ich den Demonstrator unserer Anstalt, Herrn Dr. Pokorny, auf das Vorkommen und die Varianten dieses Nerven ein wachsames Auge zu haben, und seine Wahrnehmungen hierüber aufzuzeichnen, um eine ausführliche Geschichte dieses Nerven vorzubereiten. Herr Pokorny entledigte sich dieses Auftrages in kurzer Zeit, und präsentirte mir ein Referat über 40 Leichen-Untersuchungen, unter welchen aber der Nervus obturatorius accessorius , welchen Schmidt als ein häufiges Vorkommen bezeichnet 3 ), nur dreimal zur Beobachtung kam. Da ich bei meinen Nachforschungen an Kindesleichen auch nicht glücklicher war, ist es mir gewiss, dass Herr Pokorny nicht zu wenig, wohl aber Schmidt zu viel gesehen hat, indem letzterer den oft vorkommenden Nebenast des Nervus genito- cruralis, welcher die Arteria cruralis bis über das Schambein hinaus begleitet, und in ihrer Scheide sich verliert, für eine Varie- tät des Obturatorius accessorius gehalten haben mag. Die drei von Pokorny untersuchten Fälle stimmen im Allge- meinen mit dem Schmidt'schen Texte überein. Nur zwei weichen l) Er lässt ihn aber anders enden als Schmidt, indem er ihn zum Nervus saphe- nus internus treten, und zur Synovialhaut des Hüftgelenks Zweige senden sah. *) Vol. II. Lond. 1836, pag. 635. 3 ) Op. cit. S. XL, pag. 82. : non ita perpetuus quidem est, ac nervus cruralis an- terior (unser eigentlicher Cruralis), attamen fere aeque constaus, ac ille a Wins- lovio abs jure vocatus accessorius nervi cruralis (unser Obturatorius). 434 Hyrtl. in dem Einen Punkte von ihm ab, dass der Zweig des 0. accesso- rius, welchen Schmidt in den Pectineus eindringen sah, nicht in diesem Muskel verbleibt, sondern, nachdem er ihm Zweige abgegeben, ihn schräg nach vorne und unten durchbohrt, dann auf der vorderen Fläche desselben astlos weiterzieht, um zuletzt in Zweige zu zerfal- len , deren feinster an den Adductor longus tritt, ein stärke- rer den Adductor brevis innervirt, und der stärkste von allen sich, über die Arteria cruralis weg, auf die Vena hinüberbiegt, um mit einem, auf der Scheide der Schenkelgefässe herabkommenden Zweige des Nervus genito-cruralis, rückläufig zu anastorao- siren. — Nur in Einem der drei Falle erhielt auch der Musculus obturatorius externus einen Zweig aus dem Nervus obturatorius accessorius. Eine recurrirende Schlinge zwischen zwei Nervi scrotales posteriores wurde einmal von Herrn Friedlowsky beobachtet. In einem Falle, in welchem der Nervus suralis mit zwei Wur- zeln aus dem inneren und äusseren Kniekehlnerv entsprang, und die beiden Wurzeln sich erst an der Achillessehne zu einem einfachen Stamme vereinigten, wurde oberhalb des spitzen Vereinigungswin- kels eine sehr mächtige Bogenschlinge gesehen. Ebenso zwischen dem Nervus suralis und cutaneus pedis dorsalis medius auf dem Fussrücken (zweimal gesehen). Die im Plattfuss zwischen den Nervus plantaris externus und internus nicht immer vorhandene Anastomose, wird durch einen viel feineren Faden gebildet, als jene in der Hohlhand zwischen Nervus medianus und ulnaris. Oft ist sie so zart, dass man einen Binde- gewebsfaden vor sich zu haben glaubt. Diese Feinheit der Anastomose erklärt ihr Unerwähntsein in ausführlichen Neurographien. Das Mikroskop constatirt die Nervennatur der Anastomose. Herr Prof. Wedl hat in einem Falle, welchen ich ihm zur Untersuchung über- sandte, Pacinische Körperchen kleinster Art an dieser Anastomose vorgefunden '). Das Verhalten der Anastomose stimmt öfters mit jenem des Hohlhand-Nervenbogens überein. Und so möge diese kurze Mittheilung die Ursache einer regen Betheiligung der praktischen Anatomen an ihrer Vervoll- *) Sie waren bisher nur an den extrafaseialen Ramiiicationen der Plaüi'ussnerven bekannt. Über endlose Nerven. 435 ständigung sein. An Anregung dazu fehlt es bei der physiologischen Bedeutsamkeit der Sache nicht. Henle sagt: „Die Nervenphysio- „logie ist noch nicht so klar, dass man Beobachtungen abweisen „müsste, weil sie mit den angenommenen Theorien im Widerspruch „stehen" *)• Die genaue Untersuchung der Schlingen in den Plexus, welch« Cerebral- und Spiralnerven unter sich, oder mit dem Sympathicus bilden , verspricht eine reiche Ausbeute. Die Schwie- rigkeit solcher Aufgaben aber, erheischt Theilung der Arbeit. i) Allgemeine Anatomie, png. 60. 436 K r e n n e v. Krystallo graphische Studien über den Antimonit. Von J. A. Krcnner, gewesenen Assistenten am Josephs-Polytechnicuui zu Ofen. (Mit 11 Tafeln.) (Vorgelegt in der Sitzung vom 9. December 1864.) Schon im grauen Alterthume bezeichnete man mit dem Namen Stimmi oder Stibium ein Mineral, welches zur damaligen Zeit sowohl in me«diciuischer als in cosmetischer Beziehung eine sehr wichtige Rolle spielte. Es ist dies jene in krystallographischer Beziehung so interes- sante Sulphosäure, welche uns unter dem Namen Antimonit bekannt, in der modernen Culturgeschichte eine nicht geringe Wichtigkeit erlangte. Schon der Grieche Ped aci us Dioskorides berichtet von dieser Substanz und Plinius, der zwei Varietäten, männliches (kör- niges) und weihliches (strahliges) Stibium unterschied , charakteri- sirte es durch die Merkmale „glänzend, strahlig, leicht zerbrechlich und blättrig." Durch diese Autoren erfahren wir auch, dass diese Substanz als ein wichtiges äusseres Heilmittel der damaligen Zeit in hohem Ansehen stand, besonders aber als Schminke zum Schwärzen der Augenwimper benutzt wurde. Andeutungen über letztere Gebrauchs- weise finden wir übrigens auch in der Bibel, so im zweiten Buche der Könige; ferner in einigen Stellen des Propheten Ezechiel, und hat sich diese Sitte bei den Frauen des Orients bis auf den heutigen Tag erhalten. Über die Natur dieses Minerals hatte man im Alterthume frei- lich nur eine sehr dunkle Vorstellung, man vermuthete zwar in dem- selben ein Metall — der metallische Habitus berechtigte dazu — doch dachte man dabei auf Blei. Zum Mittelalter übergehend, finden wir dieses Mineral sehr häufig in den Händen der Alcheniisten wieder, als einen oft und gerne benützten Gegenstand ihrer Experimente, doch erst Basilius Valentin us (in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts) ist es Krystallogrnphisolie Studien über den Antimonit, 4rd7 gelungen das Mefall daraus abzuscheiden. Er nannte dieses Mineral Antimonium, und das aus diesem abgeschiedene Metall, nach der damals üblichen Weise den „König des Antimoniums" (regulus antimonit). Dieser Alchemist scheint sich überhaupt für das Antimonium beson- ders interessirt zu haben, er studirte es sehr fleissig, entdeckte eine Menge Verbindungen desselben, die zum Theil als Heilmittel ver- wendet wurden, und veröffentlichte die Resultate seiner Untersuchun- gen in einem besonderen im mystischen Style geschriebenen Buche, welches er den „Triumphwagen des Antimons" (Currus triumphalis antimonit), nannte. In dieser merkwürdigen Schrift führt Bas. V a 1 e n t i- nus auch den Namen Spi essglas an, welcher sich offenbar auf die spitzigen, spiessig zulaufenden, biindelförmig gruppirten Krystallfor- men — die dem Antimonit in ausgezeichneter Weise eigen — bezie- hen. Dadurch, dass man den einen wesentlichen Bestandtheil dieses Minerals kannte, machte man zwar einen bedeutenden Schritt vor- wärts, doch war man sich über die gesammte Zusammensetzung desselben noch nicht klar, und glaubte es sei eine Verbindung des Metalls mit einer eigenthümlichen Art von Schwefel und Merkur (darunter ist der ideale Merkur der Alchemisten zu verstehen). Erst Kunkel bewies, dass der in dieser Substanz enthaltene Schwefel, sich durch nichts von dem gewöhnlichen Schwefel unter- scheide, und der Schwede Torbern OIo ff B er gma n n zeigte (in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts) durch eine Analyse, dass der Antimonit aus 74 Theilen Antimonmetall und 26 Theilen Schwefel bestehe, ein Ergebniss, welches selbst in quantitativer Beziehung mit den Arbeiten späterer Chemiker im Einklänge ist. Der Name Stibium wurde in der Folge auf das Metall über- tragen, während das Mineral selbst, von Werner mit dem Namen Grauspiessglanzerz bezeichnet wurde. Mohs nannte es Pris- matoidischer Antimonglanz, welcher Name von Leonhard in Anti- monglanz vereinfacht wurde. Die Benennung Antimonit, die auch wir acceptiren, rührt von W. v. Haidinger her. In eine viel spätere Zeit, es ist dies die Zeit des Erwachens kry- stallographischer Forschungen überhaupt, fallen die ersten Andeu- tungen, die sich auf die genauere Erforschung der Formen dieses Minerals beziehen. Wir finden in Rome Del Isle den Ersten, der der Krystallform desselben (1783) einige Aufmerksamkeit schenkte. Freilich würdigt 438 Krenner. er nur die Prismen, von denen er vier- und sechsseitige unter- scheidet, einer näheren Betrachtung. Er mass mit dem Handgonio- meter die Kantenwinkel dieser „schlanken" Säulen, und aus seinen Angaben ersehen wir, dass er in dem einen Falle das Grundprisma, in dem anderen, dieses combinirt mit der der Spaltfläche parallelen Endfläche vor sich hatte. Alle übrigen Flächen, die an fast jeder Säule vorkommen, scheinen ihm als Unregelmässigkeiten keine weitere Beachtung zu verdienen, und obwohl er Pyramidenflächen abbildet, so spricht keine Angabe dafür, dass er dieselbe einer Mes- sung unterzog. Achtzehn Jahre später war es Abbe Ha üy, der diese Untersuchungen wieder aufnahm, er hat die Angaben Del Isle's bestätigt gefunden, und bereicherte die Kenntniss über die Krystall- form dieses Minerals dadurch, dass er die Neigung der zum Grund- prisma gehörigen Grundpyramide bestimmte. Er verhehlte sich nicht, dass sich bei diesem Minerale der krystallographischen For- schung bedeutende Schwierigkeiten entgegen stemmen, und über- lässt es der Zukunft, an vollkommneren Krystallen bessere Resultate zu erzielen. In dem ersten Jahrzehend unseres Jahrhunderts war es Profes- sor Bernhardi in Erfurt, der die krystallographischen Forschungen über dieses Mineral fortsetzte, und nicht nur eine zweite Prismen- fläche, sondern auch ein Doma und eine Anzahl von Pyramiden beschreibt. Leider sind die Angaben, die sich auf letztere Flächen beziehen, zu unvollständig, als dass sie genügende Anhaltspunkte bieten würden, um die von diesem Forscher gesehenen und gezeich- neten Flächen deuten zu können. Es folgt nun Mohs, dessen mit Hülfe des Reflexions-Goniome- ters ausgeführten Winkelmessungen schon eine bedeutendere Wichtigkeit haben, und zu schärferen Resultaten führten. Eben so wandte Lewy seine Aufmerksamkeit den Formen dieses Minerals zu und beschrieb zwei neue Flächen. Im Anfange der fünfziger Jahre war es Miller, der die Prismenreihe mit einigen Flächen vermehrte, und kurze Zeit darauf hat Hessenberg drei Pyramidenflächen ent- deckt, die er in seinen ausgezeichneten „Mineralogischen Notizen" veröffentlichte. Die Gesammtzahl der bis jetzt bekannten Flächen beträgt 16. Meine Untersuchungen Hessen mich eine bedeutende Reihe von neuen Formen finden, und die Anzahl derselben beträgt 28. Krystallographische Studien über den Antimonit. 4tf 9 Zu diesem Resultate konnte ich nur dadurch kommen, dass ich ein überaus reiches und vorzügliches Material zur Verfügung hatte. So wurde mir auf die liberalste Weise gestattet die Sammlungen der ausgezeichneten meist aus Ungarn stammenden Antimonite des k. k. Hof-Mineraliencabinetes durchzusehen und zum Behüte näherer Untersuchungen benützen zu dürfen, wofür ich hiemit dem Herrn Dr. M. v. Hörn es, Vorstand dieser Sammlung, meinen wärmsten und innigsten Dank abstatte. Eben so wurde mir erlaubt die reiche Samm- lung des ungarischen Nationalmuseums in Pesth studiren zu dürfen, wofür ich nicht unterlassen kann den kön. Rath und Kämmerer Au- gust v. Kubinyi für dieses im Interesse der Wissenschaft lie- berale Vorgehen öffentlich zu danken. Eben so verpflichtet fühle ich mich jenen Herren gegenüber, die bei meiner letzten Reise in die ungarischen Bergstätten entweder als Vorstände oder als Privatbe- sitzer von Sammlungen mich auf jede Weise freundlichst unterstütz- ten; besonders sind es jene Sammlungen, in denen ich die so schönen werthvollen älteren Vorkommnisse studiren konnte, unter welchen mir die Sammlung des leider schon verstorbenen Herrn Dr. Zip s er, in welcher ausgezeichnete Handstücke dieses Minerals sich vorfin- den, von grosser Wichtigkeit wurde. Unter denen Vielen nenne ich nur die Herrn Wallner, Brück berger, Wiesner, v. Leut- ner, Pauli ny und Fauser, die mein Streben wesentlich förderten. Meine Absicht geht dahin, in diesem Theile nur die Ergebnisse meiner Untersuchungen, die sich auf die morphologischen Verhält- nisse des Antimonits, beziehen zu veröffentlichen, um in einem später folgenden zweiten Theile die übrigen physikalischen und chemi- schen Eigenschaften, zu welchem ich das Material bereits vorbereite, folgen zu lassen, und wenn meiner beabsichtigten Reise in das nord- ös'.liche ungarische Erzrevier, um daselbst die in den nordwest- lichen Theilen begonnenen Gangstudien fortzusetzen, kein Hinder- niss begegnet, auch die Paragenesis zu schildern, um auf diese Weise die Monographie dieses Minerals zum Abschluss zu bringen. Ich lasse nun die einzelnen Abschnitte der Reihe nach folgen; fühle mich aber noch bevor gedrungen dem Herrn Dr. A. Sehr au f, Custosadjuncten am k. k. Hof-Mineraliencabinete der mich auf die zuvorkommendste Weise durch Rath und That unterstützte, meinen wärmsten Dank auszusprechen. 440 Krenner. I. Literatur. Im Nachfolgenden gebe ich eine Zusammenstellung der von mir benützten Literatur, wobei im Falle mehrere Auflagen der betreffen- den Werke vorhanden sind, immer die zuletzt erschienene gemeint ist. Die Reihenfolge der Aufzählung ist die chronologische. Wallerius. Systema mineralogicum. Viennae, 1778. p. 302—305. Antimonium sulfure mineralisarum. Roiue De Lisle. Crystallographica. Paris, 1783. t. III. p. 49. R. Rirwan. Elements of Mineralogy. London, 1784. De Born. Catalogue me'thodique et raisome de la collection des fossiles de Mademoiselle Eleonore De Raab. Vienne, 1790, t. II. p. 139. J. E. v. Fichtel. Mineralogische Bemerkungen von den Karpathen. 1791. Emmerliug. Lehrbuch der Mineralogie. Giessen, 1793. Grauspiessglanz. Th. II, p. 468. Daubenton. Tableau methodique des mineraux; sixieme edit. Paris, an 7 (1798). R. C.v. Leonhard. Taschenbuch für die gesammte Mineralogie mit Hinsicht auf die neuesten Entdeckungen. Frankfurt am Main, 1809. III. Jahrgang. 86. Bernbar di. Davy. Philosophical Transaction of the Royal Society of London, 1812. 196. Hausmann. Handbuch der Mineralogie. Göttingen, 1813, p. 194. C. A. Zipser. Versuch eines topographisch-mineralogischen Handbuches von Ungarn. Ödenburg, 1817. Abraham Gottlob Werner's Letztes Mineralsystem. Freiberg u. Wien, 1817, p. 274. Jonas. Ungarns Mineralreich, orycto-geognostisch und topographisch darge- stellt. 1820, p. 196. M. PAbbe Haüy. Traite de Mineralogie. 1822, Paris, t. IV, p. 291. Rarl Cäsar v. Leonhard. Handbuch der Oryctognosie. 1826, p. 605. C. Fr. Naumann. Lehrbuch der Mineralogie. Berlin, 1828, p. 590. G. S. Beudaut. Traite elementaire de Mineralogie. Paris, 1830-1832, t. II, p.421. Thomas Thomson. Outlines of Mineralogy Geology and Mineral Analysis. London, 1836, t. I, p. 86. Jan Swatopluk Presl. Nerostopi cili Mineralogie. Praze, 1837, p. 162. William Phillips. An elemcntary Introduction to Mineralogy. London, 1837, p. 345. A. Levy. Description d'une collection de mineraux formee par M. Henri Heu- land. Londres, 1838, t. III. p. 311. Friedrich Mohs. Naturgeschichte des Mineralreiches, II. Thl. bearbeitet von F. X. M. Zippe. Wien, 1839, p. 557. G. Leonhard. Handwörterbuch der topographischen Mineralogie. Heidelberg, 1843. J. Fr. L. Hausmann. Handbuch der Mineralogie. Göttingen, 1847, p. 155. W. v. Haidinger. Handbuch der bestimmenden Mineralogie. 2. Aufl. Wien, 1851. H. J. Brooke and W. Miller. An elemcntary introduction to Min., by the late W. Phillips. New ed. London, 1852. Krystallographische Sludien über den Antimonit. 441 N. v. Kokscharow. Materialien zur Mineralogie Russlands. St. Petersburg, 1853, t. II, p. 161. J. D. Dana. A System of Mineralogy. ed. 4. New-York and London, 1854, p. 34. Hessenberg. Abhandlungen der Senkenbergischen naturforschenden Gesellschaft zu Frankfurt am Main, lieft IV, 1855, p. 171. Ackner. Mineralogie Siebenbürgens mit geognostischen Andeutungen. Hermann- stadt, 1855. Fr. R. v. Hauer u. F. Foetterle. Geologische Übersicht der Bergbaue der öster- reichischen Monarchie. Wien, 1855. Y. R. v. Zepharovich. Mineralogisches Lexikon für das Kaiserthum Österreich. Wien, 1859. Fr. .4. Quenstedt. Handbuch der Mineralogie. Tübingen, 1863, II. Aufl. C. Fr. Naumann. Elemente der Mineralogie. VI. Aufl. Leipzig, 1864, p. 446. R. E. Renss. Fragmente zur Entwicklungsgeschichte der Mineralien. — IL Die Mineralien der Erzgänge von Pribram. Im Sitzungsberichte der kais. Akad. der Wissenschaften in Wien. Band. XXV, S. 129. — Mineralogische Notizen aus Böhmen. In Lotos, Zeitschrift für Naturwissenschaften. Prag, VIII. Jahrg., p. 258. IL Fundorte. Trotzdem der Antimonit ein ziemlich verbreitetes Mineral genannt werden muss, und mit Ausnahme Afrikas in jedem Welt- theile der Erde Fundorte zählt, so beschränkt sich sein Vorkommen in krystallisirtem Zustande blos auf einige wenige Punkte; dagegen findet man ihn meistens in derben blätterigen oder strahligen Mas- sen, die keine freie Krystallbildung zeigen. Im Nachstehenden gebe ich eine Übersicht der mir bekannten Fundorte dieses Minerals, wobei, im Falle es krystallisirt vorkommt, dies immer besonders bemerkt wird, sonst beziehen sich die Angaben nur auf nicht kry- stallisirfen Antimonit. In so weit die geognostischen Verhältnisse der einzelnen Localitäten bekannt sind, glaubte ich auch diese, wenn auch nur andeutungsweise, in kurzen Umrissen einflechten zu müssen. Spanien. La Mancha: Tudela, in blätterigen Massen. Portugal. Bei Villar-Chaiu, Gegend von S. Isaode Pesqueira, auf Quarzgängen im Thon- schiefer. Am Ufer des Zerze, in Granitgeschieben eingesprengt. Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. LI. Bd. I. Abth. 29 442 Krenner. Frankreich. Pyrenäen: Baigorry bei St. Etienne, mit Kiesen und Fahlerz auf Gängen im „Übergangsgebirge". Departement de TArdeehe: Ittalbosc und Bordezac, mit Quarz, Baryt, Rotheisen- stein, auf Gängen in Glimmerschiefer. Departement de l'Isere: In der Nähe von Chalanchcs, auf Gängen. Departement du Puy-de-D6me: Pontgibaud, auf einem Gang in Quarz. Departement des Ardennes: Gonsdorf bei Wilz in Adern, welche den Thon- schiefer durchziehen. Departement du Finisterre: Frugi Berg. Savoyen: Servoz in deutlichen Krystallen auf Quarz. England. Cornwall: Endellion in St. Stephans-, Huel-Boys- und Padstow-Gruben. Schottland. Binuing-That im Bezirke Eskdale, mit Quarz und Kalkspath, auf Gängen in der Grauwacke. Irland. In der Nähe von London derry. Schweiz« Canton Graubündten: Sehamser-Thal, auf Quarz. „ „ Tavetscher-Thal, am Berge Giom bei Ruäras dünne Nadeln in Bergkrystall eingeschlossen (Kenngott). Im Luxemburgischen (C. Müller). Preussen. Westphalen : Silberberg bei Arnsberg, mit Antimonocber, im „Übergangskalk". Wintrop in der Caspari-Zeche, blätterige, dichte Massen mit Antimonocher und Kalkspath, im Kalkstein. Nuttlar Grube Unverhoft't-Glück, in der Grauwacke. Breslau: unter den Urgebirgsgeschieben (Glocker). Am Harz. Wolfsberg, auf Quarz, schöne ausgezeichnete Krystalle und dichte Massen. Andreasberg, Abendröthe-Grube, mit Kalkspath, Bieiglanz in Erzgängen (selten). Meuseberg bei Neudorf im Anhaltischen, mit Blende, Bleiglanz, Bournonit, Kupferkies und Kalkspath, auf Erzgängen. Sachsen. Bräunsdorf, nadeiförmige Krystalle in Quarz mit Kiesen, Bleiglanz, Blende in Erzgängen. Krystallographische Studien über den Antimonit. 4-43 Klcin-Reinsdorf im Voigtlande, in grossstrahligen Massen, mit Quarz und Blei- glanz, Gangtrümmer in Thonschiefer bildend (Müller). Nassau. Bei Oslerpai (F. Sandberger). Bayern* Brandholz bei Bernek im bayerischen Fichtelgebirge, in den Gold führenden Quarzgängen (C. Hahn). Goldkronach in der Fürstenzeche mit Quarz. Baden. Wittichen, mit Baryt auf Gängen in Granit. Hasslach, auf Quarzgängen in Gneiss. Wolfacb, Grube Wenzel in Gneiss mit Antimonsilber, gedigenem Silber und anderen Silbererzen. Nieder-liinsterthal, mit Bleiglanz, Flussspath, Baryt auf Gängen in Gneiss. Salzburg. Schwarz-Leogang, derb, dicht und strahlig mit Eisenkies und Mispickel, auch mit Heteromorpbit auf Gängen in Gneiss. Somiberg bei Mitiersik im Rettenbach-Graben, mit Antinionocher und Mispickel, Lager im Thonschiefer. Bocks(ein»am Rathhaus-Berg und Gold-Berg, kleine Nadeln, mitunter auch derb und dicht, mit Gold und güldischem Silber auf Gängen. Steiermark» Schönstem, Cillier Kreis, nur spärlich. Schladining, dicht, blätterig, auf Quarz im Thonschiefer. In der Walchen, unweit Oeblarn, mit Kiesen. Schönstem am Skorno-Berg, strahlig und stängelig. Kärnten. Loben, Krystalle in Siderit. Seeland, Comenda-Alpe, derb, feinkörnig, zuweilen auch in feinen Nadeln, in Quarz, an der Grenze von Thonschiefer und Kalkstein. Sachseiiberg, am Radel- und Lassnig-Berg, im kalkreichen Thonglimmerschiefer. Tirol. Am Platscher-Kofel in der Nähe von Innsbruck, mit Baryt im Thonschiefer. Volder-Thal bei Rosthal, strahlig bis blätterig mit Antimonocher und Kupferkies im Thonglimmerschiefer. Am Rogel kleine Krystalle, in Höhlungen des Tetraedrites, mit Baryt und Kalk- spath im Kalke. Salzburg unweit Hall, mit Blende in Gyps (selten). 29* 444 Krenner. _ . , „ , .. „, , (derbe, blätterige Masse, theilweise mit Antimonocher; Trius- und Gschiiitz-Thal j Lengenberg im Puster-Thal und Krisentbai ebenfals derb, strablig, mit Antimonoeker. Böhmen* Pfibram, Segengottes-Hauptgang, breitstänglicb, durcb beigemengten Arsenik verunreinigt (Reuss). Auch in anderen Gangen, derb, oder in büschelig-strahligen Aggre- gaten, mit Siderit, Blende und Quarz verwachsen, wobei Allemontit, Antimon, Pyrantimonit und Valentinit als Zersetzungsproducte des Anti- monits erscheinen (Reuss). Euie, mehr oder weniger körnige Partien , meist mit Mispickel gemengt, auf Erzgängen. Joacbimstbal, im Geistergang, feine Nadeln oder in derben kleinkörnigen Mas- sen, gemengt mit Smaltit, Wismuth und Bleiglanz. Michelsberg, unweit der Buchmühle, derbe oder stängliche Massen, öfter auch als feine spiessige Krystalle, oder körnig mit Quarz verwachsen, in klei- nen Putzen im Gneiss und Amphibolscbiefer. Mileschau, mit Gold, eingesprengt auf Aphanitgängen im Granit. Krasnahora, grössere Krystalle, mitunter in Antimonocher zersetzt, einge- wachsen in Hornstein. Kfic bei Rakonitz, feinkörnig, lebhaft metallisch-glänzend mit nur sehr wenig fein vertheiltem Quarz und Antimonocher, in bis 3' mächtigen «auf einem in silurischen Schiefern aufsitzenden Gange (Reuss). Mähren* Korozna und Hoviecy. Mühl-Berg, zwischen Heinzendorf und Altstadt, in dünnen nadelartigen Krystallen, bisweilen strahlig, stänglich oder derb, feinkörnig, auch theilweise mit Antimonocher überzogen, in Quarz und Hornstein, auch mit Baryt, in einem mit Lagen von Amphibol und Diorit durchgezogenen Glimmer- schiefer. Schlesien* Obergrund. Ungarn. Pressburger Comitat. Bösiug, kleinkörnig und strahlig, fein vertheiltes Gold spärlich eingesprengt enthaltend, in Quarzadern und Schnüren eines grobkörnigen Granits. Pcrnek, derb bis blätterig mit Quarz und Calcit verwachsen, selten kleine zu Bündel gruppirte Nadeln, die theilweise in Antimonocher und Antimon- blüthe umgewandelt, mit Pyrnit in Grauwackeschiefer und Gneiss. Malaczka, derbe und feinblättrige Massen, mit Antimonblende und Atimon- ocher, zur früheren Lagerslälte gehörig. Krystallographische Studien über den Antimonit. 445 Sohler Coraitat. Alfgebirg, unweit Herrengrund, feine Nadeln, faserig-blätterig bis dicht, auf Quarz, mit Bleiglanz, Eisenspath und Kupferkies, auf Gängen in Glim- merschiefer (selten). Szl. Audräs an der Gran bei Neusohl, dicht und faserig mit Siderit, Galenit, Fahlerz und Tetraedrit, auf Quarzgängen in Glimmerschiefer. Jaszena, derb blätterig, bis faserig in Quarzgängen des Glimmerschiefers. Im Thale von Bisztra unter der Dammerde. Mezibrod, mit Quarz in Glimmerschiefer. Mito, dicht, körnig, bis feinblätterig, bunt angelaufen, mit Blende, Eisenkies und etwas Freigold, Quarzgänge in Glimmerschiefer. Auch Valentinit und Antimonocher als secundäre Mineralien. Zipser Comitat. Iglu, derbe bis blätterige Massen mit Quarz, Baryt und Eisenspath, Lager im Thonschiefer. Schuiüllnitzj dicht, blätterig, faserig bis krystallinisch, mit Blende und Kiesen auf Qurzgängen im Thonschiefer. Gömörer Comitat. Rosenau am Ochsenberg, feinkörnige und blätterige Massen mit Fahlerz und Kupferkies, auf Quarzgängen des Thonschiefers. Bettler am Worlowetz, dicht, körnig bis feinblätterig, letzterer mit weingelbem Kalkspath auf Brauneisenstein, auf einem Eisensteinlager des Thon- schiefers. Dobschau , dicht blätterig, faserig, in Calcit, mit Siderit, Bleiglanz und Tetraedrit (selten), Lager auf Talkschiefer. Abauj-Tornaer Comitat. Arany-Idka, dicht blätterig, strahlig, oft schöne Krystalle, mitunter Gold in Blättchen oder Dräthchen aufgewachsen zeigend, oder mit Antimonocher überzogen, mit gold- und silberhaltigen Kiesen, Jamesonit, Berthierit, Valentinit, Antimonocher, auf Quarzgängen des Thonschiefers. Tclkebänja, dicht körnig, blätterig bis strahlig mit Freigold, in Quarz, Gänge in Trachyt. Secundäres Product: Antimonocher. Bänszka, schöne Krystalle mit Baryttafeln. Liptauer Comitat. Magurka, dicht körnig, blätterig bis in 6' mächtigen Massen, auch in faserigen und strahligen Aggregaten, so wie in schönen vollkommenen Krystallen, welchen öfters Gold in Drath- oder Blattform aufgewachsen, auf Quarz mit Pyrit, Blende , Braunspath, Calcit, Antimonblende und Antimon- ocher. Letzterer oft als Überzug der Krystalle , in Quarzgängen im Granite. 446 K r e n n e r. Bocsa, dicht feinblätterig, selbst faserig mit Freigold in Quarzgängen in Granit. Dubrawa und Ltibella, dicht körnig und blätterig, mit Eisenspath und Kiesen in Quarz, Erzlagerstätten im Kalksteine. Krivan-Bcrg (Hohe Tatra), mit Antimonblende in goldhaltigem Gangquarz des Granites Barser Comitat. Königsberg (Üjbanya), derb und eingesprengt im kiesreichen und goldreichen Quarz im Trachyt (sehr selten). Kreiunitz, ausgezeichnete Krystalle, von den feinsten Nadeln bis zu Krystallen von beträchtlicherer Grösse von stänglicher Form, die kleinen spiessigen Büscheln oft in Regenbogenfarben spiegelnd, oft Gold aufgewachsen, oder mit bläulichem Chalcedonüberzug versehen, mit gold- und silberhaltigen Kiesen und Baryt, als secundäre Producte Antimonblende, Antimonocher, letzterer oft die Krystalle überkleidend, auf Quarzgängen des Grünsteines. Honther Comitat. Sclieuiiiitz, dicht oder in nadeiförmigen Kryställchen, die oft in's haarförmige übergehen, oder in langen stabartigen Krystallen mit guter Endausbildung, welche öfters bunt angelaufen oder von Braunspath überkleidet, mit gold- und silberhaltigen Kiesen, Baryt, in Quarzgängen des Grünsteines vorkommen. Szathmärer Comitat. Nagybähya, blätterig, faserig, in kleinen buntangelaufenen Krystallbündel oder in längeren und dickeren Säulen, mit schöner Endausbildung, auf Quarz mit Baryt und Realgar, Gänge in Grünstein. Felsöbänya, höchst vollkommene, ausgezeichnete Krystalle in grosser Mannig- faltigkeit , von zart nadeiförmig bis dicksäulig (bis zu 6" lang); erstere in radial gruppirten Bündeln oder kugelförmigen Aggregaten, entweder schwarzblau, braun oder bunt angelaufen, letztere mit flächenreichen Enden; grosse Krystalle oft mit schwarzgrauen matten Häutchen über- zogen, oder mit Antimonocher oder Chalcedon überkleidet. In Gesell- schaft von Baryt, Realgar und Auripigment, Blende, Pyrit und Calcit. Die Baryttafeln oft durchwachsend. Gänge im Grünstein. Kapiiikbänya, nadeiförmige Büschel oder stärkere Säulen, die öfters ziemlich lang und mit gut ausgebildeten Enden versehen, die kleinen Krystalle bunt angelaufen, oft" in haarförmige Masse übergehend, mit Baryt, Real- gar, Quarz, Kalkspath, Braunspath, öfters mit Goldblättchen geziert. Im Grünstein. Borsabänya, an der Grenze des Grünsteins und Glimmerschiefers. Krassocr Comitat. Orawicza, mit Freigold, Kupferkies, Fahlerz und Wissmuthglanz. Blende und Baryt (selten), in verhärtetem Thone. An der Grenze von Syenit durch- setzten krystallinischen Schiefer und jurassischen Kalk. Krystallographische Studien über den Antimonit. 447 Dognäcska, ziemlich vollkommene Prismen bis zu 2" Länge oder in büschel- förmigen Aggregaten, mit Kupferkies, Galenit, Fahlerz, Bismuthin und Gold (sehr selten) in wie oben angeführten gelagerten verhärtetem Thone. Raltza, derb (?) In der Stiniik Siebenbürgen. Oläh-lapos-banva (Bajutz) im Josephs-Gang, dünnere nadeiförmige uad stär- kere kurzsäulenförmige Krystalle, in strahligen Aggregaten, mit gediegen Gold, Kiesen, Baryt, gediegen Antimon (selten), Antimonblende, Realgar in Quarzgängen, welche theils in Grünstein, theils in Sandstein und Thon- schiefer aufsetzen. Kisbänva, mit Gold und Tetraedrit in Quarzlagen des Gneisses. Offcnbänya, dicht, blätterig oder in strahlenförmigen Nadeln oder kleinen dickeren Krystallen, mit Freigold, Sylvanit, Blende, Eisenkies, auf Quarz in den Tellurklüften. Nagjäg, dünnere oder dickere Krystalle, öfters von Antimonocher überzogen, auf Amethist, Maganspath mit Freigold, Realgar, im Porphyr. Csertesd, meist kleinere bündelförmige Krystallgruppen, theilweise mit Antimon- ocher überzogen, Blende, Baryt und Freigold, mit Quarz im thonigen Gesteine des Grünsteines. Toplitza, in ziemlich grossen und flächenreichen Krystallen, manchmal mit Antimonocher überzogen und mit darauf sitzenden Goldblättchen, in Gesellschaft von Baryt, Valentinit, Blende, Federerz, auf Quarz im Grünsteine. Fäzes, kleine Kryställchen mit Kiesen und Freigold, Pyrit, Manganspath, auf meist zerfressenen Quarz, im Grünstein. Trcstyan und Macsesd, in ziemlich langen stark gestreiften Säulen, die oft mit Antimonocher überzogen, mit Schwerspath und gediegen Gold auf Quarz oder verhärtetem Thon im Porphyr vorkommen. Kristytor. Italien. Toscana: Pereta, schöne Krystalle auf einem Quarzgange im Kalke der Kreide. „ Loretto bei Schloss Selena, blätterige Massen in Quarz. Kirchenstaat: Tolfa, unweit Civita-Vecchia mit Bleiglanz und Brauneisenstein im Kalke. Russland. Altai: Schlangenberg, strahlige Massen in Baryt. Kaukasus: Am Flusse Scharo-Argun, in Gängen (Gilew). Ural: Katharinenburg, in der Grube Blagodatnoi (Kokscharow). Asien. Ostindien: Souibats auf der Insel Borneo. 44ö Krenner. Amerika. Mexico: Gegend von San Jose del Oro auf Gangen und Nestern im Kalkstein. „ Cerro Chiqui hutillo mit Quarz, Galenit, Kiesen und Silberglanz auf in Diorit aufsetzenden Gängen. „ Zacatecas, mit Blende, Rothgültigerz, Bleiglanz, gediegenes Silber, in Quarz auf Gängen in Diorit. „ Angangco, mit Blende, Kiesen, Rothgültigerz, gediegenes Silber, auf Gängen in Porphyr. Vereinigte Staaten: fladdaiu in Conecticut, in nadelartigen Krystallen im Feld- spath. Californien: Grafschaft Tulare (W. P. Blake). Peru: Chivatto, mit Pyrit, Blei- und Kupferglanz in Quarz. Brasilien: Minas-Geraes bei Villa Rica, in Nestern und Streifen in einem gold- haltigen Quarzgestein. „ Capau do Lane, mit Steinmark in Quarz. Central-Amerika: Nicaragua (C. Witting). Australien. Victoria: Im ItTJoor Goldfelde und Spuren von Gold enthaltend, zum Theil von Antimonocher begrenzt, in einer 1 — 2' mächtigen Ader eines Quarz- ganges (G. Ulrich). III. Krystallsystem , Aufstellung, Axenverhältniss, Bezeichnung. Während schon Del Isle erkannte, dass die Prismen des Anti- monits einen rhombischen Querschnitt zeigen, bewies Haüy doch zuerst durch seine Messungen an der Pyramide, dass dieses Mineral im rhombischen Systeme krystallisirt. Del Isle fand nämlich die Neigung der Flächen: (HO) (110) = 92° und für die sechsseitigen Säulen: (100) (HO) = 46°. Diesen Angaben fügt Haüy die Wert he, die er für die Grund- pyramide erhielt hiezu, Seitenkante: (111) (HO) = 34° und für die Polkante: (111)(111) = 73°30', Krystallograpiiisehe Studien über den Antimonit. 449 während Bernhardi's Untersuchungen die Werthe lieferten: (lil)(141) = 72°42' (lll)(li0) = 34 o 44 , und für das Prisma (100)(110)=>46°9'. Moh's Messungen hingegen lieferten folgende Resultate: für die Polkanten (Hi)(lH) = 71 o 50' (Hi)(lTl) = 70°44' und für die Mittelkanten (lii) (111) = 69°1\ Aus welchen sich das Axenverhältniss: a:ö:c = 0-97866: 0-96565:1 berechnen lässt. Die von mir mit aller Sorgfalt ausgeführten Messungen der Grundgestalt ergaben : (lll)(Tll) = 71°39-6' und (Hi)(liO) = 34 4S', woraus das Verhältniss der Axen: a:S:c = 0-98700:0-97371:l folgt, oder wenn wir der Zweckmässigkeit halber (6) gleich der Einheit setzen : a: b: c = 1-0136: 1:1-0270. Die Reihenfolge der die Flächen charakterisirenden Indices hkl ist diesem entsprechend so angeordnet, dass zuerst der Werth der mittleren Axe, dann der der kleinsten und endlich der der grössteu folgt. Es bezieht sich also h auf die Axe (a), k auf (Ji) und l auf (c), welche letztere in aufrechter Stellung angenommen wurde. Die Endflächen wurden mit denselben Buchstaben bezeichnet, den die Axen, auf welchen sie senkrecht stehen, tragen. IV. Beobachtete Flächen. Wenn trotz des grossen Flächenreichthumes, den gewisse, insbesondere die aus den Gängen der ungarischen und siebenbürgi- schen Grünsteine stammenden Antimonite zeigen, die Anzahl der 450 K r e n n e r. beobachteten Formen eine verhältnissmässig geringe genannt wer- den muss, so dürfte das in dem Umstände seinen Grund finden, dass die Krystallflächen dieses Minerals selten die zu einer genauen Be- stimmung notwendigen Bedingungen erfüllen. Die Flächen, die bis jetzt bekannt geworden, zeigt folgende Übersicht, in welcher neben den durch Miller'sche Symbole ausgedrückte Formen, der Name desjenigen Forschers beigesetzt ist, dem wir die erste Bestim- mung der einzelnen Flächen verdanken. a (100) Del Isle b (010) Levy c (001) Haüy m (110) Del Isle n (120) Miller r (430) 5» t (S10) » u (101) « X (102) Mohs p (Hl) Haüy s (113) Mohs CT (123) Hessenberg V (211) Mohs e (213) » w (311) Hessenberg P (513) » Sämmtliche eben aufgezählte Flächen wurden an Krystallen beobachtet, die aus Ungarn und Siebenbürgen stammen , und ich hatte Gelegenheit auch sämmtliche derselben zu beobachten, mit Ausnahme der Fläche c (001), die von Haüy, Presl und Andern angeführt wird, deren Vorkommen ich aber Grund habe zu bezwei- feln, indem alle Krystalle, die man mir als mit einer horizontalen Endfläche versehenen Säulen zeigte ich als solche nicht erklären kann, es sind dies keine echten Flächen, sondern nur Bruch- oder Anstossungsflächen. Das Material, das mir zu Gebote stand, war ein sehr umfassen- des, und es war mir Gelegenheit geboten, Krystalle von allen wich- tigeren Fundorten zu studiren. Die durch mich bestimmten Flächen sind folgende: Krystallographische Studien über den Antimonit. 451 Die Prismen: (130), (210), (310), (320), (340), (410), (530), die Domen: (011), (012), (013), (016), (103), (203), (301), (403), (503), und die Pyramiden: (112), (124), (143), (331), (344), (413), (416), (433), (533), (631), (766), (788). Das Verhältniss des Auftretens dieser Flächen zu den Fund- orten dieses Minerals wird bei der Aufzählung der Comhinationen besprochen werden. In nachstehender Tabelle habe ich sämmtliche nun bekannte Flächen zusammengestellt, indem ich zugleich den einfachen Buch- staben dazusetzte, mit dem ich die einzelnen Formen der Kürze halber bezeichnete. Zugleich enthält diese Übersicht die verglei- chenden Symbole von M iller, Naumann, Weiss. Miller N .iiiiii.i ini Weiss a (100) ooP oo ec a : b'. ooc t (510) ooPS 5a : b : ooc i (410) ooPi ia : b : ooc q (310) ooPS Sa: b : ooc (210) ooP2 2a : b : ooc l (530) ~Pf \a : b : ooc d (320) oo.Pl |rt : b : co c r (430) oopl ~a: b: ooc m (HO) ooP . a: b : ooc k (340) P£ a: ±b : ooc n (120) ~7 J 2 a: 1b : ooc h (130) ooP3 a: 3b : ooc b (010) ~ . ooa: b: |-c u (101) Pc* ooa : b : c 452 Kreone r. Miller Naumann Weiss N (203) }P" (coa: 3b: 2c) X (102) i-Poo («««: 5: 4-c) 7 (103) $P- (e«a :5: |c) c (001) 0P (ex»a : eob : o) P (111) p . ( « ; 6 : c) 1Z (112) i p 3 ■» ( «: »: £c) s (113) 3 * ' ( «: *: 10 ff (123) xpx 3*2 ( 1« : 5 : |c) f (124) |P2 ( 1« : & : |c) V (211) 2P2 ( a: 1&: c) e (213) |P2 ( a: }b: |c) IV (311) 3P3 ( a: |6: c) 9 (413) |P4 ( 3a: ffi: c)

3°17-3' (53°14-4') (631) (100) = 28° 8-4' (28° 5-2'). 13. Krystall. H. 2, (103) Fläche ist klein, aber dennoch gut (103)(113) = 17°50-9' (17°S7-5') (124)(124) = 52°46-6' (52°S3-4") (124)(100)=:77 o 27-r (77°20-6'). 14. Krystall. H. 1, die Fläche (503) ist sehr schmal, dagegen ist die Fläche (413) ziemlich entwickelt. (413)(100) = 38°4-3' (38° 7-8') (4T3)(413) = 23°9-7' (23° 2- ) (100) (503) = 31 °41' (30°41-7'). Kapnikbanya. 1. Krystall. H. 2, alle Flächen spiegeln ausgezeichnet, doch sind sie etwas klein. (lll)(lTl) = 71°39-4' (71°39-6') (U0)(lT0) = 90 o 55-3' (90°54-2'). 2. Krystall. H. 3, die Fläche wohl entwickelt und gut reflectirond. (HO) (HO) = 18°23-7' (18°20-5') (T20) (120) = S2°23-3' (l)2°24-8'). Krystallographische Studien über den Antimonit. 457 3. Krystall. H. 3, die Flächen ziemlich glänzend und symme- trisch entwickelt, die Fläche (410) gut messbar, zeigt aber doch eine Abweichung der Winkelwerthe. (4i0) (410) = 28°S6-2' (28°30') (410) (100) = 14°47-1' (14°15'). 4. Krystall. H. 2, die Fläche (012) zeigt sich etwas matt. (012) (124) = 12°321 ' (12°39-4') (124)(124) = 52°59-1' (52°53-4'). 5. Krystall. H. 1, die Fläche (788) ist nicht vollkommen glänzend. (788) (111)= 3°59-7' ( 3°31-2') (788) (788) = 76° 2-1* (75°S6' ). 6. Krystall. H. 1, die Fläche (344) zeigt sich bedeutend ent- wickelt und glänzend. (331)(lll) = 21°40-5' (21°43-7') (344) (Hl)= 7°2S-3' ( 7°19-S') (344)(344) = 78°36-4' (78°32-8'). 7. Krystall, H. 1, (433) Fläche ist sehr gross, während (111) als ein dünnes Streifchen erscheint. (433) (111)= 7°50-6' ( 8° 3' ) (433)(211) = 31°29-3' (31°25-3'). 8. Krystall. H. 2, die Fläche (416) ist zwar bedeutend ent- wickelt, aber wenig matt. (416) (4T6) = 16°15-4' (16° 8-6*) (416) (100) = 56°4 1 • 7 ' (56°25 ' ). 9. Krystall. H. 1, die Fläche (430) spiegelt ausgezeichnet. (430) (110)= 8°10-2' ( 8° 8-8') (430) (100) =37°14-4' (37°18-3'). Kremnitz. 1. Krystall. H. 1, die Flächen sind sehr glänzend, mit Aus- nahme (HO), die eine leichte Streifung zeigt. (lll)(Tll) = 70 o 331' (70°33-4') (HO) (111) =34°35-3' (34°4S' ) (HO) (110) = 89° 0-9' (89° 5-8'). Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. LI. Bd. I. Abth. 30 458 K r e n n e r. 2. Krystall. H. 2, die Flächen sind gut. (H3)(lll) = 29°42-4' (29°351') (113) (1T3) = 35°59-l' (35°55' ). Magurka. 1. Krystall. H. 3, die Fläche (130) ist ziemlich entwickelt und gut messbar. (130)(130) = 36°H-29' (36°18' ) (011) (111) = 35° 9- 1' (35°16-7'). 2. Krystall. H. 1, (101) Fläche ist ziemlich gross, doch wenig matt, die übrigen hingegen sind glänzend. (101)(100) = 44°34-r (44°41-6') (lll)(101) = 35°42-3' (35°49-8'). 3. Krystall. H. 1, die Fläche (013) zwar deutlich entwickelt, aber matt. (530)(100) = 31°44-7' (3i°21-5') (HO) (530) = 14°12-3' (14° 5-6') (013) (113) = 18°31 ' (17° 4-0'). 4. Krystall. H. 3, (213) Fläche gut messbar, dagegen zeigt sich (301) als schmaler matter Streif. (213)(213) = 31 43-7' (31°40' ) (213)(100) = S7°36-2' (57°30-7') (311) (301) = 18° 7' (17°49' ) (100) (301) = 18°31-6' (18°15' ). Wolfsberg. 1. Krystall. H. 5, die Fläche (211) zwar sehr glänzend, aber ein wenig gekrümmt. Das Mittel der VVerthe ist: (2il)(2Tl)= 48°47-2' ( 48°S6-6') (211) (211) = 109°30-4' (t09°30' ). Im Nachfolgenden gebe ich in einer Tabelle eine Zusammenstel- lung, der aus meinem reducirten Axenverhältniss berechneten Winkel, welche häufiger vorkommen, um sich beim Aufsuchen und Bestimmen der Flächen leichter orientiren zu können. Krystallographische Studien über den Antimonit. 459 r<(100) 6(010) c(00i) M'ii) ■ wi(HO) a (100) o°oo-o' 90° 0' 90°00-0' S4°43-3' 45°27 • 1 ' t (810) ll°29-0 78°31 90°00-0 47° 2-7 33°58 i (410) 14°15-0 7ä°45 90° 45°21 3l°12-l q (310) 18°42-S 71°17-5' 90° 42°47-7 26°44S (210) 26°S5-7 63° 4-3 90° 38°49-4 18°31-4 l (530) 31°21-5 58°38-5 90° 37° 9-8 14° a-6 d (320) 34° 6-5 S5°53-5 90° 36°19-7 ll°20-6 r (430) 37° 18 -3 52°4l-7 90° 35°34-5 8° 8-8 m (110) 4S°271 44°32 9 90° 34°45 0° k (340) S3°26-2 36°33-8 90° 35°32-6 7°59-i n (120) 63°47-6 26°12-4 90° 38°44-8 18°20-5 h (130) 7i°S0-l 18° 9-9 90° 42°36-2 26°23-0 b (010) 90°00-0 0° 90° 54°10-2 44°32-9 R (016) 90°00-0 80°17-7 9°42-3 48°41-2 83° 5-8 L (013) 90°00-0 71° 7-2 18°52-8 76°40 y (012) 90°00-0 62°50-S 27° 9-5 39°181 71° 1 z (011) 90°00-0 44°lS-8 45°44-2 35°16-7 S9°18-6 3 (301) 18°l5-0 90° 71°45 43°27-3 48°13-5 J (S03) 30°41-7 90° 59°18.3 38° 7-7 52°54 (403) 36°34S 90° 53°25-5 36°37-l 55°42-6 11 (101) 44°41 • 6 90° 45°18-4 35°49-8 60° 5-2 N (203) 56° 2-7 90° 33°S7-3 37°21-3 66°56 X (102) 63°12-3 90° 26°47-7 39°45-2 71°34 7 (103) 71°23-8 90° 18°36-2 43°35-5 77° 41 c (001) 90° 0-0 90° 0° 55°1S 90°00 V (111) 54°43-3 54°10-2 S8°15 0°00 34°45 TT (112) 6S°48-1 65°24 35°47 19°28 54°13 S (113) 72°20-0 72° 2-5 2S°39-9 29°3S1 64°201 a (123) 74°27-4 57° 2-8 37°19-2 22° 8-2 54°S2-1 f (124) 77°20-6 63°33-3 29°45-7 28° 6-3 61°53-2 V (211) 35°lä 6S°31-7 66° 11 19°28-3 29°50-3 e (213) S7°30-7 74° 10 37° 3-5 22°24-9 55° 9-2 w (311) 25°13-6 72° U 72°38-3 29°29-7 31°31-8 V (413) 38° 7-8 78°29 54°lS-3 25°24 46° 2-2 * (416) 56°25-2 81 S5-7 34°46-6 29°38 60°47-9 T (433) 46°40-3 58°33-5 59°25-8 8° 3-0 31°32 (513) 32° 7-6 80° S-8 59°47-6 28°S2-0 44° 13 *J (833) 40°18-1 62°21 • 3 63° 6-3 14°25-2 30° 7 K (331) 46°51-9 46° 1-2 76°S8-7 21°43-7 13° 1-3 s (788) 58°14-5 !>2°27-2 53°3!>-8 3°31-2 33° 4-S 30' 460 n(lOO) 6(010) e(001) P (iu) m(110) a (3 A M (344) (766) (631) (143) 62° 3 ' 50°27-8 28° 5-2 78°45-5 50°43-6' 56°25-8 63°22-8 37°38-7 51°56 r 57°26 8i°37-8 54°38-2 7°19-7' 4°15-S 31°19S 27°27-7 38°4S-S' 32°49-7 20°15-8 45°29-3 VII. Beobachtete Combinationen. Ich komme nun zur Beschreibung der einzelnen Combinationen. Während bei diesem Minerale das Streben der Masse nach Vielgestal- tigkeit, niemals die Bildung einer einfachen Krystallgestalt zulässt, und die Formen desselben immer nur in Combinationen, die oft sehr complicirter Natur, erscheinen, so ist doch die Entwicklung jener Flächen, welche mit der aufrechten Axe nicht parallel sind (Pyra- miden, Domen), nur auf das eine freie Ende des Krystalles be- schränkt. Und während einerseits unter den vielen Antimonitkry- stallen, die ich zu untersuchen Gelegenheit hatte, — ihre Zahl beläuft sich über 300, Handstücke und lose Krystalle — sich nie eine einfache uncombinirte Form vorfand, zeigte sich andererseits auch niemals eine Spur von der oben angedeuteten Flächenbildung an dem unteren aufgewachsenen Ende der Säule. Die Symmetrie der Gestalten ist in den meisten Fällen arg gestört, sei es durch das abwechselnde Felden der Pyramiden, oder durch das zu oftmalige Wiederholen der Prismenflächen. Die Asym- metrie der Form, bewirkt durch letzteren Umstand, ist beinahe bei jedem Krystall dieses Minerals vorhanden und wird davon in dem nächsten Abschnitte die Rede sein. Die Zeichnungen sind, wenn sie in die schiefe Projection gesetzt sind, alle nach einem Projections- winkel gezeichnet; um die Anschaulichkeit zu vermehren, glaubte ich jedoch auch einige horizontale Projectionen nicht entbehren zu können, wobei die Flächen immer auf die horizontale Endfläche (die hier eine ideale ist) projicirt wurden. Sie sind vom Herrn A. Obsieger, Lithographen der k. k. Hof- und Staatsdruckerei, mit einer Genauigkeit und Sorgfalt ausgeführt, die eine dankende Anerkennung meinerseits verdient. In einigen wenigen Fällen wur- den die Krystalle asymmetrisch, entsprechend dem natürlichen Bilde Krystallographische Studien über den Antimonit. 461 gezeichnet, um die Vertheilung der Flächen zu zeigen, die übrigen Figuren sind symmetrisch gezeichnet, entsprechend dor idealen Kry- stallform, wobei natürlich die sich oft wiederholenden Prismen- flächen, um die Übersicht des Combinationsbildes nicht zu stören, meist nur vereinfacht genommen wurden. Habitus 1. Taf. I, Fig. i. m(110), p(lll). Taf. I, Fig. 2, a (100), m (HO), p (111). Krystalle 7 — 8'" lang aus Felsöbänya (k. k. Hof-Mineralien- cabinet), zeigen eine bei diesem Minerale sehr selten vorkommende Einfachheit der Combinationsforni, und haben die gut spiegelnde Fläche (Hl) ziemlich symmetrisch angeordnet. Die Flächen (HO) zeigen wohl, aber nur wenige Streifungen, und die bei dem zweiten Krystall auftretende, sehr glänzende Endfläche ist nur gering ent- wickelt. Zur Orientirung wurden die Winkel gemessen. (111) (111) = 7i°28-2' (71°39-6') (liO)(lll) = 34°40-7' (34°45' ) (liO)(TlO) = 89°18-9' (89° S-8') (100) (HO) =45°20-4' (4S°27-1'). Taf. I, Fig. 3. «(100), m(110), w(120), Kill), s(113). Krystall von Kapnikbänya (k.k. Hof-Mineraliencabinet), T" lang, die Flächen (1 13) sind sehr glänzend, während die verzerrten Pyra- miden (111) einen matten Anflug zeigen. Von den Prismen (HO) sind drei, von (120) hingegen nur zwei Flächen gestreift. Da die Endflächen (100) nicht gut spiegelten, wurde, um eine Controlmes- sung zu ermöglichen, die diesen parallel gehenden Spaltilngsflächen erzeugt, eine Procedur, die im Verlaufe der Untersuchung öfters an- gewendet werden musste. Ich fand die Winkel des Krystalles: (J00)(110) = 45°34-8' (45°27-T) (120) (100) = 63°40-3' (63°47-6') (113) (1T3) = 3ä°48-6' (35°5i>-0') (100) (113) = 72°29-3' (72°20' ) (120)(T20) = 52°161' (52°24-8'). Taf. I, Fig. 4. ß(100), o(210), mH10), w(120), /»(Hl), *( 112 )> *(H3). Eine Druse, bestehend aus langen dünnen Säulen dieser Com- bination, stammt aus Feksöbänya (ungarisches Nationalmuseum). Es zeigte sich eine seltene Übereinstimmung in der Combinationsform 462 Krenner. an den Krystallen dieser Druse. Die Enden sind ziemlich symme- trisch, und obwohl die meisten dieser langen stabartigen Säulen von Antimonocher überzogen waren, so sind doch einige lungere davon verschont geblieben, und erwiesen sich zur Messung tauglich. Als dominirende Fläche tritt hier (113) auf, die ziemlich spiegelte, Fläche (210) eben so (120) ist ziemlich entwickelt, währenddem (110) und (100) und (111) Flächen zurücktreten und (112) sich als schmales Streifchen zeigte. Einigemal verschwindet auch diese, und es bleiben dann blos die Pyramiden (Hl) und (113) in dieser Zone übrig. Krystalle von diesem Typus sind meistens constante Begleiter der grossen flächenreichen Krystalle von Felso- und Kapnikbänya und finden sich mit diesen sehr oft auf einem und demselben Hand- stücke. Ich erhielt die Werlhe: (112) (113) = 10°18-6' ( 10° 7-1') (210)(tl0) = 18°37-9' ( 18°31-4') (120) (120) = 127°48-3' (127°35-2'). Die Fläche (110) ist durch das stumpfe Prisma (130) theilweise verdrängt. Die betreffende Figur stellt das Bild des Krystalles dar mit Hinweglassung der Wiederholungsflächen. Von den Messungen führe ich noch an: (113) (112)= 10°25-9' ( 10° 7-1') (210) (110)= 18°46-2' ( 18°31-4') (120) (120) = 127°49-3' (127°35-2'). Taf. I, Fig. 5. a(100), *(510), q(UQ), o(210), m(110), «(120), 6(010), p(lil), TT (112), 6' (113). Violett angelaufener 8'" langer Krystall aus Kapnikbänya (Baron Lor. Eötvös), welcher durch tief eingreifende Längsfurchen einen äusserst unregelmässigen Querschnitt erhält, trotzdem gestatten seine ziemlich glanzenden und wohlausgebildeten Flächen eine genaue Bestimmung. Es ist dies der einzige Krystall, an welchem ich die Endfläche 6(010) mit zweifelloser Sicherheit erkennen konnte, sonst sali ich sie an keinem einzigen Krystalle und es gehört daher diese Fläche, obwohl sie von vielen Forschern angegeben wird, zu den grössten Seltenheiten an diesem Minerale, und die Angaben, die sich auf dieselbe beziehen, scheinen — was ich im nächsten Capitel, wo ich diesen Krystall anderer interessanter Eigen- thümlichkeiteu wegen eingehender betrachten werde, berühr en will — auf einem Irrthum zu beruhen. Ausserdem treten noch die Krystallographische Studien über den Antimonit. 463 Prismen (510), (210) und (310) auf. Von den Behufs der Orien- tirung vorgenommenen Messungen führe ich nur an: (100) (510) = ll°34-8' (11°29' ) (310) (510) = 7°24-2' ( 7°13-5') (310) (310) = 37°31 -4' (37°25 ' ) (210)(lll) = 38 o 59-8' (38°49-4'). Da die Prismenflächen zum Theil nur als sehr schmale Streif- chen erscheinen, konnten auch keine genau stimmenden Werthe erhalten werden. Die ideale schematische Gestalt zeigt die Abbil- dung Fig. 5, während der Querschnitt des Krystalles in Fig. 81, Taf. 11 dargestellt erscheint. Taf. II, Fig. 7. ^(130), m(110), »(120), Z(013), pQLli), *(U3), 4(361). Kleiner 4'" langer und 2*6'" breiter Krystall aus Nagybänya (k. k. Hof-Mineraliencabinet), mit vielfacher Wiederholung der Prismenflächen. An denselben ist die Grundpyramide (111) vor- herrschend und ausser den paarweise auftretenden, der an Krystal- len aus Nagybänya häufiger als irgendwo vorkommenden Pyramiden (361) zeigt sich noch das einmalige Auftreten der seltenen Fläche (013), die jedoch zu keiner bedeutenden Entwickelung gelangte. Die zur Orientirung vorgenommenen Bestimmungen zeigten: (361) (361) = 53°18-9' (53°14-4') und (113)(013) = 17°51-4' (17°40') als Winkelwerthe. Unsere Figur ist dem natürlichen unsymmetri- schen Bilde des Krystalles entsprechend gezeichnet. Taf. I, Fig. 6. «(100), «(530), m(110), n (120), j»(lll), «(113), v(211), M>(3il), if/(143). Dieser Krystall stammt von einer Druse aus Felsöbänya (K. v. Leitner), auf der grosse Baryttafeln aufsitzen. Einige Krystalle sind mit Antimouocher überzogen, und nur zwei derselben genügten den Anforderungen der Messung. Ausser den gut spiegeln- den Prismen, deren Flächen als schmale Lamellen erscheinen, treten hier die beiden steilen Pyramiden (143) und (311) auf, von welchem erstere in einem der Octanten eine ziemliche Entwickelung erlangte. Die Bestimmung der Flächenneigung ergab: (311) (110) =. 31°47-2' ( 31°31-8') (311) (311)= 35°54-l' ( 35°38 ) (530) (100)= 31°28-4' ( 31°21-5') (143)(143) = 104°57-7' (104°42-6') (111) (143)= 27°34.3' ( 27°27-7'). 464 K r e n n e r. Die Flächen (110) zeigen eine geringe Streifung. Taf. II, Fig. 8. «(100), o(210), m(HO). £(340), n (120), j (301), j>(Hl) f v(2U). t|/(416), *(123), w>(311), ?(331). Bläulich angelaufener Krystall von 7'" Länge, aus einer Druse von Kapnikbänya (k. k. Hof-Mineraliencabinet), mit Baryt. Hier dominiren die Flächen (1 11), deren Kanten durch die Pyramiden (331) und (311) abgestumpft sind, und um deren Spitzen sich die Flächen (416) und (123) symmetrisch lagern. Auch das Doma (301) und das Prisma (210) tritt hier auf. Ich beobachtete die Flächenneigung: (416)(4T6) = 16°16-9' (16° 8-6') (301) (311) = 17°35-3' (17°49' ) (123) (123) = 30°58-7' (31° 5-2') (210) (100) = 26°59-4' (26°55-7') (111) (331) = 21 °34- 3' (21°43-7'). Auch diese Figur wurde dem natürlichen Bilde des Krystalles entsprechend unsymmetrisch gezeichnet. Die Streifungen sind zwar vorhanden, störten aber nicht die Untersuchung. Tab. II, Fig. 9. a(100), 2(310), o(210), ^(410), r(430), m(110), «(120), /(503), ^(111), (413), p(513), w>(311), e(213). Krystall, T" lang, von Felsöbanya (k.k. Hof-Mineraliencabinet), ziemlich glänzend, interessant wird derselbe durch das Auftreten des Domas (503), welches eine sehr seltene Fläche ist; (111) ist ziemlich, (213) und die übrigen Pyramiden sind weniger entwickelt. Die Messung lieferte die Resultate: (213) (213) = 31°363' (3i°40' ) (213)(lll) = 22°19-7' (22°24-9') (413) (513)= 6° 7-1' ( 6° 02') (513) (503) = 9°42-9' ( 9°54-2') (100) (503) = 30°49-4' (30°41-7'). Taf. II, Fig. 10 a(100), o(210), r (430), /«(l 10), w (120), £(016), «(011), «(113), Jr(112), ^(111), e(213). Dieser 5'" lange Krystall stammt aus Felsöbanya (K. v. Le ut- ile r) und zeigt eine schöne symmetrische Entwickelung. Die Fläche (113) hat den bedeutendsten Antheil an der Begrenzung des Endes, Fläche (112) tritt sehr zurück, während sich an erstere die Pyramide (213) anschliesst. Ausserdem sind die Domen der (010) (010) Zone vortreten durch (016) und (011), von welchem Krystallographische Studien über den Antiraonit. 4u5 ersteres nur gering entwickelt ist. Ausserdem kommen hier auch noch die Prismen (430) und (210) vor. Ich fand die Werthe: (100)(213) = 57°38-4' (57°30-7') (016) (0T6) = 19°39 1' (19°24-6') (0il)(lll) = 35 o 27-4' (3o°16-7'). Diese Combination habe ich öfters zu beobachten Gelegenheit gehabt an Felsöbänyaer Drusen (Dr. Zipser), wo sie mit Baryt- tafeln vorkamen. Taf. V, Fig. 11. a(100), m(110), z'(410), Ä(I30), p (111), t|/(416j, /"(124), e(213), iV(203). Ein sehr verzerrter Krystall, 8" lang, aus einer Druse der Felsöbänyaer Gänge (Dr. Zipser), mit Baryttafeln und Antimon- ocher. Die Flächen spiegeln ziemlich gut. Das Doma (203) ist besonders auf der einen Seite sehr gut entwickelt und zeigte (203)(100) = 56°9-4' (56°2-7'). Ausserdem nehmen die Flächen der Pyramide (213) einen ziemlichen Antheil an der Endbildung. Ich erhielt die Werthe: (213) (2T3) = 31°26-2' (31°40'), während die Prismen (410)(100) = 14°31-7* (14°15-0') (100)(130) = 25°39-4' (25°23-0') Winkelwerthe ergaben. Taf. II, Fig. 12. a(100), o(210), ro(UO), «(120), A(130), iV(203), L(013), p(lll), r(433), e(213), »(211), tö(311). Dieser kleine Krystall stammt von Felsöbänya (L. v. Leutner) und sitzt auf einer Baryttafel auf. Die Prismen sind vielfach gestreift und erscheint Fläche (130) combinirt mit (120), mehrmals als Streifungselement. Die Spitze des Krystalles wird von den beiden Domen (203) und (013), welches letztere besonders verzerrt erscheint, geschlossen. Die Resultate der Messungen sind: (100) (130) =71 °33- 2' (71°S0-1') (211)(100) = 35°29-2' (35°15' ) (013) (0T3) = 37°49-3' (37°45-6'). Die Flächen der (100) (1 11) Zone treten ziemich symmetrisch auf, und ist auf ihnen eine zarte horizontale Streifung sichtbar. Es ergab noch: (433) (100) = 46°57- 7' (46°40-3'). 466 K r e im e r. Auf dieser Baryttafel befinden sich noch mehrere kleinere Kry- stalle, deren Flächen jedoch angefressen erscheinen, bei diesen ist theilweise die Fläche (013) noch mehr entwickelt. Taf. III, Fig. 13. «(100), o(210), m (110), n (120), 2/(012), iV(203), «(101), /(S03),^(1U), /"(124), K 41 6)- Ebenfalls von Felsöbänya stammender 7 — 8'" langer Krystall, einer auf Quarz aufsitzenden Druse (in meinem Besitze). Dieser ist durch das Vorhandensein von vier Domen interessant. Der Quer- schnitt der Säule zeigt eine ziemlich regelmässige Form, von ech- ten Flächen der Prismenreihe konnten jedoch nur obige mit Sicherheit ermittelt werden. Für die Neigung der Domen fand ich (101) (100) = 44°58-3' (44°41-6') (101)(lll) = 3ä°43-2' (35°49-8') (0T2)(012) = 54°13-6' (54°190'). Fläche (101) erscheint sehr gering entwickelt, während (111) eine bedeutende Grösse erlangte. Taf. III, Fig. 14. ö(100), m(110), z(410), &(340), w(120), a;(102), e(2l3), «(113), p(Ui), ?(413), 4/(143), a (123). Krystall von Kapnikbänya (H. v. Wallner). Er ist reich an Flächen, die aber sehr verzerrt erscheinen. Das Doma (102) tritt untergeordnet auf, während es, wie wir später sehen werden, bei manchen Krystallen durch seine Entwicklung das Übergewicht über die übrigen Flächen erhält. Die Messung ergab: (100)(102) = 63°17-4' (63°12-3') und für das seltene Prisma (340): (340) (100) = 53°39-4' (53°26-2'). Auch hier ist (111) dominirend, und erscheinen die Prismen stark gestreift. Taf. III, Fig. 15. «(100), «(310), w(110), j(301^, ^ (1 1 1), w(311), v(211), 71(533), ?(33I), jt(112), /"(124), p(S13). Dieser 6'" lange Krystall stammt von einer Druse, deren Vignette Magurska (H. v. Waller) als Fundort bezeichnet. Die einzelnen Krystalle sind mit Goldblättchen geziert, die jedoch einer genauen Untersuchung zufolge nie in den Krystall selbst eindringen, sondern nur oberflächlich daran haften, und desshalb auch als keine Ein- schlüsse betrachtet werden können. Krystallographische Studien über den Antimonit. 46 i Während die Prismenfläclien dieser Krystalle meistens matt sind, zeigen die Enden Flachen von bedeutendem Glänze. Unter den an diesen Säulen vorgenommenen Messungen führe ich nur an : (124)(124) = 51°59-3' (S2°53-4') (T24)(124) = 2S°29-7' (2S°18-8') (100) (301) = 18° 6-3' (18°150'). Taf. III, Fig. 16. a(100), r(430), »(120), o(210), ?(310), d(320), £(340), y(0l2), -/(103), ^(111), /"(124), «(113), a (344), s (788), ß(766), -(433), w(211). Sehr flächenreicher, 7'" langer Krystall aus Felsöbänya (k. k. Hof-Mineraliencabiuet). Das Auftreten der Pyramiden der (100)(111) Zone ist besonders bezeichnend für diese Combination. Ausserdem gruppiren sich um die Spitze des Krystalles zwei Domen, von welchen die Fläche (103) hier zum eisten Male vorkommt. Auch das neue Prisma S4°30-7' (I>4°43-3') (111) (112) = 19°36-2' U9°28' ). Taf. VII, Fig. 29. «(100), m(110), k(U0), «(120), o(210). «(113), «(310), 3,(111), /-(124). Diese Comhinationfonn zeigt ein Krystall von 10'" Länge aus den Gängen von Kremnitz (k. k. Hof-Mineraliencabinet). Die Endfläche (100) ist bedeutend entwickelt, die Prismen sind ein wenig gestreift, unter welchen (I 10) dominirend auftritt. Krystallographische Studien über den Antimonit. 4 71 Von den Pyramiden ist (111) am stärksten ausgebildet. Die zum Behüte der Orientirung vorgenommene Messung zeigte: (340) (110)= 8° S.i' ( 7°S91') (113)(lT3) = 35°51-7' (35°5S0') (100)(124) = 77°27-3' (77°206') (124) (1S4) = 52°48-4' (52°53-0'). Taf. VII, Fig. 30. «(100), m(110). A(340), «(120), s(011), s(M3), p(lll), vj(S33), 4(631), ?(331). Diese Figur gibt das wirkliche Bild eines auf Braunspath auf- gewachsenen Krystalles aus Schmnitz (k. k. Hof-Mineraliencabinet), derselbe ist sehr verzerrt und die Flächen, die das Ende begrenzen, sind nur so wie die Prismenflächen in halber Anzahl vorhanden. Interessant wird dieser Krystall durch das Vorhandensein der Fläche (533), welcher ziemlich selten auftritt. An diesem Krystall erhielt ich die Werthe : (533)(533) = 55°28-2' (5S°17-4') (533) (100) = 40°14-6' (40°18-1') (100) (340) = S3°21-7' (53°26-2'). Das Doma 2(011) zeigt sich als dünnes mattes Streifchen. Das genaue Bild des Krystalls zeigt unsere Figur. Ta f. VIII, Fig. 31. o(100), m(110), 7(103), iV(203), «(011), «(101), p.(ill), K416), s(H3), w(31J), 5(331). Taf.VIII, Fig. 32. «(100), g(310), m(liO), y(012), p(Hl), w(311), 4/(416), e(213). 6 — 8"' lange Krystalle einer Druse aus Felsubänya (k. k. Hof- Mineraliencabinet). Dieselben zeigen eine sehr starke Streifung der Prismenflächen und konnte nur (HO) und (310) mit Sicherheit ermittelt werden. Unter den Domen ist die seltene Fläche (203) als bemerkenswerth zu nennen, die jedoch etwas matt ist. Es ergab: (416) (203)= 8°21-5' ( 8°4-3') (100)(203) = S5°sr (S6°2-7') (416) (4T6) = 16° 2-7' (16°8-6'). Flächen (331), (311), so auch (011) und (101) erscheinen als schmale Abstufungsflächen. Die Figuren sind dem natürlichen Bilde des Krystalles entsprechend gezeichnet. Taf. VIII, Fig. 33. «(100), *(510), «(310), ©(210), *(S30), ro(HO), «(120), «(130), 4(631), 7r (112), f(124). Taf. VIII, Fig. 34. «(100), m(i 10), q (310), o(210), «(120), «(130), s(113), *(112), e(213), J/(143). 472 Krenn e Krystalle von 6 — T" Länge aus einer Druse aus Schemnitz (k. k. Hof-Mineraliencabinet). Unter den Pyramiden ist (112) vor- waltend, während die Prismenreihe auch (130) als vorhanden auf- weist. Die Messung lieferte: (130)(110) = 26°29-9' (26°220'). Die Prismen sind als sehr schmale Streifen, die sich sehr oft wiederholen, sichtbar. Fig. 34 a stellt das natürliche Bild des einen Krystalles projicirt auf die horizontale Endfläche dar, in derselben ist auch die Fläche (Hl) angedeutet, die als dünnes mattes Streif- chen erscheint, und nicht mit voller Sicherheit bestimmt werden konnte. Habitus 3. Taf. IX, Fig. 35. «(100), »»(HO), w(120), /(410), 0(403), ?(331), «(113), /, (111), ?(413). Kleiner glänzender Krystall aus Kapnikbänya (k. k. Hof-Mine- raliencabinet). Unter den verticalen Begrenzungselementen dieses Krystalles ist die Fläche (410) hervorzuheben, welche folgende Neigungzeigte(110)(410) = 31°2-8' (31°12- 1'). Fläche (403) ist gut messbar, so auch die Pyramiden. Es ergab: (100) (403) b. 36°39-2' (36°34'5'), die Figur stellt das natürliche Bild des Krystalles dar. Taf. IX, Fig. 36. «(100), «(310), m(110), «(120), h (130), x (102), p(Hl), w(211), i»/(143), «(113). Taf. IX, Fig. 37. m (HO), «(120), a; (102), «(011), a (344), ^(111), rj (533), p(511), J(503). Grössere und kleinere Krystalle aus einer Druse von Magurka (H. v. Wallner), dieselben zeigen eine starke Verticalstreifung; hie und da Goldblättehen aufsitzend. Das Dom» (503) ist als ein zwar mattes, aber doch deutliches Streifchen sichtbar, etwas brei- ter als dieses sind die gut glänzenden Flächen (513). Von den Messungen führe ich blos an : (143) (T43) = 22°20-7' (22°290') (100)(120) = 63°51-2' (63 9 47-6') (533) (533) = 55°26 1' (54°17-4'). Die Form, die durch Figur 35 dargestellt ist, bildet schon den Übergang zu dem nun folgenden Combinations-Habitus. Krystallographische Studien über den Antimonit. 'iTS Habitus 4. Taf. IX, Fig. 38. a(100), m(110), «(120), *(102), *(113), p(lll). „ „ Fig. 39. «(100), ffl(llO), w(120), .r(102), o (210), p (111), s(113), TT (112), £(331). Der erste Krystall von 7 — 8'" Länge stammt aus Felsöbänya (Dr. Zipser). Während die Prismen eine starke Streifung und nur einen matten Glanz zeigen, sind die Pyramiden und Domen sehr gut bestimmbar. Die Flächen (102) sind sehr entwickelt und zeigten (102) (100) = 18°19-4' (18°15'). Auch aus Kremnitz und Magurka sah ich Krystalle dieser Com- bination. Der zweite Krystall ist in Bezug auf Combination diesem ähn- lich, nur zählt derselbe zwei Pyramiden und ein Prisma mehr. Er ist 6'" lang und ziemlich symmetrisch entwickelt und stammt aus Felsöbanya (in meinem Besitze). Die Domen (102), deren bedeu- tende Entwickelung eben diese Combinationsgruppe charakterisirt, dominirt bei dieser Form noch bedeutender und treten die Flächen (113) so zurück, dass sich die Flächen (102) in einer Kante begegnen. Dieser Krystall wurde zu scharfen Messungen benützt. Auch diese Form kenne ich sowohl aus Kremnitz, wie auch au s Kapnikbänya. Habitus 5. Diesen Combinationstypus zeigen die Antimonite von Wolfs- berg am Harz. Taf. X, Fig. 40. «(100), m(HO), w(2U). Krystall, 6'" lang, sehr glänzend, von Wolfsberg (k. k. Hof- Mineraliencabinet) am Harz. Sowohl die feingestreiften Prismen als auch die Pyramidenflächen zeigen eine Abweichung von der ebenen Form. Die Messungen ergaben im Mittel: (211)(2Tl)=48 47-3' (48°S6-6') (100)(211) = 35°22-7' (35°15' ) (100)(110) = 4S°29-2' (45°27-l'). Der Einfluss der Krümmung ist demzufolge ein schon sehr entschiedener. Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. LI. Dd. I. Abth. 31 474 K r e n n e r. Taf. X, Fig. 41. ö(100), m(110), w(311). „ „ Fig. 42. m(110), Ä(130), «(211), ?o(311). „ „ Fig. 43. «(100), r(430), ra(HO), w(311), ^/(416). Diese Krystalle stammen von einer auf Quarz aufgewachsenen Druse aus Wolfsberg (k. k. Hof-Mineraliencabinet), sind sehr klein und mannigfaltig gekrümmt. Die Fläche (311), die bei diesen Krystallen seltener vorkommt, ist gekrümmt, wesshalb die Winkel- werthe nicht so genau stimmen. Hiefür erhielt ich: (311)(3Tl) = 35°49-7' (35°38' ) (100)(311) = 25°27-2' (25°136'). Taf. X, Fig. 42. m(110), Ä(130), v(211), w>(311) zeigt auf der einen Seite das Flächenpaar der Pyramide (311), auf der andern das der Pyramide ?' (211). Wolfsberg (k. k. Hof- Mineraliencabinet). Taf. X, Fig. 43. «(100), i(430), m(110), w(311), 4» (416). Bei diesem Krystall von demselben Fundorte (k. k. Hof-Mine- raliencabinet) wird die Pyramide (311) noch durch eine Fläche der Form (416) fast unmerklich abgestumpft. Unter den stark gestreiften Prismen konnte ausser der Grundform (HO) noch (430) mit Sicherheit bestimmt werden. * Taf. X, Fig. 44. a(100), m(110), «(120), 4(631). Krystall von 6'" Länge aus Wolfsberg (k. k. Hof-Mineralien- cabinet). Derselbe ist mehrhaft gekrümmt. Die Fläche (631) ist bei Krystallen von diesem Fundorte nicht selten anzutreffen, aber immer etwas gekrümmt. Die Messungen ergaben im Mittel: (631) (631) = 53° 8-7' (53°14-4') (631)(100) = 28°13-4' (28° 5-2'). Habitus 6. Die in diese Gruppe zusammengefassten Formen habe ich von der eben angeführten Gruppe, mit der sie in Bezug auf Comhinution so ziemlich übereinstimmt, aus dem Grunde getrennt, weil die Kry- stalle einen ganz eigenthümlichen bestimmten Charakter zeigen. Von der Länge einer halben Linie bis zu jener von 2" zeigen diese Krystalle die Dicke eines Haares, die jedoch meist stärker wird, Krystallographisehe Studien über den Antimonit. 475 und selbst in seltenen Fällen eine halbe bis eine ganze Linie erreicht. Diese dünnen spitzigen nadeiförmigen Stäbchen sind, wenn sie kurz, zu kugeligen, oder wenn sie länger, zu garben- oder büschel- förmigen Aggregaten gruppirt, auf Quarz oder Baryt aufsitzend oder Baryt und selbst Realgarkrystalle (Kapnikbänya) durchwach- send, und zeigen oft schöne bunte Anlauffarben. Ich beobachtete diese Formen aus Ungarn und Siebenbürgen. Taf. X, Fig. 45. a(100), m(110), w(120), m>(311), 4(